Schlagwort-Archiv: Chirurgie

CO2-Fußabdruck von offenen Operationen, Laparoskopie und Robotik

Nachhaltigkeit als neue Dimension chirurgischer Versorgungsqualität

Der Klimawandel rückt die ökologische Verantwortung des Gesundheitswesens zunehmend in den Fokus. In den westlichen Industrienationen verursacht das Gesundheitssystem 4–8 % der nationalen Treibhausgasemissionen [1, 2]. Der Operationssaal zählt dabei zu den ressourcen- und energieintensivsten Bereichen eines Krankenhauses und trägt wesentlich zu dessen CO2-Emissionen bei [3]. Lebenszyklusanalysen zeigen, dass ein erheblicher Anteil der Emissionen nicht intraoperativ, sondern in vorgelagerten Produktions- und Lieferketten entsteht. Offene Verfahren sind apparativ weniger komplex, können jedoch durch längere postoperative Verweildauer relativ höhere Gesamtressourcenverbräuche verursachen. Laparoskopische Eingriffe weisen häufig einen erhöhten materialbedingten CO2-Ausstoß auf, profitieren jedoch von verkürzten Krankenhausaufenthalten und reduzierten Komplikationsraten. Robotische Verfahren zeigen derzeit meist die höchsten prozedurbezogenen Emissionen, insbesondere aufgrund energieintensiver Systemtechnik und limitierter Instrumentennutzungszyklen.

Neben der Operationstechnik beeinflussen strukturelle Faktoren wie OP-Auslastung, Energiequelle des Krankenhauses, Instrumentenmanagement und insbesondere die Wahl des Anästhesieverfahrens die Klimabilanz erheblich. Nachhaltige Chirurgie erfordert daher eine systemische, interdisziplinäre Betrachtung. Die ökologische Bewertung chirurgischer Verfahren sollte die gesamte Behandlungskette berücksichtigen. Nachhaltigkeit entwickelt sich damit zu einer zusätzlichen Dimension chirurgischer Qualität, ohne die patientenzentrierte Indikationsstellung zu kompromittieren. Das Ziel dieses Beitrags ist es, den CO2-Fußabdruck offener, laparoskopischer und robotischer Operationsverfahren vergleichend darzustellen und zentrale Einflussfaktoren zu identifizieren.

Emissionsquellen im OP

Die Emissionen entstehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Lebenszyklusanalysen (Life Cycle Assessments, LCA) zeigen, dass ein großer Anteil der CO2-Last aus Herstellung, Transport und Entsorgung von Medizinprodukten stammt [4, 5]. Relevante Quellen sind:

  • Energiebedarf von Raumlufttechnik (Laminar-Flow), Klimatisierung und Beleuchtung
  • Stromverbrauch medizinischer Geräte
  • Produktion und Entsorgung von Einwegmaterialien
  • Sterilisation und Aufbereitung von Mehrweginstrumenten
  • Anästhesiegase mit hohem Treibhauspotenzial
  • Logistik und Lieferketten

Oft werden 60–80 % der Emissionen vorgelagerten Prozessen zugeschrieben [5]. Die Wahl des Verfahrens beeinflusst somit nicht nur den intraoperativen Verbrauch, sondern auch die industrielle Emissionsbilanz.

Offene Chirurgie

Der CO2-Fußabdruck, ausgedrückt als das CO2-Aquivalent (CO2e), gilt als das direkteste Maß für die verursachte Umweltbelastung eines bestimmten Ereignisses, Methode, Verfahren oder ähnlichem [6]. Daher wurde die Bestimmung des CO2e auch in der Chirurgie untersucht, um das mit der Prozedur verbundene Ausmaß der Umweltbelastung quantifizieren zu können.

Offene Eingriffe sind apparativ weniger komplex als minimalinvasiver Verfahren. So entfallen etwa Insufflatoren, Videotürme oder Robotersysteme. Insgesamt ist die Datenlage zum CO2-Fußabdruck der offenen Chirurgie schmal. Wenige Daten zu gynäkologischen Prozeduren suggerieren eine bessere CO2-Bilanz offener Operationen im Vergleich zur minimalinvasiven Technik [7, 8]. Im direkten OP-Vergleich zeigen sich teils geringere gerätebezogene Emissionen [4]. Dieser Vorteil relativiert sich jedoch bei Einbezug postoperativer Faktoren. Längere Verweildauer, höherer Analgetikabedarf und potenziell mehr Wundkomplikationen können den stationären Ressourcenverbrauch erhöhen [3]. Eine valide ökologische Bewertung muss daher die gesamte Behandlungskette berücksichtigen.

Minimalinvasive Chirurgie

Die minimalinvasive Chirurgie erfordert neben der CO2-Insufflation, Video- und Lichtsysteme sowie häufig Einweg-Trokare und Energieinstrumente. Für einzelne Eingriffe wurde ein erhöhter materialbedingter CO2-Ausstoß gegenüber offenen Verfahren beschrieben [4]. Robotische Systeme erhöhen Präzision und Ergonomie, gehen jedoch mit zusätzlichem apparativem Aufwand einher: höherer Energiebedarf, komplexe Herstellung der Plattform sowie limitierte Nutzungszyklen der Instrumente. Vergleichende Analysen berichten häufig die höchsten prozedurbezogenen Emissionen für robotische Eingriffe [7]. Haupttreiber sind Produktion und begrenzte Wiederverwendbarkeit der Instrumente. Gleichzeitig sind postoperative Vorteile gut belegt: weniger Schmerzen, geringere Komplikationsraten, kürzere Liegedauer [3, 6]. Diese Effekte reduzieren stationäre Ressourcen und können die Gesamtbilanz verbessern. Präzisere Daten hinsichtlich des CO2-Fußabdruckes kommen wieder aus der Gynäkologie. Robotische Operationen, wie die robotisch-assistierte Hysterektomie, weisen dabei im Vergleich zur laparoskopischen Technik ein höheres CO2e auf. Im Durchschnitt entsteht bei einer robotischen Hysterektomie ein CO2e von 40,3 kg pro Patientin im Vergleich zu 29,9 kg CO2e pro Patientin im Rahmen einer laparoskopischen Hysterektomie oder 22,7 kg CO2e pro Patientin bei einer konventionell offenen Hysterektomie [7, 8]. Damit verursacht eine robotische Hysterektomie durchschnittlich eine höheres CO2e verglichen mit den laparoskopischen bzw. offenen Operationstechnik (p<0,01). Im Vergleich dazu weisen andere chirurgische Prozeduren ein deutlich niedrigeres CO2e auf. Eine minimalinvasive Emulsifikation der Augenlinse führt zu einem CO2e von 6 kg pro Fall [10]. Die CO2-Emission wird dabei insbesondere durch die notwendige Energie und die Entsorgung des entstandenen Mülls verursacht.

Abb. 1: Vergleich des CO2-Fußabdrucks von offenen Operationen, Laparoskopie und Robotik, Emissionsquellen im OP und Reduktionsstrategien.

Bei der minimalinvasiven Chirurgie wird die CO2-Emission einerseits durch die Insufflation des Gases zur Herstellung eines Pneumoperitoneums verwendet [10]. Das dadurch versuchte CO2e akkumuliert sich im Jahr auf geschätzte 355.294 Tonnen CO2, die in den USA jährlich durch laparoskopische oder robotische Operationen verursacht werden [11]. Dennoch ist die reine CO2-Insufflation und der damit verbundene Ausstoß von Treibhausgasen nicht der einzige Grund für das hohe CO2e der minimalinvasiven Chirurgie. Alle für die Sterilisation der Instrumente notwendige Energie, der Energieverbrauch der Geräte an sich (Strom-Applikator für die monopolaren oder bipolaren Koagulationsgeräte oder der Monitor), der OP-Beleuchtung oder der durch die Anästhesie verursachte Verbrauch an CO2 hat einen erheblichen Anteil an dem CO2e minimalinvasiver Operationen [10]. Hier zeigt sich zugleich eine Möglichkeit, das CO2e zu reduzieren. Dazu gehört beispielsweise die Verwendung von total intravenösen Narkoseführungen und der Verzicht auf Gasnarkosen [12]. Allein durch die Verwendung der total intravenösen Anästhesie (TIVA) kann eine Reduktion des CO2e um knapp ein Drittel erreicht werden [12, 13].

Strukturelle Faktoren

Zentrale Ansätze zur Reduktion der CO2-Belastung minimalinvasiver Operationen sind standardisierte OP-Sets, die Reduktion unnötiger Einwegkomponenten und – wo sicher möglich – der Einsatz von Mehrweginstrumenten [15]. Neben dem Verfahren wirken OP-Dauer, Saalauslastung, Energiequelle der Klinik, Wiederaufbereitung und Abfallmanagement auf die Bilanz. Green-OR-Initiativen zeigen relevante Reduktionen ohne Einbußen der Patientensicherheit [15, 16]. Optimierte Instrumentensiebe, Verpackungsreduktion, Recyclingprogramme und energieeffiziente Raumlufttechnik sind wirksame Maßnahmen. Eine erneuerbare Stromversorgung verbessert die Bilanz aller Verfahren deutlich [16].

Fazit

Der OP ist ein Emissions-Hotspot. Offene Verfahren sind apparativ weniger komplex, aber nicht automatisch klimafreundlicher. Laparoskopische Eingriffe verursachen höhere Materialemissionen, können durch kürzere Verweildauer kompensieren. Robotische Operationen zeigen derzeit meist die höchsten prozedurbezogenen Emissionen. Entscheidend ist die systemische Optimierung der chirurgischen Versorgung. Die Indikationsstellung bleibt primär patientenorientiert. Klimaschutz darf die Behandlungsqualität nicht kompromittieren. Sind Verfahren klinisch gleichwertig, kann die ökologische Bilanz jedoch ein legitimer Entscheidungsfaktor sein. Nachhaltigkeit wird damit zu einer zusätzlichen Dimension chirurgischer Qualität. Die entscheidende Frage lautet daher nicht „Welches Operationsverfahren ist am nachhaltigsten?“, sondern „Wie gestaltet man chirurgische Versorgung insgesamt klimaverträglicher?“. Nachhaltiges Handeln und achtsames Operieren wird damit zu einer neuen Qualitätsdimension chirurgischer Exzellenz.

Literatur

[1]   Eckelman MJ, Sherman J. Environmental impacts of the U.S. health care system and effects on public health. PLoS One. 2016;11(6):e0157014.

[2]   World Health Organization. Health care’s climate footprint: how the health sector contributes to the global climate crisis and opportunities for action. Geneva: WHO; 2019.

[3]   MacNeill AJ, Lillywhite R, Brown CJ. The impact of surgery on global climate: a carbon footprinting study of operating theatres in three health systems. Lancet Planet Health. 2017;1(9):e381–e388.

[4]   Thiel CL, Eckelman M, Guido R, et al. Environmental impacts of surgical procedures: life cycle assessment of hysterectomy in the United States. Environ Sci Technol. 2015;49(3):1779–1786.

[5]   Rizan C, Steinbach I, Nicholson R, Lillywhite R, Reed M. The carbon footprint of surgical operations: a systematic review. Ann Surg. 2020;272(6):986–995.

[6]   Rodríguez de Santiago, E., et al., Reducing the environmental footprint of gastrointestinal endoscopy: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) and European Society of Gastroenterology and Endoscopy Nurses and Associates (ESGENA) Position Statement. Endoscopy, 2022. 54(8): p. 797-826.

[7]   Woods DL, Mcandrew T, Nevadunsky N, Hou JY, Goldberg G, Yi-Shin Kuo D et al (2015) Carbon footprint of robotically-assisted laparoscopy, laparoscopy and laparotomy: a comparison. Intern J Med Robot Comp Assis Surg 11(4):406–412

[8]   Ramani S, Hartnett J, Karki S, Gallousis SM, Clark M, Andikyan V (2023) Carbon dioxide emissions and environmental impact of different surgical modalities of hysterectomies. J Soc Laparoendos Surg. 10.4293/JSLS.2023.00021

[9]   Papadopoulou A, Kumar NS, Vanhoestenberghe A, Francis NK.Br J Surg. 2022 Sep 9;109(10):921-932. doi: 10.1093/bjs/znac191.

[10] Thiel, C.L., et al., Cataract surgery and environmental sustainability: Waste and lifecycle assessment of phacoemulsification at a private healthcare facility. J Cataract Refract Surg, 2017. 43(11): p. 1391-1398.

[11] Thiel CL, Woods NC, Bilec MM. Strategies to reduce greenhouse gas emissions from laparoscopic surgery. J Minim Invasive Gynecol. 2018;25(6):1025–1033.

[12] Power, N.E., et al., Environmental impact of minimally invasive surgery in the United States: an estimate of the carbon dioxide footprint. J Endourol, 2012. 26(12): p. 1639-44.

[13] Singh, H., et al., Mandatory Reporting of Emissions to Achieve Net-Zero Health Care. N Engl J Med, 2022. 387(26): p. 2469-2476.

[14] Sherman JD, Thiel C, MacNeill A, et al. The Green Print: advancement of environmental sustainability in healthcare. Resour Conserv Recycl. 2020;161:104882.

[15] Overcash M. A comparison of reusable and disposable perioperative textiles: sustainability state-of-the-art 2012. Anesth Analg. 2012;114(5):1055–1066.

[16] Wyssusek KH, Keys MT, van Zundert AAJ. Operating room greening initiatives – the old, the new, and the way forward: a narrative review. Waste Manag Res. 2019;37(1):3–19.

Klose J: CO2-Fußabdruck von offenen Operationen, Laparoskopie und Robotik. Passion Chirurgie. 2026 Mai; 16(05): Artikel 03_01.

OP-Abfall als Kunstobjekt – Maria Koijck, die Künstlerin auf und hinter dem Titelbild der aktuellen Ausgabe

Maria Koijck, die Künstlerin auf und hinter dem Titelbild der aktuellen Ausgabe

Der BDC befragt die Nachhaltigkeitskünstlerin aus Groningen, Niederlande, zu ihrer Arbeit.

Passion Chirurgie: Können Sie uns etwas mehr über sich und Ihre Kunst erzählen?
Maria Koijck (MK): Ich bin Maria Koijck, geboren 1965, und habe mein ganzes Leben in Groningen verbracht.

Mit achtzehn begann ich ein Studium an der Kunstakademie, brach es aber nach der Hälfte ab. Es wurde einfach zu viel geredet und zu wenig gemacht. Ich hatte absolut keine Ahnung, was ich dort eigentlich tat. Im dritten Jahr gab ich das Studium ganz auf und beschloss aus Frustration und dem Wunsch heraus, endlich einen richtigen Beruf zu erlernen, Klempnerin zu werden.

Das war auch nicht ganz mein Ding, aber ich habe gelernt, wie man Rohre verlegt und Abflüsse anschließt. Damit habe ich etwas Geld verdient und mit meinen Ersparnissen bin ich nach Frankreich gefahren, um Fallschirmspringen zu gehen. Dort ging es schief: Ich habe mir den Knöchel gebrochen und landete wieder im Krankenhaus in Groningen. Die Genesung dauerte ein Jahr, und ich war oft dort.

Während dieser Wochen wurde mir etwas klar: Die Arbeit der Krankenschwestern war wunderschön und wichtig. Das inspirierte mich dazu, eine berufsbegleitende Ausbildung zur examinierten Krankenschwester zu absolvieren. Ich arbeitete viele Jahre lang mit großer Freude als Krankenschwester, aber man kann sich seinem Wesen nicht entziehen, und schließlich fand ich nach vielen Umwegen meinen Weg zurück zur Kunst.

Ein echter Wendepunkt kam während eines Besuchs in Sierra Leone. Ich war auf Einladung eines Freundes dort, der für Save the Children arbeitete. Dort sah ich zum ersten Mal die „Plastiksuppe“ – nicht als abstraktes Konzept, sondern in der Realität. Dieses Bild veränderte mein Leben. Von diesem Moment an beschloss ich, dass sich meine Kunst darauf konzentrieren musste, das Bewusstsein für unsere seltsamen und oft absurden Abfallgewohnheiten zu schärfen.

Wann wurde Ihnen bewusst, dass die Menge an Abfall, die während Ihrer Krebsbehandlung anfällt, zu einem Thema werden könnte, über das man sprechen sollte?
MK: Als ich die Schere, mit der gerade meine Verbände abgeschnitten worden waren, im Behälter für scharfe Gegenstände liegen sah. Ich verstand wirklich nicht, was sie dort zu suchen hatte, und brachte sie, ohne mir dessen bewusst zu sein, zur Krankenschwester zurück. Sie sagte mir, das sei völlig normal: Es handele sich um eine Einwegschere. Ich dachte sofort: Wer ist hier verrückt? Edelstahl ist ein wertvolles Material, das man mehrmals verwenden kann – Einweg? Ich konnte es einfach nicht verstehen. Von diesem Moment an wusste ich: Ich muss etwas dagegen unternehmen.

Wer hat Sie in Ihrem Bestreben unterstützt, Einblick in die enorme Menge an gebrauchten Materialien zu gewinnen?
MK: Meine Onkologin teilte meiner Chirurgin sofort mit, wer ich war und was ich wollte. Ich wollte nach meiner Brustrekonstruktion meine chirurgischen Abfälle mit nach Hause nehmen. Sie gab zu, dass dies eine ungewöhnliche Bitte war, aber sie hatte vollstes Verständnis dafür. Als ich nach zehn Stunden Narkose aufwachte, stand sie strahlend neben meinem Bett: Sechs große Säcke mit Abfällen standen in meinem Zimmer bereit.

Wer hat positiv auf Ihr Projekt reagiert?
MK: Eigentlich zunächst einmal niemand! Die Leute fanden es seltsam, Krankenhausabfälle zu einem Projekt zu machen. „Du wurdest gut behandelt und es geht dir jetzt besser, oder?“, sagten sie. Es bedurfte viel Überzeugungsarbeit, um klar zu machen, dass es nicht um mich ging, sondern um die enorme Umweltverschmutzung in Krankenhäusern.

Meine Tochter hat mir bei dem Video geholfen – sie ist Videografin –, aber selbst sie sagte: „Mama, ich würde gerne wissen, was in deinem Kopf vorgeht, dass du auf so etwas kommst.“

Während COVID, als ein Theater leer stand, habe ich dort zusammen mit einer Gruppe von Freunden und meiner Tochter die Aufnahmen gemacht. Als der gesamte Abfall ausgelegt war, konnte man plötzlich spüren, wie sich die Atmosphäre veränderte: Hier geschah etwas. Von diesem Moment an erhielt ich nichts als Unterstützung und Lob für das Projekt.

Auf welche Hindernisse sind Sie bei der Arbeit an deinem Projekt gestoßen?
MK: Als ich meinen Abfall aus dem Krankenhaus mitnehmen wollte, stellte sich heraus, dass das gar nicht so einfach war. Die Krankenhaushygieneabteilung war der Meinung, dass der Abfall ihnen gehörte und ich ihn nicht mitnehmen durfte. Letztendlich haben wir ihn zusammen mit dem Pflegepersonal an einem Sonntagabend heimlich aus dem Krankenhaus geschmuggelt.

Wie wurde Ihre Botschaft von der Öffentlichkeit und den Medien aufgenommen?
MK: Ich war völlig überwältigt. Von dem Moment an, als mein Video online ging, eskalierte die Situation plötzlich. Es kamen Reaktionen aus aller Welt. In den ersten zwei Monaten gab es enorme Aufmerksamkeit, mit Interviews im Fernsehen und im Radio. Aber es gab auch Ärzte, die mich persönlich anriefen, um mir zu danken. Im Gesundheitswesen war dieses Problem seit langem bekannt – aber wie bringt man es auf die richtige Art und Weise an die richtige Zielgruppe? Mein Video war genau die richtige Antwort darauf.

Auch jetzt noch erhalte ich Anfragen von Menschen aus allen Teilen der Welt, die mein Video für Vorträge, Bildungsprogramme und Publikationen verwenden möchten.

Hier geht’s direkt zu Maria Koijcks Video…

Zur Person

Maria Koijck
Designerin bei Bas-is und freischaffende Künstlerin
Niederlande
www.mariakoijck.com

Welche Reaktionen haben Sie erhalten?
MK: Wie bereits erwähnt: alles von völliger Verwunderung und Bewunderung bis hin zu dankbaren Nachrichten von Ärzten und Mitarbeitern des Gesundheitswesens. Es hat offensichtlich bei vielen Menschen einen Nerv getroffen.

„Maria schuf ein Kunstwerk aus Abfällen, die bei einer Operation anfielen: ihrer eigenen Operation.“ Haben Sie schon vor Ihrer Operation mit Abfällen gearbeitet, oder war die Operation der Moment, in dem Sie begonnen haben, sich darauf zu konzentrieren?
MK: Seit meiner Zeit in Sierra Leone hatte ich beschlossen, meine Kunst den Abfällen zu widmen. Schon vor meiner Brustkrebsdiagnose habe ich große Gemeinschafts-Kunstprojekte ins Leben gerufen. Zusammen mit lokalen Gemeinschaften haben wir aus Abfall große Tiere geschaffen: Zuerst haben wir aufgeräumt, um Materialien zu sammeln, und diese dann in große Kreaturen verwandelt. Ich habe einen riesigen Dinosaurier aus Plastikflaschen in Brasilien, ein Nashorn aus Dosen in Südafrika, einen Flamingo aus Flip-Flops in Bonaire und vieles mehr geschaffen.

Als bei mir Brustkrebs diagnostiziert wurde, erschien es mir völlig logisch, dieses Thema auf persönlicher Ebene anzugehen. Vor allem, weil ich als ehemalige Krankenschwester aus einer ganz anderen Zeit die Dringlichkeit dieses Themas plötzlich noch stärker empfand.

An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?
MK: Im Moment konzentriere ich mich auf Zigarettenkippen. Wussten Sie, dass eine einzige Zigarettenkippe 1.000 Liter Wasser mit Mikroplastik verschmutzen kann? Ich möchte das Bewusstsein dafür schärfen.

Wie können wir uns stärker dafür sensibilisieren, Abfall zu vermeiden? Haben Sie eine Empfehlung aus der Perspektive eines Künstlers?
MK: Machen Sie das Problem auf schöne, originelle Weise sichtbar, sodass die Menschen es sich tatsächlich ansehen und ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen wollen. Wenn Sie mit dem Finger auf andere zeigen und ihnen die Schuld geben, hat das den gegenteiligen Effekt. Die Menschen gehen sofort in die Defensive und ziehen sich zurück.

Panorama

OP-Abfall als Kunstobjekt – Maria Koijck, die Künstlerin auf und hinter dem Titelbild der aktuellen Ausgabe. Passion Chirurgie. 2026 Mai; 16(05): Artikel 09.

www.bdc.de

Safety-Clip Sammelband – Patientensicherheit im Fokus!

Sicherheit in der medizinischen Versorgung entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis von Wissen, Erfahrung, systematischer Analyse und dem konsequenten Willen, aus Risiken zu lernen.  Genau hier setzen die Safety Clips der Ecclesia Gruppe an, die seit Jahren Impulse für ein verantwortungsvolles klinisches Risikomanagement geben. Ihre Stärke liegt in der Verbindung von konkreten Fallbeispielen, klaren Handlungsempfehlungen und einer Perspektive, die über den klinischen Alltag hinausreicht. Diese Mischung macht den besonderen Nutzen dieses Sammelbands aus. Er bietet kompaktes, erprobtes Wissen, das unmittelbar in der Praxis anwendbar ist. Herausgegeben wird der Sammelband von der Ecclesia Gruppe und regelmäßig in der BDC-Mitgliederzeitschrift PASSION CHIRURGIE veröffentlicht. Die Beiträge stammen überwiegend von Autorinnen und Autoren der GRB Gesellschaft für Risiko-Beratung mbH, die innerhalb der Gruppe seit über 30 Jahren auf klinisches Risikomanagement spezialisiert ist. Als spezialisierte Beratungseinheit verbindet sie klinisches, organisatorisches und versicherungstechnisches Know-how.

Ihr Auftrag ist es, Gesundheitseinrichtungen dabei zu unterstützen, Risiken frühzeitig zu erkennen, professionell zu managen und so die Sicherheit sowie die Qualität der Versorgung nachhaltig zu verbessern. Denn wer Risiken versteht, kann sie steuern – und wer sie steuert, kann sie vermeiden, vermindern oder, wenn nötig, gezielt versichern.

Die in diesem Sammelband versammelten Beiträge spiegeln genau diesen Ansatz wider. Sie zeigen, dass Risikomanagement kein abstraktes Konstrukt ist, sondern ein integraler Bestandteil guter Medizin. Wir hoffen, dass diese Zusammenstellung Ihnen wertvolle Impulse für Ihre tägliche Arbeit gibt und dazu beiträgt, Sicherheit im Gesundheitswesen weiterzudenken und aktiv zu gestalten.

Hier geht´s zu den gesammelten Safety-Clips, die in der BDC-Mitgliederzeitschrift PASSION CHIRURGIE veröffentlicht wurden…

Download "Safety Clip Sammelband 2026"

BDC-Praxistest: Famulatur in der Chirurgie

Vorwort

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Die Famulatur beinhaltet laut Approbationsordnung in Deutschland ein verpflichtendes 4-monatiges Praktikum für Medizinstudierende. Famulatur in der Chirurgie? Und dann im Ausland? Die chirurgische Famulatur im internationalen Kontext stellt eine besondere Herausforderung dar, da sie sowohl die medizinischen als auch die kulturellen Unterschiede zwischen den Ländern und Gesundheitssystemen berücksichtigt. Ein wesentlicher Aspekt ist die Möglichkeit, verschiedene Behandlungsmethoden und Techniken kennenzulernen, die im eigenen Land möglicherweise weniger gebräuchlich sind. Dies fördert die Entwicklung eines breiten medizinischen Horizonts und kann auch die eigene Herangehensweise an die Chirurgie nachhaltig beeinflussen.

Und wer soll das bezahlen? Das SCOPE-Austauschprogramm der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) bietet Medizinstudierenden aus der ganzen Welt die Möglichkeit, eine vierwöchige Famulatur in deutschen Kliniken bzw. Studierenden aus Deutschland die Chance eine Famulatur im Ausland zu absolvieren. Wir freuen uns, Ihnen im Folgenden die Darstellung unseres Präsidenten und unserer Geschäftsführerin sowie die spannenden Berichte der Studierenden von Ihren Auslands-Famulaturen präsentieren zu dürfen.

Machen Sie mit!

Prof. Dr. med. C. J. Krones und Prof. Dr. med. D. Vallböhmer

DAS SCOPE-AUSTAUSCHPROGRAMM DER BVMD

Das SCOPE-Austauschprogramm der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) ist eine wertvolle Initiative, um die internationale Zusammenarbeit in der Medizin zu stärken. Es bietet Medizinstudierenden aus der ganzen Welt die Möglichkeit, eine vierwöchige Famulatur oder Hospitation in deutschen Kliniken zu absolvieren. Im Gegenzug erhalten Studierende in Deutschland die Chance, für ihre Famulatur ins Ausland zu gehen und so andere Gesundheitssysteme und Kulturen selbst hautnah zu erleben – eine unvergleichliche Chance, sich persönlich wie auch als angehende Ärztinnen und angehender Arzt weiterzuentwickeln.

Medizinstudierenden einen Platz zur Famulatur bieten

2026 sollen wieder bis zu 300 international Studierende in deutschen Kliniken aufgenommen werden. Doch die Studierenden sind dabei auf unsere Unterstützung angewiesen! Für Kliniken bietet sich die Gelegenheit, internationale Studierende kennenzulernen, von denen viele in Betracht ziehen, nach ihrem Abschluss in Deutschland zu arbeiten. Eine Mehrheit der Austauschstudierenden spricht vorwiegend Englisch, was jedoch eine Chance darstellt, die interkulturelle Kompetenz und sprachliche Flexibilität in Ihrem Team zu erweitern und die internationale Bekanntheit der Klinik zu stärken. Eine gute Betreuung fördert ihr Interesse, die deutsche Sprache zu lernen und möglicherweise langfristig in der Klinik zu arbeiten, die sie aufgenommen hat. Viele Studierende, gerade aus dem osteuropäischen Raum, sprechen aber auch schon Deutsch und kommen mit der Absicht, sich hier langfristige Kontakte aufzubauen.

Das Austauschprogramm der bvmd hat eine lange Tradition. Seit 1971, noch als (west-)deutscher Famulantenaustausch (wfa/dfa) ist es eines der zugänglichsten und kostengünstigsten Programme, dank der ehrenamtlichen Organisation durch die bvmd innerhalb ihres internationalen Dachverbandes und der Förderung durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Mit Ihrer Unterstützung leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Förderung des internationalen Austauschs und zur Weiterentwicklung der medizinischen Ausbildung. Wir würden uns freuen, wenn Ihre Klinik Teil dieses wichtigen Netzwerks wird.

Wir freuen uns, wenn Sie diese wichtige Initiative im Sinne der zukünftigen Chirurgen und Chirurginnen unterstützen können.

Für alle Anfragen zum Internationalen Austauschprogramm der bvmd:

Eva Wolschon und Kevin Oehme
0049 (30) 95 60 02 03
buero@bvmd.de
Mehr Informationen und Kontakt HIER…

Meyer HJ, Burgdorf F: BDC-Praxistest: Famulatur in der Chirurgie. Passion Chirurgie. 2026 April; 16(04): Artikel 05_01.

Wie zwei Austauschaufenthalte in Deutschland meine Sicht auf die Medizin verändert haben

Amer Hadžinurbegović
Medizinstudent
Austauschaufenthalte in Düsseldorf
(Traumatologie) und Tübingen (Anästhesie)

Raus aus der Komfortzone

Studentenaustausche innerhalb der International Federation of Medical Students (IFMSA) und in Kooperation zwischen der Vereinigung der Medizinstudierenden in Bosnien und Herzegowina (BoHeMSA) und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) waren für mich nie einfache Touristenreisen, sondern eine bewusste Entscheidung, meine Komfortzone zu erweitern, neue Freunde kennenzulernen und die Kultur eines anderen Landes zu erleben. Aus diesem Grund hatte ich das große Vergnügen, an zwei solchen Austauschaufenthalten teilzunehmen: dem ersten im September 2024 an der Traumatologischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf und dem zweiten im Juni 2025 am Universitätsklinikum Tübingen.

Warum Deutschland, und dann auch noch gleich zweimal?

Als Medizinstudent damals und heute als junger Arzt aus Bosnien und Herzegowina, einem kleinen Land im Herzen des Balkans, interessierte ich mich schon immer für die Arbeit in großen medizinischen Zentren, den Ursprungszentren neuer Forschung und Behandlungsmethoden. Während meines Studiums von Fächern wie Pathologie, Mikrobiologie und Biochemie stachen Namen wie Virchow, Koch, Krebs und Meissner hervor, aber auch Namen von Mikroorganismen wie dem Marburg-Virus. Deshalb beschloss ich, die Sommerferien während meiner klinischen Studienjahre im Rahmen von Studentenaustauschen zu verbringen.

Austausch in Düsseldorf – Begegnung mit einem anderen System

Vor meiner Ankunft in Düsseldorf hatte ich ein gutes Gefühl. Und ich sollte Recht behalten: Am Bahnhof wurde ich von meiner Ansprechpartnerin der bvmd und meiner Vermieterin, bei der ich einen Monat wohnen sollte, empfangen. Ihre Freundlichkeit, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft übertrafen meine Erwartungen bei Weitem. Ich werde nie das kleine Geschenk meiner Vermieterin vergessen, ein Buch über Düsseldorf, das an diesem Abend in meiner Wohnung auf dem Tisch auf mich wartete.

Vom ersten Tag an in der Klinik fühlte ich mich wie ein Student der Universität Düsseldorf. Ich wurde herzlich aufgenommen und war von Anfang an in die täglichen Aufgaben der Praktikant:innen eingebunden. Zunächst fühlte ich mich etwas unsicher, von der ersten Kontaktaufnahme mit besorgten Patienten bis hin zur Wundversorgung und dem Entfernen von Fäden. Doch das gesamte Team der Station stand mir zur Seite. Jeder neue Tag brachte neue Herausforderungen. Besonders bewegend waren die Momente, in denen ich Patient:innen dem Chefarzt und den Oberärzten vorstellen durfte. Zwanzig Ärzte standen im Flur vor dem Patientenzimmer und hörten meiner Präsentation aufmerksam zu. Meine Stimme zitterte in dem damals noch etwas unsicheren medizinischen Deutsch, aber ich schaffte es, und sie waren sehr zufrieden. In der letzten Woche, zwei Tage vor Ende des Austauschs, stand ich mit einer Professorin für Kinderorthopädie im OP und assistierte bei einer neunstündigen Operation zur Begradigung eines Kinderfußes. Die Müdigkeit und Schwäche in meinen Armen und meinem ganzen Körper verschwanden, nachdem ich den Moment miterlebt hatte, als die Eltern erfuhren, dass ihr Kind die Chance hatte, wieder laufen zu lernen.

Anästhesiologie in Tübingen – eine Begegnung mit Adrenalin

Nach Düsseldorf wusste ich, dass ich einen weiteren Austausch in Deutschland machen wollte. Ich entschied mich für Tübingen, weil ich den Süden Deutschlands kennenlernen wollte, aber auch wegen des guten Rufs der Universität. Die Organisation der bvmd war wieder einmal hervorragend, von der Unterkunft bis hin zum Dienstplan in der Anästhesiologie, wo ich jede Woche auf einer anderen Station eingesetzt war. Dadurch konnte ich die Anästhesie in der Poliklinik, der Frauenklinik, der Viszeralchirurgie und auf der Intensivstation kennenlernen.

Erfahrungen wie Notfallsituationen, beispielsweise die Anästhesie bei einem Notkaiserschnitt, Komplikationen nach dem Aufwachen eines Patienten aus der Vollnarkose oder schwere Traumata, sind Ereignisse, die sich für immer in das Gedächtnis eines jungen Arztes einprägen. Ich werde nie die Möglichkeit vergessen, unter der Aufsicht eines Oberarztes eine Anästhesie im OP durchzuführen. Die Verantwortung für das Leben der Patient:innen, die man dann übernimmt, lässt sich kaum in Worte fassen.

Das kulturelle Leben einer Universitätsstadt wie Tübingen war für mich eine besondere Erfahrung. Bibliotheken, Studententreffen und -aktivitäten eröffnen eine andere Perspektive auf das Studium und bereichern den Alltag.

Wenn der Studentenaustausch zum Wendepunkt wird

Ich selbst konnte kaum glauben, wie sehr diese beiden Studentenaustausche meine zukünftige Karriere und meine tägliche Arbeit prägen würden. Nach jedem Austausch war ich mir sicherer, den richtigen Weg gewählt zu haben: Den Weg des lebenslangen Lernens und der Hingabe, den Weg der Medizin. Die Austausche erweiterten meinen Blick auf die Medizin, schufen lebenslange Freundschaften und Bekanntschaften und ermöglichten mir Weiterbildungen und das Sammeln von Erfahrungen.

An dieser Stelle möchte ich den Universitätskliniken Düsseldorf und Tübingen für die gebotene Möglichkeit, der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) und dem Verband der Medizinstudierenden in Bosnien und Herzegowina (BoHeMSA) für die Organisation und die jährliche Durchführung der Austausche danken.

Abb. 1: Anästhesiemanagement während einer Operation mit DaVinci

Bericht einer Famulatur an einer deutschen Klinik

Anass Laamarti
Medizinstudent
Studentenaustausch in Lübeck

Im Rahmen meines Medizinstudiums an der Fakultät für Medizin und Pharmazie in Oujda (Marokko) hatte ich im März 2025 die Möglichkeit, eine vierwöchige Famulatur auf der neurochirurgischen Intensivstation des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, zu absolvieren. Diese Famulatur kam über das Austauschprogramm der bvmd zustande, das internationalen Medizinstudierenden wertvolle Einblicke in andere Gesundheitssysteme ermöglicht.

Mein Interesse an einer Famulatur in Deutschland war von dem Wunsch geprägt, ein hochstrukturiertes Gesundheitssystem kennenzulernen, meine medizinischen und sprachlichen Kompetenzen weiterzuentwickeln und praktische Erfahrungen auf einer spezialisierten Intensivstation zu sammeln. Bereits vor Beginn der Famulatur verband ich mit diesem Aufenthalt hohe Erwartungen – sowohl fachlich als auch persönlich.

Organisation und Rahmenbedingungen

Die Organisation der Famulatur über die bvmd verlief transparent und reibungslos. Nach der erfolgreichen Vermittlung erhielt ich frühzeitig alle notwendigen Informationen, was mir eine gute Vorbereitung auf den Aufenthalt ermöglichte. Von Beginn an wurde ich auf der neurochirurgischen Intensivstation sehr offen und herzlich in das interprofessionelle Team integriert. Die klaren Strukturen, definierten Zuständigkeiten sowie die pünktlichen und gut organisierten Arbeitsabläufe vermittelten mir schnell Sicherheit im klinischen Alltag.

Fachliche Erfahrungen auf der neurochirurgischen Intensivstation

Während der Famulatur war ich aktiv in den Stationsalltag eingebunden. Zu meinen regelmäßigen Tätigkeiten zählten unter anderem die Stationsarbeit, Anlage von arteriellen und venösen Zugängen unter Anleitung sowie die Assistenz bei Intubationen und Laryngoskopien. Darüber hinaus konnte ich viele weitere intensivmedizinische Maßnahmen beobachten und teilweise unter Supervision durchführen.

Besonders beeindruckend war für mich die enge Verzahnung von Neurochirurgie und Intensivmedizin sowie die präzise, leitlinienorientierte Versorgung der Patient:innen. Die Fachärzt:innen nahmen sich trotz hoher Arbeitsbelastung Zeit für Erklärungen, wodurch jede klinische Situation auch einen didaktischen Mehrwert hatte.

Kommunikation und Teamarbeit als prägende Erfahrung

Was mich während der Famulatur am nachhaltigsten geprägt hat, war die Art der Kommunikation – sowohl innerhalb des Teams als auch im Umgang mit den Patient:innen und ihren Angehörigen. Die Kommunikation war stets respektvoll, klar und aufrichtig. Patient:innen wurden transparent über ihren Zustand und die geplanten Maßnahmen informiert, was wesentlich zum Vertrauensaufbau beitrug.

Die Teamarbeit auf der Station war hervorragend strukturiert: Jede Berufsgruppe kannte ihre Aufgaben, Verantwortlichkeiten waren klar verteilt, und alle arbeiteten gemeinsam auf ein Ziel hin – die bestmögliche Versorgung der Patient:innen. Diese professionelle Arbeitsweise unterschied sich deutlich von meinen bisherigen Erfahrungen und stellte für mich den größten Unterschied im Vergleich zur Ausbildung in meinem Heimatland dar.

Persönliche Eindrücke

Die Arbeitskultur auf der Intensivstation war für mich sowohl eine Herausforderung als auch eine große Motivation. Pünktlichkeit, hohe Einsatzbereitschaft und ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein wurden konsequent gelebt. Besonders positiv überrascht hat mich jedoch die durchweg gute Atmosphäre auf der Station: Trotz hoher Arbeitsdichte herrschten ein respektvoller Umgangston, eine positive Grundstimmung und eine ausgeprägte Bereitschaft zur Lehre. Die deutsche Sprache stellte anfangs eine Herausforderung dar, insbesondere im medizinischen Fachkontext. Gleichzeitig motivierte mich diese Situation sehr, meine Sprachkenntnisse kontinuierlich zu verbessern und aktiv zu nutzen.

Darüber hinaus konnte ich während der Famulatur viele zusätzliche praktische Fertigkeiten entwickeln, die für meine weitere Laufbahn sehr wertvoll sind. Ich lernte beispielsweise, komplexe medizinische Geräte korrekt anzuwenden, Vitalparameter differenziert zu interpretieren und kritische Situationen schnell und effektiv einzuschätzen. Jede Patientensituation bot die Möglichkeit, Entscheidungen im Team zu diskutieren und fachlich fundierte Maßnahmen zu planen. Besonders lehrreich war die enge Supervision durch die Fachärzt:innen, die mir nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch ethische und kommunikative Aspekte der Intensivmedizin näherbrachten.

Auf persönlicher Ebene habe ich gelernt, wie wichtig Eigenverantwortung, Sorgfalt und kontinuierliche Reflexion in der Intensivmedizin sind. Ich konnte beobachten, wie kleine, präzise Handlungen im Alltag einer Intensivstation einen großen Unterschied für das Wohlbefinden der Patient:innen machen. Diese Erkenntnis hat meine Sicht auf die tägliche Arbeit als zukünftiger Ärzt nachhaltig geprägt und motiviert mich, meine Fähigkeiten kontinuierlich zu verbessern.

Bedeutung des Austauschprogramms und Fazit

Rückblickend habe ich aus dieser Famulatur sowohl medizinisch als auch persönlich enorm profitiert. Ich konnte meine praktischen Fähigkeiten erweitern, ein modernes intensivmedizinisches Umfeld kennenlernen und wurde von der fachlichen Kompetenz sowie dem Engagement der Fachärzt:innen nachhaltig inspiriert. Das Austauschprogramm der bvmd stellt aus meiner Sicht ein großes Privileg dar und bietet eine hervorragende Möglichkeit zur fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung. Ich würde dieses Programm internationalen Medizinstudierenden uneingeschränkt empfehlen.

Darüber hinaus hat die Famulatur meine beruflichen Zukunftspläne maßgeblich beeinflusst. Mein ursprüngliches Ziel, die Approbation in Deutschland anzustreben, wurde durch diese Erfahrung bestärkt. Nach Abschluss der Famulatur bin ich mir deutlich bewusster, was mich im deutschen Gesundheitssystem erwartet und gehe diesen Weg nun mit größerer Sicherheit und Motivation.

Warum ich immer wieder eine Famulatur im Ausland machen würde

Nicolas Buchert
Medizinstudent
Austauschaufenthalte in Malaysia, Thailand

Motivation

Schon seitdem ich mein Abitur in der Tasche habe, versuche ich jede Möglichkeit zu nutzen, neue Länder und Kulturen zu entdecken. Besonders Länder in Südostasien faszinieren mich schon seit meiner Kindheit, da sie so komplett anders als Länder in Europa (oder auch Nordamerika) sind, angefangen von den Sprachen über das Essen bis zu den Religionen. In einem Gap Year zwischen Schule und Beginn des Medizinstudiums war ich dann auch einige Monate in der Region „backpacken“, wollte aber, sobald es ging, auch während des Studiums wieder dorthin. Im Lernstress der Vorklinik ließ sich das nur schwierig realisieren, aber als ich mitbekam, welche Möglichkeiten es gab, um im Ausland zu famulieren, war ich sofort Feuer und Flamme.

Das Netzwerk der Studenten

Als ich mich mit der Planung von Famulaturen beschäftigte, wurde meine Aufmerksamkeit auf die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, kurz bvmd, gelenkt, welche einem internationalen Netzwerk, der International Federation of Medical Students‘ Associations IFMSA, angehört und Famulatur- und Forschungsaustauschprogramme rund um den Globus vermittelt und organisiert. Dabei werden die Programme auch von den Regierungen finanziell unterstützt, wodurch auf die Austauschstudent:innen nur geringe Kosten verglichen mit einer privat organisierten Famulatur zukommen.

Bewerbungsprozess

So kam es, dass ich mich für meine erste klinische Famulatur bei der bvmd bewarb, um diese in der Orthopädie in Bangkok, Thailand, zu absolvieren. Das Bewerbungsverfahren ist zweistufig, man bewirbt sich zuerst bei der eigenen Bundesvertretung (bei mir bvmd, da ich ja in Deutschland studiere), gibt hier drei Länder in verschiedener Priorität an und sobald man für eines dieser drei Länder die Zusage erhalten hat, muss man sich bei diesem nochmals bewerben, dann aber muss man entscheiden, ob man sich eher auf Grundlage eines Fachwunsches oder eines Stadtwunsches auf die verschiedenen Universitäten und Krankenhäuser zuteilen lassen möchte. Man kann nämlich dieses Austauschprogramm nur an Standorten mit Universitäten absolvieren, da alles ja selbst von Student:innen organisiert wird.

Abb. 1: Incomings Malaysia (Copyright Universiti Sains Malaysia)

Vorbereitung

Wenn man als Famulant in ein anderes Land geht, muss man sich natürlich im Vorfeld über gewisse Themen informieren, beispielsweise ob man ein Visum benötigt, welche Impfungen empfehlenswert oder vom Krankenhaus sogar vorgeschrieben sind, und was die Kleiderordnung betrifft. So musste man im Krankenhaus in Thailand zum Beispiel schwarze geschlossene Schuhe und eine dunkle Stoffhose tragen, einen Kittel musste ich selbst mitnehmen. In manchen afrikanischen Ländern muss man sogar eigene OP-Kasacks, Mundschutz und Einweghandschuhe selbst mitbringen. Bei jeglichen Fragen zu dem Aufenthalt kann man aber seine Ansprechpartner vor Ort fragen.

Abb. 2: OP Bangkok

Das Austauschprogramm

Was wird nun aber genau organisiert? Nun, zuerst einmal hat man immer mindestens eine Ansprechperson (sog. Contact Person) vor Ort, welche selbst Medizinstudent:in ist. Diese hat sich meistens dann auch um eine Unterkunft für den/die Austauschstudent:in (sog. Incoming) gekümmert, in der der/die Incoming kostenlos für die Zeit der Famulatur wohnen kann. Außerdem organisiert die Contact Person auch den Kontakt mit einem/r zuständigen Arzt/Ärztin des Fachs, in dem man famulieren möchte. Dazu kommt, dass über das Programm meistens mehrere Incomings aus verschiedenen Ländern gleichzeitig an einem Krankenhaus famulieren, sodass man sich mit diesen auch oft treffen kann. Die Contact Persons organisieren darüber hinaus auch oftmals ein Social Program, durch das man z. B. die nähere Umgebung gemeinsam erkundet oder die lokale Kultur besser kennenlernt. Durch eben diese Social Programs lernt man dann auch andere einheimische Student:innen, aber auch weitere Incomings kennen, mit denen man, sofern man sich gut versteht, auch viel Zeit abseits des Krankenhausalltages verbringen kann und wodurch tolle Freundschaften entstehen können.

Lerneffekt einer Auslandsfamulatur

Wenn es jedoch um den Lerneffekt einer Famulatur im Ausland geht, bin ich geteilter Meinung. Im (vor allem außereuropäischen) Ausland ist das Konzept der Famulatur weitgehend unbekannt, und so wird das Praktikum häufig eher als „Observership“ bezeichnet. Und das ist es auch, was man meistens tut: Zuschauen. Man hat keine festen Aufgaben, Patientenkontakt ist in Ländern mit fremden Sprachen natürlich ebenfalls schwierig (daher würde ich sowieso eher eine operative Famulatur empfehlen), und im OP muss man sehr proaktiv vorgehen und fragen, ob man sich auch mal einwaschen oder gar assistieren darf, die einheimischen Studenten schauen nämlich ebenfalls nur zu.

Abb. 3: Ärzteschaft Bangkok

Der Lerneffekt besteht meiner Meinung nach weniger auf fachlichen Aspekten (die man ja eh im universitären Alltag vermittelt bekommt), sondern eher auf den gesellschaftlichen, aber auch persönlichen Aspekten. Man lernt neue Gesundheitssysteme kennen, man erfährt eine neue Atmosphäre im Krankenhaus (in Thailand, und auch Malaysia, wo ich ebenfalls famulierte, herrschten ganz andere, viel freundlichere Umgangstöne, als ich sie in Deutschland gewohnt bin), und man kann sich mit den einheimischen Studenten austauschen, wie diese ihr Studium wahrnehmen und vor welchen Problemen sie stehen.

Fazit

Eine Famulatur im Ausland lässt einen über den eigenen Tellerrand hinausblicken, man lernt neue Perspektiven kennen und kann die Verhältnisse, in denen wir hier leben, umso mehr wertschätzen. Dadurch, dass man ein wenig aus der eigenen Komfortzone rauskommt, lernt man auch etwas über sich selbst, und die Erfahrungen, die man im Ausland macht, tragen nur positiv zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung bei.

Aus diesem Grund kann ich jeder/m empfehlen, eine Auslandsfamulatur zu machen.

Famulatur im Ausland

Sophia Schulte-Bocholt
Medizinstudentin
Austauschaufenthalt in Kurdistan (Irak)

Schon lange interessiere ich mich für den kulturellen Austausch. Im Sommer 2024 begann ich daher, meinen eigenen Austausch im Rahmen des Medizinstudiums zu planen. Ich kannte bereits das Austauschprogramm der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (bvmd) und entschied mich nach meiner Recherche für eine Bewerbung bei der bvmd. Die Bewerbung war erfolgreich und so war für mich im September 2025 eine Famulatur in den kurdischen Autonomiegebieten des Iraks geplant. Kurz vor Beginn des Praktikums musste der Austausch jedoch aufgrund der angespannten sicherheitspolitischen Lage infolge des Konflikts zwischen Israel und dem Iran durch die bvmd abgesagt werden, da sich die Studierendenorganisation um meine Sicherheit sorgte. Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits in engem Kontakt mit den lokalen Medizinstudierenden im Irak stand, mein Visum bereits organisiert war und ich meine Flüge bereits gebucht hatte, entschied ich mich nach sorgfältiger Abwägung dennoch, den Aufenthalt auf eigene Verantwortung anzutreten. Zumindest konnte ich die organisatorischen Strukturen des Austauschprogramms der IFMSA weiterhin nutzen, auch wenn die bvmd selbst nicht mehr involviert war und ich sie nicht über meine Entscheidung informiert hatte. Diese Entscheidung habe ich zu keinem Zeitpunkt bereut: Bereits bei meiner Ankunft wurde ich mit einer außergewöhnlichen Herzlichkeit und Gastfreundschaft empfangen, wie ich sie zuvor noch nie erlebt hatte.

Da ich weder Kurdisch noch Arabisch spreche, hatte ich mir im Vorfeld intensiv Gedanken über die Wahl der Fachabteilung gemacht. Aus diesem Grund entschied ich mich für die Allgemeinchirurgie, in der insbesondere im Operationssaal überwiegend Englisch gesprochen wird. Zunächst wurde mir ein Platz in dieser Abteilung zugesagt. Nach meiner Ankunft vor Ort wurde mir jedoch mitgeteilt, dass dies aktuell nicht möglich sei, da in der Allgemeinchirurgie aufgrund ausbleibender staatlicher Gehaltszahlungen ein erheblicher Personalmangel bestehe. Stattdessen wurde ich der chirurgischen Notaufnahme des Shar Hospitals in Sulaimaniyya zugeteilt.

Das Shar Hospital ist eines der beiden öffentlichen Krankenhäuser der Stadt Sulaimaniyya und fungiert zugleich als Universitätsklinikum. Es steht der gesamten Bevölkerung jederzeit offen. Im Gegensatz zu den zahlreichen privaten Kliniken der Region ist für die Aufnahme und Behandlung weder eine Krankenversicherung noch eine finanzielle Vorauszahlung erforderlich; die medizinische Versorgung erfolgt überwiegend kostenfrei. Lediglich Medikamente wie Antibiotika oder Analgetika müssen von den Patient:innen zu erschwinglichen Preisen in der krankenhauseigenen Apotheke erworben werden.

Abb. 1: Shar Hospital Anlage mit dem klassischem Abendrot

Die chirurgische Notaufnahme war durchgehend stark frequentiert. Das Spektrum der behandelten Fälle reichte von Kindern mit Platzwunden über Stichverletzungen und Verkehrsunfällen bis hin zu Stürzen älterer Patient:innen. Eine Röntgendiagnostik stand zur Verfügung, ein CT-Scanner jedoch nicht, da das Gerät seit Februar des Vorjahres defekt war und aufgrund fehlender finanzieller Mittel bis dahin nicht repariert werden konnte. Gerade bei Polytraumapatient:innen stellte dies eine erhebliche diagnostische Einschränkung dar. Entsprechend wurde großer Wert auf eine sorgfältige klinische Untersuchung gelegt. So wurden Schädelbasis- oder Kalottenfrakturen beispielsweise teilweise durch Palpation offener Weichteilverletzungen diagnostiziert.

Abb. 2: Shar Hospital Eingang

Ich empfand die Sprachbarriere zu den Patient:innen, von denen nur sehr wenige Englisch sprachen, als große Herausforderung. Die Ärzte und Ärztinnen sowie ein Großteil des Pflegepersonals verfügten hingegen über sehr gute Englischkenntnisse. Auch die universitäre Lehre, an der ich teilweise teilnehmen konnte, fand vollständig in englischer Sprache statt. Medizinische Fachliteratur war ausschließlich auf Englisch verfügbar.

Viele der Medizinstudierenden berichteten mir, dass sie die USMLE-Prüfungen ablegen und langfristig in den USA arbeiten möchten. Als Gründe nannten sie unter anderem das Überangebot an ärztlichem Personal im Irak sowie die begrenzten beruflichen Perspektiven nach Abschluss des Studiums.

Insgesamt bin ich sehr dankbar für das Austauschprogramm und das Engagement der bvmd und IFMSA, das Medizinstudierenden wie mir zugute kommt. Das Programm kann zu vergleichsweise geringen Kosten angeboten werden, da sich zahlreiche Medizinstudierende in Deutschland und in den internationalen Gastorganisationen ehrenamtlich engagieren. Die Bewerbungsgebühren sind im Vergleich zu den Gebühren anderer Organisationen, die ähnliche Praktika vermitteln, günstig. Gleichzeitig sind ein wenig Flexibilität und gelegentlich Geduld erforderlich, da keine Wunschpraktika organisiert werden können und die endgültigen Praktikumszuweisungen teilweise erst wenige Wochen vor Praktikumsbeginn mitgeteilt werden, sodass mit höheren Reisekosten zu rechnen ist. Eine Vermittlung in bestimmte Städte oder Abteilungen ist über das Austauschpraktikum der bvmd nur schwer möglich. Auch bei der Länderauswahl ist Flexibilität gefragt. Wer damit leben kann, kann sich über die Berichtedatenbank der bvmd hinreichend über individuelle Erfahrungen in den einzelnen Gastländern informieren.

Abb. 3: Suturing Room der chirurgischen Notaufnahme

Bei der Gestaltung des Austauschprogramms der bvmd ist die gute Betreuung durch lokale Medizinstudierende vor Ort besonders positiv hervorzuheben. In meinem Fall begleitete mich eine meiner Kontaktpersonen an vielen Tagen sogar ins Krankenhaus und half mir bei der Übersetzung. Darüber hinaus ermöglichte mir das integrierte Sozial- und Kulturprogramm Einblicke und Erfahrungen, die mir als Touristin nicht zugänglich gewesen wären. Dazu zählten gemeinsame Ausflüge, Café- und Restaurantbesuche. Die außergewöhnliche Gastfreundschaft und das kontinuierliche Engagement meiner Kontaktpersonen in Sulaimaniyya haben meinen Aufenthalt maßgeblich geprägt, worüber ich sehr glücklich bin.

Ich bin sehr dankbar für die tollen Erfahrungen, die ich während meines Austauschs im Irak machen durfte. Ich habe mich persönlich und fachlich weiterentwickelt und werde diesen Mehrwert sicherlich in meiner Arbeit als Ärztin nutzen können. Ich würde den Austausch jederzeit wieder machen und kann ihn allen Medizinstudierenden nur weiterempfehlen.

Berufspolitik aktuell: Krankenhausreformanpassungsgesetz

WIRD LAUTERBACHS KRANKENHAUSREFORM VERBESSERT ODER VERWÄSSERT?

Am 6. März 2026 beschloss der Bundestag mit dem Krankenhausreformanpassungsgesetz die Reform der Reform. Der Bundesrat stimmte am 27. März zu, nachdem man den Ländern in zahlreichen Punkten entgegengekommen war. Und auch Mecklenburg-Vorpommern war es auf den letzten Metern nicht gelungen, die Bundesländer noch einmal umzustimmen. Ein Antrag auf Anrufung des Vermittlungsausschusses wurde entsprechend abgelehnt. Mit größter Anstrengung brachte Schwarz-Rot die Reform schließlich durch, gegen die Stimmen von AfD, Grünen und Linken.

Stein des Anstoßes blieb bis zum Schluss eine Ausnahmeregelung für die Länder bei der Zuweisung von Leistungsgruppen an die Krankenhäuser. Schließlich einigten sich Bund und Länder darauf, die ursprünglich auf drei Jahre begrenzten Ausnahmemöglichkeiten bei Leistungsgruppenzuweisungen an Krankenhäuser um weitere drei Jahre zu verlängern. Voraussetzung ist, dass vor einer Entscheidung im Einzelfall Einvernehmen mit den Krankenkassen seitens der Landesbehörden hergestellt wurde. Auch bei der 2000-Meter-Abstandsregel wurde eine Ausnahmeregelung eingeführt. Diese ermöglicht es den Planungsbehörden der Länder, in Abstimmung mit den Partnern der Selbstverwaltung, in begründeten Einzelfällen von der Krankenhausstandortdefinition abzuweichen. Schließlich wurde klargestellt, dass Mittel aus dem Transformationsfonds teilweise auch für den Strukturerhalt genutzt werden können. Weitere Änderungen betreffen u. a. die Definition von Fachkliniken.

Aus Sicht des BDC war eine Einigung dringend überfällig, nicht zuletzt, um Rechtssicherheit für Krankenhäuser bei der Umsetzung der Krankenhausreform zu schaffen. Zwar werden die Reformschritte nun langsamer greifen. Dies ermöglicht es aber den Akteuren, sich besser auf die Neuerungen einzustellen und in begründeten Fällen Ausnahmen zuzulassen, was durchaus positiv bewertet wird.

Enttäuschend ist aus Sicht des BDC, dass der Gesetzgeber sich nicht dazu durchgerungen hat, dringenden Änderungsbedarf in Bezug auf die Finanzierung von Hybrid-DRG aufzugreifen. Um ein angemessenes Investitionsklima zu schaffen, sollte die Kostendegression auf EBM-Niveau so schnell wie möglich aus dem Gesetz gestrichen werden.

Auch die Finanzierung der Weiterbildung, die Förderung der Weiterbildung im Verbund und – damit verbunden – die Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes, wurden erneut nicht in Angriff genommen. Hier wurden Chancen vertan!

Ob die Krankenhausreform angesichts klammer Kassen bei lahmender Konjunktur und zunehmenden Kosten im Rahmen der Verteidigung und schwelender Kriegsherde schließlich zu finanziellen Einsparungen führen wird, bleibt mehr als fraglich. Zu hoffen bleibt, dass die 50 Milliarden Euro aus Steuermitteln für den Transformationsfonds zielgerichtet eingesetzt werden und dabei helfen werden, den Reformprozess zu strukturieren. Die Reform der Reform ist also noch nicht abgeschlossen – so viel ist sicher!

Burgdorf F: Krankenhausreformanpassungsgesetz – wird Lauterbachs Krankenhausreform verbessert oder verwässert? Passion Chirurgie. 2026 April; 16(04): Artikel 05_01.

Personalia im April 2026

Beatrice Fundel übernahm im Januar 2026 die Leitung der Zentralen Notaufnahme am St. Agnes-Hospital Bocholt. Zuvor war sie als leitende Oberärztin in der Klinik für Notfallmedizin am Krankenhaus Maria Hilf der Alexianer Krefeld GmbH tätig.

Dr. med. Bassam Hammoud ist seit April 2026 neuer Chefarzt für die Allgemein- und Viszeralchirurgie am Heidekreis-Klinikum. Zuletzt war Dr. Hammoud als geschäftsführender Oberarzt am Marienhospital Osnabrück und im viszeralonkologischen Zentrum der Niels-Stensen-Kliniken tätig.

Prof. PD Dr. med. habil. Jörg Ohnsorge ist seit Februar 2026 neuer Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie an der Maybach-Klinik in Stuttgart.

Dr. med. Simon Rieder, ehemals leitender Oberarzt in Halle, ist Januar 2026 neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara Schwandorf.

Dr. med. Reza Yusefi-Asrami ist seit Januar 2026 neuer Chefarzt der Abteilung für Handchirurgie am Krankenhaus St. Josef in Schweinfurt.

Dr. med. univ. Mascha Trojer, seit 2021 Chefärztin der Hauptabteilung für Unfall-, Hand- und orthopädische Chirurgie sowie Sportmedizin am Klinikum Landau-Südliche Weinstraße, hat im Januar 2026 turnusgemäß auch die Leitung des Ärztlichen Direktorats am Klinikum übernommen.

Hygiene-Tipp: Müssen Schlussdesinfektionen zwingend durch einen Desinfektor durchgeführt werden?

Frage:

Muss die Schlussdesinfektion eines Patientenzimmers (nach der Pflege eines Patienten mit definierten Infektionskrankheiten) im Krankenhaus durch einen ausgebildeten Desinfektor durchgeführt werden?

Antwort:

Für behördlich (vom Gesundheitsamt) angeordnete Desinfektionen kann der Nachweis einer Sachkunde erforderlich sein. Das ist eine Forderung des Infektionsschutzgesetzes (Infektionsschutzgesetz vom 20. Juli 2000 (BGBl. I S. 1045), zuletzt geändert durch Art. 8 Abs. 8 G v. 27.9.2021 I 4530

§ 17 Infektionsschutzgesetz: Besondere Maßnahmen zur Verhütung übertragbarer Krankheiten, Verordnungsermächtigung

(1) Wenn Gegenstände mit meldepflichtigen Krankheitserregern behaftet sind oder, wenn das anzunehmen ist und dadurch eine Verbreitung der Krankheit zu befürchten ist, hat die zuständige Behörde die notwendigen Maßnahmen zur Abwendung der hierdurch drohenden Gefahren zu treffen.

(3) Erfordert die Durchführung einer Maßnahme nach den Absätzen 1 und 2 besondere Sachkunde, so kann die zuständige Behörde anordnen, dass der Verpflichtete damit geeignete Fachkräfte beauftragt.

Diese geeigneten Fachkräfte sind dann in der Regel staatlich anerkannte Desinfektoren. Bei der Auswahl eines Reinigungsunternehmens ist es daher sinnvoll, das Vorhandensein mindestens eines Desinfektors im Unternehmen sicherzustellen.

Die überwiegende Anzahl der Schlussdesinfektionen erfolgt allerdings ohne behördliche Anordnung. Diese können auch von Mitarbeiter:innen ohne Ausbildung zum Desinfektor (z. B. Krankenpflegepersonal oder Mitarbeiter:innen von Reinigungsunternehmen) realisiert werden. Allerdings setzt auch das eine geeignete Einarbeitung voraus.

Der Kurztipp im Auftrag der DGKH gibt die Meinung der Autoren wieder.

Jatzwauk L, Groth M, Hübner NO, Kohnen W, Wieting D: Hygiene-Tipp: Müssen Schlussdesinfektionen zwingend durch einen Desinfektor durchgeführt werden? Passion Chirurgie. 2026 April; 16(04): Artikel 04_03.

Multitalent für die ambulante Versorgung: Medizinische Fachangestellte werden in Praxen ausgebildet

Keine Praxis läuft ohne sie – die Medizinischen Fachangestellten, kurz: MFA. Die gut ausgebildeten Praxismitarbeitenden verfügen über Fachkenntnis, soziale Kompetenz und Organisationstalent. Am Tresen oder im Behandlungszimmer sorgen sie für möglichst reibungslose Abläufe – und erfüllen vom Arzt delegierte medizinische Aufgaben. Ein Erfahrungsbericht aus Schwerin:

In der Praxis von Dr. Heike Thierfeld, hausärztlich tätige Fachärztin für Allgemeinmedizin und Chirurgie, und Dr. Andreas Oling, Chirurg, Unfallchirurg und Durchgangsarzt, geben sich selbst an diesem Mittwochnachmittag Patienten die Klinke in die Hand. Drei MFA und zwei Auszubildende im dritten Lehrjahr gehören zum Team, neben den beiden Ärzten, die in dem modernen Versorgungszentrum mit Blick aufs Schweriner Schloss zwischen Vorbereitungs-, Behandlungs-, OP- und Aufwachräumen pendeln.

Jeder kennt hier seine Aufgaben, seinen Bereich, morgens beim „Arbeits-Frühstück“ wird der Tag geplant und genau durchgetaktet, werden aktuelle Fälle und die anstehenden Aufgaben besprochen. „Kommunikation ist die halbe Miete“, meint Dr. Thierfeld. Das sei wie im Alltag einer großen Familie, der ohne gute Abstimmung auch nicht laufe.

MFA-Ausbildung seit zwei Jahrzehnten

Vor mehr als 20 Jahren gründete das Ärzteehepaar seine gemeinsame Praxis, die seit 2006 in der Rechtsform eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) arbeitet. Seit Beginn engagieren sich die Inhaber für den Nachwuchs, auch als Lehrpraxis für die Universitätsmedizin Rostock und die Medical School in Schwerin. Ebenso bilden sie regelmäßig MFA aus, ermöglichen Famulaturen und für die Jüngsten sogar Schülerpraktika.

„MFA bilden wir in erster Linie für den Eigenbedarf aus“, sagt Heike Thierfeld. Dies sei eine Grundvoraussetzung für das Fortbestehen ihrer Praxis, für die Sicherung des medizinischen Personals von heute und morgen. „Die Niedergelassenen müssen sich selbst um ihr Praxispersonal bemühen“, betont sie.

Dr. Thierfeld ist es ein erklärtes Anliegen, mehr ambulante Kollegen vom Sinn und der Notwendigkeit, selbst MFA auszubilden, zu überzeugen, um damit den Fachkräftemangel zu mildern. Auch wenn der Aufwand für die Praxisinhaber hoch sei und ihrer Ansicht nach nicht vergütet werde – die praxisnahe duale Ausbildung Medizinischer Fachangestellter sei der „Goldstandard“ für die Nachwuchssicherung.

Abb. 1: Lilly Haack ist MFA in Schwerin

MFA an der Schnittstelle zwischen Arzt und Patient

Lilly Haack (20) hat im Juli 2025 bei Dres. Thierfeld und Oling ihre dreijährige duale Ausbildung zur MFA erfolgreich abgeschlossen – und ist nahtlos von ihnen übernommen worden. Dabei war Lillys Weg durchaus nicht nur eben: So hätte sie Ende des ersten Ausbildungsjahres für ein paar Monate mal in einem Autohaus „angeheuert“, um schließlich doch noch ihre MFA-Laufbahn fortzusetzen – motivierter denn je, wie sie heute meint.

Seit diesem Sommer ist Lilly angestellte MFA in der Schweriner Praxis und hier insbesondere in der Wundversorgung, Hygiene und Instrumentenaufbereitung sowie als Assistenz im ambulanten OP tätig. „Die Chirurgie hat es mir angetan“, so die junge Frau. Vor allem bei Operationen müsse konzentriert, zügig und strukturiert gearbeitet werden, perfekte Hygiene und Qualität seien unabdingbar. „Das liegt mir!“

Vanessa Malethan (24), die seit sieben Jahren in der Praxis tätig ist und im Jahr 2020 ihre MFA-Ausbildung abschloss, hat ihre Berufswahl nie bereut, wie sie erklärt. Sie schätze besonders die gute Kommunikation im Team. Morgens beim Kaffee gebe es stets ein Update zum Verlauf des vorigen Tages sowie zu den bevorstehenden Aufgaben. Probleme und Fragen würden offen diskutiert, davon profitierten alle Mitarbeitenden, ob am Tresen, im Labor, beim Röntgen, in den Behandlungs- oder Operationsräumen. „Königinnen-Wissen gibt es bei uns nicht“, betont Dr. Thierfeld.

Ärzte delegieren medizinische Aufgaben

Was hält MFA längerfristig im System der ambulanten Versorgung? Verantwortung, Wertschätzung, ein vielfältiges, abwechslungsreiches wie auch anspruchsvolles Aufgabengebiet, selbstständiges Arbeiten, klare Kommunikation seien die Basis für Motivation und Zufriedenheit im Team. Dafür sei konstruktiver Austausch sehr wichtig, sagt Dr. Oling. Unterforderung müsse ebenso vermieden werden wie Überforderung. „Selbst ausbilden ist die Lösung.“

Ärzte dürfen sehr viele Aufgaben an ihre MFA delegieren, sofern diese über die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen: Wunden versorgen, Blut abnehmen, Tropf legen, Verbände wechseln, Gips anlegen, beim Operieren assistieren. Daneben unterstützen MFA die Praxisinhaber bei der Terminplanung, Abrechnung, Dokumentation. Sie sind am Tresen die ersten Ansprechpartner für die Patienten, begleiten diese vor, während und nach den Untersuchungen und Behandlungen.

„MFA erfahren meist positives Feedback von unseren Patienten“, sagt Dr. Thierfeld. Das wirke sich günstig auf das Selbstwertgefühl der jungen Mitarbeiterinnen aus. „Von den Patienten bekomme ich viel zurück“, meint Lilly. Dies mache Stress oder Probleme im Praxisalltag allemal wett. Das Vertrauen der Patienten, ihr Dank gebe ihr viel, sie fühle sich gebraucht und anerkannt.

Und die Praxisinhaber? „Wir dürfen erleben, wie aus Kindern, die gerade die Schule beendet haben, erwachsene, gut ausgebildete Menschen werden – und haben unseren Anteil daran“, so die Ärztin. „Wir bilden neben den MFA Persönlichkeiten aus.“

Ärztekammer: Positiver Trend bei MFA-Ausbildung

In den ambulanten Praxen der ca. 3.300 Vertragsärzte und -psychotherapeuten in M-V sind gegenwärtig etwa 9.000 nicht-ärztliche Mitarbeitende – MFA, Arzthelferinnen, Krankenschwestern u.a. – beschäftigt.

Sylvie Kather, Leiterin des Fachbereichs MFA der Ärztekammer M-V, erklärte, dass der Anteil der ausbildenden Praxen in M-V in den letzten Jahren von ca. 6 auf jetzt 7,4 Prozent (Stand: August 2025) gestiegen sei. In diesem Sommer bestanden in M-V 103 junge Frauen und Männer erfolgreich die Abschlussprüfungen zur oder zum MFA, weitere 10 erreichten nicht das Ausbildungsziel. Zugleich steigen die Zahlen der MFA-Auszubildenden in M-V weiter an: Ende August 2025 befanden sich 119 Azubis im dritten, 153 im zweiten und 179 im ersten Lehrjahr, dazu kamen 41 Umschüler in beiden Jahrgängen.

Einen Clip zum Thema „Ein Tag als Medizinische:r Fachangestellte:r (m/w/d)“ können Arztpraxen z. B. auf ihrer Website einbinden. Das Video finden Sie auf der Webseite der Bundesärztekammer, klicken Sie HIER.

Grit Büttner

Leiterin

Abteilung KV-Medien und Kommunikation

Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern

GBuettner@kvmv.de

Erstveröffentlichung im Oktober 2025 (Nr. 397) in „Journal“, dem offiziellen Mitteilungsblatt der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern, Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der KV Mecklenburg-Vorpommern.

Chirurgie+

www.bdc.de

Fehlerkultur in der Chirurgie und Second-Victim-Phänomen

Allgemeines zu Fehlern in der Chirurgie

Jeder Mensch begeht Fehler am laufenden Band, privat oder bei der Arbeit. Meist sind sie so klein, dass sie nicht der Rede wert sind oder nicht einmal auffallen. Sie können jedoch auch Ausmaße erreichen, die einen Patienten gefährden können. Manchmal sind es absolut vermeidbare Fehler, die durch Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit geschehen. Diese werden in der Rechtsmedizin als Behandlungsfehler gewertet und somit entsprechend geahndet. Beispiele sind Verwechslung der Seite bei einer Knieoperation oder das Vergessen von Gegenständen wie Tupfer oder Instrumente in der Bauchhöhle. Andere Fehler werden als solche erst erkennbar, nachdem sie geschehen sind, wie z. B. eine Operation, die wir besser nicht durchgeführt hätten, weil das Risiko sehr hoch war. Diese Situation ist kein Behandlungsfehler im Sinne des Gerichts, sondern wird durch das erhöhte Risiko provoziert. Das wird mit den Patienten zuvor genauso ausführlich besprochen und das schriftliche Einverständnis eingeholt.

Davon abzugrenzen sind die Komplikationen, die ohne schuldhafte Vorgehensweise auch bei sehr sorgfältiger Behandlung auftreten können, wie z. B. eine Anastomoseninsuffizienz nach einer Darmnaht oder eine Lungenembolie. Je größer eine Operation, desto wahrscheinlicher sind Komplikationen. Bei Ösophagusresektionen sprechen wir von bis zu 50 %, die akzeptiert und meist gut behandelbar sind. Diese werden vor Gericht als schicksalhaft eingestuft und nicht geahndet. Natürlich treten Komplikationen häufiger auf, wenn die Operation technisch nicht optimal durchgeführt wird. Beispiele sind Nachblutungen durch unsaubere Ligaturen oder nicht schichtgerechte OP-Technik, Verletzung von anderen Organen wie dem Ureter oder der Milz. Um dieser Situation zuvorzukommen und um die Qualität der Operation immer so hoch wie möglich zu halten, assistiert ein erfahrener Chirurg dem Unerfahreneren die Operationen so lange, bis die Qualität ausreichend hoch ist, um eigenverantwortlich operieren zu können. Tabelle 1 fasst die drei Typen von Fehlern zusammen.

Nicht jeder Fehler hat einen Schuldigen. Manche sind vermeidbar, andere nicht.

Maßnahmen zur Vermeidung von Fehlern

Die vermeidbaren und angreifbaren Fehler in Punkt 1 der Tab. 1 können durch zahlreiche Maßnahmen minimiert werden (Tab. 2). Sie sind im Fokus zahlreicher sinnvoller Maßnahmen, die immer wieder aktualisiert werden und zu einer deutlichen Reduktion der Fehlerquote geführt haben [1].

Fehler in Punkt 2 und 3 aus Tabelle 1 können nur durch äußerst sorgfältiges Handeln der Ärzte minimiert werden. Letztlich sind Fehler nie gänzlich vermeidbar.

Tab 1: Fehler in der Chirurgie

1. Behandlungsfehler durch Fahrlässigkeit
Falsche Seite, Verwechselung des Patienten, vergessenes Instrument, falsches Medikament, etc.

2. Sekundärer vermeidbarer Fehler
Zu hohes Risiko der OP, zu viel Chirurgie in einer OP, anstatt eine zweizeitige OP durchzuführen

3. Schicksalhafte Komplikation
Verletzung des Ureters oder der Milz, Anastomoseninsuffizienz, Thrombose, Wundinfektion, Nachblutung

Second-Victim-Phänomen (SVP)

Während das bislang Dargestellte allgemein bekannt ist und in jeder Klinik verpflichtend Anwendung findet, wird deutlich weniger Aufmerksamkeit denjenigen persönlich gewidmet, denen schwerwiegende Fehler unterlaufen. Ein guter und gewissenhafter Chirurg fühlt sich auch bei einer nicht vermeidbaren Komplikation verantwortlich und betroffen, denn er weiß, dass nicht jede Operation gleich ist und oft ihre Tücken hat.

Der erste Gedanke sollte hier sein: „Habe ich persönlich etwas falsch gemacht? Was ich hätte vermeiden können? War ich nicht sorgfältig genug? Hätte ich eine bestimmte Naht anders anlegen sollen?“ Nur durch die eigene Reflexion und Selbstkritik sind wir in der Lage, uns zu verbessern und zu optimieren. Somit kommt es bei ungeplanten Ereignissen zwangsläufig zu einer negativen psychologischen Reaktion. Umso stärker betroffen sind wir, wenn es sich um einen vermeidbaren Behandlungsfehler handelt, der entweder durch eine Verkettung unglücklicher Umstände oder aber durch einen einzigen Zwischenfall entstanden ist. Es können mehrere oder nur eine Person beteiligt sein. In diesen Fällen ist die psychische Belastung für den behandelnden Arzt ungleich größer. Neben dem Schaden für den Patienten kommen mögliche weitere Faktoren dazu. Eine Metaanalyse zeigt die häufigsten Symptome und Auswirkungen bei 6629 Behandlern [2], die in Tabelle 3 aufgelistet sind. Man nennt diese Situation das „Second Victim Phenomenon“ (SVP), wobei der Behandler selbst zum „Opfer“ wird.

Tab. 2: Häufigste Maßnahmen zur Vermeidung von Fehlern

M&M-Konferenzen nach aufgetretenen Fehlern

„Critical Incidence Reporting System“ (CIRS) bei Beinaheunfällen

Patientenidentifikation durch Armbänder mit Namen

Markierung der zu operierenden Seite

Team-Time-Out vor dem Schnitt (= Checkliste mit den wichtigsten Punkten)

Zählen der Tupfer, Instrumente und anderem, was Verwendung im OP fand, durch die Pflege

Zusätzlich kommt noch die Angst vor weiteren Konsequenzen: Neben der emotionalen Last besteht oft die Sorge vor rechtlichen Schritten, dem Verlust der Zulassung oder einer öffentlichen Stigmatisierung.

Diese psychische Belastung und den Umgang damit möchten wir in diesem Artikel hervorheben.

Der Arzt, der den Fehler begeht, kann selbst zum Opfer werden.

In einer italienischen Studie [3] wurden an einem Kollektiv aus 80,7 % Pflegepersonal und 19,3 % Ärzten ein validierter modifizierter Fragebogen (IT-SVEST) verteilt und ausgewertet, der ähnliche Fragen beinhaltete. 57,4 % der Befragten arbeiteten nicht in der Chirurgie. Die beschriebenen Symptome waren ähnlich, jedoch anders gewichtet. Nur 23,5 % litten unter psychischen und 9,9 % unter physischen Symptomen. Die Unterschiede zur Metaanalyse von Bryan könnten an dem sehr ungleichen Kollektiv liegen. Allerdings erbringt eine andere italienische Studie mit demselben Instrument bei allen Heilberufen des Krankenhauses von Udine wieder eine deutlich höhere Häufigkeit von Symptomen, die stärker der Metaanalyse ähnelt [4]. Gemeinsam ist den Studien, dass in einem größeren Teil der Behandler Schäden entstehen, die beseitigt, gelindert oder behandelt werden müssen.

Tab. 3: Auswirkungen des SVP (aus [2])

Emotional

Angst

Schuldgefühle

Trauer

56,3 %

53,8 %

48,3 %

Physisch/psychosomatisch

Schlafstörungen

50,5 %

Professionell

Verlust des Ansehens und des Selbstbewusstseins

35,8 %

Sozial

Interessensverluste

Belastung der sozialen Beziehungen

52,0 %

24,5 %

Auswirkung auf die Betroffenen als Second Victim in der Patientenversorgung

Im Alltag führt das Second-Victim-Phänomen bei den Betroffenen zu einer Verschlechterung der Leistung, denn unter Angst, erneut solch einen Fehler zu begehen, werden Entscheidungen mitunter irrational. Eine deutlich defensivere Medizin mit Entscheidungsschwäche, frühzeitiger Einstufung einer Inoperabilität, Verlegung der Patienten in andere Kliniken oder unnötiger weiterer Diagnostik sind die Folgen. Grundsätzlich werden emotional-psychologische Folgen von einer Verschlechterung der medizinischen Leistungsfähigkeit und vom Absentismus, also von Fehltagen des betroffenen Chirurgen, der sich erst erholen muss, unterschieden.

Wir erinnern uns, dass wir während unserer Assistenzarztphase immer wieder mit Wutausbrüchen unserer vorgesetzten Chefärzte konfrontiert wurden, wenn wir vermeintliche Fehler begangen hatten. Darauf folgte unter Umständen ein OP-Verbot für 4 Wochen. Nach den modernen Konzepten der Deontologie und der medizinischen Didaktik ist diese Vorgehensweise keineswegs empfehlenswert, denn sie belastet die Ärzte noch deutlich mehr und führt zu einer weiteren Verschlechterung ihrer persönlichen Leistung.

Wenn z. B. ein Mensch mit V. a. akute Appendizitis vorstellig wird, ist die übliche Vorgehensweise, bei bestimmten Symptomen und Untersuchungsergebnissen die Appendektomie durchzuführen. Ein psychisch belasteter Arzt wird eher zurückhaltend mit der Entscheidung sein, wird z. T. unnötige Diagnostik wie ein CT oder weiteren Ultraschall initiieren, oder aber die Dringlichkeit verkennen und den Patienten zur Beobachtung aufnehmen. Der richtige OP-Zeitpunkt wird dadurch verschoben und die Folgen für den Patienten werden schwerer. Oder aber ein Tumor wird als inoperabel eingestuft, den der traumatisierte Chirurg zuvor problemlos entfernt hätte. Dieses Verhalten kann sich auf das Team übertragen, insbesondere wenn der Betroffene eine Stellung mit viel Ansehen im Team einnimmt oder ein Vorgesetzter ist. Aufgrund dieser Psychodynamik kann im Team eine Kultur der defensiven Medizin entstehen, die in der Regel nicht günstig ist. Patienten werden zu spät operiert, die Geschwindigkeit des Eingriffs nimmt ab, die Leistungsfähigkeit von Operateur und Team sinkt. Die Angst vor Komplikationen steigt und somit auch vor der Durchführung größerer Operationen. Gleichzeitig erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen in einem mehr oder minder ausgeprägten circulus vitiosus.

Vertrauen und gute Kommunikation helfen das Selbstvertrauen wieder aufzubauen.

Maßnahmen zur Reduktion der Auswirkungen des SVP

Eine hilfreiche Fehlerkultur kann diese Entwicklungen stoppen oder zurück in eine günstige Richtung lenken. Man kann sie auch als Kommunikationskultur bezeichnen, da sie eigentlich die Besprechung, Beurteilung und Verarbeitung schwieriger Ereignisse und Erlebnisse beinhaltet und das Stigma des Versagens zu vermeiden hilft. Dazu gehören die Punkte in Tabelle 4:

Tab. 4: Kernmerkmale und Vorteile einer offenen Kommunikationskultur:

Vertrauensbasis

Mitarbeiter können Meinungen äußern, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.

Fehler- und Feedbackkultur

Fehler werden als Lernchancen genutzt; konstruktives Feedback ist der Standard.

Transparenz

Informationen fließen frei, was Spekulationen (Flurfunk) minimiert.

Innovation & Leistung

Unterschiedliche Perspektiven führen zu besseren Entscheidungen, höherer Kreativität und gesteigerter Leistung.

Stärkerer Zusammenhalt

Fördert ein positives Teamklima, in dem gemeinsame Ziele verfolgt werden.

Typisch sind die Bewältigungsmechanismen oder Coping-Strategien von Second Victims. Was bei Feuerwehr, Rettungskräften und Soldaten vielfach beschrieben wurde, gilt auch in diesem Fall: Reden hilft. Aber es ist nicht egal, mit wem.

Im Team wird das Gespräch in 72,5 % bei Kollegen und im familiären und Freundeskreis in 52,0 % gesucht [2]. Von größter Bedeutung ist, dass der Chefarzt mit gutem Beispiel vorangeht. Im Idealfall trifft er die richtigen Entscheidungen und ist ein Vorbild für das Team. Wenn ihm aber ein Fehler unterläuft oder eine Komplikation entsteht, soll er damit offen und transparent umgehen und die Dynamik des Vorfalls am besten aus verschiedenen Blickwinkeln im Team diskutieren. Dabei ist die Aufforderung zur Beteiligung an andere Teammitglieder wesentlich, um einen Monolog des Mächtigen zu vermeiden. Auf diese Weise zeigt er, dass auch er nicht unfehlbar ist, was Vertrauen aufbaut. Er muss auch Kritik im Team standhalten und sie als etwas konstruktives Hilfreiches aufnehmen. Die Fehler müssen im Team besprochen werden, damit Lernprozesse entstehen. Alle sollten wissen, dass Komplikationen und Fehler zum „Geschäft“ gehören. Wenn ein Mitarbeiter des Teams offenbar durch eigenen Fehler belastet ist, sollte er darin unterstützt werden, die gleiche Operation erneut durchzuführen, am besten mit einem erfahreneren Kollegen oder dem Chefarzt. Der Chefarzt oder andere erfahrene Mitarbeiter sollten auch zu Hilfe gerufen werden können, wenn etwas schwieriger ist als erwartet. In der Chirurgie bedeutet dies auch für den Chefarzt, ggf. nachts in die Klinik zu fahren, um seinem Team in schwierigen Situationen zu helfen. Solche Maßnahmen zeigen nicht nur die praktische Unterstützung, sondern auch den mentalen Rückhalt, den die Assistenzen erfahren.

In den meisten Kliniken fehlt eine organisierte Unterstützung, sodass sie im Wesentlichen in der Abteilung selbst organisiert werden muss.

Aus unserer Sicht sind offene Gespräche bei der Arbeit mit den Kollegen und den Vorgesetzten essenziell, um die psychische Last zu mildern. Im familiären Bereich, der auch in über 50 % der Fälle genutzt wird, sollte die innere Harmonie wiederhergestellt werden. Sport zu treiben, wird von vielen als Behandlungsmaßnahme angewendet, um den Stress abzubauen.

Spezielle Trainingsformen wie Peer-Support-Programme, bei denen die Betroffenen mit anderen erfahrenen Kollegen sprechen können, oder Resilienztraining können sehr hilfreich und wirksam sein und sollten im Einzelfall in Erwägung gezogen werden.

Falls sich das Second Victim über mehrere Wochen verstärkt angespannt, schreckhaft und unruhig fühlt, den Ort des Geschehens durch Fehltage zu vermeiden beginnt und sich aufdrängende Erlebnisbilder, sogenannte Flashbacks, einstellen, liegt eine sogenannte posttraumatische Belastungsstörung vor. Sie ist die Indikation für psychotherapeutische Betreuung oder, falls diese Maßnahmen nicht ausreichen, auch für psychiatrische Behandlung mit antidepressiven Medikamenten, die das Angst- und Anspannungsniveau senken [5].

Qualitäts-, Sicherheits- und Risikomanagement sind, so bürokratisch sie manchmal erscheinen mögen, präventive Vorkehrungen, die die Sicherheit der Patienten und das Wohlbefinden im Helferberuf auf direktem Wege erhöhen.

Im psychologischen Sinn ist Wohlbefinden trotz wiederholter Stresssituationen eng mit einer Fähigkeit verknüpft, die der Philosoph Nassim Nicholas Taleb „Antifragilität“ genannt hat: Es geht darum, nicht zu zerbrechen. Noch weiter reicht der Begriff der Resilienz. Sie ist die Fähigkeit, an Krisen zu wachsen oder aus Fehlern so zu lernen, dass zukünftige schwierige Situationen zunehmend besser gemeistert werden können.

Aaron Antonovsky studierte in dieser Hinsicht das Schicksal von Frauen, die das KZ überstanden hatten. Er entdeckte, dass 29 % von ihnen ohne besondere Hilfen zu einem normalen Leben zurückfanden, und analysierte die Faktoren, die ihnen dabei zugutekamen, also ihre Resilienz stützten. Er stieß auf drei allgemein gültige Prozesse, die in jeder kritischen Situation, auch für Second Victims oder Third Victims (darunter versteht man die Organisationen, in denen Behandlungsfehler auftreten, also in unserem Fall die Krankenhäuser) gelten: Es soll die Überschaubarkeit, die Beeinflussbarkeit und die Sinnhaftigkeit der schwierigen Lage erhöht werden. Je besser ich einen gesetzten Schaden überblicke (und damit auch eingrenze), je mehr ich sofort oder später dagegen unternehmen kann und je größeren Wert der leidvolle Weg grundsätzlich besitzt, desto leichter lassen sich Second-Victim-Phänomene vermeiden oder mindern.

Literatur

[1]   Houben P. et al. Fehler-und Komplikations-Management in der Chirurgie. Chirurg2021·92:232–236

[2]   Bryan J, et al Second victim syndrome in surgeons: systematic review and meta-analysis of the impact of adverse events on surgeons. Br J Surg. 2025 Dec 24;113(1):

[3]   Sedile R et al. Understanding the Second Victim Phenomenon Among Healthcare Workers in an Italian Hospital. Eur J Investig Health Psychol Educ. 2024 Dec 16;14(12):3073-3086.

[4]   Moretti V. et al. The impact of the second victim phenomenon in an Italian Academic Hospital: a cross-sectional study. Eur J of Public Health 2021 31 (3), ckab 164. 668.

[5]   Strametz R. et al. The second victim phenomenon: comprehensive support and systemic change in healthcare. Internat J for Quality in Healthcare 2.

Korrespondierender Autor:

Prof. Dr. med. Guido Schumacher

Chirurgische Klinik

Krankenhaus Brixen und Sterzing

Dantestraße 51

39042 Brixen (BZ)

Italien

guido.schumacher@sabes.it

Dr. med. Roger Pycha

Klinik für Psychiatrie

Krankenhaus Brixen

Dantestraße 51

39042 Brixen (BZ)

Italien

roger.pycha@sabes.it

Panorama

Schumacher G, Pycha R: Fehlerkultur in der Chirurgie und Second Victim Phänomen. Passion Chirurgie. 2026 April; 16(04): Artikel 09.

www.bdc.de

Was bringt der neue BDC-Messenger von Doctolib Connect?

Es ist so weit! Der neue BDC-Messenger ist „up and running”!

Der Messenger bietet BDC-Mitgliedern exklusiv eine Plattform zum Netzwerken und datensicheren Austausch von Informationen unter Chirurginnen und Chirurgen. Darüber hinaus stellt der BDC hier relevante aktuelle Informationen rund um den chirurgischen Beruf bereit. Seien Sie immer auf dem neuesten Stand zu den Themen wie Vergütung, Rechtstipps, etc. Los geht’s!

Klicken Sie sich durch die jeweiligen Themenkanäle und finden Sie die Beiträge, die für Sie wichtig sind!

Tauschen Sie sich mit Kolleginnen und Kollegen in den geschützten Chatgruppen zu bestimmten Themen aus. Eine Liste der existierenden Chats finden Sie im Themenkanal „Chatgruppen“. Sollten Sie Mitglied in bestimmten Chats werden wollen, schreiben Sie einfach an mail@bdc.de.

Einen Einblick in die App und ihre Funktionen erhalten Sie im Erklärvideo.

Eine Anleitung, zum Download der App und zum Beitreten ins BDC-Netzwerk finden Sie hier: BDC-Messenger_Anleitung.

Dr. Carolina Vogel, Ärztin in Weiterbildung für Unfallchirurgie an der BG Unfallklinik Tübingen

„Mit dem BDC-Messenger geht der Berufsverband einen wichtigen Schritt in Richtung digitale Vernetzung. Die Plattform ist übersichtlich, intuitiv bedienbar und ermöglicht einen unkomplizierten den Austausch unter Chirurginnen und Chirurgen. Neben der Chatfunktion sind auch Informationen aus dem BDC schnell verfügbar. Für mich ein wichtiger Impuls im Sinne einer nachhaltigen digitalen Transformation des BDC!“

Dr. Ralf Schmitz, niedergelassener Unfallchirurg und Mitgründer des MVZ Chirurgie in Kiel

„Ich persönlich nutze schon seit langem die Vorläufer-App Siilo und war und bin immer noch begeistert über das einfache Kommunizieren. So können ganz einfach mittels Container-Funktion medizinische Fälle zusammengestellt werden – und mit einer Desktop-Version sogar direkt aus dem KISS oder PVS heraus. Und das ganze datenschutzkonform ohne ungebetene Mitleser. Nun erwarte ich mit dem BDC Zugang und den verschiedenen Gruppen einen deutlich schnelleren Austausch und die kurzfristige Beantwortung oder Kommentierung von in die Gruppe geposteten Inhalten.“

Dr. Marie Samland, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin

„Über die Chatfunktion im BDC-Messenger ist ein datenschutzkonformer Austausch von Patientenfällen möglich, es lässt sich über Diagnosen und Therapieoptionen diskutieren. Auch kann ich mich hier mit Kolleginnen und Kollegen über den beruflichen Alltag austauschen und profitiere von der Erfahrung anderer. Der Rahmen ist dabei so geschützt, dass auch Konflikte oder Schwierigkeiten angesprochen werden können. Eine echte Bereicherung und Möglichkeit also, niederschwellig in den Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Die Frage ist: Wie haben wir es vorher ohne geschafft??“

Päßler O: Was bringt der neue BDC-Messenger von Doctolib Connect? Passion Chirurgie. 2026 April; 16(04): Artikel 07_02.