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Neue Ausgabe PASSION CHIRURGIE: Neuer BDC-Vorstand & Kongressnachlese 2026

Zur Juniausgabe PASSION CHIRURGIE: Neuer BDC-Vorstand & Kongressnachlese 2026

Die Chirurgie befindet sich im Wandel – und der BDC gestaltet ihn aktiv mit. In der Juniausgabe der Passion Chirurgie stellen wir Ihnen das neu gewählte BDC-Präsidium vor und verabschieden langjährige Mandatsträger, die den Verband entscheidend geprägt haben. Zudem blicken wir auf den Deutschen Chirurgie Kongress 2026 zurück, der eindrucksvoll gezeigt hat, wie innovativ, engagiert und zukunftsorientiert die Chirurgie in Deutschland aufgestellt ist.

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Viel Spaß beim Lesen
Ihr PASSION CHIRURGIE-Team

Neues Webinar in „Fraktur im Fokus“: Proximale Tibiafrakturen am 17.6.2026 17.00 Uhr

Die Webinar-Reihe „Fraktur im Fokus“ nimmt jeden Monat eine Fraktur unter die Lupe! Expert:innen für den jeweiligen Bereich stellen die aktuelle Entwicklungen auf ihrem Gebiet vor und diskutieren diese anschließend anhand von konkreten Fallbeispielen.

Für Teilnehmer:innen besteht während des Webinars die Möglichkeit zur Vorstellung eigener Fälle. Begleitet wird jeder Vortrag von einem voraufgezeichneten Einführungswebinar, Literaturempfehlungen der Referent:innen und/oder Links zu OP-Videos zur Nachbereitung.

Am Mittwoch, 17.06.2026, spricht Prof. Dr. med. Matthias Krause über das Thema Proximale Tibiafrakturen.

Im Fokus: Proximale Tibiafrakturen

17.06.2026

Im Fokus: Distale Femurfrakturen

08.07.2026

Im Fokus: Calcaneusfrakturen

26.08.2026

Im Fokus: Proximale Femurfrakturen

23.09.2026

Im Fokus: Metatarsale und Lisfrac Frakturen

28.10.2026

Im Fokus: Pilon Tibiale Frakturen

11.11.2026

Im Fokus: Distale Radiusfrakturen

02.12.2026

Hier geht’s zum Programm und zur Anmeldung.

Ein neuer Vorstand übernimmt die Führung beim BDC

Der Weg war lang. Nach intensiver interner Diskussion im erweiterten BDC-Vorstand, Vorschlag eines neuen geschäftsführenden Vorstands durch das Präsidium im November 2025 und Wahl durch die BDC-Mitgliederversammlung auf dem DCK in Leipzig am 24. April 2026 übernimmt zum 01. Juli 2026 der neue Vorstand die Führung des BDC. Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer und Vizepräsident Dr. Jörg Rüggeberg geben ihre Ämter nach langer und erfolgreicher Tätigkeit für den BDC ab. Es folgt Prof. Dr. Dietmar Pennig als Präsident des BDC, der zusammen mit den beiden Vizepräsidenten Dr. Peter Kalbe und Prof. Dr. Wolfgang Schröder und mit Unterstützung durch die Geschäftsführerin Dr. Friederike Burgdorf die Aufgaben des neuen geschäftsführenden Vorstands beim BDC für die nächsten vier Jahre übernimmt.

Wir wollen es vorwegsagen: Wir als neuer BDC-Vorstand sind auf verschiedene Weise und auf verschiedenen Ebenen über viele Jahre eng mit dem BDC verbunden und – wir freuen uns auf diese herausfordernde Aufgabe.

Prof. Dr. med. Dietmar Pennig
ab 07/2026 Präsident des Berufsverbandes
der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC)
ehem. Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU)
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie
und Unfallchirurgie Berlin (DGOU)
pennig@bdc.de

Prof. Dr. med. Wolfgang Schröder

ab 07/2026 Vizepräsident des Berufsverbandes
der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC)

ehem. Leiter der BDC|Akademie

Leiter des Zentrums für Speiseröhren-
und Magenchirurgie

HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal

schroeder@bdc.de

Dr. med. Peter Kalbe

Vizepräsident des Berufsverbandes
der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC)

Gelenkzentrum Schaumburg

Kalbe@bdc.de

Mit diesem Wechsel an der BDC-Spitze stellt sich unweigerlich die Frage, wie wir die schon vom letzten Vorstand definierten Kernziele des BDC fortsetzen und welche weiteren Schwerpunkte wir dabei setzen wollen. Aus unserer Sicht sind die beiden großen Aufgabenfelder eindeutig identifiziert und reflektieren unmissverständlich das Selbstverständnis eines großen Berufsverbandes. Sie sind nicht unbedingt neu, müssen aber in ihrer Umsetzung neu gedacht werden. Dieses sind zum einen die berufspolitische Interessenvertretung aller berufstätigen Chirurginnen und Chirurgen, zum anderen das umfassende Angebot verschiedenster Serviceleistungen für seine Mitglieder. Für diese zwei zentralen Aufgaben versteht sich der BDC als Vertreter aller in Deutschland tätigen Chirurginnen und Chirurgen, für alle chirurgischen Fachdisziplinen, für alle Karrierestufen und alle Versorgungsebenen.

“Die Meinung
unserer Mitglieder
ist uns wichtig.”

Berufspolitische Interessenvertretung

Die anstehenden und zum Teil bereits auf den Weg gebrachten gesundheitspolitischen Gesetzgebungsverfahren verfolgen letztendlich alle das gleiche große Ziel: das deutsche Gesundheitssystem als eines der zentralen Sozialversicherungssysteme finanzierbar und damit zukunftsfähig zu machen. Es ist aus unserer Sicht nicht zielführend, unser System der Gesundheitsfürsorge schlecht zu reden, denn die Versicherten erhalten hierzulande nach wie vor ein umfassendes Portfolio qualifizierter Gesundheitsleistungen. Richtig ist allerdings, dass die stetig steigenden Kosten im gesamten Gesundheitssystem auf ineffiziente Strukturen hindeuten und deswegen grundlegende Veränderungen zwingend erforderlich sind. Dies wird auch die kontroverse Diskussion umfassen, ob das im westeuropäischen Vergleich einzigartige umfassende Leistungsversprechen des deutschen Gesundheitssystems aufrechterhalten werden kann.

Die aktuelle Spargesetzgebung der Bundesregierung und die beschlossenen wie noch geplanten Strukturveränderungen betreffen den beruflichen Alltag aller Chirurginnen und Chirurgen auf den verschiedenen Versorgungsebenen unmittelbar. Nicht zuletzt deswegen ist das Interesse an berufspolitischen Fragen aktuell spürbar gestiegen und immer mehr Chirurginnen und Chirurgen beteiligen sich direkt am politischen Diskurs.

Für uns als neuen Vorstand gilt es, dieses Momentum zu nutzen und die berufspolitische Interessenvertretung unserer Mitglieder in mehreren dezidierten Schritten weiter auszubauen. Zukünftig werden wir unsere Mitglieder aktuell und umfassend über die verschiedenen BDC-Print- und Online-Medien über die berufspolitischen Aktivitäten informieren. Die in der laufenden Legislatur vom Bundesministerium für Gesundheit vorangetriebenen Reformprojekte müssen von unserer Seite aktiv begleitet und frühzeitig mit Sachkompetenz hinterlegt werden. Oberstes Ziel ist hierbei immer der Aspekt der berufspolitischen Relevanz für die berufstätigen Chirurginnen und Chirurgen.

Die Meinung unserer Mitglieder ist uns wichtig. Deswegen werden wir in einem zweiten Schritt die berufspolitische Diskussion unter unseren BDC-Mandatsträgern auf verschiedenen Ebenen intensivieren und zu ausgesuchten Schwerpunktthemen eine konsentierte Meinung herbeiführen. Auch die gut aufgestellten Landesverbände sind in diesem Zusammenhang ein zentrales Element. Wir werden über BDC-Messengerdienste verschiedene Online-Diskussionsforen einrichten, aber auch den persönlichen Meinungsaustausch durch regelmäßige Präsenz-Veranstaltungen fördern. Wir werden gemeinsam überlegen, ob die Wiedereinrichtung des Deutschen Chirurgentages mit Schwerpunkt der berufspolitischen Diskussion dieses Ziel unterstützt.

Der dritte Schritt ist die eigentliche berufspolitische Interessenvertretung. Als Vorstand ist es eine unserer wesentlichen Aufgaben, die geplanten Strukturreformen des Gesetzgebers durch chirurgischen Sachverstand zu unterstützen, Gesetzentwürfe zu kommentieren und konsentierte Meinungen unseres Verbands in die Breite zu tragen sowie diese in den gesundheitspolitischen Gremien zu artikulieren.

Die aktive Beteiligung unseres Berufsverbands an den Gesetzgebungsverfahren ist von herausragender Bedeutung für jedes BDC-Mitglied, aber auch die Gesamtheit der Chirurgie. Denn im Gegensatz zu anderen Berufsverbänden im operativen Bereich bildet der BDC den gesamten Querschnitt der operativen Medizin im chirurgischen Sektor ab. In diesem gesamten Konzept sehen wir die BDC-Landesverbände als entscheidende Multiplikatoren, sodass die vertrauensvolle und engen Zusammenarbeit mit ihren Vorsitzenden eine conditio sine qua non darstellt.

Serviceleistungen für seine Mitglieder

Die Mitgliederentwicklung beim BDC hat sich in den letzten Jahren rückläufig gezeigt, aktuell sind rund 16.500 Mitglieder beim BDC registriert (Stand Juni 2026). Für diese Entwicklung sind zwei Gründe anzuführen. Auf der einen Seite sind die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gegangen oder stehen unmittelbar davor – eine Entwicklung, die sich in den nächsten fünf Jahren auch auf dem medizinischen Arbeitsmarkt noch spürbar bemerkbar machen wird. Auf der anderen Seite ist die Gewinnung von Neumitgliedern im Nachwuchsbereich deutlich erschwert, da die nachfolgenden jungen Generationen in der Bindung an medizinische Fachgesellschaften und Berufsverbände den direkten Benefit nicht unmittelbar erkennen können – ein Trend, den viele Vereine, Gewerkschaften, Parteien und ähnlich organisierte Strukturen erfahren. Somit stellt sich für uns als Vorstand die entscheidende Frage, mit welchen Angeboten der BDC für seine Mitglieder einen spürbaren Mehrwert generieren kann. Hierbei muss allen Beteiligten klar sein, dass die Mitgliederentwicklung die wirtschaftliche Grundlage des BDC ist und die Finanzierung neuer, moderner Servicearbeit für BDC-Mitglieder wesentlich an diese Frage gebunden ist. Wirtschaftlichkeit ist deshalb auch für den neuen Vorstand ein zentrales Gebot, eine Aufgabe, die durch unseren langjährigen Schatzmeister Dr. Hubert Mayer unterstützt und überwacht wird.

Wir sind uns einig, dass der BDC durch die enge Kooperation mit der Ecclesia Gruppe ein besonders umfassendes Versicherungsangebot bietet. Insbesondere die im Mitgliedsbeitrag enthaltene Berufs-Rechtsschutz-Versicherung stellt einen wesentlichen Mehrwert auch für die Chirurginnen und Chirurgen in der Weiterbildung dar. Sie wird ergänzt durch eine 24/7 zu Verfügung stehende, individuelle telefonische Rechtsberatung durch unseren langjährigen Justiziar Dr. Jörg Heberer. Diese einzigartige Serviceleistung allein ist schon ein starkes Argument für eine Mitgliedschaft beim BDC und muss nach außen deutlicher hervorgehoben werden.

Die BDC|Akademie mit ihrem umfassenden Programm ist und bleibt ein weiteres zentrales Element der BDC-Serviceleistungen. Hier stehen wir in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen, bedingt durch eine Ausweitung der zu vermittelnden Inhalte, eine weitergehende Digitalisierung der Formate, eine Verknappung der zur Verfügung stehenden Ressourcen und eine Zunahme der konkurrierenden Angebote. Unter Federführung des neuen Akademieleiters Prof. Dr. Andreas Kirschniak ist die konzeptionelle Ausrichtung der Akademie auf diese sich abzeichnenden Veränderungen eine zentrale Aufgabe des gesamten BDC-Vorstandes, um Innovationen auf dem Fort- und Weiterbildungsmarkt mitzugestalten und damit den beruflichen Nutzen für alle unsere Zielgruppen hochzuhalten.

Diese beiden Pfeiler der BDC-Serviceleistungen werden aber nicht ausreichen, um die Mitgliederzahlen im BDC auf hohem Niveau stabil zu halten. Deshalb spielt die Koordination der BDC-Themen-Referate und damit der verschiedenen Sachthemen und Projekte eine entscheidende Rolle. Auch hier hat es einen Wechsel im erweiterten Vorstand gegeben. Der Staffelstab wurde von Prof. Dr. Michael Betzler an Prof. Dr. Carsten Krones, einem langjährigen Mitglied des erweiterten Vorstands, weitergegeben. Die Leitung und Koordination der Themenreferate in so erfahrenen Händen ist für den BDC eine große Chance, weitere langfristige Projekte für verschiedene Mitgliedergruppen im BDC zu initiieren und damit die Sichtbarkeit des BDC weiter zu verbessern. Wir als zukünftiger Vorstand haben bereits im Vorfeld eine breite Unterstützung für diese Initiativen signalisiert.

Mit der oben beschriebenen Mitgliederentwicklung ist unstrittig, dass ein besonderer Fokus der zukünftigen Arbeit auf dem chirurgischen Nachwuchs liegen muss, denn – der BDC muss jünger werden. Hier sind die Aufgabenfelder durch die von der jungen Generation geäußerten Ansprüche klar definiert: Gestaltung und Verbesserung der chirurgischen Weiterbildung, Entwicklung von Karrierepfaden und Vereinbarkeit von Berufsleben mit eingeforderter Lebensqualität. Der BDC wird sich hier aktiv in die Beschreibung und Kommunikation neuer Karrierewege einbringen, unter Berücksichtigung der anstehenden gesundheitspolitischen Veränderungen, der unveränderlich bestehenden hohen Anforderungen an das chirurgische Fach selbst und die klar formulierten Ansprüche einer jungen Generation an ein chirurgisches Berufsleben. Die Umsetzung dieser Ziele beinhaltet als erstes, die junge Generation aktiv und langfristig in unseren Verband einzubinden und so über die direkte Stimme eine unmittelbare Kommunikation zu ermöglichen. Erste größere Projekte wie der Aufbau eines „Young Surgeons Club“ wurden bereits durch den bisherigen Vorstand auf den Weg gebracht. Jetzt gilt es, diesem engagierten Nachwuchs beim BDC eine Bühne zu geben. Auch für diese zentrale zukünftige Aufgabe ist die Leitung der Themenreferate durch Prof. Dr. Carsten Krones eine Schlüsselposition.

Es gibt zwei weitere wichtige Berufsgruppen innerhalb der chirurgischen Community, die wir wieder mehr in den Fokus unserer Servicearbeit nehmen werden. Diese sind in den Krankenhäusern die Riege der eigenverantwortlich arbeitenden Fach- und Oberärzte und in der ambulanten Versorgung die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. Diese Berufsgruppen sind und bleiben das Rückgrat der chirurgischen Versorgung in Deutschland und es ist nur folgerichtig, deren berufspolitischen Interessen gegenüber ihren Arbeitgebern unmissverständlich zu artikulieren.

Umsetzung der strategischen Ziele

Die Mitglieder unseres Verbandes werden sich fragen, wie die skizzierten Vorhaben in den nächsten vier Jahren auf den Weg gebracht werden können. Unsere Antwort ist so einfach wie aufwendig. Der BDC muss über Kongresse und Fortbildungen hinaus am klinischen Alltag aller berufstätigen Chirurginnen und Chirurgen aktiver partizipieren und das impliziert, dass wir als BDC dort präsent sind, wo die Kernarbeit chirurgischer Leistungen erbracht wird: in den Kliniken, in den Praxen und weiteren Einrichtungen, in denen chirurgische Patienten behandelt werden. Wir streben an, mit unserer chirurgischen Community noch intensiver ins Gespräch zu kommen und damit den Geist gemeinsamer Interessen neu zu beleben. Dabei können wir auf der erfolgreichen Arbeit des bisherigen BDC-Vorstands aufbauen und uns am 10-Punkte-Programm „Leitbild und Programmatik“ des BDC aus dem Jahr 2022 orientieren und dieses weiterentwickeln.

Die Umsetzung einer solchen Kampagne wird die koordinierte Mitarbeit aller Mitglieder des geschäftsführenden und erweiterten Vorstands sowie der Leiter der Themenreferate erfordern. Durch die unterschiedlichen beruflichen Karrieren der Vorstandsmitglieder steht uns für diese Aufgabe ein großes Netzwerk nicht nur unter Chirurginnen und Chirurgen zur Verfügung. Zudem stehen wir als neuer Vorstand explizit für die Ausweitung von Kooperationen mit anderen Fachgesellschaften und Berufsverbänden, unseren Partnern in der Industrie, den medizinischen Verlagen sowie allen gesundheitspolitischen Akteuren.

Wir sind fest entschlossen, den hier skizierten Weg als Vorstand zu gehen und laden alle Chirurginnen und Chirurgen in Deutschland ein, den BDC in den nächsten Jahren aktiv mitzugestalten. Investieren Sie gemeinsam mit uns in die Zukunft der Chirurgie in Deutschland!

Keine Angst vor großen Tieren – Vizepräsident Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg

Der BDC hat in der Mitgliederversammlung am 24. April 2026 sein neues Präsidium gewählt. Die teilnehmenden Mitglieder verabschiedeten sich mit anhaltendem Applaus von ihrem bisherigen Präsidenten, Professor Dr. med. Hans-Joachim Meyer, sowie vom langjährigen Vizepräsidenten, Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg. Unser langjähriger Vizepräsident beantwortet uns heute eher persönliche Fragen.

Wo ist chirurgisch Ihre Heimat?

Jörg-A. Rüggeberg (JR): Studiert habe ich in Göttingen und meine Facharztausbildung für Chirurgie habe ich in Bremen absolviert, zunächst in der Kinderchirurgie unter Prof. Dr. med. Fritz Rehbein. Allerdings gab es damals noch keinen eigenständigen Facharzt für Kinderchirurgie und nach dem Durchlauf durch die Allgemein,- Gefäß und Unfallchirurgie war der Stellenplan in der Kinderchirurgie voll. Da dachte ich mir: Wenn ich kein Kinderchirurg werden kann, eröffne ich meine eigene Praxis. Daher habe ich mich im Anschluss an die Facharztweiterbildung auf die Unfallchirurgie konzentriert, um mich auf die Niederlassung vorzubereiten. Meine Praxis führe ich inzwischen seit 40 Jahren.

Wie empfanden Sie Ihre Weiterbildungszeit? Was hat Sie am meisten gefordert und fasziniert?

JR: Die ausgeprägten hierarchischen Strukturen waren nicht meine Sache. Auf der anderen Seite hatten wir im Verhältnis zu heute ohne Begrenzungen durch ein Arbeitsschutzgesetz einen guten Zugang zu eigenständigen Operationen. Damals befanden sich nicht so viele Mediziner in der chirurgischen Ausbildung, der Druck für uns war nicht so hoch. Unsere Weiterbildung beinhaltete außerdem viele Operationen aus einem breiten Spektrum. Am meisten fasziniert hat mich dabei wie gesagt die Kinderchirurgie.


Abb. 1: Dr. Jörg Rüggeberg mit Büffel

Was war/ist Ihre Lieblings-OP? Welcher chirurgischen Herausforderung haben Sie sich gerne angenommen?

JR: In meiner Laufbahn habe ich die Herausforderung angenommen, in Bremen an der Klinik für Unfallchirurgie erstmals das arthroskopische Operieren einzuführen. Dort hatte ich dann meinen eigenständigen Bereich. Meine Spezialisierung habe ich später mit in die Praxis genommen, mein Schwerpunkt heute liegt daher auf der Arthroskopie und der kleinen Kinderchirurgie. Ich habe als Erster in Bremen ambulante Operation in Narkose durchgeführt und damals noch üble Kommentare (kriminell!) über mich ergehen lassen müssen.

Was hat Sie angetrieben, sich als Chirurg fachlich und berufspolitisch zu engagieren?

JR: Bei der Ausübung meines Berufs in der Praxis haben mich die erkennbaren Missstände beim ambulanten Operieren gestört. Die Rahmenbedingungen waren für ambulantes Operieren unzulänglich. Dann habe ich den „Fehler“ gemacht, mich bei einer BDC-Sitzung auf dem damaligen Chirurgentag in der Diskussion zum ambulanten Operieren zu Wort zu melden. Sofort im Anschluss hat der BDC mich zum Mandatsträger gemacht, um die niedergelassenen Operateure im Verband zu vertreten. Damals war der BDC geprägt von Angestellten in der Klinik, aber die Zahl der Niedergelassenen und Selbstständigen wuchs stetig.

Was hat Sie während Ihrer Vize-Präsidentschaft für den BDC am meisten geprägt?

JR: Fasziniert hat mich, dass ich Kontakte zu Ebenen knüpfen konnte, in denen ich ursprünglich nicht verortet war: Meine Gesprächspartner waren plötzlich Chefärzte, Politiker und hochrangige Verbandsfunktionäre. Geprägt haben mich die konstruktiven Diskussionen mit unterschiedlichen Funktionen und Charakteren – immer auf hohem Niveau und meistens für die Sache. Ein gemeinsames Bier mit dem damaligen Bundeskanzler Schröder ist da durchaus ein besonderes Erlebnis gewesen.

Welche Wegbegleiter waren Ihnen im Laufe Ihrer Karriere lieb und wichtig?

JR: Eins muss man wissen: Vertrauenspersonen gibt es in der Berufspolitik nicht. Zu groß ist die Gefahr menschlicher Enttäuschungen, wenn Macht vor Freundschaft gestellt wird. Und wenn wir von Vorbildern sprechen, muss ich nur in den Spiegel schauen. Spaß beiseite: Mit Professor Karl Hempel habe ich mich immer gerne ausgetauscht, das war noch zu der Zeit, als der BDC seine Geschäftsstelle in Hamburg hatte. Zur Chirurgie gekommen bin ich unter anderem durch Professor Dr. Hans-Jürgen Peiper. Sein Charisma hat mich angesteckt und uns verband eine gegenseitige Wertschätzung. Der Kinderchirurg Rehbein war wie oben erwähnt ebenfalls ein prägendes Vorbild für mich.

Welche (chirurgischen) Events und welche Teilnahmen halten Sie fachlich und berufspolitisch für richtig und wichtig und warum?

JR: Essenziell ist die Mitgliedschaft in Gremien zur Vernetzung, zum Austausch und zur Konsensfindung. Ebenso hilfreich sind chirurgische Kongresse. Nicht zuletzt über regionale Treffen lassen sich viele einflussreiche Verbindungen zur Politik knüpfen. Am Ende sind die persönlichen Kontakte innerhalb eines Netzwerks entscheidend

Abb. 2: Dr. Jörg Rüggeberg mit Fohlen Fjödur

Abb. 3: Dr. Jörg Rüggeberg 1974 auf einer Reise auf Bali

Wo sehen Sie den BDC zukünftig, was wünschen Sie sich für den Verband?

JR: Karl Hempel hat den Satz geprägt: „Die DGCH ist für die Chirurgie, der BDC für die Chirurgen da.“ Den Verband sehe ich nach wie vor als berufspolitische Interessensvertretung und Dienstleister aller Chirurginnen und Chirurgen ohne Aufsplitterung in Partialinteressen. Seine Aufgabe ist es, seine Mitglieder aktiv zu unterstützen und dabei intensiv beispielsweise mit der Bundesärztekammer, der KBV, der Allianz und der GFB zu kooperieren.

Was wünschen Sie dem chirurgischen Nachwuchs? Welche Botschaft haben Sie für ihn?

JR: Vor allem Erfüllung, Leidenschaft und Spaß in diesem faszinierenden Beruf. Kopf hoch, wenn die Bedingungen mal nicht so stimmen und immer nach vorne schauen! Im chirurgischen Alltag ist es außerdem wichtig, Empathie für die Kolleginnen und Kollegen zu empfinden und möglichst wenig Konkurrenzdenken zu entwickeln – pflegt den Teamgeist! Und bitte beteiligt Euch in unseren Gremien Nur wer selbst gestaltet, wird nicht gestaltet.

Abb. 4: Dr. Jörg Rüggeberg mit Fleyjka, dem Familienpony

Was sind Ihre Lieblingshobbys, was ihr bevorzugtes Reiseland und was bestellen Sie sich im Restaurant am liebsten?

JR: Zurzeit fahre ich am liebsten Trecker. Als professioneller „Handwerker“ setze ich Bauvorhaben aller Art um, so gibt es bei uns Pferde-und Ziegenställe, die wiederaufgebaut und instandgehalten werden müssen. Meine Lieblingsreisen: Damals in den wilden Siebzigern zog ich auf dem Landweg nach Sikkim, quer durch die Sahara nach Togo mit dem Moped durch Südostasien. Neues entdecken in fernen Ländern und auf abenteuerliche Weise war und ist auch heute noch mein Ziel. Restaurant: Unser Lieblingsitaliener im Dorf. Ja, den gibt es auch in Ottersberg!

Welches Tier/welche Tiere haben Sie bisher in Ihrem Leben begleitet?

JR: Wir haben eine große, naturbelassene Freifläche, die viel Platz für tierische Gäste bietet. Unsere Pferde, Schafe und Ziegen, der Hund und die Katze werden von meiner Frau betreut. Uneingeladene, aber willkommene Besucherinnen sind derzeit Kanadagänse. Laufenten helfen gelegentlich im Garten mit.

Was hat Ihnen an stressigen Tagen Energie und Motivation gegeben?

JR: Stressige Tage hatte ich im Prinzip nie. Nach anstrengenden Operationen bin ich an die frische Luft gegangen und habe mir ein Stück Schokolade genehmigt. Und gegen persönliche Anwürfe, die es immer gibt, hilft eine gesunde Portion Arroganz nach dem Motto: Am Ende bin ich der Bessere.

Einblick in das Leben und Wirken von Verbandspräsident Professor Dr. med. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer

Der BDC hat in der Mitgliederversammlung am 24. April sein neues Präsidium gewählt. Die teilnehmenden Mitglieder verabschiedeten sich mit anhaltendem Applaus von ihrem bisherigen Präsidenten, Professor Dr. med. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer, sowie vom langjährigen Vizepräsidenten, Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg. Unser langjähriger Präsident beantwortet uns heute eher persönliche Fragen.

Wo ist chirurgisch Ihre Heimat?

Hans-Joachim Meyer (HJM): Mein Medizinstudium habe ich in München an der Ludwig-Maximilians-Universität von 1967 bis 1972 absolviert und direkt danach im Dezember 1972 an der Georg-August-Universität Göttingen meine Promotionsurkunde erhalten. Nach der Medizinalassistentenzeit an der Medizinischen Hochschule Hannover habe ich dort in der Klinik für Abdominal- und Transplantationschirurgie unter der Leitung von Herrn Professor Rudolf Pichlmayr die Weiterbildung im Gebiet Chirurgie bis zur Facharztreife 1981 durchlaufen. Frühzeitig konnte ich ein Forschungsprojekt zur Laseranwendung in der operativen Medizin übernehmen, das 1981 zur Abgabe der Habilitationsschrift führte. Auch bei ursprünglich angestrebter Weiterbildung in der Unfallchirurgie blieb ich dann als Oberarzt der heutigen Viszeral- und Transplantationschirurgie treu und wechselte 1996 schließlich als Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie an das Städtische Klinikum Solingen.

Wie empfanden Sie Ihre Weiterbildungszeit? Was hat Sie am meisten gefordert und fasziniert?

HJM: Damals war der Begriff eines „Wellbeings“ in der Chirurgie noch nicht bekannt. Am meisten fasziniert hat mich die herausfordernde Kombination von Viszeral- und Transplantationschirurgie im universitären Umfeld. Dabei konnte ich mich auch im Organentnahmeteam einbringen, was zudem ein ausgezeichnetes „chirurgisches Training“ darstellte; zudem lernte ich nach zahlreichen Einsätzen in ausländischen Kliniken auch die gute Organisation in deutschen Operationssälen zu schätzen. Die Chirurgie am oberen Verdauungstrakt, also Magen und Ösophagus, hat mich immer mehr begeistert und ich habe mich mit diesen Organsystemen auch wissenschaftlich intensiv beschäftigt, so dass ich sogar zeitweise mit dem Spitznamen „Magen-Meyer“ versehen wurde.

Was war/ist Ihre Lieblings-OP? Welcher chirurgischen Herausforderung haben Sie sich gerne angenommen?

HJM: Logischerweise habe ich mich dann weiterhin schwerpunktmäßig mit Eingriffen bei Tumoren des Magens und Ösophagus beschäftigt, wobei auch sehr frühzeitig multimodale Behandlungsansätze mit präoperativer Chemo- und/oder Strahlentherapie bei lokal fortgeschrittenen Tumorstadien zum Einsatz kamen, die heute als Standardverfahren anzusehen sind. Unabhängig vom neutraleren Geruch bei Operationen am oberen Verdauungstrakt habe ich die Gastrektomie und den Magenhochzug bevorzugt durchgeführt, wobei ich meine Kenntnisse und das technische Vorgehen durch zahlreiche Aufenthalte in Asien oder in Polen weiterentwickeln konnte.

Was hat Sie angetrieben, sich als Chirurg fachlich und berufspolitisch zu engagieren?

HJM: Fachlich haben mich vor allem die multimodalen Therapieansätze mit Blick über den „chirurgischen Tellerrand“ hinaus interessiert, die heute bei der Weiterentwicklung der medizinischen Onkologie immer mehr an Bedeutung gewinnen.


Abb. 1: Langjährige Webbegleiter: Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer und Dr. Jörg Rüggeberg

Berufspolitisch habe ich mich unter anderem an zahlreichen Seminaren des BDC zur Facharztvorbereitung aktiv beteiligt, auch hier vor allem mit Tumoren des oberen Gastrointestinaltrakts. Weitere berufspolitische Aktivitäten begannen bei mir nach der Präsidentschaft der DGAV 2009/2010, als man mich fragte, ob ich nicht Generalsekretär der DGCH werden möchte. 2012 bin ich dann offiziell zum Generalsekretär als Nachfolger von Professor Hardy Bauer gewählt worden.

Die Kontakte mit dem BDC haben dazu geführt, dass 2015 angefragt wurde, ob ich nicht eine Doppelfunktion übernehmen möchte: DGCH-Generalsekretär und Präsident des BDC. Ziel war es, die Kooperation zwischen Fachgesellschaft und Berufsverband zu erweitern und intensivieren, was uns in einigen Punkten auch gelungen ist. Gemeinsame Projekte sind inzwischen etwa die Herausgabe der Mitgliederzeitschrift Passion Chirurgie, Veröffentlichungen von Pressemitteilungen und die Organisation der Weiterbildungskommission sowie kontinuierliche aktive Teilnahme des BDC am Deutschen Chirurgie Kongress.

Was hat Sie während Ihrer Präsidentschaft für den BDC am meisten geprägt?

HJM: Gern zitiere ich hier Jörg Rüggeberg: Die Fachgesellschaften sind für die wissenschaftlichen Interessen zuständig, während sich der Berufsverband um alle Belange der chirurgischen Gemeinschaft kümmert, vor allem um die Weiter- und Fortbildung.

Welche Wegbegleiter waren Ihnen im Laufe Ihrer Karriere lieb und wichtig?

HJM: So komisch es sich anhören mag, war mein damaliger Chef, Professor Pichlmayr, ein äußerst geschätzter Wegbegleiter. Er hat mich nicht nur bei meinen Forschungstätigkeiten unterstützt, sondern war für mich immer ein außerordentlicher Mentor und Lehrer in der praktischen Chirurgie.

Abb. 2: Familienhund Carla

Beim BDC trifft dies für Professor Michael Polonius zu. Ich mochte ihn wegen seiner empathischen Art und weil er mir jederzeit bei etwaigen Fragen unterstützend zur Verfügung stand. Dann gab es noch Dr. Jörg Rüggeberg: In unserem Einsatz für die Chirurgie waren wir uns stets einig, aber nicht immer im Konsens. Vor meiner Amtsübernahme als Präsident des BDC haben wir daher extra ein Vorabtreffen organisiert, um uns näher „zu beschnüffeln“: Man muss ihn nur gut kennen lernen, dann kann man ihn umso mehr schätzen.

Natürlich waren und sind mir alle Mitglieder im (erweiterten) Vorstand, in der Geschäftsführung sowie der Geschäftsstelle außerordentlich wichtig, wobei in den insgesamt 11 Jahren meiner Amtszeit nach dem eigenen Empfinden stets eine offene und angenehme Atmosphäre der Zusammenarbeit herrschte.

Wo sehen Sie den BDC zukünftig, was wünschen Sie sich für den Verband?

HJM: Ich wünsche dem BDC eine Fortführung der bisherigen Schwerpunkte. Unser Motto ist ja: Der Berufsverband ist für alle Chirurginnen und Chirurgen da und bietet Hilfe und Unterstützung auf allen Ebenen. Natürlich wünsche ich dem Verband weiterhin eine hohe Mitgliederzahl, besonders auch die Mitarbeit von der jüngeren Generation – er hat es verdient! Ich kann nur allen Mitgliedern empfehlen, sich, wenn möglich, aktiv im Verband zu engagieren, sei es im regionalen oder im zentralen Umfeld. Chirurginnen und Chirurgen haben so die Möglichkeit, die Arbeit des Verbands und somit die Berufspolitik im Sinne der Chirurgie möglichst mit zu beeinflussen.

Was wünschen Sie dem chirurgischen Nachwuchs? Welche Botschaft haben Sie für ihn?

HJM: Ich wünsche unserem chirurgischen Nachwuchs heute und in der nächsten Zukunft alles Gute. Ich hoffe, dass die Faszination unseres Faches, die zu Beginn der medizinischen Weiterbildung deutlich höher sein mag als nach Durchlaufen der Weiterbildung, zukünftig erhalten bleibt. Bei allen Schwierigkeiten, die sich durch die strukturellen Veränderungen ergeben werden, sollten wir die Begeisterung für das Fach Chirurgie mit allen seinen Facetten aufrechterhalten. Vor allem aus dem Blickwinkel, dass wir es sind, die den Patienten sehr oft unmittelbar helfen können!

Was sind Ihre Lieblingshobbys, was ihr bevorzugtes Reiseland und was bestellen Sie sich im Restaurant am liebsten?

HJM: Mein Lieblingshobby ist weiterhin Sport in freier Natur, vor allem das Golfspiel. Ich genieße gutes Wetter und lese gerne ein gutes Buch (Krimi!). Mein Lieblingsrestaurant: Ich mag alle Variationen der italienischen Küche.

Welche Tiere haben Sie bisher in Ihrem Leben begleitet?

HJM: In meiner chirurgischen Laufbahn haben mich viele „experimentelle Vierbeiner“ (Schweine der veredelten deutschen Landrasse) begleitet. Zurzeit haben wir inzwischen als vierten Hund einen Hannoverschen Schweißhund namens Carla als weiteres Familienmitglied.

Was hat Ihnen an stressigen Tagen Energie und Motivation gegeben?

HJM: Stress habe ich in der Regel als positiv empfunden und als Antrieb, nicht deprimiert, sondern motiviert zu sein, um zielgerichtet geplante Vorhaben realisieren zu können. Eine Entlastung war früher eine entspannende Zigarette (heute Zigarillo) und am Abend hat ein Nachttrunk – ein Glas Weißwein-Schorle oder ein Bier – zur Erholung beigetragen.

Fluoreszenztechnologie

Der Berufsverband deutscher Chirurgie (BDC) hat die Schirmherrschaft des ersten iSPIES Regional Imaging Summit (07.-08.10.2025) in Frankfurt am Main übernommen. Die Veranstaltung setzte sich mit dem praktischen Einsatz der Fluoreszenztechnologie, insbesondere mit Indocyaningrün (ICG), auseinander. Im Folgenden werden Erfahrungen und aktuelle Erkenntnisse für die einzelnen Organabschnitte näher beleuchtet.

ICG Fluoreszenz Allgemein

Nachdem die intraoperative Fluoreszenzbildgebung in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts in verschiedenen Gebieten eingeführt wurde, hat sich diese erst in den letzten Jahren in Form der ICG Floreszenz zu einem wichtigen Baustein in mehreren Feldern der diagnostischen und interventionellen Chirurgie entwickelt [Nowak K: Visceral Med 2021]. Neben der Fluoreszenztechnologie mit dem am häufigsten verwendeten Farbstoff Indocyaningrün (ICG) eröffnen sich zukünftig breite Anwendungsfelder mit gegebenenfalls auch gewebespezifischen bzw. tumorspezifischen Farbstoffen.

In der Viszeralchirurgie ist die häufigste Anwendung der Fluoreszenz Bildgebung mit ICG im Bereich der Gewebeperfusion vor oder nach Fertigstellung einer Anastomose im Bereich der kolorektalen und der Ösophaguschirurgie. Weiterhin kann die Fluoreszenzbildgebung wichtige Hilfestellung leisten im Bereich der Identifikation von Gallewegen und Galleleckagen, der Detektion von Metastasen und der Sentinelnode Detektion.

ICG

Hinsichtlich der physikalischen/optometrischen und chemischen Beschaffenheit von ICG ist die Datenlage für die klinische Anwendung (und experimentelle Anwendung) inkonsistent. In den meisten Studien wird ICG in destilliertem Wasser aufgelöst und intravenös verabreicht. Jedoch empfehlen oftmals Informationen zur genauen Dosierung, der Art der Applikation (Bolus oder fraktioniert), und den Zeitpunkt zudem die Flasche mit ICG geöffnet wurde (ICG degradiert über den Zeitraum) [Mindt et al]. Für die intravenöse Anwendung beträgt die Halbwertszeit im Plasma von ICG ca. 2,4 Minuten. Die Substanz wird dann über die Leber metabolisiert und in der Galle ausgeschieden, was zu einem verlängerten Fluoreszenzeffekt bei Patienten mit limitierter Leberfunktion führt [Ott P 1998].

Kolorektalchirurgie

Bei der Mesenterialischämie hat sich die Anwendung von ICG als hilfreich erwiesen. Es ergaben sich Entscheidungshilfen für/gegen eine Resektion, der Revaskularisierung bzw. second look [KArampinis et al.].

Zu einer Anastomoseninsuffizienz tragen viele Faktoren, neben der Durchblutung des Anstomosenbereichs, bei. Daher ist die isolierte Betrachtung der Perfusion bzw. ICG Perfusion allein als Faktor sicherlich nicht unproblematisch. Im Bereich der Kolorektalchirurgie gibt es die größte Anzahl an Studien zur ICG Perfusion und Anastomosenheilung. Bis heute wurde die Studienlage durch mehrere systematische Reviews und Metaanalysen aus den Daten der Studien zum Einfluss der ICG Fluoreszenz bei kolorektalen Anastomosen gesammelt und ausgewertet. Hierbei wurden mitunter Tumorresektionen und linksseitige Kolonresektionen bzw. Rektumresektionen gesondert analysiert. In den Analysen gibt es mittlerweile eine steigende Anzahl höherwertiger Studien und bisher neun prospektiv randomisierte Studien.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass alle Studien und Metaanalysen eine exzellente Machbarkeit der ICG Fluoreszenz mit 100 % bei einem Zeitbedarf unter vier Minuten, sowie eine Reduktion der Typ A und B Anastomoseninsuffizienzen zeigten. In einem Konsensuspapier der EAES wurde die Anwendung von ICG zur Reduktion der Anastomoseninsuffizienz bei Kolonresektionen klar empfohlen.

Leberchirurgie

Im Bereich der minimal invasiven Leberchirurgie gibt es immer mehr sinnvolle Anwendungen für die ICG Fluoreszenz. Diese haben sich zuerst in asiatischen Zentren verbreitet, sind aber mittlerweile in der täglichen Routine auch in Deutschland vertreten.

Grundsätzlich war der erste Einsatz für die ICG Bildgebung für die Markierung anatomischer Landmarken vorgesehen, hierzu zählt vorwiegend die positive und negative Staining Technik. Diese ist von der von Makuuchi ursprünglich propagierten Methylenblaustaining -Technik abgeleitet.

Vereinfacht gesagt wird zunächst der portale Zufluss eines Segmentes kontrolliert und dann über die intravenöse ICG-Gabe das zu resezierende Segment (Positive Staining) oder die Restleber (Negative Staining) in ihrer individuellen Anatomie markiert und so das Resektionsausmass definiert. So gelingt zum Beispiel auch bei größeren anatomischen Resektionen eine gute Markierung der Transsektionslinie.

Da das größte Problem der minimalinvasiven Leberchirurgie das Fehlen der taktilen Rückmeldung ist, kann mit Systemen der neuesten Generation, bei denen dauerhaft im ICG modus gearbeitet werden kann, auch ein intraparenchymales Tumortracking während der Resektion erfolgen. Dies wird durch die Speicherung von ICG im Tumorgewebe (und peritumoral) bei einer Gabe vor der OP erreicht. Dies ist vermutlich die vielversprechendste Anwendung. Auch die Perfusionskontrolle post-Resektion und die Detektion von Galleleckagen sind mit ICG möglich.

Im Rahmen der Gallenblasenchirurgie verspricht die ICG-Cholangiographie einen deutlichen Benefit für die Erhöhung der Sicherheit bei der Operation (insbesondere bei der akuten Cholecystitis) genauso wie für die schnellere Lernkurve der Auszubildenden Chirurgen.

Auf dem iSpies Meeting konnte im gemeinsamen Austausch mit Faculty und Teilnehmern durch lebhafte Diskussion diese Thematik erörtert werden, anhand von praktischen Beispielen und Videobeiträgen vertieft werden und eine weitere Verbreitung der noch neuen Technik ermöglicht werden. Dabei wurden auch praktische Dinge wie Dosis, Zeitpunkt der Gabe und technische Optimierung für beste Ergebnisse geteilt und diskutiert.

Ösophagus-/Magenchirurgie

Die Fluoreszenzbildgebung wird in der oberen gastrointestinalen Chirurgie breit eingesetzt. Die sichere Nutzung ist durch mehrere Studien belegt [EAES Consensus, Cassinotti et al.]. Es wird insbesondere der intraoperativen Entscheidungsfindung in Echtzeit eingesetzt wird. Durch die Bindung an Plasmaproteine und die damit verbundene Fluoreszenz unter Nahinfrarotlicht ermöglicht ICG die Visualisierung von Strukturen (wie Gallengängen, Gefäßen und Lymphknoten), die sonst schwerer zu identifizieren wären.

In der Ösophaguschirurgie wird sie insbesondere für die Beurteilung der Gefäßdurchblutung des zur Rekonstruktion verwendeten Magenschlauchs benutzt. Hierbei kann sie helfen, schlecht durchblutete Bereiche zu identifizieren, um Anastomoseninsuffizienzen zu reduzieren. Über die intraoperative Gefäßdarstellung in Echtzeit, wird die Durchblutung auch bei der ischämischen Konditionierung [ISCON, Schiffmann et al.].

Zusätzlich wird es bei der Darstellung des Ductus thoracicus genutzt. Die intralymphatische Injektion (z. B. auch im Mesenterium des Dünndarms) von ICG während der Ivor-Lewis-Ösophagektomie ermöglicht die präzise Visualisierung des Ductus thoracicus, was eine sichere Ligatur erleichtert und das Risiko eines Chylothorax verringert kann. Im Bereich des Lymphknotenmapping ist der Effekt bisher nicht von onkologischer Relevanz. Insgesamt ist eine gute Darstellung der Lymphknoten möglich. Durch peritumorale Injektion von ICG 24 h vor der Operation, kann das Lymphabflussgebiet gut dargestellt werden. Eine Voraussage ob diese Lymphknoten metastatisch verändert/befallen sind, lässt sich dadurch aber nicht treffen.

In der Magenchirurgie wird analog zur Ösophaguschirurgie die ICG-Gabe zum Lymphknotenmapping durchgeführt. Hierzu wird ebenfalls 24 h vor dem geplanten Eingriff eine submucöse, peritumorale Injektion durchgeführt. Am OP-Tag können dann die Lymphabflusswege dargestellt werden. Erste Untersuchungen beschäftigen sich mit der Sentenel Lymphknotendarstellung. Insbesondere bei Frühkarzinomen wird versucht eine angepasste, weniger extensive Lymphadenektomie durchzuführen (tailored approach). Aktuell sind die Daten aus westlichen Ländern unzureichend, um eine gezielte Lymphadenektomie onkologisch sicher zu Vertreten. Dennoch ist es so, dass unter der Zuführung der ICG Technik die onkologische Lymphadenektomie singifikant erhöht werden kann. Bei der D2-Lymphadenketomie werden unter ICG Kontrolle relevant mehr Lymphknoten des klassischen Lymphabflussgebietes reseziert als ohne ICG Kontrolle.

 

Abb. 1: a: Magen in 4K Auflösung; b: Magen in ICG-Technik mit Intensity Control

Die intraoperative Fluoreszenzbildgebung mit ICG ist mittlerweile zum festen klinischen Bestandteil im Bereich der Kolorektal-, Ösophagus- und Leberchirurgie geworden. Alles geht ohne, jedoch mehrt sich die Evidenz in allen Bereichen, dass es vielleicht noch besser mit ICG-Fluoreszent geht.

Der diesjährige „iSPIES Regional Imaging Summit“ wird vom 12.-13. November 2026 in Frankfurt stattfinden (Anmeldung via: anna.martens@stryker.com).

Korrespondierender Autor:

PD Dr. Benjamin Babic F.E.B.S.

Chefarzt

Chirurgische Klinik I

Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie

Sana Klinikum Offenbach GmbH

benjamin.babic@sana.de

Prof. Dr. med. Kai Nowak

Chefarzt

Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Thoraxchirurgie

RoMed Klinikum Rosenheim

Akad. Lehrkrankenhaus der LMU München

Leitung Viszeralonkologisches Zentrum

chirurgie.ro@ro-med.de

Dr. med. Dr. habil Gregor A. Stavrou, FEBS (HPB, SurgOnc)

Chefarzt

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Thoraxchirurgie

Chirurgische Onkologie

gstavrou@klinikum-saarbruecken.de

Univ.-Prof. Dr. med. Hans Fuchs FACS FEBS (Hon.)

Professor für roboterassistierte minimal-invasive Viszeralchirurgie & Künstliche Intelligenz in der Chirurgie

Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Transplantationschirurgie

Uniklinik Köln (AöR)

hans.fuchs@uk-koeln.de

Chirurgie

Babic B, Nowak K, Stavrou G, Fuchs H: Fluoreszenztechnologie. Passion Chirurgie. 2026 Juni; 16(06/II): Artikel 03_01.

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Editorial 06/QII/2026: Kongressnachlese DCK 2026

Zur Juniausgabe PASSION CHIRURGIE: Neuer BDC-Vorstand & Kongressnachlese 2026

Der DCK2026 in Leipzig hat eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig, innovativ und zugleich menschlich die Chirurgie mit all ihren Fächern in Deutschland aufgestellt ist. Vom 22. bis 24. April wurde die Messestadt erneut zum zentralen Treffpunkt für Chirurginnen und Chirurgen aller Fachrichtungen – und zu einem Ort des intensiven Austauschs zwischen Wissenschaft, klinischer Praxis, Nachwuchs, Bundeswehr und Industrie.

Besonders beeindruckend war in diesem Jahr die spürbare Aufbruchstimmung. Themen wie Digitalisierung, robotische Assistenzsysteme, künstliche Intelligenz und personalisierte Medizin standen ebenso im Fokus wie die Frage, wie wir auch in Zukunft eine hochwertige chirurgische Versorgung unter zunehmend komplexen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen sichern können. Dabei wurde deutlich: Technologische Präzision, Personalisierung und die Passion für die Chirurgie stehen in perfektem Einklang zueinander.

Inhaltlich konnten wir das gewohnte, breite Spektrum der chirurgischen Fächer mit hochwertigen Sprecherinnen und Sprechern abdecken. Einen Schwerpunkt stellte in diesem Jahr die chirurgische Onkologie dar, die in einem „Onko-Day“ kombiniert von allen Fachrichtungen diskutiert wurde. Als weiterer, neuer Schwerpunkt rückte auch die interdisziplinär betriebene Wirbelsäulenchirurgie ins Zentrum des Interesses. Eine Besonderheit waren die Sitzungen über Computer-Hirn-Schnittstellen, welche von funktionellen Neurochirurgen, Neurowissenschaftlern und Ingenieuren in zukunftsgerichteten Sitzungen intensiv beleuchtet wurden. Mit diesen Themen konnten sich die Besonderheiten des Faches Neurochirurgie sehr gut präsentieren, was der geneigte Leser mir als gelerntem Neurochirurgen verzeihen möge.

Der Kongress überzeugte nicht nur durch wissenschaftliche Exzellenz, sondern auch durch seine außergewöhnlich offene und kollegiale Atmosphäre. Zahlreiche Sitzungen waren geprägt von lebhaften Diskussionen, praxisnahen Fallbeispielen und einem bemerkenswerten interdisziplinären Geist. Gerade für junge Kolleginnen und Kollegen bot der Kongress wertvolle Möglichkeiten zur Vernetzung und Inspiration.

Der DCK2026 hat damit nicht nur aktuelle Entwicklungen sichtbar gemacht, sondern vor allem Zuversicht vermittelt: Die Chirurgie in Deutschland ist innovativ, engagiert und bereit, die Herausforderungen der Zukunft aktiv zu gestalten. Ein Kongress, der fachlich überzeugt hat – und menschlich in Erinnerung bleibt.

Univ.-Prof. Dr. med. Roland Goldbrunner

Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Gesch. Direktor des Zentrums für Neurochirurgie

Direktor der Klinik für Allgemeine Neurochirurgie

Universitätsklinik Köln

Editorial

Goldbrunner R: Kongressnachlese DCK 2026. Passion Chirurgie. 2026 Juni; 16(06/QII): Artikel 01_01.

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Der BDC-Leitfaden Weiterbildung im Verbund

Umfangreiche und praktische Online-Anwendung mit Antworten für alle, die weiterbilden möchten

Sie möchten in Ihrer Klinik, Ihrem Medizinischen Versorgungszentrum oder Ihrer Praxis weiterbilden? Sie sind Arzt oder Ärztin in Weiterbildung und haben Fragen oder möchten sich zu Ihren Rechten und Möglichkeiten informieren? Wir haben da etwas für Sie!

Weiterbildungsverbünde werden immer wichtiger!

Mit zunehmender Zentralisierung spezialisierter Leistungen in Krankenhäusern einerseits und der wachsenden Ambulantisierung andererseits wird es für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung zunehmend zur Herausforderung, die Weiterbildung „in einem Guss“ und in der üblicherweise vorgesehenen Mindestweiterbildungszeit zu absolvieren. Gleichzeitig wird es für Krankenhäuser und fachärztliche Praxen schwieriger, kohärente Weiterbildungscurricula anzubieten. Der BDC-Leitfaden soll daher Orientierung und Tipps auf dem Weg zur Gründung eines eigenen Weiterbildungsverbundes bieten, indem er nützliche Informationen zu den Vorgaben von Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen wie auch praktische Erfahrungen chirurgischer Weiterbildungsverbünde widerspiegelt. Darüber hinaus finden Sie praktische Musterdokumente, etwa für Arbeitsverträge und Verbundvereinbarungen. Damit können Sie ihn als Starthilfe für die Gründung Ihres eigenen Verbundes im Gebiet Chirurgie nutzen.

Der online abrufbare und exklusiv für BDC-Mitglieder erstellte Leitfaden beinhaltet zwei Teile und eine Übersicht mit praktischen Musterdokumenten. Teil 1 beschäftigt sich mit allgemeinen Fragen und Antworten rund um die Facharztweiterbildung im ambulanten und stationären Setting, etwa zur Beantragung einer Weiterbildungsbefugnis oder zu Delegationsmöglichkeiten. Teil 2 liefert hilfreiche Informationen rund um die Gründung eines Weiterbildungsverbundes. Zu den zur Verfügung gestellten Musterdokumenten gehören ein Rotationsplan, Musterverträge für Weiterbildungsverbünde, Musterarbeitsverträge (Abordnung, Arbeitgeberwechsel), sowie eine Musterkooperationsvereinbarung für Weiterbildungsverbünde.

Der Leitfaden wird von den Autorinnen und Autoren regelmäßig überprüft und aktualisiert.

Burgdorf F: Neu: Der BDC-Leitfaden Weiterbildung im Verbund. Passion Chirurgie. 2026 Juni; 16(06/II): Artikel 05_02.

Personalia im Juni 2026

Prof. Dr. med. Sameer Dhayat ist seit April 2026 neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und minimalinvasive Chirurgie am St. Ansgar-Krankenhaus in Höxter. Er folgt auf Prof. Dr. Joachim Mellert, der nach mehr als zwei Jahrzehnten engagierter Tätigkeit im Sommer in den Ruhestand geht.

Dr. med. Peter Fricke leitet seit April 2026 als Chefarzt die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Klinikum Cracau, in der er zuvor als leitender Oberarzt tätig war.

Dr. med. Klaus Frommhold, FEBS ist seit April neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Minimalinvasive Chirurgie am Elisabeth Hospital in Gütersloh.

Dr. med. Melodi Motamedi, zuvor Oberarzt im Haus, ist seit April 2006 neuer Chefarzt in Doppelspitze. Gemeinsam mit Dr. med. Sixtus Allert leitet er nun die Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Sana-Klinikum in Hameln-Pyrmont.

Dr. med. Sven Schröder ist seit Mai 2026 neuer Direktor der Klinik Allgemein-, Viszeral- und spezielle Viszeralchirurgie am Klinikum Lüdenscheid, an dem er zuvor als leitender Oberarzt tätig war.

Falk Sonnabend ist seit April 2026 neuer Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie des EndoProthethik Zentrums der Helios Klinik in Köthen.

Dr. med. Carsten Straßberger ist seit Mai 2026 neuer Chefarzt der Klinik für Chirurgie II (Unfallchirurgie, Orthopädische Chirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Handchirurgie) am Helios Klinikum Pirna GmbH. Zuvor war er als Oberarzt in der Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Orthopädische Chirurgie an den Helios Weißeritztal-Kliniken im Klinikum Freital.

Dr. med. Gintautas Virakas wird ab Juli 2026 neuer Chefarzt der Koloproktologie am Prosper-Hospital Recklinghausen des Stiftungsklinikum PROSELIS gGmbh. Virakas übernimmt die wissenschaftliche Leitung der BDC-Fortbildung „Viszeralchirurgie Kompakt: Rektum- und Analfistelchirurgie“ im November.

Patienten als Partner in der chirurgischen Risikoprävention – ein unterschätzter Sicherheitsfaktor

Die chirurgische Versorgung zählt zu den komplexesten und risikoreichsten Bereichen der Medizin. Zeitkritische Entscheidungen, anspruchsvolle Abläufe und interprofessionelle Teams treffen auf wechselnde Rahmenbedingungen und nicht selten auf ausgeprägte Hierarchien. Trotz etablierter Sicherheitsinstrumente wie OP-Checklisten, CIRS oder Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen kommt es weiterhin zu vermeidbaren unerwünschten Ereignissen. Besonders an den Schnittstellen zwischen Station, OP und postoperativer Versorgung entstehen Risiken durch Informationsverluste, unklare Zuständigkeiten und strukturelle Diskontinuitäten.

Vor diesem Hintergrund gewinnt eine Ressource zunehmend an Bedeutung, die im klinischen Alltag bislang häufig unterschätzt wird: die aktive Beteiligung der Patientinnen und Patienten an sicherheitsrelevanten Abläufen. Da sie den gesamten Versorgungspfad ohne Unterbrechung durchlaufen, erkennen sie Abweichungen im Prozess, Informationslücken oder unzureichend umgesetzte Sicherheitsstandards, etwa bei Händehygiene oder Identitätskontrolle, häufig früher als das Behandlungsteam. Ihre Perspektive ist unabhängig von professionellen Routinen und dadurch besonders wertvoll für die Identifikation subtiler Risiken oder inkonsistenter Abläufe.

Seit der Veröffentlichung des Berichts „To Err Is Human“ im Jahr 1999 erhält die Einbindung von Patientinnen und Patienten als aktive Ressource für mehr Sicherheit im Gesundheitswesen internationale Aufmerksamkeit. Mit dem „WHO Global Patient Safety Action Plan 2021–2030“ wurde diese Perspektive weiter gestärkt und als eines der sieben strategischen Kernziele in der globalen Patientensicherheitsagenda verankert. Die WHO betont, dass eine „Welt, in der niemand durch Gesundheitsversorgung geschädigt wird“, nur erreichbar ist, wenn Patientinnen und Patienten partnerschaftlich in sicherheitsrelevante Entscheidungen und Prozesse eingebunden werden. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten sowie ihre Familien so zu befähigen, dass sie Risiken erkennen, sicherheitsrelevante Informationen verstehen und sich auf Augenhöhe in Entscheidungen und Prozesse einbringen können. [1]

Die wissenschaftliche Evidenz der letzten Jahre bestätigt diese Perspektive eindrücklich. Untersuchungen der US-amerikanischen Behörde Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ) zeigen, dass Patientinnen und Patienten Fehler und Unstimmigkeiten häufig früher bemerken als professionelle Teams und damit als wichtige Sensoren im klinischen Alltag fungieren können. Besonders patientenzentrierte Interventionen, die Transparenz, Befähigung und strukturierte Kommunikation fördern, können eine signifikante Verbesserung der Sicherheit bewirken. [2]

Damit dieses Potenzial wirksam werden kann, genügt es jedoch nicht, Patientinnen und Patienten lediglich mit Informationen zu versorgen. Erforderlich ist ihre gezielte und systematische Einbindung in Prozessschritte von der prä- und perioperativen Phase bis zur postoperativen Phase. Voraussetzung dafür sind klare Rollen, transparente Erwartungen, verständliche Materialien sowie Strukturen, die Rückmeldungen ausdrücklich erwünschen und wertschätzen.

Im Folgenden werden zentrale Ansatzpunkte entlang des chirurgischen Behandlungspfads aufgezeigt, die eine solche Einbindung unterstützen.

Präoperative Aufklärung und Shared Decision-Making

Die präoperative Aufklärung ist ein wesentliches Instrument der Patientensicherheit. Sie bietet die Möglichkeit, ein realistisches Verständnis über Risiken, Alternativen und Erwartungen zu vermitteln. Materialien wie strukturierte Fragenkataloge, Entscheidungshilfen oder risikobasierte Informationsblätter unterstützen Patientinnen und Patienten dabei, gezielt nachzufragen und somit Missverständnisse zu vermeiden. Entscheidend ist, dass Informationen nicht nur vermittelt, sondern auch verstanden werden. Gerade in komplexen chirurgischen Situationen besteht das Risiko, dass Patientinnen und Patienten aufgrund von Stress oder Informationsüberflutung wesentliche Aspekte nicht aufnehmen.

Shared Decision-Making (SDM) stärkt diesen Prozess. Durch eine dialogorientierte Gesprächsführung entsteht ein gemeinsames Verständnis über Nutzen, Risiken und Ziele des Eingriffs. Patientinnen und Patienten, die sich aktiv beteiligt fühlen, sind nachweislich besser in der Lage, postoperative Empfehlungen einzuhalten und Frühwarnzeichen zu erkennen. Darüber hinaus wirkt SDM präventiv auf das Auftreten von Kommunikationsfehlern, die zu den häufigsten Ursachen unerwünschter Ereignisse zählen. Ein weiterer Nutzen liegt in der emotionalen Entlastung. Studien zeigen, dass ein Gefühl der Kontrolle und der aktiven Mitgestaltung präoperative Angst reduziert – ein Faktor, der wiederum mit besseren postoperativen Ergebnissen korreliert.

Perioperative Vorbereitung

Fehler bei präoperativen Karenzvorgaben führen häufig zu Verzögerungen im Ablauf und erhöhen das Risiko einer Aspiration. Eine einbindende und gut verständliche Kommunikation, die die physiologischen Hintergründe erläutert, klare Zeitvorgaben vermittelt und Hinweise zur sicheren Medikamenteneinnahme gibt, verbessert die Adhärenz der Patientinnen und Patienten nachweislich.

Im Rahmen moderner ERAS-Programme werden Patientinnen und Patienten zunehmend differenziert informiert – etwa zu klaren Flüssigkeitsregeln, dem Umgang mit fester Nahrung, individuellen Medikationsempfehlungen sowie Hinweisen zu Rauch- und Alkoholkarenz. Eine verständliche Erläuterung dieser Zusammenhänge erhöht nachweislich die Bereitschaft, die Vorgaben konsequent umzusetzen. Viele Kliniken nutzen mittlerweile digitale Patientenportale, die automatische Erinnerungen, Checklisten und edukative Inhalte bereitstellen, um damit eine wirksame Ergänzung zur persönlichen Aufklärung darzustellen.

Identitätsprüfung und Seitenkontrolle

Die Vermeidung von Patientenverwechslungen und Seitenfehlern erfordert ein aktives Zusammenspiel zwischen medizinischem Personal und Patientinnen und Patienten. Statt die Identitäts- und Seitenkontrolle ausschließlich als Aufgabe des Behandlungsteams zu betrachten, sollte die aktive Mitwirkung der Patientinnen und Patienten bewusst in den Prozess integriert werden. Dies beginnt damit, sie gezielt aufzufordern, ihre Identität und die betroffene Körperseite selbst zu benennen. Ein solches „Checkback“-Verfahren stärkt das Verantwortungsgefühl der Patientinnen und Patienten und schafft zugleich eine zusätzliche Sicherheitsbarriere.

Entscheidend ist außerdem, Patientinnen und Patienten zu ermutigen, Unstimmigkeiten direkt anzusprechen, insbesondere dann, wenn Name oder Eingriffsseite falsch genannt werden. Auf diese Weise entsteht eine zusätzliche Schutzebene, die kritische Fehler frühzeitig sichtbar machen kann und damit maßgeblich zur Vermeidung von Verwechslungen beiträgt.

Medikationssicherheit

Auch im Bereich der Medikationssicherheit bringt die Beteiligung der Patientinnen und Patienten erhebliche Vorteile. Medikationsfehler gehören zu den häufigsten Ursachen schwerwiegender unerwünschter Ereignisse. Studien zeigen, dass die Qualität von Medikationsanamnese und -abgleich deutlich steigt, wenn Patientinnen und Patienten durch strukturierte Informationen in den Überprüfungsprozess eingebunden werden. Transparenz, vollständige Medikamentenlisten und aktives Nachfragen tragen wesentlich zur Fehlervermeidung bei. [2]

Infektionsprävention und Händehygiene

Nosokomiale Infektionen zählen zu den häufigsten vermeidbaren Komplikationen. Patientinnen und Patienten können einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie über kritische Situationen der Händehygiene informiert sind und wissen, wie sie Hygienemängel ansprechen können. Eine gezielte Aufklärung senkt Hemmschwellen und erhöht die Handlungssicherheit der Patientinnen und Patienten.

Darüber hinaus nehmen Patientinnen und Patienten bei der Beobachtung von Wunden, Kathetern und Drainagen eine wichtige Rolle ein. Veränderungen wie Rötungen, Schmerzen oder Sekretveränderungen fallen ihnen häufig früher auf als dem Behandlungsteam. Werden sie geschult, solche Auffälligkeiten systematisch wahrzunehmen und zeitnah zu melden, lässt sich das Risiko einer Infektion erheblich verringern. Bei eingeschränkter Selbstbeobachtung können Angehörige wirkungsvoll unterstützen.

Selbstbeobachtung als Sicherheitsfaktor bei postoperativen Warnzeichen

Ein großer Teil postoperativer Komplikationen tritt nach der Entlassung auf. Patientinnen und Patienten müssen Warnzeichen wie Fieber, Atemnot, Schwellung, Nachblutungen oder Delir früh erkennen können. Hilfsmittel wie Symptomtagebücher (Schmerzskala, Temperaturkurve) oder farbkodierte Notfallschemata erleichtern die Einschätzung und unterstützen ein angemessenes Reaktionsverhalten. Angehörige sollten insbesondere bei kognitiven Veränderungen eingebunden sein.

Sichere Mobilisation und Sturzprävention

Die postoperative Mobilisation trägt wesentlich zur Risikoreduktion bei und unterstützt den Behandlungserfolg. Wenn Patientinnen und Patienten verstehen, dass frühes Aufstehen Komplikationen wie Pneumonie, Thrombose oder Delir reduziert, steigt ihre Bereitschaft zur Mitarbeit. Gemeinsam vereinbarte und dokumentierte Mobilisationsziele stärken die Selbstwirksamkeit.

Eine sichere Mobilisation umfasst zudem Hinweise zu Hilfsmitteln und Schutzmaßnahmen – insbesondere rutschfestes Schuhwerk und die korrekte Nutzung von Gehhilfen. Einfache Balance- und Sturzrisikotests helfen darüber hinaus, das eigene Risiko realistisch einzuschätzen.

Kommunikation als Sicherheitsinstrument

Über alle Prozessschritte hinweg ist eine offene Kommunikationskultur die Grundlage jeder erfolgreichen Patientenbeteiligung. Wenn Patientinnen und Patienten die Regeln für ein sicheres „SpeakUp“ kennen, also wissen, wie sie Bedenken artikulieren können, ohne Angst vor negativen Reaktionen zu haben, stärkt dies ihre Rolle als aktive Partnerin und Partner im Behandlungsprozess. Nicht zuletzt muss das Behandlungsteam geschult sein, Hinweise wertschätzend anzunehmen und die Beteiligung der Patientinnen und Patienten aktiv zu unterstützen. Eine solche Kommunikationskultur schafft Vertrauen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sicherheitsrelevante Hinweise frühzeitig gegeben werden.

Fazit

Patientenbeteiligung im Risikomanagement ist kein „nice to have“, sondern ein zentraler, häufig unterschätzter Sicherheitsfaktor. Patientinnen und Patienten können Risiken frühzeitig sichtbar machen, kritische Prozesse aktiv unterstützen, sicherheitsrelevante Ereignisse melden und bei Verschlechterungen entscheidende Hinweise geben. Damit dies gelingt, braucht es klar definierte Ziele, eine unterstützende Infrastruktur, strukturiertes Teamtraining und eine Sicherheitskultur, in der Nachfragen und Hinweise ausdrücklich erwünscht sind. Der „WHO Global Patient Safety Action Plan 2021–2030“ liefert hierfür einen international abgestimmten Rahmen der Patienten, Familien- und Community-Engagement als zentrales Element einer systemischen und modernen Sicherheitsarbeit positioniert.

In einer zunehmend komplexen Versorgung gewinnt die Perspektive jener an Bedeutung, die den gesamten Versorgungspfad erleben. Patientenpartnerschaft ist nicht die Delegation von Verantwortung, sondern die Stärkung eines gemeinsamen Sicherheitsnetzes. Wer Patientinnen und Patienten partnerschaftlich einbindet, erweitert das Risikomanagement um die Perspektive derjenigen, die die Versorgung in ihrer Gesamtheit erleben, und gewinnt damit eine der wenigen Systemressourcen, die an jeder Schnittstelle verfügbar ist.

Literatur

[1]   Bundesministerium für Gesundheit, WHO Global Patient Safety Action Plan 2021–2030 (deutsche Fassung), 2021. Zugriff: 16.02.2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/P/Patientensicherheit/WHO_Global_Patient_Safety_Action_Plan_2021-2030_DE.pdf
[2]   Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ), Patient Engagement and Safety. Zugriff: 14.02.2026. [Online]. Verfügbar unter: https://psnet.ahrq.gov/primer/patient-engagement-and-safety
[3]   European Commission, PRIMS – Patient Safety Monitoring and Reporting. Zugriff: 16.02.2026. [Online]. Verfügbar unter: https://health.ec.europa.eu/system/files/2021-02/prims_en_0.pdf

Indra Förg

Risikoberaterin

GRB Gesellschaft für Risiko-Beratung mbH

Ecclesiastraße 1-4

32758 Detmold

indra.foerg@grb.de

Chirurgie+

Förg I: Safety Clip: Patienten als Partner in der chirurgischen Risikoprävention, ein unterschätzter Sicherheitsfaktor. Passion Chirurgie. 2026 Juni; 16(06/II): Artikel 04_03.

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