Alle Artikel von Olivia Päßler

Im Fokus: Das Online-Facharztseminar Orthopädie/Unfallchirurgie

Herr Professor Palm, warum empfehlen Sie Ihr onlinebasiertes Facharztseminar? Mit welchem Wissen bin ich danach ausgestattet?

Mit unserem Facharztseminar werden wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gebündelt und systematisch die wichtigsten Themen aus Orthopädie und Unfallchirurgie näherbringen, um eine optimale Rekapitulation vor der anstehenden Facharztprüfung zu ermöglichen.

Für wen ist das Facharztseminar besonders geeignet?

Primäre Adressaten sind natürlich Assistentinnen und Assistenten in den letzten Weiterbildungsjahren, die sich auf ihre anstehende Facharztprüfung erfolgreich vorbereiten wollen. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass bereits jüngere Kolleginnen und Kollegen von dem Webinar profitieren, um sich kompakt und – aufgrund des Onlineformates – gut zugänglich Wissen für ihre tägliche Arbeit anzueignen. Das Webinar dient auch als Refresherkurs, z.B. zum Wiedereinstieg nach längerer Pause oder um sich auf den neuesten Stand der Forschungen zu bringen.

Welche thematischen Schwerpunkte setzen Sie?

Wir orientieren uns inhaltlich an den Anforderungen des Facharztkataloges. Dabei gehen wir insbesondere auch auf Inhalte ein, mit denen man seltener in der täglichen Praxis konfrontiert wird und die damit gewisse Befürchtungen vor der Prüfung hervorrufen können. Dazu zählen z. B. die Kinder- und Tumororthopädie.

Wie gestalten Sie das Webinar interaktiv?

Mit Fallbeispielen für klassische Prüfungssituationen möchten wir die Teilnehmenden zur lebendigen Interaktion anregen. Da nicht allen eine mündliche Prüfungssituation liegt, schulen die Falldiskussionen auch hinsichtlich des eigenen, selbstsicheren Auftretens bei der Beantwortung der Fragen.

Was liegt Ihnen bei der Vermittlung orthopädisch-unfallchirurgischen Wissens besonders am Herzen?

Der Großteil der Referentinnen und Referenten entstammt aus meinem Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Ingolstadt, unterstützt von hervorragenden Kolleginnen und Kollegen weiterer Fachbereiche. Aufgrund der Größe unseres ärztlichen Teams spielt die Aus- und Weiterbildung eine hohe Rolle. Hinzu kommt, dass wir aufgrund unserer breiten sektoralen Gliederung über Expertinnen und Experten aus der klassischen Orthopädie und Unfallchirurgie, aber auch der Septischen Chirurgie, der Hand- und Plastischen Chirurgie, der Alterstraumatologie und Wirbelsäulenchirurgie verfügen. Mir liegt folglich besonders am Herzen, dass die Teilnehmenden eine fachlich hochkompetente und engagierte Wissensvermittlung erfahren.

Was ist Ihr Hintergrund, was ist Ihr orthopädisch-unfallchirurgisches Steckenpferd?

Ich selbst durfte aufgrund meiner damaligen Tätigkeit als Einsatzchirurg am Bundeswehrkrankenhaus Ulm eine sehr umfassende Facharztausbildung, zunächst zum Facharzt für Allgemeinchirurgie, dann zum Orthopäden und Unfallchirurgen und schließlich Speziellen Unfallchirurgen erfahren. Im Anschluss an die Bundeswehr war ich am Universitätsklinikum Erlangen als Leitender Oberarzt tätig. Seit Juli 2023 leite ich das Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Ingolstadt, das aus einem rund 35-köpfigen ärztlichen Team mit 106 Betten besteht und als überregionales Traumazentrum und SAV-Klinik akkreditiert ist. Mein fachlicher Schwerpunkt ist die allgemeine Traumatologie mit besonderer „Liebe“ zur Beckenchirurgie.

Wie haben Sie sich damals auf die Facharztprüfung vorbereitet und was hätten Sie sich damals als Unterstützung gewünscht?

Neben der täglichen klinischen Routine habe ich vor allem Lehrbücher und – punktuell – aktuelle Fachartikel gelesen. Lernkarten haben mir geholfen, akzentuiert Wissenslücken zu schließen. Ein Facharztseminar wie dieses hätte mir aber sehr geholfen, in aktiven Austausch mit erfahrenen Referentinnen und Referenten zu treten und von deren Expertise zu profitieren.

Das nächste Online-Facharztseminar Orthopädie/Unfallchirurgie findet vom 27. – 29. November 2024 statt. Hier geht es zur Anmeldung.

Chirurgieverbände kritisieren die Vorschläge der Regierungskommission zur Überwindung der Sektorengrenzen

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC) und die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) warnen vor falschen Maßnahmen, um einen weiteren Facharztmangel zu beheben: Den Vorschlag der Regierungskommission, die fachärztliche Versorgung durch die im Rahmen der Krankenhausreform geplanten Level 1i-Kliniken sicherstellen zu lassen, halten sie für illusorisch. Leisten sollen solche Einrichtungen dies neben den ihnen zugedachten Aufgaben in der Kurzzeitpflege, der hausärztlichen Betreuung bei Unterversorgung, der allgemeinmedizinischen Weiterbildung und der belegärztlichen Behandlung.

„Dieses Konzept ist höchst riskant, denn noch weiß niemand, ob es diese Kliniken in strukturschwachen Gegenden überhaupt geben wird. Viel mehr gibt es heute schon Gegenden in Deutschland, in denen kein Krankenhaus mehr existiert und bereits jetzt niedergelassene Fachärztinnen und -ärzte die Versorgungslücke schließen müssen“, erklärt BDC-Präsident Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer. Neugründungen von derartigen Kliniken seien wenig realistisch und ob bestehende kleine Krankenhäuser nach der Reform in der Peripherie als Level 1i-Klinik wirtschaftlich weiterbetrieben werden können, sei auch zweifelhaft. Eine Verlagerung der fachärztlichen Versorgung an die verbleibenden Krankenhäuser würde somit eine weitere Ausdünnung der Versorgungslandschaft und dadurch eine massive Verschlechterung der Versorgung der ländlichen Gebiete mit medizinischen Leistungen bedeuten. BDC und DGCH sehen diesen Vorschlag daher kritisch, sind aber auch der Meinung, dass in Zukunft jede Personalressource optimal genutzt werden sollte. Dies gelinge nicht durch staatliche Steuerung, sondern möglichst viele Freiheiten in der Kombination von ambulanter und stationärer Berufsausübung.

So gelte es, den existierenden Facharztpraxen das wirtschaftliche Überleben zu sichern und die in vielen Bereichen schon vorhandenen Kooperationen mit den regionalen Krankenhäusern zu fördern. „Die vorgeschlagene sektorenübergreifende Bedarfsplanung ist in dieser Hinsicht sinnvoll und zielführend. Somit könnten im sektorenübergreifenden Verbund und auf Augenhöhe die verbleibenden fachärztlichen Aktivitäten gebündelt und eine ausreichende Versorgung vor Ort sichergestellt werden. „Dazu ist es sicher notwendig, die noch bestehenden Hürden einer kombiniert ambulant-stationären Berufsausübung zu beseitigen“, betont DGCH-Generalsekretär Professor Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen.

BDC und DGCH setzen sich deshalb vehement dafür ein, gesetzliche Hürden bei der Zusammenarbeit von Krankenhäusern und Vertragsärzten und bei der fachärztlichen Verbundweiterbildung abzubauen, das Belegarztwesen zu fördern und die Ambulantisierung nicht nur von den Krankenhäusern aus zu denken, sondern auch in diesem Bereich vorhandene vertragsärztliche Strukturen zu berücksichtigen. „Jegliche Bestrebungen in Richtung einer krankenhausbasierten Staatsmedizin sind in dieser Hinsicht kontraproduktiv und würden die letzten engagierten und leistungsbereiten Fachärztinnen und Fachärzte eher von einer Niederlassung abhalten“, warnt BDC-Vizepräsident Dr. med. Peter Kalbe.

Die chirurgischen Verbände reagieren auf die 10. Stellungnahme der Regierungskommission zur Überwindung der Sektorengrenzen im deutschen Gesundheitswesen. Diese liefert eine umfassende Analyse der Schwachstellen und Friktionen an den Schnittstellen zwischen Krankenhäusern und Vertragsärzten. BDC und DGCH teilen die Erkenntnis, dass in naher Zukunft mit einem zunehmenden Facharztmangel zu rechnen ist und sehen dies im Besonderen in den chirurgischen Fächern.

 

Hygienezuschlag für ambulante Eingriffe rückwirkend ab Januar

Die Vereinbarung über einen Hygienezuschlag für ambulante Operationen ist unter Dach und Fach. Ärztinnen und Ärzte können den Zuschlag rückwirkend zum 1. Januar geltend machen. Darauf haben sich die KBV und der GKV-Spitzenverband geeinigt.

Der Hygienezuschlag wird auf alle Eingriffe, die im Abschnitt 31.2 des EBM aufgeführt sind, gezahlt. Ausnahmen bilden Kataraktoperationen (GOP 31350 und 31351) und Gebührenordnungspositionen (GOP), denen derzeit kein OPS-Kode im Anhang 2 des EBM zugeordnet sind. Für die Operationen aus Kapitel 1 – Sterilisation (GOP 01854, 01855) und Abruptio (01904 und 01905) – sind ebenfalls Zuschläge vorgesehen.

Der BDC weist darauf hin, dass mit der regionalen KV geklärt werden sollte, ob diese die Zuschläge automatisch zusetzt oder ob diese in die Abrechnungsketten eingefügt werden müssen.

Mehr Informationen auf den Seiten der KBV.

Berufsverbände an G-BA-Entscheidungen beteiligen

Das Ärzteparlament hat die Einbindung der Berufsverbände an den Entscheidungen des Gemeinsa­men Bundesausschusses (G-BA) angeregt.

Der Gesetzgeber solle die Beteiligung der Interessenvertretungen betroffener ärztlicher Fachgruppen bei Beratungen des G-BA obligatorisch vorsehen, heißt es in einem Beschluss der Delegierten.

Es sei notwendig, dass der G-BA als maßgeblicher rahmenrechtlicher Gestalter der Patientenversorgung eine obligatorische Mitberatung betroffener und sachkundiger Interessenvertretungen nutzt, so das Ärzteparla­ment. Dies sei vor allem vor dem Hintergrund der zunehmenden Ambulantisierung der Versorgung und sektorüber­grei­­fenden Einrichtungen notwendig.

Durch die Umgestaltung des Gesundheitswesens würden neue Berufsbilder und Organisationsformen ge­schaffen, um der sich verändernden Aufgabenverteilung gerecht zu werden.

In den bisherigen Strukturen des G-BA würden die betroffenen und sachverständigen Fachgruppen jedoch noch nicht ausreichend berück­sichtigt, heißt es in dem Beschluss.

Quelle: Ärzteblatt

Fachärztliche Weiterbildung in Gefahr: Offener Brief an Lauterbach

In einem gemeinsamen offenen Brief haben der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC), die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten (BDA) sowie die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach mit Forderungen zur fachärztlichen Weiterbildung konfrontiert. In dem Schreiben machen die Verbände deutlich, dass ihnen die zukünftige Sicherstellung der ärztlichen Weiterbildung, gekoppelt mit einem sich stetig verschärfenden Fachkräftemangel im ärztlichen Bereich, Sorge im Hinblick auf eine qualifizierte Patientenversorgung in der Zukunft machen. Neben ihren Forderungen machen die Verbände konkrete Vorschläge, wie die Weiterbildung im ärztlichen Bereich zukünftig adäquat abgebildet und finanziert werden kann.

Die Verbände machen darauf aufmerksam, dass die geplanten Reformen, insbesondere die Ambulantisierung, die Rahmenbedingungen für die ärztliche Weiterbildung beeinflussen. Darüber hinaus würde die Finanzierung der Ausbildung junger Kolleginnen und Kollegen nach wie vor eine untergeordnete und wenig differenziert betrachtete Rolle spielen. Die Verbände verlangen eine angemessene finanzielle Unterstützung und strukturelle Maßnahmen, um die Weiterbildungskosten zu refinanzieren und sicherzustellen. Außerdem solle die Weiterbildung in klinischen und ambulanten Einrichtungen gleichermaßen gefördert werden. Es sei wichtig, dass die Kosten transparent und trägerunabhängig refinanziert werden und den Einrichtungen zugewiesen werden, in denen die Weiterbildung tatsächlich stattfindet. Dabei betrachten sie die Weiterbildung junger Ärztinnen und Ärzte als gesamtgesellschaftliche Aufgabe – auch, um den steigenden Behandlungsbedarf einer älter werdenden Gesellschaft zu decken. Sie halten es somit für unerlässlich, zumindest einen Teil der Weiterbildungskosten aus Steuermitteln zu finanzieren.

Zur Umsetzung haben BDC, DGCH, BDA und DGAI konkrete Vorschläge: Zunächst könnten in einer ersten Stufe die Kosten für die ärztliche Weiterbildung durch das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) in den DRG-Kalkulationskrankenhäusern differenziert erhoben und in einem Fonds abgebildet werden. Die Erlösanteile sollten dann den Kliniken zukommen, die die Weiterbildung durchführen. Ein ähnliches fondsbasiertes System könnte auch für ambulante Weiterbildungsstellen entwickelt werden. Dies würde es ermöglichen, die geplante Vorhaltevergütung für Krankenhäuser um einen Zuschlag zu ergänzen, der nach Anzahl der Weiterbildungsstellen gestaffelt ist und nur Kliniken zugutekommt, die Facharztweiterbildungen anbieten. Für die Förderung der Weiterbildung im vertragsärztlichen Bereich sei es außerdem kurzfristig erforderlich, im § 75a des SGB V in Absätzen 4 und 9 die Begrenzung der finanziellen Förderung auf die grundversorgenden Fachärzte zu streichen und es somit zu ermöglichen, dass auch die zunehmend in den ambulanten Bereich verlagerten einfachen operativen Eingriffe im Rahmen der fachärztlichen Weiterbildung erbracht werden können.
Für Gespräche mit Gesundheitsminister Lauterbach stellen sich alle vier unterzeichnenden Verbände jederzeit zur Verfügung.

Zum offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach

Thüringer orthopädisch- unfallchirurgisches Symposium im Juni

Zum Thüringer orthopädisch- unfallchirurgischen Symposium laden die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen, der Berufsverband der Orthopäden und Unfallchirurgen Thüringen, der Verband Leitender Orthopäden und Unfallchirurgen Thüringen, die Arbeitsgemeinschaft der Niedergelassenen Chirurgen Mitteldeutschland sowie der Verein zur Förderung der Ambulanten Chirurgie Gera ein.

Am 14. und 15. Juni werden namhafte Referenten und Referentinnen Vorträge rund um das Thema “Chirurgie in Praxis und Klinik” halten. Die Veranstalter freuen sich außerdem darauf, mit den Teilnehmenden über die gemeinsame Zukunft der ambulanten und klinischen Medizin in Thüringen zu sprechen.

Für die Teilnahme werden 16 Fortbildungspunkte vergeben.

 

Gut gedacht – schlecht gemacht

Gravierende handwerkliche Defizite des Gesetzgebers und die offenbar nicht ausreichende fachliche Expertise drohen nach Ansicht des Berufsverbands der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC) zu einem Scheitern des an sich sinnvollen Vorhabens der Ambulantisierung im Gesundheitssystem zu führen. Letztlich habe die durch eine Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministers versuchte Umsetzung des Gesetzes ihr Ziel verfehlt.

„Was vielen nicht bewusst ist: Die Einführung der sogenannten Hybrid-DRG führt zunächst einmal zu einer gesetzlich verfügten Absenkung einzelner Krankenhausvergütungen. Und ob sie der niedergelassenen Ärzteschaft finanzielle Vorteile bringt, ist derzeit mehr als fraglich“, erläutert Dr. Jörg-A. Rüggeberg, Vizepräsident des BDC. Das Thema war beim diesjährigen Deutschen Chirurgie Kongress, der vergangene Woche in Leipzig stattfand, ein berufspolitischer Schwerpunkt, der vielen Teilnehmenden unter den Nägeln brennt.

Die Situation: Zum Jahresstart 2024 wurden über den §115f SGB V sechs sogenannte Hybrid-DRG eingeführt, über die eine überschaubare Anzahl von Eingriffen zukünftig gleich bezahlt werden, unabhängig davon, ob diese stationär oder ambulant erbracht werden. Diese Eingriffe können in den Kliniken daher nicht mehr zu den besseren Vergütungen der stationären Versorgung abgerechnet werden, wie es bisher der Fall war.

Die Hybrid-DRG gelten auch für den vertragsärztlichen Sektor. Hier wurde versäumt, rechtzeitig Regelungen für die Modalitäten der Abrechnung zu entwickeln. „Die Krankenkassen sehen sich angeblich nicht in der Lage, die EDV-technischen Voraussetzungen vor dem 1. Januar 2025 einzurichten. Für Praxen und MVZ würde das bedeuten, dass das Geld erst bis zu einem Jahr nach der Leistungserbringung fließen würde. Gerade in den wirtschaftlich eher kleineren Einrichtungen der Vertragsärzte bedeutet ein derartiger Aufschub einen massiven Liquiditätsverlust mit existenzbedrohenden Folgen“, so Rüggeberg.

Ebenso unschön: Es soll zwar gesetzlich verankert eine sektorengleiche Vergütung geben, dies führt laut BDC jedoch nicht zu sektorengleichen Kosten: Da eine Hybrid-DRG sämtliche mit dem Eingriff verbundenen Kosten umfasst, sind damit auch die so genannten Sachkosten, insbesondere für im Körper verbleibende Implantate abgegolten. „Diese Sachkosten sind im niedergelassenen Sektor, insbesondere in der Chirurgie, um ein Mehrfaches höher als in den Kliniken und verzehren im Einzelfall mehr als die Hälfte des Honorars. Wenn hier keine sinnvolle Lösung gefunden wird, werden solche Leistungen zukünftig nicht mehr angeboten werden“, prognostiziert Rüggeberg. „Da aber außer den Hybrid-DRG keine andere Abrechnungsmöglichkeit besteht, wird daher möglicherweise ein ganzer Versorgungsbereich wegfallen.“ Sein Fazit: Der im Koalitionsvertrag verankerte Grundsatz einer sektorengleichen Vergütung zur Förderung einer vermehrten Ambulantisierung sei im Ansatz richtig. Aber: „Wer einen Fesselballon aufsteigen lassen will, sollte den Korb nicht vergessen. Sonst steigt niemand ein.“

Krankenhausreform: Der BDC fordert bessere Rahmenbedingungen für die ärztliche Weiterbildung im Gebiet Chirurgie

„Wer kann mich in Zukunft überhaupt noch wo und wie operieren?“ Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. möchte verhindern, dass diese Frage künftig bei Patientinnen und Patienten zum Standard wird. Seine Forderung ist daher: Weiterbildung darf nicht länger von der Politik ignoriert werden, sondern muss zwingend zum Kernthema der Krankenhausreform werden, weil sonst künftig der chirurgische Nachwuchs schlicht fehlt. Für die chirurgischen Verbände ist die fachärztliche Weiterbildung eines der berufspolitischen Hauptthemen beim diesjährigen Deutschen Chirurgie Kongress im April.

„Um auch in Zukunft eine adäquate medizinische Versorgung sicherzustellen, darf es keinen Verlust einer qualitativ hochwertigen Weiterbildung geben. Das müsste allen Beteiligten im Gesundheitswesen bewusst sein. Umso schwerer ist es für uns, nachzuvollziehen, dass die Politik die fachärztliche Weiterbildung bisher kaum berücksichtigt“, betont der Präsident des BDC, Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer.

Der BDC befürchtet, dass bei weiterem Hinausschieben einer Anpassung der fachärztlichen Weiterbildung im Rahmen der geplanten Krankenhausreform sowohl die Weiterzubildenden als auch die zur Weiterbildung Befugten mit zunehmend komplizierten Vorgaben konfrontiert werden, die die Weiterbildung im Gebiet Chirurgie erschweren und damit unattraktiv machen. So bestehe unter anderem die Gefahr, dass sich die Weiterbildung zum Facharzt verzögert und obendrein noch finanzielle Einbußen in Kauf genommen werden müssten.
Um dem chirurgischen Nachwuchs eine qualitativ hochwertige, strukturierte und entsprechend finanzierte Weiterbildung anbieten zu können, braucht es laut dem chirurgischen Berufsverband bestimmte Bedingungen. Diese hat er gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und den chirurgisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften als Kernanforderungen gemeinsam mit Lösungsansätzen zusammengefasst:

  • Die Weiterbildungsstätten müssen mit ihren Angeboten zu Inhalten und Kompetenzerwerb in einem digitalen Verzeichnis einsehbar sein. Zudem sollten lokale und regionale Weiterbildungsverbünde aufgelistet sein, um die Rotationsmöglichkeiten realistisch und zeitentsprechend gestalten zu können
  • Voraussetzung für solche Weiterbildungsverbünde sind rechtssichere Arbeitsverträge, Angleichung der Gehälter und Klärung der Berufshaftpflicht für die Weiterzubildenden bei Orts- bzw. Arbeitgeberwechsel
  • Die Beantragung und Erteilung einer Weiterbildungsbefugnis sollte unbürokratisch erfolgen und auch modular möglich sein, vor allem bezüglich der Inhalte. Die verschiedenen Leistungsgruppen müssen natürlich berücksichtigt werden und damit auch einer dynamischen Entwicklung ihrer Differenzierung nachfolgen können
  • Eine adäquate und transparente Refinanzierung für die Weiterbildungsstätten der noch zu eruierenden Kosten sollte durch verschiedene Institutionen oder über eine Stiftung erfolgen, wie bereits in einigen europäischen Nachbarländern praktiziert
  • Bezüglich der Refinanzierung der Weiterbildung könnte im stationären Bereich bei den geplanten Vorhaltepauschalen eine finanzielle Zulage exklusiv für die Kliniken erfolgen, die eine fachärztliche Weiterbildung anbieten und in realiter auch durchführen
  • Im vertragsärztlichen Sektor ist eine finanzielle Weiterbildungsförderung grundsätzlich auch für das Gebiet Chirurgie und somit für die operativ tätigen Praxen und medizinischen Versorgungszentren zu öffnen

Die berechtigten Forderungen der nachfolgenden Medizinergeneration mit einer verbesserten Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Freizeit sollte berücksichtigt und ausgebaut werden, wie flexible Arbeitszeiten, Voll- oder Teilzeitmodelle wie auch Lebensarbeitskonten und Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsstätten.
„Gangbare Lösungsansätze haben wir gegeben und stehen für fachliche Beratung zur Verfügung. Nun fordern wir, dass Politik und Instanzen im Gesundheitssystem endlich handeln. Ziel muss es sein, die Weiterbildung in dem Gebiet Chirurgie wieder attraktiver zu gestalten, damit wir auch in Zukunft gut ausgebildete Operateurinnen und Operateure in OP und Praxis haben“, so Meyer.

Zum Positionspapier Weiterbildung des BDC, der DGCH und der chirurgischen Fachgesellschaften

Weitere Pressemitteilung zum Thema

BDC|Schnittstelle – im Fokus: Dirk Farghal

Unser Format BDC|Schnittstelle präsentiert in regelmäßigen Abständen Persönlichkeiten aus den BDC-Gremien. Heute im Fokus: Dirk Farghal, Stellvertretender Vorsitzender des Referats der niedergelassenen Chirurginnen und Chirurgen im BDC, Regionalvertreter Bayern sowie Vorsitzender der Beleg- und Kooperationsärzte (AG BeKo) im BDC

1.Herr Farghal, welchen Auftrag haben Sie sich persönlich auf die Fahne geschrieben? Was sind Ihre Pläne?
Stärkung der ambulanten Strukturen: Mein Ziel ist es, die Ärztinnen und Ärzte der ambulanten Einrichtungen gegenüber den klinischen zu stärken und auch deren Ansehen gegenüber den Kliniken zu verbessern – Stichwort Gleichberechtigung. Zudem möchte ich das Themenreferat auf Kongressen sichtbarer machen.

2. Welche Themen liegen Ihnen als Vertreter der niedergelassenen Chirurginnen und Chirurgen in den nächsten Jahren besonders am Herzen?
Als neue Aufgabe habe ich mir gestellt, die angestellten Ärztinnen und Ärzte in ambulanten Strukturen sichtbar zu machen, nach dem ich Ende 2023 meine Praxis zu Gunsten der Anstellung im MVZ aufgegeben habe. Vielleicht gelingt es uns auch eine gewerkschaftliche Vertretung für angestellte Ärztinnen und Ärzte in der Niederlassung zu erreichen und damit einen Tarifvertrag. Ambulante Weiterbildung und Verbundweiterbildung bzw. Weiterbildungsverbund werden Themen sein. Mein Ziel ist des Weiteren das Erreichen eines Einkaufsverbunds für die niedergelassenen Bereiche.

3. Wie möchten Sie die Themen mit dem BDC anpacken? Wen und was benötigen Sie dafür? Was sind die Hürden?
Zunächst möchte ich für die o.g. Themen im BDC sensibilisieren und erhoffe mir, dadurch neue Felder und Kolleg:innen anzusprechen und auch als neue Mitglieder zu gewinnen. Schön wäre es, wenn wir eine neue AG im Referat der Niedergelassenen für die Angestellten gründen könnten oder dieses in die AG BeKo integrierend würden. Die AG BeKo wird von mir geleitet. Als Hürde sehe ich, dass die AG BeKo keinen neuen Input bekommt, da das Belegarztwesen in stetigem Niedergang ist und die Zahl der Belegärztinnen unb -ärzte deutlich abnimmt. Auch die Ambulantisierung ist ein großes Thema das mich schon rein beruflich als Leiter eines großen MVZ sehr interessiert. Dies bedeutet aber, dass das Referat der Niedergelassen damit deutlich mehr Gewicht bekommt.

4. Welche Verantwortung und welchen spezifischen Einfluss auf die Politik hat der BDC als berufspolitischer Vertreter aller Chirurginnen und Chirurgen?
Der Einfluss auf die derzeitige Politik ist, wie bei allen anderen medizinischen Verbänden, die wir von Minister Lauterbach als Lobbyisten verunglimpft werden, sehr gering. Jedoch ist der Einfluss des BDC innerhalb der ärztlichen Selbstverwaltung deutlich erkennbar. Hier wird der BDC zu verschiedensten Themen um Stellungnahme gebeten. Dem BDC gelingt das Gespräch mit anderen – nicht nur chirurgischen – Berufsverbänden. Hier können wir gemeinsame Positionen verhandeln.

5. Was wünschen Sie sich für den BDC und Ihre Arbeit in den nächsten Jahren nach innen und nach außen?
Als größter chirurgischer Berufsverband in Europa mit rund 17.000 Mitgliedern müssen wir mehr in die Öffentlichkeit gehen. Neben der Presse sollten wir die Social Media Kanäle vermehrt bespielen, um vor allem junge Kolleginnen und Kollegen zu erreichen.

6. Warum lohnt sich als Mitglied ein Engagement beim BDC, und wer kann/sollte für ein Mandat kandidieren?
Als BDC-Mitglied lohnt sich ein Engagement immer! In den verschiedenen Gremien kann ich meine Meinung zu den verschiedensten Themen frei äußern und über zum teil mit Abstimmungen erfolgten Beschlüssen auch den Kurs des Berufsverbandes mit beeinflussen. Über den Berufsverband kann ich in verschiedene andere Gremien, wie etwa dem Expertengremium des G-BA und den Beirat des Berufsverbandes der Belegärzte, wie bei mir der Fall, berufen werden. Somit kann das Engagement sogar über den BDC hinaus reichen.

Kurzporträt Dirk Farghal

Geboren 1965 in Mainz am Rhein, bin ich dort zur Schule gegangen und habe an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz studiert und 1992 am Bundeswehr Zentralkrankenhaus Koblenz das 3. Staatsexamen abgelegt. Vom AiP bis zum stellvertretenden Chefarzt, vom 120 Betten Grundversorger bis zum 1300 Betten Maximalversorger, konnte ich alle Facetten der chirurgischen Weiterbildung und Arbeit kennenlernen. Von diesen Erfahrungen profitiere ich bis heute. Weiterbildungsanerkennungen: 1995 praktischer Arzt, 2001 Facharzt für Chirurgie, 2005 Schwerpunktbezeichnung Unfallchirurgie, 2006 Zusatzbezeichnung spezielle Unfallchirurgie und Notfallmedizin, 2008 fachgebundene Radiologie. Von 1992 bis 2011 war ich als Notarzt und dann auch Leitender Notarzt tätig, was mir sehr viel Sicherheit auch brenzligen Situation in Klink und Praxis gibt. Zudem war ich ärztlicher Leiter einer Knochenbank, Transfusionsbeauftragter und stellvertretender Koordinator des NAW-Standortes am Klinikum Offenbach. Ehrenamtlich war ich im Landkreis Aschaffenburg als Feuerwehrarzt und für die Malteser als Verbandsarzt tätig. Highlights waren hier die ärztliche Betreuung von Konzerten wie von ZZ Top oder den Back Street Boys und besonders die Teilnahme als leitender Renn-Arzt bei den Weltmeisterschaftsfinalrennen im Motorcross. Vom 2008 bis 2023 war ich in eigener Arztpraxis und als Belegarzt in Schweinfurt tätig. Seit Anfang 2024 bin ich Ärztlicher Leiter des MVZ ANregiomed in Rothenburg o.d.T..

Schon während des Studiums und der Weiterbildung war ich aktiv im Hartmannbund tätig und dann bis heute im BDC stellvertretender Vorsitzender des Referates der Niedergelassenen. Ich leite die Arbeitsgruppe der Beleg- und Kooperationsärzte (AG BeKo). Zudem bin ich 2. Regionalvertreter in Bayern. Intersektorale Versorgung, Ambulantisierung und Kooperation von Niederlassung und Klinik sind Arbeitsschwerpunkte im BDC. Neu hinzukommen werden jetzt die angestellten Ärzte und Ärztinnen in der Niederlassung.

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DCK 2024: Sessionplaner und App verfügbar

In knapp einer Woche startet der Präsenzteil des Deutschen Chirurgie Kongress 2024. Das Motto des DCK 2024 lautet „Mut zur Veränderung – Zukunft mitgestalten“. Das Gesamtprogramm und der Sessionplaner sind online verfügbar. Alle Informationen zum DCK finden Interessierte jetzt auch in der DCK App. Diese ist vor allem in Hinblick auf Nachhaltigkeit eine gute Lösung für weniger Ressourcenverschwendung. Die DCK App ist jetzt im Appstore verfügbar für Android und iOS.

Interessierte können sich zu folgenden Workshops anmelden:

• Peroperative Medizin und Akutschmerztherapie
• Surgical Skills- Grundlagen Training
• Intraabdominelle Infektionen (CAIN)
• Gefäßchirurgischer Nahtkurs
• Fundamentals of Surgical Research
• Osteosynthesekurs

Weitere Informationen zum DCK 2024