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Sonja Optendrenk wird neue Vorsitzende des G-BA

Die neue unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ist Dr. Sonja Optendrenk. Sie übernimmt das Amt am 1. Juli 2026 und tritt damit die Nachfolge von Prof. Dr. Josef Hecken an, der sein Amt vorzeitig beendet.

Optendrenk war bis Mitte 2026 Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Gesundheit und ist eine ausgewiesene Kennerin des deutschen Gesundheitssystems, da sie zuvor viele Jahre im Bundesgesundheitsministerium tätig war.

Mehr lesen: Deutscher Bundestag, Parlamentsnachrichten

Die Politik macht es sich zu einfach: Chirurgieverbände fordern nachhaltige Effizienzsteigerungen anstatt pauschaler Sparmaßnahmen

Berlin und Frankfurt am Main, den 19.06.2026 – Die geplanten Sparmaßnahmen im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes gefährden zusammen mit den Auswirkungen der Krankenhausreform die chirurgische Versorgung in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kamen der Berufsverband der niedergelassenen Chirurgen e.V. (BNC) und der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC) im Rahmen ihrer gemeinsamen Strategietagung Mitte Juni in Frankfurt.

Besonders kritisch sehen BNC und BDC die geplante Budgetierung ambulanter Leistungen. Bereits heute kündigten erste chirurgische Praxen an, ihr Leistungsangebot für gesetzlich Versicherte reduzieren zu müssen, wenn die vorgesehenen Budgetdeckelungen umgesetzt werden.

„Wenn die Politik die Finanzierung weiter begrenzt, wird sich dies unmittelbar auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten auswirken”, erklärt Jan Henniger, geschäftsführender Vorsitzender des BNC. „Weniger verfügbare Termine, längere Wartezeiten und Einschränkungen im Leistungsangebot sind die zwangsläufige Folge einer politisch gewollten Unterfinanzierung. Gleichzeitig steigt der Versorgungsbedarf einer älter werdenden Bevölkerung stetig an. Diese Entwicklung ist besorgniserregend.“

Besonders widersprüchlich erscheint den Verbänden die aktuelle Diskussion um die Ambulantisierung. „Seit Jahren fordert die Politik die Verlagerung geeigneter Leistungen aus dem Krankenhaus in den ambulanten Bereich. Gleichzeitig sollen ambulante Operationen nun aber budgetiert werden. Das passt nicht zusammen“, sagt Dr. Ralf Schmitz, Referatsleiter Niedergelassene Chirurginnen und Chirurgen im BDC. „Ambulantisierung braucht Investitionen, Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen. Wer diese Voraussetzungen entzieht, gefährdet den Erfolg der eigenen Reformen.“

Statt pauschaler Sparmaßnahmen fordern die Verbände nachhaltige Effizienzsteigerungen durch gezielte Strukturreformen, insbesondere den Abbau bürokratischer Hürden, wie von der schwarz-roten Regierung zu Beginn der Legislaturperiode angekündigt.

Kritisch bewerten BNC und BDC in dem Kontext die geplante Ausweitung der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst (MD). Zusätzliche Prüf- und Dokumentationspflichten führten zu weiterem Verwaltungsaufwand und stünden damit im Widerspruch zum angekündigten Bürokratieabbau.

„Jede zusätzliche Prüfung bindet ärztliches und pflegerisches Personal, das eigentlich für die Versorgung von Patientinnen und Patienten benötigt wird“, betont Professor Dr. Carolin Tonus, Sprecherin der Landesverbandsvorsitzenden und Regionalvertreter des BDC.

Insbesondere im ambulanten Bereich beobachten die Verbände eine zunehmende Verunsicherung durch MD-Prüfungen im Zusammenhang mit Hybrid-DRG-Leistungen. „Viele Praxen berichten von unklaren Prüfkriterien und fehlenden Ansprechpartnern bei Rückfragen“, so Henniger. „Nur Transparenz über die Prüfkriterien des MD kann dort Rechtssicherheit schaffen. Die derzeitige Situation führt eher zu Verunsicherung als zu Investitionsbereitschaft.“

BNC und BDC fordern deshalb:

  • Effizienzsteigerungen anstatt Sparmaßnahmen
  • eine Rücknahme der geplanten Budgetierung im ambulanten Bereich
  • die Finanzierung der politisch gewollten Ambulantisierung statt ihrer wirtschaftlichen Schwächung
  • einen wirksamen Bürokratieabbau in Krankenhäusern und Praxen
  • transparente und nachvollziehbare Prüfverfahren des Medizinischen Dienstes
  • Planungssicherheit für Investitionen in ambulante und sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen,
  • die vollständige Bundesfinanzierung versicherungsfremder Leistungen

Ob Krankenhaus, Praxis oder Medizinisches Versorgungszentrum: Die Chirurgie in Deutschland übernimmt als Einheit Verantwortung für die operative Versorgung von Patientinnen und Patienten. Die Politik ist gefordert, die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen – nicht durch neue Belastungen, sondern durch Lösungen, die medizinische Versorgung ermöglichen, lautet das gemeinsame Fazit der chirurgischen Berufsverbände.

Über den Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC)

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. ist mit rund 16.500 Mitgliedern europaweit die größte chirurgische Vereinigung. Er repräsentiert Chirurginnen und Chirurgen aller Fachdisziplinen in Klinik und Praxis in Deutschland.

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
BDC: Olivia Päßler
Tel: 030/28004-203
paessler@bdc.de

Über den Berufsverband niedergelassener Chirurgen e.V. (BNC)

Der BNC ist der Berufsverband der freiberuflichen Chirurginnen und Chirurgen in Deutschland, deren Interessen er durch einen Bundesvorstand sowie 20 regionale Landesverbände (ANC) vertritt. Er engagiert sich für die Aus- und Weiterbildung seiner Mitglieder und setzt sich für eine Förderung der ambulanten chirurgischen Behandlung sowie des interdisziplinären Austauschs ein. Der Verband führt hierzu auf Bundesebene den Dialog mit Politik, Krankenkassen, Wirtschaft und anderen Berufsverbänden.

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
BNC: Caroline Backes
Tel: 0177 834 6269
presse@bncev.de
www.bncev.de

 

Editorial 06/QII/2026: Passion Chirurgie

Zur Juniausgabe PASSION CHIRURGIE: Neuer BDC-Vorstand & Kongressnachlese 2026

Der BDC hat seit seiner Gründung im Jahr 1960 vieles erlebt: Die Reformen und Gesetze unterschiedlicher Regierungskonstellationen, kommende und scheidende BDC-Mandatsträger:innen und deren entsprechende Charaktere, starke und leisere Landesverbände, zufriedene und streitbare Mitglieder, politischen Rücken- und Gegenwind. In all diesen Jahren hat sich der Verband immer wieder selbst reflektiert und weiterentwickelt – im Blick dabei immer die Bedürfnisse der Mitglieder und der chirurgischen Community. In dieser Ausgabe verabschieden sich Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer und Dr. Jörg-A. Rüggeberg bei Ihnen, unseren Mitgliedern.

Veränderung gab es schon immer. Das macht es so spannend.

Der BDC ist die größte chirurgische Vereinigung Europas: Er ist eine Heimat für alle Chirurginnen und Chirurgen, sowohl in der Klinik als auch in der Praxis, angestellt oder niedergelassen. Doch äußere Kräfte ziehen auch an diesem Schwergewicht der ärztlichen Verbandswelt: Durch die Spezialisierung und immer kleinteiligere Subdisziplinen entstehen natürlich diversere Interessen, was sich in der steigenden Zahl der chirurgischen Verbände und Fachgesellschaften deutlich ausdrückt. Wir meinen: Nur gemeinsam sind wir stark und können unsere Forderungen gegenüber der Gesetzgebung durchsetzen. Daher kämpfen wir für die berufspolitischen Belange aller Chirurginnen und Chirurgen, insbesondere für die unserer Mitglieder. Wir sprechen auf verschiedenen Kanälen mit deutlicher Stimme. Und: Wir werden gehört! Über unsere berufspolitischen Aktivitäten berichten wir regelmäßig in den BDC-Medien und freuen uns über Resonanz und Feedback.

Wandel „in a nutshell“ – Wie sieht die Zukunft der Chirurgie aus?

Eine neue, selbstbewusste Generation mit eigenen Vorstellungen eines erfüllten Arbeits- und Privatlebens wächst heran. Ihnen bieten sich neue Chancen: Technologien entwickeln sich und ermöglichen neue, spannende Behandlungsfelder, durch künstliche Intelligenz steigt das Wissen exponentiell und wird allen zugänglich, digitale Tools bieten innovative Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung ohne verstaubte und immer bereits verliehene Bücher aus der Uni-Bibliothek. Auf der anderen Seite steigt für die Jungen der Druck in der Klinik, das Pflegepersonal dünnt sich aus und die persistierende Bürokratie lähmt die Motivation. Um die chirurgische Versorgung mit hoher Qualität zu sichern, müssen wir unseren Nachwuchs im Blick haben. Die Sicherung der fachärztlichen Weiterbildung, Entbürokratisierung und ein Arbeitsumfeld, mit dem sich die nachfolgende Generation identifizieren kann, sind und bleiben daher die Kernfelder unserer Arbeit im Verband.

Der BDC möchte mit seiner zukünftigen Arbeit den chirurgischen Nachwuchs noch stärker in den Fokus rücken und sich für dessen Bedürfnisse stark machen. Der BDC und seine Mitglieder sind bereits ein starkes Team an erfahrenen Chirurginnen und Chirurgen, nun brauchen wir im Verband Verstärkung von Seiten der Jüngeren. Daher haben wir im vergangenen Jahr den Young Surgeons Club initiiert, einen Verbund von Chirurg:innen am Anfang ihrer Karriere, die sich mit den Fragen der nachfolgenden Generation beschäftigt. Wir heißen sie herzlich willkommen und wünschen ihnen viel Erfolg.

Veränderungen in diesem Jahr

Liebe Mitglieder, eher kurzfristig und zwar schon in diesem Jahr stehen wir vor gewaltigen Umbrüchen im Gesundheitswesen, die für uns, Chirurginnen und Chirurgen in der Niederlassung oder in der Klinik und auch als Patient:innen Konsequenzen haben werden. Die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken arbeitet mit Hochdruck an der Stabilisierung der GKV-Finanzierung, was neben all den in den vergangenen drei Jahren angestoßenen Reformen Auswirkungen auf unsere Arbeitsbedingungen und die Patientenversorgung von morgen haben wird. Der BDC wird sich bei der Umsetzung des Gesetzes und aller gesundheitspolitischen Reformen mit allen Kräften für die Interessen seiner Mitglieder einsetzen. Wir informieren Sie hierüber zeitnah.

Im BDC selbst wird es dieses Jahr ebenfalls eine Veränderung geben: So verabschieden wir, Mitglieder des bisherigen Vorstands, uns von Ihnen. Wir bedanken uns an dieser Stelle für Ihre Treue und Ihren Zuspruch. Es war uns eine Ehre, für Sie den BDC in den vielen Jahren mitgestalten zu können und wir haben diese Aufgabe mit Freude angenommen. Nun begrüßen wir die neu gewählten Mandatsträger:innen des BDC-Präsidiums herzlich in ihren Ämtern, insbesondere den Präsidenten Professor Dr. Dietmar Pennig und die beiden Vizepräsidenten, Dr. Peter Kalbe und Professor Dr. Wolfgang Schröder. Informieren Sie sich hier über die Präsidiumswahlen 2026 beim BDC.

Passion für Chirurgie

Bei all dem Wandel – was haben wir alle gemeinsam und was hält uns zusammen? Was gibt uns Stabilität, Orientierung und Zuversicht – über alle Generationen hinweg?

Chirurgin und Chirurg zu sein bedeutet: Unmittelbare Behandlungsergebnisse am Patienten zu erzielen, ein hohes Energielevel bei der Arbeit, Belastbarkeit, Verantwortung für die Patienten, sich und sein Team zu übernehmen, Wissen weiterzugeben, Teamplayer zu sein, Leben zu retten und Lebensqualität zu verbessern. Das bedeutet für uns Leidenschaft für die Chirurgie.

Kann denn auch Berufspolitik leidenschaftlich sein? Wir sagen aus Erfahrung – ja! Für die Sache streiten, argumentieren, sich verbünden, berufspolitisch agieren und auch einmal laut werden – das geht nicht ohne Leidenschaft und Überzeugung. So wünschen wir der neuen Verbandsspitze, dem Präsidenten und den beiden Vizepräsidenten sowie allen bisherigen und neuen Mandatsträgern des BDC, dass sie diese Leidenschaft immer in sich tragen, in guten wie in herausfordernden Zeiten.

Liebe Mitglieder, unterstützen Sie den BDC bei seiner Arbeit, in dem Sie ebenfalls Ihre Stimme einbringen: Stellen Sie sich für ein Mandat zur Verfügung, bieten Sie ein berufspolitisches oder fachspezifisches Thema, über das Sie in der Passion Chirurgie berichten möchten, tauschen Sie sich mit der chirurgischen Community und auf BDC-connect aus. Werden Sie ruhig einmal lauter – wir waren und sind es für Sie jeden Tag – mit Leidenschaft.

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Herr Vizepräsident, lieber Hans-Joachim Meyer, lieber Jörg Rüggeberg,

 

an dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich für Euer Engagement und Euren Einsatz als Präsident und Vize-Präsident des BDC bedanken. Ihr habt den Verband in den vergangenen Jahren im Präsidium geprägt und weiterentwickelt. Ihr habt Euch darüber hinaus lange vorher schon für die Belange von Chirurginnen und Chirurgen in verschiedenen Funktionen erfolgreich eingesetzt. Eure fachliche und berufspolitische Erfahrung habt ihr mit Überzeugung und komplementär – aus Sicht der Klinik und der Niederlassung – für den BDC und seine Mitglieder eingebracht. Die Zusammenarbeit mit Euch war geprägt von hoher Fachlichkeit, Respekt und Humor. Dafür bin ich Euch, zusammen mit dem gesamten Team der BDC-Geschäftsstelle, dankbar und verbunden. Wir werden Eure Arbeit mit Energie weiterführen.

Seid herzlich gegrüßt und umarmt Eure Friederike Burgdorf
Dr. Friederike Burgdorf BDC-Geschäftsführerin

zusammen mit dem Team der BDC-Geschäftsstelle

Meyer HJ, Rüggeberg JA: Editorial Passion Chirurgie. Passion Chirurgie. 2026 Juni; 16(06/II): Artikel 01_02.

Editorial 06/QII/2026: Kongressnachlese DCK 2026

Zur Juniausgabe PASSION CHIRURGIE: Neuer BDC-Vorstand & Kongressnachlese 2026

Der DCK2026 in Leipzig hat eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig, innovativ und zugleich menschlich die Chirurgie mit all ihren Fächern in Deutschland aufgestellt ist. Vom 22. bis 24. April wurde die Messestadt erneut zum zentralen Treffpunkt für Chirurginnen und Chirurgen aller Fachrichtungen – und zu einem Ort des intensiven Austauschs zwischen Wissenschaft, klinischer Praxis, Nachwuchs, Bundeswehr und Industrie.

Besonders beeindruckend war in diesem Jahr die spürbare Aufbruchstimmung. Themen wie Digitalisierung, robotische Assistenzsysteme, künstliche Intelligenz und personalisierte Medizin standen ebenso im Fokus wie die Frage, wie wir auch in Zukunft eine hochwertige chirurgische Versorgung unter zunehmend komplexen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen sichern können. Dabei wurde deutlich: Technologische Präzision, Personalisierung und die Passion für die Chirurgie stehen in perfektem Einklang zueinander.

Inhaltlich konnten wir das gewohnte, breite Spektrum der chirurgischen Fächer mit hochwertigen Sprecherinnen und Sprechern abdecken. Einen Schwerpunkt stellte in diesem Jahr die chirurgische Onkologie dar, die in einem „Onko-Day“ kombiniert von allen Fachrichtungen diskutiert wurde. Als weiterer, neuer Schwerpunkt rückte auch die interdisziplinär betriebene Wirbelsäulenchirurgie ins Zentrum des Interesses. Eine Besonderheit waren die Sitzungen über Computer-Hirn-Schnittstellen, welche von funktionellen Neurochirurgen, Neurowissenschaftlern und Ingenieuren in zukunftsgerichteten Sitzungen intensiv beleuchtet wurden. Mit diesen Themen konnten sich die Besonderheiten des Faches Neurochirurgie sehr gut präsentieren, was der geneigte Leser mir als gelerntem Neurochirurgen verzeihen möge.

Der Kongress überzeugte nicht nur durch wissenschaftliche Exzellenz, sondern auch durch seine außergewöhnlich offene und kollegiale Atmosphäre. Zahlreiche Sitzungen waren geprägt von lebhaften Diskussionen, praxisnahen Fallbeispielen und einem bemerkenswerten interdisziplinären Geist. Gerade für junge Kolleginnen und Kollegen bot der Kongress wertvolle Möglichkeiten zur Vernetzung und Inspiration.

Der DCK2026 hat damit nicht nur aktuelle Entwicklungen sichtbar gemacht, sondern vor allem Zuversicht vermittelt: Die Chirurgie in Deutschland ist innovativ, engagiert und bereit, die Herausforderungen der Zukunft aktiv zu gestalten. Ein Kongress, der fachlich überzeugt hat – und menschlich in Erinnerung bleibt.

Univ.-Prof. Dr. med. Roland Goldbrunner

Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Gesch. Direktor des Zentrums für Neurochirurgie

Direktor der Klinik für Allgemeine Neurochirurgie

Universitätsklinik Köln

Editorial

Goldbrunner R: Kongressnachlese DCK 2026. Passion Chirurgie. 2026 Juni; 16(06/QII): Artikel 01_01.

www.bdc.de

Personalia im Juni 2026

Prof. Dr. med. Sameer Dhayat ist seit April 2026 neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und minimalinvasive Chirurgie am St. Ansgar-Krankenhaus in Höxter. Er folgt auf Prof. Dr. Joachim Mellert, der nach mehr als zwei Jahrzehnten engagierter Tätigkeit im Sommer in den Ruhestand geht.

Dr. med. Peter Fricke leitet seit April 2026 als Chefarzt die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Klinikum Cracau, in der er zuvor als leitender Oberarzt tätig war.

Dr. med. Klaus Frommhold, FEBS ist seit April neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Minimalinvasive Chirurgie am Elisabeth Hospital in Gütersloh.

Dr. med. Melodi Motamedi, zuvor Oberarzt im Haus, ist seit April 2006 neuer Chefarzt in Doppelspitze. Gemeinsam mit Dr. med. Sixtus Allert leitet er nun die Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Sana-Klinikum in Hameln-Pyrmont.

Dr. med. Sven Schröder ist seit Mai 2026 neuer Direktor der Klinik Allgemein-, Viszeral- und spezielle Viszeralchirurgie am Klinikum Lüdenscheid, an dem er zuvor als leitender Oberarzt tätig war.

Falk Sonnabend ist seit April 2026 neuer Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie des EndoProthethik Zentrums der Helios Klinik in Köthen.

Dr. med. Carsten Straßberger ist seit Mai 2026 neuer Chefarzt der Klinik für Chirurgie II (Unfallchirurgie, Orthopädische Chirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Handchirurgie) am Helios Klinikum Pirna GmbH. Zuvor war er als Oberarzt in der Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Orthopädische Chirurgie an den Helios Weißeritztal-Kliniken im Klinikum Freital.

Dr. med. Gintautas Virakas wird ab Juli 2026 neuer Chefarzt der Koloproktologie am Prosper-Hospital Recklinghausen des Stiftungsklinikum PROSELIS gGmbh. Virakas übernimmt die wissenschaftliche Leitung der BDC-Fortbildung „Viszeralchirurgie Kompakt: Rektum- und Analfistelchirurgie“ im November.

Akademie aktuell: Mit unseren Fortbildungen angstfrei in die Facharztprüfung

Facharztseminare sind seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des Angebots der BDC|Akademie. Sie sind gezielt darauf ausgerichtet, das in der sechsjährigen Weiterbildung erworbene Wissen kompakt aufzufrischen und prüfungsrelevant zu bündeln – damit junge Ärztinnen und Ärzte bestens vorbereitet in ihre Facharztprüfung gehen können.

In enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachgesellschaften und deren wissenschaftlichen Leitungen konzipiert, deckt das Seminarangebot alle acht Säulen der Chirurgie ab. Die mehrtägigen Kurse eignen sich damit nicht nur zur intensiven Prüfungsvorbereitung, sondern auch ideal als Refresher – etwa für Fachärztinnen und Fachärzte anderer Disziplinen sowie für den Quer- oder Wiedereinstieg.

BDC-Facharztseminare in der zweiten Jahreshälfte

Hier geht’s zu den Fortbildungen der BDC|Akademie, bitte geben Sie als Suchbegriff „Facharzt“ ein…

Why I do it – Meine Passion für Chirurgie: Frederik Schlottmann

In dieser Ausgabe lesen Sie das vierte Interview unserer neuen Kolumne „Why I do it: Meine Passion für Chirurgie“, die das Ziel verfolgt, positive Identifikationsangebote für das Berufsbild Chirurg:in zu schaffen und persönliche Einblicke in die Motivation hinter diesem anspruchsvollen Fach zu geben.

Die Interviews stammen aus dem Kreis der aktiven Mitglieder unseres neuen Young Surgeons Club (YSC). Der YSC ist ein vom BDC initiiertes Nachwuchsforum, das Studierende, Ärzt:innen in Weiterbildung und junge Fachärzt:innen der Chirurgie zusammenbringt. Ziel ist es, die Perspektiven des chirurgischen Nachwuchses zu bündeln, aktuelle Herausforderungen der Weiterbildung sichtbar zu machen und Themen wie Arbeitsbedingungen, Strukturwandel, Surgeon Wellbeing und Resilienz stärker in den Fokus zu rücken. Der YSC versteht sich dabei ausdrücklich als ergänzende Plattform zu bestehenden Nachwuchsformaten und setzt auf Vernetzung, Austausch und Zusammenarbeit mit relevanten Akteuren im chirurgischen Umfeld.

Mehr zum Young-Surgeons-Club lesen Sie HIER.

Meine Entscheidung für die Chirurgie wurde früh geprägt, insbesondere durch ein Wahlfach in der Handchirurgie und einen außergewöhnlich engagierten Dozierenden, der meine Begeisterung nachhaltig geweckt hat. Inzwischen arbeite ich selbst in der Plastischen Chirurgie und schätze vor allem die Vielfalt an Lösungswegen für komplexe Probleme sowie die Notwendigkeit, für jede:n Patient:in eine individuelle Strategie zu entwickeln. Mein Schwerpunkt liegt auf der rekonstruktiven Chirurgie – etwa in der Handchirurgie, der Mikrochirurgie oder bei Hautersatzverfahren nach Verbrennungen.

Die hohe Arbeitsbelastung ist dabei unbestritten und wird nicht vollständig aufgewogen, dennoch bleibt die Hoffnung auf strukturelle Verbesserungen, die es ermöglichen, langfristig in diesem Fach weiter tätig zu sein. Gleichzeitig sind die aktuellen Rahmenbedingungen mit wachsendem Druck, Bürokratie und zunehmenden Einschränkungen eine große Herausforderung, sodass es nachvollziehbar ist, wenn sich Kolleg:innen gegen diesen Weg entscheiden. Umso wichtiger ist es mir, mich auch berufspolitisch einzubringen und aktiv an Verbesserungen mitzuwirken. Der eigene Weg, geprägt von einem so inspirierenden Dozierenden, ist für mich zudem Ansporn, perspektivisch selbst eine solche Rolle einnehmen zu können – denn engagierte Mentor:innen sind für die Entwicklung in unserem Fach von unschätzbarem Wert. Meine Motivation liegt darin, dieses anspruchsvolle und vielseitige Fach langfristig mitzugestalten und meine Begeisterung weiterzugeben.

www.chirurg-werden.de

Dr. med. Frederik Schlottmann, 34 Jahre

Funktionsoberarzt, Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie

Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie

Medizinische Hochschule Hannover

Schlottmann.Frederik@mh-hannover.de

Why I do it – Meine Passion für Chirurgie: Johanna Betzler

Haben Sie es bemerkt? In der März- und Aprilausgabe haben wir die ersten beiden Interviews unserer neuen Kolumne „Why I do it: Meine Passion für Chirurgie“ vorgestellt. Heute folgt das dritte Interview dieser Reihe, die das Ziel verfolgt, positive Identifikationsangebote für das Berufsbild Chirurg:in zu schaffen und persönliche Einblicke in die Motivation hinter diesem anspruchsvollen Fach zu geben.

Die Interviews stammen aus dem Kreis der aktiven Mitglieder unseres neuen Young Surgeons Club (YSC). Der YSC ist ein vom BDC initiiertes Nachwuchsforum, das Studierende, Ärzt:innen in Weiterbildung und junge Fachärzt:innen der Chirurgie zusammenbringt. Ziel ist es, die Perspektiven des chirurgischen Nachwuchses zu bündeln, aktuelle Herausforderungen der Weiterbildung sichtbar zu machen und Themen wie Arbeitsbedingungen, Strukturwandel, Surgeon Well-being und Resilienz stärker in den Fokus zu rücken. Der YSC versteht sich dabei ausdrücklich als ergänzende Plattform zu bestehenden Nachwuchsformaten und setzt auf Vernetzung, Austausch und Zusammenarbeit mit relevanten Akteuren im chirurgischen Umfeld.

Why I do it: Meine Passion für Chirurgie

Meine Begeisterung für die Chirurgie begann bereits in meiner Jugend während schulischer Praktika. Schon in der 10. Klasse erzählte ich meiner sehr erstaunten Nicht-Mediziner-Familie, dass ich Chirurgin werden wolle. Was mich damals – und bis heute – an der Chirurgie fasziniert, ist die besondere Kombination aus handwerklicher Tätigkeit im OP, engem Patient:innenkontakt und dem unmittelbar sichtbaren Erfolg der durchgeführten Behandlung.

Unsere Patient:innen begeben sich im wahrsten Sinne des Wortes „in unsere Hände“ und vertrauen uns ihr Leben an. Dieses Vertrauen empfinde ich – auch während langer Nächte im OP – als ein großes Privileg. Auch die klinische Forschung ist Teil meines Berufsalltags. Die Fragestellungen chirurgischer Studien entstehen häufig direkt aus der Versorgung unserer Patient:innen, und die Ergebnisse können oft unmittelbar in ihre Therapie einfließen.

Ich gehe gerne zur Arbeit. Und auch wenn meine Kinder noch nicht ganz verstehen, warum ich manchmal abends oder nachts nicht zu Hause sein kann, habe ich immer das Gefühl, mit meiner Arbeit etwas Sinnvolles zu tun. Ich bin mir sicher, dass sie das schon jetzt spüren – und es später auch verstehen werden. Es ist mir ein großes Anliegen, mit veralteten Klischees über unser Fach aufzuräumen. Deshalb nutze ich jede Gelegenheit, Studierenden und jungen Weiterbildungsassistent:innen zu zeigen, dass es möglich ist, diesen Beruf mit Freude, Empathie und Erfolg auszuüben – und gleichzeitig auch neben der Arbeit ein glückliches Leben zu führen.

Nun übe ich diesen Beruf erst seit einigen Jahren aus und kann mir nicht anmaßen, weise Ratschläge zu erteilen. Einen Gedanken gebe ich Studierenden und jungen Kolleg:innen dennoch immer mit auf den Weg: Tut das, was euch wirklich begeistert. Wenn ihr jeden Morgen gerne zur Arbeit geht und abends erfüllt nach Hause kommt, wird euch das am Ende glücklicher machen, als jahrzehntelang einen Beruf auszuüben, der vielleicht etwas weniger anstrengend ist – euch aber nie wirklich begeistert.

www.chirurg-werden.de

Dr. med. Johanna Betzler
Assistenzärztin
6. Weiterbildungsjahr, angestrebter Facharzt Viszeralchirurgie
Chirurgische Klinik
Universitätsmedizin Mannheim
johanna.betzler@umm.de

 

Personalia im Mai 2026

Prof. Dr. med. Joachim Andrassy übernimmt ab April 2026 die Leitung der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie an den Kliniken Böblingen.

Dr. med. Raphael Bocklage ist seit März 2026 neuer Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am St. Marienhospital in Vechta. Zuvor war er am DIAKOVERE Krankenhaus in Hannover tätig.

Dr. med. Kai Peter Drastig ist seit März 2026, gemeinsam mit Dr. med. Birgit Schulz, neuer Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Krankenhaus Bethesda in Freudenberg. Der Spezialist für endoprothetischen Ersatz von Knie- und Hüftgelenken war zuletzt Chefarzt der Atos Orthopädischen Klinik Braunfels.

PD Dr. med. Nikos Emmanouilidis ist seit April 2026 neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein und Viszeralchirurgie an den Helios Kliniken Mittelweser, Nienburg.

Dr. med. Jens Fielitz, seit 2023 Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, ist nun auch der ärztliche Leiter der Pleißental-Klinik in Werdau.

Dr. med. Kerstin Gray-Valdes ist seit Februar 2026 neue Chefärztin der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie an der GFO Klinik Brühl – Marienhospital.

Dr. med. Verena Grünewald ist seit April 2026 neue Chefärztin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Evangelischen Bethesda Krankenhaus in Mönchengladbach.

Johanna Klatzek ist seit Anfang März 2026 neue Chefärztin der orthopädischen Abteilung an der Dr. Becker Klinik Norddeich. Die Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie bringt langjährige Erfahrung aus der Akutmedizin und der orthopädischen Rehabilitation mit.

Dr. med. Jens Rudzewski ist seit März 2026 neuer Leiter der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin des Wermelskirchener Krankenhauses. Zuvor war er langjähriger leitender Oberarzt des Hauses.

PD Dr. med. Daniel Schubert, bislang Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle (Saale), hat ab März 2026 die standortübergreifende chefärztliche Verantwortung auch am Krankenhausstandort Halle-Dölau übernommen.

Leserbrief

Leserbrief zum Editorial von Prof. Dr. Carsten Krones in Passion Chirurgie 01/02/2026 „Stille Heldengeschichten“ mit Schwerpunkt „Perioperatives Management“. HIER finden Sie den Artikel auf BDC|Online.

Sehr geehrter Herr Professor Krones,

Ihr mit Selbstkritik an den Irrwegen, oder netter gesagt: Sackgassen unseres Berufsstands gewürztes Editorial habe ich mit Genuss gelesen.

Ich war als Chirurg mit TG Unfallchirurgie seit 1981 bis zu meinem Ruhestand ab 2018 in der Chirurgie tätig und habe einige der im Text erwähnten technischen Entwicklungen live miterlebt – aber zum Glück nicht alle mitmachen können, oder müssen. Nach meiner Tätigkeit in der Unfallchirurgie bin ich ab 1992 wieder in eine gemischte Abteilung gegangen und hatte dort die Gelegenheit, noch in die laparoskopische Chirurgie einzusteigen. Interessanter Weise hat sie mir durch mein vorheriges Training in der Arthroskopie weniger Schwierigkeiten bereitet als einem meiner Kollegen, der aus der Abdominalchirurgie kommend den umgekehrten Weg gehen wollte (vom großen in den kleinen Raum).

Aber gerade auch die flächendeckende Einführung der minimalinvasiven Chirurgie z. B. an der Gallenblase hat, nach ihrer Etablierung durch einige bewundernswerte Pioniere, ihren Zoll gefordert. In den 1990er Jahren hat die Industrie den Verkauf ihrer Laparoskopie-Türme sehr stark gepusht. Als Konsequenz haben wir zunächst eine sprunghafte Zunahme der akzidentellen Gallengangsverletzungen erlebt, aber auch einige andere schwerwiegende Komplikationen, vor allem durch ältere Kollegen, die sich untrainiert, aber überzeugt auf die neue Technik stürzten. Die Single-Port-Chirurgie der Gallenblase hat sich mir z. B. nie erschlossen. Was schaden einem Patienten ein bis zwei weitere Einstiche für 5 mm-Ports, deren Narben in der Regel nach etwa einem Jahr unsichtbar sind? War das nicht vor allem ein bisschen Schicki-Micki?

Ein weiteres dunkles Kapitel aus meinem Teilgebiet war die Hüftgelenksprothetik mit dem Robodoc-System in den 1990er Jahren, die wegen erheblicher Komplikationsraten heute praktisch kein Thema mehr ist. Ich kann mich noch gut erinnern, wie damals die Industrie ihre millionenschweren Roboter mit dem Argument der Konkurrenz- und Zukunftsfähigkeit selbst an kleine Kreiskrankenhäuser zu verkaufen versucht hat. Nach wenigen Jahren sind diese teuren Geräte dann alle irgendwo im Keller gelandet.

Als sehr hilfreich für die tägliche Praxis habe ich in meiner Tätigkeit die Entwicklung der Ultraschall-Schneidesysteme und des Neuromonitorings an der Schilddrüse erlebt. Die Entwicklung neuer Techniken für die Chirurgie ist sicher notwendig und faszinierend. Aber durch die Begeisterungsfähigkeit und den Spiel- und Basteltrieb vieler Chirurgen stehen wir, so habe ich es jedenfalls erlebt, leicht in Gefahr, Grenzen der Sinnhaftigkeit zu überschreiten und damit auf solche historischen Irrwege zu geraten. Deshalb danke für Ihr interessantes Editorial, das auf die weniger publikumsträchtigen, aber wichtigen Entwicklungen hinweist.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen,

Dr. med. Frank Schönbach
Lahntal

Schönbach F: Leserbrief. Passion Chirurgie. 2026 Mai; 16(05): Artikel 04_05.