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Organspende: Chirurgieverband begrüßt Aussicht auf parlamentarische Entscheidung für die Widerspruchslösung – medizinische Expertise früher in Gesetzgebung einbinden

Berlin, den 15.09.2026 – Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC) begrüßt, dass sich im Herbst eine Abstimmung über die Widerspruchslösung im Deutschen Bundestag mit der erforderlichen Mehrheit abzeichnet. Zugleich fordert der Verband die Parlamentarier auf, die noch ausstehenden Schritte entschlossen voranzutreiben und die Entscheidung zügig herbeizuführen.

Der chirurgische Berufsverband setzt sich klar für die Einführung der parlamentarisch schon seit den 70er Jahren beratenen Widerspruchslösung ein. „Die Aussicht auf eine positive Abstimmung ist ein wichtiger Impuls. Und wir bauen darauf, dass das Parlament für die Widerspruchslösung stimmen wird. Für Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, ist diese Entscheidung lebenswichtig“, erklärt BDC-Präsident Professor Dietmar Pennig.

Dass sich der ethisch komplexe Entscheidungsprozess bereits über Jahre hinzieht, kritisiert der Verband als symptomatisch für eine Gesundheitspolitik, die drängende Probleme in der Versorgung zum Teil zwar erkenne, wegweisende Entscheidungen aber zu lange hinziehen lasse. Wie akut der Handlungsbedarf bleibt, zeigen die Organspendezahlen: Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation haben 2025 in Deutschland 985 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet. Ende des Jahres standen weiterhin rund 8.200 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. „Wir bekommen das Leid der Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, in den Kliniken hautnah mit. Als Chirurginnen und Chirurgen können wir es lindern, brauchen aber dafür die entsprechenden Instrumente und Voraussetzungen. Nach Jahren der Überlegungen muss die Politik nun Verantwortung übernehmen und die Prozesse endlich vorantreiben, um die Versorgung mit lebensrettenden Spenderorganen zu verbessern“, so Pennig.

Der Verband bekräftigt zugleich seine Forderung, ärztliche Berufsverbände als Berater und Fachexperten bereits beim Entwurf von Gesetzen beziehungsweise bei deren Anpassung einzubeziehen. Gesundheitspolitik berühre die Menschen in Deutschland in herausragender Weise. Pennig dazu: „Entscheidungen können so fundierter und schneller getroffen werden, zum Wohle der Gesundheit der Menschen. Wir stehen für fachlichen Austausch mit der unabhängigen Kompetenz unseres Verbands jederzeit bereit.“

 

Akademie aktuell: Seminar Basischirurgie für junge Chirurg:innen – Bitte weitersagen!

Junge Chirurg:innen sind oftmals nach dem Studium mit den zahlreichen Anforderungen überfordert, die im klinischen Alltag auf sie hereinbrechen. Das im Studium vermittelte Wissen zeigt sich insbesondere in der Rettungsstelle und bei schwierigen Situationen auf der Station nur als bedingt tauglich. Diese Wissenslücke zu schließen ist Aufgabe und Anspruch des „Basischirurgie-Seminars des BDC“.

Hier werden wichtige Themen wie chirurgische Notfälle, chirurgische Grundlagen, Rahmenbedingungen, perioperatives Management, chirurgische Infektionslehre und natürlich Robotik behandelt. Seit 15 Jahren wird der Kurs wissenschaftlich von einem Unfallchirurgen (Dr. Christian Müller) und einem Viszeralchirurgen (Prof. Dr. Stephan Gretschel) geleitet. Die Vortragenden stammen überwiegend aus der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) und aus der Charité.

Insbesondere die Diskussion der Vorträge stehen bei dieser Veranstaltung im Vordergrund. Alle Fragen werden beantwortet, bevor ein neuer Vortrag startet. Auch sind die Vortragenden dazu angehalten die Vorträge im Vorfeld so zu gestalten, dass hier bereits mit den Kolleg:innen interagiert wird. Wir legen Wert auf Evaluation und haben die Themen und auch die Dozenten kontinuierlich auf die Wünsche der Chirurg:innen zugeschnitten. Neben Vorträgen bietet das Seminar praktische Workshops wie Hand- und Klammernaht, Sonographie, MIC und Virtuelles im OP, aber auch Verbands- und Gipslehre, Legen von Thoraxdrainagen und Reanimation. Da die Veranstaltung in der Vorweihnachtszeit stattfindet gibt es traditionell ein Gänseessen im Restaurant Habel. Wir sind jedes Jahr erstaunt, wie groß der Andrang ist, und wie junge Chirurg:innen die Möglichkeit des Networking nutzen, da die Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands kommen. Viele, die unser Seminar besucht haben empfehlen es weiter, da sie durch den Wissenszuwachs nach diesem Seminar viel mehr Freude am Beruf empfinden. Fördern Sie den Nachwuchs und empfehlen Sie unser Basischirurgie-Seminar weiter!

Vom 01. bis 04. Dezember 2026 findet das nächste Seminar „Curriculum Basischirurgie“ in Berlin statt. Hier geht’s zu mehr Information und der Anmeldung auf BDC|Online: www.bit.ly/BDC-BASIS-Dez26

Prof. Dr. med. Stephan Gretschel

Chefarzt

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

ukrb Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg

Ruppiner Kliniken GmbH

s.gretschel@ukrb.de

Chirurgie+

Gretschel S: Seminar Basischirurgie. Passion Chirurgie. 2026 September; 16(09/III): Artikel 04_01.

www.bdc.de

Chirurgieverband nimmt neuen Bundesgesundheitsminister beim Wort

Berlin, den 31.07.2026 – Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC) beglückwünscht Dr. Carsten Linnemann zu seiner neuen Position als Bundesminister für Gesundheit. Der Verband begrüßt es, dass Linnemann wirtschaftliche Expertise mitbringt und sich als Teamplayer sieht. Der BDC knüpft daran Erwartungen für die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

„Für Dr. Carsten Linnemann beginnt im BMG eine Amtszeit, die extrem herausfordernd wird und viel Durchhaltevermögen und Sachverstand erfordert“, erklärt BDC-Präsident Professor Dietmar Pennig. „Wir erhoffen uns von seinem wirtschaftspolitischen Hintergrund, dass er die Reformen im Sinne einer Effizienzsteigerung vorantreibt. Für die Umsetzung der Reformen wird er fachliche Unterstützung aus Klinik und Praxis benötigen, die ihm Verbände und die Player der Selbstverwaltung bieten können. Wir erwarten von Herrn Linnemann, dass er sich dieses Pfund zu eigen macht und für eine Steigerung der Effizienz steht.“

Der BDC weist darauf hin, dass die Reformen Einschnitte sowohl für Patientinnen und Patienten wie auch für die Leistungsträger im Gesundheitssystem mit sich bringen können, wie es auch schon Linnemanns Vorgängerin Nina Warken bestätigt hat. Damit diese Einschnitte nicht ausufern und tatsächlich zu effektiven Verbesserungen des Systems führen, müssen die Reformen an entscheidenden Stellen noch einmal nachjustiert und vor allem in Einklang miteinander gebracht werden. „Sparmaßnahmen nach dem Prinzip Rasenmäher schaden dem System und Parallelarbeit an den Reformen wird es nicht nur weiter lähmen, sondern ineffizienter und teurer machen“, betont Pennig.

Der BDC hat klare Forderungen für das weitere Vorgehen im Umsetzen der Reformen und bietet hierbei der Politik aufgrund seiner großen Mitgliederzahl seine Expertise aus Klinik und Praxis an:

1. Den Aufbau einer Sektoren verbindenden Versorgung, die sowohl den ambulanten als auch den stationären Sektor strukturell stärkt und für Leistungserbringer im Gesundheitssystem sowohl fachlich als auch finanziell interessant bleibt.

2. Die Einführung eines Ressourcen schonenden Systems der Primärversorgung, das die medizinisch notwendigen Direktzugänge zur fachärztlichen Versorgung beibehält.

3. Die umgehende Umsetzung der Reform der Notfallversorgung in Einklang mit der Krankenhausreform und der Reform für die Digitalisierung im Gesundheitswesen zur schnellen zielgerichteten Versorgung von Patientinnen und Patienten und zur Entlastung der Notaufnahmen und Rettungsstellen.

4. Der rasche Abbau von Bürokratie unter Zuhilfenahme der substantiierten Vorschläge und breit gefächerten Expertise von Verbänden und Selbstverwaltung zur Entlastung von Ärztinnen und Ärzten sowie des Pflegepersonals in Klinik und Praxis.

5. Die finanzielle Absicherung der fachärztlichen Weiterbildung und die gesetzliche Ermöglichung der Weiterbildung im Verbund zur langfristigen Sicherung des ärztlichen Nachwuchses auch und gerade in den operativen Fächern.

„Neben einem finanzierbaren Gesundheitswesen und der Entlastung der gesetzlichen Krankenkassen wollen wir weiterhin eine flächendeckende und umfassende Gesundheitsversorgung der Bevölkerung gewährleisten können. Gleichzeitig müssen wir die Berufsbilder im Gesundheitswesen – von der Pflegekraft bis zur Ärztin und dem Arzt –attraktiver machen. Sonst führt der Sparkurs unweigerlich zum Zusammenbruch der gesundheitlichen Versorgung in unserem Land. Die institutionelle Lethargie muss rasch überwunden werden, mahnt Pennig.

Über den Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC)

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. ist mit rund 16.500 Mitgliedern europaweit die größte chirurgische Vereinigung. Er repräsentiert Chirurginnen und Chirurgen aller Fachdisziplinen in Klinik und Praxis in Deutschland.

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
BDC: Olivia Päßler
Tel: 030/28004-203
paessler@bdc.de

 

Aktuelle personelle Änderungen im Bundesministerium für Gesundheit

Eine kurze Einordnung von BDC-Präsident Prof. Dr. Dietmar Pennig

In Zeiten des Umbruchs im Gesundheitswesen hat Bundeskanzler Friedrich Merz in den vergangenen Tagen zusätzlich gewaltige personelle Änderungen vorgenommen. Der BDC gratuliert allen neuen Akteurinnen und Akteuren in Politik und Selbstverwaltung zu ihren neuen, wichtigen Ämtern und freut sich auf eine konstruktive und effiziente Zusammenarbeit zum Erhalt der Qualität und Attraktivität des chirurgischen Berufsstands und der chirurgischen Versorgung in Klinik und Praxis.

Zu den Personalien:

Bundesminister für Gesundheit seit dem 24. Juli 2026: Carsten Linnemann – Werdegang und politische Positionen

Vom Volkswirt zum prägenden CDU-Politiker
Carsten Christoffer Linnemann (*10. August 1977 in Paderborn) gehört zu den einflussreichsten Politikern der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU). Der promovierte Volkswirt gilt als Vertreter eines wirtschaftsliberalen und gesellschaftspolitisch konservativen Kurses. Innerhalb der Partei war er maßgeblich an der programmatischen Neuausrichtung der CDU unter dem Parteivorsitzenden Friedrich Merz beteiligt und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Strategen der Union. Im Juli 2026 wechselte er aus dem Amt des CDU-Generalsekretärs in das Bundesgesundheitsministerium.

Ausbildung und beruflicher Werdegang
Nach dem Abitur absolvierte Linnemann zunächst seinen Wehrdienst in Augustdorf. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn. Es folgte ein Promotionsstudium der Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Chemnitz, das er mit dem Titel Dr. rer. pol. abschloss.

Vor seinem Eintritt in die hauptberufliche Politik arbeitete Linnemann als Lehrbeauftragter für Makroökonomie an der TU Chemnitz sowie als Volkswirt bei Deutsche Bank Research in Frankfurt am Main und später bei der Deutschen Industriebank (IKB). Seine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung prägt bis heute seine politische Argumentation.

Politischer Aufstieg
Linnemanns politisches Engagement begann bereits in der Jungen Union. Nach kommunalpolitischen Erfahrungen im Rat der Gemeinde Altenbeken wurde er 2009 erstmals direkt in den Deutschen Bundestag gewählt. Seitdem gewann er seinen Wahlkreis Paderborn bei jeder Bundestagswahl direkt.

Innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion profilierte er sich früh als Experte für Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Von 2013 bis 2021 führte er die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), die als wirtschaftspolitisch einflussreicher Parteiflügel gilt. Anschließend wurde er stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit Verantwortung für Wirtschaft und Mittelstand.

Nach der Wahl Friedrich Merz’ zum CDU-Vorsitzenden übernahm Linnemann den Vorsitz der Programm- und Grundsatzkommission. Unter seiner Leitung entstand das neue CDU-Grundsatzprogramm, das 2024 verabschiedet wurde. Im Juli 2023 wurde er zum Generalsekretär der CDU berufen und auf dem Bundesparteitag 2024 sowie erneut 2026 mit großer Mehrheit bestätigt. Am 24. Juli 2026 hat ihn Bundeskanzler Friedrich Merz zum Bundesgesundheitsminister ernannt.

Wirtschaftspolitik
Linnemann gilt als einer der profiliertesten Vertreter einer marktwirtschaftlichen Ordnungspolitik innerhalb der CDU. Im Mittelpunkt seiner Vorstellungen stehen eine höhere Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, Bürokratieabbau, niedrigere Unternehmenssteuern und bessere Rahmenbedingungen für mittelständische Unternehmen.

Er argumentiert, dass wirtschaftliches Wachstum vor allem durch Investitionen, Innovation und unternehmerische Freiheit entsteht. Staatliche Eingriffe sollten sich auf notwendige Rahmenbedingungen beschränken. Gleichzeitig fordert er eine deutliche Entlastung von Unternehmen und Arbeitnehmern bei Steuern und Abgaben.

Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
In der Sozialpolitik vertritt Linnemann das Prinzip des „Förderns und Forderns”. Sozialleistungen sollen Menschen unterstützen, gleichzeitig aber Anreize zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit schaffen.

Zu seinen bekanntesten Vorschlägen gehören die sogenannte Aktivrente, bei der ältere Menschen nach Erreichen des Rentenalters steuerlich begünstigt weiterarbeiten können, sowie steuerliche Vorteile für Überstunden. Beide Maßnahmen sollen dem Fachkräftemangel entgegenwirken und die Erwerbsbeteiligung erhöhen.

Bildungs- und Familienpolitik
Ein zentrales Anliegen Linnemanns ist die Verbesserung der Bildungsqualität. Bundesweit bekannt wurde seine Forderung, Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen vor der Einschulung intensiver sprachlich zu fördern. Nach seiner Auffassung sind ausreichende Sprachkenntnisse eine Grundvoraussetzung für Bildungserfolg und gesellschaftliche Integration.

Zugleich spricht er sich für mehr Leistungsorientierung im Bildungssystem sowie für eine stärkere Anerkennung der beruflichen Ausbildung gegenüber einem ausschließlich akademischen Bildungsweg aus.

Migration und Integration
In der Migrationspolitik vertritt Linnemann einen restriktiveren Kurs als viele Vertreter der politischen Mitte. Er fordert eine konsequente Steuerung der Zuwanderung, eine schnellere Rückführung ausreisepflichtiger Personen sowie eine bessere Integration durch Sprache, Bildung und Erwerbstätigkeit.

Darüber hinaus setzte er sich für mehr Transparenz bei der Finanzierung von Moscheen sowie für ein Islamgesetz nach österreichischem Vorbild ein. Diese Positionen werden von Befürwortern als Beitrag zur Integration bewertet, von Kritikern hingegen teilweise als zu weitgehend angesehen.

Europapolitik
Linnemann versteht sich als überzeugter Europäer, kritisierte jedoch während der Eurokrise die damalige Rettungspolitik. Er sprach sich mehrfach gegen weitere Rettungspakete aus und plädierte stattdessen für eine Insolvenzordnung für überschuldete Staaten innerhalb der Eurozone. Damit gehörte er zu den bekanntesten Kritikern der Eurorettung innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Gesundheitspolitik
Mit seiner Ernennung zum Bundesgesundheitsminister übernahm Linnemann erstmals unmittelbare Regierungsverantwortung in einem Fachressort. Bereits zuvor hatte er wiederholt Reformen im Gesundheitswesen gefordert. Dazu zählen insbesondere eine Verringerung der Zahl gesetzlicher Krankenkassen zur Senkung der Verwaltungskosten sowie eine stärkere Effizienzorientierung des Gesundheitssystems.

Welche gesundheitspolitischen Reformen seine Amtszeit prägen werden, bleibt angesichts seines erst kürzlich erfolgten Amtsantritts abzuwarten.

Politischer Stil
Carsten Linnemann gilt als sachorientierter und direkter Politiker. Seine Reden zeichnen sich durch klare wirtschaftspolitische Argumentationen und eine einfache, verständliche Sprache aus. Unterstützer schätzen seine Bodenständigkeit, seine wirtschaftliche Kompetenz und seine Bereitschaft, unbequeme Reformen anzusprechen. Kritiker werfen ihm dagegen vor, sozialpolitische Fragen teilweise zu stark unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten.

Innerhalb der CDU wird Linnemann überwiegend dem wirtschaftsliberalen und gesellschaftspolitisch konservativen Flügel zugerechnet. Gleichzeitig gilt er als einer der Architekten der programmatischen Erneuerung der Partei unter Friedrich Merz.

Fazit
Carsten Linnemann hat sich in den vergangenen Jahren vom wirtschaftspolitischen Fachpolitiker zu einer der prägenden Persönlichkeiten der CDU entwickelt. Seine politischen Schwerpunkte liegen in der Stärkung der sozialen Marktwirtschaft, der Reform des Sozialstaates, einer leistungsorientierten Bildungspolitik sowie einer kontrollierten Migrationspolitik. Mit seinem Wechsel in das Bundesgesundheitsministerium steht er nun vor der Herausforderung, seine ordnungspolitischen Reformvorstellungen erstmals in einem der komplexesten Politikfelder Deutschlands praktisch umzusetzen.

Weitere personelle Veränderungen
Im Bundesministerium für Gesundheit übernimmt Dr. Christiane Schenderlein die Position des Parlamentarischen Staatssekretärs, die bislang von von Tino Sorge besetzt wurde. Die Politikwissenschaftlerin hat zuletzt als Schwerpunkte Kultur, Sport und Ehrenamt vertreten und wird an der Seite von Dr.  Georg Kippels neben den beiden beamteten Staatssekretären Katja Kohfeld und Christian Luft die Leitungsebene abbilden.

Die Zuordnung der einzelnen Dezernate im Ministerium bleibt abzuwarten.

Auch im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ist Dr. Sonja Optendrenk zur Unparteiischen Vorsitzenden und Vorsitzenden des Innovationsausschusses berufen worden. Sie folgt auf Professor Josef Hecken, der im Juni 2026 aus persönlichen Gründen seine Tätigkeit beendet hat.

Anstehende Reformvorhaben
  • Primärversorgungssystem: Die wohl größte ausstehende Reform ist die geplante Einführung eines Primärversorgungssystems. Der Gesetzentwurf soll zum Ende des Sommers vorgelegt werden. Damit ist angedacht, dass Hausärzte die Steuerung von Patienten übernehmen. Facharztbesuche sind erst möglich, wenn Hausärzte weiterverweisen. Ausnahmen sind unter anderem für die Ophthalmologie oder Gynäkologie vorgesehen. Erste Wirkungen soll das System ab 2028 zeigen.

  • Digitalgesetz: Das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) soll unter anderem dazu beitragen, Störungen innerhalb der Telematikinfrastruktur zu verringern. Das Bundeskabinett hat den Kabinettsentwurf am 15. Juli beschlossen, nun folgt die parlamentarische Beratung. In dem Gesetz sollen zudem Weichen für die Einführung eines Primärversorgungssystems gestellt werden.

  • Pflegeneuordnungsgesetz: Das BMG hat im Juni einen Referentenentwurf für ein Pflegeneuordnungsgesetz vorgelegt. Neben Kürzungen und Mehrbelastungen sind auch strukturelle Vorhaben geplant, die die Pflegekassen entlasten sollen. Die Finanzen der Pflegeversicherung stehen unter Druck. So sollen unter anderem die Beitragsbemessungsgrenze in der Pflegeversicherung angehoben werden und Kinderlose mehr Geld bezahlen. Vorgesehen sind zudem der Ausbau von Prävention und Rehabilitation sowie ein Anspruch auf eine professionelle Pflegebegleitung ab 2028.

  • Gesundheitssicherstellungsgesetz: Der Entwurf für ein Gesundheitssicherstellungsgesetz soll nach der Sommerpause – im späten Sommer/frühen Herbst – kommen. Es soll die Resilienz und Handlungsfähigkeit des Gesundheitssystems im Katastrophen-, Bündnis und Verteidigungsfall sicherstellen.

  • Bürokratieabbaugesetz: Im Sommer ist ein Referentenentwurf für ein Bürokratieabbaugesetz im Gesundheitswesen geplant.Quelle: Deutsches Ärzteblatt

Chirurgieverband fordert bei Unfallverletzten einen direkten Zugang zu Fachärztinnen und -ärzten nach Vorbild der durchgangsärztlichen Behandlung

Berlin, den 21.07.2026 – Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC) fordert, dass Unfallverletzte von der verpflichtenden Erstvorstellung bei der Hausärztin/ beim Hausarzt zwingend ausgenommen werden sollen. Der Berufsverband betont, dass für den Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland bereits seit mehr als 100 Jahren ein bewährtes und erfolgreiches Primärarztsystem existiert: die durchgangsärztliche Versorgung. Darüber hinaus empfiehlt der BDC der Politik, dieses bewährte System für die geplante zielgerichtete Steuerung von Patientinnen und Patienten in die richtige Versorgungsebene als kostendämpfendes Vorbild zu nutzen.

Der BDC hält es für keinesfalls sachgerecht, bei dem vom Bundesgesundheitsministerium geplanten Primärversorgungssystem eine Vorstellungspflicht für Unfallverletzte im hausärztlichen Bereich festzuschreiben. Vielmehr sollte allen Versicherten der direkte Zugang zu unfallchirurgisch kompetenten Fachärztinnen und -ärzten zumindest dann offenstehen, wenn eine Arbeitsunfähigkeit zu erwarten sei oder eine über die körperliche Untersuchung hinausgehende Diagnostik – meist Röntgenaufnahmen – erforderlich würde. Dies trüge auch dem Umstand Rechnung, dass, insbesondere aus Sicht der Versicherten, häufig nicht unmittelbar erkennbar sei, ob ein Versicherungsfall in die Zuständigkeit der gesetzlichen Unfallversicherung oder der Krankenkasse gehöre. „Umso wichtiger ist es, dass eine zeitnahe unfallchirurgisch qualifizierte Ersteinschätzung möglich bleibt, deren Ergebnis eine wichtige Grundlage für eine qualitativ hochwertige Behandlung und die Zuordnung zum richtigen Kostenträger für alle Altersstufen darstellt“, erklärt BDC-Präsident Professor Dr. Dietmar Pennig.

Eine solche klare Zuweisung diene zugleich einer Entlastung der hausärztlichen Versorgung. „Hausärztinnen und -ärzte sind für die Primär- und Weiterversorgung chronisch kranker, multimorbider und koordinationsbedürftiger Patientinnen und Patienten unverzichtbar und sollten nicht zusätzlich mit Fallkonstellationen belastet werden, für die bereits qualitätsgesicherte und spezialisierte Versorgungsstrukturen bestehen“, betont Pennig.

Niedergelassene Durchgangsärztinnen und -ärzte sind vertraglich verpflichtet, ihre Praxen für die Akutversorgung von Arbeits- und Schulunfällen offenzuhalten und verfügen über die hierfür erforderliche sachliche und personelle Ausstattung. Um Doppelstrukturen, unnötige Mehrfachkontakte und Qualitätseinbußen zu vermeiden, sollten diese Versorgungskapazitäten auch weiterhin von gesetzlich versicherten Unfallverletzten direkt genutzt werden können. „Wir unterstützen ausdrücklich das Ziel, Patientinnen und Patienten in der Primärversorgung zielgerichtet, ressourcenschonend und möglichst ohne vermeidbare Fehlsteuerungen in die jeweils geeignete ambulante oder stationäre Versorgungsebene zu lenken“, erklärt BDC-Vizepräsident Dr. Peter Kalbe. „Das Durchgangsarztverfahren der gesetzlichen Unfallversicherung kann dabei als Blaupause für eine erfolgreiche Umsetzung der Patientensteuerung dienen, indem es leichte Verletzungen in der hausärztlichen Versorgung belässt und gravierende Verletzungen direkt in die Facharztebene steuert.“

Zum gemeinsamen Positionspapier der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), des Berufsverbands der Deutschen Chirurgie (BDC), der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), des Bundesverbands der Durchgangsärzte (BDD) sowie des Berufsverbands Niedergelassener Chirurgen (BNC).

 

Über den Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC)

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. ist mit rund 16.500 Mitgliedern europaweit die größte chirurgische Vereinigung. Er repräsentiert Chirurginnen und Chirurgen aller Fachdisziplinen in Klinik und Praxis in Deutschland.

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
BDC: Olivia Päßler
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Laparoskopische und robotische ventrale Mesh-Rektopexie (VMR) bei Stuhlentleerungsstörung und Stuhlinkontinenz

In Deutschland leiden rund zehn Millionen Menschen an einer Form der Harn- oder Stuhlinkontinenz. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist mit einem weiteren Anstieg der Betroffenenzahl zu rechnen. Neben dem erheblichen individuellen Leidensdruck entstehen hohe Kosten für Diagnostik, Therapie und Langzeitversorgung [1].

Die Stuhlinkontinenz ist Ausdruck vieler unterschiedlicher Krankheitsentitäten. Der Rektumprolaps, der überwiegend Frauen betrifft, stellt dabei nur eine anatomische Ursache für Inkontinenzerscheinung dar und ist häufig mit einer Stuhlentleerungsstörung im Sinne des Obstructed Defecation Syndrome (ODS) assoziiert. Beide Krankheitsbilder beruhen häufig auf einer gemeinsamen Beckenbodeninsuffizienz und gehen mit Veränderungen wie Descensus perinei, ventraler Rektozele sowie innerem oder äußerem Rektumprolaps und daraus resultierender Pudentusneuropathie einher. Die Folge sind Störungen der Entleerungsfunktion und der Kontinenz.

Die ventrale Mesh-Rektopexie (VMR) ist ein etabliertes rekonstruktives Verfahren zur Behandlung des inneren und äußeren Rektumprolapses. Im Gegensatz zu resezierenden Verfahren zielt sie auf die anatomische Rekonstruktion des hinteren Beckenbodenkompartiments ab. Ziel ist die Verbesserung der Entleerungsfunktion, der Kontinenz und der Lebensqualität [2–4].

Anatomische Grundlagen

Der weibliche Beckenboden wird funktionell in drei Kompartimente unterteilt: das vordere Kompartiment mit Harnblase und Urethra, das mittlere Kompartiment mit Uterus beziehungsweise Vaginalapex sowie das hintere Kompartiment mit Rektum und Analkanal (Abb. 1).

Abb. 1: Schematische Darstellung der Beckenbodenkompartimente. Das vordere Kompartiment (VK) umfasst Harnblase und Urethra, das mittlere Kompartiment (MK) Uterus und Vaginalapex sowie das hintere Kompartiment (HK) Rektum und Analkanal.

Die Kontinenz beruht auf dem Zusammenspiel von Schließmuskelapparat, Musculus levator ani, puborektaler Schlinge und einer intakten Beckenbodenstatik. Bei einer Insuffizienz der Haltestrukturen sinkt die Levatorplatte nach kaudal ab und der anorektale Winkel (physiologisch 80–90°) wird stumpfer. Hieraus resultieren ein Descensus perinei, ein innerer Rektumprolaps, eine begünstigte Pudendusneuropathie sowie eine zunehmende Beeinträchtigung der Kontinenz- und Entleerungsfunktion [5–7].

Abb. 2: a) Rektumprolaps in der MRT-Defäkographie. Links: High-Take-off-Prolaps mit höher beginnender Invagination. B) Low-Take-off-Prolaps unmittelbar oberhalb des Analkanals.

High-Take-off- und Low-Take-off-Rektumprolaps

Cooper et al. beschrieben 2025 die Differenzierung zwischen High-Take-off- und Low-Take-off-Rektumprolaps. Beim High-Take-off-Prolaps beginnt die Intussuszeption im mittleren oder oberen Rektum und ist häufig mit Symptomen eines Obstructed Defecation Syndrome (ODS) assoziiert. Der Low-Take-off-Prolaps betrifft überwiegend das distale Rektum und den anorektalen Übergang und wird häufiger bei Patient:innen mit Drangsymptomatik, Descensus perinei und Stuhlinkontinenz beobachtet. Diese Einteilung trägt zu einem besseren Verständnis unterschiedlicher klinischer Phänotypen des Rektumprolapses bei [8].

Diagnostik und Pathophysiologie

Die Diagnostik von ODS und Stuhlinkontinenz verfolgt das Ziel, funktionelle Beschwerden den zugrunde liegenden anatomischen Veränderungen zuzuordnen. Sie sollte strukturiert erfolgen und Anamnese, klinische Untersuchung, Endoskopie sowie funktionelle Bildgebung umfassen.

Bereits die Anamnese liefert häufig wegweisende Hinweise. Patient:innen mit ODS berichten typischerweise über das Gefühl der unvollständigen Entleerung, fragmentierte Stuhlentleerungen, verlängerte Defäkationszeiten, vermehrten Pressaufwand, Druckgefühl im kleinen Becken sowie die Notwendigkeit manueller Entleerungshilfen. Häufig bestehen zusätzlich wechselnde Symptome aus Obstipation, Entleerungsstörung und intermittierender Stuhlinkontinenz [9]. In unserer Sprechstunde führen alle Patient:innen ein am Wexner-Score orientiertes Stuhltagebuch [10].

Neben der Endosonographie des Sphinkterapparats stellt die MRT-Defäkographie den wichtigsten Baustein der funktionellen Diagnostik dar. Sie erlaubt die Beurteilung aller Beckenbodenkompartimente sowie die Darstellung von Rektozelen, Enterozelen, Zystozelen, Descensus perinei, Veränderungen des anorektalen Winkels sowie innerem und äußerem Rektumprolaps [11, 12].

Die anorektale Manometrie ergänzt die Beurteilung der Schließmuskelfunktion, besitzt jedoch für sich allein nur eine begrenzte Aussagekraft. Entscheidend bleiben der klinische Eindruck und die digitale rektale Untersuchung. Die Operationsindikation sollte daher primär anhand von Klinik, körperlicher Untersuchung und MRT-Defäkographie gestellt werden [12].

Pathophysiologisch führt die Absenkung der Levatorplatte zur Aufweitung des anorektalen Winkels. Es entstehen ventrale Rektozelen und innere Rektumprolapse, die die Entleerung mechanisch behindern. Die zunehmende Prolapsbildung begünstigt eine Dehnung des Nervus pudendus mit resultierender Pudendusneuropathie und Kontinenzstörung [5–7]. Die anatomische Rekonstruktion durch die VMR kann daher sowohl die Entleerungsfunktion als auch die Kontinenz verbessern.

Abb. 3: MRT-Defäkographie mit Normalbefund.

Abb. 4: MRT-Defäkographie mit Descensus perinei und nahezu aufgehobenem anorektalen Winkel beim Mann.

Operatives Konzept, Netzmaterialien, Sigmaresektion und Robotik

Die ventrale Mesh-Rektopexie wurde durch D’Hoore und Penninckx entscheidend weiterentwickelt. Sie verfolgt einen nervenschonenden, ventralen und rekonstruktiven Ansatz [2]. Bei ausgeprägter ventraler Rektozele, symptomatischem Low-Take-off-Rektumprolaps und fortgeschrittenem ODS empfehlen wir eine vollständige ventrale Mobilisation bis zum distalen Rektum, um das hintere Kompartiment anatomisch zu rekonstruieren. Das Netz wird an der ventralen Rektumwand und am Promontorium fixiert und stabilisiert gleichzeitig das Septum rectovaginale.

Größere systematische Übersichtsarbeiten konnten bislang keine eindeutige Überlegenheit biologischer gegenüber synthetischen Netzen hinsichtlich funktioneller Ergebnisse, Mesh-Erosionen oder Reoperationsraten zeigen [13, 14].

Eine zusätzliche Sigmaresektion führen wir ausschließlich bei ausgeprägter Sigmaelongation oder Cul-de-sac-Phänomen durch. Eine Colontransitzeitbestimmung kann zum Ausschluss einer generellen Transitstörung sinnvoll sein.

Neben der laparoskopischen Durchführung etabliert sich zunehmend die robotische VMR. Sie bietet technische Vorteile bei der tiefen Präparation und der Netzfixation. Eine eindeutige Überlegenheit gegenüber der laparoskopischen Technik ist derzeit jedoch nicht belegt [15].

Abb. 5: MRT-Defäkographie mit ventraler Rektozele und innerem Rektumprolaps.

Abb. 6: Ventrales Mesh Repair (VMR). a) anatomische Rekonstruktion der „tiefen Hernientasche“. b) Netzfixation an der ventralen Rektumwand im Septum rectovaginale.

Funktionelle Ergebnisse, Lebensqualität und Nachbehandlung

Mehrere Studien zeigen, dass die VMR neben der anatomischen Rekonstruktion zu einer deutlichen Verbesserung der ODS-Symptomatik, der Kontinenz und der krankheitsspezifischen Lebensqualität führen kann [2, 3, 13, 14, 16, 17].

In unserem Patientenkollektiv werden jährlich etwa 25–30 VMR durchgeführt. In den vergangenen vier Jahren erfolgten insgesamt 61 laparoskopische und robotische Eingriffe. Hauptindikationen waren der innere Rektumprolaps Grad I–II mit ODS sowie symptomatische ventrale Rektozelen. Auch Patient:innen mit beginnendem äußerem Rektumprolaps und intermittierender Stuhlinkontinenz profitierten.

Die überwiegende Mehrzahl der Patient:innen berichtet über eine deutliche Verbesserung der Entleerungsfunktion und der Kontinenz. Die subjektive Patientenzufriedenheit liegt bei über 90 %. Diese Angabe beruht auf klinischen Nachuntersuchungen und stellt keine prospektive wissenschaftliche Auswertung dar.

Postoperativ erfolgt die Darmregulation bedarfsgerecht mit Quellmitteln oder osmotischen Laxanzien. Bei ausgeprägter Entleerungsstörung kann Prucaloprid eingesetzt werden. Ergänzend empfehlen wir strukturiertes Beckenbodentraining und bei Bedarf Biofeedback. Bei persistierender Stuhlinkontinenz stellt die sakrale Neuromodulation eine sinnvolle Ergänzung des Behandlungskonzeptes dar [18, 19].

Tab. 1: Funktionelle Ergebnisse und Langzeitrezidive nach ventraler Mesh-Rektopexie.

Studie

Jahr

n

ODS verbessert

Inkontinenz verbessert

QoL verbessert

Rezidiv

D’Hoore et al.

2004

109

80–85 %

signifikant

signifikant

4–6 %

Consten et al.

2015

919

76–84 %

60–75 %

signifikant

6–8 %

Van Iersel et al.

2016

Review

70–90 %

55–80 %

signifikant

3–10 %

Emile et al.

2019

Metaanalyse

deutlich verbessert

verbessert

signifikant

niedrig

Van der Schans et al.

2022

Metaanalyse

stabil

stabil

signifikant

3–9 %

Fazit und Take-Home-Messages

ODS und Stuhlinkontinenz sind häufig Ausdruck derselben Beckenbodeninsuffizienz. Veränderungen des hinteren Kompartiments mit Descensus perinei, Rektozele und innerem Rektumprolaps spielen eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie. Die MRT-Defäkographie bildet die Grundlage der funktionellen Diagnostik und der operativen Planung.

Die VMR ist ein etabliertes rekonstruktives Verfahren zur Wiederherstellung der Anatomie des hinteren Kompartiments. Hinsichtlich Rezidivrate sowie funktioneller Ergebnisse bei Obstipation und Stuhlinkontinenz zeigt sie vergleichbare Resultate wie die Resektionsrektopexie [20,21]. Durch die Rekonstruktion des Septum rectovaginale können Entleerungsfunktion, Kontinenz und Lebensqualität nachhaltig verbessert werden. Voraussetzung für ein dauerhaft gutes Ergebnis ist ein strukturierter Behandlungspfad mit konsequenter Nachbehandlung und Beckenbodenrehabilitation.

Die Literaturliste erhalten Sie auf Anfrage via passion_chirurgie@bdc.de.

Dr. med. Toralf Wolkersdörfer

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Ilm-Kreis-Kliniken Arnstadt-Ilmenau GmbH

toralf.wolkersdoerfer@ilm-kreis-kliniken.de

Chirurgie

Wolkersdörfer T: Laparoskopische und robotische ventrale Mesh-Rektopexie (VMR) bei Stuhlentleerungsstörung und Stuhlinkontinenz. Passion Chirurgie. 2026 Juli/August; 16(07/08): Artikel 03_03.

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Ausgabe 06/QII/PASSION CHIRURGIE: Neuer BDC-Vorstand & Kongressnachlese 2026

Zur Juniausgabe PASSION CHIRURGIE: Neuer BDC-Vorstand & Kongressnachlese 2026

Die Chirurgie befindet sich im Wandel – und der BDC gestaltet ihn aktiv mit. In der Juniausgabe der Passion Chirurgie stellen wir Ihnen das neu gewählte BDC-Präsidium vor und verabschieden langjährige Mandatsträger, die den Verband entscheidend geprägt haben. Zudem blicken wir auf den Deutschen Chirurgie Kongress 2026 zurück, der eindrucksvoll gezeigt hat, wie innovativ, engagiert und zukunftsorientiert die Chirurgie in Deutschland aufgestellt ist.

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Ihr PASSION CHIRURGIE-Team

Die Politik macht es sich zu einfach: Chirurgieverbände fordern nachhaltige Effizienzsteigerungen anstatt pauschaler Sparmaßnahmen

Berlin und Frankfurt am Main, den 19.06.2026 – Die geplanten Sparmaßnahmen im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes gefährden zusammen mit den Auswirkungen der Krankenhausreform die chirurgische Versorgung in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kamen der Berufsverband der niedergelassenen Chirurgen e.V. (BNC) und der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC) im Rahmen ihrer gemeinsamen Strategietagung Mitte Juni in Frankfurt.

Besonders kritisch sehen BNC und BDC die geplante Budgetierung ambulanter Leistungen. Bereits heute kündigten erste chirurgische Praxen an, ihr Leistungsangebot für gesetzlich Versicherte reduzieren zu müssen, wenn die vorgesehenen Budgetdeckelungen umgesetzt werden.

„Wenn die Politik die Finanzierung weiter begrenzt, wird sich dies unmittelbar auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten auswirken”, erklärt Jan Henniger, geschäftsführender Vorsitzender des BNC. „Weniger verfügbare Termine, längere Wartezeiten und Einschränkungen im Leistungsangebot sind die zwangsläufige Folge einer politisch gewollten Unterfinanzierung. Gleichzeitig steigt der Versorgungsbedarf einer älter werdenden Bevölkerung stetig an. Diese Entwicklung ist besorgniserregend.“

Besonders widersprüchlich erscheint den Verbänden die aktuelle Diskussion um die Ambulantisierung. „Seit Jahren fordert die Politik die Verlagerung geeigneter Leistungen aus dem Krankenhaus in den ambulanten Bereich. Gleichzeitig sollen ambulante Operationen nun aber budgetiert werden. Das passt nicht zusammen“, sagt Dr. Ralf Schmitz, Referatsleiter Niedergelassene Chirurginnen und Chirurgen im BDC. „Ambulantisierung braucht Investitionen, Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen. Wer diese Voraussetzungen entzieht, gefährdet den Erfolg der eigenen Reformen.“

Statt pauschaler Sparmaßnahmen fordern die Verbände nachhaltige Effizienzsteigerungen durch gezielte Strukturreformen, insbesondere den Abbau bürokratischer Hürden, wie von der schwarz-roten Regierung zu Beginn der Legislaturperiode angekündigt.

Kritisch bewerten BNC und BDC in dem Kontext die geplante Ausweitung der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst (MD). Zusätzliche Prüf- und Dokumentationspflichten führten zu weiterem Verwaltungsaufwand und stünden damit im Widerspruch zum angekündigten Bürokratieabbau.

„Jede zusätzliche Prüfung bindet ärztliches und pflegerisches Personal, das eigentlich für die Versorgung von Patientinnen und Patienten benötigt wird“, betont Professor Dr. Carolin Tonus, Sprecherin der Landesverbandsvorsitzenden und Regionalvertreter des BDC.

Insbesondere im ambulanten Bereich beobachten die Verbände eine zunehmende Verunsicherung durch MD-Prüfungen im Zusammenhang mit Hybrid-DRG-Leistungen. „Viele Praxen berichten von unklaren Prüfkriterien und fehlenden Ansprechpartnern bei Rückfragen“, so Henniger. „Nur Transparenz über die Prüfkriterien des MD kann dort Rechtssicherheit schaffen. Die derzeitige Situation führt eher zu Verunsicherung als zu Investitionsbereitschaft.“

BNC und BDC fordern deshalb:

  • Effizienzsteigerungen anstatt Sparmaßnahmen
  • eine Rücknahme der geplanten Budgetierung im ambulanten Bereich
  • die Finanzierung der politisch gewollten Ambulantisierung statt ihrer wirtschaftlichen Schwächung
  • einen wirksamen Bürokratieabbau in Krankenhäusern und Praxen
  • transparente und nachvollziehbare Prüfverfahren des Medizinischen Dienstes
  • Planungssicherheit für Investitionen in ambulante und sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen,
  • die vollständige Bundesfinanzierung versicherungsfremder Leistungen

Ob Krankenhaus, Praxis oder Medizinisches Versorgungszentrum: Die Chirurgie in Deutschland übernimmt als Einheit Verantwortung für die operative Versorgung von Patientinnen und Patienten. Die Politik ist gefordert, die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen – nicht durch neue Belastungen, sondern durch Lösungen, die medizinische Versorgung ermöglichen, lautet das gemeinsame Fazit der chirurgischen Berufsverbände.

Über den Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC)

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. ist mit rund 16.500 Mitgliedern europaweit die größte chirurgische Vereinigung. Er repräsentiert Chirurginnen und Chirurgen aller Fachdisziplinen in Klinik und Praxis in Deutschland.

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
BDC: Olivia Päßler
Tel: 030/28004-203
paessler@bdc.de

Über den Berufsverband niedergelassener Chirurgen e.V. (BNC)

Der BNC ist der Berufsverband der freiberuflichen Chirurginnen und Chirurgen in Deutschland, deren Interessen er durch einen Bundesvorstand sowie 20 regionale Landesverbände (ANC) vertritt. Er engagiert sich für die Aus- und Weiterbildung seiner Mitglieder und setzt sich für eine Förderung der ambulanten chirurgischen Behandlung sowie des interdisziplinären Austauschs ein. Der Verband führt hierzu auf Bundesebene den Dialog mit Politik, Krankenkassen, Wirtschaft und anderen Berufsverbänden.

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
BNC: Caroline Backes
Tel: 0177 834 6269
presse@bncev.de
www.bncev.de

 

Ein neuer Vorstand übernimmt die Führung beim BDC

Der Weg war lang. Nach intensiver interner Diskussion im erweiterten BDC-Vorstand, Vorschlag eines neuen geschäftsführenden Vorstands durch das Präsidium im November 2025 und Wahl durch die BDC-Mitgliederversammlung auf dem DCK in Leipzig am 24. April 2026 übernimmt zum 01. Juli 2026 der neue Vorstand die Führung des BDC. Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer und Vizepräsident Dr. Jörg Rüggeberg geben ihre Ämter nach langer und erfolgreicher Tätigkeit für den BDC ab. Es folgt Prof. Dr. Dietmar Pennig als Präsident des BDC, der zusammen mit den beiden Vizepräsidenten Dr. Peter Kalbe und Prof. Dr. Wolfgang Schröder und mit Unterstützung durch die Geschäftsführerin Dr. Friederike Burgdorf die Aufgaben des neuen geschäftsführenden Vorstands beim BDC für die nächsten vier Jahre übernimmt.

Wir wollen es vorwegsagen: Wir als neuer BDC-Vorstand sind auf verschiedene Weise und auf verschiedenen Ebenen über viele Jahre eng mit dem BDC verbunden und – wir freuen uns auf diese herausfordernde Aufgabe.

Prof. Dr. med. Dietmar Pennig
ab 07/2026 Präsident des Berufsverbandes
der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC)
ehem. Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU)
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie
und Unfallchirurgie Berlin (DGOU)
pennig@bdc.de

Prof. Dr. med. Wolfgang Schröder

ab 07/2026 Vizepräsident des Berufsverbandes
der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC)

ehem. Leiter der BDC|Akademie

Leiter des Zentrums für Speiseröhren-
und Magenchirurgie

HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal

schroeder@bdc.de

Dr. med. Peter Kalbe

Vizepräsident des Berufsverbandes
der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC)

Gelenkzentrum Schaumburg

Kalbe@bdc.de

Mit diesem Wechsel an der BDC-Spitze stellt sich unweigerlich die Frage, wie wir die schon vom letzten Vorstand definierten Kernziele des BDC fortsetzen und welche weiteren Schwerpunkte wir dabei setzen wollen. Aus unserer Sicht sind die beiden großen Aufgabenfelder eindeutig identifiziert und reflektieren unmissverständlich das Selbstverständnis eines großen Berufsverbandes. Sie sind nicht unbedingt neu, müssen aber in ihrer Umsetzung neu gedacht werden. Dieses sind zum einen die berufspolitische Interessenvertretung aller berufstätigen Chirurginnen und Chirurgen, zum anderen das umfassende Angebot verschiedenster Serviceleistungen für seine Mitglieder. Für diese zwei zentralen Aufgaben versteht sich der BDC als Vertreter aller in Deutschland tätigen Chirurginnen und Chirurgen, für alle chirurgischen Fachdisziplinen, für alle Karrierestufen und alle Versorgungsebenen.

“Die Meinung
unserer Mitglieder
ist uns wichtig.”

Berufspolitische Interessenvertretung

Die anstehenden und zum Teil bereits auf den Weg gebrachten gesundheitspolitischen Gesetzgebungsverfahren verfolgen letztendlich alle das gleiche große Ziel: das deutsche Gesundheitssystem als eines der zentralen Sozialversicherungssysteme finanzierbar und damit zukunftsfähig zu machen. Es ist aus unserer Sicht nicht zielführend, unser System der Gesundheitsfürsorge schlecht zu reden, denn die Versicherten erhalten hierzulande nach wie vor ein umfassendes Portfolio qualifizierter Gesundheitsleistungen. Richtig ist allerdings, dass die stetig steigenden Kosten im gesamten Gesundheitssystem auf ineffiziente Strukturen hindeuten und deswegen grundlegende Veränderungen zwingend erforderlich sind. Dies wird auch die kontroverse Diskussion umfassen, ob das im westeuropäischen Vergleich einzigartige umfassende Leistungsversprechen des deutschen Gesundheitssystems aufrechterhalten werden kann.

Die aktuelle Spargesetzgebung der Bundesregierung und die beschlossenen wie noch geplanten Strukturveränderungen betreffen den beruflichen Alltag aller Chirurginnen und Chirurgen auf den verschiedenen Versorgungsebenen unmittelbar. Nicht zuletzt deswegen ist das Interesse an berufspolitischen Fragen aktuell spürbar gestiegen und immer mehr Chirurginnen und Chirurgen beteiligen sich direkt am politischen Diskurs.

Für uns als neuen Vorstand gilt es, dieses Momentum zu nutzen und die berufspolitische Interessenvertretung unserer Mitglieder in mehreren dezidierten Schritten weiter auszubauen. Zukünftig werden wir unsere Mitglieder aktuell und umfassend über die verschiedenen BDC-Print- und Online-Medien über die berufspolitischen Aktivitäten informieren. Die in der laufenden Legislatur vom Bundesministerium für Gesundheit vorangetriebenen Reformprojekte müssen von unserer Seite aktiv begleitet und frühzeitig mit Sachkompetenz hinterlegt werden. Oberstes Ziel ist hierbei immer der Aspekt der berufspolitischen Relevanz für die berufstätigen Chirurginnen und Chirurgen.

Die Meinung unserer Mitglieder ist uns wichtig. Deswegen werden wir in einem zweiten Schritt die berufspolitische Diskussion unter unseren BDC-Mandatsträgern auf verschiedenen Ebenen intensivieren und zu ausgesuchten Schwerpunktthemen eine konsentierte Meinung herbeiführen. Auch die gut aufgestellten Landesverbände sind in diesem Zusammenhang ein zentrales Element. Wir werden über BDC-Messengerdienste verschiedene Online-Diskussionsforen einrichten, aber auch den persönlichen Meinungsaustausch durch regelmäßige Präsenz-Veranstaltungen fördern. Wir werden gemeinsam überlegen, ob die Wiedereinrichtung des Deutschen Chirurgentages mit Schwerpunkt der berufspolitischen Diskussion dieses Ziel unterstützt.

Der dritte Schritt ist die eigentliche berufspolitische Interessenvertretung. Als Vorstand ist es eine unserer wesentlichen Aufgaben, die geplanten Strukturreformen des Gesetzgebers durch chirurgischen Sachverstand zu unterstützen, Gesetzentwürfe zu kommentieren und konsentierte Meinungen unseres Verbands in die Breite zu tragen sowie diese in den gesundheitspolitischen Gremien zu artikulieren.

Die aktive Beteiligung unseres Berufsverbands an den Gesetzgebungsverfahren ist von herausragender Bedeutung für jedes BDC-Mitglied, aber auch die Gesamtheit der Chirurgie. Denn im Gegensatz zu anderen Berufsverbänden im operativen Bereich bildet der BDC den gesamten Querschnitt der operativen Medizin im chirurgischen Sektor ab. In diesem gesamten Konzept sehen wir die BDC-Landesverbände als entscheidende Multiplikatoren, sodass die vertrauensvolle und engen Zusammenarbeit mit ihren Vorsitzenden eine conditio sine qua non darstellt.

Serviceleistungen für seine Mitglieder

Die Mitgliederentwicklung beim BDC hat sich in den letzten Jahren rückläufig gezeigt, aktuell sind rund 16.500 Mitglieder beim BDC registriert (Stand Juni 2026). Für diese Entwicklung sind zwei Gründe anzuführen. Auf der einen Seite sind die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gegangen oder stehen unmittelbar davor – eine Entwicklung, die sich in den nächsten fünf Jahren auch auf dem medizinischen Arbeitsmarkt noch spürbar bemerkbar machen wird. Auf der anderen Seite ist die Gewinnung von Neumitgliedern im Nachwuchsbereich deutlich erschwert, da die nachfolgenden jungen Generationen in der Bindung an medizinische Fachgesellschaften und Berufsverbände den direkten Benefit nicht unmittelbar erkennen können – ein Trend, den viele Vereine, Gewerkschaften, Parteien und ähnlich organisierte Strukturen erfahren. Somit stellt sich für uns als Vorstand die entscheidende Frage, mit welchen Angeboten der BDC für seine Mitglieder einen spürbaren Mehrwert generieren kann. Hierbei muss allen Beteiligten klar sein, dass die Mitgliederentwicklung die wirtschaftliche Grundlage des BDC ist und die Finanzierung neuer, moderner Servicearbeit für BDC-Mitglieder wesentlich an diese Frage gebunden ist. Wirtschaftlichkeit ist deshalb auch für den neuen Vorstand ein zentrales Gebot, eine Aufgabe, die durch unseren langjährigen Schatzmeister Dr. Hubert Mayer unterstützt und überwacht wird.

Wir sind uns einig, dass der BDC durch die enge Kooperation mit der Ecclesia Gruppe ein besonders umfassendes Versicherungsangebot bietet. Insbesondere die im Mitgliedsbeitrag enthaltene Berufs-Rechtsschutz-Versicherung stellt einen wesentlichen Mehrwert auch für die Chirurginnen und Chirurgen in der Weiterbildung dar. Sie wird ergänzt durch eine 24/7 zu Verfügung stehende, individuelle telefonische Rechtsberatung durch unseren langjährigen Justiziar Dr. Jörg Heberer. Diese einzigartige Serviceleistung allein ist schon ein starkes Argument für eine Mitgliedschaft beim BDC und muss nach außen deutlicher hervorgehoben werden.

Die BDC|Akademie mit ihrem umfassenden Programm ist und bleibt ein weiteres zentrales Element der BDC-Serviceleistungen. Hier stehen wir in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen, bedingt durch eine Ausweitung der zu vermittelnden Inhalte, eine weitergehende Digitalisierung der Formate, eine Verknappung der zur Verfügung stehenden Ressourcen und eine Zunahme der konkurrierenden Angebote. Unter Federführung des neuen Akademieleiters Prof. Dr. Andreas Kirschniak ist die konzeptionelle Ausrichtung der Akademie auf diese sich abzeichnenden Veränderungen eine zentrale Aufgabe des gesamten BDC-Vorstandes, um Innovationen auf dem Fort- und Weiterbildungsmarkt mitzugestalten und damit den beruflichen Nutzen für alle unsere Zielgruppen hochzuhalten.

Diese beiden Pfeiler der BDC-Serviceleistungen werden aber nicht ausreichen, um die Mitgliederzahlen im BDC auf hohem Niveau stabil zu halten. Deshalb spielt die Koordination der BDC-Themen-Referate und damit der verschiedenen Sachthemen und Projekte eine entscheidende Rolle. Auch hier hat es einen Wechsel im erweiterten Vorstand gegeben. Der Staffelstab wurde von Prof. Dr. Michael Betzler an Prof. Dr. Carsten Krones, einem langjährigen Mitglied des erweiterten Vorstands, weitergegeben. Die Leitung und Koordination der Themenreferate in so erfahrenen Händen ist für den BDC eine große Chance, weitere langfristige Projekte für verschiedene Mitgliedergruppen im BDC zu initiieren und damit die Sichtbarkeit des BDC weiter zu verbessern. Wir als zukünftiger Vorstand haben bereits im Vorfeld eine breite Unterstützung für diese Initiativen signalisiert.

Mit der oben beschriebenen Mitgliederentwicklung ist unstrittig, dass ein besonderer Fokus der zukünftigen Arbeit auf dem chirurgischen Nachwuchs liegen muss, denn – der BDC muss jünger werden. Hier sind die Aufgabenfelder durch die von der jungen Generation geäußerten Ansprüche klar definiert: Gestaltung und Verbesserung der chirurgischen Weiterbildung, Entwicklung von Karrierepfaden und Vereinbarkeit von Berufsleben mit eingeforderter Lebensqualität. Der BDC wird sich hier aktiv in die Beschreibung und Kommunikation neuer Karrierewege einbringen, unter Berücksichtigung der anstehenden gesundheitspolitischen Veränderungen, der unveränderlich bestehenden hohen Anforderungen an das chirurgische Fach selbst und die klar formulierten Ansprüche einer jungen Generation an ein chirurgisches Berufsleben. Die Umsetzung dieser Ziele beinhaltet als erstes, die junge Generation aktiv und langfristig in unseren Verband einzubinden und so über die direkte Stimme eine unmittelbare Kommunikation zu ermöglichen. Erste größere Projekte wie der Aufbau eines „Young Surgeons Club“ wurden bereits durch den bisherigen Vorstand auf den Weg gebracht. Jetzt gilt es, diesem engagierten Nachwuchs beim BDC eine Bühne zu geben. Auch für diese zentrale zukünftige Aufgabe ist die Leitung der Themenreferate durch Prof. Dr. Carsten Krones eine Schlüsselposition.

Es gibt zwei weitere wichtige Berufsgruppen innerhalb der chirurgischen Community, die wir wieder mehr in den Fokus unserer Servicearbeit nehmen werden. Diese sind in den Krankenhäusern die Riege der eigenverantwortlich arbeitenden Fach- und Oberärzte und in der ambulanten Versorgung die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. Diese Berufsgruppen sind und bleiben das Rückgrat der chirurgischen Versorgung in Deutschland und es ist nur folgerichtig, deren berufspolitischen Interessen gegenüber ihren Arbeitgebern unmissverständlich zu artikulieren.

Umsetzung der strategischen Ziele

Die Mitglieder unseres Verbandes werden sich fragen, wie die skizzierten Vorhaben in den nächsten vier Jahren auf den Weg gebracht werden können. Unsere Antwort ist so einfach wie aufwendig. Der BDC muss über Kongresse und Fortbildungen hinaus am klinischen Alltag aller berufstätigen Chirurginnen und Chirurgen aktiver partizipieren und das impliziert, dass wir als BDC dort präsent sind, wo die Kernarbeit chirurgischer Leistungen erbracht wird: in den Kliniken, in den Praxen und weiteren Einrichtungen, in denen chirurgische Patienten behandelt werden. Wir streben an, mit unserer chirurgischen Community noch intensiver ins Gespräch zu kommen und damit den Geist gemeinsamer Interessen neu zu beleben. Dabei können wir auf der erfolgreichen Arbeit des bisherigen BDC-Vorstands aufbauen und uns am 10-Punkte-Programm „Leitbild und Programmatik“ des BDC aus dem Jahr 2022 orientieren und dieses weiterentwickeln.

Die Umsetzung einer solchen Kampagne wird die koordinierte Mitarbeit aller Mitglieder des geschäftsführenden und erweiterten Vorstands sowie der Leiter der Themenreferate erfordern. Durch die unterschiedlichen beruflichen Karrieren der Vorstandsmitglieder steht uns für diese Aufgabe ein großes Netzwerk nicht nur unter Chirurginnen und Chirurgen zur Verfügung. Zudem stehen wir als neuer Vorstand explizit für die Ausweitung von Kooperationen mit anderen Fachgesellschaften und Berufsverbänden, unseren Partnern in der Industrie, den medizinischen Verlagen sowie allen gesundheitspolitischen Akteuren.

Wir sind fest entschlossen, den hier skizierten Weg als Vorstand zu gehen und laden alle Chirurginnen und Chirurgen in Deutschland ein, den BDC in den nächsten Jahren aktiv mitzugestalten. Investieren Sie gemeinsam mit uns in die Zukunft der Chirurgie in Deutschland!

Keine Angst vor großen Tieren – Vizepräsident Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg

Der BDC hat in der Mitgliederversammlung am 24. April 2026 sein neues Präsidium gewählt. Die teilnehmenden Mitglieder verabschiedeten sich mit anhaltendem Applaus von ihrem bisherigen Präsidenten, Professor Dr. med. Hans-Joachim Meyer, sowie vom langjährigen Vizepräsidenten, Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg. Unser langjähriger Vizepräsident beantwortet uns heute eher persönliche Fragen.

Wo ist chirurgisch Ihre Heimat?

Jörg-A. Rüggeberg (JR): Studiert habe ich in Göttingen und meine Facharztausbildung für Chirurgie habe ich in Bremen absolviert, zunächst in der Kinderchirurgie unter Prof. Dr. med. Fritz Rehbein. Allerdings gab es damals noch keinen eigenständigen Facharzt für Kinderchirurgie und nach dem Durchlauf durch die Allgemein,- Gefäß und Unfallchirurgie war der Stellenplan in der Kinderchirurgie voll. Da dachte ich mir: Wenn ich kein Kinderchirurg werden kann, eröffne ich meine eigene Praxis. Daher habe ich mich im Anschluss an die Facharztweiterbildung auf die Unfallchirurgie konzentriert, um mich auf die Niederlassung vorzubereiten. Meine Praxis führe ich inzwischen seit 40 Jahren.

Wie empfanden Sie Ihre Weiterbildungszeit? Was hat Sie am meisten gefordert und fasziniert?

JR: Die ausgeprägten hierarchischen Strukturen waren nicht meine Sache. Auf der anderen Seite hatten wir im Verhältnis zu heute ohne Begrenzungen durch ein Arbeitsschutzgesetz einen guten Zugang zu eigenständigen Operationen. Damals befanden sich nicht so viele Mediziner in der chirurgischen Ausbildung, der Druck für uns war nicht so hoch. Unsere Weiterbildung beinhaltete außerdem viele Operationen aus einem breiten Spektrum. Am meisten fasziniert hat mich dabei wie gesagt die Kinderchirurgie.


Abb. 1: Dr. Jörg Rüggeberg mit Büffel

Was war/ist Ihre Lieblings-OP? Welcher chirurgischen Herausforderung haben Sie sich gerne angenommen?

JR: In meiner Laufbahn habe ich die Herausforderung angenommen, in Bremen an der Klinik für Unfallchirurgie erstmals das arthroskopische Operieren einzuführen. Dort hatte ich dann meinen eigenständigen Bereich. Meine Spezialisierung habe ich später mit in die Praxis genommen, mein Schwerpunkt heute liegt daher auf der Arthroskopie und der kleinen Kinderchirurgie. Ich habe als Erster in Bremen ambulante Operation in Narkose durchgeführt und damals noch üble Kommentare (kriminell!) über mich ergehen lassen müssen.

Was hat Sie angetrieben, sich als Chirurg fachlich und berufspolitisch zu engagieren?

JR: Bei der Ausübung meines Berufs in der Praxis haben mich die erkennbaren Missstände beim ambulanten Operieren gestört. Die Rahmenbedingungen waren für ambulantes Operieren unzulänglich. Dann habe ich den „Fehler“ gemacht, mich bei einer BDC-Sitzung auf dem damaligen Chirurgentag in der Diskussion zum ambulanten Operieren zu Wort zu melden. Sofort im Anschluss hat der BDC mich zum Mandatsträger gemacht, um die niedergelassenen Operateure im Verband zu vertreten. Damals war der BDC geprägt von Angestellten in der Klinik, aber die Zahl der Niedergelassenen und Selbstständigen wuchs stetig.

Was hat Sie während Ihrer Vize-Präsidentschaft für den BDC am meisten geprägt?

JR: Fasziniert hat mich, dass ich Kontakte zu Ebenen knüpfen konnte, in denen ich ursprünglich nicht verortet war: Meine Gesprächspartner waren plötzlich Chefärzte, Politiker und hochrangige Verbandsfunktionäre. Geprägt haben mich die konstruktiven Diskussionen mit unterschiedlichen Funktionen und Charakteren – immer auf hohem Niveau und meistens für die Sache. Ein gemeinsames Bier mit dem damaligen Bundeskanzler Schröder ist da durchaus ein besonderes Erlebnis gewesen.

Welche Wegbegleiter waren Ihnen im Laufe Ihrer Karriere lieb und wichtig?

JR: Eins muss man wissen: Vertrauenspersonen gibt es in der Berufspolitik nicht. Zu groß ist die Gefahr menschlicher Enttäuschungen, wenn Macht vor Freundschaft gestellt wird. Und wenn wir von Vorbildern sprechen, muss ich nur in den Spiegel schauen. Spaß beiseite: Mit Professor Karl Hempel habe ich mich immer gerne ausgetauscht, das war noch zu der Zeit, als der BDC seine Geschäftsstelle in Hamburg hatte. Zur Chirurgie gekommen bin ich unter anderem durch Professor Dr. Hans-Jürgen Peiper. Sein Charisma hat mich angesteckt und uns verband eine gegenseitige Wertschätzung. Der Kinderchirurg Rehbein war wie oben erwähnt ebenfalls ein prägendes Vorbild für mich.

Welche (chirurgischen) Events und welche Teilnahmen halten Sie fachlich und berufspolitisch für richtig und wichtig und warum?

JR: Essenziell ist die Mitgliedschaft in Gremien zur Vernetzung, zum Austausch und zur Konsensfindung. Ebenso hilfreich sind chirurgische Kongresse. Nicht zuletzt über regionale Treffen lassen sich viele einflussreiche Verbindungen zur Politik knüpfen. Am Ende sind die persönlichen Kontakte innerhalb eines Netzwerks entscheidend

Abb. 2: Dr. Jörg Rüggeberg mit Fohlen Fjödur

Abb. 3: Dr. Jörg Rüggeberg 1974 auf einer Reise auf Bali

Wo sehen Sie den BDC zukünftig, was wünschen Sie sich für den Verband?

JR: Karl Hempel hat den Satz geprägt: „Die DGCH ist für die Chirurgie, der BDC für die Chirurgen da.“ Den Verband sehe ich nach wie vor als berufspolitische Interessensvertretung und Dienstleister aller Chirurginnen und Chirurgen ohne Aufsplitterung in Partialinteressen. Seine Aufgabe ist es, seine Mitglieder aktiv zu unterstützen und dabei intensiv beispielsweise mit der Bundesärztekammer, der KBV, der Allianz und der GFB zu kooperieren.

Was wünschen Sie dem chirurgischen Nachwuchs? Welche Botschaft haben Sie für ihn?

JR: Vor allem Erfüllung, Leidenschaft und Spaß in diesem faszinierenden Beruf. Kopf hoch, wenn die Bedingungen mal nicht so stimmen und immer nach vorne schauen! Im chirurgischen Alltag ist es außerdem wichtig, Empathie für die Kolleginnen und Kollegen zu empfinden und möglichst wenig Konkurrenzdenken zu entwickeln – pflegt den Teamgeist! Und bitte beteiligt Euch in unseren Gremien Nur wer selbst gestaltet, wird nicht gestaltet.

Abb. 4: Dr. Jörg Rüggeberg mit Fleyjka, dem Familienpony

Was sind Ihre Lieblingshobbys, was ihr bevorzugtes Reiseland und was bestellen Sie sich im Restaurant am liebsten?

JR: Zurzeit fahre ich am liebsten Trecker. Als professioneller „Handwerker“ setze ich Bauvorhaben aller Art um, so gibt es bei uns Pferde-und Ziegenställe, die wiederaufgebaut und instandgehalten werden müssen. Meine Lieblingsreisen: Damals in den wilden Siebzigern zog ich auf dem Landweg nach Sikkim, quer durch die Sahara nach Togo mit dem Moped durch Südostasien. Neues entdecken in fernen Ländern und auf abenteuerliche Weise war und ist auch heute noch mein Ziel. Restaurant: Unser Lieblingsitaliener im Dorf. Ja, den gibt es auch in Ottersberg!

Welches Tier/welche Tiere haben Sie bisher in Ihrem Leben begleitet?

JR: Wir haben eine große, naturbelassene Freifläche, die viel Platz für tierische Gäste bietet. Unsere Pferde, Schafe und Ziegen, der Hund und die Katze werden von meiner Frau betreut. Uneingeladene, aber willkommene Besucherinnen sind derzeit Kanadagänse. Laufenten helfen gelegentlich im Garten mit.

Was hat Ihnen an stressigen Tagen Energie und Motivation gegeben?

JR: Stressige Tage hatte ich im Prinzip nie. Nach anstrengenden Operationen bin ich an die frische Luft gegangen und habe mir ein Stück Schokolade genehmigt. Und gegen persönliche Anwürfe, die es immer gibt, hilft eine gesunde Portion Arroganz nach dem Motto: Am Ende bin ich der Bessere.