Alle Artikel von Prof. Dr. med. Wolfgang Schröder

BDC|eAkademie – einfach starten!

Aller guten Dinge sind eins: eAkademie des BDC gestartet

Die Corona-Pandemie ist weltweit das all bestimmende Ereignis des Jahres 2020, mit langfristigen Auswirkungen auf große Teile des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Von dieser Krise ist auch die BDC|Akademie nicht verschont geblieben. Mehr als fünf Monate konnten keine Präsenzveranstaltungen angeboten und durchgeführt werden. Mittlerweile ist eine Vielzahl der BDC-Veranstaltungen wieder schrittweise und unter besonderen hygienischen Voraussetzungen

 in der Durchführung. Trotz allem gibt es ein positives Aber in diesem Kontext: Die Corona-Pandemie hat den chirurgischen Fort- und Weiterbildungsmarkt nachhaltig beeinflusst und dem Trend zu allen Formen digitaler Angebote einen explosionsartigen Schub verliehen. Auch unabhängig von dieser Entwicklung stand für die BDC|Akademie seit über einem Jahr der Aufbau einer neuen, modernen und leistungsfähigen E-Learning Plattform auf der Agenda. Unter www.bdc-eakademie.de ist diese neue Plattform jetzt an den Start gegangen.

Am Anfang dieses Projektes stand eine solide, langfristige Finanzierung für die laufenden Kosten sowie die Wahl eines erfahrenen, unabhängigen Anbieters, der die technischen Möglichkeiten für eine visionäre Gestaltung digitaler Lernformen bereitstellen konnte. Diesen Partner hat die BDC|Akademie mit der Medienagentur Monks – Ärzte im Netz GmbH in München gefunden, die ihren Schwerpunkt im digitalen Sektor des Gesundheitsmarktes hat. Die zweite Kernaufgabe dieses Projektes lag auf der inhaltlichen Strukturierung der Plattform mit der Integration bereits vorhandener Angebote, gefolgt von der Gestaltung der Website im traditionellen BDC-Design. Einfach einloggen und mit wenigen Klicks die Inhalte zum gesuchten Thema finden – das war das Ziel bei der Gestaltung der Startseite. BDC|eAkademie bedeutet also: Zugang zu allen digitalen Lerninhalten mit nur einem BDC-Login..

Damit ist die BDC|Akademie gut aufgestellt für die Anforderungen in der digitalen Fort- und Weiterbildung. Die Kernstruktur der neuen BDC|eAkademie folgt den unterschiedlichen Formaten des E-Learnings und wird ergänzt durch eine inhaltlich ausgerichtete Suchfunktion. Das Angebot umfasst Webinare, Online-Kurse, Podcasts, und ergänzende Online-Unterlagen zu den BDC-Präsenzseminaren. Folgende Beispiele verdeutlichen das Spektrum aktueller Angebote und geplanter digitaler Projekte:

  • Ein Klassiker der Online-Kurse ist das jährlich erscheinende Periodikum „Was gibt es Neues in der Chirurgie?“, welches die wesentlichen Publikationen des Vorjahres aus allen Fachgebieten der Chirurgie prägnant zusammenfasst. Jedes Kapitel ist mit entsprechenden CME-Fragen versehen, die nicht nur der Rekapitulation des aktuellen Wissens dienen, sondern auch helfen, das Punktekonto verpflichtender ärztlicher Fortbildung zu füllen.
  • Stark nachgefragt ist nach wie vor das Blended-Learning Programm zum Erwerb der Zusatzqualifikation „Hygienebeauftragter Arzt“. Diese curriculare Fortbildung, bestehend aus 21 Online-Lernmodulen und einer Präsensveranstaltung, lässt sich einfach und flexibel in den Klinik- und Praxisalltag integrieren.
  • Monatliche Webinare zu den aktuellen „Leitlinien in der Chirurgie“ sind fest etabliert im Programm der BDC|Akademie. Mittlerweile sind über 30 dieser Leitlinien aus allen chirurgischen Fachdisziplinen in der BDC|eAkademie abrufbar. Eine Erfolgsgeschichte der BDC|Akademie, die ab 2021 durch eine zweite Webinar-Serie ergänzt wird. „Chirurgie Aktuell“ heißt das neue BDC-Produkt, in welchem ebenfalls einmal monatlich ein aktuelles chirurgisches oder auch berufspolitisches Thema live referiert wird. Damit wird die BDC|eAkademie jeden Monat um zwei Beiträge erweitert.
  • Ein weiteres neues Produkt ist die Podcast-Serie „Perioperative Medizin“, die Anfang 2021 an den Start gehen wird und fachübergreifend die wichtigsten Themen im perioperativen Management zusammenfasst. Kurze Lerneinheiten als Download für zwischendurch. Weitere Podcast-Serien für Studierende und den chirurgischen Nachwuchs sind bereits in Planung.
  • Die BDC|eAkademie ist verlinkt mit der Mediathek der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Medien (CAM) der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und zeigt ein breites Spektrum aktueller chirurgischer Techniken in qualitativ hochwertigen Videos.
  • Nicht zuletzt sind auch alle CME-Artikel der PASSION Chirurgie online über die neue Plattform abrufbar.

Noch mehr Fortbildungsservices finden BDC-Mitglieder und Interessierte in der neu gestalteten BDC|eAkademie, deren Angebot stetig weiterentwickelt wird. Viele Online-Fortbildungen stehen den BDC-Mitgliedern als Service der Akademie kostenfrei zur Verfügung. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Fortbildung – einfach starten!

Schröder W, Joachimi S: BDC|eAkademie – einfach starten! Passion Chirurgie. 2020 Oktober, 10(11): Artikel 04_01.

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Rezension: Illustrated Abdominal Surgery

Illustrated Abdominal Surgery – Based on Embryology and Anatomy of the Digestive System
Hisashi Shinohara
Springer Verlag 2020
515 Seiten
€ (D) 192,59
ISBN 978-981-15-1796-9

Beim Verlag bestellen: https://bit.ly/3m11Tf4

Anatomie ist und bleibt die Grundlage jeder operativen Tätigkeit. Und dennoch wissen praktizierende ChirurgInnen, dass sich mit zunehmender Erfahrung die Sicht auf anatomische Strukturen kontinuierlich ändert. Minimal-invasive und robotische Verfahren mit hochauflösender Kameratechnologie haben ihren Teil dazu beigetragen, da sie die ChirurgInnen durch die unvermeidliche Visualisierung chirurgischer Schichten in die korrekte Präparationsebene förmlich zwingen. Einen weiteren Ansatz zum Verständnis chirurgischer Anatomie verfolgt das vorliegende Werk des japanischen Viszeralchirurgen Professor Shinohara und der ist bemerkenswert. Sein Verständnis topographischer Anatomie basiert auf der embryologischen Entwicklung intestinaler Organe und den daraus resultierenden Membranen als Leitschienen chirurgischer Präparation. Das Resultat dieses anatomischen Ansatzes sind 678 handgefertigte Illustrationen, die thematisch den gesamten Verdauungstrakt abbilden.

Das Buch wurde erstmalig 1994 in japanischer Sprache publiziert (Illustrated Surgery: Points of Surgical Techniques from the Anatomical Perspective of Membranes) als der Autor im 5. Jahr seiner Facharztweiterbildung war. Die 3. Auflage mit aufwendigen Überarbeitungen der Abbildungen und des Textes erschien 2010. Hierfür hatte sich der Autor – wie er in seinem Vorwort schreibt – zum Ziel gesetzt, jeden Tag eine anatomische Skizze zu zeichnen, so dass das Buch nach dreieinhalb Jahren fertig gestellt wurde. Es folgten 2013 und 2014 Übersetzungen in die chinesische und koreanische Sprache. In diesem Jahr erschien das Werk im Springer Verlag in englischer Sprache.

Das Buch ist in 20 Kapitel gegliedert und umfasst alle wesentlichen Prozeduren der Viszeralchirurgie – von der operativen Versorgung einer Leistenhernie bis zur Ivor-Lewis Ösophagektomie. Der chirurgische Schwerpunkt des Autors ist einfach zu erkennen, da die Kapitel zur subtotalen Magenresektion und Gastrektomie mehr als 100 von insgesamt 500 Buchseiten umfassen, der Pankreaskopfresektion dagegen „nur“ 45 Seiten. Von herausragender Qualität sind insbesondere die ersten beiden Kapitel, die embryologisches Detailwissen in die chirurgische Praxis transferieren. Selbst erfahrenen ViszeralchirurgInnen wird hier die volle Konzentration abverlangt, um anhand der exzellenten Skizzen die intestinalen Rotationen nachvollziehen zu können. Aber der Aufwand lohnt sich und so mancher Leser wird hier eine Wissenslücke schließen, die immer zu seinen unerledigten Fortbildungsaufgaben gehörte. Auch in anderen Kapitel bestätigt der Autor seine profunden topographisch-anatomischen Kenntnisse. Da ist es auch nicht weiter störend, dass alle Illustrationen als primär offener Situs dargestellt sind. Erfahrene ViszeralchirurgInnen können leicht die anatomischen Strukturen in die minimal-invasiven Prozeduren überführen. Der Text ist knappgehalten, ausführlicher und ausreichend verständlich sind die englischsprachigen Legenden zu den einzelnen Abbildungen – es ist eben ein grandioses „Bilderbuch“.

Die Liebe zum anatomischen Detail, die Professor Shinohara hier als Kredo chirurgischer Tätigkeit propagiert und die in seinem Kulturkreis weit verbreitet ist, sollte auch die intrinsische Motivation unseres chirurgischen Nachwuchses beflügeln. Somit ist das vorliegende Werk für ViszeralchirurgInnen bereits in einem frühen Stadium der Ausbildung zu empfehlen.

Schröder W, Bruns C: Rezension: Illustrated Abdominal Surgery. Passion Chirurgie. 2020 10(10): Artikel 04_07.

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Rezension: Perioperative Medizin

Perioperative Medizin – Chirurgie ist mehr als Operieren!
Wolfgang Schwenk, Stephan M. Freys, Jörg C. Kalff
Georg Thieme Verlag 2017, Stuttgart-New York
568 Seiten
€ (D) 99,99
ISBN 9783131772916
Beim Verlag bestellen: https://bit.ly/2N0VwrK

Es gehört schon eine Portion Mut dazu, ein so umfassendes Gebiet wie die perioperative Medizin, das einem kontinuierlichen und exponentiellen Zuwachs medizinischer Erkenntnisse unterworfen ist, auf dem gegenwärtigen Stand des Wissens zur Darstellung zu bringen. Die drei Herausgeber, als Chirurgen alle auf diesem Gebiet spezialisiert und als Experten anerkannt, haben sich dieser Herausforderung mit Hilfe von über 100 weiteren Autoren gestellt. Das Ergebnis ist das erste Buch im deutschsprachigen Raum, welches auf über 500 Seiten umfassend das aktuelle Wissen zur perioperativen Medizin und seinen Randgebieten zusammenfasst. Das ist bemerkenswert.

Die Zielgruppe ist weit gespannt, und das Buch ist – gleichermaßen für den Berufseinsteiger wie für den verantwortlich tätigen Chirurgen – sowohl als gezieltes Nachschlagewerk wie auch für ein umfassendes Selbststudium hervorragend geeignet – und das für Kolleginnen und Kollegen aller chirurgischen Fachdisziplinen.

Das Buch ist mit 10 Kapiteln übersichtlich gegliedert. Von herausragender Qualität sind hier insbesondere die Themen, die Gültigkeit für alle chirurgischen Fachdisziplinen haben, da sie profund und gleichzeitig praxisnah dargestellt sind. Dementsprechend sind die graphisch dargestellten Therapie- und Diagnostikalgorithmen ebenfalls umfassend, auch wenn die farbliche Hinterlegung nicht auf den ersten Blick nachzuvollziehen, sondern nur im Zusammenhang mit dem Text verständlich ist.

Die Kapitel zu spezifischen Besonderheiten der einzelnen chirurgischen Fachdisziplinen geben demgegenüber nur einen ersten Überblick. Es übersteigt schlicht weg die Möglichkeiten eines solchen Buches, das Komplikationsmanagement für die Diversität aller operativer Prozeduren in der Tiefe ausreichend darzustellen, auch wenn hier spezialisierte Fachkollegen für die einzelnen Kapitel engagiert wurden.

Die Online Version, die mit dem Kauf des Buches verlagsseitig zur Verfügung gestellt wird, rundet das Bild eines flexiblen und punktuellen Nachschlagewerkes ab. Es bleibt den Autoren nur zu wünschen, dass die Aktualität dieses Werkes trotz eines exponentiellen Zuwachses an neuen Erkenntnissen auch auf dem Gebiet der perioperativen Medizin zumindest für eine Chirurgengeneration bestehen bleibt.

Ohne jede Frage – Chirurgie ist mehr als Operieren! Und der Chirurg, der dies bisher noch nicht in sein Handeln integriert hat, wird durch das vorgestellte Buch zur perioperativen Medizin auf den richtigen Weg seiner beruflichen Tätigkeit geführt. Insgesamt ein umfassendes, aktuelles und damit hilfreiches Standardwerk für den chirurgischen Alltag.

Schröder W: Rezension: Perioperative Medizin. Passion Chirurgie. 2020 10(7/8): Artikel 04_05.

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Die BDC|Akademie – The Past and the Future

The Past

Was hat die beiden Chirurgen Wolfgang Müller-Osten und Karl Hempel bewegt, im Jahr 1985 für den Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) eine Akademie zu gründen? Es war die Vision einer überregionalen Einrichtung, die für die klinisch tätigen Chirurgen aktuelle und gleichzeitig praxisnahe chirurgische Fort- und Weiterbildung anbietet. Die Vision ist bis heute geblieben, die Struktur und das Angebot der BDC|Akademie haben sich in den vergangenen 35 Jahren grundlegend geändert.

Jens Witte als erster Leiter der BDC|Akademie von 1987 bis 1994 begann das Programm mit einem mehrtägigen Seminar, welches als Repetitorium für die angehenden Fachärzte vor der Facharztprüfung konzipiert war – ein Klassiker, der immer noch angeboten wird und sich entsprechend der aktuellen Weiterbildungsordnung in die acht Säulen der Chirurgie gegliedert hat. 1994 übernahm Michael Betzler die Leitung der Akademie, ihm folgte von 2001 bis 2012 Joachim Jähne, der zusammen mit dem damaligen Geschäftsführer Jörg Ansorg nach Gründung der BDC Service GmbH das Programm der Akademie maßgeblich ausbaute und mit dem Aufbau einer E-Learning Plattform den Einstieg in die Online-Fortbildung entwickelte. 2018 folgte die Umbenennung in Deutsche Akademie für Chirurgische Fort- und Weiterbildung, begründet dadurch, dass die BDC|Akademie als einziger Anbieter mit allen chirurgischen Fachgesellschaften gemeinsam Seminare organisiert und durchführt.

Gegenwärtig umfasst das Programm der Akademie 170 Seminare, Workshops, Hospitationen und Webinare. Mit 235 Veranstaltungstagen und 4.816 Teilnehmern im Jahr 2019 ist die BDC|Akadmie einer der großen Anbieter auf dem deutschen Markt für chirurgische Fort-und Weiterbildung. Das bundesweite Akademieprogramm orientiert sich heute an der traditionellen chirurgischen Karriereleiter, von der studentischen Ausbildung des potenziellen Nachwuchs über die chirurgische Weiterbildung der FacharztanwärterInnen bis hin zur praxisorientierten Fortbildung für die klinisch und niedergelassen tätigen ChirurgenInnen.

Trotz dieser erfolgreichen Entwicklung sind sich alle Verantwortlichen des BDC darüber einig, dass ein grundsätzlicher gesellschaftlicher Wandel, die digitale Transformation sowie berufs- und gesundheitspolitische Vorgaben erheblichen Einfluss auf Fort- und Weiterbildung haben werden und sich das Aufgabenfeld und damit das Programm der BDC|Akademie in der nächsten Dekade deutlich verändern wird.

The Future

Für junge Kolleginnen und Kollegen auf dem Weg zum chirurgischen Facharzt ist die jeweils aktuelle Weiterbildungsordnung (WBO) der Landesärztekammern immer noch das Maß aller Dinge, um für die Facharztprüfung als letzten Schritt der Weiterbildung gut gerüstet zu sein. Für diese Zielgruppe ist somit die inhaltliche Gestaltung von Seminaren als Ergänzung zum ‚Training on the job‘ vorgegeben. Mit Novellierung der Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Bundesärztekammer auf dem Ärztetag in Erfurt 2018 wird sich die Struktur der WBO grundlegend ändern. Im Fokus steht nicht mehr der Operationskatalog mit zu absolvierenden OP-Zahlen in den verschiedenen Organentitäten, sondern der stufenweise Aufbau von fachlicher Kompetenz über „Kennen“, „Können“ bis „Beherrschen“. Der Common Trunk als zweijähriger gemeinsamer Einstieg aller chirurgischen Fachdisziplinen in die Weiterbildung fällt weg. Die neue MWBO wird somit eine Umstrukturierung und Neuausrichtung des Seminar-Portfolios der BDC|Akademie für Facharztanwärter in den nächsten Jahren notwendig machen.

Im Zentrum der Weiterbildung zur chirurgischen Kompetenz wird aber immer das im Fokus stehen, was im klinischen Alltag von den ChirurgenInnen gefordert wird. Bei den praktischen Fertigkeiten wird wohl die Vermittlung der chirurgischen Grundkenntnisse wie beispielsweise Knotenlehre, Instrumentenkunde oder anatomischen Zugangswege unverändert bleiben. Die zunehmende und unausweichliche Spezialisierung in der Chirurgie fordert aber auch in der Weiter- und Fortbildung ihren Tribut. Neben einem enormen theoretischen Wissenszuwachs in allen chirurgischen Disziplinen sind insbesondere durch die Einführung neuer Technologien wie der minimal-invasiven und roboter-gestützten Chirurgie die operative Komplexität bei einer Vielzahl bislang routinemäßig durchgeführter Prozeduren überproportional gestiegen und damit auch ihre Lernkurven prolongiert worden.

Für Einrichtungen wie die BDC|Akademie, die Fort- und Weiterbildung organisieren, hat dies zwei spürbare Konsequenzen. Zum einen sind Hospitationen mit Live-Demonstrationen von OP-Techniken gefragter denn je. Der Markt wird auf diesem Sektor gegenwärtig mit industriellen Angeboten und ihren klinischen Protagonisten geflutet. Zum anderen erfolgt die Verlegung der verlängerten Lernkurven vor die eigentliche Tätigkeit im OP in die verschiedenen Formen der Skills-Labs. Wie kürzlich in einem Beitrag formuliert, erfordert das zukünftige Erlernen von Schlüsselkompetenzen die Integration moderner Simulationstechnik [1]. Neben den klassischen Lernmodellen des humanen Körperspenders und des lebenden Tieres sind es insbesondere das „Virtual-reality“-3D-unterstützte Operieren an Simulatoren, welche eine Reproduzierbarkeit der Aufgabe und damit das motorische Lernen durch Wiederholung erlauben. Ob mit allen Modellen jedoch ein Transfer der in der Simulation erlernten Kompetenz auf die reale Operation möglich ist, wird gegenwärtig kritisch diskutiert. Voraussetzung ist, dass die zu erlernenden Inhalte genau definiert werden und die zeitliche und repetitive Simulationsexposition ausreichend ist. Auch in diesem Sektor hat und wird sich ein großer ökonomischer Markt entwickeln, der das Portfolio von Fort- und Weiterbildungsakademien erheblich beeinflusst.

Der enorme Wissenszuwachs in allen chirurgischen Disziplinen, arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen mit limitierten Arbeitsstunden, aber auch ein hoher Anspruch einer neuen Chirurgengeneration an die Work-Life Balance, machen ein effizientes Lernen und damit auch neue Lernmethoden zwingend notwendig. In einer kürzlich online publizierten Stellungnahme der DGCH zur digitalen Transformation in der Chirurgie [2] wird deshalb eine konsequente Nutzung der Digitalisierung in Edukation und Training gefordert. Gegenwärtig befinden sich Anbieter und Nutzer des digitalisierten Lernens in einem aktiven Prozess der Neuausrichtung und das aktuelle noch überschaubare digitale Angebot muss sich die Akzeptanz der Anwender insbesondere bei den älteren Jahrgängen noch mühsam erarbeiten. Ohne jede Frage wird aber dieser nicht mehr umkehrbare Prozess das Programm der BDC|Akademie in den nächsten Jahren erheblich beeinflussen und finanzielle Ressourcen des BDC binden. Die Akademie hat hier mit der Implementierung von thematisch klar strukturierten Webinar-Reihen, Blended-Learning-Programmen und Kursen in digitalen Skills-Labs den von Jörg Ansorg initiierten Einstieg erfolgreich ausgebaut. In 2020 wird die technisch vollständige Überarbeitung der bestehenden Online-Plattform folgen, die dann eine Vielzahl weiterer bereits in Planung befindlicher E-Learning-Projekte ermöglichen wird.

Eines steht aber auch fest: Mit diesen skizzierten Trends der Spezialisierung sind die Kosten für Fort- und Weiterbildung erheblich gestiegen und die Finanzierung einer BDC|Akademie mit einem solchen großen und veränderten Portfolio wie oben ausgeführt nicht einfacher geworden. Um es auf den Punkt zu bringen. Qualitativ hochwertige Fort- und Weiterbildung ist heutzutage mit Mitgliedsbeiträgen und Erlösen aus den Veranstaltungen allein nicht mehr zu finanzieren, sondern nur mit Unterstützung von industriellen Sponsoren möglich. Unter diesem Aspekt erscheint ein Wettbewerb unter den verschiedenen Anbietern der Fachgesellschaften und Berufsverbänden wie vor 10 Jahre von Joachim Jähne bereits mahnend dargestellt nicht sinnvoll [3], sondern die heutige Redundanz des Angebotes in zentralen Bereichen eher kontraproduktiv. Die Notwendigkeit der Kooperation ergibt sich auch aus der gesetzlich verankerten Pflicht zur zertifizierten Fortbildung (CME), die sich die Landesärztekammern teuer bezahlen lassen. Denn ein relevanter Teil des industriell eingeworbenen Sponsorings für Fort- und Weiterbildung wandert von den Akademien zu den Landesärztekammern, die dann noch die Zusammenarbeit mit der Industrie durch überbordende Compliance-Auflagen zusätzlich erschweren. Auch die BDC|Akademie weiß hier ihr Leid zu klagen.

Die BDC|Akademie ist für die anstehenden Veränderungen ihres Programms gut gerüstet und das aus zwei Gründen: Erstens hat die BDC|Akademie durch ihre Mitglieder ein umfassendes, großes Netzwerk und ist deshalb bei Fachgesellschaften, Verlagen und industriellen Sponsoren ein gefragter Partner. Bei diesen Kooperationen versteht sich die BDC|Akademie als organisatorische Plattform für qualitativ hochwertige Fort- und Weiterbildung. Auch unter diesem Aspekt ist die weitere Zusammenführung des BDC und der DGCH ein wichtiger strategischer Schritt und möglicher Wettbewerbsvorteil. Zweitens aber verfügt der BDC in seinen Reihen über eine große Zahl kreativer und motivierter ChirurgenInnen, die bereit sind, in wissenschaftlich unabhängige Fort- und Weiterbildung zu investieren. Sie sind das eigentliche Kapital der BDC|Akademie und ihnen gilt unser besonderer Dank zum aktuellen Jubiläum.

Literatur

[1] Willy C. Unfallchirurg 2019, 122:481

[2] H.J. Meyer und T. Schmitz-Rixen, www.bdc.de/25-thesen-zur-digitalisierung

[3] Jähne J, Der Chirurg BDC 2010, 4: 221-224

Schröder W: Die BDC|Akademie – The Past and the Future. Passion Chirurgie. 2019 März, 9(03): Artikel 07_01.

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Akademie aktuell: Dr. Hierholzer verabschiedet sich aus der BDC|Akademie

Seit 2004 leitete Dr. Hierholzer die Gutachterseminare der BDC|Akademie, mit Ende dieses Jahres verabschiedet er sich aus Altersgründen aus dem aktiven Akademie-Leben.

Der gebürtige Berliner ging im Rheinland zur Schule, studierte Medizin an der Kölner Universität und kehrte nach Weiterbildungsjahren an der Universität Göttingen und Essen wieder nach Köln zurück. Nach mehreren klinischen Stationen in leitender Funktion arbeitete Dr. Hierholzer bis 2006 als niedergelassener Chirurg, danach weiter als Gutachter für die Berufsgenossenschaften und Sozialgerichte. Von 1996 bis 2006 war er als Vorsitzender des BDC-Landesverbands Nordrhein tätig. Im Juni 2010 wurde Dr. Hierholzer vom BDC für seine Verdienste als langjähriger Landesvorsitzender und für die Leitung der Gutachtenseminare die Wolfgang Müller-Osten-Medaille verliehen.

Dr. med. Ekkehardt Hierholzer

Seine große Leidenschaft ist die Unfallbegutachtung und so organisierte Dr. Hierholzer seit 2004 für die BDC|Akademie mit großem Fachwissen das Seminar: „Begutachtung von Arbeitsunfällen“ und seit 2010 zusätzlich das Seminar „Begutachtung von Berufskrankheiten“. Das Markenzeichen der immer ausgebuchten Veranstaltungen war, dass sie in den Sitzungssälen der Kölner Sozialgerichte stattfanden, zu denen Dr. Hierholzer einen persönlichen Kontakt pflegte. Er war davon überzeugt, dass die alleinige Erfüllung der gesetzlichen Verpflichtungen seitens der Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) für die Durchgangsärzte nicht ausreichend ist, um in der gutachterlichen Beurteilung von Arbeitsunfällen fachlich fundiert argumentieren zu können. Eine auf die Praxis bezogene intensive Ausbildung rund um das Thema Gutachten war sein Kernanliegen bei der Planung und Gestaltung der Seminare. Die Organisation der Seminare in der Zusammenarbeit mit der BDC|Akademie war über alle Maßen professionell und angenehm. Die Zahlen sprechen für sich: Insgesamt konnten in den 15 Jahren seiner Tätigkeit in 26 Seminaren über 1.400 Teilnehmer von seiner Erfahrung lernen und profitieren. Kaum ein anderer Seminarleiter hat das bisher geschafft!

Die Leitung der BDC-Gutachterseminare wurde bereits im letzten Jahr an Dr. Boxberg, Vorstand des Bundesverbandes der Durchgangsärzte e.V. (BDD) übergeben. Die letzten Seminare wurden von Dr. Hierholzer dieses Jahr wie gewohnt erfolgreich in Köln und München geleitet.

Der Präsident mit dem erweiterten Vorstand des BDC sowie die Leitung der BDC|Akademie danken Herrn Dr. Hierholzer für sein außergewöhnlich großes und überragendes Engagement in der chirurgischen Fort- und Weiterbildung.

Meyer HJ, Schröder W: Akademie aktuell: Dr. Hierholzer verabschiedet sich aus der BDC|Akademie. Passion Chirurgie. 2019 Dezember, 9(12): Artikel 04_010.

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Das Jahresprogramm 2020 der BDC|Akademie

Mit dem Jahresprogramm 2020 heißt die Deutsche Akademie für Chirurgische Fort- und Weiterbildung alle BDC-Mitglieder herzlich willkommen und freut sich, Ihnen wieder aufs Neue ein umfassendes Angebot zur chirurgischen Fort- und Weiterbildung vorstellen zu können.

Auch dieses Jahr bleibt das grundlegende Konzept der BDC|Akademie entsprechend seiner satzungsgemäßen Aufgaben unverändert: Ein auf den chirurgischen Alltag fokussiertes, übersichtlich gegliedertes Programm für alle chirurgischen Fachdisziplinen, welches sich an der chirurgischen Karriereleiter vom Berufseinsteiger über den Facharzt bis zum Chirurgen in Leitungsfunktion orientiert. Das Programm in seinem neuen Format wurde in 2019 von den BDC-Mitgliedern mit erfreulich guter Resonanz angenommen, sodass auch in 2020 das Design mit einem neuen Satz fotorealistischer Darstellungen beibehalten wurde. Erfolgreich fortgesetzt wurde auch die Strategie, Kooperationen mit anderen Berufsverbänden, Fachgesellschaften, Sponsoren aus der Industrie und Verlagspartnern für verschiedene Projekte einzugehen, um gemeinsam die Qualität des angebotenen Programmes weiterhin hoch zu halten.

Neue stellvertretende Leiter

Prof. Dr. med. Julia Seifert und Prof. Dr. med. Michael Paul Hahn sind neue stellvertretende wissenschaftliche Leiter der BDC|Akademie.

In diesem Jahr gab es zwei wesentliche Veränderungen in der Personalstruktur der BDC|Akademie. Um das Angebot im Gebiet der Unfallchirurgie und Orthopädie entsprechend der Mitgliederstruktur des BDC zukünftig weiter auszubauen, ist die Leitung der BDC|Akademie hier gezielt erweitert worden. Die beiden Kollegen arbeiten seit vielen Jahren in der Unfallchirurgie in leitender Position und werden über ihr umfassendes Netzwerk das Portfolio der BDC|Akademie strategisch neu ausrichten. Nach dem tragischen Ausscheiden des früheren Geschäftsführers ist diese Position in der BDC-Geschäftsstelle nun neu besetzt worden. Die jetzige Amtsinhaberin bringt durch ihre frühere Tätigkeit ebenfalls viel Expertise in die Arbeit der BDC|Akademie mit ein.

Die BDC|Akademie stellt sich vor, v. l. n. r.: Dr. phil. N. Kandinskaja, Prof. Dr. J. Seifert, Prof. Dr. M. Hahn, Dr. F. Burgdorf, B. Winkler, H. Becker, J. Dreusch, S. Joachimi, Prof. Dr. W. Schröder

Die Rahmenbedingungen für die Organisation und Durchführung einer chirurgisch zielgerichteten Fort- und Weiterbildung sind auch in diesem Jahr spürbar aufwändiger geworden. Das betrifft zum einen die Unterstützung der Industriepartner, die sich schwertun, die regulierenden gesetzlichen Auflagen der Compliance unter strenger Beobachtung der Öffentlichkeit zu erfüllen. Auch die Landesärztekammern, verantwortlich für die erforderlichen Zertifizierungen, tragen sicherlich ihren Teil zu dieser Entwicklung bei. Zum anderen schränkt der steigende ökonomische Druck in den Krankenhäusern die Möglichkeit ein, Referenten, Tutoren und Seminarleiter für ihre überwiegend freiwillige Tätigkeit freizustellen, obwohl das gesamte Gesundheitssystem und insbesondere viele Krankenhausträger auf eine qualifizierte Fort- und Weiterbildung angewiesen sind und hiervon nur profitieren können. Deshalb ist die BDC|Akademie auch in diesem Jahr allen Chirurginnen und Chirurgen, die an der Gestaltung und Umsetzung des Jahresprogrammes 2020 mitwirken, zu besonderem Dank verpflichtet.

Wir wünschen allen BDC-Mitgliedern viel Freude bei der Lektüre dieses Programms.

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Meyer HJ, Schröder W: Das Jahresprogramm 2020 der BDC|Akademie. Passion Chirurgie. 2019 Dezember, 9(12): Artikel 04_01.

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Willkommen zum Jahresprogramm 2019 der BDC|Akademie

Es ist unübersehbar, dass sich die BDC|Akademie mit ihrem aktuellen Programm 2019 in einem neuen Format präsentiert und sie heißt alle Chirurginnen und Chirurgen aufs Neue herzlichst willkommen. Das neue Design entspricht dem, wofür die BDC|Akademie mit ihrem Angebot seit vielen Jahren steht: ein klar gegliedertes und umfassendes Angebot für bewährte und zugleich innovative chirurgische Fort- und Weiterbildung für alle im deutschsprachigen Raum tätigen Chirurginnen und Chirurgen.

Aber nicht nur die Form hat sich geändert, sondern auch der Name der BDC|Akademie wurde entsprechend ihrem Stellenwert auf dem Fort- und Weiterbildungsmarkt angepasst. Für alle chirurgischen Disziplinen hat die BDC|Akademie wieder fachübergreifende und fachspezifische Veranstaltungen in ihrem Portfolio zu bieten. Der neue Name „Deutsche Akademie für chirurgische Fort- und Weiterbildung“ wird diesem breiten Spektrum gerecht. Alle berufstätigen chirurgischen Kolleginnen und Kollegen sollen sich im Programm der BDC|Akademie wiederfinden und angesprochen fühlen – unabhängig davon in welchem Bereich sie arbeiten.

Mit unserem aktuellen Angebot leisten wir auch dieses Jahr einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung chirurgischer Kompetenz – auf allen Karrierestufen und für alle Fachdisziplinen.

Die Idee einer Deutschen Akademie für chirurgische Fort- und Weiterbildung greift aber noch weiter. Der BDC ist der festen Überzeugung, dass zukünftige innovative Fort- und Weiterbildungskonzepte nur dann erfolgreich umgesetzt werden können, wenn Kooperationen aktiv vorangetrieben und ausgebaut werden: Kooperationen mit Akademien anderer Berufsverbände und Fachgesellschaften sowie Industrie- und Verlagspartnern. Diese Zusammenarbeit soll nicht nur helfen, unübersehbare Redundanzen der jeweiligen Angebote zu vermeiden, sondern auch moderne multimediale, aber kostenintensive Lernkonzepte zu implementieren. Hier hat die BDC|Akademie ihr Netzwerk in den letzten Jahren deutlich ausgebaut.

Die erfolgreiche Arbeit unserer Akademie wäre nicht möglich ohne das große Engagement und die fachliche Kompetenz aller beteiligten Referenten, Tutoren und Seminarleiter. Sie sind nach wie vor die entscheidende Säule für das umfassende Fort- und Weiterbildungsprogramm, das die BDC|Akademie Jahr für Jahr für die chirurgisch tätigen Kolleginnen und Kollegen aller Fachdisziplinen auf den Markt bringt. Ihnen möchten wir für die geleistete Arbeit und die Verbundenheit zum BDC unseren besonderen Dank aussprechen.

Bei Fragen wenden Sie sich an die Mitarbeiterinnen der BDC|Akademie unter Tel: 030/28004-120 oder per E-Mail: [email protected]

Schröder W: Willkommen zum Jahresprogramm 2019 der BDC|Akademie. Passion Chirurgie. 2018 Dezember, 8(12): Artikel 04_01.

 

Jahresprogramm 2019 der BDC|Akademie
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Editorial: Globale Gesundheit – Was können wir beitragen?

In der letzten Ausgabe ‚Der Chirurg‘ (Ausgabe März 2018) war das Leitthema die Globalisierung in der Chirurgie. Hier wurde in einem bemerkenswerten Artikel herausgestellt, dass mit dem Global-Health-Care-Konzept das zentrale Grundrecht eines jeden Menschen auf Gesundheit verbunden ist [1]. Die Umsetzung eines solchen Konzeptes verlangt die Priorisierung von Gesundheit als politisches Ziel auf nationaler Ebene – dieses in Kombination mit Strukturhilfen, die den lokalen Gegebenheiten angepasst sind. Gesundheit des Einzelnen erfordert eine gesamtgesellschaftliche Strategie mit klinischer Individualmedizin.

Die Realität sieht allerdings anders aus. Drei Viertel der weltweit getätigten Operationen werden an einem Drittel der Weltbevölkerung durchgeführt. Gegenwärtig haben 5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu adäquater und bezahlbarer chirurgischer und anästhesiologischer Versorgung. Mangelnde chirurgische Versorgung ist somit eine der wesentlichen Ursachen für unzureichende globale Gesundheit. Schätzungen für das Jahr 2010 gehen von annährend 17 Millionen Toten aus, die an grundsätzlich zu therapierenden chirurgischen Erkrankungen verstorben sind. Unfälle und deren Folgeerkrankungen sind hier die führenden Ursachen. Etwa 90 % der unfallbedingten Todesfälle und dauerhaft körperlichen Schäden werden in Ländern mit niedrigem und mittlerem Pro-Kopf-Einkommen registriert. Hier ist die Wahrscheinlichkeit an Unfallfolgen zu versterben sechs Mal höher als bei uns. Der Fachkräftemangel und die ökonomische Situation der Patienten in diesen Ländern spielen hierbei eine zentrale Rolle.

Was können wir als Chirurgen hier in einem westlichen Industriestaat mit allen Möglichkeiten einer umfassenden medizinischen Versorgung tun? Zuallererst wollen die Gestalter dieses Themenheftes an die Verantwortung der einzelnen Chirurginnen und Chirurgen an das Konzept der globalen Gesundheit erinnern und auch dafür werben. Aber es geht um mehr. Abseits der täglichen Herausforderungen in Klinik und Praxis, die zunehmend von ökonomischen Kennzahlen geprägt sind, bleibt der Beruf als Chirurgin und Chirurg eine der vielfältigsten, extrem fordernden und damit befriedigenden Tätigkeiten in der Medizin. In keinem Fachbereich der Medizin ist die unmittelbare Wirkung der Arbeit so sichtbar, kann mit dem „Handwerk“ so direkt Einfluss auf das Leben und die Lebensqualität genommen werden. Und das weltweit, denn die Grundlagen unseres Faches, der komplizierte Bauplan des menschlichen Körpers, sind unabhängig von jeder technischen Entwicklung in der Chirurgie überall identisch. Der Chirurg kann mit seiner Erfahrung, seinen Händen und einfachsten technischen Mitteln Menschen in der ganzen Welt helfen – Menschen, die wie Zahlen zeigen, diese chirurgische Versorgung und humanitäre Zuwendung dringend benötigen.

Und auch das soll dieses Themenheft zeigen: Die Hürden für einen aktiven Einstieg in die chirurgischen Hilfsprogramme sind nicht unüberwindbar. Die Programme der einzelnen Organisationen, die sich hier vorstellen, richten sich nicht zuletzt an den chirurgischen Nachwuchs, der bereit ist, ein Stück die eigene Komfortzone zu verlassen und spektakuläre Erfahrungen in einer völlig anderen Welt zu sammeln. Auch diese Befriedigung kann Teil des chirurgischen Berufes sein.

Es würde die Autoren und Herausgeber freuen, wenn sich die Leser dieser Beiträge – wenn auch nur für einen kurzen Moment – in die chirurgische Welt der Entwicklungsländer entführen ließen.

[1] H. Mothes, M. Gruendl. Global Health Care. Der Chirurg 2018, 89:172-177

Schröder W, Homann H: Editorial Globale Gesundheit – Was können wir beitragen? Passion Chirurgie. 2018 Juli; 8(07): Artikel 01.

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Editorial: Intensivmedizin und Chirurgie

Intensivmedizin und Chirurgie: zwei Disziplinen, die im chirurgischen Alltag nicht voneinander zu trennen sind. Nur wenn Chirurginnen und Chirurgen die Grundlagen der Intensivmedizin beherrschen, sind sie in der Lage, den postoperativen Verlauf richtig zu bewerten und das Komplikationsmanagement ihrer Eingriffe sicher zu beherrschen. Deshalb ist es nach wie vor erforderlich, das Thema Intensivmedizin in die Weiter- und Fortbildung junger Kolleginnen und Kollegen zu integrieren und es ist deshalb seit vielen Jahren fester Bestandteil in den Programmen der BDC|Akademie.

Als wissenschaftlicher Leiter des BDC-Workshops Intensivmedizin geht Dr. Hans Fischer der Frage „Warum Intensivmedizin in der Chirurgie?“ in dieser Ausgabe der PASSION CHIRURGIE auf den Grund. Mit seinen Workshops bereitet er seit vielen Jahren Berufseinsteiger auf die intensivmedizinischen Anforderungen der Weiterbildung vor und weiß genau, worauf es ankommt.

Die BDC|Akademie hat aber noch einen weiteren Workshop zum Thema Intensivmedizin im Angebot. Machen Sie sich selbst ein Bild von den Inhalten und bisherigen Erfahrungen dieses Workshops, der in einem der modernsten Trainingszentren und in enger Anbindung an eine große interdisziplinäre Intensivstation eines Krankenhauses der Maximalversorgung veranstaltet wird (Workshop ‚Intensivmedizin und Reanimation‘).

Die genannten Workshops sind natürlich nur ein Teil der Veranstaltungen, zu denen wir Sie 2018 herzlich einladen. Im Jahresprogramm 2018 finden Sie wie jedes Jahr ein breites Fort- und Weiterbildungsangebot für Chirurginnen und Chirurgen – von Berufseinsteigern bis zu klinisch tätigen Chirurgen. Der Jahresbeginn ist schließlich ein guter Zeitpunkt, den individuellen Fortbildungskalender für das Jahr zu planen.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre dieser Ausgabe und möchte Sie im Namen des gesamten Vorstandes auch an dieser Stelle noch einmal zum Bundeskongress Chirurgie ab dem 23. Februar 2018 einladen. Wir freuen uns, Sie in Nürnberg zu treffen.

Ihr
Wolfgang Schröder

Rechtsberatung auf dem Bundeskongress

BDC-Justitiar Dr. J. Heberer berät Sie an beiden Tagen jeweils in der Zeit von 11:00 bis 13:00 Uhr auf dem BDC-Stand.

Versicherungsberatung auf dem Bundeskongress

Der Ecclesia Versicherungsdienst bietet eine Beratung am BDC-Stand an, nach nach Bedarf während der Kongressöffnungszeit.

Schröder W: Editorial Intensivmedizin und Chirurgie. Passion Chirurgie. 2018 Februar; 8(02): Artikel 01.
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Akademie Aktuell: Alles unter einem Dach

1985 nahm die neu gegründete BDC|Akademie ihre Arbeit unter Jens Witte auf und initiierte die ersten Seminare für den „Facharzt Chirurgie“. Generationen von jungen Chirurginnen und Chirurgen nutzten diese Gelegenheit, sich am Ende ihrer sechsjährigen Weiterbildungszeit noch einmal gezielt auf ihre Facharztprüfung vorzubereiten. Die Seminare wurden bundesweit zum Markenzeichen chirurgischer Weiterbildung. Die zunehmende und notwendige Spezialisierung in der Chirurgie führte letztendlich zur Gründung der verschiedenen Fachgesellschaften unter der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) als Muttergesellschaft. Die Weiterbildungsordnung wurde angepasst und aus dem Gebiet „Chirurgie“ entstand das Säulenmodell mit ihren acht spezifischen Facharztweiterbildungen und dem Common Trunk als verbindende Basis. Viele dieser Fachgesellschaften gründeten eigene Akademien für die fachspezifische Fort- und Weiterbildung ihrer Mitglieder. Mittlerweile ist das Angebot auf dem Weiterbildungsmarkt kaum mehr zu überschauen, Redundanzen machen die Auswahl nicht einfacher.

Im letzten Jahr startete die BDC|Akademie zusammen mit der DGCH eine erste Initiative, das gegenwärtige Angebot chirurgischer Fort- und Weiterbildung neu darzustellen und lud alle Fachgesellschaften zu einer ersten Diskussion ein. Alle Vertreter stimmten zu, die Programme ihrer Akademien mit einem gemeinsamen Internetauftritt übersichtlich zu präsentieren. Auf der Website der DGCH entstand Anfang dieses Jahres eine Plattform, die es allen interessierten Chirurginnen und Chirurgen ermöglicht, einen schnellen Überblick über die gegenwärtigen Fort- und Weiterbildungsstrukturen der Fachgesellschaften und Berufsverbände zu gewinnen.Seit vielen Jahren sind die Facharztseminare der Säulen Allgemeine Chirurgie, Viszeralchirurgie sowie Orthopädie und Unfallchirurgie fester Bestandteil im Programm der BDC|Akademie, ihr Zulauf ist unverändert hoch. Zu den Klassikern zählt auch das Facharztseminar „Gefäßchirurgie“, das mit kurzer Unterbrechung seit 1995 in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG) angeboten wird.

Seit 2011 wird das Programm durch das Facharztseminar „Thoraxchirurgie“ gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) ergänzt. Mit dem Jahresprogramm 2018 ist der BDC|Akademie ein weiterer Schritt in Richtung Programmerweiterung gelungen. Für März 2018 wurde zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Plastische Chirurgie (DGPRÄC) ein vollständig neues Seminarprogramm für die Facharztprüfung unter Mitwirkung der Assistentenvertreter aufgelegt. Zusätzlich wurde mit der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) und der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) vereinbart, deren vorbereitenden Facharztseminare im Jahresprogramm der BDC|Akademie mit aufzunehmen und zu bewerben.

Damit sind seit Gründung der BDC|Akademie auf dem Sektor der Facharztseminare wieder alle Fachgesellschaften unter einem Dach vereint.Die Vorteile liegen für alle Beteiligten auf der Hand. Die DGCH als größte chirurgische wissenschaftliche Gesellschaft und der BDC als mitgliedsstärkster Verband können alle Seminare über ihre Verteiler einem breitem Publikum online zugängig machen und helfen somit bei der Bewerbung dieser Veranstaltungen. In diesem Konzept versteht sich die BDC|Akademie als organisatorische Plattform, die Hoheit über die inhaltliche Gestaltung verbleibt ausschließlich bei den Fachgesellschaften. Dieser Schritt in Richtung gemeinsamer Organisationsstrukturen findet auch bei der Industrie entsprechende Zustimmung. Die BDC|Akademie freut sich über diese positive Entwicklung und dankt allen beteiligten Fachgesellschaften für dieses Zeichen der Gemeinsamkeit innerhalb der Chirurgie.

Schröder W, Meyer HJ: Akademie Aktuell: Alles unter einem Dach. Passion Chirurgie. 2018 Januar, 8(01): Artikel 04_01.

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