Alle Artikel von Matthias Krüger

Editorial: Digitalisierung im Gesundheitswesen!

Was macht die Digitalisierung mit dem Arztberuf? Digitalisierung ist zurzeit in aller Munde. Jeder glaubt hier mitreden zu müssen oder zumindest zu können. Aber Digitalisierung in der Medizin ist viel mehr als nur Smartphone, iPad, Laptop oder Apps.

Seit Jahren fasziniert mich die Digitalisierung und insbesondere deren enormes Potenzial für die medizinische Versorgung unserer Patienten und den medizinischen Fortschritt in Wissenschaft- und Medizintechnik. Kliniken und Praxen sind von der Digitalisierung und dem Internet abhängig geworden. Aber wie können wir dieses enorme Potenzial wirklich ausschöpfen?

Ich denke, wir stehen hier erst am Anfang einer spannenden Entwicklung. Wir Mediziner und Ärzte müssen uns mit diesem Thema verantwortungsvoll beschäftigen. Die Digitalisierung in der Medizin und was diese mit und aus dem Arztberuf macht, sollten wir aktiv begleiten. Der Motor dieser Entwicklung müssen wir Ärzte und Mediziner sein. Nur dann können wir sicher sein, dass uns diese Entwicklungen nützen und uns nicht überrennen oder sogar überfordern. Digitalisierung und deren Transformation ins Gesundheitswesen finden schon längst statt. Aber wer ist Treiber dieser Entwicklung? Leider nicht wir Mediziner! Dies muss sich ändern! Die Digitalisierung in Praxen und Kliniken bedarf der ärztlichen Kompetenz.

Fast jede Woche finden Konferenzen, Symposien und Kompetenzveranstaltungen statt, bei denen über Digitalisierung im Gesundheitswesen und deren Transformation, Smart Hospitals*, Digital Health usw. diskutiert wird. Schnell wird aber klar, dass ärztliche Kompetenz hier nicht immer gegeben ist. Es wird zurzeit viel diskutiert, nur ändert sich sehr wenig. Vielfach verliert man sich im „klein-klein“. Ob das Fax noch das richtige Medium ist, brauchen wir den eKrankenschein usw. Es scheitert zurzeit an der Logistik und an den Kosten. Digitalisierung kostet Geld, vielleicht mehr als wir zurzeit wirklich ahnen und bereit sind zu zahlen. Der Wille ist allenthalben vorhanden. Aber wir müssen uns auch darüber unterhalten, wer diese Digitalisierung finanziert. Alle möchten eine moderne und fortschrittliche Medizin. Diese wird es aber nicht zum Nulltarif geben.

Die Digitalisierung bietet für die Zukunft der Medizin enorme Chancen. Ich bin der festen Auffassung, dass diese digitale Transformation die Medizin enorm verbessern wird. Nein, sie wird sie sogar auf eine neue Qualitätsstufe heben. Aber, ist dann diese Medizin noch ein attraktives Berufsfeld? Ich glaube ja.

In diesem Heft wollen wir ein paar dieser Problemfelder schwerpunktmäßig bearbeiten. Uns ist bewusst, dass dies nicht abschließend sein kann. Das Feld der Digitalisierung ist so weit und das Thema so komplex, dass wir Bände füllen könnten. Wir versuchen nun einen ersten Anfang, Sie liebe Kolleginnen und Kollegen, in die Thematik ein wenig einzuführen. Es werden weitere Schwerpunkthefte zu diesem Thema folgen*.

Ich bin gespannt auf Ihre Reaktionen und fordere Sie aktiv auf, mit mir zu diskutieren, was Digitalisierung für uns bedeutet. Lassen Sie uns über die Möglichkeiten, aber auch über die Grenzen der Digitalisierung diskutieren, nur so können wir Ängste und Verlustaversionen begegnen. Denn eins ist klar und unaufhaltsam: Die Digitalisierung wird den Arztberuf und die Medizin radikal verändern. Wir sollten Motor und nicht Hemmschuh dieser Entwicklung sein.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre und verbleibe mit vielen digitalen Grüßen, Ihr Matthias Krüger

*Im Februarheft 2020 mehr zu diesem Thema!

Krüger M: Digitalisierung im Gesundheitswesen! Passion Chirurgie. 2019 November; 9(11): Artikel 01.

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Kommentar oder doch eher ein Essay zu „Pflegepersonaluntergrenzen: Ziel verfehlt“

Zum Artikel von Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG): Baum G: Pflegepersonaluntergrenzen: Ziel verfehlt. Passion Chirurgie. 2019 September, 9(09): Artikel 05_01.

Zukunft gestalten, anstatt auf diese zu warten, war sicherlich neben dem Fachkräftemangel einer der Beweggründe der Politik für die Einführung der Pflegepersonaluntergrenzen. In der IT-Branche ist es schon so, dass die Gewinnung eines neuen Mitarbeiters vergleichbar mit der Akquise eines neuen Kunden ist. In vielen Kliniken ist es ebenso. Wobei unser gemeinsamer Patient der Kunde ist. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) führt viele Argumente an, warum das Ziel verfehlt wurde. Einige sind richtig, aber andere verschleiern nur die wirklichen Ursachen.

Richtig ist, dass sich der Fachkräftemangel in der Pflege dramatisch verschärfen wird. Die Gründe sind allen bekannt und vielfältig. Diese Untergrenzen werden den Fachkräftemangel nicht von heute auf morgen lösen können. Vielleicht werden sie diesen sogar noch verstärken. Sie haben aber zu einer längst überfälligen und wichtigen Diskussion geführt. Wie viele Pflegekräfte benötigen wir am Patienten? Hier tappen wir nach wie vor noch im Dunkeln und verlassen uns auf gefühlte Zahlen. Jeder hat seine eigenen und hält diese für richtig. Der Fachkräftemangel hat sehr viel mit der Attraktivität des Pflegeberufes, aber noch viel mehr mit der Attraktivität des Arbeitsortes Krankenhaus und Pflegeeinrichtung zu tun. Jetzt so zu tun, als sei die Politik am Fachkräftemangel schuld, ist zu einfach. Die Politik versucht nur mit ihren Möglichkeiten darauf zu reagieren, dass die Krankenhäuser und Pflegeinrichtungen in den letzten Jahren mit einem dramatischen Abbau von Pflegekräften begonnen haben. Pflegekräfte wie Ärzte werden in den Kranken- und Pflegeeinrichtungen vielfach immer noch als Kostenfaktoren betrachtet. Das ist schlicht falsch!

Die Pflegekräfte sind mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden. Dies bleibt natürlich dem Nachwuchs nicht verborgen. Wo Wertschätzung an Hand von Case Management (CM) und dem Case Mix Index (CMI) oder Fallzahlen honoriert werden, muss man sich nicht wundern, dass die junge Generation andere Berufsfelder attraktiver finden. In einer Analyse der Hans Böckler Stiftung aus dem Jahre 2018 kümmerte sich in Deutschland eine Pflegkraft um ca. 13 Patienten. Deutlich mehr als in den USA mit 5,3 und den Niederlanden mit 6,9 Patienten pro Pflegekraft. Natürlich ist in diesen Ländern eine andere Krankenhausstruktur vorhanden. Verstärkend wirkt, dass der durchschnittliche Jahreszuwachs an Pflegekräften in den Jahren 2000 bis 2007 in Deutschland mit durchschnittlich 1,5 Prozent ein halbes Prozent weniger als der OECD-Durchschnitt betrug. Diese Mehrbelastung der Pflegekräfte der vergangenen Jahre, um Personalkosten zu reduzieren, wird jetzt zum Bumerang für die Kliniken. Es müssen Intensivstationsbetten geschlossen und Operationen können nicht durchgeführt werden, weil Fachkräfte fehlen. Dies liegt aber nicht an den Pflegepersonaluntergrenzen. Vielfach wird nun mit „Kopfprämien“ reagiert anstatt mit Marke. Wie müssen sich die Pflegkräfte fühlen, die in diesem Krankenhaus jahrelang den „Laden am Laufen gehalten haben“ und die nun miterleben müssen, dass die neue Pflegkraft bis zu 10.000 Euro als Einmalzahlung bekommt, wo früher nicht einmal Geld für Weihnachtgeld übrig war. Was macht dies mit der Motivation? In einer Umfrage an 5.057 Pflegekräften und 302 Pflegekräften in der Chirurgie aus dem Jahre 2016 gaben nur ca. 40 Prozent der Pflegekräfte an, gern zur Arbeit zu gehen. In der Chirurgie sogar nur 30 Prozent. 55 Prozent unter den Pflegekräften empfinden ihren Arbeitsplatz als gut. In der Chirurgie weniger als die Hälfte (40 Prozent). Weiterhin würden nur gut 54 Prozent der Pflegekräfte den Arbeitgeber weiterempfehlen. In der Chirurgie sogar nur 37 Prozent. Nur 52 Prozent bei den Pflegekräften allgemein und nur 36 Prozent rein für die Chirurgie finden, dass ehrliche und ethische Geschäftspraktiken in ihren Kliniken Verwendung finden [1]. Dies zeigt doch eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz Krankenhaus.

Die Politik und auch Krankenkassen sind an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig, da diese den steigenden Investitionsbedarf einer modernen Medizin auf die Krankenhäuser abwälzen. Diese reagierten bisher mit Personaleinsparungen und Fallzahlerweiterungen, um diese Investitionen finanzieren zu können. Wir behandeln immer mehr Patienten in immer kürzeren Zeitfenstern. Dies führt zu einer Mehrbelastung des Personals! Das DRG-System ist nicht geeignet, die Personalkosten adäquat abzudecken. Dies sollte die Politik als Auftrag verstehen, hier nachzubessern.

Richtig ist aber auch, dass man klinische Belastungen gerade in der Unfallchirurgie nicht planen kann. Gerade bei witterungsbedingter Unwegsamkeit, kann sich binnen weniger Stunden die Patientenzahl drastisch erhöhen. Man käme auch nicht auf die Idee, einen Feuerwehrstützpunkt zu schließen, nur weil es ein Jahr lang keinen Einsatz gab. Hier sind starre Pflegepersonaluntergrenzen sinnlos, da diese eher nach oben korrigiert werden sollten. Es sei die Frage gestattet, ob ein Fachkräftemangel zu Lasten der Behandlungsqualität unserer gemeinsamen Patienten führen darf. Hier muss man eine flexible Einsatz- und Personalplanung von Seiten der Kliniken fordern. Diese sollte sich an den Untergrenzen plus x orientieren. Wer nur die Personaluntergrenzen im Fokus hat und sich daran entlanghangelt wird in Zukunft Probleme bekommen. Die Etablierung von Personalpools ermöglicht hier einen flexiblen Einsatz der Pflegekräfte. Diese Vorhaltekosten gilt es durch das Gemeinwesen zu finanzieren und auf Plausibilität zu prüfen. Jede Klinik kann ja über die Personaluntergrenzen einstellen und hat dann wieder genug Puffer für Extrembelastungen. Sich immer nur an den Untergrenzen zu orientieren, halte ich für falsch. Ja, der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Dies ist aber nicht Folge der Personaluntergrenzen. Die Ursachen des Fachkräftemangels liegen Jahre zurück und sind zum Teil hausgemacht. Hier fehlt mir ein wenig Ehrlichkeit und Selbstkritik der DKG. Es offenbart sich eine Denkweise von scheinbar zu vielen Krankenhäusern die Mitarbeiter gerade im pflegerischen wie ärztlichen Bereich als Kostenfaktoren betrachten. Ja, die Personalkosten im Krankenhaus und in den Pflegeeinrichtungen sind der größte Kostenblock. Sie sind aber auch die Leistungserbringer am Patienten. Hieran orientiert sich die Qualität der Behandlung und Betreuung unserer gemeinsamen Patienten. Hier ist Kostenreduktion falsch. Solange man diese Mitarbeiter rein als Kostenfaktoren betrachtet, wird sich am Personalmangel in Zukunft nichts ändern. Wertschätzung der Leistung beginnt eben auch und insbesondere mit guten Arbeitsbedingungen. Viele Krankenhäuser versuchen nun panisch gegenzusteuern. Vielleicht schon zu spät.

Richtig ist zudem auch, dass ein großer Teil der täglichen Arbeitszeit mit Dokumentation verbracht wird. Hier müssen moderne Kommunikations- und Dokumentationsmedien Einzug in den klinischen Alltag (Stichwort „Digitalisierung“) finden. Man muss aber auch diesen Dokumentationswahnsinn ein wenig eindämmen. Vielfach erfolgt diese Dokumentation nur um den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere Anfragen zu befriedigen und haben keinen Mehrwert in der Verbesserung der Behandlungsqualität unserer Patienten.

Zur Wahrheit gehört auch, dass erst nachdem die Politik agiert hat, die DKG nun reagiert. Man muss sich schon fragen, warum erst jetzt die DKG, ver.di und der Deutsche Pflegerat ein Personalbemessungsinstrument erarbeiten. Scheinbar glaubte man warten zu können und hat die Rasanz nicht erkannt oder unterschätzt. Und man darf postulieren, dass es wieder eher um Kosten auf Seiten der DKG ging und weniger um Leistung und Wertschätzung. Die DKG hat viel wertvolle Zeit verstreichen lassen, denn die Entwicklung war lange vorher absehbar. Es wird nun wohl Jahre dauern, diese Defizite aufzuholen. Ideen sind gefragt! Kosten reduzieren bzw. ein Einsparpotenzial generieren, werden diese nicht! Das sollte allen bewusst sein.

Ja, das Ziel wurde verfehlt, dies aber nach sechs Monaten allein der Politik anzulasten ist falsch. Zukunft gestalten, anstatt auf diese zu warten, sollten wir nicht nur der Politik überlassen. Das Krankenhaus der Zukunft ist mehr als eine reine Krankenanstalt.

Literatur

[1] Borgelt S. / Metz A. / Langer D. Kulturwandel im Krankenhaus. Passion Chirurgie. 2016 März, 6(03): Artikel 02_03.

Krüger M: Kommentar oder doch eher ein Essay zu „Pflegepersonaluntergrenzen: Ziel verfehlt“. Passion Chirurgie. 2019 Oktober, 9(10): Artikel 05_01.

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Das Referat für Chirurgie, Ökonomie und Zukunftsfragen stellt sich vor

Die im April dieses Jahres neu in Kraft getretene Satzung des BDC sieht Themenreferate vor, um die vielfältigen Sachfragen des Berufsverbandes für seine Mitglieder noch effizienter und zielführender zu strukturieren. Die Anforderungen der täglichen Arbeit von Chirurginnen und Chirurgen gehen heutzutage weit über medizinische Fragestellungen hinaus. Keiner von uns kann sich den Aspekten der Ökonomie entziehen. Jährlich steigende Personal- und Sachkosten fordern höhere Renditen, um kostendeckend arbeiten zu können. Eine duale Finanzierung ist vielerorts schon lange nicht mehr gegeben. Über diese Stellschrauben wird die politisch gewollte Reduktion von Krankenhausbetten nach der stattgehabten Qualitätsoffensive definitiv erzwungen. Laut aktuellsten Prognosen droht ca. 20 Prozent der Krankenhäuser die Insolvenz. Selbst bekannte private Träger sind von dem Kliniksterben betroffen. Die Ökonomisierung ist jedoch nur ein Problemkreis. Chirurgie 4.0 – Chirurgie im Zeitalter der Digitalisierung ist ein weiterer Themenschwerpunkt. Die medizinisch-chirurgische Versorgung unserer Patienten und die damit einhergehenden Arbeitsbedingungen werden sich in den nächsten Jahren ändern. Zukunftsfragen wie die Digitalisierung, der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Medizin, der Robotik, der zunehmende Fachkräftemangel sowie die notwendigen Modernisierungen der medizinischen Versorgungsstrukturen werden die Chirurgie in Deutschland vor enorme Herausforderungen stellen. Die Attraktivität des Berufes und des Arbeitsortes Krankenhaus bzw. Praxis drohen davon maßgeblich beeinflusst zu werden.

Aufgrund dieser Brisanz wurde das Referat „Chirurgie, Ökonomie und Zukunftsfragen“ geschaffen. Ziel ist, uns bestmöglich auf die bevorstehenden Herausforderungen der nächsten Jahre vorzubereiten. Der unkonventionelle Blick über den bekannten Tellerrand hinaus gehört ebenfalls zur Klaviatur unserer Lösungsansätze. Wir müssen Taktgeber gewisser Entwicklungen sein. Nur wir haben die medizinische Expertise und Erfahrung. Es reicht heute nicht mehr aus, nur noch den „berühmten Finger in die Wunde zu legen“. Gemeinsam mit Ihnen möchte das Referat Analysen und ggf. Projekte und Szenarien entwickeln, wie wir diesen Herausforderungen begegnen können. Dies soll streng problem- und vor allem lösungsorientiert erfolgen. Unser Ansatz sollte dabei interdisziplinär, integrativ und fachgruppenübergreifend sein.

Unser erstes Projekt dient der Ermittlung der Weiterbildungskosten in der Chirurgie an deutschen Kliniken.

Das Referat lebt von Ihren Ideen, Visionen und Expertisen! Wir benötigen dabei Ihre Unterstützung. Sprechen Sie uns an! Machen Sie mit in einem der wichtigsten Referate des BDC! Nur gemeinsam können wir die Zukunft gestalten!

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Rezension: Basic Skills PJ – Praktische Tipps für Chirurgie und Innere

Basic Skills PJ – Praktische Tipps für Chirurgie und Innere
Herausgeber: Carl Meißner
Springer Verlag
1. Aufl. 2016, XII, 188 S.
19,99 Euro
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Die Publikation hat 188 Seiten mit 221 Abbildungen und ist auf säure- und chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt. Die zahlreichen Abbildungen und Fotografien sind mehrfarbig.

Der Autor, Dr. Carl Meißner, hat sich dem Anspruch gestellt, mit diesem Lehrbuch wertvolle, praktische Anleitungen und Tipps für die PJ-Tertiale Innere Medizin und Chirurgie zu vermitteln.

Der Autor war zum Zeitpunkt der Publikation als Assistenzarzt in Weiterbildung in der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Magdeburg gGmbH tätig. Am Anfang des Buches wird auf einer Doppelseite der Aufbau der einzelnen Kapitel klar und strukturiert dargestellt, sodass die Verwendung und Orientierung im Buch vereinfacht wird. Dies erleichtert zudem die Verwendung des Buches im täglichen PJ-Alltag. Dem Rezensenten hat sehr gefallen, dass es in den einzelnen Kapiteln eine sogenannte Rubrik „Zwischenmenschliches“ gibt. Hier werden Dinge benannt, die sonst nicht in einem Lehrbuch stehen und vermögen dem Buch somit eine gewisse zwischenmenschliche Beziehung sowie „eine einzigartige Note“ zu geben.

Die Publikation ist klar strukturiert. Sie beginnt mit der Anamnese und der klinischen Untersuchung in Kapitel 1 und endet mit dem Kapitel 13 „Wissenswertes zur Anamnese und Untersuchung“. Die zahlreichen Abbildungen und Fotos sowie Checklisten erlauben Lesern und vor allem PJ-Studierenden die einzelnen Kapitel gut zu verstehen und im täglichen klinischen Einsatz auch gut anzuwenden. Es wird sich auf das wesentliche beschränkt ohne die erforderlichen Grundlagen zu vernachlässigen. Die in dem Buch beschriebenen Skills, wie die schrittweise Anleitung und bildhafte Unterstützung, sind vollumfänglich, gerade für die Innere Medizin und Chirurgie, dargestellt. Diese Vorgehensweise des Autors zeigt deutlich, dass die Zeit des PJs beim Autor noch nicht allzu lange her ist.

Insgesamt wird das Buch seinem Anspruch gerecht. Es kann jedem PJler zur Vorbereitung oder Durchführung des PJs in der Inneren Medizin und Chirurgie empfohlen werden. Es vermag aber nicht nur im PJ zu helfen, sondern kann auch in den ersten Monaten als Assistenzarzt in der Chirurgie oder in der Inneren Medizin sowie in den ersten klinischen Diensten auf Station hilfreiche Dienste leisten. Es sollte in keiner Klinik-Bibliothek fehlen.

Zusammenfassung

Das Springer-Lehrbuch „Basic Skills PJ“ Praktische Tipps für Chirurgie und Innere herausgegeben von Dr. med. Carl Meißner kann zur Vorbereitung und Durchführung der Tertiale des praktischen Jahres in der Inneren Medizin und Chirurgie empfohlen werden. Es besticht durch seine klare Struktur mit zahlreichen Abbildungen, Checklisten und Merksätzen. Mit dieser Lektüre als Wegbegleiter und Nachschlagewerk vermögen selbst die ersten Klinikdienste als junge Assistenzärztin oder junger Assistenzarzt ein wenig an Anspannung und Dramatik verlieren.

Krüger M. Rezension: Basic Skills PJ – Praktische Tipps für Chirurgie und Innere. Passion Chirurgie. 2018 Mai, 8(05): Artikel 04_06.
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Rezension: Mitarbeiterführung im Ärztlichen Dienst

Mitarbeiterführung im Ärztlichen Dienst
Michael Wachholz
Verlag Walter de Gruyter GmbH 2017
133 Seiten, Hartband
ISBN 978-3-11-049546-1
39,95 Euro
Beim Verlag bestellen

Der Verlag De Gruyter bietet die Publikation in einem ansprechenden Hartband an. Das Papier ist von guter Qualität und die Schrift klar und gut lesbar.

Der Autor, Herr Michael Wachholz, ist studierter Kommunikationswissenschaftler und Psychologe und zugleich Inhaber des Trainingsinstitutes Kompetenz im Krankenhaus. Leider zeigen sich doch in einigen Kapiteln stilistische und/oder grammatikalische Fehler im Satzaufbau. Diese sollten in einer gegebenenfalls zweiten Auflage korrigiert werden.

Die Publikation richtet sich an Leitende Ärzte als Führungskräfte. Sie soll Lösungen für die wichtigsten Führungsaufgaben anhand von Beispielen aus dem Krankenhausalltag anbieten. Vorab schon einmal: Diesen Anspruch erfüllt das Buch in vollem Umfang. Die Thematik ist gerade für Mediziner interessant, da sie im Medizinstudium nur selten thematisiert wird und im Klinikalltag eher wenig Zeit für die Vermittlung dieser wichtigen Aufgaben besteht. Kaum ein Mediziner wird darauf richtig vorbereitet.

Der Autor schafft es auf gut 133 Seiten, nebst Anhang, die wichtigsten Führungsaufgaben von Leitenden Krankenhausärzten im Krankenhausalltag anschaulich und klar strukturiert darzustellen. Er behandelt das Thema in acht Kapiteln, wobei die Kapitel 1. Mitarbeiterführung und Kapitel 2. Mitarbeitergespräche 92 Seiten umfassen. Somit liegt der Fokus des Autors klar auf diesen Bereichen der Mitarbeiterführung. Der klinische Alltag gibt dem Autor Recht. Der Autor verschwendet nicht viele Seiten für ausgiebige theoretische Erörterungen der Problematik. Das Buch besticht daher durch seine hohe Praxistauglichkeit.

Die Art und Weise der Bearbeitung dieser Problematik ist erfreulich, frisch und situationsadäquat. So kommt dieses Buch nicht wie ein typisches Sach- und Lehrbuch daher, sondern ist als eine Art Zwiegespräch zwischen zwei ärztlichen Führungskräften aufgebaut. Die Protagonisten des Buches sind Justus und sein ehemaliger Kommilitone Tom. Justus ist schon ein gestandener Chefarzt und Tom muss in die Stelle erst neu hineinwachsen. Der Autor der Rezension – auch junger Chefarzt – fand sich oft in den geschilderten klinischen Situationen wieder. Beide unterhalten sich in diesem Buch über die verschiedenen Kapitel hinweg, wobei Justus eher der Lehrende ist und Tom eher der Lernende. In dieser Art Zwiegespräch werden die für einen leitenden Arzt wichtigen Führungsaufgaben diskutiert.

Immer wieder gelingt es dem Autor in einer frischen Art und Weise diese Führungsaufgaben anhand von Beispielen aus dem Klinikalltag darzustellen. Diese Beispiele wirken nicht konstruiert, sondern sind sehr praxisnah. Es zeigt deutlich die praxisnähe des Autors auf. Klare und mitunter zweifarbige Abbildungen sowie Checklisten ergänzen situationsadäquat die Thematik anschaulich und vermögen damit die inhaltliche Prägnanz zu verstärken.

Gelegentlich verweist der Autor Michael Wachholz auf die Internetseite des Trainingsinstitutes Kompetenz im Krankenhaus, wo weiteres Material zum Download zur Verfügung steht.

Jedes Kapitel beginnt mit einem Problem oder mit einer klinischen Situation, dazu müssen dann gewisse Führungsaufgaben realisiert werden. Anhand dieser zu realisierenden Führungsaufgaben werden dann die einzelnen Thematiken besprochen und diskutiert. Fragen, die zu dieser Führungsthematik wichtig sind, werden anfangs gestellt und danach erörtert. Diese Art und Weise ist sehr ansprechend, da anhand der Fragen sich der Leser schon vorab eine eigene Meinung und ggf. eigene Lösungsstrategien erarbeiten kann. Diese können dann an Hand der im Buch aufgezeigten Lösungswege reflektiert werden.Am Ende jeden Kapitels erfolgt eine Zusammenfassung, welche kurz und prägnant ist.

Dem Rezensent hat es sehr viel Spaß gemacht, diese Publikation zu lesen, zumal sie sehr realitätsnah und anschaulich geschrieben wurde. Einiges konnte im Praxisalltag schon umgesetzt werden.

Zusammenfassung

Die Publikation Mitarbeiterführung im Ärztlichen Dienst von Michael Wachholz ist eine gelungene Aufarbeitung der Thematik „Leitender Arzt als Führungskraft im Krankenhausalltag“. Es besticht durch seine Praxistauglichkeit sowie der Art und Weise der Darstellung. Besonders zu empfehlen ist es für junge angehende Führungskräfte, aber auch für Stations- und Oberärzte, sowie zur kritischen Reflexion von schon tätigen Führungskräften. Es kann auch als täglicher Begleiter im „Führungskräftealltag“ Verwendung finden.

Krüger M. Rezension: Mitarbeiterführung im Ärztlichen Dienst. Passion Chirurgie. 2018 April, 8(04): Artikel 04_06.

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Was macht die Digitalisierung mit der Attraktivität des Arztberufes?

Gedanken eines Chirurgen

Im Juni 2017 erschien in der Neuen Züricher Zeitung ein Artikel von Alan Niederer: „Ich und mein digitaler Avatar. Wie das Wetter lassen sich auch Krankheiten am Computer simulieren“. Darin wird ein fiktiver Arztbesuch im Jahre 2050 dargestellt:

Es ist Mittwochmorgen. Der 83-jährige Mann betritt das Gesundheitszentrum und geht zur Empfangstheke. Routiniert steckt er seinen digitalen Pass, der zugleich seine Gesundheitskarte ist, in den dafür vorgesehenen Schlitz. Sofort erscheint der Desk-Manager, ein Roboter, der mit freundlicher Stimme den Mann begrüßt und erklärt, dass die geplante Kontrolluntersuchung in Testeinheit 14 stattfinden wird. Dann fokussiert die künstliche Sprechstundenhilfe auf die Begleitperson neben dem Mann: „Ihr Enkel?“ „Das ist toll“, antwortet der Desk-Manager. „Als ehemaliger Hausarzt können Sie ihm sicher erklären, wie sich die Medizin in den letzten Jahren verändert hat.“ Und wie sie sich verändert hat, denkt der Mann und geht zur angegebenen Testeinheit. Wie alle sechs Monate wird er in der engen Kabine vollautomatisch untersucht. Dabei wird ein hochauflösendes MRT-Bild des ganzen Körpers angefertigt und ein Laborautomat führt an einem Tropfen Blut verschiedene Funktionsmessungen durch. Die so gewonnenen Informationen fließen in Echtzeit in den digitalen Avatar des alten Mannes ein. „Der digitale Avatar ist eine große Sache“, sagt der Mann zu seinem Enkel. „Ich weiß, Opa“, erwidert Leo und lächelt. „Der virtuelle Patient… Heute ist doch fast alles virtuell.“

Dieser Artikel schließt mit: „Ich finde es schon faszinierend, was heute alles möglich ist“, sagt Leo. „Gleichzeitig bin ich mir aber nicht mehr so sicher, wie spannend der Arztberuf ist. Es ist doch wie beim Piloten, der die meiste Zeit auf die Computertechnik vertraut und nur noch in speziellen Situationen selber aktiv wird.“ „Ja, so ist es wohl“, brummt der Alte. „Du kannst ja immer noch Mathematiker oder Informatiker werden und an der Verbesserung der digitalen Avatare mitarbeiten.“[1]

Die Digitalisierung in der Medizin schreitet voran und wird kaum aufzuhalten sein. Ob dies von Alan Niederer in der Neuen Züricher Zeitung geschilderte Szenario nun Wirklichkeit oder nur reine Fiktion wird, bleibt abzuwarten. Aber eines steht fest, die Digitalisierung der Medizin wird den Arztberuf der Zukunft nachhaltig verändern.

Zusammen mit der zunehmenden Digitalisierung wird aber auch der sogenannte Mobile Health Markt an Bedeutung für den Arztberuf gewinnen. Er ist jetzt schon einer der am schnellsten wachsenden Bereiche des Gesundheitswesens. Jeder Protagonist hat unterschiedliche Interessen und Sichtweisen in diesem Be

reich. Der Patient erwartet vielfach etwas anderes als der Krankenhausmanager, der Arzt oder die Gesundheitskassen[2].

Dies alles muss koordiniert werden und sollte die Behandlungsqualität der Patienten verbessern helfen. Aber gerade der Mobile Health Markt unterliegt kaum Qualitätskontrollen. Es wird die Aufgabe auch der Ärzteschaft sein, zusammen mit der digitalen Wirtschaft Qualitätsindikatoren und Qualitätskriterien zu entwickeln. Wir können und dürfen uns hier nicht zurückziehen. Es bedarf des medizinischen Sachverstandes bei der Entwicklung und noch viel mehr bei der Bewertung dieser Anwendungen. Nicht alles was möglich ist, ist auch sinnvoll.

Aber was bedeutet dies alles für den Arzt und für die Attraktivität des Arztberufes?

Es wird diese zunehmend verändern und in eine andere Richtung verschieben. Ich denke der Arztberuf wird auch noch in 20 Jahren nichts an seiner Attraktivität verloren haben.

Die neue Generation von Patienten ist informiert. Die Wissenshoheit des Arztes gehört der Vergangenheit an. Künstliche Intelligenz gepaart mit selbstlernenden neuronalen Netzwerken und modernen auf Algorithmen gestützte Diagnostik-, Behandlungs- und Therapiesoftware wird den Patienten zum mündigen Patienten machen. Wird es aber auch Arztstellen überflüssig machen? Ich denke, ja! Einiges, was die Ärzteschaft jetzt noch macht, kann demnächst vielleicht von Assistenzsystemen oder Assistenzberufen erledigt werden. Einige zurzeit noch ärztliche Tätigkeiten sind Relikte vergangener Zeiten. Der persönliche Kontakt Arzt-Patient, das persönliche Gespräch darf aber bei aller Digitalisierung, bei allen Echos, Siris und anderen digitalen Kommunikationssystemen nicht verloren gehen.

Technische Entwicklungen sowie Softwarelösungen in der Radiologie, Pathologie und Onkologie vermögen heute schon Diagnosen zu stellen, welche besser und präziser sind als die des Arztes. Nicht weil der Arzt schlecht aus- und weitergebildet, oder nicht motiviert ist, sondern weil das Wissen in der Medizin nicht mehr studierbar ist. Allein die Leitlinie für das kolorektale Karzinom führt in Ihrem Literaturverzeichnis 1.027 Publikationen auf. Diese enorme Daten- und Wissensmenge, kann kein Arzt allein überschauen, geschweige denn bewerten. Ein/e Computersystem/Software kann z. B. Graustufen viel präziser unterscheiden als das menschliche Auge. Gepaart mit genomischen Tumorprofilen, vermag ein radiologisches Softwaresystem vielleicht viel genauer zwischen Tumor und Entzündung unterscheiden. Radiogenomics oder Analysealgorithmen sind nur ein paar wenige Beispiele dafür, wo in Zukunft die Digitalisierung den Behandlungs- und Diagnostikprozess sinnvoll unterstützen oder sogar komplett übernehmen kann. Das Wissensmanagement wird eine der großen Herausforderungen der Zukunft und insbesondere der Medizin sein. Und genau hier helfen uns Internet- und Softwarelösungen.

Die Chirurgie als einer der innovativsten und modernsten Fachbereiche der Medizin wird von der Entwicklung technischer Systeme am meisten beeinflusst werden. OP-Roboter, eine zunehmende Miniaturisierung und Entwicklung von intelligenten, hochtechnisierten, vollautomatischen Instrumenten und Zugangswegen bis hin zur Nanotechnologie vermögen jetzt schon den Arzt zu unterstützen. Es könnte sein, dass der Arzt (Chirurg) in Zukunft sogar in Teilbereichen ersetzt werden kann. Dies ist keine Fiktion, sondern in naher Zukunft Realität.

Es bleiben Fragen ungelöst

  • Was passiert, wenn die technischen Systeme plötzlich – auch intraoperativ- ausfallen?
  • Wie sicher sind die Systeme gegen Hackerangriffe auch als Mittel des/der modernen Internet-Terrorismus/Kriminalität?
  • Wer übernimmt die Haftung, wenn diese Systeme versagen?
  • Wie finanziert die Gemeinschaft diese neue Art von (teurer) Medizin?
  • Sind die Ärzte für den Notfall gerüstet, wenn die technischen Systeme/Softwareprogramme plötzlich ausfallen?
  • Wie bereiten wir die junge Generation Ärzte/Chirurgen auf diese neuen Anforderungen vor?

Die Aura des Arztes wird sich zunehmend verändern, weg von dem heldenhaften männlichen Chefarzt in Weiß! Anne Wichels-Schieber, Ärztin und Personalberaterin hat es in einem Interview unter dem bezeichnenden Titel „Heldendämmerung“ beschrieben: Sie glaubt, dass sich die Motivationslage der Ärzteschaft geändert hat. Die Suche nach dem Sinn steht im Vordergrund. Die „männlichen Abenteurer“ studieren nicht mehr Medizin und wenn doch, dann sehen sie sich eher Abseits der Patientenversorgung, vielleicht in digitalen Start-Ups. Hier können sie vermeintlich mehr verändern. Sie ist der Meinung, dass unternehmerisch denkende und an Führung interessierte sowie finanziell motivierte Kollegen sich den Stress als Chefarzt für maximal 250.000 Euro im Jahr nicht mehr antun. Der ginge eher in die Beratung, in die Pharmaindustrie oder die Medizintechnik. Es werden Ärztinnen nachrücken, deren Fähigkeiten besser zum Berufsbild der Zukunft passen. Der Arztberuf ist der neue Lehrer [3].

Vieles von dem was Frau Anne Wichels-Schieber anmerkt mag stimmen. Dies ist aber kein Nachteil für die Attraktivität des Arztberufes. Vielfach werden Ärzte zu sehr auf das Monetäre reduziert. Die wirklichen Leistungen, die Aufopferungen werden vergessen.

Eine Chance

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Digitalisierung der Medizin hin zur Medizin 4.0 hin zur Chirurgie 4.0 eine enorme Chance ist. Der digitale Patientenavatar vermag Fiktion, Science Fiction sein, vielleicht auch etwas beunruhigend. Aber wie schön würde es sein, wenn wir Therapien an Computermodellen evaluieren und optimieren könnten, ohne den Patienten zu gefährden. Dies wäre ein großer Schritt hin zur patientenindividualisierten Therapie. Sie vermag aber auch bei intelligentem Einsatz die Arbeitsbedingungen der Ärzte verbessern. Eine Effizienzverbesserung und damit Kostenreduktion der Arbeitskraft Arzt wird dadurch möglich. Dies schafft zugleich auch finanzielle wie humane Ressourcen, welche in anderen Gebieten sinnvoll investiert werden können. Es werden neue attraktive Berufs- und Tätigkeitsfelder auch für Mediziner und Ärzte entstehen. Diese müssen nicht automatisch außerhalb der Patientenversorgung angesiedelt sein. Es wird vielmehr wichtig sein, dass diese Entwicklungen eine frühzeitige Verzahnung von Wissenschaft/Forschung und Implementierung in die medizinische Versorgungsrealität erfahren. Grundpfeiler dieser muss aber immer die Patientensicherheit und die Autonomie des Arztes sein. Es sollte sich daraus auch eine Art Start-Ups Mentalität an den Kliniken Deutschlands entwickeln lassen.

Was wird dafür benötigt?

  • Im Medizinstudium sowie in der ärztlichen Fort- und Weiterbildung muss der digitalen Medizin mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden!
  • Ausbau und Weiterentwicklung eines Curriculums digitale Medizin für Ärzte!
  • Entwicklung von Kooperationsmodellen zwischen digitaler Wirtschaft – Medizinprodukteherstellern und Ärzteschaft zum Aufbau eines Netzwerkes digitale Medizin!
  • Implementierung von Qualitätsstandards Digitale Medizin!

Es wird deutlich, dass die Ärzteschaft diese Entwicklung nicht der digitalen Wirtschaft überlassen darf. Gerade wir Chirurgen müssen diese Entwicklung aktiv begleiten. Nicht als „Maschinenstürmer“ aber als Mahner und Entwickler mit Kompetenz und Exzellenz. Dies resultiert nicht nur aus der Verantwortung gegenüber unseren Patienten, sondern auch aus der Verantwortung gegenüber unserem Nachwuchs, der Ärzteschaft und dem Berufsbild des Arztes.

Literatur

[1] Alan Niederer. Ich und mein digitaler Avatar. Wie das Wetter lassen sich auch Krankheiten am Computer simulieren. Neue Züricher Zeitung. 28.Juni 2017

[2] Bork, U., Weitz J., Penter V.: Apps und mobile Health. Viele Potenziale noch nicht ausgeschöpft. Deutsches Ärzteblatt, jg.115, Heft 3. S.B57-B60.

[3] brand eins. Wirtschaftsmagazin. Heldendämmerung. brand ein 11/17. S. 131-135.

Krüger M: Was macht die Digitalisierung mit der Attraktivität des Arztberufes? Passion Chirurgie. 2018 März, 8(03): Artikel 03_01.

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Editorial: Digitalisierung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

glaubt man den Zukunftsforschern, so wird er kommen: der Robodoc und eine App, die den primären Arztbesuch ersetzt. Aber es wird nicht nur den Robodoc geben, sondern der gesamte Gesundheitssektor wird sich durch die Digitalisierung rasant und nachhaltig verändern. Es ist daher nur folgerichtig, dass wir Ärzte uns mit der Digitalisierung beschäftigen. Jetzt und nicht erst in fünf Jahren.

Schwerpunktthema dieser Ausgabe ist nun diese Digitalisierung, die auch in der Medizin rasant voranschreitet und den Arztberuf der Zukunft nachhaltig verändern wird, davon bin ich überzeugt. In dem Artikel „Was macht die Digitalisierung mit der Attraktivität des Arztberufes?“ schildere ich meine Gedanken zum Thema und um es vorwegzunehmen: Ich denke, die Digitalisierung wird die Attraktivität des Arztberufes nicht schmälern, der Beruf wird sich nur verändern. Hier wird z. B. das Wissensmanagement eine der großen Herausforderungen sein. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass Patienten den gleichen Zugang zu Wissen und Therapiemodellen haben wie wir, und zwar in Echtzeit. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass Patienten aufgeklärt sind und die Allwissenheit des Arztes infrage stellen oder zumindest kritisch hinterfragen. Ja, und wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass versucht werden wird, durch Algorithmen, künstliche Intelligenz und neuronale selbstlernende Netzwerke den Arzt zu ersetzen. Aber muss dies alles wirklich zum Nachteil sein. Nein, weil gerade diese Möglichkeiten unsere Kompetenzen erweitern werden und damit die Qualität verbessern. Ja, es wird den Arztberuf verändern. Ja, es wird den Beruf von Chirurginnen und Chirurgen verändern. Er wird etwas von seinem elitären Flair verlieren. Einige werden damit Probleme haben, anderen wird es nicht so ganz wichtig sein „der Halbgott in Weiß“ zu sein. Die persönliche Empathie wird aber in absehbarer Zukunft nicht ersetzbar sein!

Wir werden uns jetzt damit auseinandersetzen müssen, wie wir in Zukunft arbeiten. OP-Roboter, eine zunehmende Miniaturisierung und Entwicklung von intelligenten, hochtechnisierten, vollautomatischen Instrumenten und Zugangswegen bis hin zur Nanotechnologie vermögen uns jetzt schon zu unterstützen. Vor Jahren war das autonome Fahren undenkbar. Jetzt scheint es bald Realität zu sein. Wird es auch das autonome Operieren geben? Werden diese Errungenschaften den Chirurgen – in Teilen – auch ersetzen können? Es gilt, sich den Fragen und möglichen Problemen der Digitalisierung zu stellen, denn es bleiben einige Fragen ungelöst, z. B. was passiert, wenn die technischen Systeme ausfallen oder wie sicher die Systeme gegen Hackerangriffen sind? Wie gehen wir mit den Big Data um?

Auch Professor Stefan Stoll, Leiter des Studiengangs Wirtschaftsinformatik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg beschäftigt sich mit dem Thema „Digitalisierung im Arztberuf“ und hielt auf dem Bundeskongress in Nürnberg einen Vortrag zum Thema „Medizin 4.0 – Die Möglichkeiten der Digitalisierung wahrnehmen und nutzen/Was passiert mit (medizinischen) Daten“. Er hat uns im Anschluss ein Interview gegeben, das Sie unter dem Titel „Ein Blick in die Zukunft des OP-Saals“ ebenfalls in diesem Heft nachlesen können.

Lassen Sie uns zusammen die Zukunft gestalten und an dem Prozess der Digitalisierung mitwirken. Wir müssen diesen Prozess aktiv mitgestalten! Er ist vielleicht viel wichtiger als die momentane von den Fachgesellschaften ausgelöste Qualitätsdiskussion ärztlicher Leistungen. Wir müssen Antworten auf die zahlreichen Fragen der Zukunft finden. In Analogie zum Buch von Max Tegmark „Leben 3.0. Mensch sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz“ (Ullstein Buch Verlag) möchte ich schließen mit: „Medizin 4.0. Arzt sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz“

Viel Spaß bei der Lektüre.

Ihr
Matthias Krüger

Krüger M: Editorial. Digitalisierung. Passion Chirurgie. 2018 März; 8(03): Artikel 01.

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BDC-Kommentar zum Artikel „Generation Y – Nein Danke“ von Ricardo Patricio Perez Anderson in der PASSION CHIRURGIE Q3 und 07/2017

Es schildert ein junger angehender Arzt – vielleicht ein Chirurg – seine Sichtweise auf den Arztberuf. Ja, diese Sichtweise ist persönlich und am Anfang einer beruflichen Laufbahn stehend. Sie ist geprägt von Enthusiasmus und Liebe zum angestrebten Beruf. Vielleicht ein wenig verklärend und zu heroistisch. Der berufliche Alltag wird einiges wieder ins rechte Licht rücken. Aber dieser Artikel zeigt mir auch, dass es die jungen Medizinerinnen und Mediziner gibt, die für den Arztberuf brennen und sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen ein guter Arzt zu werden und zu sein. Ist es nicht unsere Aufgabe diese jungen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen weiter zu motivieren und zu unterstützen?

Nicht jeder kann und soll Arzt werden. Manchmal sind die Jahrgangsbesten des Abiturs nicht auch die Passenden für den Arztberuf. Natürlich ist der Beruf des Arztes in unserer heutigen Zeit und unter den jetzigen gesundheitspolitischen wie gesundheitsökonomischen Rahmenbedingungen keine Wohlfühloase. Dies war er aber auch noch nie. Auch Herr Ricardo Patricio Perez Anderson wird dies erleben müssen. Jede Arztgeneration der letzten 100 Jahre musste Entbehrungen auf sich nehmen. Die Ausübung des Berufes war nicht immer leicht und wird es auch in Zukunft nicht sein.

Es ist aber der Generation X und Y zu verdanken, dass hier ein Umdenken eingesetzt hat. Es muss aber möglich sein, dass der Arzt Beruf-Karriere-Familie-Freizeit in einem vernünftigen Maß vereinbaren kann. Die Qualität eines Arztes rekrutiert sich nicht nur aus seiner Anwesenheit in der Klinik oder Praxis, sondern auch aus einem verantwortungsvollen Maß seiner eigenen Gesundheit gegenüber.

Lassen sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese motivierte Generation dem Arztberuf erhalten bleibt. Dies fängt bei der Weiterbildung an, geht über gute Arbeitsbedingungen und attraktive Arbeitgeber bis zum wertschätzenden Umgang.

Aber neben der Nachwuchsförderung müssen wir uns auch um den jetzigen Mittelbau kümmern. Vielleicht haben wir bei aller Nachwuchsförderung die jetzigen Leistungserbringer im Gesundheitswesen die 35- bis 55-jährigen ein wenig aus dem Fokus verloren. Sie halten zurzeit den „Laden am Laufen“. Wir sollten uns auch wieder vermehrt um diese bemühen.

An Herrn Anderson die Bitte: Bewahren sie sich Ihre Einstellung zum Arztberuf und vielleicht können Sie in fünf oder zehn Jahren Ihre jetzige Meinung reflektieren.

Leserbriefe zur Ausgabe 07/2017 und Q3 „Generation Y – Nein danke!“
Leserbrief von Heiko Licht
Leserbrief von Dr. Jürgen Dierolf, Sabina Eppler-Dierolf
Leserbrief von Prof. Dr. habil. Wolfgang Hellmann
Leserbrief von Erol Goek
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Chirurgie 4.0 – Herausforderungen an die Nachwuchsarbeit

Unter dem Titel: „Privatkliniken läuft das Personal weg“ hat eine regionale Tageszeitung kürzlich mitgeteilt, dass Kliniken ­eines privaten Klinikbetreibers wegen Personalmangels keine Notfallpatienten aufnehmen konnten. Auch chirurgische Kliniken ­waren betroffen. Dieser Klinikbetreiber sucht händeringend nach Personal. Ein Arzt wirft dem Betreiber sogar Gewinnmaximierung auf Kosten der Mitarbeiter vor [1]. Dies mag ein Einzelfall sein. Die originären Ursachen dafür sind sicherlich vielfältig und für einen Außenstehenden nur schwer beurteilbar. Es zeigt aber auch, dass wir in Zukunft vermehrte Anstrengungen in eine qualifizierte Nachwuchsarbeit investieren müssen. Viele Kliniken scheinen dagegen dieses Problem immer noch zu unterschätzen. In der letzten Assistentenumfrage des BDC gab die Mehrzahl der mehr als 1.300 befragten Assistenzärzte an, dass sich der Klinikbetreiber nicht für ihre chirurgische Weiterbildung und deren Fortgang interessiere. Sie gaben sogar an, dass sich aufgrund des wirtschaftlichen Drucks die Bedingungen verschlechtert ­hätten [2].

Der BDC hat diese Entwicklungen frühzeitig erkannt und diesbezüglich vielfache Anstrengungen unternommen. In einer einzigartigen und sehr erfolgreichen Kampagne „Nur Mut! Kein Durchnittsjob: ChiurgIn“ oder bei den dazugehörigen Workshops „Chirurgie zum Mitmachen“ versucht der BDC die Attraktivität der Chirurgie wieder ins Bewusstsein der Medizinstudenten zu heben. Dies ist aus Sicht des BDC gelungen. Der BDC ist sogar noch einen Schritt weitergegangen und engagiert sich als Gründungsmitglied in einem fachübergreifenden interdisziplinären „Bündnis Junger Ärzte“. Nicht nur die Chirurgen, sondern fast alle medizinischen Fachbereiche in Deutschland klagen über Nach­wuchsmangel. Gerade solche fachübergreifenden interdisziplinären Koalitionen werden von den Entscheidungsträgern in Politik und Gesundheitswesen eher gehört als Einzelgruppen.

In den nächsten Jahren werden folgende Bereiche an Bedeutung für die Rekrutierung des chirurgischen Nachwuchses gewinnen:

  1. Moderne Personalpolitik in Zeiten des Fachkräftemangels
  2. Qualität der chirurgischen Weiterbildung bei zunehmender operativer Spezialisierung in Organzentren der Chirurgie
  3. Auswirkungen einer zunehmenden Digitalisierung und Innovationen in der Medizin auf den Arztberuf

Moderne Personalpolitik in Zeiten des Fachkräftemangels

Wir haben gerade die Generation Y verstanden, da drängt die Generation Z ins Berufsleben. Viele dachten die Generation Y ist schwierig. Man darf nicht enttäuscht sein, wenn die Generation Z noch einen „Zacken schärfer“ werden wird. Diese Generation Z möchte nach Christan Scholz: feste Arbeitszeiten/orte, eigene Schreibtische, Festvergütung, kleinteilig geplante Strukturen, „Everyone gets a trophy“ und Work-Life-Separation. Sie ist hoch sensibel, enorm multitaskingfähig und nimmt alles blitzschnell auf. Ist aber auch nicht mehr so konzentriert, lässt sich schnell ablenken und hat nur ein kurzes Durchhaltevermögen. Wenn jungen Menschen dieser Generation etwas nicht passt, sind sie weg. Für die Zukunft wird es daher ganz entscheidend sein, wie attraktiv der Arbeitgeber Krankenhaus für den medizinischen Nachwuchs ist und sein wird. Die Verantwortlichen in den Führungsetagen der Klinikbetreiber müssen lernen, dass der Fokus auf CM/CMI, Fallzahlen und Auslastung von Großgeräten nur die eine Seite der Medaille ist. Der wirtschaftliche Erfolg wird von den Mitarbeitern getragen. Diese sind Leistungsträger und nicht Kostenfaktoren. Das ist die andere Seite der Medaille und wird immer wichtiger werden. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine moderne Personalpolitik an den Kliniken, welche sich an den Bedürfnissen der Mitarbeiter auf wertschätzender Grundlage orientiert, essenziell. Nicht nur Personal verwalten, sondern Personal entwickeln muss die Devise sein. Die Besten sind nicht immer die Passenden. Dies fordert natürlich auch von den leitenden Ärzten eine doppelte Expertise; die rein fachliche wird in Zukunft nicht mehr ausreichen. Hier bedarf es auch einer zunehmenden sozialen Kompetenz mit Führungsqualitäten außerhalb des medizinischen Faches. Dies zu entwickeln, zu fördern und zu unterstützen ist auch Aufgabe der Klinikbetreiber. Wer sich hier frühzeitig engagiert und Konzepte entwickelt, wird keinen Nachwuchsmangel haben. Gelungene Personalrekrutierung und -entwicklung wird zunehmend über den Erfolg einer Klinik entscheiden.

Noch ein weiterer Faktor wird entscheidend sein: Die kollegiale Zusammenarbeit aller Profession, die bei der Diagnostik und Behandlung der Patienten beteiligt sind. Eine noch größere Personallücke werden demnächst die Pflege und medizinisch-technischen Dienste erleben. Vielfach ist diese schon immanent und kann sogar dazu führen, dass Abteilungen nicht vollumfänglich arbeitsfähig sind. Das zurzeit tätige Personal reibt sich auf und wird verschlissen. Dies bleibt dem Nachwuchs nicht verborgen. Die Attraktivität des Arbeitsplatzes Krankenhaus sinkt [3]. Moderne Personalgewinnungs- und Personalbindungsmodelle wie Employer Branding, Ausbildungsmarketing und Karrierewebsites, Content Marketing, Mitarbeiterbefragung, Anreize schaffen durch gezielte Motivation und das familienfreundliche Krankenhaus müssen Einzug in eine moderne Personalpolitik der Krankenhäuser finden. Dies ist aber nicht nur Aufgabe der Personalabteilungen. Personalpolitik muss auch Chefsache an chirurgischen Kliniken sein.

Qualität der chirurgischen Weiterbildung bei zunehmender operativer Spezialisierung in Organzentren der Chirurgie

Es passt hier gut ins Bild, wenn in der Gesundheitspolitik und in den vielfachen Äußerungen der Krankenkassen in letzter Zeit immer deutlicher wird, dass diese nach einer Qualitätsoffensive medizinischer Leistungen rufen. Die Messinstrumente dafür sind in der Diskussion und ein Konsens zwischen den Beteiligten scheint möglich wenn auch schwierig zu sein. Was ist gute oder schlechte Qualität?

Wann ist eine Komplikation Folgeschlechter Behandlungsqualität?

Der Ruf nach Zentrumsbildung wird immer lauter. Bestimmte medizinische Leistungen sollen nicht mehr ubiquitär verfügbar sein, sondern nur noch an bestimmte Zentren durch hoch spezialisierte Ärzte angeboten werden können. Man möchte medizinische Leistungen zentralisieren und kleinere Einheiten auf eine Basisversorgung reduzieren oder gleich vom Markt nehmen.

Die Grundlagen einer guten Behandlungs- und Diagnostikqualität sind immer noch eine gute Aus- und Weiterbildung des medizinischen Nachwuchses. Dies sollte bei allen Qualitätsdiskussionen nicht vergessen werden. Eine gute Aus-, Weiter- und Fortbildung kostet Zeit, Geld und Geduld. Sie wird aber auch durch die tägliche chirurgische Arbeit in der Mutterklinik geprägt. In den vielen Umfragen und Befragungen ist gerade die strukturierte Weiterbildung etwas, was der Nachwuchs vehement einfordert. Die ist mitentscheidend, wenn es um die Auswahl der Fachrichtung und des Arbeitgebers geht. Hier stehen unweigerlich auch die chirurgischen Lehrer mit ihren Teams in der Pflicht.

Die Entwicklung unseres medizinischen Nachwuchses hin zu den zukünftigen Leistungsträgern der medizinischen Versorgungsqualität wird zu wenig beachtet und findet kaum Erwähnung in den Qualitätsdiskussionen. In den vielfachen Zertifizierungsmodellen zu spezialisierten Organ- und Therapiezentren spielen diese Gesichtspunkte nur eine untergeordnete Rolle. Gibt es in diesen Zertifizierungsmodellen nur noch wenige geeignete Operateure oder dürfen nur noch spezielle Operateure gewisse Eingriffe vornehmen, dann bricht das gesamte System zusammen, weil der Nachwuchs fehlt. Der Nachwuchs drängt in die Spezialisierung, welche durch die Weiterbildungsordnung praktisch vorgegeben ist. Das Festhalten am Allgemeinchirurgen als Allrounder alter Prägung sollte der Vergangenheit angehören. Dieser Facharzt ist für den Nachwuchs nicht attraktiv und wird es auch in Zukunft nicht mehr werden. Nur noch wenige Medizinabsolventen streben eine Facharztweiterbildung zum Allgemeinchirurgen an, weil sie ihre beruflichen Chancen eher in der Spezialisierung sehen. Die Qualitätsdiskussion fördert und fordert eine spezialisierte Chirurgie von Spezialisten! Da bleibt für den Allgemeinchirurgen alter Prägung nur noch wenig übrig. Er verliert seinen Platz in der Versorgungsrealität. Dies sollte man akzeptieren und die ohnehin schon begrenzten Ressourcen nicht im Allgemeinchirurgen verbrennen!

Die Krankenkassen mahnen immer zur Wirtschaftlichkeit der medizinischen Behandlung, vergessen aber mitunter, dass viele Kliniken auch die Aus- und Weiterbildung bzw. Fortbildung finanzieren müssen. Es ist an der Zeit, dass wir auch eine Diskussion um die Finanzierung der ärztlichen Fort- und Weiterbildung führen müssen. In diesem Zusammenhang muss auch deren Qualität richtig und seriös evaluiert werden.

Auswirkungen einer zunehmenden Digitalisierung und Innovation in der Medizin auf den Arztberuf

Die größte Herausforderung wird aber die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft sein. Kaum ein Arzt ist oder wird darauf wirklich vorbereitet. Der Einzug modernster Digitalisierungstechnik (z. B. der „Virtual Reality“, des autonomen Fahrens und der Robotertechnik) wird auch die Tätigkeiten des Arztberufes verstärkt beeinflussen. Immer leistungsstärkere und anwenderfreundlichere Software gepaart mit hervorragender Hardware vermag den Menschen vielfach zu unterstützen oder sogar zu ersetzten. Die Leistungsfähigkeit dieser komplexen Systeme übersteigt um ein Vielfaches die des Menschen. Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung, aber wir müssen aufpassen, dass uns diese nicht überholt und uns in Teilen überflüssig macht. Die Schnelligkeit und die Kürze der Produktentwicklungszeiten dieser Systeme von nur wenigen Jahren sind enorm und in ihren Auswirkungen kaum zu prognostizieren.

Eine Weiter- und Fortbildung unserer Ärzte in Digitalisierungstechnik wird an Bedeutung gewinnen. Wir müssen die positiven Synergieeffekte dieser Technik für unsere Tätigkeiten ausloten, um Entwicklungen zu begleiten. Fragen zu stellen, welche heute noch als absurd bezeichnet werden, sollte möglich sein. Eine dieser Fragen wäre: Könnte es in Zukunft auch einen „autonomen Arzt“, ähnlich des autonomen Fahrens, geben? An solchen möglichen Algorithmen wird geforscht. Diese werden entwickelt werden und es wird Unternehmen geben, die diese in den Markt drängen. Es wird auch für den Nachwuchs entscheidend sein, ob wir Teil dieser Entwicklung sind oder diese nur begleiten dürfen. Am Ende des Tages steht der Arzt im Dienste seiner Patientinnen und Patienten! Ärzte tragen die Verantwortung für Diagnostik, Therapie und Begleitung. Dies kann nicht an eine Maschine oder Software delegiert werden. Dennoch glaube ich, dass in der Digitalisierung ein enormes Potenzial für uns Ärzte, den Nachwuchs und unsere Patienten steckt. Wir werden ein modernes chirurgisches Innovationsmanagement benötigen. Nicht alles was möglich ist, ist auch sinnvoll. Wir müssen dieses Feld durch eigene Entwicklungen bestimmen und managen! Die Medizinproduktehersteller sollten dabei Partner und nicht Treiber sein.

Chirurgie 4.0 und ihre Herausforderungen für die Nachwuchsarbeit sind vielfältig und werden den Protagonisten alles abverlangen. Neues Denken auch abseits fest gefahrener Wege wird dafür notwendig werden. Es wird kein einfacher, aber durchaus spannender Weg sein. Die Arbeitsorganisation und Arbeitsstrukturen haben sich in den letzten Jahrzehnten an den deutschen Krankenhäusern kaum verändert. Im Gegenzug haben sich aber die Rahmenbedingungen massiv verändert. Glauben wir wirklich noch, dass die kleinteilige Aufteilung deutscher Krankenhäuser in Behandlungs- und Therapieeinheiten sinnvoll ist, obwohl wir doch gemeinsam eine Krankheit eines Patienten behandeln? Wir müssen bereit sein, das System Krankenhaus neu zu denken und uns vielleicht von gewohnten und lieb gewordenen Arbeitsstrukturen und -prozessen verabschieden. Dafür braucht es Mut und Kreativität. Der Nachwuchs und letztlich unsere Patienten werden uns dies danken.

Literatur

[1] Magdeburger Volksstimme v. 23.05.2017, Seite 1.
[2] Krüger M. u. Seifert J.: Chirurgische Weiterbildung in Deutschland. Passion Chirurgie. 2016 März, 6(03): Artikel 02_01.
[3] Borgelt S., Metz A., Langer D.: Kulturwandel im Krankenhaus. Passion Chirurgie. 2016 März, 6(03): Artikel 02_03.

Krüger M. Chirurgie 4.0 – Herausforderungen an die Nachwuchsarbeit. Passion Chirurgie. 2017 Juli, 7(07): Artikel 04_04.

 

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BÜNDNIS JUNGE ÄRZTE

Medizin der Zukunft – durch junge Ärzte heute

Gemeinsames Symposium: Bündnis JUNGE ÄRZTE und Bundesärztekammer

Am Vortag des Deutschen Ärztetages fand im Mai ein gemeinsames Symposium des Bündnis JUNGE ÄRZTE und der Bundesärztekammer zum Thema: „Medizin der Zukunft – durch Junge Ärzte heute“ statt. Unter der Moderation von Frau Jessica Hanneken diskutierten mehr als 100 Teilnehmer (Abb. 1) und Gäste zu drei Themenkomplexen (Abb. 2):

1. Arztsein in Zeiten der Arbeitsverdichtung

2. Kind und Klinik: Geht nicht, gibt’s nicht

3. Forschung und Weiterbildung: Wie geht das zusammen?

Abb. 1: Teilnehmer des Symposiums „Medizin der Zukunft – durch junge Ärzte heute”

Ziel dieses gemeinsamen Symposiums war es, der jungen Generation von Ärzten die Möglichkeit zu geben, ihre Sorgen und Nöte den Delegierten des Ärztetages aufzuzeigen. In den je 45-minütigen Themenblöcken, die durch ein jeweils fünfminütiges Impulsreferat durch Vertreter des Bündnis JUNGE ÄRZTE eingeleitet wurden, sollte vor allem viel diskutiert und sich ausgetauscht werden. Davon ist während des Symposiums rege Gebrauch gemacht worden. In den Diskussionsrunden war zu erkennen, dass die Ansichten der unterschiedlichen Generationen in einigen Themenblöcken gar nicht so weit auseinanderlagen. In anderen Bereichen – gerade beim Thema Weiterbildung – zeigte sich jedoch, dass hier die empfundene Wirklichkeit deutlich variierte. Die Delegierten mahnten die zurückhaltende Mitarbeit der jungen Generation in den Ärztekammern an. Darauf wurde vom Bündnis JUNGE ÄRZTE erwidert, dass es der Wahlturnus von fünf Jahren den jungen Kollegen sehr schwer mache, sich in die Kammern wählen zu lassen. Hier wurde auch von dem Bundesärztekammerpräsidenten Prof. Montgomery Handlungsbedarf gesehen.

Abb. 2: Themenkomplexe des Symposiums

Im Impulsreferat „Arztsein in Zeiten der Arbeitsverdichtung“ (M. Krüger) (Abb. 3) wurde die zunehmende Knappheit der ärztlichen Ressourcen in den nächsten 20 bis 30 Jahren thematisiert: Denn neben dieser Veränderung ist es gleichzeitig – seit der Einführung der DRG – zu einer enormen Arbeitsverdichtung gekommen. Immer mehr Patienten werden in immer kürzeren Zeitintervallen behandelt. Die demographische Entwicklung mit zunehmenden Altersindex und damit verbundener Komorbidität der Patienten potenziert dieses noch. Die klinikinternen Strukturen haben sich in den letzten Jahren hingegen kaum verändert. Immer mehr ist der Arzt abseits des Patienten mit Dokumentationsaufgaben und zum Teil mit Rechtfertigungen beschäftigt. Mitunter wird der Arzt mehr als Kostenfaktor denn als Leistungsfaktor im System Gesundheitswesen wahrgenommen. Die fehlende Wertschätzung der ärztlichen Leistung trägt damit nicht zur Attraktivität des Berufes bei. In der Diskussion wurde deutlich, dass ärztliche Kernkompetenzen wieder mehr in den Fokus rücken sollten. Dies beinhaltet natürlich auch eine ehrliche Diskussion um Delegation von Leistungen, die der Ärzteschaft in den letzten Jahren unter dem Deckmantel der Qualitätsoffensive übergestülpt worden ist.

Ein weiterer Themenschwerpunkt war die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unter Berücksichtigung von Kind und Karriere. Man war sich einig, dass Kind und Karriere in der modernen medizinischen Versorgung kein Ausschlusskriterium sein darf. Die Schaffung von Krankenhäusern als familienfreundliche Arbeitgeber gehört zu den wichtigsten Merkmalen eines attraktiven Arbeitsplatzes. Vielfach sind es strukturelle Probleme und das Verharren in alten Denkmustern, die das Entstehen von kreativen Strukturen behindern. Hier gibt es noch enormes Optimierungspotenzial. Vielleicht müssen wir Medizin neu denken und althergebrachte Versorgungs- und Organisationsstrukturen überdenken. Immerhin haben wir aber in den letzten Jahren schon deutlich mehr erreicht. Es reicht aber noch nicht aus.

Im letzten Themenkomplex bei dem Symposium ging es um die Weiterbildung. Hier wurde durch das Bündnis JUNGE ÄRZTE der Schwerpunkt Forschung und Weiterbildung gewählt. Die wahrgenommene Weiterbildungsqualität und gerade die Vereinbarkeit von Forschung, Klinik und Weiterbildung wird unterschiedlich gewichtet und zum Teil auch anders von den Ärztekammern interpretiert. Gerade die schwierige Anrechenbarkeit von Forschungszeiten in der Weiterbildung mahnten die jungen Kollegen an. In der Diskussionsrunde mit Dr. Bartmann wurde deutlich, dass die neue Weiterbildungsordnung von festgelegten Zeiten hin zu Kompetenzen weiterentwickelt werden sollte. Dies wird auch vom Bündnis JUNGE ÄRZTE begrüßt. Forschung als Weiterbildungskompetenz findet allerdings nur spärlich Einzug in die Musterweiterbildungsordnung, da Universitäten und Forschungseinrichtungen originär für die Absicherung der medizinischen Forschung verantwortlich sind. In der Diskussion wurde sehr deutlich, dass zwischen wissenschaftlicher Interpretationskompetenz und Forschungskompetenz unterschieden werden muss. Letztendlich war man sich darüber einig, dass den forschenden Ärzten keinesfalls ein Nachteil durch ihre medizinische Tätigkeit in der Forschung entstehen darf. Jedoch bezieht sich die Weiterbildung auf die klinische Tätigkeit in der Versorgung unserer Patienten. Es sollte daher ein Kompromiss gefunden werden, der beides in einer modernen Weiterbildungsordnung abzubilden vermag.

Abb. 3: Dr. M. Krüger bei seinem Impulsreferat „Arztsein in Zeiten der Arbeitsverdichtung“

Insgesamt muss das Symposium als großer Erfolg gewertet werden. Die regen und vielfältigen Diskussionen, die selbst die Moderatorin als Glücksfall bezeichnete, geben den Veranstaltern recht. Auch im nächsten Jahr soll es wieder eine derartige Veranstaltung am Vortag des Ärztetages geben. Lassen Sie uns auch dann wieder gemeinsam über die Zukunft der medizinischen Versorgung in Deutschland diskutieren.

Krüger M. Medizin der Zukunft – durch junge Ärzte heute. Passion Chirurgie. 2016 September, 6(09): 
Artikel 02_05.

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