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© iStock/Besjunior

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

glaubt man den Zukunftsforschern, so wird er kommen: der Robodoc und eine App, die den primären Arztbesuch ersetzt. Aber es wird nicht nur den Robodoc geben, sondern der gesamte Gesundheitssektor wird sich durch die Digitalisierung rasant und nachhaltig verändern. Es ist daher nur folgerichtig, dass wir Ärzte uns mit der Digitalisierung beschäftigen. Jetzt und nicht erst in fünf Jahren.

Schwerpunktthema dieser Ausgabe ist nun diese Digitalisierung, die auch in der Medizin rasant voranschreitet und den Arztberuf der Zukunft nachhaltig verändern wird, davon bin ich überzeugt. In dem Artikel „Was macht die Digitalisierung mit der Attraktivität des Arztberufes?“ schildere ich meine Gedanken zum Thema und um es vorwegzunehmen: Ich denke, die Digitalisierung wird die Attraktivität des Arztberufes nicht schmälern, der Beruf wird sich nur verändern. Hier wird z. B. das Wissensmanagement eine der großen Herausforderungen sein. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass Patienten den gleichen Zugang zu Wissen und Therapiemodellen haben wie wir, und zwar in Echtzeit. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass Patienten aufgeklärt sind und die Allwissenheit des Arztes infrage stellen oder zumindest kritisch hinterfragen. Ja, und wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass versucht werden wird, durch Algorithmen, künstliche Intelligenz und neuronale selbstlernende Netzwerke den Arzt zu ersetzen. Aber muss dies alles wirklich zum Nachteil sein. Nein, weil gerade diese Möglichkeiten unsere Kompetenzen erweitern werden und damit die Qualität verbessern. Ja, es wird den Arztberuf verändern. Ja, es wird den Beruf von Chirurginnen und Chirurgen verändern. Er wird etwas von seinem elitären Flair verlieren. Einige werden damit Probleme haben, anderen wird es nicht so ganz wichtig sein „der Halbgott in Weiß“ zu sein. Die persönliche Empathie wird aber in absehbarer Zukunft nicht ersetzbar sein!

Wir werden uns jetzt damit auseinandersetzen müssen, wie wir in Zukunft arbeiten. OP-Roboter, eine zunehmende Miniaturisierung und Entwicklung von intelligenten, hochtechnisierten, vollautomatischen Instrumenten und Zugangswegen bis hin zur Nanotechnologie vermögen uns jetzt schon zu unterstützen. Vor Jahren war das autonome Fahren undenkbar. Jetzt scheint es bald Realität zu sein. Wird es auch das autonome Operieren geben? Werden diese Errungenschaften den Chirurgen – in Teilen – auch ersetzen können? Es gilt, sich den Fragen und möglichen Problemen der Digitalisierung zu stellen, denn es bleiben einige Fragen ungelöst, z. B. was passiert, wenn die technischen Systeme ausfallen oder wie sicher die Systeme gegen Hackerangriffen sind? Wie gehen wir mit den Big Data um?

Auch Professor Stefan Stoll, Leiter des Studiengangs Wirtschaftsinformatik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg beschäftigt sich mit dem Thema „Digitalisierung im Arztberuf“ und hielt auf dem Bundeskongress in Nürnberg einen Vortrag zum Thema „Medizin 4.0 – Die Möglichkeiten der Digitalisierung wahrnehmen und nutzen/Was passiert mit (medizinischen) Daten“. Er hat uns im Anschluss ein Interview gegeben, das Sie unter dem Titel „Ein Blick in die Zukunft des OP-Saals“ ebenfalls in diesem Heft nachlesen können.

Lassen Sie uns zusammen die Zukunft gestalten und an dem Prozess der Digitalisierung mitwirken. Wir müssen diesen Prozess aktiv mitgestalten! Er ist vielleicht viel wichtiger als die momentane von den Fachgesellschaften ausgelöste Qualitätsdiskussion ärztlicher Leistungen. Wir müssen Antworten auf die zahlreichen Fragen der Zukunft finden. In Analogie zum Buch von Max Tegmark „Leben 3.0. Mensch sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz“ (Ullstein Buch Verlag) möchte ich schließen mit: „Medizin 4.0. Arzt sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz“

Viel Spaß bei der Lektüre.

Ihr
Matthias Krüger

Krüger M: Editorial. Digitalisierung. Passion Chirurgie. 2018 März; 8(03): Artikel 01.

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Autor des Artikels

Dr. med. Matthias Krüger

Leiter Themen-Referat Chirurgie, Ökonomie & Zukunftsfragen im BDCChefarzt Klinik für Chirurgie QuerfurtCarl-von-Basedow-Klinikum Saalekreis gGmbHVor dem Nebraer Tor 1106268Querfurt kontaktieren

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