Schlagwort-Archiv: Nachwuchs

Leserbrief

Betrifft: Artikel von Dr. med. Johanna Ludwig und Jonah Grütters in Passion Chirurgie 12/QIV/2026 „Gen-Z und Weiterbildung in der Chirurgie“HIER finden Sie den Artikel auf BDC|Online

Sehr geehrte Frau Ludwig, sehr geehrter Herr Grütters,

vielen Dank für Ihren Beitrag (s.o.). Um es vorweg zu sagen: die genannten “Konfliktlinien im chirurgischen Alltag” (S.22) sehe ich auch so. In Zusammenhang aber mit dem Absatz auf S.22, der mit “Kulturclash: Klinikalltag trifft Generation Sinn” überschrieben ist, in dem moniert wird, dass “Der Wunsch nach Selbstgestaltung, planbaren Arbeitszeiten und einer sinnstiftenden Tätigkeit, die über das bloße Abarbeiten hinausgeht, …auf eine Weiterbildungskultur [prallt], die noch immer von Unplanbarkeit, körperlicher Belastung und Hierarchien geprägt ist”, muss ich doch sagen: wer diese Einstellung zur Chirurgie als Beruf und Lebensaufgabe hat, sollte besser die Finger davon lassen. So ist Chirurgie nicht und so wird sie nie sein. Zur Chirurgie gehört genau das Unvorhersehbare, das an die Grenzen Gehen im Bereitschaftsdienst, die körperliche Belastung und auch mal das “Abarbeiten” von vielleicht weniger interessanten Aufgaben wie Arztbriefschreiben (und das soll jetzt zuhause digitalisiert im Home Office akzeptabler sein?). Und dass man ein paar Jahre vielleicht auch erst “lernen” muss (weil es zumindest eine fachliche Hierarchie gibt) und noch nicht gleich der große Chirurg sein kann, ist ja in jedem Beruf so, oder?

Chirurgie war für meine Generation (und ist es noch, ich arbeite noch im Alter von 76 an einer Klinik in Teilzeit als Leiter der Sektion Proktologie) eine Art Abenteuer. Diese Einstellung hat uns schon als Assistenten zusammengeschweißt. Selbst das nächtliche Operieren hat(te) seine Reize. Zu wissen, “Wir sind die einzigen, die sich hier im weiten Umfeld der Klinik um 3 Uhr in der Früh die Nacht um die Ohren schlagen, aber etwas Sinnvolles tun!” machte uns stolz und motivierte uns.

Wir haben in den 80er Jahren natürlich sofort erfolgreich gegen die 32-Stunden-Dienste geklagt (an einer Städtischen Klinik). Da gab es nichts zu beschönigen. Da wurde der Altruismus der Ärzte von Staat und Kommunen gnadenlos ausgenutzt. Aber wie sind Maß und Grenze “der Belastung und Zumutbarkeit durch die Arbeitsanforderungen in der Chirurgie” zu beurteilen und festzulegen?

Auch wir hatten einen in gewisser Weise autoritären Chef. So musste ich mir eine (damals durchaus übliche) farbige Haarsträhne wieder umfärben (nachzulesen bei Wolf Stelter, “Der Patron” (sic!), 2020, S. 280 ff.). Und im Nachbarort Offenbach flogen bei dem damaligen Chefarzt der Chirurgie die Messer im OP, wenn ihm etwas nicht passte.
Damals war Ladenschluss um 18:30 Uhr. Vor allem als Privatassistent (sowas gab’s damals noch!) kam man oft erst später aus der Klinik. Da hieß es dann originellerweise: Du kannst ja zum Flughafen fahren, da haben die Läden noch offen. Das sind mit Recht tempi passati. Das brauchte damals schon kein Mensch.

By the way: ich arbeite ja auch mit der Generation Z an unserer Klinik und ich kann mich über ihr Engagement nicht beklagen, trotz vielleicht da und dort anderer Einstellungen zu Freizeit und Dienstschluss.

Aber wenn ich Ihre Ausführungen so lese, da fehlt mir doch der erforderliche Beitrag der Generation Z zur Arbeitswelt, in der wir leben und zur Chirurgie. Es erscheint so, als müssten sich nur die Anbieter der Chirurgie (Kliniken, Ausbildende Ärzte usw.) ändern und den jungen Berufsanfängern sollte quasi der rote Teppich ausgerollt werden, damit sie sich bereit erklären können, die Ausbildung in der Chirurgie antreten zu wollen. Das klingt, als müsste die nachrückende Generation “gepampert” werden, um sich der Chirurgie widmen zu wollen… und als brächte das Berufsleben ganz generell nicht auch weniger schöne Seiten mit sich.

Ich glaube aber, auch weil ich es selbst so – noch unter ganz anderen, heute zu Recht inakzeptablen, Bedingungen – erlebt habe: die Sinnstiftung in der Chirurgie ergibt sich aus anderen Momenten und Erlebnissen als aus der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes, der Planbarkeit des Tagesablaufs, einer wie auch immer definierten Work-Life-Balance und fehlender körperlicher Belastung. Wem das zu fordernd ist, der sollte sein Augenmerk doch besser auf andere Berufsfelder (Gesundheitsamt, Medizinischer Dienst usw.) lenken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Helmut Grosch
Moers

Antwort der Autoren auf den Leserbrief von Herrn Dr. Grosch

Sehr geehrter Herr Grosch,

vielen Dank für Ihre ausführliche und sehr persönliche Rückmeldung zu unserem Beitrag. Man merkt Ihrer Mail an, wie stark Chirurgie für Sie nie nur Beruf, sondern Lebensaufgabe war und teilweise bis heute ist. Diese Haltung verdient Respekt. Und sie erklärt auch, warum unser Text etwas in Ihnen ausgelöst hat.

Lassen Sie uns direkt klarstellen, wo wir vollkommen bei Ihnen sind: Niemand entscheidet sich leichtfertig für die Chirurgie. Niemand glaubt ernsthaft, dass dieser Weg ohne körperliche Belastung, Unplanbarkeit, Nachtdienste und Phasen des Abarbeitens funktioniert. Wer Chirurgin oder Chirurg wird, weiß, dass man Zeit, Energie und private Freiräume investiert. Und ja, viele tun das gerne. Auch heute.

Der entscheidende Punkt ist ein anderer. Es geht nicht darum, dass niemand mehr länger bleiben will. Es geht darum, dass niemand mehr bereit ist, das dauerhaft und alternativlos zu tun. Die Generation Z kalkuliert Belastung ein. Aber sie akzeptiert sie nicht als Endzustand.

Was wir beschreiben, ist kein Wunsch nach Schonung oder rotem Teppich. Es ist die Frage, ob bestimmte Rahmenbedingungen noch zeitgemäß sind oder ob sie schlicht historisch gewachsen sind, ohne heute noch einen funktionalen Mehrwert zu haben.

Ein paar konkrete Beispiele, die Sie selbst ansprechen oder die täglich Realität sind:

Warum muss ärztliche Weiterbildung zwingend an Anwesenheit gekoppelt sein, auch nach einem Nachtdienst, obwohl Lehre planbar wäre und strukturell anders organisiert werden könnte.

Warum gibt es kaum entlastende Rollen für Tätigkeiten wie Lehre, Organisation oder Dokumentation, obwohl genau diese Aufgaben regelmäßig als Belastung empfunden werden.

Warum sollte ärztliche Dokumentation zwingend vor Ort erfolgen, wenn sie inhaltlich unabhängig vom OP oder der Station ist und technisch problemlos von zuhause erledigt werden kann.

Das sind keine Komfortforderungen. Das sind Effizienzfragen.

Wir wollen nicht, dass Chirurgie ihr Abenteuer verliert. Wir wollen, dass sie ihr Zukunftsversprechen behält. Denn so sehr das nächtliche Operieren für viele Ihrer Generation zusammenschweißend war, so sehr schreckt es heute ab, wenn Belastung ausschließlich über Härte legitimiert wird.

Der Subtext „Wir hatten es schwer, also gehört das dazu“ mag biografisch verständlich sein. Nachwuchspolitisch ist er bedenklich. Denn er übersieht, dass Sinnstiftung nicht verschwindet, wenn Strukturen moderner werden. Sie wird oft sogar stärker, wenn Menschen nicht permanent am Limit arbeiten müssen.

Und vielleicht ist genau das der gemeinsame Nenner zwischen Ihrer Generation und der unseren. Am Ende wollen wir alle das Gleiche: gute Chirurgie, motivierte Teams, exzellente Weiterbildung und Menschen, die diesen Beruf nicht nur anfangen, sondern auch langfristig ausüben.

Nicht für immer unter Vollast. Aber lange genug, um richtig gut zu werden.

Mit freundlichen Grüßen

Jonah Grütters
Johanna Ludwig

Rückantwort Dr. Grosch an die Autoren

Sehr geehrte Frau  Ludwig,
sehr geehrter Herr Grütters,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre ausführliche und wohlwollende Antwort! Sie hat mich sehr gefreut und angeregt, wobei ich das Thema als sehr komplex ansehe, wie es mein Leserbrief vielleicht nicht vermuten lässt, meine jetzige Antwort aber schon. Ich danke Ihnen aber auch, dass Sie sich berufspolitisch des Themas annehmen, denn die Bedeutung für unseren Beruf ist ja groß!

„Wohlwollend“ sage ich deshalb, weil natürlich beim Lesen meines Kommentars und in Anbetracht meines Alters schon mal Ihre Augenbrauen hochgegangen sein könnten: klar, so ein alter Sack: immer kalt geduscht und was ihn nicht umbrachte, machte ihn stärker. So haben Sie es aber dankenswerterweise nicht formuliert 😊.

Meine Antwort ist ziemlich lang, aber hoffentlich nicht langweilig, allerdings würde ich es nun dabei belassen wollen.

Ich möchte Ihnen zuerst noch etwas zu meiner Person und meiner Biografie mitteilen, die anders ist als vielleicht vermutet und die mich als prodromales Gen Z – Mitglied erscheinen lassen könnte.

Ich bin während der Medizinalassistentenzeit (heute PJ) in den 70er Jahren zweimal je 3 Monate nach Indien und Nepal gereist und habe damals vorher im Prüfungsamt in Frankfurt nachgefragt, ob das ohne Probleme möglich ist. Die Antwort: „des hat bisher noch kaaner wisse wolle“… Nach der Approbation habe ich vier Jahre Philosophie studiert und mich über die Teilnahme am KV-Notdienst finanziert. Nach dramatischen Veränderungen im Leben (Beziehungsende usw., Beendigung des Philosophiestudiums wegen mangelnder intellektueller Begabung) habe ich dann mit einer halben Stelle in der Chirurgie der Städtischen Kliniken Frankfurt angefangen: klare Probleme, klare Lösungen, keine mühsamen Erörterungen mehr von Sein und Existenz. Ein Assistenzarzt hatte auf halbe Stelle reduziert, um sich seinem neugeborenen Kind besser widmen zu können! Das war damals eine Sensation. Er suchte also jemand für die zweite Hälfte. Es handelte sich um Bernd Hontschik, der u.a. seit langem eine regelmäßige Kolumne in der „Frankfurter Rundschau“ schreibt („Dr. Hontschiks Diagnose“). Ich kannte ihn aus der „Portugal-Mediziner-Gruppe“, die wir damals die portugiesische Nelkenrevolution medizinisch unterstützten.

Nach drei Jahren, im zarten Alter von 37 Jahren, wechselte ich auf die erste längerfristige Ganztagsstelle.

Die damalige Ausbildung – und damit komme ich langsam wieder auf unser Thema zurück – war im Vergleich zu heute ein Traum: es gab genug zu operieren und wir hatten ein festes Rotationsverfahren für alle Assistenten in der Weiterbildung (damals noch mit Unfallchirurgie). Es war ein gerechter Plan für die 6 Jahre Weiterbildung, auf den sich alle verlassen konnten. Das war das Verdienst von Bernd Hontschik, unseres Assistentensprechers.

Damit zurück zum Thema: die heutige Weiterbildung hat sich massiv gegenüber früher verändert, die Chirurgie hat sich massiv verändert: viele Eingriffe gibt es gar nicht mehr (Magen), viele gehören nicht mehr zur Weiterbildung für die Allgemein- oder Viszeralchirurgie (Gefäße [außer Portanlage], damals noch Embolektomien, Amputationen usw., Unfallchirurgie usw.), wo man Umgang mit unterschiedlichsten Geweben und Krankheitsverläufen üben und erlernen konnte. Die Einführung der laparoskopischen Chirurgie wurde schnell auf die Assistenten erweitert, das ist bei den robotischen Verfahren heute nicht mehr so usw. usf.

Aber: geklagt wurde über nachfolgende Generationen schon immer: Wir waren damals die Generation „Wir wollen alles, und zwar sofort“ (Sponti- und Züricher Alternativ-Szene), s. auch den Song „I want it all, I want it now“ von The Queen. Und es gab schon in den 70ern den „NST“: den „Neuen Sozialisations-Typ“ (Thomas Ziehe), der sich angeblich nur noch narzisstisch um sich selbst dreht, keinen Bock auf Arbeit und Anstrengung und nur geringe Frustrationstoleranz hat.

Wobei „diese Zuschreibungen … sind meistens ein Gemisch aus kulturpessimistischer Verfallsrhetorik, anekdotischer Plausibilität sowie journalistischer Aufgeregtheit“, wie ich es schön formuliert gefunden habe (https://www.tagesanzeiger.ch/wird-man-narzisstischer-durchs-online-ich-262339899494, aufgerufen 1.3.26)

Andererseits: die Chirurgische Weiterbildung und Tätigkeit hat in den vergangenen Jahren tatsächlich deutlich an Attraktivität eingebüßt. Denn auch die Zukunftschancen sind nicht mehr so wie früher.

Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens und die Bürokratisierung („Dokumentation“ !!!)  zeitigen Folgen für die nachrückenden jungen Ärzte.

Hier zwei Fotos aus meiner Klinik, die einerseits den kulturellen Wandel der Jugend, andererseits die Bürokratisierung der Medizin zeigen und ich muss gestehen, dass mein früher unbedingtes Plädoyer für die Chirurgie in den vergangenen Jahren etwas zurückhaltender geworden ist. (Bilder folgen noch)

Was könnte man tun? Man müsste der nachrückenden Generation vermitteln, dass die Chirurgie mit all ihren beruflichen und die Lebensqualität beeinflussenden Nebenwirkungen trotzdem etwas Besonderes, etwas Tolles ist, das uns heraushebt, das Anerkennung verdient; das wäre v.a. Aufgabe der Politik und der Gesundheitsakteure mit entsprechenden Verbesserungen der beruflichen Situation und Bedingungen, aber durchaus auch unsere als Weiterbildende. Aber dass es ohne gelegentliche Mühsal und Härten nicht geht – auch wenn sich die Motivation nicht über die Härte definiert! So hatte ich das nicht gemeint!

Zusätzlich gälte es für uns Weiterbildende, zu vermitteln, dass Chirurgie einfach aufregend ist, hohe Kompetenzen (skills) erwerben und realisieren lässt und eine hohe Befriedigung verschafft.

Und dass sie außer der materiellen Vergütung auch eine sehr hohe immaterielle mit sich bringt: die Dankbarkeit der Patienten. Arbeit mit und am Menschen!

Da haben wir die Leidenschaft, die es für unseren Beruf braucht: die „Passion Chirurgie“. Die es aber doch überall braucht, in jedem Berufsumfeld, oder nicht?

Und man muss die Ärzte unbedingt von nicht zwingenden ärztlichen Aufgaben entlasten:  Die Bürokratisierung halte ich für das größte Problem, der geforderte Dokumentationsumfang, auch z.B. die Abschaffung der Schreibbüros, die uns zwingt, alle Briefe, Berichte etc. selbst zu schreiben oder bestenfalls mithilfe eines Spracherkennungsprogramms diktieren zu können. Teure und qualifizierte Arztzeit und Arztkompetenz wird hier verschleudert. Vermutlich ist das aber tatsächlich billiger als Schreibbüromitarbeiter:innen zu finanzieren (?).

Zum Topos der Gen-Z noch folgende Anmerkungen:

  • die Forderungen, die sie an uns und das Gesundheitswesen stellt, sind die vielleicht schichtenspezifisch? Wie äußert sich dazu die Gen-Z, die als Busfahrer, Lokführer, Schichtarbeiter, in der Hotellerie etc. arbeiten will oder muss?
  • die Gen-Z betreibt wie kaum eine frühere Generation Selbstoptimierung, quält sich in Fitness-Studios, kämpft sich durch Marathons und andere körperlich fordernde Sportarten; warum muss das im Beruf so anders sein, auch hier sind es ja keine 8 Stunden „Volllast“ täglich?
  • sie ist die Generation der Start-up-Gründer: gibt es hier geregelte Arbeitszeiten…?

Ihre “konkreten Beispiele“ sehe ich etwas kritisch: Sollte die Arbeit nicht besser am Platz bleiben? Die Verwischung der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit (auch die permanente Erreichbarkeit) sind doch viel diskutierte Probleme der heutigen Arbeitswelt.

Und die Lehre (ich verstehe darunter auch in interne Fortbildung) kann doch Spaß machen: wenn man aus erster Hand Wissen vermitteln kann.

Genug!

Vielen Dank, dass Sie mir geschrieben haben. Ich hoffe, mein Anliegen konnte ich nun etwas differenzierter darstellen, Leserbriefe sind ja immer etwas polemisch.

Viele Grüße!

Dr. med. Helmut Grosch
Moers

Editorial 03/QIV-2026: Chirurgischer Nachwuchs

Zur Märzausgabe 2026 | PASSION CHIRURGIE

In dieser Ausgabe stellen wir, wie im letzten Jahr, aktuelle Aspekte der Nachwuchsaktivitäten des BDC dar. Im Mittelpunkt der Diskussion standen dabei in den letzten zwölf Monaten die Umsetzung der Leistungsgruppen in Nordrhein-Westfalen und ihre Ausbreitung auf die Bundesrepublik, sowie die Einführung der Hybrid-DRGs. Beide politischen Entscheidungen haben einen großen Einfluss auf unsere Weiterbildung und die damit verbundene Zufriedenheit unserer nächsten Generation an Chirurginnen und Chirurgen. Objektiv beleuchtet haben dies Herr Krones und Herr Braun in ihrem Artikel über Resilienz und die ersten Ergebnisse der Weiterbildungsumfrage des Berufsverbandes zur allgemeinen Zufriedenheit in der chirurgischen Weiterbildung. Hierbei wurden das subjektive Wohlbefinden im chirurgischen Fach und das persönliche Stressempfinden erhoben sowie mögliche Faktoren bzw. Auslöser identifiziert. Um sich der Problematik weiter anzunehmen, plant der BDC ein eigenes Artikelformat zum Thema „Resilienz“, das persönliche Erfahrungsberichte, mögliche Bewältigungsstrategien sowie externe Unterstützungsangebote beinhalten soll.

Bekanntermaßen fällt der Zeitpunkt der Familiengründung sehr häufig in die Weiterbildungszeit der Kolleginnen und Kollegen. In einem weiteren Artikel geht Frau Rosch auf das Spannungsfeld zwischen der chirurgischen Weiterbildung und Familienplanung ein und zeigt mögliche Lösungsansätze auf. Der Artikel wird ergänzt durch den Beitrag von Frau Samland über moderne Arbeitszeitmodelle in chirurgischen Disziplinen und benennt praktische Umsetzungsstrategien zur Arbeitszeitgestaltung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Kindern.

Überblickt man die letzten 20 Jahre der Nachwuchsförderung – sowohl der Fachgesellschaften als auch der Berufsverbände – zeigt sich, dass sich die wesentlichen Probleme bislang nicht signifikant lösen ließen. Durch die aktuell veränderten Rahmenbedingungen wird es sogar noch schwerer chirurgischen Nachwuchs für das Fach zu begeistern. Auch der Einsatz des Perspektivforums „Junge Chirurgie“ der DGCH versucht durch ihre Aktivitäten und Positionspapiere dem Nachwuchs aller chirurgischen Disziplinen in „Zeiten des Umbruchs“ eine Stimme zu geben und versteht sich als Plattform für Austausch, Vernetzung und Positionsbildung. Hierauf gehen Herr Schaaf und Herr Schlottmann in ihrem Artikel ein.

Auch oder vor allem die chirurgische Lehre an den Hochschulen hat Einfluss auf die spätere Berufswahl und kann somit als möglicher Einflussfaktor auf den chirurgischen Nachwuchs diskutiert werden. Der Kommentar von Herrn Keiber und Herrn Vogt geht darauf ein, wie hochwertige medizindidaktische Konzepte zur Nachwuchsgewinnung beitragen können.

Neben dem ausbleibenden chirurgischen Nachwuchs fehlt es auch an begeisterten Chirurginnen und Chirurgen, die sich in Fachgesellschaften und Berufsverbänden aktiv miteinbringen, um unser Berufsbild mitzugestalten. Aus diesem Grund wurde letztes Jahr der Young Surgeons Club (YSC) des BDC gegründet. Frau Heitzmann, Frau Betzler, Frau Vogel und Herr Braun stellen in ihrem Beitrag das neue Format vor, dass sich als eine Ergänzung zu bereits bestehenden Programmen versteht und eine enge Zusammenarbeit mit anderen Nachwuchsforen ermöglicht. So sollen die Interessen junger Chirurginnen und Chirurgen noch besser abgebildet werden und eine aktive Weiterentwicklung unseres Berufes stattfinden können. Interessierte, die sich beim YSC anschließen wollen, können sich jederzeit über unsere Geschäftsstelle melden. Wir freuen uns über jede aktive Teilnahme und Diskussion. Auch Studierende mit dem Berufsziel ein chirurgisches Fach zu wählen, sind herzlich willkommen.

Für mich persönlich hat sich die Perspektive vom ehemals Weiterzubildenden zum Weiterbilder insofern geändert, dass mir viel bewusster klar ist, in welchem engen Korridor wir uns aufgrund der äußeren Rahmenbedingungen bewegen und dass wir – genau aus diesem Grund – alle Chancen der aktiven Mitgestaltung sinnvoll nutzen müssen. So verstehe ich mich als Motivator für das gemeinsame Ziel einer guten chirurgischen Weiterbildung.

Auf den nächsten Seiten haben wir außerdem noch eine neue Kolumne versteckt: Unter dem Motto „Why I do it“ erzählen uns ab jetzt regelmäßig Chirurginnen und Chirurgen, warum Sie sich für die Chirurgie entschieden haben, eben Passion Chirurgie!

Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre unserer Passion.

Kirschniak A, Braun B, Hättich A, Samland M: Editorial: Chirurgischer Nachwuchs. Passion Chirurgie. 2026 März; 16(03/QI): Artikel 01.

Young Surgeons Club @ BDC – Wieso, weshalb, warum?

Wiebke Heitzmann, Johanna Betzler, Carolina Vogel, Benedikt Braun

Warum?

Das Thema Nachwuchsmangel in der Chirurgie ist älter als viele Mitglieder unseres neuen Young Surgeons Club (YSC). Es wird seit Jahren intensiv diskutiert und von verschiedensten Akteuren bearbeitet. Man darf und muss sich daher die Frage gefallen lassen: Warum ruft der BDC, der mit seinem Nachwuchsressort und etablierten Formaten wie „Nur Mut“, „Staatsexamen und Karriere“, der eAkademie und zahlreichen Webinaren bereits „gut aufgestellt“ ist, nun ein weiteres Forum ins Leben? Schaffen wir damit nicht eine unnötige Parallelstruktur? Aus Sicht des BDC ist die Antwort eindeutig: Man kann gar nicht „zu viel“ für den Nachwuchs tun. Allein die Altersstruktur unseres Verbandes, die sich parallel zur demografischen Entwicklung in Deutschland bewegt, zeigt, dass wir dringend neue, junge Köpfe für unser Fach und unseren Berufsverband begeistern müssen.

Doch es geht nicht nur um Statistik, es geht um die Realität in den Kliniken. Trotz jahrelanger Bemühungen bestehen erhebliche Missstände, insbesondere bezüglich der Rahmenbedingungen, unter denen wir unser eigentlich schönes Fach ausüben, fort. Aktuelle Umfragen zeigen, dass die Burnout-Rate bei Ärzt:innen in Weiterbildung steigt und mehr als die Hälfte der Befragten im WHO-5 Well-Being-Index Werte im kritischen Bereich aufweisen. Gleichzeitig stehen wir durch die Krankenhausstrukturreform (KHVVG/KHAG) vor einem tiefgreifenden Wandel, der die chirurgische Weiterbildung durch Ambulantisierung und neue Versorgungsmodelle deutlich verändern wird. Es besteht also weiterhin ein dringender Handlungsbedarf – sowohl seitens des Nachwuchses als auch gesamtgesellschaftlich. Und wer könnte sich authentischer und effektiver für den Nachwuchs einsetzen als der Nachwuchs selbst?

Wir haben das neue Format daher so konzipiert, dass es die Stimmen aller Ausbildungsstufen bündelt: von Studierenden über Kolleg:innen in Weiterbildung bis hin zu jungen Fachärzt:innen. Unser Ziel ist es, Themen in den Fokus zu rücken, die in bestehenden Gremien oft noch zu kurz kommen. Dazu gehören explizit auch Aspekte wie „Surgeon Well-being“ und Resilienz. Wir wollen keine Konkurrenz, sondern eine sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Programmen sein. Deshalb suchen wir bewusst den Schulterschluss mit den relevanten Akteuren in Deutschland: Wir arbeiten eng mit den Nachwuchsforen der großen Fachgesellschaften im Perspektivforum Junge Chirurgie, mit „Die Chirurginnen“ sowie mit dem fachübergreifenden „Bündnis Junger Ärzte“ zusammen. Unser Anspruch ist es, Synergien zu nutzen, das Angebot für den Nachwuchs qualitativ zu erweitern und uns als starker, integrativer Partner zu positionieren.

Im Folgenden möchten sich Ihnen die Mitglieder des Clubs vorstellen und Ihnen einen Einblick in unsere konkreten Handlungspläne geben. Gleichzeitig verbinden wir diesen Artikel mit einem Appell an Sie alle: Setzen Sie sich gemeinsam mit uns für die Zukunft der Chirurgie ein. Ob vor Ort in Ihrer Klinik oder direkt bei uns im Verband. Die BDC-Website bietet hierfür bereits ein breites Portfolio an Hilfestellungen (z. B. den PJ-Leitfaden in Kooperation mit der bvmd (https://www.bdc.de/chirurgin-werden/pj-leitfaden/) – nutzen Sie diese Ressourcen und treten Sie mit uns in Kontakt. Wir freuen uns auf den Austausch, Ihre Mitarbeit und neue Mitstreiter:innen!

Wer wir sind

Um den Ansprüchen und Bedürfnissen der jungen Generation gerecht zu werden, haben wir ein Team zusammengestellt, das jeden Ausbildungsstand vertritt – von Studierenden bis zur jungen Fachärzt:in. Die studentische Perspektive bringen Vivien Weber und Robin Horray ein, die sich beide im 7. Semester befinden. Beide entdeckten ihre Faszination für das Fach Chirurgie bereits durch praktische Erfahrungen als studentische Hilfskräfte im OP. Im YSC setzen sie sich nun dafür ein, die Interessen der Studierenden zu vertreten und die Sichtbarkeit des BDC an den Universitäten zu verbessern. Die Gruppe der Ärzt:innen in Weiterbildung bildet den Kern unseres Teams und deckt verschiedene chirurgische Disziplinen und Karriereziele ab. Für die Weiterentwicklung strukturierter Ausbildungskonzepte macht sich Annika Uelwer (Viszeralchirurgie, 3. Weiterbildungsjahr) stark, die parallel zur Klinik an der Fertigstellung ihrer Dissertation arbeitet. Ergänzt wird diese Gruppe durch Wiebke Heitzmann (Viszeralchirurgie, 3. Weiterbildungsjahr), die als Sanitätsoffizier der Bundeswehr besondere Expertise in der Vereinbarkeit verschiedener beruflicher Interessen mitbringt und sich der aktiven Nachwuchsgewinnung widmet. Dr. Dannik Haas (O&U, 3. Weiterbildungsjahr) nutzt seine Begeisterung für wissenschaftliches Arbeiten, um schwerpunktmäßig eine geplante Web-App zur Statusbestimmung des Weiterbildungsfortschritts voranzutreiben. Das Thema „Well-Being und Resilienz“ wird federführend von Dr. Tillman Krones (Viszeralchirurgie, 2. Weiterbildungsjahr) betreut, der neben seiner klinischen Tätigkeit eine akademische Laufbahn mit dem Ziel der Habilitation anstrebt. Die Erfahrung der fortgeschrittenen Weiterbildung und der Facharztebene wird durch Dr. Johanna Betzler (Viszeralchirurgie, 6. Weiterbildungsjahr), Dr. Carolina Vogel (Unfallchirurgie, 4. Weiterbildungsjahr) und Dr. Johanna Miller (Fachärztin, Viszeralchirurgie) repräsentiert. Dr. Betzler steht kurz vor dem Facharzt und strebt eine Habilitation sowie langfristig eine leitende Position an. Als Mutter von zwei Kindern bringt sie ihre persönlichen Erfahrungen ein, um Projekte zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu koordinieren. Frau Dr. Vogel ist ebenfalls wissenschaftlich tätig und sowohl bei „Die Chirurginnen“ als auch im Jungen Forum der DGOU aktiv. Diese Schnittstellenrolle ermöglicht eine gute Verzahnung der Arbeit des YSC mit weiteren Nachwuchsstrukturen. Dr. Johanna Miller (Viszeralchirurgie) ist bereits Fachärztin und seit langem in der Nachwuchsförderung des BDC aktiv, wo sie unter anderem erfolgreich M3-Trainings für Studierende organisiert. Diese Arbeit findet gemeinsam mit dem Nachwuchsressort des BDC statt und sucht ganz bewusst den Schulterschluss in der gemeinsamen Arbeit mit den Nachwuchsvertretungen der Fachgesellschaften und Verbände.

Was wir wollen

Aus unserer gemeinsamen Motivation und unserem Selbstverständnis leitet sich ab, wofür wir stehen und wofür wir uns einsetzen.

1. Exzellente chirurgische Weiterbildung

Vor dem Hintergrund aktueller Strukturreformen im deutschen Gesundheitssystem – insbesondere zunehmender Spezialisierung und Ambulantisierung – setzen wir uns für eine verbindliche chirurgische Weiterbildung auf höchstem Niveau ein. Strukturelle Veränderungen dürfen sich nicht zulasten der Weiterbildungsqualität auswirken. Vielmehr müssen an allen Weiterbildungsstandorten eine strukturierte operative wie auch theoretische Ausbildung gewährleistet sein. Langfristig ist es unser Ziel, dass chirurgische Weiterbildung nicht als „Belastung“, sondern als Qualitätsmerkmal eines Standortes oder Weiterbildungsprogramms wahrgenommen wird. Denn die Förderung und Qualifizierung angehender Chirurg:innen bedeutet die nachhaltige Sicherung der Zukunft unseres Faches.

2. Faire Rahmenbedingungen in der Chirurgie

Trotz bestehender gesetzlicher Regelungen, insbesondere des Arbeitszeitgesetzes, zeigen aktuelle Erhebungen – unter anderem die Befragungen des BDC und des Marburger Bundes aus den Jahren 2024/25 – dass die Umsetzung fairer Arbeitszeitmodelle im chirurgischen Alltag häufig unzureichend bleibt. Diese Herausforderungen sind aus unterschiedlichen Perspektiven bekannt. Wir setzen uns daher für transparente und faire Rahmenbedingungen bei den Arbeitgebern ein: Ärzt:innen in Teilzeit dürfen keine Nachteile in ihrer Weiterbildung erfahren, und eine über das reguläre Maß hinausgehende Arbeitsleistung muss angemessen vergütet werden.

3. Lebenswerte Chirurgie

Faire und flexible Rahmenbedingungen, die sich an die individuellen Lebenssituationen von Chirurg:innen anpassen, wirken sich positiv auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die psychische Gesundheit sowie die langfristige Berufszufriedenheit aus. Wir setzen uns daher für eine lebenswerte Chirurgie ein, die fachliche Exzellenz mit nachhaltigen Arbeitsbedingungen verbindet.

Was wir machen

Im Rahmen eines eintägigen Kick-Off Meetings im November 2025 konnten innerhalb weniger Stunden bereits viele Themenbereiche, wie beispielsweise Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Qualität der Weiterbildung, (fehlende) Feedback-Kultur, Attraktivität der Chirurgie, psychische Gesundheit von Chirurg:innen erarbeitet werden, die chirurgisch interessierten Studierenden, chirurgischen Weiterbildungsassistent:innen sowie jungen Fachärzt:innen am Herzen liegen. Aus den angeregten Diskussionen dieses Tages entstanden die ersten drei Projekte des YSC.

1. Orientierung und Feedback in der Weiterbildung

Ein wiederkehrendes Thema unter Weiterbildungsassistent:innen ist der Wunsch nach besserer Transparenz hinsichtlich des eigenen Ausbildungsstands. Während operative Logbücher und Weiterbildungsordnungen formal existieren, fehlt häufig ein niedrigschwelliges, kontinuierlich nutzbares Instrument zur Selbsteinschätzung und externen Rückmeldung. Der YSC plant daher die Entwicklung einer Web-App, die eine strukturierte Statusbestimmung über alle Weiterbildungsjahre hinweg ermöglicht. Ziel ist es, operative und nicht-operative Skills, typische klinische Situationen sowie zentrale Eingriffe in einem standardisierten Format zu erfassen. Grundlage hierfür ist eine sorgfältige Definition der relevanten Kompetenzen – idealerweise unter Berücksichtigung bestehender Teilschritte-Konzepte. Anschließend sollen geeignete Feedback-Metriken entwickelt werden, um individuelle Fortschritte nachvollziehbar abzubilden. Die App soll nicht nur der Orientierung dienen, sondern auch die Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Ausbildungsstätten erhöhen und so einen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten.

2. Begeisterung für die Chirurgie frühzeitig fördern

Chirurgische Fächer genießen früh im Medizinstudium traditionell eine hohe Faszination: Die unmittelbare Wirksamkeit operativer Eingriffe, die technische Komponente sowie das starke Teamgefühl im OP werden häufig als motivierende Faktoren genannt. Gleichzeitig zeigen zahlreiche hochschulinterne Befragungen und nationale Absolventenstudien, dass dieses anfängliche Interesse im Verlauf der klinischen Studienjahre abnimmt. Gründe hierfür sind u. a. die Wahrnehmung hoher Arbeitsbelastung, Unsicherheiten hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie ein unzureichender Einblick in moderne Weiterbildungsstrukturen. Viele Studierende erleben Chirurgie vor allem über kurze, wenig strukturierte Pflichtpraktika – und weniger über authentische Einblicke in die Vielfalt des Faches oder die tatsächlichen Entwicklungsmöglichkeiten.

Vor diesem Hintergrund verfolgt der YSC das Ziel, die Attraktivität der chirurgischen Weiterbildung gezielt sichtbar zu machen und den Kontakt zu Studierenden nachhaltig zu stärken. Ein modular aufgebautes Slide-Deck, das künftig bundesweit am Ende chirurgischer Hauptvorlesungen eingesetzt werden kann, soll über das breite Portfolio des BDC informieren und niederschwellige Zugänge – etwa über die „Nur Mut“-Kampagne oder die Chirurgische Woche – bieten. Darüber hinaus sollen professionelle, aber auch nahbare Videoformate entstehen, in denen Chirurg:innen und ihre Lebenswege vorgestellt werden. Die ersten Videos (mit dem Fokus auf den Themenbereich „Familie und Beruf“) sollen im Rahmen des DCK 2026 produziert werden. Ergänzend ist ein interaktives „Ask me anything“-Webinar geplant, das Studierenden und Weiterbildungsinteressierten authentische Einblicke in Karrierewege, Herausforderungen und Chancen der chirurgischen Weiterbildung ermöglicht.

3. Resilienz und Well-Being in der chirurgischen Weiterbildung

Die Arbeit in chirurgischen Fächern ist geprägt von hoher Verantwortung, körperlicher Belastung und komplexen emotionalen Anforderungen. Neben langen Arbeitszeiten und dem Druck, rasch operative Kompetenzen aufzubauen, erleben viele junge Chirurg:innen eine deutliche Diskrepanz zwischen persönlichem Anspruch, Versorgungsrealität und eigenem Wohlbefinden. Vor diesem Hintergrund hat der Young Surgeons Club Resilienz als eines seiner Kernprojekte definiert. Ziel ist es, junge Kolleg:innen frühzeitig für gesundheitsfördernde Strategien zu sensibilisieren und das Thema dauerhaft im chirurgischen Weiterbildungsdiskurs zu verankern. Als erster, sichtbarer Schritt entsteht ein Auftaktartikel für die Nachwuchsausgabe der Passion Chirurgie, der zentrale Ergebnisse der Weiterbildungsumfrage des BDC aufbereitet und diese um wissenschaftliche Erkenntnisse zu Belastungsfaktoren und Schutzmechanismen ergänzt. Der Artikel soll nicht nur Missstände benennen, sondern positive Beispiele und lösungsorientierte Ansätze hervorheben – etwa gelungene Teamkulturen, realistische Erwartungsmanagement-Modelle oder „Best-Practice“-Beispiele der Selbstfürsorge. Ergänzend soll ein Format für die Passion Chirurgie entwickelt werden, das im Rahmen eines monatlich erscheinenden, einseitigen Artikels positive Vorbilder, persönliche Bewältigungsstrategien und Resilienz fördernde Maßnahmen präsentiert.

Wiebke Heitzmann

Ärztin in Weiterbildung

Viszeralchirurgie, 3. Weiterbildungsjahr

Bundeswehrkrankenhaus in Ulm

Prof. Dr. med. Benedikt Braun, MBA

Stellv. Leiter der BDC|Akademie

BDC-Themen-Referat Nachwuchs

BDC-Themen-Referat Digitalisierung und technische Innovationen

Beauftragter für die Nachwuchsförderung in der Gemeinsamen Weiterbildungskommission Chirurgie

Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

Eberhard Karls Universität Tübingen

BG Klinik Tübingen

bbraun@bgu-tuebingen.de

Dr. med. Johanna Betzler

Ärztin in Weiterbildung

Viszeralchirurgie, 6. Weiterbildungsjahr

Dr. med. Carolina Vogel

Ärztin in Weiterbildung

Unfallchirurgie, 4. Weiterbildungsjahr

BG Klinik Tübingen

Chirurgie

Heitzmann W, Betzler J, Vogel C, Braun B: Young Surgeons Club @ BDC – Wieso, weshalb, warum? Passion Chirurgie. 2026 März; 16(03/I): Artikel 03_04.

www.bdc.de

Jetzt mitmachen! BDC-Umfrage zur Situation in der chirurgischen Weiterbildung

Wir wollen Prozesse anstoßen und zum laufen bringen. Dafür brauchen wir die Unterstützung derjenigen, die mittendrin sind in der Situation. Deine Meinung ist gefragt: Wie geht es dir aktuell in deiner Weiterbildung?

Klar, Zeit ist knapp, aber die Beantwortung der Umfrage dauert nicht länger als 13 Minuten und gibt uns damit einen einmaligen Einblick zum aktuellen Status quo der Weiterbildung in den chirurgischen Fachgebieten in Deutschland.

Hier geht es direkt zur Umfrage: Teilnehmen

Warum wir das machen? Die Ergebnisse dieser Umfrage sind von entscheidender Bedeutung, um den aktuellen Stand der Weiterbildung realistisch einzuschätzen, Vergleiche zu den Vorjahren zu ziehen und die Effekte der Entwicklungen in unserem Berufsfeld zu verstehen. Dies ermöglicht es uns als Berufsverband, zielgerichtete Maßnahmen zur Nachwuchsarbeit zu entwickeln und zu ergreifen.

WELL-BEING! Dieses Jahr ist Ihre Perspektive wichtiger denn je, da wir die Umfrage um zusätzliche, entscheidende Fragen zu Ihrem persönlichen Well-Being und Aspekten der Resilienz erweitert haben. Diese beiden Faktoren sind von fundamentaler Bedeutung für die Ausübung unseres Berufes. Als BDC möchten wir uns in Zukunft noch stärker diesen Themen widmen und sammeln daher mit dieser Umfrage essenzielle Daten, um die Arbeitsbedingungen und die Zufriedenheit in der Chirurgie nachhaltig zu verbessern.

Ihre offene und ehrliche Einschätzung, auch zu Themen wie Arbeitsbelastung, Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Qualität der Weiterbildung in Ihrer Klinik, trägt maßgeblich dazu bei, ein umfassendes Bild der aktuellen Situation zu zeichnen und gibt uns die Basis, gemeinsam mit Ihnen und für Sie unsere Weiterbildungsarbeit fortzusetzen.
Wir freuen uns über jede Beteiligung. Herzlichen Dank.

Weiterer Comic macht auf fachärztliche Weiterbildung aufmerksam

„Kein Weiter ohne Bildung“ geht in die zweite Runde. Mit einem weiteren Comic sorgt das Kampagnenteam des BDC erneut dafür, auf die Wichtigkeit einer qualitativ hochwertigen und finanziell gesicherten Weiterbildung hinzuweisen.

Dr. Ralf Schmitz und Professor Carsten Krones engagieren sich im BDC-Projekt für die fachärztliche Weiterbildung. Gemeinsam beantworten sie die wichtigsten Fragen zum Follow-up der langfristig angelegten Weiterbildungskampagne.

Erst Arm ab, jetzt Darm raus – was soll das?

Krones: Die Kampagne war von Anfang an als Serie gedacht. Mit unserem gelben Protagonisten können wir auf deutliche Art und Weise überspitzt und humorvoll zeigen, was passieren wird, wenn die Politik den ärztlichen Nachwuchs ignoriert. Schon unser erster Clip in Videoformat kam ausgesprochen gut an, sowohl bei den Nachwuchskräften in der Chirurgie, als auch bei etablierten Chirurginnen und Chirurgen. Es geht nicht um Aufmerksamkeit für teures Geld, sondern um Provokation mit Hintersinn und Witz. Aus unserer Sicht ist das Szenario mit den DIY-Anleitungen nicht unrealistisch, wenn wir die momentane Situation des Fachärztemangels betrachten, und, wie sie sich entwickeln kann.

Was genau drückt Comic 2 aus?

Schmitz: Der Comic-Streifen ist diesmal detaillierter. Im ersten Video stand die Figur noch vorm OP und verzweifelte am Automaten, der die DIY-Anleitung ausdruckte. Im Zweiten Comic ist unser gelber Protagonist nun schon einen Schritt weiter: Mutig, da alternativlos betritt er den OP und sucht sich eine der DIY-Anleitungen heraus. Letztendlich scheitert er aber dann doch beim Versuch, an sich selbst chirurgisch Hand anzulegen. Verständlich! Es ist doch so: In vielen Bereichen finden Patientinnen und Patienten heute schon medizinische Informationen und Anleitungen per Ratgeber und KI aus dem Netz. Das mag in manchen Bereichen gehen. Die Chirurgie ist und bleibt aber ein Fachgebiet, dass Expertinnen und Experten vorbehalten ist und eine fundierte Weiterbildung erfordert!

Wohin soll die Kampagne führen?

Krones: Mit der Kampagne verbunden ist eine Petition auf change.org, für die wir damit Werbung machen. Ein gut ausgebildeter chirurgischer Nachwuchs sollte alle interessieren! Und die Zahl der Unterschriften und Kommentare auf der Petitionsplattform gibt uns Recht: Nicht nur in der Chirurgie Tätige, sondern Bürgerinnen und Bürger unterstützen uns mit ihrer Unterschrift. Da wir kein Riesenbudget für Plakate vor dem Bundestag, in U-Bahnen und auf Taxis haben, konzentrieren wir uns auf eine Online-Kampagne, die wir über unsere Soziale Netzwerke und unsere Kontakte verbreiten. Um im Bewusstsein zu bleiben, müssen wir aktiv bleiben und zeigen, dass wir mit Herzblut, Sinn für den Nachwuchs und auch Spaß an der Sache bleiben.

Wie schätzen Sie den bisherigen Erfolg der Kampagne ein?

Schmitz: Erst einmal sind wir zufrieden über die Resonanz. Wir haben knapp 31.500 Unterschriften einsammeln können und positives Feedback aus vielen Richtungen erhalten. Unter den niedergelassenen Chirurginnen und Chirurgen war der Zuspruch enorm. Einige haben die Kampagne aus der Online-Welt in ihre Praxen geholt und mit Plakaten, Flyern und auf Praxis-TV dafür geworben. Fachärztliche Berufsverbände machen Werbung dafür, Ärztekammern liken uns in den Sozialen Medien, die jungen fachärztlichen Bündnisse mögen und unterstützen uns. Aber stetig ernährt sich das Eichhörnchen: In einer Welt von Reizüberflutung können wir uns nicht ausruhen und müssen weiter kommunizieren. Und wir sind ehrgeizig: Bevor wir die Unterschriften für die Petition an den Bundestag weiterreichen, möchten wir die 50.000 Marke erreicht haben!

Wie können BDC-Mitglieder Sie unterstützen?

Krones: Wer bis heute noch nicht unterschrieben hat, möge dies bitte im Sinne der chirurgischen Weiterbildung tun. Es kommt uns allen zugute, nicht nur für die Zukunft der Chirurgie, sondern auch als zukünftige Patientinnen und Patienten!

Schmitz: Redet darüber – als Mandatsträgerinnen, in den Praxen, mit Chefinnen und Chefs und Weiterbildungsassistenten, in den Kammern. Teilt die Links auf euren Social Media Kanälen. Unsere kleinen Geschichten geben genug Gesprächsstoff und Anknüpfungspunkte. Und wem sie nicht gefallen: Redet mit uns – wir haben ein offenes Ohr und sind für Vorschläge offen. Die dritte Idee ist übrigens schon in Planung.

Privat

Dr. Ralf Schmitz ist niedergelassener Chirurg im MVZ Chirurgie Kiel. Beim BDC ist er Vorstandsmitglied, Referatsleiter Niedergelassene Chirurgen sowie Mitglied in zwei Themenreferaten.

Professor Dr. Carsten Krones ist Chefarzt der Allgemeinmedizin im Krankenhaus Düren. Beim BDC ist er Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Themenreferats Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Mehr Informationen zur Weiterbildungskampagne des BDC

Umfrage zur Nachhaltigkeit in der Chirurgie

Als Chirurginnen und Chirurgen tragen wir eine besondere Verantwortung – insbesondere im Hinblick auf Abfallmanagement und Energieverbrauch im OP. Doch wie können wir eine umweltfreundlichere Chirurgie gestalten, ohne die Versorgungsqualität unserer Patientinnen und Patienten zu beeinträchtigen?

In Kooperation mit dem Universitätsklinikum Bonn und der Universitätsmedizin Halle (Saale) führt die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für perioperatives Management in der Viszeralchirurgie, kurz CA PeriVis, eine Umfrage durch, um praxisnahe Lösungen zur Reduktion der CO₂-Emissionen in der Chirurgie zu entwickeln.

? HIER GEHT ES ZUR UMFRAGE: Nachhaltigkeit in der Chirurgie

⏳ Dauer: ca. 5 Minuten

Sie können bis zum 30. April an der Umfrage teilnehmen.

Selbstverständlich werden alle Angaben anonym erfasst und unterliegen den geltenden Datenschutzbestimmungen.

Bei Fragen stehen Ihnen die Initiatoren Dr. Jonas Dohmen und PD Dr. Johannes Klose jederzeit gerne zur Verfügung.

Podcast zur fachärztlichen Weiterbildung mit Dr. Friederike Burgdorf

Das Podcastformat “Medizin aufs Ohr” der Aesculap-Akademie richtet dieses Mal den Blick auf die Weiterbildung in der Chirurgie.

Im Rahmen der Umsetzung des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes, bei der Ambulantisierung, der Digitalisierung im Gesundheitswesen, aber auch aufgrund des wachsenden Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung muss ich die fachärzliche Weiterbildung immer stärker in den Fokus genommen werden. Die Aesculap-Akademie hat BDC-Geschäftsführerin Frau Dr. Friederike Burgdorf dazu befragt. „Es muss allen klar sein, dass die medizinische Weiterbildung die Basis für eine qualitativ hochwertige ärztliche Versorgung ist,“ so Burgdorf.

Jetzt nicht verpassen ? – zum Podcast

Surgeon Talk über Hierarchien in der Chirurgie

Hierarchien in der Chirurgie sind ein immer wiederkehrendes und spannendes Thema. In der Chirurgie bewegen sich die Akteur:innen heute zwischen althergebrachten und modernen Umgangsformen, die Strukturen des Gesundheitswesens tragen zusätzlich dazu bei. Professor Karl Oldhafer Departmentleiter, Chefarzt und Dekan der Medizinischen Fakultät der Semmelweis Universität am Campus Hamburg kennt viele Seiten der Hierarchie. Mit ihm diskutiert Surgeon Talk Moderator Professor Dr. Stephan M. Freys über menschliche und fachliche Hierarchien.

Zum Podcast Surgeon Talk

„Von der Uni in den OP“ – Lukas Hellbrügge erhält BDC-Journalistenpreis

Pressemitteilung des BDC zur Vergabe seines Journalistenpreises 2022 an Lukas Hellbrügge vom Bayerischen Rundfunk

Berlin, den 28.11.2022 – Lukas Hellbrügge, Journalist beim Bayerischen Rundfunk, hat für den Film „Ärztin werden: Von der Uni in den OP“ – den Journalistenpreis des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgie e.V. 2022 (BDC) erhalten. Der Preis wurde ihm auf der Präsidiumssitzung des BDC am letzten Freitag (25.11.2022) überreicht.

„Der BDC zeichnet damit einen herausragenden Medienbeitrag aus, der anschaulich die Sorgen und Herausforderungen ärztlicher Berufseinsteiger in einer Klinik vermittelt und dennoch ein positiv-optimistisches Bild des ärztlichen Berufes transportiert“, so Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer, Präsident des BDC in seiner Laudatio.

Die 12-minütige Kurzreportage ist Teil des YouTube Kanals “alpha Uni” des BR und dort seit einem Jahr abrufbar. Der Film begleitet Mareike L., Assistenzärztin in der Neurochirurgie im Klinikum München-Bogenhausen, bei einem ihrer ersten 24-Stunden-Dienste. Das Video kommt mittlerweile auf über 420.000 Aufrufe. Das neue digitale Format “alpha Uni” bietet einer jungen Zielgruppe zwischen 16 und 25 Jahren Orientierung und Inspiration bei der Studiums- und Berufswahl. Alle Filme werden auch im Fernsehen ausgestrahlt – der preisgekrönte Film lief auf ARD-alpha am 17.01.2022 und ist auch in der ARD-Mediathek abrufbar.

Das Besondere daran: Der Film entstand ohne Team. Für Recherche, Kamera und Schnitt zeichnete alleine Hellbrügge verantwortlich: „Bei einer VJ-Reportage – VJ steht für „Videojournalist“ – ist man statt mit einem großen Kamerateam alleine unterwegs und kann besonders flexibel auch in zeitkritischen Momenten nah dranbleiben“, erklärt Hellbrügge.

Was hat ihn an dem Thema besonders beeindruckt? Hellbrügge: „Für mich war es überraschend, wie groß der Sprung ins kalte Wasser für die junge Ärztin Mareike wirklich war. Sie stand direkt in großer Verantwortung und musste den ganzen Tag über Entscheidungen treffen. Das sollte man wissen, wenn man sich überlegt, diesen Weg einzuschlagen.“

Der BDC-Journalistenpreis wird seit 2014 einmal jährlich verliehen. Der preisgekrönte Beitrag soll die Faszination der Chirurgie einem breiten Publikum vermitteln. Die besten Chancen haben Beiträge, die aktuelle Leistungen in der Chirurgie aus Ärzte- oder Patientensicht, Entwicklungen auf diesem Gebiet oder die Chirurgie betreffende medizinische oder gesundheitspolitische Auswirkungen thematisieren.