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BDC|Schnittstelle – im Fokus: Dr. Matthias Krüger

Unser Format BDC|Schnittstelle präsentiert in regelmäßigen Abständen Persönlichkeiten mit wichtigen Funktionen im BDC. Heute im Fokus: Dr. Matthias Krüger, Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Landesverbandsvorsitzender des BDC|Sachsen-Anhalt.

1. Welchen Auftrag haben Sie sich für Ihren Landesverband persönlich auf die Fahne geschrieben. Was sind Ihre Pläne in Sachsen-Anhalt?
Zusammen mit dem Vorstand strebe ich eine stärkere Verzahnung der Mitglieder Sachsen-Anhalt mit den gesundheitlichen Themen des Landes Sachsen-Anhalt an. Weiterhin plane ich eine Professionalisierung der Verbandsarbeit an den Themen- und Problemfeldern der chirurgisch-ländlichen Versorgungsrealität. Ziel ist es eine stärkere Anbindung der Mitglieder an den BDC durch regelmäßige Veranstaltungen, gern als Hybridformat mit den anderen Landesverbänden Mitteldeutschlands. Hierzu werden ich – gemeinsam mit dem Vorstand – in den nächsten Wochen und Monaten intensive Gespräche führen und Konzept erarbeiten. Eine Befragung der Mitglieder des Landesverbandes Sachsen-Anhalt zu diesen Themenfeldern unter dem Motto: “Was wünsche ich von meinem Landesverband?” soll die Grundlage dafür sein. Ich möchte den intersektoralen und interprofessionalen Austausch mit allen Protagonisten fördern und sowohl mit den Leistungsträgern aber auch mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ausbauen. Am Ende soll ein starkes berufspolitisches Netzwerk aus allen an der Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt beteiligten Akteuren entstehen.

2. Welches Thema liegt Ihnen in den nächsten Jahren besonders am Herzen?
Mir liegen folgende 5 Themenfelder besonders am Herzen:
– Fachkräftemangel im Gesundheitswesen
– Chirurgische Aus- und Weiterbildung (Finanzierung, Verbundweiterbildung, Möglichkeiten der intersektoralen Weiterbildung)
– Gesamte Gebiet Krankenhausreform insbesondere einer flächendeckenden Sicherstellung der chirurgischen Versorgungsqualität (Leistungsgruppen)
– Stärkere Verzahnung von Ökonomie und Medizin im Sinne einer Stärkung der medizinischen Excellence in den Führungsgremien von Gesundheitseinrichtungen
– Modernisierung des Landesverbandes – Mitmachen-Mitgestalten-Versorgung sichern

3. Wie möchten Sie die Themen mit dem BDC anpacken? Wen und was benötigen Sie dafür? Welche sind zu überwinden?
Die Bearbeitung der Themen und deren erfolgreiche Umsetzung sind stark von dem Engagement der Mitglieder abhängig. Diese gilt es für den Landesverband und für die Berufspolitik zu motivieren. Die alltägliche Belastung der Chirurginnen und Chirurgen in Weiterbildung, als Fach-, Ober- und Chefärzte sind mitunter enorm und lassen hier scheinbar wenig Spielraum. Der ökonomische Druck spaltet mitunter Ökonomie und Medizin. Die Gespräche auf Führungsebene werden kontroverser. Nicht nur die Themen und Problemfelder ansprechen, sondern auch aktiv mitanpacken muss das Ziel sein. Dafür müssen geeignete Formate neu gedacht und etabliert werden. Wir stehen vor enormen Herausforderungen, die wir nur gemeinsam bewerkstelligen können.

4. Welche Verantwortung und welchen spezifischen Einfluss auf die Politik hat der BDC als berufspolitischer Vertreter aller Chirurginnen und Chirurgen und haben speziell die Landesverbände aus Ihrer Sicht?
Leider muss ich feststellen, dass unser Einfluss auf die Politik in den letzten Jahren stark gesunken bis nahezu null ist. Die Politik scheint uns als Interessensgruppe nicht mehr richtig wahrzunehmen. Ursache ist hier sicherlich, dass es uns nicht gelungen ist als „Einheit der Chirurgie“ aufzutreten. Die diesbezüglichen jahrelangen Bemühungen des BDC waren nicht ausreichend erfolgreich. Die Besitzstandswahrungen der einzelnen
Interessensgruppen waren scheinbar zu groß. Die Verlustaversionen verhinderten zeitweise eine starke gemeinsame Stimme. Hier muss der BDC wieder klar als berufspolitische Stimme auftreten. Aus meiner Sicht haben die Landesverbände die Verantwortung, sich zu einer starken Stimme unter dem Motto: Chirurgie gestaltet Versorgung durch den Aufbau eines starken intersektoral-interprofessionalen Netzwerkes aus Landespolitik, Wirtschaft und Gesellschaft zu entwickeln. In der „Versorgungsallianz Gesundheit“ sind alle Interessierten eingeladen mitzumachen.

5. Was wünschen Sie sich für deinen Landesverband, den BDC und deine Arbeit in den nächsten Jahren nach innen und nach außen?
Für den Landesverband wünsche ich mir einen lebendigen und engagierten Landesverband, der sich traut, auch unangenehme gesundheitspolitische Positionen im Interesse unserer Mitglieder anzusprechen, zu diskutieren aber auch Lösungen zu erarbeiten.

Mein Slogan für Sachsen-Anhalt ist: „Chirurgie braucht Engagement. Unseres.“
Für den BDC insgesamt wünsche ich mir:

Innen
1. Ausbau der Transparenz für die Mitglieder der Arbeit des BDCs in der Gremienarbeit
2. Controlling der Effizienz der Gremienarbeit
3. Modernisierung der Vereinsstruktur und ggf. Überprüfung der Vereinsziele

Außen
1. Stärkere Förderung des chirurgischen Nachwuchses – Ohne Nachwuchs keine Versorgung
2. Starke Stimme für verlässliche gesundheitspolitische Rahmenbedingungen – Versorgung braucht politische Verlässlichkeit
3. Aufbau eines starken Netzwerkes aller an der Gesundheitsversorgung beteiligten Partner – Partnerschaft für die Zukunft der Chirurgie

6. Warum lohnt sich als Mitglied ein Engagement im BDC und wer kann/sollte für ein Mandat kandidieren?
Ein Engagement im BDC lohnt sich, weil berufspolitische Entscheidungen unseren Alltag unmittelbar beeinflussen – Arbeitsbedingungen, Weiterbildung, Krankenhausstrukturen oder Vergütung. Wenn wir diese Themen nicht selbst mitgestalten, werden sie von anderen entschieden. Der BDC bietet die Möglichkeit, die Zukunft der Chirurgie aktiv mitzuprägen und sich gleichzeitig mit engagierten Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen. Die Akademie ist seit Jahren ein Garant für qualitative Fort- und Weiterbildung. Ich wünsche mir, dass sich künftig noch mehr Kolleginnen und Kollegen für ein Mandat im Verband zur Verfügung stellen – aus Klinik und Praxis, aus unterschiedlichen chirurgischen Disziplinen und besonders auch aus der jüngeren Generation. Der Verband lebt von der Vielfalt der Perspektiven. Der BDC ist über viele Jahre von sehr erfahrenen Persönlichkeiten geprägt worden, denen wir viel zu verdanken haben. Gleichzeitig ist es wichtig, dass nun auch jüngere Kolleginnen und Kollegen Verantwortung übernehmen und neue Ideen einbringen. Es geht nicht darum, die Lebensleistung der „Alten“ in Frage zu stellen, sondern darum, auf diesem Fundament gemeinsam die Zukunft der Chirurgie weiterzuentwickeln.

Berufspolitik braucht Erfahrung – aber sie braucht genauso neue Perspektiven und Engagement.

Dr. Matthias Krüger           

Kurzporträt Dr. Matthias Krüger

Dr. Matthias Krüger ist Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit besonderer Expertise in der kolorektalen Chirurgie. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich klinisch und wissenschaftlich mit Erkrankungen des Kolons und Rektums sowie von Beckenbodenfunktionsstörungen nach operativen Eingriffen.

Neben seiner operativen Tätigkeit gilt sein Interesse der Weiterentwicklung von Qualität, Sicherheit und Organisation in der Medizin. Fragen des klinischen Risiko- und Qualitätsmanagements sowie die
gesundheitsökonomischen Herausforderungen des deutschen Gesundheitssystems auf Klinik-, Landes￾und Bundesebene bilden einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit.

Mit seinem Master of Arts in Health Business Administration verbindet er medizinische Expertise mit ökonomischem Verständnis. Sein Anliegen ist es, eine gemeinsame Sprache zwischen Medizin und Ökonomie zu entwickeln, um klinische Qualität, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und strategische Krankenhausentwicklung besser miteinander zu verbinden. Darüber hinaus engagiert er sich für moderne Führung im Gesundheitswesen. Als Netzwerkexperte und systemischer Businesscoach für Führungskräfte setzt er sich für zeitgemäße Führungsinstrumente, interdisziplinäre Zusammenarbeit und starke professionelle Netzwerke im Gesundheitssystem ein.

Sein berufspolitisches Engagement begann bereits während der Assistenzarztzeit im Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC). Dort engagierte er sich früh in der Nachwuchsförderung und war Mitglied des Präsidiums. Sein Ziel war und ist es, jungen Chirurginnen und Chirurgen eine stärkere Stimme in der Berufspolitik zu geben. In diesem Zusammenhang war er auch Mitbegründer des Bündnisses Junge Ärzte.

Heute ist Dr. Matthias Krüger Landesvorsitzender des BDC in Sachsen-Anhalt und befindet sich in seiner zweiten Legislaturperiode. Sein besonderes Anliegen ist es, die chirurgische Versorgung – insbesondere in einem Flächenland – aktiv mitzugestalten und den Dialog zwischen Chirurgie, Politik und allen Partnern der Gesundheitsversorgung zu stärken.

FA für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Zusatzqualifikation: spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie, Notfallmedizin
Master of Arts Health Business Administration
Klinischer Risikomanager
Lehrbeauftragter Chirurgie im Studiengang Physician Assistance an der Hochschule Anhalt, Köthen
Systemischer Businesscoach (Quadriga University)
Externer Fachauditor DIN ISO En 9001-2015 und Organzentren

filo

Einladung zur Jahresversammlung Sachsen-Anhalt mit Wahlen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich lade Sie herzlich zu unserer jährlichen Mitgliederversammlung ein.

Im Mittelpunkt der Sitzung stehen die turnusmäßigen Vorstandswahlen. Herr Prof. Falke wird den Vorstand nach langjährigem Engagement verlassen. Wir danken ihn bereits an dieser Stelle für seine verdienstvolle Arbeit.

Der übrige bisherige Vorstand stellt sich geschlossen zur Wiederwahl und freut sich auf Ihr erneutes Vertrauen. Für den frei werdenden Vorstandsposten kandidiert Herr Dr. Jan Schröder, Oberarzt am Harzklinikum Quedlinburg, ein engagierter junger Kollege, der die zukünftige Arbeit unseres Landesverbandes mit neuen Impulsen bereichern möchte.

Neben den Wahlen möchten wir die Sitzung nutzen, um gemeinsam über eine inhaltliche Neuausrichtung des Landesverbandes zu beraten. Ziel ist es, aktuelle berufspolitische Herausforderungen klar zu adressieren und strategische Schwerpunkte für die kommenden Jahre festzulegen.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme, Ihre Anregungen und eine konstruktive Diskussion. Die Agenda finden Sie hier: AGENDA

Datum: 19.01.2026
Uhrzeit: 17:00 – 19:00 Uhr
Ort: Leonardo Hotel Magdeburg, Bahnhofstr. 69, 39104 Magdeburg

Wir bitten Sie um Ihre Anmeldung bis 12.01.2026 an mail@bdc.de.

Ich wünsche Ihnen eine gute Anreise und verbleibe
mit den besten Grüßen

Ihr Matthias Krüger
Vorsitzender Landesverband BDC|Sachsen-Anhalt

Einladung zur 16. Jahrestagung des LV BDC|Hessen und des HCV e.V.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

wir laden Sie herzlich zur 16. Jahrestagung des LV BDC|Hessen und des HCV e.V. am Mittwoch, den 03.12.2025 ein.

Datum: Mittwoch, 03.12.2025
Zeit: 18:30 – 22:00 Uhr
Ort: Emma Klinik, Frankfurter Str. 51, 63500 Seligenstadt
Die genaue Agenda und weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Anhang.

Wir bitten um eine Bestätigung Ihrer verbindlichen Teilnahme unter Angabe Ihres Namens und der Personenzahl bis zum 23.11.2025 per Mail an KarinReibstein@hcv-ev.de.

Hier geht´s zum Download des Programms:  16. Jahrestagung des LV BDC|Hessen und des HCV e.V.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Forst
1. Vorsitzender des BDC|Hessen
 Jan Henniger
1. Vorsitzender des HCV e.V.

Einladung zum Jahrestreffen und Neuwahl des Vorstandes des BDC|Thüringen

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

wir laden Sie herzlich zum Jahrestreffen mit Neuwahl des Vorstandes des Landesverbandes BDC|Thüringen ein.

Datum Freitag, 7.11.2025
Uhrzeit 18:00 Uhr
Ort Kassenärztliche Vereinigung Thüringen,
Zum Hospitalgraben 8, 99425 Weimar

 

Agenda
TOP 1 Begrüßung durch Dr. med. Arndt Voigtsberger
TOP 2 Wahl des Vorstandes
TOP 3 Sonstiges

Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme und auf einen Informations- und Meinungsaustausch.

Wir bitten Sie um Anmeldung anhand des beigefügten Anmeldeformulars bis spätestens 24.10.2025.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Arndt Voigtsberger
Vorsitz
Steffen Minner
Stellv. Vorsitz

Professor Tim Glowka zum Landesverbandsvorsitzenden Niedersachsen gewählt

Der BDC sowie der Landesverband BDC|Niedersachsen gratulieren Prof. Dr. Tim R. Glowka, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, herzlich zu seiner Ernennung zum Vorsitzenden des Landesverbands BDC|Niedersachsen. Die Wahl fand Anfang November bei der Jahresversammlung der Landesverbände BDC|Niedersachsen und BDC|Bremen in Braunschweig statt. Bei der gut besuchten Veranstaltung hielten Experten Fachvorträge unter anderem zu Themen der Berufspolitik, unfallchirurgischen Fällen, Tumorchirurgie und Hybrid-DRG.

BDC|Schnittstelle – im Fokus: Dr. Frauke Fritze-Büttner

Unser Format BDC|Schnittstelle präsentiert in regelmäßigen Abständen Persönlichkeiten mit wichtigen Funktionen im BDC. Heute im Fokus: Dr. Frauke Fritze-Büttner, Vorsitzende des Themenreferats Familie & berufliche Perspektiven

1. Frau Dr. Fritze-Büttner, welchen Auftrag haben Sie sich persönlich auf die Fahne geschrieben?
Das chirurgische Fachgebiet muss wieder interessant und vor allem attraktiv werden für junge Chirurg:innen. Die Chirurgie ist ein Fachgebiet, das anspruchsvoll, einnehmend, aber auch hoch interessant, innovativ und vor allem auch dankbar ist. Es gibt doch eigentlich nichts Schöneres, als durch eine gelungene Operation zu helfen und zu heilen. Das macht stolz. Mit dem demographischen Wandel und der Tatsache, dass die Chirurg:innen der Baby-Boomer-Generation bereits in den Ruhestand gehen, fehlt es damit deutschlandweit an Chirurg:innen. Andererseits werden viele Studienabsolvent:innen von hohen Arbeitszeit- und Dienstbelastungen, unbezahlten Überstunden und einer eingeschränkten Work-Life-Balance abgehalten, sich für ein chirurgisches Fachgebiet zu entscheiden.

2. Welches Thema liegt Ihnen für die nächsten Jahre besonders am Herzen?
Das eine ist, Medizinstudent:innen so früh zu begeistern, dass sie sich für eine chirurgische Karriere entscheiden. Hier engagiert sich insbesondere auch der BDC mit der „Nur Mut!“-Kampagne. Das andere ist, dass die Chirurgie so attraktiv sein muss, dass sich Frauen in der noch bestehenden Männerdomäne zunehmend für eine chirurgische Weiterbildung entscheiden, die auch Karrieremöglichkeiten bietet – auch vor dem Hintergrund einmal Mutter werden zu wollen. Auch für Männer muss der Beruf attraktiv bleiben. In einer BDC-Umfrage von 2021, an der 65 Prozent Chirurgen und nur 35 Prozent Chirurginnen beteiligt waren, hatten zwar 60 Prozent geantwortet, dass sie wieder Chirurg:innen werden würden wollen, 27 Prozent wären allerdings nur bereit, es unter anderen Umständen zu tun. Belastend werden zunehmend bürokratische und administrative Aufgaben aber vor allem auch Überstunden, viele Dienste und eine unzureichende Erfassung der Arbeitszeiten wahrgenommen.

3. Wie möchten Sie die Themen mit ihrem Verband anpacken? Wen und was benötigen Sie dafür? Was sind die Hürden?
Berufsverbände wie der BDC sind meiner Meinung nach dafür prädestiniert, Vorstellungen und Wünsche der Berufsgruppe zu erheben, Lösungskonzepte zu entwickeln und entsprechende Lobbyarbeit zu betreiben, um schließlich auch Veränderungen herbeizuführen. So wird zum Beispiel die Thematik einer ausgeglichenen Lebensqualität sowohl in der Presse als auch auf unseren Kongressen häufig diskutiert. Die zukünftige chirurgische Generation stellt dabei eine neue Anforderung an Chefärzt:innen und Klinikdirektor:innen. Hier verlangt es nicht nur eine stringente Umsetzung der realistischen Erfassung der Arbeitszeiten, sondern auch ein Umdenken auf Geschäftsführer- und Chefarztebene. Moderne Gestaltungsansätze der Arbeitszeit wie Teilzeit, Jobsharing, flexible Arbeitszeiten, natürlich angepasst an einen chirurgischen Alltag, müssen nicht nur diskutiert, sondern auch umgesetzt werden. War es vor ein paar Jahren noch unvorstellbar, dass auch Chirurgen Elternzeit nehmen oder Chirurg:innen in Teilzeit arbeiten, ist es heut zu Tage ein gangbarer Prozess. Wird der Gedanke der modernen Arbeitszeitgestaltung im Team und vom Chefarzt beziehungsweise der Chefärztin getragen, wie es auch in unserer Klinik mit 70 Prozent Chirurginnen möglich ist, sind Mitarbeiter: innen auch bereit, in schwierigen Situationen gewisse Opfer zu bringen. Mit mutigen, experimentierfreudigen Verantwortlichen können wir dazu beitragen, unseren Beruf attraktiver zu machen und junge Menschen zu begeistern.

4. Welche Verantwortung und welchen spezifischen Einfluss auf die Politik hat der BDC aus Ihrer Sicht?
Der BDC als Berufsverband und größte chirurgische Interessensvertretung in Deutschland ist in der Verantwortung, Bedürfnisse seiner Mitglieder sichtbar zu machen und diese letztlich auch in den gewerkschaftlichen Vertretungen und politischen Gremien zu platzieren. Ziel muss es sein, Kräfte zu bündeln, gezielt einzusetzen und mit einem starken Netzwerk die Interessen der Berufsgruppe zu vertreten. Nur so lassen sich Missstände beheben.

5. Was wünschen Sie sich für den BDC in den nächsten Jahren nach innen und nach außen?
Der BDC bietet ein großes Portfolio und ist auch dank der Landesverbände breit aufgestellt und gut etabliert. Er kann somit nicht nur ein starker Partner der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie als Dachgesellschaft, sondern auch aller chirurgischer Fachgesellschaften und weiterer Interessensgruppen (wie z.B. Die Chirurginnen e.V.) sein und dazu beitragen, Veränderungen zu bewirken. Letztendlich wird uns nur eine große Schlagkraft befähigen, die Berufswelt der Chirurg: innen den Lebensumständen anzupassen. Damit meine ich, dass wir den Vernetzungsgedanken stärker leben müssen und vermehrt den Schulterschluss mit berufspolitischen Gremien und den Fachgesellschaften suchen sollten, um gemeinsam zu gestalten.

6. Warum lohnt sich als BDC- Mitglied ein Engagement in dessen Gremien, und wer kann/sollte für ein Mandat kandidieren?
Der BDC bietet nicht nur vielfältige Leistungen, sondern lädt auch ein, sich einzubringen, mit zu agieren und zu verändern – und das sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Es erfordert Eigenengagement, da es vornehmlich ehrenamtliche Tätigkeiten sind. Meine Hoffnung ist, dass es unter den „jungen Chirurg:innen“ viele gibt, die sehen, was wir gemeinsam erreichen können und sich dafür positiv einsetzen wollen. Wir haben derzeit auch eine große Chance: Aufgrund des absehbaren Chirurg:innen- Mangels sitzen wir am richtigen Hebel und haben die Möglichkeit, unsere zukünftigen Arbeitsplatzbedingungen mitzugestalten. Ich finde, diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen!

Kurzporträt Dr. Frauke Fritze-Büttner
Geboren 1970 in Greifswald begann Dr. Fritze-Büttner an der dortigen Universitätsklinik 1996 ihre chirurgische Ausbildung, promovierte zum Doktor der Medizin 1998 und wechselte 1999 an das Unfallkrankenhaus Berlin Marzahn mit Facharztabschluss 2003. Im gleichen Jahr wechselte sie als Fachärztin für Chirurgie an das heutige Sana Klinikum Berlin Lichtenberg und erlangte die Qualifikation der speziellen Viszeralchirurgie 2007. 2005 wurde sie Oberärztin und mit 38 Jahren leitende Oberärztin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie (damals unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Gellert, jetziger Chefarzt Prof. Dr. Michael Heise). Von 2014 bis 2020 engagierte sich Frau Dr. Fritze-Büttner im Rahmen ihrer Tätigkeit im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie als „Oberärztin in nichtselbstständiger Stellung einer chirurgischen Krankenhausabteilung“ vornehmlich für das Thema „Operieren in der Schwangerschaft“. Seit 2018 ist sie ehrenamtlich im Präsidium des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgie und leitet hier seit 2021 das Themen-Referat „Familie & berufliche Perspektiven“. Frau Dr. Fritze-Büttner ist verheiratet und Mutter eines jetzt 9jährigen Sohnes.

Das Themenreferat „Familie & berufliche Perspektiven“ des BDC
Das Themenreferat „Familie & berufliche Perspektiven“ ist eines von acht Themenreferaten des BDC mit dem Ziel, entsprechend des neu definierten Leitbildes Schwerpunktthemen des BDC zu bearbeiten und öffentlich zu vertreten. Neben Dr. Fritze- Büttner engagieren sich Dr. Julia Gumpp, Dr. Beate Block und Dr. Steffen Axt, um Antworten und Lösungen auf multiple Fragen hinsichtlich verbesserter Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Familie und Karriere für Chirurg:innen zu finden.
filo

BDC|Schnittstelle – im Fokus: Professorin Carolin Tonus

Unser Format BDC|Schnittstelle präsentiert in regelmäßigen Abständen Persönlichkeiten aus den BDC|Landesverbänden. Heute im Fokus: Professorin Carolin Tonus, Vorsitzende des Landesverbands BDC|Hamburg

1. Frau Professorin Tonus, welchen Auftrag haben Sie sich für Ihren Landesverband auf die Fahne geschrieben?
Wir mussten nach der Pandemie den Landesverband regelrecht reanimieren. Dieses Jahr hatten wir dann wieder eine gut besuchte und spannende Jahrestagung im November. Wir bleiben dran, das Interesse an der regionalen Verbandsarbeit nachhaltig zu wecken.

2. Welches Thema liegt Ihnen für Hamburg in den nächsten Jahren besonders am Herzen?
Für die Chirurgenschaft möchte ich einen starken Verbund in diesem wunderbaren Stadtstaat Hamburg kreieren mit einem Dreigestirn aus Niederlassung, MVZ und Klinik. Der BDC soll für alle Chirurgen und Chirurginnen in Hamburg eine Heimat bieten mit relevanten Themen und Aufgaben.

3. Wie möchten Sie es mit ihrem Verband anpacken? Wen und was benötigen Sie dafür? Was sind die Hürden?
Wir möchten Jüngere für den Vorstand gewinnen. Wir haben uns dazu überlegt, dass wir die Assistenzarztsprecher:innen, die schon einen recht guten Überblick in die beruflichen Strukturen haben, in die BDC-Geschäftsstelle einladen. Mein Plan ist, mit ihnen nach Berlin zu reisen. Gemeinsam mit dem BDC-Vorstand möchte ich den Interessierten die Verbandsarbeit näherbringen und sie dafür begeistern. Ich halte das für ein schönes Pionierprojekt!

4. Welche Verantwortung und welchen spezifischen Einfluss auf die Politik haben die Landesvertretungen des BDC aus Ihrer Sicht?
Wir befinden uns in Zeiten der Veränderung und der Reformation, daher sind mir zwei Dinge wichtig: Wir wollen daran aktiv mitwirken und gestalten. Wir sehen uns dabei wie gesagt als Interessensvertretung für alle, Niedergelassene wie Angestellte in Klinik und MVZ. Der BDC muss sich hier meiner Meinung nach sehr breit aufstellen. Und ich meine außerdem: Nur die, die Herzen gewinnen und begeistern, werden in Zukunft Erfolg haben. Das gilt überall: Im beruflichen, chirurgischen wie auch im Verbandsumfeld.

5. Was wünschen Sie sich für Ihren Landesverband und die BDC Landesverbände in den nächsten Jahren nach innen und nach außen?
Der BDC ist der größte chirurgische Verband in Europa. Die BDC-Landesverbände haben die Möglichkeit, als starker Verbund zu agieren. Mir persönlich gefällt diese Struktur, aber auch mit welchem persönlichen Engagement meine Kolleg:innen dabei sind. Für den Landesverband Hamburg wünsche ich mir, dass wir eine Vorbildfunktion einnehmen können und Strahlkraft gewinnen. Ich möchte mit meinem Landesverband beweisen, dass wir für die Menschen, die in der Chirurgie arbeiten, Erfolge erzielen können!

6. Warum lohnt sich als BDC Mitglied ein Engagement in den Landesverbänden, und wer kann/sollte für ein Mandat kandidieren?
Hier hast du die Chance, etwas positiv zu begleiten und zu gestalten. Wichtig dabei ist, dass man kein Amt aus Eitelkeit bekleidet oder nur, weil man einen Titel tragen möchte. Das Interesse muss immer intrinsisch sein, aus eigener Überzeugung kommen. Ich möchte für die Chirurgie etwas bewirken. Ich bin ein absoluter Überzeugungstäter!

Privat

 

Kurzporträt Professorin Dr. med. Carolin Tonus

Proessorin Dr. Carolin Tonus, Chefärztin der Allgemein- und Visceralchirurgie in der Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg

Professorin Tonus ist seit über 32 Jahren durchweg Vollzeit in der Chirurgie tätig. Bereits mit vierzig Jahren wurde sie Chefärztin und begleitet seit vielen Jahren das ärztliche Direktoriat. Sie ist eine der wenigen Ärzt:innen, die sich von extern habilitiert haben. Seit rund zehn Jahren ist Tonus zudem Aufsichtsrätin eines privaten Trägers auf der Arbeitgeberbank. Über Jahrzehnte im BDC in unterschiedlichsten Funktionen aktiv, seit 2021 Landesverbandsvorsitzende für Hamburg. Das chirurgische Herz schlägt ihr als Mitglied in verschiedenen Fachgesellschaften. Professor Tonus hat einen Sohn und ist mit einem Chirurgen verheiratet. Privaten Ausgleich findet sie beim Fußball, „leidet“ seit Jahren mit ihrem HSV.

Professorin Carolin Tonus‘ Homepage: carolintonus.de

Der BDC|Landesverband Hamburg
Kurzpräsentation BDC-Landesverband Hamburg 2023 im PDF-Format
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