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BDC|Schnittstelle – im Fokus: Dr. Marie Samland

Unser Format BDC|Schnittstelle präsentiert in regelmäßigen Abständen Persönlichkeiten mit wichtigen Funktionen im BDC. Heute im Fokus: Dr. Marie Samland, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie und Landesverbandsvorsitzende des BDC|Berlin.

Ich möchte unsere Wertschätzung und Verantwortung rüberbringen!

1. Welchen Auftrag hast du dir für deinen Landesverband persönlich auf die Fahne geschrieben? Was sind deine Pläne in Berlin?
Die Mitglieder des BDC Landesverbandes haben am 8. Mai 2026 im Rahmen der Frühjahrstagung ihre Vorsitzenden und ihre Stellvertreter gewählt und ich freue mich sehr über die Ernennung zur Doppelspitze gemeinsam mit Dr. Karsten Mann. Ich möchte mich ganz herzlich für das ausgesprochene Vertrauen bedanken!

Unser Vorgänger Dr. Ralph Lorenz unterstützt aus „zweiter Reihe“ als stellvertretender Vorsitz; er blickt immerhin auf drei Legislaturperioden als Vorsitz zurück – was für eine Leistung! Besonderer Dank für ihren persönlichen Einsatz gebührt Frau Dr. Katharina Paul-Promchan, die seit 1. Oktober 2022 die Doppelspitze mit Dr. Ralph Lorenz inne hatte und nun ausscheidet.

Als Regionalvertreter wurde Herr Dr. med. Max von Seebach sowie als 2. Regionalvertreter Herr Dr. Gunnar Peters erneut gewählt. Gratulation!

Damit haben wir einen bunt gemischten Landesvorsitz aus verschiedenen chirurgischen Fachgebieten, aber auch verschiedene Schnittstellen in die ambulante und stationäre Versorgung. Diversität wie sie leibt und lebt.

Als einzige Frau im Vorsitz des Landesverband Berlin sehe ich hier direkt schon mal einen Auftrag für mich. Wie wäre es, eine geschlechtergerechte Besetzung innerhalb des Landesverband Berlin für die Legislatur ab 1. Oktober 2029 anzustreben? Oder gar im Vorstand des BDC? Gemische Teams arbeiten nicht nur besser, sondern bringen auch unterschiedliche Perspektiven ein. Und nur so gelingt eine echte Repräsentanz im Landesverband.

Ich begrüße den Trend sehr, dass engagierte Frauen vermehrt auch in Leitungsfunktionen im BDC gewählt werden. Nur zwei Beispiele: Für die Leitung der BDC-Landesverbandvorsitzenden wurde Frau Prof. Carolin Tonus (gemeinsam mit Herrn Dr. Björn Schmitz) zur Doppelspitze gewählt. Und im BDC Landesverband Bayern sind die beiden Landesverbandsvorsitzende weiblich besetzt mit Frau Dr. Julia Gumpp, gleichzeitig auch Präsidentin im Verein „Die Chirurginnen“, und Frau Dr. med. Kerstin Schick, zudem auch Vorstandsmitglied in verschiedenen Berufs- und Fachverbänden.

Das ist echt stark und wirft ein sehr gutes Licht auf den BDC!

Was ich mir daher auf die Fahne geschrieben habe? Gerade in Berlin in niederschwelligen und regelmäßigen Kontakt mit den BDC Mitgliedern zu kommen. Ich wünsche mir, dass wir es als Landesverband schaffen, mehr Frauen und mehr jüngere Leute zu ermutigen, berufspolitisch aktiv zu werden. Ich weiß, dass da draußen viele sind, dich sich gern mehr einbringen wollen, aber schlichtweg nicht wissen wie. Mir ist daher Nähe und Offenheit sehr wichtig. Dass wir weniger hinter “verschlossenen” Türen agieren, sondern vielmehr in den Austausch und Kontakt treten. Der neue BDC-Messenger bietet dafür schonmal eine geeignete Plattform (Mehr Infos: https://www.bdc.de/was-bringt-der-neue-bdc-messenger-von-doctolib-connect/page/2/.

Es ist gut, dass wir auf eine hervorragende Infrastruktur zugreifen können und uns jederzeit auf den Support der BDC Geschäftsstelle verlassen können. Danke dafür!

2. Welches Thema liegt dir in deiner Region den nächsten Jahren besonders am Herzen?
Ende 2023 hatten wir ein Stimmungsbild der Mitglieder im Landesverband Berlin im Rahmen einer Umfrage eingeholt mit dem Ergebnis, dass eine Weiterbildung im Verbund zwischen stationären und ambulanten Sektor dringend erwünscht ist. Die Ergebnisse präsentierte ich zur Frühjahrstagung des Landesverband Berlin 2024. Auch in der Passion Chirurgie haben wir die Umfrage aufgegriffen und diskutiert (https://www.bdc.de/wo-liegt-die-zukunft-der-chirurgischen-weiterbildung/). Aufgrund der Brisanz und dem großen Diskussionsbedarf wurde ich dann zu dem Thema „Zukunft der Weiterbildung – Zukunft des chirurgischen Nachwuchses“ zum Referatetreffen des BDC im November 2024 eingeladen, wofür ich dem Vorstand und insbesondere der Geschäftsführerin Frau Dr. Burgdorf, sehr dankbar bin! Das ganze Treffen war geprägt von Aktionismus und Tatendrang. Auch ging hieraus eine Projektgruppe zum Thema „Weiterbildung im Verbund“ hervor mit dem Ziel, Leitfaden und Unterlagen, wie Musterarbeitsverträge und Finanzierungsmodelle zu entwickeln. Es freut mich, dass ich hier die Perspektive der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung aktiv einbringen konnte und das Ergebnis nunmehr online zu sehen ist als Leitfaden „Weiterbildung im Verbund“ (https://www.bdc.de/weiterbildung-im-verbund/).

Es ist gut, dass wir uns kräftig für die Weiterbildung stark machen. Und uns permanent fragen, wie zukunftsfähig und wie gut die chirurgische Weiterbildung aktuell ist.

Fakt ist: Die wenigsten Weiterbildungsstätten bilden aktuell das gesamte Spektrum der chirurgischen Weiterbildung ab. Aufgrund der Ambulantisierung verschieben sich ganze Teilbereiche in den ambulanten Sektor, die einen wesentlichen Bestandteil des chirurgischen Alltags ausmachen – mit dem Haken, dass dort eine chirurgische Weiterbildung nur in Ausnahmefällen stattfindet und die Finanzierung nur selten klar geregelt ist. Mit dem Leitfaden „Weiterbildung im Verbund“ haben wir nun umfassendes Informationsmaterial und praktikable Blaupausen erarbeitet, die juristische und organisatorische Unterstützung anbietet. So werden Themen wie Organisations- und Übernahmeverschulden aufgegriffen und rechtssichere Arbeitsverträge für Weiterbildungsverbünde angeboten. Insgesamt sind sektorenübergreifende, unbefristete Arbeitsverträge für die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung anzustreben.

Es ist mein Wunsch, in Berlin möglichst viele Standorte zu begleiten, an denen die „Weiterbildung im Verbund“ gelingt und andere zum Nachahmen ermuntert.

Ich möchte unsere Wertschätzung und Verantwortung rüberbringen für eine gelungene chirurgische Weiterbildung.

Aber auch für das Thema „Surgeon Well-Being“ müssen wir uns unbedingt noch weiter einsetzen (https://www.bdc.de/resilienz-staerken-was-die-bdc-weiterbildungsumfrage-2025-zeigt/), denn dem Nachwuchs geht es aktuell nicht gut! Dass sich der BDC nun die Unzufriedenheit bedingenden Faktoren angehen möchte und eine Förderung des Wohlbefinden und der Resilienz plant, unterstütze ich daher sehr.

Mir sind lebenswerte Arbeitsbedingungen eine Herzensangelegenheit und ich werde nicht müde, mich dafür stark zu machen und einzusetzen. Wir alle haben wohl bereits unsere Berufung gefunden in unserer täglichen Arbeit als Chirurgin oder Chirurg. Es sind aber immer noch zu oft die Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, dass – vor allem Chirurginnen – ihre Arbeitszeit reduzieren und nicht in dem Umfang erwerbstätig sind, wie sie es eigentlich sein wollen. Und ich frage mich: Wie geht es eigentlich den Vätern in der Chirurgie? Im Jahr 2019 haben etwa 7.000 Ärztinnen und Ärzte Elternzeit genommen, der Anteil Männer? Lag bei 2,5%! (Quelle: https://www.erfolgsfaktor-familie.de/resource/blob/212634/230c6b6c6183220850bbe489fc1203f7/2021-leitfaden-vereinbarkeit-im-krankenhaus-data.pdf).  Spannend finde ich, dass jeder dritte Vater berichtet, dass auf seine Elternzeit-Ankündigung abfällig oder negativ reagiert wurde (laut dem Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2022, https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/Rechtsgutachten/schwanger_eltern_pflege.html?nn=305458). 19 % der Väter fühlten sich unter Druck gesetzt, gar keine oder eine kürzere Elternzeit zu nehmen. Zum Vergleich: Bei Müttern sind es 11 %. Väter werden also bei der Ankündigung sogar häufiger unter Druck gesetzt als Mütter – nur redet kaum jemand darüber. Ich möchte also die Väter ins Boot holen: Auch sie müssen gehört und gesehen werden, aber sich auch aktiv zeigen.

Und es geht noch weiter: Es ist mitnichten nur die Kinderbetreuung, sondern auch die Notwendigkeit Angehörige zu pflegen, die die Sorgearbeit dann oft zu einem 24/7 Job macht. Wir müssen daher bessere und zuverlässigere Kinderbetreuung einfordern, ein funktionsfähiges Pflegesystem etablieren und – gerade als Berufsverband – und uns ganz maßgeblich für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben einsetzen. Familienbewusstsein hat in meinen Augen nichts mit Sozialromantik zu tun, sondern ist vielmehr unser alle Zukunftssicherung.  In den kommenden Jahren werden schließlich immer mehr Menschen als „Sandwich-Generation“ zwischen Kinderbetreuung, Pflegeverantwortung und Beruf feststecken.

3. Wie möchtest du die Themen mit dem BDC anpacken? Wen und was benötigst du dafür? Was sind die Hürden?
Flexible Arbeitszeitmodelle und eine offene Gesprächskultur sind schon mal ein Anfang. Es sind aber noch viele weitere Schritte notwendig und hierfür benötige ich die Unterstützung von den Mitgliedern des Landesverband, denn nur wenn wir wissen, wo die Schwierigkeiten in der Umsetzung von z.B. Arbeitszeitmodellen liegen, können wir auch unterstützen. Als weitere Hürde sehe ich die vielen Vorurteile – Feminismus, zum Beispiel, ist kein Frauenthema und damit alleinige Sache der Frauen. Wenn wir echte Gleichberechtigung wollen, dann geht es nur mit Hilfe beider Geschlechter, das heißt: Auch Chirurgen müssen Feministen sein.

4. Du bist auf Veranstaltungen oder Kongressen auch gern mal mit deinem Nachwuchs zu sehen. Wie sind die Reaktionen?
Es ist nicht so einfach, wie es nach außen wirkt, mit Baby oder Kleinkind auf einer Veranstaltung präsent zu sein. Drumherum ist natürlich irre viel zu organisieren. Auch der Alltag zu Hause mit meinen drei älteren Schulkindern ist vorab genau zu planen und zu besprechen. Mein Mann ist im Alltag der Kinder sehr präsent, obwohl auch er beruflich viel unterwegs ist. Wir halten uns quasi gegenseitig den Rücken frei und versuchen, die Sorgearbeit hälftig aufzuteilen.

Es gibt durchaus Stimmen, die sagen, dass Kinder auf einem Kongress unpassend sind und eine Kinderbetreuung vor Ort einen Rückschritt darstellt. Argument ist wohl, dass eine Teilnahme nur dann konzentriert erfolgen kann, wenn keine Kinder dabei sind.

Für mich ist die Kinderbetreuung vielmehr eine sichtbare Wertschätzung von Familien. Kinder können eben nicht immer „wegorganisiert“ werden. Dieses Jahr habe ich neben meinem Baby auch meine 10-jährige Tochter zur Jahresversammlung der Chirurginnen nach Erfurt mitgenommen. Für sie war es echt spannend, mal zu erleben, was ich so treibe, wenn ich nicht zu Hause bin. Und von der Schule konnte ich sie befreien mit dem Argument, dass es ihr als eine Art „Girl’s Day“ den Beruf der Chirurgin näherbringt.

Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2025 oder zum Deutschen Chirurgie Kongress 2026 waren einige Babys und Kleinkinder präsent. Das Miteinander unter den Teilnehmenden war durchweg wohlwollend, hilfsbereit und wertschätzend. Die Solidarität ermuntert dann auch andere zu einer Teilnahme, die sonst nicht darauf gekommen wären. In der Elternzeit mal rauszukommen und sich weiterzubilden, ist eine echte Bereicherung. Daher ist in meinen Augen eine Kinderbetreuung zu Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen eine Art Akzeptanz, dass Kinder in unser Leben dazu gehören und wir uns eben nicht zwischen Karriere und Kind(ern) entscheiden müssen, sondern beides miteinander kombinieren können und dürfen.

Ich bekomme stets sehr viel positive Reaktionen von anderen Kongressteilnehmern: Dass ich ein echtes Vorbild sei für andere Chirurginnen-Mütter oder dass ich genau die Art Vereinbarkeit lebe, worüber viele nur reden.

Auch einige berufspolitische Sitzungen habe ich mit Baby besucht und dies vorab immer angekündigt. Negative Reaktionen oder Erlebnisse hatte ich keine. Warum auch, die meisten haben selbst Kinder und vielleicht auch Enkelkinder. Und an all die Organisatoren der Veranstaltungen muss ich ein Lob aussprechen:  Der Baby-Hochstuhl steht schon bereit, ein Wickelbereich ist organisiert und hilfsbereite Unterstützung ist mir stets Gewiss.

Ich freue mich jedenfalls schon auf die Klausurtagung und das gemeinsame Jahrestreffen der BDC Landesverbände in Frankfurt am 12. und 13. Juni 2026, zu der ich mit meinem 10-Monate alten Baby anreise.

Copyright Hans-G. Unrau/ Intercongress

5. Welche Verantwortung und welchen spezifischen Einfluss auf die Politik hat der BDC als berufspolitischer Vertreter aller Chirurginnen und Chirurgen und haben speziell die Landesverbände aus deiner Sicht?
Gerade die Landesverbände sind die Grundfesten für den gesamten Berufsverband, denn sie sind die ersten Anlaufstellen für die Mitglieder. Daher ist es in meinen Augen auch so wichtig, dass wir im Vorstand möglichst divers auftreten sollten, denn so können sich die Mitglieder im Landesverband besser identifizieren.  Die Landesverbände sind wesentlich näher dran an den Bedürfnissen der Einzelnen.

Die Grundlage ist der persönliche Kontakt. Ich möchte raus aus dem anonymen Raum, und einen Austausch schaffen, bei dem sich jeder gern zugehörig fühlt.

Übrigens finde ich gut, dass wir alle im Vorstand in Berlin in unterschiedlichen Gremien noch einen „Fuß in der Tür“ haben, ob in KV, Ärztekammer oder anderen Fach- und Berufsverbänden. Das ist so wichtig! Es ist vor dem politischen Hintergrund kaum noch möglich, alle Probleme allein zu lösen. Daher begrüße ich die Aktion des Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie, bei der alle aufgerufen waren, ihren zuständigen Abgeordneten zu schreiben in Hinblick auf die konkreten Auswirkungen des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, was ich natürlich direkt getan habe. Ich bin sehr gespannt, wie das Treffen in ein paar Wochen mit den Wahlkreisabgeordneten abläuft, zu der ich nun eingeladen wurde.

Ich sag mal so: Steter Tropfen höhlt den Stein.

6. Warum lohnt sich als Mitglied ein Engagement im BDC und wer kann/sollte für ein Mandat kandidieren?
Ein Engagement im BDC lohnt sich, weil berufspolitische Entscheidungen unseren Alltag unmittelbar beeinflussen – Arbeitsbedingungen, Weiterbildung, Krankenhausstrukturen oder Vergütung. Wenn wir diese Themen nicht selbst mitgestalten, werden sie von anderen entschieden. Der BDC bietet die Möglichkeit, die Zukunft der Chirurgie aktiv mitzuprägen und sich gleichzeitig mit engagierten Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen. Die Akademie ist seit Jahren ein Garant für qualitative Fort- und Weiterbildung. Ich wünsche mir, dass sich künftig noch mehr Kolleginnen und Kollegen für ein Mandat im Verband zur Verfügung stellen – aus Klinik und Praxis, aus unterschiedlichen chirurgischen Disziplinen und besonders auch aus der jüngeren Generation. Der Verband lebt von der Vielfalt der Perspektiven. Der BDC ist über viele Jahre von sehr erfahrenen Persönlichkeiten geprägt worden, denen wir viel zu verdanken haben. Gleichzeitig ist es wichtig, dass nun auch jüngere Kolleginnen und Kollegen Verantwortung übernehmen und neue Ideen einbringen. Es geht nicht darum, die Lebensleistung der „Alten“ in Frage zu stellen, sondern darum, auf diesem Fundament gemeinsam die Zukunft der Chirurgie weiterzuentwickeln.

Berufspolitik braucht Erfahrung – aber sie braucht genauso neue Perspektiven und Engagement.

7. Was wünschst du dir für deinen Landesverband, den BDC und deine Arbeit in den nächsten Jahren nach innen und nach außen?
Desto mehr mitwirken, desto besser. Die Mitarbeit in den Berufsverbänden erfolgt ehrenamtlich und ich bin begeistert von dem Austausch und dem Einsatz. Gerade im Referat „Familie &  berufliche Perspektiven“ unter der Leitung von Frau Dr. Frauke Fritze-Büttner bin ich beeindruckt vom Engagement jedes Einzelnen. Ich finde es toll, innerhalb der Gruppe zu diskutieren, Umfragen und Artikel zu kreieren und merke, wie viel Leidenschaft für die Themen Vereinbarkeit und respektvolles Miteinander da ist, und was für unterschiedliche Hintergründe wir haben. Und dass dann trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, so viel Energie da ist, gemeinsam etwas zu bewegen!

Wäre es nicht wünschenswert, diese Diskussionsrunden einem noch breiteren Publikum zu öffnen, z.B. durch offene Treffen der Referate für alle interessierten Mitglieder aus dem Landesverband?

Copyright Hans-G. Unrau/ Intercongress

8. Warum lohnt sich als Mitglied ein Engagement im BDC und wer kann/sollte für ein Mandat kandidieren?
Im Oktober 2022 bin ich dem Aufruf zur Kandidatur zur Wahl im Landesverband Berlin nachgekommen. Mein damaliger Oberarzt hat mich sehr bestärkt, den Schritt zu wagen und mir das nötige Selbstvertrauen gegeben. Zu meiner Verblüffung wurde ich dann direkt zur zweiten Vorsitzenden gewählt. Und das hat mir gezeigt, dass wir uns oft einfach mehr zutrauen sollten und dürfen – und einfach machen sollten. Wenn ich das schaffe, dann schafft ihr das auch! Inzwischen bin ich in den BDC „reingewachsen“ und freue mich, für den BDC auf verschiedenen Veranstaltungen Sitzungen und Vorträgen als Mandatsträgerin aktiv mitzugestalten.

Kurzporträt Dr. med. Marie Samland
Dr. Marie Samland ist 1989 in Berlin geboren. Nach dem Studium an der Universität Leipzig absolvierte sie ihre Weiterbildung zur Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Uniklinik Leipzig, den DRK Kliniken Berlin Köpenick und am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin mit Facharztprüfung im November 2025.

Aktuell arbeitet Dr. Samland als Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin in der Klinik für Rückenmarkverletzte und Paraplegiologie.

Schon seit dem Medizinstudium ist Frau Dr. Samland berufspolitisch engagiert und konnte sich in den letzten Jahren in verschiedenen Berufs- und Fachverbänden einbringen und dem Nachwuchs eine Stimme geben. So hatte Dr. Samland von 2021 bis 2024 sowohl die Gremienleitung für das Junge Forum 0&U im Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) als auch die Sektionsleitung in der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) inne. Seit 2017 leitet Dr. Samland die Öffentlichkeitsarbeit im Jungen Forum 0&U und ist seit 2019 in der Sektion BerufsLEBEN aktiv. Im Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) ist Frau Dr. Samland im Oktober 2024 zur stellvertretenden Landesvorsitzende Berlins gewählt worden. Seit Oktober 2022 ist Dr. Samland stellvertretende Vorsitzende im BDC Landesverband Berlin, seit Mai 2026 Vorsitzende in Doppelspitze. Zudem wirkt Frau Dr. Samland in den BDC Themenreferaten „Familie und berufliche Perspektiven“ sowie „Nachwuchs und Karrieregestaltung“ mit und ist damit ein Teil des Präsidiums des BDC.

Frau Dr. Samland lebt mit ihrem Ehemann und vier Kindern in Berlin.

filo

BDC|Schnittstelle – im Fokus: Dr. Matthias Krüger

Unser Format BDC|Schnittstelle präsentiert in regelmäßigen Abständen Persönlichkeiten mit wichtigen Funktionen im BDC. Heute im Fokus: Dr. Matthias Krüger, Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Landesverbandsvorsitzender des BDC|Sachsen-Anhalt.

1. Welchen Auftrag haben Sie sich für Ihren Landesverband persönlich auf die Fahne geschrieben. Was sind Ihre Pläne in Sachsen-Anhalt?
Zusammen mit dem Vorstand strebe ich eine stärkere Verzahnung der Mitglieder Sachsen-Anhalt mit den gesundheitlichen Themen des Landes Sachsen-Anhalt an. Weiterhin plane ich eine Professionalisierung der Verbandsarbeit an den Themen- und Problemfeldern der chirurgisch-ländlichen Versorgungsrealität. Ziel ist es eine stärkere Anbindung der Mitglieder an den BDC durch regelmäßige Veranstaltungen, gern als Hybridformat mit den anderen Landesverbänden Mitteldeutschlands. Hierzu werden ich – gemeinsam mit dem Vorstand – in den nächsten Wochen und Monaten intensive Gespräche führen und Konzept erarbeiten. Eine Befragung der Mitglieder des Landesverbandes Sachsen-Anhalt zu diesen Themenfeldern unter dem Motto: “Was wünsche ich von meinem Landesverband?” soll die Grundlage dafür sein. Ich möchte den intersektoralen und interprofessionalen Austausch mit allen Protagonisten fördern und sowohl mit den Leistungsträgern aber auch mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ausbauen. Am Ende soll ein starkes berufspolitisches Netzwerk aus allen an der Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt beteiligten Akteuren entstehen.

2. Welches Thema liegt Ihnen in den nächsten Jahren besonders am Herzen?
Mir liegen folgende 5 Themenfelder besonders am Herzen:
– Fachkräftemangel im Gesundheitswesen
– Chirurgische Aus- und Weiterbildung (Finanzierung, Verbundweiterbildung, Möglichkeiten der intersektoralen Weiterbildung)
– Gesamte Gebiet Krankenhausreform insbesondere einer flächendeckenden Sicherstellung der chirurgischen Versorgungsqualität (Leistungsgruppen)
– Stärkere Verzahnung von Ökonomie und Medizin im Sinne einer Stärkung der medizinischen Excellence in den Führungsgremien von Gesundheitseinrichtungen
– Modernisierung des Landesverbandes – Mitmachen-Mitgestalten-Versorgung sichern

3. Wie möchten Sie die Themen mit dem BDC anpacken? Wen und was benötigen Sie dafür? Welche sind zu überwinden?
Die Bearbeitung der Themen und deren erfolgreiche Umsetzung sind stark von dem Engagement der Mitglieder abhängig. Diese gilt es für den Landesverband und für die Berufspolitik zu motivieren. Die alltägliche Belastung der Chirurginnen und Chirurgen in Weiterbildung, als Fach-, Ober- und Chefärzte sind mitunter enorm und lassen hier scheinbar wenig Spielraum. Der ökonomische Druck spaltet mitunter Ökonomie und Medizin. Die Gespräche auf Führungsebene werden kontroverser. Nicht nur die Themen und Problemfelder ansprechen, sondern auch aktiv mitanpacken muss das Ziel sein. Dafür müssen geeignete Formate neu gedacht und etabliert werden. Wir stehen vor enormen Herausforderungen, die wir nur gemeinsam bewerkstelligen können.

4. Welche Verantwortung und welchen spezifischen Einfluss auf die Politik hat der BDC als berufspolitischer Vertreter aller Chirurginnen und Chirurgen und haben speziell die Landesverbände aus Ihrer Sicht?
Leider muss ich feststellen, dass unser Einfluss auf die Politik in den letzten Jahren stark gesunken bis nahezu null ist. Die Politik scheint uns als Interessensgruppe nicht mehr richtig wahrzunehmen. Ursache ist hier sicherlich, dass es uns nicht gelungen ist als „Einheit der Chirurgie“ aufzutreten. Die diesbezüglichen jahrelangen Bemühungen des BDC waren nicht ausreichend erfolgreich. Die Besitzstandswahrungen der einzelnen
Interessensgruppen waren scheinbar zu groß. Die Verlustaversionen verhinderten zeitweise eine starke gemeinsame Stimme. Hier muss der BDC wieder klar als berufspolitische Stimme auftreten. Aus meiner Sicht haben die Landesverbände die Verantwortung, sich zu einer starken Stimme unter dem Motto: Chirurgie gestaltet Versorgung durch den Aufbau eines starken intersektoral-interprofessionalen Netzwerkes aus Landespolitik, Wirtschaft und Gesellschaft zu entwickeln. In der „Versorgungsallianz Gesundheit“ sind alle Interessierten eingeladen mitzumachen.

5. Was wünschen Sie sich für deinen Landesverband, den BDC und deine Arbeit in den nächsten Jahren nach innen und nach außen?
Für den Landesverband wünsche ich mir einen lebendigen und engagierten Landesverband, der sich traut, auch unangenehme gesundheitspolitische Positionen im Interesse unserer Mitglieder anzusprechen, zu diskutieren aber auch Lösungen zu erarbeiten.

Mein Slogan für Sachsen-Anhalt ist: „Chirurgie braucht Engagement. Unseres.“
Für den BDC insgesamt wünsche ich mir:

Innen
1. Ausbau der Transparenz für die Mitglieder der Arbeit des BDCs in der Gremienarbeit
2. Controlling der Effizienz der Gremienarbeit
3. Modernisierung der Vereinsstruktur und ggf. Überprüfung der Vereinsziele

Außen
1. Stärkere Förderung des chirurgischen Nachwuchses – Ohne Nachwuchs keine Versorgung
2. Starke Stimme für verlässliche gesundheitspolitische Rahmenbedingungen – Versorgung braucht politische Verlässlichkeit
3. Aufbau eines starken Netzwerkes aller an der Gesundheitsversorgung beteiligten Partner – Partnerschaft für die Zukunft der Chirurgie

6. Warum lohnt sich als Mitglied ein Engagement im BDC und wer kann/sollte für ein Mandat kandidieren?
Ein Engagement im BDC lohnt sich, weil berufspolitische Entscheidungen unseren Alltag unmittelbar beeinflussen – Arbeitsbedingungen, Weiterbildung, Krankenhausstrukturen oder Vergütung. Wenn wir diese Themen nicht selbst mitgestalten, werden sie von anderen entschieden. Der BDC bietet die Möglichkeit, die Zukunft der Chirurgie aktiv mitzuprägen und sich gleichzeitig mit engagierten Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen. Die Akademie ist seit Jahren ein Garant für qualitative Fort- und Weiterbildung. Ich wünsche mir, dass sich künftig noch mehr Kolleginnen und Kollegen für ein Mandat im Verband zur Verfügung stellen – aus Klinik und Praxis, aus unterschiedlichen chirurgischen Disziplinen und besonders auch aus der jüngeren Generation. Der Verband lebt von der Vielfalt der Perspektiven. Der BDC ist über viele Jahre von sehr erfahrenen Persönlichkeiten geprägt worden, denen wir viel zu verdanken haben. Gleichzeitig ist es wichtig, dass nun auch jüngere Kolleginnen und Kollegen Verantwortung übernehmen und neue Ideen einbringen. Es geht nicht darum, die Lebensleistung der „Alten“ in Frage zu stellen, sondern darum, auf diesem Fundament gemeinsam die Zukunft der Chirurgie weiterzuentwickeln.

Berufspolitik braucht Erfahrung – aber sie braucht genauso neue Perspektiven und Engagement.

Dr. Matthias Krüger           

Kurzporträt Dr. Matthias Krüger

Dr. Matthias Krüger ist Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit besonderer Expertise in der kolorektalen Chirurgie. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich klinisch und wissenschaftlich mit Erkrankungen des Kolons und Rektums sowie von Beckenbodenfunktionsstörungen nach operativen Eingriffen.

Neben seiner operativen Tätigkeit gilt sein Interesse der Weiterentwicklung von Qualität, Sicherheit und Organisation in der Medizin. Fragen des klinischen Risiko- und Qualitätsmanagements sowie die
gesundheitsökonomischen Herausforderungen des deutschen Gesundheitssystems auf Klinik-, Landes￾und Bundesebene bilden einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit.

Mit seinem Master of Arts in Health Business Administration verbindet er medizinische Expertise mit ökonomischem Verständnis. Sein Anliegen ist es, eine gemeinsame Sprache zwischen Medizin und Ökonomie zu entwickeln, um klinische Qualität, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und strategische Krankenhausentwicklung besser miteinander zu verbinden. Darüber hinaus engagiert er sich für moderne Führung im Gesundheitswesen. Als Netzwerkexperte und systemischer Businesscoach für Führungskräfte setzt er sich für zeitgemäße Führungsinstrumente, interdisziplinäre Zusammenarbeit und starke professionelle Netzwerke im Gesundheitssystem ein.

Sein berufspolitisches Engagement begann bereits während der Assistenzarztzeit im Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC). Dort engagierte er sich früh in der Nachwuchsförderung und war Mitglied des Präsidiums. Sein Ziel war und ist es, jungen Chirurginnen und Chirurgen eine stärkere Stimme in der Berufspolitik zu geben. In diesem Zusammenhang war er auch Mitbegründer des Bündnisses Junge Ärzte.

Heute ist Dr. Matthias Krüger Landesvorsitzender des BDC in Sachsen-Anhalt und befindet sich in seiner zweiten Legislaturperiode. Sein besonderes Anliegen ist es, die chirurgische Versorgung – insbesondere in einem Flächenland – aktiv mitzugestalten und den Dialog zwischen Chirurgie, Politik und allen Partnern der Gesundheitsversorgung zu stärken.

FA für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Zusatzqualifikation: spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie, Notfallmedizin
Master of Arts Health Business Administration
Klinischer Risikomanager
Lehrbeauftragter Chirurgie im Studiengang Physician Assistance an der Hochschule Anhalt, Köthen
Systemischer Businesscoach (Quadriga University)
Externer Fachauditor DIN ISO En 9001-2015 und Organzentren

filo

BDC|Schnittstelle – im Fokus: Dr. Björn Schmitz

Unser Format BDC|Schnittstelle präsentiert in regelmäßigen Abständen Persönlichkeiten mit wichtigen Funktionen im BDC. Heute im Fokus: Dr. Björn Schmitz, Chefarzt der Klinik für Allgemein-& Viszeralchirurgie, Proktologie in den Knappschaft Kliniken Kamen.

1. Herr Dr. Schmitz, Welchen Auftrag haben Sie sich für Ihren Landesverband persönlich auf die Fahne geschrieben? Was sind Ihre Pläne? 
Gerade wir in Westfalen-Lippe, als ein Teil von Nordrhein-Westfalen, sind in der Krankenhauslandschaft aufgrund der Krankenhausreform in NRW vielseitig beschäftigt. Diesen Prozess konnten wir als krankenhaustätige Ärzte zunächst nur staunend und skeptisch zur Kenntnis nehmen. Im Rahmen meiner BDC-Landesverbandsarbeit ist es mein sehr persönliches Anliegen hier in die politischen Prozesse tiefer einzutauchen. Im engen Austausch mit der Ärztekammer WL und den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten erarbeiten wir konstruktive Vorschläge, um die Reform in Einzelheiten nachzujustieren oder auf Schwächen hinzuweisen. Meine Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Aufmkolk als Niedergelassener- und Regionalvertreter sowie zum Landesverband Nordrhein mit meinen Kollegen Dr. Sven Gregor und PD Dr. Peter Fellmer ist sehr vertrauens- und respektvoll, sodass wir in unserem Auftrag immer das Gemeinsame sehen.

2. Welches Thema liegt Ihnen in den nächsten Jahren besonders am Herzen?
Ein besonderes Anliegen ist mir die Stärkung der ärztlichen Weiterbildung in unseren Regionen. Hierzu wird es unerlässlich sein, Rotations- und Weiterbildungsverbünde nicht nur innerhalb der einzelnen Trägerschaften, sondern auch trägerübergreifend zu gründen. Meine Vision ist es, vielleicht ein so genanntes BDC-Weiterbildungspaket und -konzept zu entwickeln, in dem wir eng mit der Ärztekammer und den jeweiligen Trägern ein genau strukturiertes, zeitlich planbares Weiterbildungskonzept für unsere jungen angehenden Chirurginnen und Chirurgen entwickeln. Sie brauchen eine räumlich und inhaltlich verlässliche Weiterbildungszeit, um den angestrebten Facharzttitel mit ausreichenden Kompetenzen erreichen zu können. Auch müssen wir uns über die Besonderheiten der „spezielle Viszeralchirurgie“ Gedanken machen. Es wird kaum mehr möglich sein, diese Kompetenz ohne ein aufwendiges und zeitintensives Rotieren zu erlangen, da kaum eine Klinik alle Leistungsgruppen anbieten dürfte. Alternativen wie die „Modul“ Weiterbildungen werden gerade inhaltlich konkretisiert und erscheinen realisierbar.

Ein riesen Baustein in diesem Zusammenhang stellt die Ambulantisierung der Leistungen dar, sodass es ohne Rotation in die Niederlassung/MVZ nicht gehen wird.

3. Wie möchten Sie die Themen mit dem BDC anpacken? Wen und was benötigen Sie dafür?
In meiner Funktion als Chefarzt der Allgemein- und  Viszeralchirurgie sowie Proktologie in einem Haus der Grund- und Regelversorgung wird man schnell auf den Boden der Realität zurückgeholt. Jegliche Hürde um Projekte anzupacken ist monetärer Genese. Weiterbildung kostet genauso finanzielle Ressourcen wie eine gute Patientenversorgung. Hier müssen alle politischen Mandatsträger sowie die Krankenhausgeschäftsführungen aber auch wir als Ärzteschaft zunehmend unter schwierigen Bedingungen weiter gestalten. Leider ist es zunehmend so, dass sich gute medizinische Leistungen leider in der DRG-Grouper Logik nicht immer auszahlen. Und genau da sehe ich den Spagat zwischen medizinischer Verantwortung und finanzielle Ressource.

Was brauche ich, oder was wünsche ich mir? Die Politik muss über veränderte finanzielle Prozesse den Krankenhausgeschäftsführungen finanzielle Anreize geben, die ärztliche Weiterbildung zu stärken und gleichzeitig die Patientenversorgung nach Bedarf und nicht nach Zielvorgabe gestalten zu dürfen.

4. Welche Verantwortung und welchen spezifischen Einfluss auf die Politik hat der BDC als berufspolitischer Vertreter aller Chirurginnen und Chirurgen und haben speziell die Landesverbände aus Ihrer Sicht?
Aus meiner Sicht sind die Landesverbände des BDC ein erhebliches Bindeglied zwischen Bundesvorstand des BDC’s und den lokalen Gegebenheiten. An dieser Stelle ist es eine sehr wichtige Aufgabe immer wieder und stetig zu vermitteln, dass man nicht alle Regionen in Deutschland als Schablone behandeln kann. Die Art der Dichte, Trägervielfalt und die unterschiedlichen Krankenhäuser lassen sich nicht deutschlandweit in eine Blaupause, wie es zurzeit über die Krankenhausreform versucht wird, pressen. Hier sind engmaschige Gespräche mit den lokalen Politikern, mit den Ärztekammern, mit den kassenärztlichen Vereinigungen und vor allem auch mit den Ärztinnen und Ärzten vor Ort dringend weiter notwendig. Als neu gewählter Sprecher der Landesverbände und Regionalverbände sehe ich zusammen mit meiner Kollegin Prof. Dr. Carolin Tonus (wir bilden die Doppelspitze) erhebliches Multiplikatorenpotenzial, um voneinander gegenseitig zu lernen.

5. Was wünschen Sie sich für deinen Landesverband, den BDC und deine Arbeit in den nächsten Jahren nach innen und nach außen?
Mir persönlich macht die Landesverbandsarbeit für den BDC extrem Spaß. Noch mehr fokussieren werde ich mich auf die inhaltlichen Themen wie Weiterbildung und finanzieller Ausgleich. Die viele Online- sowie Telefonarbeit fördert ein zunehmendes Wir-Gefühl. Nach innen, also zum BDC selbst gerichtet, wünsche ich mir eine noch engere Verzahnung, Transparenz und Entscheidungseinbindung. Im äußeren Auftreten müssen wir noch sichtbarer werden. Wir dürfen, sollen und müssen Entscheidungen treffen, die wir dann auch streitbar vertreten.

6. Warum lohnt sich als Mitglied ein Engagement im BDC und wer kann/sollte für ein Mandat kandidieren?
Das Engagement im BDC lohnt sich immer. Ich finde, der BDC steht – und das ist einmalig in Europa – fachübergreifend aller chirurgischen Disziplinen für eine Sache, für ein starkes „Wir“, gute Weiterbildung, gute Entlohnung sowie exzellente Patientenversorgung. Hier gibt es ein hervorragendes „Wir“ zwischen Niederlassung und Krankenhaus. Hier haben wir uns bereits inhaltlich und faktisch auf den Weg gemacht, die schwierigen Rahmenbedingungen nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern inhaltlich mitzuwirken und zu führen. Herzlich eingeladen sind alle jungen, aber auch erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, die sich berufspolitisch interessieren, für Mut und Veränderung einstehen und ein Stück weit persönliches Engagement sich selbst auf die Fahne schreiben möchte.

           

Kurzporträt Dr. Björn Schmitz, MHBA

Hochschulstudium

  • 1998-2005  Studium der Humanmedizin, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • 2005  Approbation
  • 2017-2019 Studium Master of Health Business Administration, MHBA an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
  • seit 2020 Lehrbeauftragter an der Universität Witten/Herdecke

Beruflicher Werdegang

  • 2005-2010  Assistenzarzt in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie, Knappschaft Kliniken Dortmund
  • 2009  Promotion zum Thema Leistenhernien
  • 2010-2014  Oberarzt in der Klinik für Allgemein-Viszeral-und Unfallchirurgie, Knappschaft Kliniken Dortmund
  • 2014-2016 Leitender Oberarzt der Klinik für Allgemein-und Viszeralchirurgie, Knappschaft Kliniken Dortmund
  • 2016 Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie in den Knappschaft Kliniken Lütgendortmund
  • 2017-2021 Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie in den Knappschaft Kliniken Lünen
  • seit April 2021 Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie in den Knappschaft Kliniken Lünen
  • seit Januar 2025 Chefarzt der Klinik für Allgemein-& Viszeralchirurgie, Proktologie in den Knappschaft Kliniken Kamen
  • 2021-2025 Leiter des Schilddrüsenzentrums Kreis Unna/Lünen
  • seit 2025 Leiter des Schilddrüsenzentrums Kreis Unna/Kamen
  • seit November 2021 Stellvertretender Landesverbandsvorsitzender Westfalen Lippe des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgie (BDC)
  • seit Januar 2023 Landesverbandsvorsitzender Westfalen Lippe des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgie (BDC)
  • seit 2023 Chirurgischer Kooperationspartner der zertifizierten Fußbehandlungseinrichtung DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft)
  • seit August 2023 KV-Ermächtigung für die Teilnahme am Zweitmeinungsverfahren: 1. für Amputationen beim Diabetischen Fußsyndrom,  2. Cholezystektomie (Gallenblase)
  • seit Juli 2024 Leiter des Kompetenzzentrums für Hernienchirurgie (DGAV)
  • seit 2024 im Beirat AG Gesundheitspolitik der Niederheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie
  • seit 2025 2. Sprecher der Landesverbandvorsitzenden und Regionalvertreter des BDC

Zusatzbezeichnungen:

  • Facharzt für Chirurgie
  • Facharzt für Viszeralchirurgie, Spezielle Viszeralchirurgie
  • Fachkunde Rettungsdienst
  • Notfallmedizin
  • Sportmedizin
  • Manuelle Medizin/Chirotherapie
  • Zertifizierte Medizinische Begutachtung

Hygienebeauftragter Arzt

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BDC|Schnittstelle – im Fokus: Professor Andreas Kirschniak

Unser Format BDC|Schnittstelle präsentiert in regelmäßigen Abständen Persönlichkeiten mit wichtigen Funktionen im BDC. Heute im Fokus: Professor Andreas Kirschniak, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiter des Themenreferats Nachwuchs.

1. Herr Professor Kirschniak, Welchen Auftrag haben Sie sich für Ihre Themenreferate persönlich auf die Fahne geschrieben? Was sind Ihre Pläne?
Als Leiter des Themenreferates „Nachwuchs“ ist es mir ein Anliegen die bestehenden BDC-Nachwuchsprogramme stetig weiterzuentwickeln und neue Konzepte für die Weiter- und Fortbildung zu erarbeiten. Ein kürzlich umgesetztes Projekt ist das Videoangebot zur M3-Prüfungsvorbereitung „Watch&Learn“, bei dem wir elf Prüfungssimulationen zum M3-Examen aufgezeichnet haben. Es steht seit November 2023 über die BDCeAkademie Medizinstudierenden zur Verfügung. Alle Nachwuchsangebote haben das Ziel, Begeisterung für das chirurgische Fach zu wecken oder bereits vorhandenes Interesse zu verstärken.

2. Welches Thema liegt Ihnen in den nächsten Jahren besonders am Herzen?
Durch die zunehmende Technologisierung in der Chirurgie wird eine strukturierte Weiterbildung immer schwieriger. Viele Eingriffe werden heutzutage minimalinvasiv oder roboterassistiert durchgeführt. Diese Eingriffe stellten früher eine gute Möglichkeit dar, jüngeren Kolleg:innen Eingriffe zu assistieren. Heutzutage übernehmen Asisstent:innen dagegen häufig die Kameraführung oder die Table Assistance und rücken dabei in den Hintergrund. Daher müssen wir an neuen Weiterbildungskonzepten arbeiten; zusammen mit anderen Ressorts des BDC, wie zum Beispiel mit den Themenreferaten „Digitalisierung und technische Innovation“ oder „Familie und Beruf“. Auch die Krankenhausreform und die Ambulantisierung werden uns in Hinblick auf die chirurgische Weiterbildung vor neue Herausforderungen stellen, für die wir zeitnah gute Lösungen finden müssen.

3. Wie möchten Sie die Themen mit dem BDC anpacken? Wen und was benötigen Sie dafür?
Zunächst ist es wichtig, unsere Arbeit sichtbar zu machen und aufzuzeigen, dass es sich lohnt, sich in Gremien zu engagieren. Um die Weiterbildung in den Fokus zu rücken, benötigen wir noch mehr engagierte Köpfe, die sich mit Kreativität und Pragmatismus dem Problem stellen und sich für kontinuierliche Verbesserungen einsetzen.

4. Was wünschen Sie sich für den BDC und Ihre Arbeit in den nächsten Jahren nach innen und nach außen?
Ich würde gerne das Videoprojekt „Watch&Learn“ weiterentwickeln und ausbauen. Ich halte das Format für eine gute und neuartige Unterstützung in der Vorbereitung auf mündliche und praktische Prüfungen. Es ist zugleich jedoch extrem herausfordernd möglichst viele Prüfungssituationen und -inhalte damit darstellen zu können. Das durchweg gute Feedback zu dem Format bestätigt uns aber darin, hier weiter zu machen.

Zudem sollte der BDC in den sozialen Medien noch deutlicher sichtbar werden, um den Nachwuchs früher zu erreichen. Die Nachwuchskampagne „Kein Weiter ohne Bildung“ ist hierfür ein gelungenes Beispiel.

5. Warum lohnt es sich als Mitglied ein Engagement beim BDC, und wer kann/sollte für ein Mandat kandidieren?
Bei gemeinsamen Treffen der Themenreferate erhält man ständig Einblicke in Bereiche, die man vielleicht selbst nicht so im Fokus hat und erweitert dadurch seinen Horizont. Davon profitiere ich persönlich immer sehr. Aktuelle Beispiele sind die Veränderungen bei den niedergelassenen Kolleg:innen oder in anderen chirurgischen Fachdisziplinen wie der Neurochirurgie oder Kinderchirurgie. Aber auch die eAkademie des BDC bietet digitale Angebot mit vielen Gestaltungsoptionen.

Kurzporträt Professor Andreas Kirschniak
Ich bin 1976 in Rothenburg ob der Tauber geboren und im Wesentlichen in der Umgebung von Tübingen groß geworden. Nach dem Abitur startete ich als Zivildienstleistender in der Allgemein-, Viszeral und Transplantationschirurgie der Universitätsklinik Tübingen. Das Medizinstudium habe ich dort ebenfalls absolviert und parallel in der Pflege chirurgischer Stationen gearbeitet. Neben meinen Tätigkeiten an Patient:innen, bin ich einer Vielzahl von wissenschaftlichen Hilfskrafttätigkeiten nachgegangen (sowohl in der Anatomie als auch in der Sektion für minimalinvasive Chirurgie, damals geleitet von Herrn Professor G. Buess).

Die Entwicklung neuer Technologien hat mich schon früh begeistert. Im Rahmen meiner Promotion hatte ich die Möglichkeit, an der Entwicklung eines neuen Medizinproduktes teilzunehmen. Durch die Verknüpfung mit dem anatomischen Institut in Tübingen konnte ich bis 2007 die klinische Anatomie etablieren und dort durch die Einführung neuer Fixationstechniken minimal invasive Eingriffe an anatomischen Präparaten ermöglichen. Nach dem Studium verbrachte ich mein AIP in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im anatomischen Institut sowie dann schließlich in der Allgemeinen, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsklinik. Dort erfuhr ich fast vollständig meine gesamte klinische Ausbildung mit einer Pause von zwei Jahren als Assistenzarzt, als ich in die Grund- und Regelversorgung in das Klinikum Neuwerk nach Mönchengladbach wechselte.

Nach abgeschlossener Facharztprüfung habe ich meine weitere Laufbahn an der Universitätsklinik Tübingen absolviert und dabei stetig Entwicklung vorangetrieben; sowohl wissenschaftlich als auch klinisch mit den Schwerpunkten Medizintechnik, Ausbildung und Weiterbildung und schließlich als leitender Oberarzt für die „Kolorektale Chirurgie“. 2019 erhielt ich den Ruf auf eine W2- Professur für die „Chirurgische Technologie und Training“ der Tübinger Universität. 2020 ergab sich die Möglichkeit als Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Kliniken Maria Hilf GmbH in Mönchengladbach die Leitung einer großen, chirurgischen Abteilung zu übernehmen. Dort gelang es sehr rasch, die roboterassistierte Chirurgie zu implementieren und die minimalinvasive Chirurgie ebenfalls auf das gesamte Spektrum chirurgischer Eingriffe zu übertragen.

Neben der beruflichen Entwicklung galt mein Interesse schon immer der Nachwuchsarbeit, zunächst als Vorsitzender der CAJC der DGAV, und dann als Nachwuchsressortleiter des BDC. Ab April 2025 werde ich zudem die Funktion des stellvertretenden Akademieleiters im BDC übernehmen.

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BDC|Schnittstelle – im Fokus: Dr. Frauke Fritze-Büttner

Unser Format BDC|Schnittstelle präsentiert in regelmäßigen Abständen Persönlichkeiten mit wichtigen Funktionen im BDC. Heute im Fokus: Dr. Frauke Fritze-Büttner, Vorsitzende des Themenreferats Familie & berufliche Perspektiven

1. Frau Dr. Fritze-Büttner, welchen Auftrag haben Sie sich persönlich auf die Fahne geschrieben?
Das chirurgische Fachgebiet muss wieder interessant und vor allem attraktiv werden für junge Chirurg:innen. Die Chirurgie ist ein Fachgebiet, das anspruchsvoll, einnehmend, aber auch hoch interessant, innovativ und vor allem auch dankbar ist. Es gibt doch eigentlich nichts Schöneres, als durch eine gelungene Operation zu helfen und zu heilen. Das macht stolz. Mit dem demographischen Wandel und der Tatsache, dass die Chirurg:innen der Baby-Boomer-Generation bereits in den Ruhestand gehen, fehlt es damit deutschlandweit an Chirurg:innen. Andererseits werden viele Studienabsolvent:innen von hohen Arbeitszeit- und Dienstbelastungen, unbezahlten Überstunden und einer eingeschränkten Work-Life-Balance abgehalten, sich für ein chirurgisches Fachgebiet zu entscheiden.

2. Welches Thema liegt Ihnen für die nächsten Jahre besonders am Herzen?
Das eine ist, Medizinstudent:innen so früh zu begeistern, dass sie sich für eine chirurgische Karriere entscheiden. Hier engagiert sich insbesondere auch der BDC mit der „Nur Mut!“-Kampagne. Das andere ist, dass die Chirurgie so attraktiv sein muss, dass sich Frauen in der noch bestehenden Männerdomäne zunehmend für eine chirurgische Weiterbildung entscheiden, die auch Karrieremöglichkeiten bietet – auch vor dem Hintergrund einmal Mutter werden zu wollen. Auch für Männer muss der Beruf attraktiv bleiben. In einer BDC-Umfrage von 2021, an der 65 Prozent Chirurgen und nur 35 Prozent Chirurginnen beteiligt waren, hatten zwar 60 Prozent geantwortet, dass sie wieder Chirurg:innen werden würden wollen, 27 Prozent wären allerdings nur bereit, es unter anderen Umständen zu tun. Belastend werden zunehmend bürokratische und administrative Aufgaben aber vor allem auch Überstunden, viele Dienste und eine unzureichende Erfassung der Arbeitszeiten wahrgenommen.

3. Wie möchten Sie die Themen mit ihrem Verband anpacken? Wen und was benötigen Sie dafür? Was sind die Hürden?
Berufsverbände wie der BDC sind meiner Meinung nach dafür prädestiniert, Vorstellungen und Wünsche der Berufsgruppe zu erheben, Lösungskonzepte zu entwickeln und entsprechende Lobbyarbeit zu betreiben, um schließlich auch Veränderungen herbeizuführen. So wird zum Beispiel die Thematik einer ausgeglichenen Lebensqualität sowohl in der Presse als auch auf unseren Kongressen häufig diskutiert. Die zukünftige chirurgische Generation stellt dabei eine neue Anforderung an Chefärzt:innen und Klinikdirektor:innen. Hier verlangt es nicht nur eine stringente Umsetzung der realistischen Erfassung der Arbeitszeiten, sondern auch ein Umdenken auf Geschäftsführer- und Chefarztebene. Moderne Gestaltungsansätze der Arbeitszeit wie Teilzeit, Jobsharing, flexible Arbeitszeiten, natürlich angepasst an einen chirurgischen Alltag, müssen nicht nur diskutiert, sondern auch umgesetzt werden. War es vor ein paar Jahren noch unvorstellbar, dass auch Chirurgen Elternzeit nehmen oder Chirurg:innen in Teilzeit arbeiten, ist es heut zu Tage ein gangbarer Prozess. Wird der Gedanke der modernen Arbeitszeitgestaltung im Team und vom Chefarzt beziehungsweise der Chefärztin getragen, wie es auch in unserer Klinik mit 70 Prozent Chirurginnen möglich ist, sind Mitarbeiter: innen auch bereit, in schwierigen Situationen gewisse Opfer zu bringen. Mit mutigen, experimentierfreudigen Verantwortlichen können wir dazu beitragen, unseren Beruf attraktiver zu machen und junge Menschen zu begeistern.

4. Welche Verantwortung und welchen spezifischen Einfluss auf die Politik hat der BDC aus Ihrer Sicht?
Der BDC als Berufsverband und größte chirurgische Interessensvertretung in Deutschland ist in der Verantwortung, Bedürfnisse seiner Mitglieder sichtbar zu machen und diese letztlich auch in den gewerkschaftlichen Vertretungen und politischen Gremien zu platzieren. Ziel muss es sein, Kräfte zu bündeln, gezielt einzusetzen und mit einem starken Netzwerk die Interessen der Berufsgruppe zu vertreten. Nur so lassen sich Missstände beheben.

5. Was wünschen Sie sich für den BDC in den nächsten Jahren nach innen und nach außen?
Der BDC bietet ein großes Portfolio und ist auch dank der Landesverbände breit aufgestellt und gut etabliert. Er kann somit nicht nur ein starker Partner der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie als Dachgesellschaft, sondern auch aller chirurgischer Fachgesellschaften und weiterer Interessensgruppen (wie z.B. Die Chirurginnen e.V.) sein und dazu beitragen, Veränderungen zu bewirken. Letztendlich wird uns nur eine große Schlagkraft befähigen, die Berufswelt der Chirurg: innen den Lebensumständen anzupassen. Damit meine ich, dass wir den Vernetzungsgedanken stärker leben müssen und vermehrt den Schulterschluss mit berufspolitischen Gremien und den Fachgesellschaften suchen sollten, um gemeinsam zu gestalten.

6. Warum lohnt sich als BDC- Mitglied ein Engagement in dessen Gremien, und wer kann/sollte für ein Mandat kandidieren?
Der BDC bietet nicht nur vielfältige Leistungen, sondern lädt auch ein, sich einzubringen, mit zu agieren und zu verändern – und das sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Es erfordert Eigenengagement, da es vornehmlich ehrenamtliche Tätigkeiten sind. Meine Hoffnung ist, dass es unter den „jungen Chirurg:innen“ viele gibt, die sehen, was wir gemeinsam erreichen können und sich dafür positiv einsetzen wollen. Wir haben derzeit auch eine große Chance: Aufgrund des absehbaren Chirurg:innen- Mangels sitzen wir am richtigen Hebel und haben die Möglichkeit, unsere zukünftigen Arbeitsplatzbedingungen mitzugestalten. Ich finde, diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen!

Kurzporträt Dr. Frauke Fritze-Büttner
Geboren 1970 in Greifswald begann Dr. Fritze-Büttner an der dortigen Universitätsklinik 1996 ihre chirurgische Ausbildung, promovierte zum Doktor der Medizin 1998 und wechselte 1999 an das Unfallkrankenhaus Berlin Marzahn mit Facharztabschluss 2003. Im gleichen Jahr wechselte sie als Fachärztin für Chirurgie an das heutige Sana Klinikum Berlin Lichtenberg und erlangte die Qualifikation der speziellen Viszeralchirurgie 2007. 2005 wurde sie Oberärztin und mit 38 Jahren leitende Oberärztin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie (damals unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Gellert, jetziger Chefarzt Prof. Dr. Michael Heise). Von 2014 bis 2020 engagierte sich Frau Dr. Fritze-Büttner im Rahmen ihrer Tätigkeit im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie als „Oberärztin in nichtselbstständiger Stellung einer chirurgischen Krankenhausabteilung“ vornehmlich für das Thema „Operieren in der Schwangerschaft“. Seit 2018 ist sie ehrenamtlich im Präsidium des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgie und leitet hier seit 2021 das Themen-Referat „Familie & berufliche Perspektiven“. Frau Dr. Fritze-Büttner ist verheiratet und Mutter eines jetzt 9jährigen Sohnes.

Das Themenreferat „Familie & berufliche Perspektiven“ des BDC
Das Themenreferat „Familie & berufliche Perspektiven“ ist eines von acht Themenreferaten des BDC mit dem Ziel, entsprechend des neu definierten Leitbildes Schwerpunktthemen des BDC zu bearbeiten und öffentlich zu vertreten. Neben Dr. Fritze- Büttner engagieren sich Dr. Julia Gumpp, Dr. Beate Block und Dr. Steffen Axt, um Antworten und Lösungen auf multiple Fragen hinsichtlich verbesserter Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Familie und Karriere für Chirurg:innen zu finden.
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