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Rezension: Was gibt es Neues in der Chirurgie?

Was gibt es Neues in Chirurgie?, Jahresband 2011
ecomed MEDIZIN, Verlagsgruppe Hüthig Hehle Rehm GmbH
Hardcover, 602 Seiten
EUR 119,95
ISBN 978-3-809-76987-5

Auch der elfte Jahresband des Berichtes zur chirurgischen Fort- und Weiterbildung „Was gibt es Neues in der Chirurgie?“ liegt in der Tradition seiner Vorgänger und vermittelt der interessierten Leserschaft einen ausführlichen, fundierten Überblick über „das Neue“ bzw. das inzwischen etablierte „Neue“.

Ergebnisse, Studien, Standards und praktische Hinweise finden Eingang in die Zusammenfassung (Fazit) und erleichtern sowohl der wissenschaftlich-interessierten als auch der ergebnisorientierten Leserschaft den Umgang mit dem Buch, einschließlich des Zugangs zu den, zum Teil voluminösen, Literaturangaben (124 Zitate in der „Endokrinen Chirurgie!“).Beispielhaft für den Fortschritt seien die Kapitel der „Leberchirurgie“ einschließlich der „Transplantation“ (marginale Spender, Steatosegrad, ausgelöst durch das Missverhältnis zwischen Bedarf und Spender), die neuen immunsuppressiven Pharmazeutika und die technische Weiterentwicklung der ECMO in der Herz- und Lungentransplantation genannt.In der Unfallchirurgie ist die Verbesserung der Reha von Schwerstverletzten beeindruckend, das „Fazit“ für die Endoprothetik erleichtert der Leserschaft die Übersicht über den derzeitigen Stand der Verfahren.Lesenswert ist auch das erfreulich-kritische Fazit der Volumenersatztherapie. Neu hinzugekommen sind die „übergreifenden Themen“ in Kapitel 7, die den Band hervorragend ergänzen.In diesem Zusammenhang ist die Lektüre des Kapitels 7.8 über die Therapiebegrenzung von F. W. Schildberg dringend zu empfehlen. Neben klaren Definitionen medizinischer Aspekte wird auch auf ethische und juristische Gesichtspunkte eingegangen, nicht zuletzt auf die Ängste der Patienten bzw. ihrer Angehörigen und die Schwierigkeit der ärztlichen Entscheidung bei der Therapiebegrenzung zum Lebensende.

Beantworten die Herausgeber ihre Frage nach der Notwendigkeit der jährlichen Publikation eines neuen Bandes mit „Ja“, so kann sich der Rezensent dieser Zustimmung durchaus anschließen.Möchte sich die interessierte Leserschaft über „das Neue“ informieren, so wird sie sowohl Ergebnisse aus bzw. Hinweise auf Studien als auch derzeitige Standards für die tägliche Praxis finden.So ist der Band 2011 trotz der strukturell bedingten Mängel (s. o.) den fortschrittsbewussten Kolleginnen und Kollegen – und wer möchte nicht dazu gehören? – sehr zu empfehlen.

Bauch J. Rezension: Was gibt es Neues in der Chirurgie? Passion Chirurgie. 2011 September; 1(9): Artikel 03_07.

Teamstaffellauf im Berliner Tiergarten: Gemeinsam zum Ziel

Auch in diesem Jahr fand wieder der Berliner 5×5 km Team-Staffellauf statt. Diese Sportveranstaltung wird immer beliebter und ist jetzt schon der größte Staffellauf Deutschlands. Insgesamt gingen vom 22. bis 24. Juni 23.585 Läuferinnen und Läufer auf die 5-km-Runde, so viele wie noch nie. Unternehmen, Behörden und Vereine machen den größten Teil an Staffeln aus, aber auch private Teams gehen an den Start. Unter knapp 1.400 Staffeln war der BDC am dritten Lauftag mit sechs Teams am Start vertreten.

Die BDC-Teams setzten sich in diesem Jahr nicht nur aus den Teilnehmern aus Berlin und Umgebung zusammen – unter uns waren auch Läufer und Läuferinnen aus Magdeburg, Lausitz, Bad Freienwalde, Werneuchen, Cottbus, Düsseldorf, Voerde und sogar aus Paris. Einige Teilnehmer waren zum ersten Mal dabei, einige kannten sich schon länger.„Feuchtfröhliche Staffelparty“ – so haben die Veranstalter im Nachhinein den Lauf beschrieben und die Wetterbedingungen waren in der Tat durchwachsen. Am ersten Tag des Staffellaufs regnete es heftig, so dass die Strecke durch den Tiergarten sich schnell in einen matschigen Weg verwandelte.

Am nächsten Tag der Veranstaltung hatten die Teilnehmenden Glück mit dem Wetter – es hat nicht geregnet und die Sonne schien sogar immer wieder durch. An unserem, dem dritten Tag war es wieder etwas kühler und regnerischer geworden, so dass wir uns ernste Sorgen machten: Wird das Wetter halten? Werden die BDC-Teams trocken ins Ziel kommen?17:00 Uhr – wie im letzen Jahr ist der Treffpunkt neben dem Bundeskanzleramt. Nach und nach treffen die BDC-Läuferinnen und –Läufer ein.

Man erkennt sich leicht am BDC-Trikot „Running surgeons“. Während wir uns alle kennen lernen und auf noch fehlende Teamkollegen warten, fängt es an zu schütten. Gut, dass wir genug Regenjacken und Regenschirme dabei haben! Bei so viel Wasser von oben müssen wir erstmal enger zusammenrücken. Zum Glück heitert sich der Himmel relativ schnell auf und den Rest des Abends hält das Wetter.

BDC-Teams beim Staffellauf 2011

18:30 Uhr – Startschuss: Die ersten BDC-Läufer gehen auf die 5-km-Runde. Der Staffelstab unserer BDC-Teams ist in diesem Jahr ein Kunststoffknochen, der auf der Strecke bei den zahlreichen Zuschauern für viel Schmunzeln sorgt.

„Running Surgeons” Team 1
von links nach rechts: Leonid Sverdlov, Daniela Dilling, Peter Rieger, Wolfgang Philipp, Tilo Dahn
Running Surgeons unterwegs

Auch wenn wir nicht alle gleich schnell waren: Wir haben alle tapfer gekämpft und kamen mit guten Ergebnissen ins Ziel:

Platz Teamname Teilnehmer Laufzeit
110 Running Surgeons ukb 1 Moritz Morawski, Marc Winslow, Mitja Panzer, Nicolai Spranger, Konrad von Kottwitz 01:46:09
685 Running Surgeons ukb 2 Mario Tamborini, Philipp-Johannes Braun, Dennis Gümbel, Moritz Weigelt, Martin Hüning 01:59:30
848 Running Surgeons 1 Tilo Dahn, Peter Rieger, Leonid Sverdlov, Daniela Dilling, Wolfgang Philipp 02:01:26
1920 Running Surgeons Lausitz Mike Wilde, Rene Mettke, Christian Wuschech, Ulf Kuhlee, Mike Bereuter 02:11:07
2666 Running Surgeons International Carola Paech, Gary Fallon, Till Leber, Darren Gordon, Natalia Kandinskaja 02:17:06
3836 Running Surgeons 2 Wolfgang Zerbe, Nadine van Bösekom, Denise Steinert, Felix Zerbe, Florian Zerbe 02:31:22

Kurz nach 21:00 Uhr – Alle sind erfolgreich im Ziel. Nun kann man die Eindrücke vom Staffellauf mit den anderen Kollegen austauschen und beim Picknick auf der Wiese den Tag ausklingen lassen. Die erste Anmeldung für den Teamstaffellauf 2012 ging bereits am gleichen Abend ein. Vielleicht möchten Sie nächstes Jahr auch dabei sein? Schreiben Sie an sport@bdc.de. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Kandinskaja N. Staffellauf im Berliner Tiergarten. Passion Chirurgie. 2011 September; 1(9): Artikel 09_03.

In 3 Schritten zur qualifizierten fachärztlichen Zweitmeinung

Berlin, August 2011: Gerade Patienten, die eine schwierige oder größere Therapie vor sich haben, sind oft verunsichert und fragen sich, ob dieser Eingriff wirklich nötig ist. „Für den Betroffenen ist die ärztliche Zweitmeinung ein wichtige Maßnahme zu einer transparenten und ausgewogenen Patienteninformation“, sagt Professor Dr. med. Hans-Peter Bruch, Präsident des BDC. „Außerdem unterstützt sie ihn dabei, die wichtigen Entscheidungen für oder gegen eine Therapie bestmöglich zu fällen. Nicht zuletzt hilft ein Zweitbefund Patienten, den richtigen Facharzt für ihre Erkrankung zu finden.“

Schritt 1:


Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt. Bitten Sie ihn um alle Unterlagen und Untersuchungsergebnisse Ihres Erstbefundes.

Hintergrund
Das Einholen einer Zweitmeinung heißt in den meisten Fällen nicht, dass das ganze diagnostische Verfahren noch einmal von vorne beginnen muss: Der Patient hat Anspruch auf alle Unterlagen und Untersuchungsergebnisse des Erstbefundes. Jeder Arzt ist verpflichtet Patientenunterlagen herauszugeben. Die Kosten einer ärztlichen Zweitmeinung werden in Deutschland in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. „Bei einer Über-weisung zu einem Facharzt oder in das Krankenhaus ist es üblich, dem Patienten die Original-Befunde sowie eventuell vorhandene Arztbriefe mitzugeben. Deshalb wäre dies auch ein guter Zeitpunkt, eine Zweit-meinung einzuholen“, erklärt Professor Bruch, Direktor der Klinik für Chirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Patienten haben in Deutschland das Recht zur freien Arztwahl. „Dieses Recht kann und sollte genutzt werden, um einen zweiten niedergelassenen Facharzt oder eine andere Klinik aufzusuchen“, betont Bruch.

Soll ein Patient operiert werden, erhält er eine qualifizierte fachärztliche Meinung in der Klinik: „Anhand der mitgebrachten Befunde prüft der Operateur bei jedem Patienten und vor jedem Eingriff die so genannte OP-Indikation und liefert dem Patienten damit eine qualifizierte fachärztliche Zweitmeinung. Denn der Chirurg in der Klinik trägt letztlich die volle Verantwortung für die Durchführung der Operation“, sagt der BDC Präsident.

Schritt 2:


Lassen Sie sich von Ihrem Arzt einen Kollegen für die fachärztliche Zweitmeinung empfehlen. Können oder möchten Sie diesen nicht fragen, hilft Ihnen in vielen Fällen auch Ihre Krankenkasse. In der Regel stellt die Kasse, wenn nötig, für ihre Versicherten den Kontakt zu einem medizini-schen Experten für das jeweilige Krankheitsbild her. Die Wahl sollte auf einen unabhängigen und damit nicht am Behandlungsprozess beteiligten Arzt fallen. So sichern Sie sich die größtmögliche Objektivität und einen „frischen“ Blick auf Ihren Befund.

Hintergrund
„Sinnvoll ist eine Zweitmeinung nur dann, wenn Sie von einem erfahrenen unabhängigen Spezialisten, also dem qualifizierten Facharzt, durchgeführt wird. Da ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis einen erheblichen Einfluss auf Krankheitsverläufe und Behandlungserfolge hat, sollte jeder Arzt Verständnis für den Wunsch seines Patienten haben, eine Zweitmeinung einzuholen“, erläutert Bruch.

Für viele Krankheiten gibt es evidenzbasierte Therapierichtlinien bzw. Leitlinien, die den aktuellen Stand in Medizin und Wissenschaft darstellen. Die Therapierichtlinien garantieren, dass der Therapienutzen in der Regel höher ist als die Therapierisiken. Für manche Erkrankungen gibt es jedoch keine evidenzbasierten Richtlinien. Ist dies der Fall, ist eine Zweitmeinung besonders sinnvoll. Denn in diesen Fällen gibt es häufig mehrere Möglichkeiten der Therapie und die Erfahrung des Facharztes für die Therapieentscheidung erlangt höheres Gewicht.

Schritt 3:


Gehen Sie vorbereitet in den Termin. Notieren Sie im Vorfeld alle Fragen die Sie an den Arzt haben, der die Zweitmeinung stellt. Sprechen Sie mit dem Arzt über Ihre Bedenken und Sorgen. Fühlen Sie sich nicht verpflich-tet, bei der Beschreibung ihrer Beschwerden und Sorgen medizinische Fachausdrücke zu verwenden. Geben Sie eine einfache und genaue Beschreibung in Ihrer gewohnten Sprache.

Hintergrund
Kommen Patienten mit einem unguten Gefühl von ihrem Arztbesuch nach Hause, liegt das oft daran, dass viele Fragen unbeantwortet geblieben sind, manches vielleicht auch nicht angesprochen wurde. „Um dies zu verhin-dern, sollten sich Patienten auf Ihren Termin beim Arzt gut vorbereiten“, rät Bruch. „Machen Sie eine Liste aller Punkte, die Sie ansprechen wollen und nehmen Sie diese Liste mit in die Sprechstunde. Formulieren Sie die Fragen so präzise wie möglich. Haben Sie einen großen Gesprächsbedarf mit Ihrem Arzt, weisen Sie gleich darauf hin, wenn Sie den Termin vereinbaren. So kann Ihnen mehr Zeit eingeräumt werden.“

In diesen Fällen ist das Einholen einer Zweitmeinung für Patienten sinnvoll:

  • bei einem auffälligen bzw. erklärungsbedürftigem Befund
  • bei Zweifeln/Unsicherheit, ob die angebotene Therapiemöglichkeit die „richtige“ ist
  • bei mehreren möglichen Behandlungsoptionen und Therapiestrategien
  • bei einem getrübten Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten
  • bei mangelnder Aufklärung und Information
  • bei neuen Therapiemöglichkeiten, mit denen der behandelnde Arzt nicht vertraut ist
  • wenn der Patient sich über neue Behandlungsansätze informieren möchte, die sich noch im Versuchsstadium befinden. Er sollte dann mit einem Arzt sprechen, der mit klinischen Studien Erfahrung hat.
  • wenn der behandelnde Arzt kein Spezialist / nicht der entsprechende Facharzt für die diagnostizierte Erkrankung ist
  • auch vor aufwändigen diagnostischen Prozeduren wie Magnetresonanztomografie, Computertomografie und Endoskopie kann das Einholen einer Zweitmeinung sowie die klinische Untersuchung durch einen Facharzt zielführend sein und helfen, aufwändige und riskante Diagnostik zu vermeiden.

Diese Rechte hat der Patient, wenn es um seine Unterlagen geht:

  • Der Einsichtsanspruch des Patienten beschränkt sich in der Regel auf die Herausgabe von Kopien (auch Bildkopien), deren Anfertigungskosten er selbst tragen muss. Denn die Krankenunterlagen einschließlich der dazugehörigen Bildaufnahmen stehen bei Kassenpatienten grundsätzlich im Eigentum des behandelnden Arztes. Bei einem niedergelassenen Arzt sind die Unterlagen Eigentum des Praxisinhabers, beim Krankenhausarzt stehen sie im Eigentum des Krankenhausträgers.
  • Der Arzt ist verpflichtet, einem vor-, nach- oder mitbehandelnden Arzt auf Verlangen (bei Überweisungen, Krankenhauseinweisungen und -entlassungen auch ohne ausdrückliches Verlangen) die erhobenen Befunde zu übermitteln und über die bisher vorgenommene Behandlung zu informieren.
  • Nur zu diesem Zweck kann auch der Patient die Herausgabe von Krankenunterlagen im Original an den anderen Arzt beanspruchen; sie dürfen ihm im Rahmen einer solchen Überweisung auch selbst mitgegeben werden.
  • Für die Erstellung von Kopien von Behandlungsunterlagen darf jeder Arzt dem Patienten Kosten berechnen, maximal pro Kopie einen halben Euro. Die Kosten für Kopien von Röntgen-, CT- oder MRT-Unterlagen hat der Patient voll zu tragen.

Das sollten Patienten ihren Arzt fragen, wenn sie eine Zweitmeinung einholen:

  • Kennt er meine persönliche Situation/mein soziales Umfeld?
  • Welche Auswirkungen hat die empfohlene Therapie/Operation auf meine Lebensqualität?
  • Gibt es neben einer operativen Therapie auch eine so genannte konservative Therapieoptionen?
  • Macht es Sinn, vor der Operation einen konservativen Therapieversuch zu unternehmen?
  • Wann sollte ein konservativer Therapieversuch abgebrochen werden?
  • Ist Eile und eine rasche Entscheidung zur Operation geboten?

“Vorsicht! Online-Zweitmeinung” – Chirurgen operieren Menschen und keine Röntgenbilder

Berlin, August 2011: Gerade Patienten, die eine schwierige oder größere Operation vor sich haben, sind oft verunsichert und fragen sich, ob dieser Eingriff wirklich nötig ist. Deshalb hat jeder Patient das Recht auf eine kostenfreie zweite Expertenmeinung. Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) fordert und fördert dies: „Für den Betroffenen ist die ärztliche Zweitmeinung eine wichtige Maßnahme zu einer transparenten und ausgewogenen Patienteninformation“, sagt Professor Dr. med. Hans-Peter Bruch, Präsident des BDC. In vielen Fällen kann diese auch dazu beitragen, eine unnötige Operation zu vermeiden.

Einige Krankenkassen bieten ihren Versicherten sogar bei bestimmten Indikationen ausgewählte Experten für eine kostenfreie ärztliche Zweitmeinung an. Versicherte, deren Krankenkassen keinen derartigen Service anbieten, können sich selbst eine Zweitmeinung einholen. Die Kosten dafür werden in der Regel von allen Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) bezahlt. Eine ärztliche Zweitmeinung ist dabei nicht nur für den Patienten eine wichtige Maßnahme. „Auch für den behandelnden Arzt ist eine zweite Meinung eines Kollegen wichtig“, betont Bruch weiter. Damit könne der Arzt seine Diagnose absichern, sich über die Weiterbehandlung des Patienten austauschen und den Therapieverlauf verbessern. Eine Entscheidung für oder gegen eine Operation ist zum einen abhängig von der richtigen Indikationsstellung und zum anderen auch von der persönlichen Situation des Patienten.

„Diagnostische Ergebnisse alleine reichen für eine fundierte Entscheidung zum Wohle des Patienten nicht aus. Wir müssen den Patienten und auch sein soziales Umfeld als Ganzes betrachten. Und das vor allem, wenn es um einen größeren operativen Eingriff geht. Denn wir operieren Menschen und keine Röntgenbilder“, sagt Bruch. „Eine kostenpflichtige Online-Zweitmeinung per Ferndiagnose, wie bei www.vorsicht-operation.de sehen wir deshalb kritisch.“ Und: „Eine fundierte kostenfreie Zweitmeinung ist bereits heute gelebte Praxis in der deutschen Chirurgie. Sie wird von den Kassen getragen und steht jedem Patienten offen. Wir möchten Patienten auffordern, ihr Recht auf eine Zweitmeinung gezielt einzufordern, wenn sie unsicher sind“, sagt der Präsident des BDC.

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Spezialisierte fachärztliche Versorgung – sinnvoller Ansatz im Versorgungsgesetz

Berlin, Juli 2011: Die im geplanten GKV-Versorgungsgesetz vorgesehene Neudefinition einer spezialisierten fachärztlichen Versorgung wird vom Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC) grundsätzlich begrüßt. Anlässlich einer Tagung des Referates für Niedergelassene Chirurgen wurden für die konkrete Ausgestaltung dieses neuen Versorgungs­bereichs einige zusätzliche Forderungen benannt, die im weiteren Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt werden sollten, damit das Ziel einer Überwindung bisher bestehender Grenzen zwischen der stationären und ambulanten Patientenbehandlung auch erreicht wird.

Das Referat der Niedergelassenen Chirurgen im BDC begrüßt grundsätzlich die im neuen Versorgungsstrukturgesetz vorgesehene Einführung einer spezialisierten fachärztlichen Versorgung. „Das ist ein sinnvoller Ansatz, die bisherige Trennung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung zu überwinden“, erklärte der Vizepräsident des BDC, Dr. Jörg-A. Rüggeberg. „Im Interesse einer Verbesserung der Versorgung sollen aber nicht neue Hürden aufgebaut werden.“

Daher sollen Rahmenbedingungen für ein integratives Versorgungsprojekt mit einer entsprechenden Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität auf Basis eines kalkulierten Dienstvertrages entwickelt werden.

Der BDC schlägt vor:

  • Bezeichnung des Versorgungsbereichs als spezialfachärztlich anstelle spezialärztlich.
  • Gleiche Bedingungen für niedergelassene Vertragsärzte und Krankenhäuser (Facharztstatus, Qualitätssicherung, Honorierung etc.).
  • Keine Implementierung einer neuen speziellen fachärztlichen Versorgungsebene. Spezialisierte Versorgung soll sich nicht auf den Arzt oder den Patienten in seinem gesamten Behandlungsbedarf beziehen, sondern nur auf Leistungen/Prozeduren, z.B. Operationen oder auch seltene Diagnosen.
  • Die nähere Definition der Rahmenbedingungen und Leistungen der spezialfachärztlichen Versorgung soll nicht durch den Gemeinsamen Bundesausschuss, sondern entsprechend der bisherigen bewährten Praxis des §115b SGB V durch dreiseitige Verträge zwischen KV, DKG und Krankenkassen realisiert werden.
  • Die Honorierung soll in einer neuen Systematik ambulanter Leistungskomplexe in Orientierung an das DRG-System außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung der KV und der Budget­verhandlungen im stationären Bereich erfolgen. Eine Bereinigung darf nur diejenigen Leistungen umfassen, die zukünftig in neuen Komplexen definiert werden und in der alten Systematik innerhalb der MGV honoriert wurden.´
  • Es wird empfohlen ein einheitliches Management (Abrechnung, QS) zu implementieren, wobei als Dienstleister z.B. auch die KV aufgrund ihrer Kompetenz und Erfahrung fungieren kann.

KidsClub Chirurgie auf dem Chirurgenkongress 2011

Zum vierten Mal durften wir die Kinderbetreuung beim diesjährigen Chirurgenkongress in München übernehmen. Der KidsClub wird von unserer Agentur seit 2008 betreut. Es war schön, all die Kinder wieder zu sehen, die auch in den vergangenen Jahren dabei gewesen waren. Sie sind größer geworden und einige haben auch neue Geschwisterchen bekommen. Während des gesamten Kongresses haben wir 24 Kinder betreut. Fast alle waren an allen vier Tagen dabei. Unser kleinster Gast war Paula im Alter von 3 Monaten.

Die Kinder wurden wieder vom Bio Catering Zwerglküche bewirtet. Es gab kindgerechtes, typisch bayrisches Essen.

Im Anschluss zum Chirurgenkongress haben wir die Eltern unsere Arbeit bewerten lassen. Diese Bewertungsbögen wurden per E-Mail an die Teilnehmer gesandt. Leider bekamen wir nur wenige Antworten zurück.

Gefragt wurde nach den Betreuungszeiten, ob bereits in den vergangenen Jahren eine Betreuung durch den KidsClub genutzt wurde, ob die Teilnahme erst durch die Kinderbetreuung möglich wurde, wie die Eltern von der Betreuungsmöglichkeit erfahren haben, wie die Ausstattung der Betreuungsräume bewertet wurde, ob das Betreuungspersonal nett und kompetent war, die Betreuungsangebote, ob das Essen von den Kindern gemocht wurde, ob das Kind gern zur Kinderbetreuung kam und was wir für die Zukunft beachten sollten.

Die Antworten, die wir erhielten, waren sehr erfreulich. Kinder und Eltern waren mit der Betreuung, mit den Betreuerinnen, mit der Ausstattung und auch mit dem Essen sehr zufrieden. Wir stellen auf unserer Homepage den Bewertungsbogen gern für alle Eltern bereit, die den Bewertungsbogen per E-Mail nicht bekommen haben.

Einige Elternstimmen zur Kinderbetreuung auf dem Chirurgenkongress 2011

  • Durch das Angebot eines KidsClubs ist die Teilnahme am erst Kongress möglich.
  • Durch das Vorprogramm/Angebot von früheren Kongressen/Internet hat man von der Möglichkeit erfahren, dass eine Kinderbetreuung organisiert wird.
  • Ausstattung der Betreuungsstätte: gut bis sehr gut bewertet, auch für Altersgruppe 2 – 3 Jahre alles vorhanden
  • Bewertung Betreuungspersonal: Bitte nichts ändern, Betreuung ist ausgesprochen nett!!!
  • Betreuungsangebote: sehr gut
  • mit Verpflegung zufrieden: ja
  • Kind kam sehr gern, war traurig, dass es nicht mehr in den neuen Kindergarten gehen konnte, da die Eltern früher abreisen mussten. Kommen auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder. Ein Kind wollte gar nicht mehr weg.
  • Die Kinder waren sehr gern im Kidsclub. Die Betreuung war sehr fürsorglich, kinderorientiert und sehr gewissenhaft. Vorbildlich!
  • Eltern waren sehr zufrieden und werden sich beim nächsten Kongress wieder anmelden. Es ist eine tolle Idee, eine Kinderbetreuung auf dem Kongress anzubieten!
  • Eltern sind seit den letzten 2 Jahren über das Angebot einer Kinderbetreuung sehr glücklich, da sonst keine Teilnahme am Kongress möglich ist.

Die Agentur Pünktchen stellt sich vor

Ich möchte Ihnen unsere Agentur vorstellen und wie es dazu kam, dass wir seit 2008 die Kinderbetreuung während des Chirurgenkongresses übernehmen.

Die Agentur Pünktchen wurde im Mai 2006 gegründet. Seit 2007 bieten wir auch Kinderbetreuung bei Veranstaltungen an. Unsere erste Veranstaltung war die ‚Lange Nacht der Museen‘ in Berlin, dann folgten verschiedene Veranstaltung bei Sommerfesten, Hochzeiten und Jubiläen.

Wir wurden 2008 von Herrn Dr. Ansorg angesprochen, der gemeinsam mit Frau Dr. Leschber erstmalig 2008 eine Kinderbetreuung auf dem Chirurgenkongress und später auf dem Chirurgentag in Berlin initiiert hat. Der Erfolg dieses Angebots war riesig. Schon beim ersten Mal hatten wir an allen vier Tagen alle Hände voll zu tun und betreuten täglich ca. 20 Kinder.

Während in Berlin die Räumlichkeiten komplett von unserer Agentur möbliert werden, stellt in München die Messe einen großen Teil der Möbel. Wir ergänzen das Betreuungsareal mit Spiel-, Bastel- und Malmaterial und gemütlichen Kindermöbeln.

Last but not least sind die inhaltliche Konzeption, die zeitliche Strukturierung der vier Tage und die vielen Ideen und Angebote für die Kinder natürlich unser Beitrag, genauso wie unser hoch motiviertes, freundliches Betreuungspersonal.

Die Betreuerinnen der Agentur Pünktchen haben alle eine pädagogische Ausbildung. Alle unsere Betreuerinnen haben einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder und Säuglinge belegt. Sie haben schon viele Kinder bei verschiedenen Veranstaltungen betreut.

Wir bieten außerdem folgende Dienstleistungen an: Vermittlung von Kinderfrauen, Nannys, Babysittern, Hausaufgabenhilfe, Haushaltshilfen, Kinderbetreuung und Haushaltsführung während der Schwangerschaft, nach der Geburt, nach einem Unfall oder auch während einer Krankheit und kooperieren auch mit verschiedenen Institutionen wie den Krankenkassen oder der Freien Universität Berlin.

Wir sind mittlerweile bundesweit auf vielen Veranstaltungen mit unseren Dienstleistungen präsent. Beispiele sind medizinische Kongresse wie DOC, Hauptstadtkongress, Gynäkologenkongress, die Musikmesse Popkom sowie vielen andere Veranstaltungen, Hochzeiten usw.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich beim BDC und bei MCN sowie den Sponsoren des Kids Clubs für die gute Zusammenarbeit und bei allen Eltern für das uns entgegen gebrachte Vertrauen bedanken. 

Kluth A. KidsClub Chirurgie auf dem Chirurgenkongress 2011. Passion Chirurgie. 2011 Juli; 1(7): Artikel 02_05.

Teamstaffellauf im Tiergarten Berlin

Dieses Jahr nahm der BDC bereits zum dritten Mal an der 5 x 5 km TEAM-Staffel der Berliner Wasserbetriebe im Tiergarten teil. Bei dieser Laufveranstaltung, die vom 22. bis zum 24. Juni 2011 stattfand, sind sechs BDC-Teams an den Start gegangen. Hier die Ergebnisse des Staffellaufs 2011 sowie ein paar Bildeindrücke:

BDC-Teams beim Staffellauf 2011

„Running Surgeons” Team 1
von links nach rechts: Leonid Sverdlov, Daniela Dilling, Peter Rieger, Wolfgang Philipp, Tilo Dahn

5 x 5 TEAM-Staffel der Berliner Wasserbetriebe im Tiergarten, 24. Juni 2011

Running Surgeons unterwegs

Nächstes Jahr möchten wir wieder möglichst viele BDC-Teams an den Start schicken. Möchten Sie dabei sein? Anmeldungen für nächstes Jahr nehmen wir schon jetzt gerne entgegen. Schreiben Sie uns an sport@bdc.de.

Platz Gesamt-

wertung

Teamname Teilnehmer Laufzeit
110 Running Surgeons ukb 1  Moritz Morawski,  Marc Winslow, Mitja Panzer, Nicolai Spranger, Konrad von Kottwitz 1:46:09
685 Running Surgeons ukb 2 Mario Tamborini, Philipp-Johannes Braun, Dennis Gümbel, Moritz Weigelt, Martin Hüning 1:59:30
848 Running Surgeons 1 Tilo Dahn, Peter Rieger, Leonid Sverdlov, Daniela Dilling, Wolfgang Philipp 02:01:26
1920 Running Surgeons Lausitz Mike Wilde, Rene Mettke, Christian Wuschech, Ulf Kuhlee, Mike Bereuter 02:11:07
2666 Running Surgeons International Carola Paech, Gary Fallon, Till Leber,  Darren Gordon, Natalia Kandinskaja 02:17:06
3836 Running Surgeons 2 Wolfgang Zerbe, Nadine van Bösekomm, Denise Steinert, Felix Zerbe, Florian Zerbe 02:31:22

 

Auszeichnungen und Ernennungen von BDC-Mitgliedern – 2. Quartal 2011

Aus Passion Chirurgie 15/06/2011

Dr. med. Jan Friedrich Brinkmann ist neuer Chef für Gefäßchirurgie und Phlebologie an der Paracelsus-Klinik Marl.

Prof. Dr. med. Karl-Stefan Delank ist seit dem ersten März 2011 neuer Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Orthopädie in Halle-Wittenberg.

Prof. Dr. med. A. Encke erhielt die Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEbM).

Dr. med. Helmar Gai ist seit Beginn des Jahres im Hernienzentrum Dr. Muschaweck in München tätig.

Dr. med. Thomas Jungbluth ist seit 2011 neuer Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral-, Unfall- und Gefäßchirurgie der Asklepiosklinik in Bad Oldesloe.

Prof. Dr. med. Georg Kähler wurde im Oktober 2010 von der Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Priv.-Doz. Dr. med. Michael S. Kasparek erhielt am im April 2011 den Jens-Kirsch-Preis der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie.

Dr. Dr. med. Halil Krasniqi ist seit Januar 2011 Leiter der Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie im St. Willehad-Hospital Wilhelmshaven.

Priv.-Doz. Dr. med. Jessica Leers habilitierte sich für das Fach Chirurgie und erhielt die Lehrbefugnis, verbunden mit dem Titel Privatdozent.

Dipl.-Med. Frank Möller Ist neuer Chefarzt der Chirurgie/Unfallchirurgie an der Medinos-Klinik Neuhaus.

Dr. med. Werner Müller-Bruns ist seit Februar 2011 neuer Chefarzt der Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie am Krankenhaus Veden.

Priv.-Doz. Dr. med. Christian Müller-Mai leitet seit April 2011 die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am St.-Marien-Hospital Lünen.

Prof. Dr. med. Klaus Orth ist seit 2011 Chefarzt im Klinikum Region Hannover in Großburgwedel.

Dr. med. Matthias Schlensak Ist neuer Chefarzt der Abteilung für Allgemein- u. Viszeralchirurgie sowie Koloproktologie am St.-Martinus-Krankenhaus Düsseldorf.

Dr. med. Urs Schmid ist neure Chefarzt für Hand- und Handgelenks-Chirurgie am Sertürner Krankenhaus in Einbeck und am Charlotten-Hospital in Stadtoldendorf.

Prof. Dr. med. habil. Günter Schmoz ist neuer Chefarzt am Agaplesion Diakoniekrankenhaus Seehausen.

Prof. Dr. Ulrich Stöckle ist neuer ärztlicher Direktor der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Tübingen.

Dr. Wolfgang Tigges Ist neuer ärztlicher Direktor der chirurgischen Klinik am Asklepios Westklinikum Hamburg.

Dr. med. Hans Peter Wüllenweber ist neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie in Bassum.

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen gratuliert seinen Mitgliedern zu den Auszeichnungen, Ernennungen und neuen Funktionen.
Bitte geben Sie uns Bescheid, wenn sich für Sie beruflich etwas ändert. Senden Sie uns einfach eine kurze Nachricht mit Ihrer neuen Funktion und wir veröffentlichen die Neuigkeiten an dieser Stelle, gerne auch mit Ihrem Foto. Bitte schreiben Sie an passion_chirurgie@bdc.de.

Traumacode Schwabing 2010 – DGU-zertifiziert

Impressionen aus dem Kurs 2010

Der Kurs „Traumacode Schwabing – Keine Angst beim Polytrauma“ steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. med. Eduard Höcherl. Die Kursleitung haben Dr. med. Thorsten Kraus und Sebastian Sepp inne.

Der Notfall

Die Informationen der Leitstelle sind eindeutig. Man erwartet in wenigen Minuten das Opfer eines schweren Verkehrsunfalls, der mit dem Rettungshubschrauber aus dem ca. 15 km entfernten Ismaning eingeflogen wird. Im Schockraum des Klinikums Schwabing beginnen die Vorbereitungen für die Übernahmen des Patienten. Unfallchirurg, Anästhesist, Anästhesieschwester und Nothilfepfleger stehen bereit, um den Patienten zu übernehmen und sofort professionell zu behandeln. Doch anstelle des Patienten stürzt eine junge Frau unter Tränen in den Raum. Der sie begleitende Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams klärt, sichtlich überfordert, die Situation.

Rettungsteam mit dem beatmeten Patienten: Nun beginnt ein hundertfach geübter Algorithmus.

Es handelt sich um die Schwester des Verunfallten, die, von Einsatzkräften informiert, nun völlig aufgelöst im Schockraum steht und zu ihrem Bruder möchte. Freundlich aber bestimmt wird sie durch den Unfallchirurgen beruhigt und in einen Nebenraum geleitet. Höchste Zeit, denn schon trifft das Rettungsteam mit dem beatmeten Patienten ein. Obwohl der Notarzt weitgehend Entwarnung gibt, beginnt nun ein hundertfach geübter Algorithmus. Während das Anästhesieteam den Patienten weiter stabilisiert, wird der Patient unter Führung des Unfallchirurgen auf den CT–Tisch umgelagert und nach wenigen Minuten beginnt die Diagnostik. Routine, die im Klinikum Schwabing täglich abläuft.

Reine Routine?

Wären da nicht 10 Damen und Herren hinter einem roten Absperrband, die das Geschehen interessiert beobachten. Wären da nicht zwei Kamerateams, die jede Bewegung des Teamleaders verfolgen, ja und wäre der Patient, der gerade durch die CT- Röhre gefahren wird, kein Kunststoff-Dummy. Heute ist nicht Routine, heute wird im Schockraum II nicht Leben gerettet, heute wird geübt. Das gesamte Notfallteam, einschließlich Notarzt, Rettungsdienstmitarbeiter, bis zur bereits wieder munter scherzenden Schwester des Patienten wurde für ein Schockraumsimulationstraining im Rahmen eines einwöchigen Notfallkurses mit dem Titel „Traumacode Schwabing 2010“ eingespielt. Zuschauer, Praxisanleiter und Mitwirkende sammeln sich jetzt zur Nachbesprechung um den Kursteilnehmer, der sich gerade noch im Fallbeispiel als leitender Chirurg mit Notarzt und Anästhesisten auseinander setzen musste und noch sichtlich unter Stress steht. „Da steht man ganz schön unter Strom, auch wenn man weiß, dass es eigentlich nur eine Übung ist.“

Viel Lob erntet er von den Kursleitern und Teilnehmern gleichermaßen. Während des ganzen Vormittags wurden anhand anschaulicher Vorträge die Schwabinger Schockraumalgorithmen vorgestellt und erklärt. Sogar der Filmmitschnitt eines „echten“ Schockraumeinsatzes wurde gezeigt.

Das Erlernte real umsetzen

„Praxis ist uns unheimlich wichtig“ sagt der wissenschaftliche Leiter des Kurses, Chefarzt Dr. Eduard Höcherl, der aus einer Ecke heraus die Diskussion beobachtet. „Wir waren vor 12 Jahren die ersten, die in ihrem Schockraum einen Computertomographen installierten. Die Fortschritte in der Versorgung schwerverletzter Patienten in den letzten beiden Jahrzehnten beruhen auf den weltweiten Bemühungen die präklinischen und innerklinischen Prozesse zeitlich stringent und mit höchster Zuverlässigkeit zu organisieren. Basierend auf Vorarbeiten in den Jahren 1994 bis 1997 wurde 1998 am Klinikum Schwabing im Bereich der zentralen Notaufnahme einer der Schockräume mit einem CT ausgerüstet. Seither haben wir unaufhörlich an den Abläufen im Schockraum gearbeitet und Algorithmen erstellt. In den letzten Jahren haben auch viele andere Kliniken ihre Schockraumkonzepte angeglichen. So lag es auf der Hand, unsere Erfahrungen in einem eigenen Kurs an die Kollegen weiter zu geben.“

Mortui vivos docent

Die Gruppe hat mittlerweile gewechselt, ein neuer leitender Chirurg steht erwartungsvoll im Raum und schon stürmt eine junge Dame unter Tränen durch die Tür und sucht ihren verletzten Bruder.

Wir folgen jedoch der ersten Gruppe durch die langen Gänge des Klinikums in den Obduktionssaal der Pathologie. „Mortui vivos docent“ steht dort in großen Lettern an der Wand. „Die Toten lehren die Lebenden“. Unter diesem Motto stehen Thoraxdrainage, Coniotomie und Kraniotomie auf dem Lehrplan. Unter fachlicher Anleitung von Unfallchirurgen, Intensivmedizinern und Neurochirurgen werden Eingriffe an Leichenpräparaten geübt, die im Notarzteinsatz oder Schockraum lebensrettend sein können. „ Hier wird ein weiterer Kernpunkt unseres Kurskonzeptes sichtbar“ erklärt uns einer der beiden Kursleiter, Dr. Thorsten Kraus. “Unsere Veranstaltung genießt die breite Akzeptanz und Unterstützung nahezu aller Abteilungen des Klinikums. Bis auf wenige Ausnahmen kommen alle Dozenten und Praxisanleiter aus unserem Haus. Wir sehen unser Kursangebot als Ergänzung zu bereits bekannten und bewährten Ausbildungskonzepten wie ATLS. Wir wollen zeigen, wie wir in Schwabing schwerverletzte Patienten behandeln. Nicht mehr und nicht weniger. Somit liegt es auf der Hand, dass dann auch der Anästhesist, Intensivmediziner, oder Unfallchirurg einen Vortrag hält, der tagtäglich im Schockraum, im OP oder in der Intensivstation seinen Dienst tut.“

Vier große Kernthemen

Unsere Gruppe hat genug Löcher in verschiedene Körperhöhlen der Präparate gebohrt und wird nun zum 3. Praxisblock dieses Kursnachmittags geleitet, wo abermals teilentblößte Körper ordentlich auf Liegen aufgereiht warten. Diesmal handelt es sich jedoch um durchaus lebendige Probanden, die freundlich und bereitwillig ihre bereits von Kontaktgel glänzenden Bäuche und Brustkörbe für eine spezielle FAST-Sonographieübung zur Verfügung stellen.

Gegen 18:00 Uhr endet dieser ereignisreiche 3. Kurstag, doch schon eine Stunde später sitzen Teilnehmer, Dozenten und Veranstalter wieder fröhlich vereint in einer nahe gelegen Tappasbar und nachdem einige Fallbeispiele heftig diskutiert und abgearbeitet und einige Weinflaschen nachbestellt wurden, bleibt der restliche Abend dem ausführlichen Kennenlernen vorbehalten. Weit vor Mitternacht sind die meisten Stühle leer, die letzten Tage, haben scheinbar viel Kraft gekostet.

Ein straff gefüllter Kurstag.

Die Woche begann ja bereits am Montagmorgen um 8 Uhr und viele Teilnehmer hatten eine weite Anreise hinter sich gebracht. 30 Ärztinnen und Ärzte aus ganz Deutschland waren der Einladung des Klinikums Schwabing zur nunmehr 3. Auflage des Notfallkurses „Traumacode Schwabing“ gefolgt. Assistenzärzte im 2. Ausbildungsjahr, frisch gebackene Fachärzte, ja sogar gestandene Oberärzte fanden sich am Morgen des 4. Oktober 2010 in der Ärztebibliothek des Klinikums ein. Sie erwartete ein straff gefüllter Kurstag. Sebastian Sepp, der neben Dr. Thorsten Kraus das Kursleitungsteam stellt, ist als Unfallchirurg, wie fast alle seiner Kollegen auch langjähriger Notarzt: „Unsere Veranstaltung ist in 4 große Kernthemen gegliedert. Wir beginnen mit der präklinischen Versorgung, gefolgt von der Schockraumversorgung, bis zu den Notfalloperationen. Als 4. Schwerpunkt bieten wir unter den Oberbegriff Expertenwissen Themenkomplexe an, die einen Blick über den Tellerrand der Polytraumabehandlung erlauben. Hier werden Themen wie die posttraumatische Belastungsstörung, die Pathophysiologie des Polytraumas, oder der Massenanfall von Verletzten beleuchtet.“

Enge Zusammenarbeit zwischen Notarzt und Feuerwehr

Der erste Kurstag beginnt also mit der Präklinischen Versorgung. Anhand mehrerer Vorträge von Notärzten, Feuerwehr- und Rettungsdienstmitarbeitern werden die Teilnehmer gleichsam an den Unfallort mitgenommen. „Seit Jahren optimieren wir die Zeitabläufe in unserer Klinik und kämpfen hier um jede Minute,“ sagt Sebastian Sepp, “die Auswertungen der letzten Jahre bezüglich der präklinischen Rettungszeiten stehen dazu jedoch im krassen Gegensatz. Mit über 70 Minuten befinden wir uns noch über dem bundesweiten Durchschnitt. Hier gilt es, die Notärzte für die Behandlungsprioritäten polytraumatisierter Patienten zu sensibilisieren.“ Und so nehmen Sebastian Sepp und Thorsten Kraus am Nachmittag dieses ersten Tages bei herrlichem Sonnenschein die Teilnehmer mit hinaus in den weitläufigen Klinikpark, wo zwei nagelneue Mittelklassewagen auf einer Wiese stehen. Schon rückt die Feuerwehr mit schwerem Gerät an und unter den Augen der Teilnehmer und zahlreicher Schaulustiger an den Klinikfenstern wird nun eine realistische Fahrzeugrettung simuliert.

Seit Jahren optimieren wir die Zeitabläufe in unserer Klinik und kämpfen hier um jede Minute.

Brandoberinspektor Thomas Schmidt von der Werkfeuerwehr der TU Garching erklärt die Abläufe und steht für Fragen zu Verfügung. Er ist besonders an einer engen Zusammenarbeit zwischen Notarzt und Feuerwehr interessiert. Aufmunternd drückt er einem Teilnehmer einen Rettungsspreizer in die Hand und fordert ihn auf an einem der Fahrzeuge tätig zu werden. Reihum wandern nun Rettungsscheren, Hydraulikspreizer und Glashämmer und nach einer Stunde stehen 30 schweißgebadete, aber glückliche Chirurgen um 2 türlose Cabrios herum.

Chefarzt Dr. Höcherl, Dr. Thorsten Kraus und Sebastian Sepp haben vor 3 Jahren gemäß dem Untertitel „Keine Angst beim Polytrauma“ ein Kurskonzept entworfen, das chronologisch die Behandlungsabläufe bei der Versorgung eines Schwerstverletzten vom Unfallort, über den Schockraum bis in den Operationssaal abbildet. Folglich endet die Woche auch dort, wo sich unsere Teilnehmer wieder deutlich mehr zu Hause fühlen als bei einem Feuerwehreinsatz, nämlich im Operationssaal. In unserem Fall also wieder in den Hallen der Pathologie, wo an den bereits erwähnten Präparaten gängige operative Eingriffe wie die Notfallthorakotomie oder Laparotomie, das Anlegen eines Fixateur extern, oder einer Beckenzwinge geübt werden können. Nicht minder schweißtreibend ist die Arbeit und nicht weniger konzentriert gehen die Teilnehmer ans Werk. Vom beherzten Zugreifen eines Chirurgen hängt oft das Überleben eines Patienten ab und hier kann geübt werden, was in der Realität gottlob selten notwendig ist.

Kursveranstaltung Traumacode Schwabing durch die DGU zertifiziert

Viel zu schnell endet diese für Teilnehmer und Kursorganisatoren gleichsam kurzweilige und lehrreiche Woche am Freitagnachmittag mit langem Händeschütteln und Schulterklopfen. Langsam löst sich die Anspannung bei den Mitgliedern des Organisationsteams und weicht dem Bewusstsein, es wieder einmal ohne größere Pannen über die Bühne gebracht zu haben.

Willkommen zu „Traumacode Schwabing – keine Angst beim Polytrauma“.

Die große Bestätigung für all die Mühen der letzten drei Jahre schneit dann jedoch erst einige Wochen später in Form eines Schreibens auf den Schreibtisch von Dr. Höcherl. Die Kursveranstaltung Traumacode Schwabing wird durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie zertifiziert und damit zur Mitarbeiterfortbildung gemäß der Vorgaben des Weißbuchs zur Schwerverletztenversorgung zugelassen. Eine große Hürde ist damit genommen. Grund und Motivation, auch im Oktober 2011 wieder sagen zu können: Willkommen zu „Traumacode Schwabing – keine Angst beim Polytrauma“ .

Schwarz TC. Traumacode Schwabing 2010 – DGU-zertifiziert. Passion Chirurgie. 2011 Mai/Juni; 1(5/6): Artikel 03_07.

CME-Artikel: Was gibt es Neues in der Unfallchirurgie?

Hüftgelenksnahe Femurfrakturen sind nach wie vor Verletzungen von erheblicher medizinischer und sozioökonomischer Bedeutung. Eine Vielzahl von Untersuchungen hat zu einem genaueren Verständnis der Verletzung und einem besseren Management der Patienten beitragen können. Hüftgelenksnahe Femurfrakturen sind dennoch bis heute mit einem erhöhten Risiko für Mortalität und Morbidität behaftet.

Eine metaanalytische Untersuchung an > 700 000 Patienten wies für Männer in den ersten drei Monaten nach Trauma ein relatives Mortalitätsrisiko von 7,95 und für Frauen von 5,75 verglichen mit der Normalbevölkerung nach [2]. Trotz Absinken des relativen Risikos in den Folgemonaten bleibt es gegenüber der Normalbevölkerung erhöht, darüber hinaus behalten Männer über die gesamte Dauer ein höheres relatives Mortalitätsrisiko als Frauen. Da die demografische Entwicklung eine deutliche Zunahme der Inzidenz erwarten lässt [25], sind weitere Anstrengungen zum besseren Verständnis von Prophylaxe, Versorgung und Komplikationsmanagement unerlässlich.

Den vollständigen CME-Kurs, finden Sie unter www.ecme-center.org

eCME-Center
Zum Kurs "Was gibt es Neues in der Unfallchirurgie?"

Krasnici S, Labza S, Schmidt J. Was gibt es Neues in der Unfallchirurgie? Passion Chirurgie. 2011 Mai/Juni; 1(5/6): Artikel 03_01.