Maria Koijck, die Künstlerin auf und hinter dem Titelbild der aktuellen Ausgabe

Der BDC befragt die Nachhaltigkeitskünstlerin aus Groningen, Niederlande, zu ihrer Arbeit.

Passion Chirurgie: Können Sie uns etwas mehr über sich und Ihre Kunst erzählen?
Maria Koijck (MK): Ich bin Maria Koijck, geboren 1965, und habe mein ganzes Leben in Groningen verbracht.

Mit achtzehn begann ich ein Studium an der Kunstakademie, brach es aber nach der Hälfte ab. Es wurde einfach zu viel geredet und zu wenig gemacht. Ich hatte absolut keine Ahnung, was ich dort eigentlich tat. Im dritten Jahr gab ich das Studium ganz auf und beschloss aus Frustration und dem Wunsch heraus, endlich einen richtigen Beruf zu erlernen, Klempnerin zu werden.

Das war auch nicht ganz mein Ding, aber ich habe gelernt, wie man Rohre verlegt und Abflüsse anschließt. Damit habe ich etwas Geld verdient und mit meinen Ersparnissen bin ich nach Frankreich gefahren, um Fallschirmspringen zu gehen. Dort ging es schief: Ich habe mir den Knöchel gebrochen und landete wieder im Krankenhaus in Groningen. Die Genesung dauerte ein Jahr, und ich war oft dort.

Während dieser Wochen wurde mir etwas klar: Die Arbeit der Krankenschwestern war wunderschön und wichtig. Das inspirierte mich dazu, eine berufsbegleitende Ausbildung zur examinierten Krankenschwester zu absolvieren. Ich arbeitete viele Jahre lang mit großer Freude als Krankenschwester, aber man kann sich seinem Wesen nicht entziehen, und schließlich fand ich nach vielen Umwegen meinen Weg zurück zur Kunst.

Ein echter Wendepunkt kam während eines Besuchs in Sierra Leone. Ich war auf Einladung eines Freundes dort, der für Save the Children arbeitete. Dort sah ich zum ersten Mal die „Plastiksuppe“ – nicht als abstraktes Konzept, sondern in der Realität. Dieses Bild veränderte mein Leben. Von diesem Moment an beschloss ich, dass sich meine Kunst darauf konzentrieren musste, das Bewusstsein für unsere seltsamen und oft absurden Abfallgewohnheiten zu schärfen.

Wann wurde Ihnen bewusst, dass die Menge an Abfall, die während Ihrer Krebsbehandlung anfällt, zu einem Thema werden könnte, über das man sprechen sollte?
MK: Als ich die Schere, mit der gerade meine Verbände abgeschnitten worden waren, im Behälter für scharfe Gegenstände liegen sah. Ich verstand wirklich nicht, was sie dort zu suchen hatte, und brachte sie, ohne mir dessen bewusst zu sein, zur Krankenschwester zurück. Sie sagte mir, das sei völlig normal: Es handele sich um eine Einwegschere. Ich dachte sofort: Wer ist hier verrückt? Edelstahl ist ein wertvolles Material, das man mehrmals verwenden kann – Einweg? Ich konnte es einfach nicht verstehen. Von diesem Moment an wusste ich: Ich muss etwas dagegen unternehmen.

Wer hat Sie in Ihrem Bestreben unterstützt, Einblick in die enorme Menge an gebrauchten Materialien zu gewinnen?
MK: Meine Onkologin teilte meiner Chirurgin sofort mit, wer ich war und was ich wollte. Ich wollte nach meiner Brustrekonstruktion meine chirurgischen Abfälle mit nach Hause nehmen. Sie gab zu, dass dies eine ungewöhnliche Bitte war, aber sie hatte vollstes Verständnis dafür. Als ich nach zehn Stunden Narkose aufwachte, stand sie strahlend neben meinem Bett: Sechs große Säcke mit Abfällen standen in meinem Zimmer bereit.

Wer hat positiv auf Ihr Projekt reagiert?
MK: Eigentlich zunächst einmal niemand! Die Leute fanden es seltsam, Krankenhausabfälle zu einem Projekt zu machen. „Du wurdest gut behandelt und es geht dir jetzt besser, oder?“, sagten sie. Es bedurfte viel Überzeugungsarbeit, um klar zu machen, dass es nicht um mich ging, sondern um die enorme Umweltverschmutzung in Krankenhäusern.

Meine Tochter hat mir bei dem Video geholfen – sie ist Videografin –, aber selbst sie sagte: „Mama, ich würde gerne wissen, was in deinem Kopf vorgeht, dass du auf so etwas kommst.“

Während COVID, als ein Theater leer stand, habe ich dort zusammen mit einer Gruppe von Freunden und meiner Tochter die Aufnahmen gemacht. Als der gesamte Abfall ausgelegt war, konnte man plötzlich spüren, wie sich die Atmosphäre veränderte: Hier geschah etwas. Von diesem Moment an erhielt ich nichts als Unterstützung und Lob für das Projekt.

Auf welche Hindernisse sind Sie bei der Arbeit an deinem Projekt gestoßen?
MK: Als ich meinen Abfall aus dem Krankenhaus mitnehmen wollte, stellte sich heraus, dass das gar nicht so einfach war. Die Krankenhaushygieneabteilung war der Meinung, dass der Abfall ihnen gehörte und ich ihn nicht mitnehmen durfte. Letztendlich haben wir ihn zusammen mit dem Pflegepersonal an einem Sonntagabend heimlich aus dem Krankenhaus geschmuggelt.

Wie wurde Ihre Botschaft von der Öffentlichkeit und den Medien aufgenommen?
MK: Ich war völlig überwältigt. Von dem Moment an, als mein Video online ging, eskalierte die Situation plötzlich. Es kamen Reaktionen aus aller Welt. In den ersten zwei Monaten gab es enorme Aufmerksamkeit, mit Interviews im Fernsehen und im Radio. Aber es gab auch Ärzte, die mich persönlich anriefen, um mir zu danken. Im Gesundheitswesen war dieses Problem seit langem bekannt – aber wie bringt man es auf die richtige Art und Weise an die richtige Zielgruppe? Mein Video war genau die richtige Antwort darauf.

Auch jetzt noch erhalte ich Anfragen von Menschen aus allen Teilen der Welt, die mein Video für Vorträge, Bildungsprogramme und Publikationen verwenden möchten.

Hier geht’s direkt zu Maria Koijcks Video…

Zur Person

Maria Koijck
Designerin bei Bas-is und freischaffende Künstlerin
Niederlande
www.mariakoijck.com

Welche Reaktionen haben Sie erhalten?
MK: Wie bereits erwähnt: alles von völliger Verwunderung und Bewunderung bis hin zu dankbaren Nachrichten von Ärzten und Mitarbeitern des Gesundheitswesens. Es hat offensichtlich bei vielen Menschen einen Nerv getroffen.

„Maria schuf ein Kunstwerk aus Abfällen, die bei einer Operation anfielen: ihrer eigenen Operation.“ Haben Sie schon vor Ihrer Operation mit Abfällen gearbeitet, oder war die Operation der Moment, in dem Sie begonnen haben, sich darauf zu konzentrieren?
MK: Seit meiner Zeit in Sierra Leone hatte ich beschlossen, meine Kunst den Abfällen zu widmen. Schon vor meiner Brustkrebsdiagnose habe ich große Gemeinschafts-Kunstprojekte ins Leben gerufen. Zusammen mit lokalen Gemeinschaften haben wir aus Abfall große Tiere geschaffen: Zuerst haben wir aufgeräumt, um Materialien zu sammeln, und diese dann in große Kreaturen verwandelt. Ich habe einen riesigen Dinosaurier aus Plastikflaschen in Brasilien, ein Nashorn aus Dosen in Südafrika, einen Flamingo aus Flip-Flops in Bonaire und vieles mehr geschaffen.

Als bei mir Brustkrebs diagnostiziert wurde, erschien es mir völlig logisch, dieses Thema auf persönlicher Ebene anzugehen. Vor allem, weil ich als ehemalige Krankenschwester aus einer ganz anderen Zeit die Dringlichkeit dieses Themas plötzlich noch stärker empfand.

An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?
MK: Im Moment konzentriere ich mich auf Zigarettenkippen. Wussten Sie, dass eine einzige Zigarettenkippe 1.000 Liter Wasser mit Mikroplastik verschmutzen kann? Ich möchte das Bewusstsein dafür schärfen.

Wie können wir uns stärker dafür sensibilisieren, Abfall zu vermeiden? Haben Sie eine Empfehlung aus der Perspektive eines Künstlers?
MK: Machen Sie das Problem auf schöne, originelle Weise sichtbar, sodass die Menschen es sich tatsächlich ansehen und ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen wollen. Wenn Sie mit dem Finger auf andere zeigen und ihnen die Schuld geben, hat das den gegenteiligen Effekt. Die Menschen gehen sofort in die Defensive und ziehen sich zurück.

Panorama

OP-Abfall als Kunstobjekt – Maria Koijck, die Künstlerin auf und hinter dem Titelbild der aktuellen Ausgabe. Passion Chirurgie. 2026 Mai; 16(05): Artikel 09.

www.bdc.de/

Vorwort

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Das Gesundheitswesen ist der Dienstleistungssektor mit den höchsten Treibhausgasemissionen. So entspricht der Klima-Fußabdruck des weltweiten Gesundheitswesens 4,4 % der globalen Nettoemissionen, entsprechend den jährlichen Treibhausgasemissionen von 514 kohlebetriebenen Kraftwerken. Natürlich besteht allgemeiner Konsens, dass die Gesundheitsversorgung zu priorisieren ist. Es ist jedoch zeitgemäß zu evaluieren, ob auch hier ein Einsparpotential aus Sicht der ökologischen Nachhaltigkeit gegeben ist.

Was kann denn in unserem klinischen Alltag eingespart werden? Eine der von uns am häufigsten verwendeten Produkte in der täglichen Arbeit sind unsterile Handschuhe. So wird der globale Markt für medizinische Einmalhandschuhe perspektivisch von ca. 15 Mrd. USD im Jahr 2022 auf ca. 21 Mrd. USD im Jahr 2029 wachsen. Aber ist vielleicht für Patienten und Umwelt „weniger mehr“? Sieht das Tragen von Einmalhandschuhen oft hygienischer aus als es tatsächlich ist? Falls wir tatsächlich in unserer täglichen Arbeit fälschlicherweise zu oft „mit“ anstatt „ohne“ unterwegs sind, könnte der sachgerechte Einsatz von Handschuhen zur häufigeren Händedesinfektion, geringeren Hautbelastung des Personals, weniger Abfall und geringeren Kosten führen.

Anregende Lektüre wünschen

Prof. Dr. med. C. J. Krones

und

Prof. Dr. med. D. Vallböhmer

Der bewusste Einsatz unsteriler Handschuhe als Hebel für hygienische und ökologische Fortschritte im perioperativen Management

Wir alle kennen folgende Situationen: Eine Ärztin oder Pflegende verlässt ein Patientenzimmer mit benutzten Handschuhen an den Händen, um auf dem Flur etwas aus dem Pflegewagen zu entnehmen oder um zu telefonieren. Im Nachbarzimmer dokumentiert eine Fachkraft in der elektronischen Patientenakte den soeben durchgeführten Verbandswechsel, obwohl sie noch die dabei verwendeten Handschuhe trägt. Ein paar Türen weiter bereitet ein Arzt eine Impfung vor. Aus Routine greift er zu einem frischen Paar Handschuhe, obwohl dazu für eine solche Injektion keine Indikation besteht. Auch beim Umlagern einer Patientin im Nebenzimmer gehen die Teammitglieder wie selbstverständlich zur Handschuhbox, obwohl kein Kontakt zu Blut oder Ausscheidungen zu erwarten ist.

Im Klinikalltag ist der Griff zur Handschuhbox häufig zum Reflex geworden. Die dahinterstehende Logik scheint auf den ersten Blick überzeugend: „Mit Handschuhen kann ich mich selbst vor Infektionen schützen – und den Patient:innen schadet es auch nicht.“ Jedoch beginnt genau hier das Problem des unbewussten Gebrauchs von unsterilen Handschuhen: Studien zeigen, dass sich Mitarbeitende vor und nach dem Patient:innen-Kontakt deutlich seltener die Hände desinfizieren, wenn sie Handschuhe tragen. [1] So hat eine gut gemeinte Schutzmaßnahme am Ende unter Umständen das Gegenteil zur Folge: Eine erhöhte Infektionsrate.

Verwendung zu vieler Handschuhe – trotz klarer Empfehlungen

Unsterile Handschuhe sind ein fester und unverzichtbarer Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung. Aus Beobachtungsstudien wissen wir allerdings, dass rund 35 bis 45 Prozent der Handschuhnutzung im klinischen Alltag medizinisch nicht indiziert sind. [1] Das Problem ist weniger der Handschuhgebrauch selbst als das Verhalten, das er auslöst: „Handschuh statt Händedesinfektion“ – anstatt „Handschuh plus Händedesinfektion“. Denn viele Mitarbeitende in Gesundheitsberufen verlassen sich fälschlich auf die „Barriere“ des Handschuhs und verzichten dabei auf die Händedesinfektion vor und nach dem Patient:innen-Kontakt. Zudem werden teilweise dieselben Handschuhe über mehrere Tätigkeiten hinweg getragen oder sogar zwischen dem Kontakt mit verschiedenen Patient:innen nicht gewechselt. Dies führt zur Verbreitung von Erregern – zwischen verschiedenen Körperstellen oder Wunden und zwischen verschiedenen Patient:innen und dem Personal.

Vielen Mitarbeitenden ist nicht bekannt, dass unsterile Handschuhe nicht 100-prozentig dicht sind, denn sie können teilweise mikroskopisch kleine Defekte aufweisen, durch die Krankheitserreger von Patient:innen auf die Haut von Pflegefachkräften, Ärzten und Ärztinnen, Therapeut:innen und anderen Gesundheitsberufler:innen übertragen werden können, und umgekehrt. Zudem kann das unkontrollierte Ausziehen der Handschuhe zu einer Kontamination der Hände oder Handgelenke mit erregerhaltigem Material führen. Werden die Hände nach dem Patient:innen-Kontakt dann nicht desinfiziert, steht einer Verbreitung der Erreger wenig im Weg. Hygienisch bleibt daher klar: Keine Maßnahme ersetzt die korrekte Händedesinfektion!

Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) hat das Problem des Fehlgebrauches und der fehlenden zusätzlichen Händedesinfektion deshalb ausdrücklich adressiert. In einem Kommentar zum indikationsgerechten Einsatz medizinischer Einmalhandschuhe beschreibt sie, dass Handschuhe im deutschen Gesundheitswesen zu häufig und zu ungezielt eingesetzt werden – und dass dieser Übergebrauch hygienisch problematisch ist. Die KRINKO betont zugleich, dass medizinische Einmalhandschuhe ein unverzichtbares Instrument des Infektionsschutzes bleiben – jedoch nur in den richtigen Situationen und mit der richtigen Anwendung. Ihre Empfehlungen zeigen deutlich, wann Handschuhe erforderlich sind und wann nicht. Damit gibt sie erstmals eine präzise Orientierung, die Gesundheitsberufler:innen unmittelbar unterstützt. [2]

Trotz dieser nicht erst seit der KRINKO-Empfehlung definierten Indikationen ist der Handschuhverbrauch in vielen Einrichtungen in den letzten Jahren weiter gestiegen. Rückmeldungen aus dem Mitgliedsnetzwerk des Kompetenzzentrums für klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen (KliMeG | www.klimeg.de) zeigen, dass insbesondere die SARS-CoV-2-Pandemie diesen Trend verstärkt hat – während der Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln zum Teil zurückgegangen ist!

Wann sind unsterile Handschuhe wirklich indiziert – und wann nicht?

Indikationen für die Verwendung:

Keine Indikationen bestehen in den folgenden Fällen, hier reicht die alleinige hygienische Händedesinfektion aus, z. B. bei:

Abb. 1: Indikationen für den bewussten Gebrauch unsteriler Handschuhe. © KliMeG

Weitere Vorteile durch das Weglassen nicht-indizierter unsteriler Handschuhe

1. Ökologische Dimension

Der Über- und Fehlgebrauch unsteriler Handschuhe ist nicht nur ein hygienisches Risiko, sondern auch ein bislang unterschätzter Faktor einer der größten Gesundheitsherausforderungen unserer Zeit: Dem Klimawandel. Das Gesundheitswesen verursacht ca. sechs Prozent der bundesweiten Treibhausgasemissionen und trägt damit erheblich zu einer Krise bei, die wiederum unsere Gesundheit massiv beeinträchtigt – durch Hitzewellen, Extremwetterereignisse, Luftverschmutzung und die Ausbreitung bisher in Deutschland unbekannter Infektionskrankheiten. [3] Vor diesem Hintergrund haben sich im KliMeG-Netzwerk bereits über 350 Einrichtungen auf den Weg gemacht, Klimaschutz im Krankenhaus konkret umzusetzen. Ein überraschend großer Hebel hierbei: Der Verbrauch nicht-steriler Handschuhe.

Analysen zeigen, dass Handschuhe bis zu einem Prozent der Gesamtemissionen eines Krankenhauses verursachen können [4]. Ihre Herstellung basiert überwiegend auf kunststoffbasierten Materialien; entlang der Produktions- und Lieferkette werden erhebliche Mengen Energie, Wasser und Chemikalien eingesetzt. Am Ende steht eine Entsorgung unnötig großer Mengen an Abfall, mit entsprechendem ökologischem Fußabdruck. Jeder eingesparte Handschuh reduziert daher nicht nur Kunststoff, sondern unmittelbar auch Emissionen und Ressourcenverbrauch.

2. Hautgesundheit des Krankenhauspersonals

Beim Tragen von Handschuhen entsteht zwischen Haut und Handschuh häufig eine sogenannte feuchte Kammer, die die Haut aufweicht und anfälliger für Irritationen und Ekzeme macht. Wer seltener Handschuhe trägt, berichtet von weniger Hautproblemen und weniger Belastung durch Schwitzen.

3. Empathischer Patient:innen-Kontakt

Berührungen ohne Handschuhe wird von vielen Patient:innen als wärmer, direkter und empathischer erlebt. Gerade in pflegerischen und ärztlichen Situationen, in denen keine Indikation für Handschuhe besteht – etwa beim Eincremen, bei der Mobilisation oder bei der körperlichen Untersuchung ohne Kontakt zu Körperflüssigkeiten – kann direkter Hautkontakt das Erleben von Fürsorge und Nähe stärken und damit den Genesungsprozess positiv beeinflussen.

Jetzt aktiv werden! Mit unserer Kampagne „Mit oder Ohne? – Handschuhe bewusst einsetzen“

Gemeinsam mit Kolleg:innen aus Hygiene, Pflege, OP-Management und Klimamanagement hat KliMeG die Kampagne „Mit oder Ohne? – Handschuhe bewusst einsetzen“ entwickelt. Unser Ziel ist, dass alle Gesundheitsberufler:innen genau wissen, in welchen Situationen unsterile Handschuhe tatsächlich erforderlich sind – und dass Handschuhe niemals die hygienische Händedesinfektion ersetzen.

Die Kampagne wurde mit Unterstützung der Röchling-Stiftung ins Leben gerufen. Die KliMeG-Webseite dient als zentrale Anlaufstelle, die alle Materialien bündelt, die für die Umsetzung in Ihrer Einrichtung benötigt werden:

Alle Materialien können HIER kostenlos heruntergeladen und an die eigene Klinik angepasst werden.

4. Ökonomische Vorteile

Schließlich sind auch ökonomische Effekte messbar: Weniger Handschuhe bedeuten weniger Einkauf, weniger Abfallvolumen sowie geringere Entsorgungs- und Beschaffungskosten. In Zeiten knapper Budgets und steigender Preise ist dies ein überzeugender Nebeneffekt.

Umsetzung der Kampagne im OP- und Stationsalltag

In der Praxis hat sich ein mehrstufiges Vorgehen bewährt. Zunächst melden sich interessierte Häuser über die Kampagnen-Website an und benennen eine:n Koordinator:in, die häufig aus dem Bereich Hygiene, Pflege, Klimamanagement oder dem Ärztlichen Dienst kommt. In einem online Start-Workshop werden die Kampagne erläutert, typische Fehlanwendungen dargestellt und erste Ideen für lokale Maßnahmen gesammelt.

Im nächsten Schritt formen viele Einrichtungen ein interdisziplinäres Projektteam aus Pflege, Ärzt:innen, Hygiene, Arbeitsschutz, Einkauf und Öffentlichkeitsarbeit. Dieses Team sichtet die Einkaufsdaten zum Handschuhverbrauch, identifiziert Schwerpunktbereiche – häufig OP, Notaufnahme oder Intensivstation – und definiert messbare Ziele.

Auf Station oder im OP selbst kommen anschließend die Kampagnenmaterialien zum Einsatz: Poster in Aufenthaltsräumen, Info-Sheets mit KRINKO-Indikationen an Desinfektionsmittelspendern und Handschuhboxen, kurze Schulungssessions im Rahmen bestehender Fortbildungen, Quiz-Formate für Teams oder Fallbeispiele in Morgenbesprechungen.

Erfahrungen aus der Praxis und Ausblick

Mittlerweile beteiligen sich bereits über 50 Einrichtungen aktiv an der Kampagne – von großen Maximalversorgern über Fachkliniken bis zu Praxen und Pflegeeinrichtungen. In den monatlichen online Austauschformaten berichten viele von ähnlichen Mustern: Einem sehr hohen Ausgangsverbrauch, teils verunsicherten Teams nach der Pandemie und der Erfahrung, dass schon kleine Interventionen spürbare Effekte haben können. Gerade im perioperativen Management ist der bewusste Umgang mit Einmalhandschuhen ein naheliegender Baustein für eine nachhaltigere und sicherere Versorgung. Er verbindet zentrale Ziele chirurgischer Einrichtungen: Hohe Patient:innen-Sicherheit, guter Arbeitsschutz, effiziente Prozesse und eine Reduktion des ökologischen Fußabdrucks.

Am Ende ist die Frage „Mit oder Ohne?“ keine Detailfrage, sondern ein Symbol für einen größeren kulturellen Wandel: Weg von reflexhaften Routinen, hin zu bewussten Entscheidungen auf Basis von Evidenz. Wenn es gelingt, dass Gesundheitsberufler:innen im perioperativen Setting diese Frage immer wieder kurz stellen – und informiert beantworten – ist viel gewonnen: Infektionsschutz, Hautgesundheit, Klimaschutz. In einem Wort zusammengefasst: Gesundheitsschutz.

Literatur

[1]   Bellini C, Eder M, Senn L, Sommerstein R, Vuichard-Gysin D, Schmiedel Y et al. Providing care to patients in contact isolation: is the systematic use of gloves still indicated? Swiss Med Wkly 2022; 152:w30110. doi: 10.4414/SMW.2022.w30110.
[2]   Robert-Koch-Institut. Kommentar der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) zum indikationsgerechten Einsatz medizinischer Einmalhandschuhe im Gesundheitswesen. Epidemiologisches Bulletin 2024:3–15 [Stand: 04.12.2025]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2024/10_24.pdf?__blob=publicationFile&v=3.
[3]   Traidl-Hoffmann C, Schulz CM, Herrmann M, Simon B, Hrsg. Planetary health: Klima, Umwelt und Gesundheit im Anthropozän. Berlin: MWV; 2021. Verfügbar unter: https://www.beck-elibrary.de/10.32745/9783954666737.
[4]   Schneider M, Michael J. Nachhaltiger Einkauf in der Charité. Nachhaltiger Einkauf in der Klinik 2025:18–9 [Stand: 04.12.2025]. Verfügbar unter: https://epaper.nachhaltige-beschaffung.com/p/special-interest/24-06-25/r/10/18-19/8695/1950013.

Dr. Katharina Schilcher

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Kompetenzzentrum für klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen

kathi.schilcher@gmail.com

Dr. Sybille Barkhausen

Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene

Universitätsklinikum Freiburg

Gesundheitspolitik

Schilcher K, Barkhausen S: BDC-Praxistest: Mit oder Ohne? Der bewusste Einsatz unsteriler Handschuhe. Passion Chirurgie. 2025 Januar/Februar; 16(01/02): Artikel 05_02.

www.bdc.de

Als Chirurginnen und Chirurgen tragen wir eine besondere Verantwortung – insbesondere im Hinblick auf Abfallmanagement und Energieverbrauch im OP. Doch wie können wir eine umweltfreundlichere Chirurgie gestalten, ohne die Versorgungsqualität unserer Patientinnen und Patienten zu beeinträchtigen?

In Kooperation mit dem Universitätsklinikum Bonn und der Universitätsmedizin Halle (Saale) führt die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für perioperatives Management in der Viszeralchirurgie, kurz CA PeriVis, eine Umfrage durch, um praxisnahe Lösungen zur Reduktion der CO₂-Emissionen in der Chirurgie zu entwickeln.

? HIER GEHT ES ZUR UMFRAGE: Nachhaltigkeit in der Chirurgie

⏳ Dauer: ca. 5 Minuten

Sie können bis zum 30. April an der Umfrage teilnehmen.

Selbstverständlich werden alle Angaben anonym erfasst und unterliegen den geltenden Datenschutzbestimmungen.

Bei Fragen stehen Ihnen die Initiatoren Dr. Jonas Dohmen und PD Dr. Johannes Klose jederzeit gerne zur Verfügung.

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat zusammen mit dem aQua-Institut ein Siegel „Nachhaltige Praxis – Klima. Umwelt. Mensch.“ ins Leben gerufen. Praxen müssen dazu nachweisen, ökologische und soziale Standards einzuhalten. Sie erhalten das Siegel nach einem Audit und einer unabhängigen Prüfung der Stiftung Praxissiegel.

TK und aQua-Institut haben zusammen mit den Instituten für Allgemeinmedizin der Universitäten Frankfurt, Heidelberg und Köln sowie der deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) Onlinekurse zu dem Thema entwickelt. Die entsprechende eLearning-Plattform beinhaltet wissenschaftlich fundierte Informationsmaterialien, Videos und Checklisten rund um das Thema Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen – mit Fokus auf Arztpraxen.

Entscheidend für die Auszeichnung mit dem Qualitätssiegel ist eine grundlegend nachhaltige Gestaltung der Abläufe und Prozesse in der Arztpraxis. Das betrifft zum einen alltägliche Aspekte wie Papierverbrauch oder Mülltrennung. Aber auch an größere Projekte, wie die Ermittlung des CO2-Fußabdrucks, einen praxisindividuellen Hitzeschutzplan und dessen Verankerung in einem Nachhaltigkeitskonzept, werden die teilnehmenden Praxen durch die eLearning-Plattform herangeführt. Neben umwelt- und klimaschützenden Maßnahmen sollen weiterhin auch soziale Aspekte für den Erhalt des Siegels relevant sein.

Für die Schulungen und Umsetzung der Maßnahmen sollte eine Praxis laut den Initiatoren etwa acht Monate einplanen, das Siegel selbst ist drei Jahre gültig.

Zur Anmeldung für das Siegel: https://www.aqua-institut.de/produkte-dienstleistungen/qualitaetssiegel-nachhaltige-praxis/nachhaltige-praxis

Quellen:

Ärzteblatt

Techniker Krankenkasse

 

 

 

Alle können und müssen etwas tun, um den eigenen ökologischen Fußabdruck immer weiter zu verringern – in Verband, Praxis, Klinik oder zu Hause. Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit 2022, die vom 20. Bis 26. September stattfinden, erinnern zurzeit verstärkt daran.

Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind beim BDC im Leitbild verankert und werden in der Geschäftsstelle vom BDC-Team bereits gelebt.

Seinen Mitgliedern bietet der BDC Sonderkonditionen für die Beschaffung und Implementierung der Software AmbuPRAX, mit der Praxisinhaber:innen ihre Unterlagen digitalisieren und so erheblich Papier einsparen können. Einen Erfahrungsbericht einer Praxis finden Sie hier.

Es sind erste Schritte, die der BDC in Richtung Nachhaltigkeit und Umweltschutz geht. Die Leiter:innen des zukünftig unter anderem für Nachhaltigkeit verantwortlichen BDC-Themenreferats werden im Namen des Verbands und seiner Mitglieder weitere Möglichkeiten und Lösungen erarbeiten, den chirurgischen Alltag Ressourcen schonender zu gestalten. Dies ist nicht nur im Sinne des Erhalts einer gesunden Umwelt: Auch die nachkommenden Generationen an Chirurgen und Chirurginnen achten bei der Wahl ihres Arbeitsorts immer mehr darauf, welchen Stellenwert nachhaltiges Handeln dort genießt.

Tipps für mehr Klimaschutz in der Praxis gibt der Virchowbund auf seiner Website.