Panorama 01.01.2014
Rückblick 2013 und Ausblick 2014 – Ihr Berufsverband macht mobil
Der BDC hat in den letzten beiden Jahren weit über 1.000 neue Mitglieder gewonnen, und es sind besonders die jungen Kolleginnen und Kollegen, welche die Arbeit des BDC zu schätzen wissen.
Alle, die sich im BDC engagieren, sehen dies als Bestätigung ihrer Arbeit. Der Zuspruch zum Verband ist aber gleichzeitig Verpflichtung zur stetigen Weiterentwicklung der Angebote und Möglichkeiten.
Albert Einstein hat es auf den Punkt gebracht: Ich interessiere mich weniger für die Vergangenheit, als für die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben. Dies bedeutet für den BDC er muss die Strömungen der Gegenwart aufnehmen, und soweit als irgend möglich die Entwicklungen antizipieren, welche die Zukunft unseres Standes beeinflussen werden. Darüberhinaus muss er jenen Schutz und Schirm bieten, die sich unverschuldet in einer prekären beruflichen Lage wiederfinden.
Die neue Weiterbildungsordnung (WBO), deren Gestalt langsam erkennbar wird, markiert eine solche Veränderung. Eine Weiterbildungsordnung, die klinische Lehre und klinische Inhalte in Kompetenzlevel gliedert und damit eine abgestufte Weiterbildung ermöglicht – nicht in allen Bereichen einer chirurgischen Weiterbildung muss der Level IV erreicht werden – bietet zum ersten Male die Möglichkeit zur kurzfristigen Veränderung der Inhalte, ohne dass deswegen eine neue Weiterbildungsordnung geschrieben werden müsste. Die Chancen zu wahren, die somit eröffnet werden, die Risiken zu minimieren, die in jedem Neuanfang beschlossen liegen und insbesondere darauf zu achten, dass die grundlegenden Fähigkeiten und Fertigkeiten auch weiterhin gelehrt werden, die bislang im Common Trunk zusammengefasst waren, wird die Hauptaufgabe der Weiterbildungskommission (WBK) der chirurgischen Fächer sein. Um diesen Aufgaben möglichst gut gerecht werden zu können, werden sich die Vertreter der DGCH, der DGOU und des BDC den Vorsitz teilen und es wurden der BVOU und der BNC in die WBK aufgenommen.
Wegen der gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit, wird die Zeitspanne, die Ärzte ihrem Arbeitgeber zur Verfügung stellen können, immer kürzer. Die neue WBO, mit aufeinander aufbauenden Modulen, erfordert aber eine kurrikulare Lehre. Die Vermittlung der Weiterbildungsinhalte kann daher nicht länger als Nebenprodukt der täglichen klinischen Arbeit aufgefasst werden. Blended Learning, entsprechende aufeinander aufbauende Kurse und Übungseinheiten in sogenannten Skills Labs müssen geplant und vorbereitet werden. Deswegen hat der BDC seine Akademie neu und demokratisch aufgestellt. Neben der Vertretung der einzelnen Säulen ist es vor allem der Sachverstand in den modernen Lehr- und Lernmethoden, den es zu integrieren gilt. Darüberhinaus werden in dem ökonomisch durchstrukturierten Umfeld der Medizin auch sogenannte Soft Skills immer wichtiger, um einer kommunikativen Verelendung zu entgehen, die in einigen Bereichen bereits heute große Sorgen bereitet.
In diesem Sachzusammenhang ist auch die Weiterentwicklung der elektronischen Medien des BDC zu sehen. Längst ist es nicht mehr allein eine Fülle von e-Learning-Angeboten, die unseren Mitgliedern zur Verfügung steht. Eine geschützte Kommunikationsplattform ermöglicht den Kontakt untereinander und in kleinen Gruppen. Die Chirurgensuche findet problemlos den richtigen Chirurgen in einer bestimmten geographischen Region und sie wird in ihrer schlussendlichen Form jungen Kolleginnen und Kollegen zeigen, wo sie eine gute Weiterbildung erhalten, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Neuigkeiten, Stellenmarkt und die Passion Chirurgie und vieles andere ergänzen die Angebote.
Das Wohl des chirurgischen Nachwuchses zu befördern, ist zweifellos die vornehmste Aufgabe des BDC. Ein Berufsverband muss sich aber auch um das berufliche Umfeld kümmern und politische Entwicklungen begleiten, sei dies auf nationaler oder auf europäischer Ebene. Dazu bedarf es kreativer Ideen – wie zum Beispiel Modelle der Kooperation zwischen Kliniken und Niedergelasssenen, die sektorübergreifende Behandlung und Weiterbildung und eine gerechte sektorübergreifende Bezahlung hochwertiger Leistung. Dazu gehört aber auch eine vernehmbare Stimme. Eine vernehmbare Stimme erwerben heißt, sich den Gegebenheiten des Umfeldes anpassen – oder anders und mit den Worten eines sehr alten Lobbyisten ausgedrückt: „Man muss die Zahl seiner Feinde vermindern und die seiner Freunde erhöhen”. Dies mag einerseits gelingen durch eine gute Pressearbeit mit entsprechenden Erklärungen zu wichtigen fachlichen und politischen Themen – Themen, die „en vogue” sein müssen -, andererseits durch die verlässliche Kooperation mit anderen Gesellschaften und Verbänden. Denn Demokratie hat immer auch etwas zu tun mit Zahl und Einfluss. Dies gilt auf nationaler Ebene weswegen die Einheit der deutschen Chirurgen und die Kooperation mit anderen Verbänden und Gesellschaften ganz hoch auf der Agenda des BDC steht. Dies gilt aber ganz besonders für die Entwicklungen auf europäischer Ebene die auch ein großes Land wie Deutschland nur dann beeinflussen kann, wenn seine Fachvertreter mit einer Stimme sprechen. Davon ist man im medizinischen Bereich unglücklicherweise sehr weit entfernt.
Deswegen wurde die Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände im Januar des Jahres neu aufgestellt und deren Arbeit in der UEMS, der unterdessen 37 Länder mit über 1,7 Millionen Fachärzten angehören, intensiviert. Aufgaben in diesem Kontext sind die Verteidigung der freien Berufe in Europa, die Mitsprache beim Versuch die Normung medizinischer Dienstleistungen zu verhindern, und die Mitgestaltung europäischer Bestimmungen zu Weiterbildung, Prüfungen, Akkreditierungen, Assessments etc. Deswegen unterstützen BDC und GFB den Bundesverband der freien Berufe nachdrücklich und deswegen gilt die Aktivität auch der Aufgabe, möglichst viele Verbände und Gesellschaften von der Idee zu überzeugen, dass es sinnvoll ist, bei den wirklich wichtigen Zukunftsfragen der Medizin mit einer Stimme zu sprechen.
Diese Notwendigkeit wird in der täglichen Praxis immer klarer. Die EU ist eine Wirtschaftsunion, folgerichtig mutierte der Bürger in den letzten Jahrzehnten zum Wirtschaftssubjekt. Der Patient wurde von der leidenden Kreatur zum Kunden. Nicht mehr das Patientenwohl und die optimale Behandlung ist das Primum Movens des Systems. Mit dem Primat der Ökonomie ist die Ressourcenallokation zum Leitmotiv geworden. Die Leistungsträger im System werden als Humankapital eingesetzt und dem perpetuierten Euphemismus ausgesetzt, der Effizienzsteigerung, Wettbewerb und Hebung von verborgenen Reserven heißt.
Kein Wunder, dass der Ton von Diskussionen und Auseinandersetzungen besorgniserregend rau wird und die Argumente immer weniger vernunftgeleitet erscheinen. In diesem Umfeld, dessen Probleme in den nächsten Jahren durch die Gegebenheiten der demographischen Entwicklung sicher nicht einfacher werden, bedürfen Kolleginnen und Kollegen des Schutzes durch starke Gesellschaften und Verbände, sodass die Einheit in der Vielheit längst nicht mehr als das „Wünsch Dir was” vergangener Jahre aufgefasst werden darf. Sie ist vielmehr Ausdruck von Vernunft und Augenmass, um im demokratischen Diskurs auf Augenhöhe bestehen zu können.
Bruch H.-P. Rückblick 2013 und Ausblick 2014 – Ihr Berufsverband macht mobil. Passion Chirurgie. 2014 Januar, 4(01): Artikel 09_01.
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