Berlin, den 28.09.2026 – In Zeiten der unmittelbaren und drohenden Krisen drängt der Chirurgieverband darauf, dass die bestehenden Ressourcen im Gesundheitssystem nicht pauschal weiter abgebaut werden dürfen. Im Gegenteil: Um die gesundheitliche und medizinische Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, müssen – gerade innerhalb dieser kritischen Infrastruktur – Kapazitäten wie Geld, Fachkräfte und Material vorgehalten werden.
Das politische Narrativ hat sich geändert. Der neue Bundesgesundheitsminister propagiert drei Ziele: „Politik für die Menschen machen“, „für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit“ und „für den Zusammenhalt des Landes“. Damit gemeint sind eine bessere Patientensteuerung, sinkende Lohnnebenkosten und die Rente auch für pflegende Angehörige.
Unverändert geblieben ist das politische Ziel einer Ausgabenpolitik, die sich an den Einnahmen orientiert. Dieses ist aus Sicht des BDC schon allein deswegen mit erheblichen Auswirkungen verbunden, da sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben im Gesundheitswesen in hohem Maße von äußeren Rahmenbedingungen wie dem aktuellen Wirtschaftswachstum, der demographischen Veränderung und der damit verbundenen Morbiditätsentwicklung abhängen. „Selbstverständlich müssen wir Gesundheitsversorgung in Deutschland effizienter organisieren. Gleichzeitig gilt es jedoch, Ressourcen in ausreichendem Maß vorzuhalten. Es ist kurzsichtig, die Versorgung der Bevölkerung einseitig an das Wirtschaftswachstum zu koppeln und Herausforderungen auf der Ausgabenseite auszublenden“, erklärt BDC-Präsident Professor Dietmar Pennig. „Wer sinkende Lohnnebenkosten anstrebt, der muss die Gesundheitsausgaben von systemfremden Leistungen wie etwa der Finanzierung der Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern entlasten und Effizienzsteigerungen rechtzeitig, bereits in Zeiten des Wirtschaftswachstums, bahnen.“ Der Verband reagiert mit seiner Forderung auf die Äußerungen von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann, der bei einer Regierungsbefragung im Bundestag am 23. September seine gesundheitspolitische Agenda vorstellte.
Der Berufsverband begrüßt es, dass das Bundesgesundheitsministerium eine Reihe von Reformen noch in diesem Jahr vorantreiben will. So soll bereits im Oktober das Digitalgesetz beraten werden. Aus Sicht des Berufsverbands ein wichtiger Schritt, um die zwingend erforderliche Entbürokratisierung möglich zu machen und dadurch endlich mehr Arztzeit für die Patienten zu gewinnen. Auch die Notfallreform soll als wichtiges Instrument zur besseren Steuerung von Gesundheitsversorgung nach aktueller Planung Ende September im Bundestag beschlossen werden. „Aus unserer Sicht ein Zeichen, dass das BMG die Dringlichkeit dieser beiden Themen erkannt hat und die Gesetze nun hoffentlich gut abgestimmt umsetzt“, so Pennig. Effizienzsteigerung erwartet der Verband durch die standardisierte Ersteinschätzung und die Vernetzung der Notfallnummern 112 und 116117. Gleichzeitig fordert der Verband eine auskömmliche Finanzierung der geplanten Integrierten Notfallzentren.
Die neuerliche Debatte um eine mögliche Harmonisierung der Gesetzlichen und der Privaten Krankenversicherung hält der BDC für eine Scheindebatte. Grundsätzlich sollten Termine nach medizinischer Dringlichkeit vergeben werden, die Leistungserbringer müssen zur erfolgreichen Umsetzung der Reformen einbezogen werden. Der Wettbewerb zwischen den Systemen wirke grundsätzlich innovationsfördernd und komme damit allen Versicherten zugute.
Der chirurgische Berufsverband erachtet ein dauerhaft stabiles Gesundheitssystem als existenziell wichtig für die Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung und letztendlich auch den Zusammenhalt der Gesellschaft. Dabei versteht er unter einem resilienten System, dass Investitionen zu tätigen und Ressourcen vorzuhalten sind, die mittel- und langfristig zur Absicherung eines Versorgungsfalls, der mitunter ohne Vorwarnzeit eintreten kann, beitragen. „Uns ist bewusst, dass die Kluft zwischen den im politischen Berlin erwarteten Einsparmaßnahmen und dem Aufrechthalten einer adäquaten und flächendeckenden gesundheitlichen Versorgung nicht leicht zu überwinden ist“, erklärt Pennig. „Wir trauen Bundesgesundheitsminister Linnemann als Ökonom aber zu, mit Weitblick auf die Zahlen zu sehen und gleichzeitig das Wohl der Menschen im Fokus zu behalten. Expertinnen und Experten vom Fach aus Selbstverwaltung und Berufsverbänden stehen ihm beratend zur Seite. Das gilt in erster Linie auch für uns als größter chirurgischer Verband in Europa, der seine Expertise aus vielen tausend Mitgliedern schöpft, die täglich in Klinik und Praxis mit der akuten und fortgesetzten medizinischen Versorgung von Menschen beschäftigt sind und Planungssicherheit auch in wirtschaftlicher Hinsicht einfordern.“
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“Unser Engagement gilt nicht nur der körperlichen Gesundheit unserer Patienten, sondern auch der Förderung einer gesunden Gesellschaft, die frei von Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung und Homophobie ist.” Die Medizinerinnen und Mediziner erinnern daran, dass die Bundestagswahlen eine einzigartige Gelegenheit bieten, eine integrative und solidarische Gemeinschaft zu fördern. Indem sie demokratische Werte unterstützen und gegen menschenfeindliche Ideologien stimmen, leisten die Wählerinnen und Wähler einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Ungerechtigkeiten und Vorurteilen.
Die Ärztinnen und Ärzte rufen alle auf, die Chance zu nutzen, Einfluss auf eine positive Zukunft zu nehmen. Sie rufen dazu auf, zur Wahl zu gehen und ein Zeichen gegen Hass und Intoleranz zu setzen. Sie setzen sich für eine Gesellschaft ein, in der Respekt, Gleichberechtigung und Menschlichkeit gelebt werden.
Die unterzeichnenden Ärztinnen und Ärzte hoffen, dass ihr Appell viele Wählerinnen und Wähler erreicht und zum Handeln motiviert. Sie sind überzeugt, dass jeder Einzelne dazu beitragen kann, eine gerechtere und friedliche Gesellschaft zu schaffen – und dass dies bei den diesjährigen Bundestagswahlen beginnt.
Die Unterzeichnenden:
Dr. S. Lenz, Perleberg (Verantwortlich gemäß § 18 MStV)
Prof. Dr. M. Stockburger, Nauen (Ideengeber)
Dr. E. Altenburg, Perleberg
Dr. G. Bauer, Strausberg
Dr. A. Batzner, Würzburg
S. Beck, Nauen
Dr. B. Fürstenau, Perleberg
Dr. Dr. R. Ganescu, Perleberg
Dipl. med. B. Hinneburg, Rathenow
PD. Dr. C. Jacobi, Perleberg
Prof. Dr. C. Jenssen, Strausberg/ Wriezen
T. Katterwe, Perleberg
Dr. T. Kiel, Perleberg
Dr. J. Leifeld, Oldenburg
J. Lengeling, Schwerin
Dr. K. Lenz, Schwerin
H. Meinold, Perleberg
Dr. E. Mönning, Berlin
U. Nonnemacher, Falkensee
C. Oeder, Nauen
Dr. S. Perera, Berlin
M. Petrick, Perleberg
Prof. Dr, H. Seggewiß, Schweinfurt
Dr. med. G. Sutthoff, Falkensee
Dr. R. Uhlig, Potsdam
J. Wandzik, Perleberg
Dr. M. Warnecke, Perleberg
Dr. U. Wolf, Stahnsdorf
„Medizin braucht freien und internationalen Austausch – sowohl in der Forschung als auch in der Versorgung in Klinik und Praxis. Ärztinnen und Ärzte sehen alle Menschen ohne Wertung als Patientinnen und Patienten, die es zu behandeln, betreuen und zu heilen gilt. Die Demokratie als Grundvoraussetzung für diese Freiheiten müssen wir verteidigen und fremdenfeindlichen, autoritären Programmatiken entschieden entgegentreten”, erklärt BDC-Geschäftsführerin Dr. Friederike Burgdorf.
Auszug aus dem Memorandum der DGCH, ihrer Fachgesellschaften und des BDC: “Als Chirurginnen und Chirurgen sind wir politisch unabhängig und neutral. Unser Handeln im Dienst an unseren Patienten sowie die seit Hippokrates und aktueller dem Genfer Gelöbnis geltenden Werte bestimmen auch unsere Haltung zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Wir lehnen jedwede Gewalt ab und distanzieren uns insbesondere von Aktionen gegen die unantastbare Menschenwürde. Eine politische Gesinnung, die sich unmittelbar oder mittelbar gegen die Würde des Menschen richtet, ist mit unseren Grundüberzeugungen nicht vereinbar.”
„Bitte scheuen Sie sich nicht, für diese Grundüberzeugungen in ihrem beruflichen und privaten Umfeld einzutreten und sie auch allen ins Bewusstsein zu rufen, die mit Ihnen arbeiten. Denn Fachkräfte aus dem Ausland sind von uns hoch geschätzt und unverzichtbar für die ärztliche Versorgung in Forschung, Klinik, Praxis und Pflege”, betont BDC-Präsident Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer.
Memorandum der DGCH, ihrer Fachgesellschaften und des BDC.
Der BDC hat heute eine Stellungnahme zur aktuellen Version einer neuen GOÄ, die dem Bundesministerium für Gesundheit zur Rechtsverordnung vorgelegt werden soll an die Bundeärztekammer geschickt. Der Verband begrüßt, dass ein Jahrzehnte laufender Prozess zu einem vorläufigen Abschluss gebracht worden ist. “Naturgemäß richtet sich der Blick primär auf die Bewertungen der Leistungen und verursacht allgemeine Frustration. Dabei werden die übergeordneten Aspekte oft übersehen oder jetzt neu kritisiert, obwohl diese seit Jahren auch durch entsprechende Ärztetagsbeschlüsse Bestand haben”, erklärt BDC-Vizepräsident Dr. Jörg-A. Rüggeberg.
Der BDC hat erreichen können, dass konkrete Nachverhandlungen zu einzelnen offensichtlich unterbewerteten Gebührenordnungspositionen zugesagt worden sind. Wenn dies zu akzeptablen Korrekturen führt, empfiehlt er die Annahme des vorgelegten Entwurfs vom Grundsatz her, denn es bedürfe nach 30 Jahren Stagnation dringend einer Modernisierung. Vor Abschluss der zugesagten Nachverhandlungen ist ein Versand der fast 1000 Seiten der GOÄ allerdings noch nicht zielführend, zumal am Ende Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach darüber entscheiden muss.
250924_BÄK_Reinhardt_Stellungnahme des BDC zur neuen GOÄ
Die öffentlich zugängliche aktualisierte Leitlinie zur Händehygiene ist nun auf Englisch erschienen. Vizepräsident Dr. Peter Kalbe hat an deren Übersetzung maßgeblich mitgewirkt.
Die Konsensus basierte Leitlinie ist in folgende Themen untergliedert: Prävention nosokomialer Infektionen durch hygienische Händeantiseptik, Prävention postoperativer Wundinfektionen durch chirurgische Händeantiseptik, Infektionsprävention in der Bevölkerung durch Händeantiseptik bei epidemischer bzw. pandemischer Situation, Händewaschung aus sozialer und infektionspräventiver Indikation, Auswahl von Alkoholbasierten Händeantiseptika und von Waschlotionen, medizinische Handschuhe und Schutzhandschuhe, Voraussetzungen für die Händehygiene, Hautschutz und Hautpflege, Qualitätssicherung der Umsetzung der Maßnahmen der Händehygiene und rechtliche Aspekte.
Die Leitlinie wurde von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene in Zusammenarbeit mit 22 Fachgesellschaften, 2 Berufsverbänden, dem Deutschen Pflegerat, der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen, der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt Österreich und der deutschsprachigen Interessengruppe der Fachexperten/innen für Infektionsprävention und Berater für Spitalhygiene erarbeitet.
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Die KBV veröffentlicht neue Informationsmaterialien zur elektronischen Patientenakte (ePA) die ab 2025 zur Anwendung kommt.
PraxisInfoSpezial
Eine neue Auflage der PraxisInfoSpezial enthält Basiswissen rund um die ePA. Darin wird unter anderem erläutert, welche Daten Praxen künftig einpflegen müssen, wie der Zugriff auf die ePA erfolgt und welche Informations- und Dokumentationspflichten Ärzte und Psychotherapeuten haben. Auch Fragen, ob eine Einsichtnahme bei jedem Patienten-Kontakt routinemäßig notwendig ist oder welche Widerspruchsmöglichkeiten Versicherte haben, werden beantwortet. Die PraxisInfoSpezial finden Sie hier
Schaubild
Ergänzend zur PraxisInfoSpezial gibt es ein Schaubild, das wesentliche Informationen zur Nutzung der ePA in der Praxis auf einer Seite zusammenfasst: https://www.kbv.de/media/sp/ePA_Infoblatt_Auf-einen-Blick.pdf
Video
Wie die elektronische Patientenakte die Anamnese, Diagnostik und Behandlung unterstützen kann, zeigt ein Video. Anhand eines fiktiven Falls wird die Nutzung der ePA erläutert. Das Video steht auf der Internetseite der KBV bereit.
Weitere kommunikative Maßnahmen sind geplant, um die Praxen bestmöglich bei der geplanten Einführung und Nutzung der ePA zu unterstützen. So starten die PraxisNachrichten in der kommenden Woche eine Serie zur ePA. Alle zwei Wochen wird ein Aspekt näher erläutert.
Weitere Informationen auf den Seiten der KBV














