Niederlassung 01.10.2016
Rezension: Manual Ambulantes Operieren
Das Buch hat den Anspruch eines deutschsprachigen Standardwerkes für alle Aspekte des Ambulanten Operierens – sowohl im Bereich der niedergelassenen Chirurgen als auch in den Kliniken.
Es beginnt mit einem Überblick über die geschichtliche Entwicklung des Ambulanten Operierens, in dem insbesondere die Pioniere in Deutschland breiten Raum einnehmen. Des Weiteren werden ausführlich und gut verständlich die komplexen rechtlichen, persönlichen und strukturellen Voraussetzungen für die Teilnahme am Ambulanten Operieren und am dreiseitigen Vertrag zum § 115b SGB V erläutert. Erfreulicherweise wird hier insbesondere eine Lanze für ein umfassendes und aktiv gelebtes Qualitätsmanagement gebrochen. Der Beitrag von Rainer Woischke illustriert überzeugend die gestiegenen Kosten für eine rechtskonforme Umsetzung der Hygiene-Richtlinien und formuliert die berechtigte Forderung nach einem sofortigen Hygiene-Aufschlag für jede ambulante Operation. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit der Thromboseprophylaxe und speziellen Problemen der Kinderanästhesie.
Im zweiten Teil des Buches werden ambulante Operationen aus allen Fachgebieten (außer der Gynäkologie) kurz dargestellt. Dabei können naturgemäß die einzelnen Eingriffe nur ansatzweise erläutert werden, so dass sich dieser Teil mehr als „Blick über den Nachbarzaun“ eignet und keine Operationslehre der jeweiligen operativen Bereiche ersetzen kann. Für den niedergelassenen Chirurgen sind aber vor allem die Einblicke in die Nachbargebiete, z. B. Urologie, HNO und Neurochirurgie, von großem informatorischen Wert. Die einzelnen Kapitel sind von erfahrenen ambulanten Operateuren verfasst worden und bieten jeweils mit einem abschließenden Literaturverzeichnis alle Möglichkeiten, sich in den fachlichen Inhalt vertiefend einzuarbeiten.
Das Werk schließt mit einer gesundheitsökonomischen Betrachtung und einer Generalabrechnung des Herausgebers mit der deutschen Gesundheits- und Sozialpolitik, die insbesondere auf die Unterfinanzierung des Ambulanten Operierens fokussiert. Dabei wird die herausragende Bedeutung des Ambulanten Operierens ausführlich dargestellt, allerdings ein wenig die ebenfalls notwendige chirurgische Grundversorgung vernachlässigt. Daher dürften nicht alle berufspolitischen Aussagen, z. B. zur Rolle der kassenärztlichen Vereinigungen, die Zustimmung aller niedergelassener Chirurgen finden.
Das reich bebilderte und gut gegliederte Buch bietet einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand des Ambulanten Operierens in Deutschland und sollte in keiner chirurgischen Fachbibliothek fehlen.
Kalbe P. Rezension: Manual Ambulantes Operieren. Passion Chirurgie. 2016 Oktober; 6(10): Artikel 03_07.
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