Alle Artikel von Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow

Hygiene-Tipp: Ultraschall – Wenn es mal wieder schnell gehen muss

Obwohl es sich um eine nicht invasive Untersuchung handelt, sind aus der Literatur Infektionsketten durch Ultraschalluntersuchungen bekannt geworden, deshalb müssen auch hier die Regeln der Hygiene sorgfältige Beachtung finden. Viele Chirurgen führen Ultraschalluntersuchungen selbst durch.

Falls eine ultraschallgesteuerte Punktion nicht auszuschließen ist, sind folgende Schritte durchzuführen:

  • vor der Untersuchung ist der Arztmantel abzulegen,
  • eine flüssigkeitsdichte Schürze ist anzulegen,
  • bei der Untersuchung von Wunden ist zusätzlich auch einen Mund-Nasenschutz anzulegen,
  • vor und nach jeder Ultraschalluntersuchung ist vom Untersucher eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen.

Kontaktgel ist aus einer Spenderflasche oder aus einem Kanister mit Pumpe zu verwenden. Der Auslass darf nicht mit der Haut des Patienten in Berührung kommen und keinen Kontakt mit der Hand des Untersuchers haben.

Bei Verwendung von Kontaktgel aus einer Dose ist das Gel mit einem keimarmen Spatel zu entnehmen und vor Kontamination zu schützen. Das Kontaktgel ist mit einem Einmaltuch zu entfernen, anschließend erfolgt eine Wischdesinfektion des Ultraschallkopfs und des Kabels mit einem desinfektionsmittelgetränkten Einmaltuch (spezielle Tücher für die Desinfektion von Ultraschallköpfen). Nach Ablauf der Einwirkzeit ist der Ultraschallkopf mit ausreichend Wasser (Trinkwasserqualität) abzuspülen.

Auch bei Verwendung einer Schutzhülle sollte der Ultraschallkopf nach der Untersuchung desinfiziert werden. Das Ultraschallgerät, insbesondere alle Handkontaktflächen, ist täglich – und bei sichtbarer Kontamination sofort – einer Wischdesinfektion zu unterziehen.

Bei ultraschallgesteuerten Punktionen (z. B. Serom, Hämatom) muss eine großflächige Hautdesinfektion bereits vor der Applikation des sterilen Ultraschallgels erfolgen.

Zeigt sich die Indikation zu einer Punktion erst nach bereits begonnener Ultraschalluntersuchung, dann sind die wasserhaltigen Gelreste vollständig zu entfernen, denn wässriges Ultraschallgel kann die Wirkung des alkoholischen Hautdesinfektionsmittels beeinträchtigen. Anschließend wird das Hautdesinfektionsmittel aufgebracht und die Einwirkzeit ist abzuwarten. Nun kann erneut steriles Ultraschallgel aufgetragen und die Punktion durchgeführt werden.

Nach Beendigung der Untersuchung muss der Ultraschallkopf und das jeweilige Kabel von Gelresten gereinigt und eine Desinfektion mit einem geeigneten, materialkompatiblen Desinfektionsmittel (desinfektionsmittelgetränkte Tücher) durchgeführt werden.

Bei endokavitären Ultraschalluntersuchungen (z. B.: transrektaler Ultraschall im Rahmen des Tumorstaging oder zur Prostatauntersuchung) sind zusätzliche Anforderungen an die Aufbereitung der Ultraschallsonden, gemäß den jeweiligen Herstellerangeben, zu stellen.

Generell müssen Bedien- und Griffflächen des Ultraschallgeräts immer nach Beendigung der Untersuchung wischdesinfiziert werden.

Der Hygiene-Tipp gibt die Meinung der Autoren wieder.

Lieber Leserinnen und Leser,

nach nunmehr etwa 140 Hygiene-Tipps von 2008 bis 2019, möchte ich mich heute von Ihnen verabschieden. Der Hygiene-Tipp wird nun von einer Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaus Hygiene (DGKH) weitergeführt, sodass Sie weiter über Aktuelles aus der Hygiene informiert werden.

Die Idee der „Hygiene-Tipps“ wurde während einer Pressekonferenz, die anlässlich des 9. Kongresses der DGKH im Jahr 2008 stattfand, vom damaligen Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit, dem Unterzeichner, entwickelt, und zusammen mit dem Vorstand und Geschäftsführer des BDC wurde der Hygiene-TIPP in der Folge ins Leben gerufen. Im ersten Jahr gab es einen Platz von ca. 5×5 cm in der Verbandszeitschrift.

Mit der wachsenden Beliebtheit des Hygiene-Tipps wuchs auch der Raum, der dem Tipp zugemessen wurde. Seit nunmehr zwölf Jahren ist der Hygiene-Tipp fester Bestandteil der PASSION CHIRURGIE und hat sich dank der Redaktion, im Besonderen durch Frau Kammerer, zu einem sehr attraktiven Beitrag entwickelt. Ich bedanke mich für die äußerst angenehme und freundliche Zusammenarbeit mit dem BDC, bei Ihnen als interessierte Leserschaft und bei allen, die mir mit freundlichen und fachlich fundierten Leserbriefen ein angenehmes Feedback gegeben haben.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Patienten alles Gute und eine weiterhin erfolgreiche und infektionsfreie Arbeit!

Prof. Dr. med. K.-D. Zastrow
Chefarzt des Hygiene-Instituts der REGIOMED-Kliniken Bayern/Thüringen

Zastrow KD, Adler H: Hygiene-Tipp: Ultraschall – Wenn es mal wieder schnell gehen muss. Passion Chirurgie. 2019 Dezember; 9(12): Artikel 04_06.

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Hygiene-Tipp: Handschuhe und Handschuhwechsel im OP: Wie und wann?

OP-Handschuhe dienen neben der chirurgischen Händedesinfektion als Infektionsschutz für Patient, Operateur und Assistenz. Dieser Schutz ist durch Tragedauer und Materialermüdung zeitlich begrenzt. Jede Handschuhperforation birgt die Gefahr der Übertragung von Mikroorganismen.

Bisher gibt es keine festen Vorschriften für intraoperative Wechselzeiten der OP-Handschuhe. Einerseits soll die Operation durch den Handschuhwechsel nicht unterbrochen werden. Andererseits benötigt ein sorgfältiger Handschuhwechsel auch die entsprechende Zeit.

Selbst nach der chirurgischen Händedesinfektion befindet sich in den OP-Handschuhen ein ideales Milieu (feucht und warm) zur Vermehrung von Mikroorganismen der residenten Flora der Hand („Handschuhsaft“).

Bei einer bemerkten oder unbemerkten Handschuhperforation ist eine Erregerübertragung nicht zu vermeiden. Vorbeugen kann man durch einen regelmäßigen Handschuhwechsel. Der Handschuhwechsel kann auch außerhalb fester Intervalle in den OP Ablauf eingebaut werden und so während kleinerer Unterbrechungen erfolgen. Es muss eben nur daran gedacht werden, z. B.:

  • …während des Seiten- oder Positionswechsel des Operateurs
  • …beim Warten auf den Schnellschnitt
  • …vor dem Neueinstellen des OP-Situs

Zusätzliche Empfehlung eines Handschuhwechsels:

  • vor Implantation einer Gelenkprothese/Schrittmacher/Port
  • nach Manipulation an scharfkantigem Material/Explantat, Knochen – erhöhtes Perforationsrisiko

Beim intraoperativen Handschuhwechsel immer beachten:

  • Hände nach ausziehen der OP-Handschuhe vollständig trocknen; Restfeuchte beeinträchtigt die Wirkung des Händedesinfektionsmittels.
  • Erst bei vollständig trockenen Händen die Zwischendesinfektion der Hände beginnen Einwirkzeit 30 Sekunden – satt benetzen!
  • Handschuhwechsel immer abseits vom OP-Feld und abseits vom Instrumentiertisch.
  • Gebrauchte Handschuhe nicht über den Tisch reichen.
  • Handschuhe beim Ausziehen nicht „schnalzen“ (umgangssprachlich) lassen – keine Kontamination durch Handschuhsaft.

Der Hygiene-Tipp gibt die Meinung der Autoren wieder.

Zastrow KD, Adler H: Hygiene-Tipp: Handschuhe und Handschuhwechsel im OP: Wie und wann? Passion Chirurgie. 2019 November; 9(11): Artikel 04_06.

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Hygiene-Tipp: Die Anlage eines transurethralen Harnblasenkatheters im OP oder „Leg mal schnell noch einen DK“

Harnwegsinfektionen zählen zu den häufigsten nosokomialen Infektionen. Das Infektionsrisiko, das transurethrale Dauerkatheter (DK) mit sich bringen, wird in der Regel unterschätzt, aber auch sie können Ausgangspunkt einer Sepsis sein. Transurethrale Dauerkatheter sind der bedeutendste Risikofaktor für eine aufsteigende Harnwegsinfektion. Daher ist es von erheblicher Bedeutung, die nachfolgenden Forderungen stets einzuhalten:

  • Es bedarf stets einer streng ärztlich gut begründeten und dokumentierten Indikation.
  • Vollsilikon besitzt die höchste Biokompatibilität und -stabilität. Es ist daher für die transurethrale und suprapubische Langzeitdrainage am besten geeignet. Die Möglichkeit der Vermeidung einer mukopurulenten Membran ist bei diesem Material am größten.
  • Die Katheterstärke ist an die Harnröhrenöffnung anzupassen, um Schleimhautschäden zu vermeiden, denn durch Mikroläsionen der Schleimhaut können Infektionserreger in die Blutbahn eintreten. Solange noch überwiegend Latexkatheter eingesetzt wurden, war dies eine der häufigsten Ursachen für eine Urosepsis.
  • Die Katheterisierung muss stets aseptisch, mit sterilen Handschuhen, sterilem Abdeckmaterial und sterilen Tupfern durchgeführt werden. Erfolgt die DK-Anlage unmittelbar präoperativ, bestimmt der Operateur in Absprache mit dem Anästhesisten die Liegedauer. Besteht keine weitere Indikation für den Dauerkatheter wird der Katheter noch im Operationssaal, vor dem Ausschleusen, beim „Entlagern“ entfernt.
  • Falls eine längerfristige (>5 Tage) Drainage der Harnblase erforderlich ist, sollte zur Vermeidung der urethralen mukopurulenten Membran durch Umgehung der Harnröhre der suprapubische Harnblasenkatheter dem transurethralen Verweilkatheter vorgezogen werden, sofern keine Kontraindikation besteht.
  • Haut- und Schleimhaut müssen mit Tupfern, die mit Desinfektionsmittel „klatsch-nass“ getränkt sind, vollständig benetzt werden.
  • Die vom Hersteller deklarierte Einwirkzeit des Desinfektionsmittels ist zu beachten.
  • Gleitmittel sind nur in steriler Form zu verwenden.
  • Blocken erfolgt mit sterilem Aqua dest. oder 8- bis 10-prozentiger Glycerin-Wasserlösung.
  • Es sind nur geschlossene Ableitungssysteme mit geeigneter Probennahmestelle, Rückflusssperre und Luftausgleichsventil zu verwenden.
  • Der Auffangbeutel muss vor jedem Transport des Patienten geleert werden, vor allem bei Umlagerung auf eine Trage oder den OP Tisch.
  • Katheter und Drainageschlauch dürfen grundsätzlich nicht diskonnektiert werden.
  • Wenn dies nicht zu vermeiden ist, muss vor der Manipulation an der Konnektionsstelle eine Desinfektion durch sprühen – wischen – sprühen mit einem Präparat auf Alkoholbasis erfolgen.
  • Hygienische Händedesinfektion erfolgt vor und nach jeder Manipulation am Blasenverweilkatheter oder Drainagesystem.

Der Hygiene-Tipp gibt die Meinung der Autoren wieder.

Zastrow KD, Adler H: Hygiene-Tipp: Die Anlage eines transurethralen Harnblasenkatheters im OP oder „Leg mal schnell noch einen DK“. Passion Chirurgie. 2019 Oktober; 9(10): Artikel 04_07.

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Hygiene-Tipp: Ziehen der Hochvakuum-Saugdrainage als Infektionsrisiko

Hochvakuum-Saugdrainagen werden ggf. nach chirurgischen Eingriffen subkutan eingebracht und sollen den postoperativen Verlauf der Heilung begünstigen. Durch das Absaugen von Blut und Wundsekret sowie den Andruck der Wundränder wird die Wundheilung beschleunigt. Die Drainage wird meistens postoperativ nach 48 bis 72 Stunden entfernt.

Die Vakuumflasche muss mehrfach täglich kontrolliert und der Füllungsstand protokolliert werden. Ist die Flasche voll oder zeigt an, dass kein Vakuum mehr vorhanden ist, muss sie gewechselt werden. Der Austausch der Flasche und das Entfernen der Drainage müssen unter aseptischen Bedingungen erfolgen.

Hierfür muss das Ende des Drainageschlauches beim Flaschenwechsel steril gehalten und vor der erneuten Verbindung mit der Drainageflasche nochmals mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel desinfiziert werden.

Vor dem Wechsel der Flasche muss eine sorgfältige Händedesinfektion durchgeführt werden. Bevor die neue Flasche mit dem Drainageschlauch verbunden wird, muss überprüft werden, ob die Sogwirkung der Flasche intakt ist. Nach Anschluss der neuen Flasche muss geprüft werden, ob der erforderliche Sog auch aufrechterhalten wird.

Eine „Faustregel“ zum Ziehen von Hochvakuumsaugdrainagen lautet:

  • Am 1. Tag kann sie,
  • am 2. Tag sollte sie und
  • am 3. Tag muss sie

… gezogen werden, es liegt also im Ermessen des behandelnden Arztes.

Da hier an der noch offenen Wunde gearbeitet wird, ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes erforderlich.

Vor dem Ziehen muss zuerst der sterile Wundverband abgenommen und die Austrittsstelle der Drainage desinfiziert werden. Nachdem die „Annaht“ entfernt wurde, kann der Arzt den Drainageschlauch umfassen und den Patienten auffordern tief ein- und auszuatmen. Während der Ausatmung kann der Schlauch bei immer noch bestehendem Sog gezogen werden. Der Sog wird dazu genutzt, das noch vorhandene Wundsekret abzusaugen und den „Wundkanal leerzuschlürfen“. Häufig wird angewiesen, den Sog vor dem Ziehen der Drainage zu beseitigen. Dieses Vorgehen begünstigt jedoch das Infektionsrisiko und sollte daher unterlassen werden. Zum Schluss wird die Wunde noch einmal gereinigt und mit sterilem Verbandmaterial verbunden.

Der Hygiene-Tipp gibt die Meinung der Autoren wieder.

Zastrow KD, Adler H: Hygiene-Tipp: Ziehen der Hochvakuum-Saugdrainage als Infektionsrisiko. Passion Chirurgie. 2019 September; 9(09): Artikel 04_04.

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Hygiene-Tipp: Atemschutzmasken – sitzt gut – alles gut!

Für einige ansteckende Infektionskrankheiten wie die offene Lungentuberkulose, Influenza und Vogelgrippe, aber auch beim Umgang mit Aerosolen und Rauch wie er beispielsweise bei der Condylomabtragung mit dem Elektrokauter oder der Laserablation entsteht, werden neben der gezielten Rauchabsaugung auch gesonderte Atemschutzmasken FFP (Filtering Face Piece = Partikelfiltrierende Halbmasken) anstelle des Mund-Nasen-Schutzes empfohlen.

Die Masken filtern je nach FFP-Schutzklasse 1/2/3 jeweils mindestens 80 Prozent/94 Prozent/99 Prozent der sich in der Luft befindlichen Partikel bis zu einer Größe von 0,6 µm. Die Verwendung der Atemschutzmasken ist nicht überall tägliche Routine. Die zusätzlich erwartete Schutzwirkung der Atemschutzmaske kann nur bei korrekter Anwendung und sachgerechtem Gebrauch erreicht werden.

Je nach Produkt, Hersteller und Verpackung muss die Maske nach der Entnahme aus der Verpackung zunächst vollständig entfaltet werden. Dann wird die Atemschutzmaske an dem verstärkten eingearbeiteten Rand und an dem verformbaren Nasenabschluss sorgfältig an die Gesichtskontur angepasst. Hierfür wird die Maske am Gesicht aufgesetzt und gut mit beiden Händen, wie eine Trichter, an die Gesichtskontur mitsamt dem Nasenbügel angeformt. Bei richtigem Sitz zieht sich die Atemschutzmaske beim Einatmen zusätzlich ein und saugt sich etwas an.

Durch die im Vergleich zum herkömmlichen Mund-Nasen-Schutz erhöhte Filterleistung ist auch der Atemwegswiderstand bei der Ein- und Ausatmung, je nach Filterleistung, erheblich erhöht.

Diese zusätzlich notwendige Anstrengung bei der Atemarbeit macht sich schon nach wenigen Trageminuten bemerkbar und wirkt dann oft beengend und belastend. Dies ist allerdings auch ein Zeichen für den guten Dichtsitz und damit auch den guten Schutz durch die Maske.

Um den Tragekomfort der Maske zu verbessern und die Ausatmung zu erleichtern, ist bei einigen Masken ein mechanisches Ventil zur Ausatmung, oft in Form einer Gummilippe eingebaut. So kann die Ausatemluft ungehindert die Maske passieren – der Widerstand des Filters muss nicht überwunden werden – und die Atemarbeit wird erleichtert. Bei der Einatmung hingegen schließt sich das Ventil und die Schutzwirkung bleibt unverändert erhalten.

Fünf Punkte sind bei der Verwendung von Atemschutzmasken zu beachten:

  • Rand der Atemschutzmaske und formbaren Nasenabschluss gut an die Gesichtskontur anpassen.
  • Dichtsitz der Atemschutzmaske vor Betreten des Isolierzimmers durch Einatmen prüfen – Die Maske muss sich hierbei einziehen und leicht ansaugen.
  • Mund-Nasen-Schutz und Atemschutzmasken FFP 1/2/3 nur einmal verwenden und nach Gebrauch entsorgen.
  • Dient die Maske lediglich dem Personalschutz kann eine Maske mit Ausatemventil verwendet werden.
  • Die spürbare Belastung durch die erhöhte Atemarbeit ist zugleich auch ein Zeichen für den guten Dichtsitz der Maske.

Der Hygiene-Tipp gibt die Meinung der Autoren wieder.

Zastrow KD, Adler H: Hygiene-Tipp: Atemschutzmasken – sitzt gut – alles gut! Passion Chirurgie. 2019 August; 9(08): Artikel 04_04.

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Hygiene-Tipp: Infektionsquelle Bauchnabel – Piercing im Visier

Seit vielen Jahren sind Bauchnabelpiercings als Körperschmuck in Mode und zwischenzeitlich in nahezu allen Altersstufen verbreitet. So wie Schmuck an Händen und Unterarmen eine wirksame hygienische Händedesinfektion verhindert, so kann auch ein Bauchnabelpiercing zu erheblichen Einschränkungen bei einer notwendigen Hautantiseptik führen.

Abhängig von der körperlichen Konstitution findet sich zudem oft eine tief eingezogene Nabelgrube. Der Nabelgrund ist meist nicht einsehbar. In der tiefliegenden Nabelgrube sammeln sich leicht Sekret, Hautschuppen und Textilfusseln. Im Laufe der Zeit können so auch fest anhaftende Auflagerungen, nicht selten sogar „Nabelsteine/Nabelkrokant“ entstehen. Eine sorgfältige Reinigung einer tiefliegenden Nabelgrube wird oft durch den einliegenden Körperschmuck stark eingeschränkt oder vernachlässigt. Das Lumen des Piercingkanals/Fistelgang wird bei der Hautantiseptik nicht immer sicher und vollständig erreicht. Die Haut der Nabelgrube ist zudem zart und leicht verletzlich.

Es ist notwendig diese besonderen Eigenschaften bei der präoperativen Hautantiseptik gesondert zu berücksichtigen. Oftmals ist eine zusätzliche schonende und sorgfältige Reinigung der Nabelgrube mit Entfernung von Talg und krustigem Material aus der Nabelgrube und anschließender Trocknung bereits im Vorfeld der Operation erforderlich.

Patienten mit einem Bauchnabelpiercing und zudem besonders tiefliegendem Bauchnabel sollten vor der Operation auf eine schonende mechanische Reinigung mit Ausduschen und Trocknung der Nabelgrube hingewiesen werden. Mehrmaliges aufweichen und Ausduschen verhindert Mikroverletzungen der Haut. Selbst mit einem Wattestäbchen soll hier nur sehr vorsichtig manipuliert werden, um bei der groben Reinigung Mikroverletzungen der empfindlichen oft auch faltigen Haut am Boden der Nabelgrube zu verhindern. Auch nur geringe Restverschmutzungen machen die Hautantiseptik in diesem Bereich unwirksam und fördern eine Wundinfektion.

Piercings werden meist auch aus Angst „der Fistelkanal könne sich leicht verschließen“ erst unmittelbar vor der Operation entfernt. Eine vorausgehende gründliche Reinigung wird nicht durchgeführt oder ersatzweise Platzhalter aus Kunststoff in den Piercing-Kanal eingebracht.

Empfehlungen

  • Nabelgrube und Fistelgang des Piercings sollten mit verlängerter Einwirkzeit bei der präoperativen Hautantiseptik berücksichtigt werden.
  • Eine gründliche und schonende mechanische Reinigung ist zwingende Voraussetzung für eine wirksame Hautantiseptik.
  • Mikroverletzungen der empfindlichen Haut der Nabelgrube müssen vermieden werden.

Der Kurz Tipp gibt die Meinung der Autoren wieder.

Zastrow KD, Adler H: Hygiene-Tipp. Infektionsquelle Bauchnabel – Piercing im Visier. Passion Chirurgie. 2019 Juli; 9(07): Artikel 04_03.

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Hygiene-Tipp: Periphere Venenkatheter

Das Infektionsrisiko, das periphere Verweilkanülen mit sich bringen, wird in der Regel unterschätzt, aber auch sie können Ausgangspunkt einer Sepsis sein.

Daher ist es von erheblicher Bedeutung, die folgenden Forderungen einzuhalten:

  • ausschließlich sterile Spritzen, Kanülen und Instrumente verwenden,
  • hygienische Händedesinfektion durchführen (Haut durch Aufsprühen des Desinfektionsmittels satt benetzen, mit sterilisiertem Tupfer verreiben, erneut aufsprühen und Einwirkzeit abwarten, die vom Hersteller deklarierte Einwirkzeit des Antiseptikums ist zu beachten),
  • Einmalhandschuhe anlegen (Personalschutz!),
  • empfehlenswert ist eine Verwendung von peripheren Verweilkanülen aus Polyurethan und Polytetrafluorethylen (PTFE, „Teflon“), dadurch gibt es eine deutlich geringere Phlebitisrate,
  • desinfizierte Einstichstelle vor Venenpunktion nicht mehr palpieren (ist nach der Desinfektion dennoch eine erneute Palpation der Haut im Bereich der Punktionsstelle erforderlich, sind hierfür sterile Handschuhe zu verwenden),
  • bei wiederholter Palpation der Einstichstelle muss die Hautdesinfektion wiederholt werden,
  • bei Fehlpunktion Kanüle verwerfen und neue Kanüle verwenden,
  • sterile Transparentverbände und sterile Gazeverbände scheinen nach neuesten Erkenntnissen aus hygienischer Sicht gleichwertig zu sein, jedoch muss der Transparentverband möglichst blasenfrei aufgebracht werden, denn die Blasen unter dem Transparentverband bieten ein ideales Milieu (feucht und warm) zur Vermehrung von Mikroorganismen,
  • bei Einsatz von Gazeverbänden nach erfolgter Punktion sterile Kompresse unter und auf den venösen Zugang legen, allseits umschließendes Pflaster aufbringen,
  • eine punktionsnahe Applikation von unsterilen Pflasterstreifen ist zu vermeiden,
  • Verbände sind täglich zu inspizieren, bei Gazeverbänden die Insertionsstelle durch Palpation auf Druckschmerz untersuchen; bei eingeschränkter Kooperationsfähigkeit des Patienten ist ein täglicher Verbandwechsel erforderlich, wenn der Verband keine Inspektion der Einstichstelle zulässt, der Verband ist nur bei Bedarf zu wechseln (Durchfeuchtung, Verschmutzung, Ablösung, Infektionsverdacht),
  • Venenverweilkanülen können so lange liegen bleiben, wie sie klinisch benötigt werden und keine Komplikationszeichen vorliegen; ein routinemäßiger Wechsel ist nicht erforderlich, die Indikation muss täglich neu überprüft werden,
  • sofortige Entfernung bei fehlender Indikation und beim Vorliegen von Infektionszeichen oder anderen Katheter bedingten Komplikationen, z. B. apparente Phlebitis,
  • wenn Verweilkatheter oder Verweilkanülen unter eingeschränkt aseptischen Notfallbedingungen gelegt wurden, sind diese so schnell wie möglich zu entfernen und unter hygienisch einwandfreien Bedingungen neu zu legen,
  • nach dem Entfernen der Kanüle ist die Einstichstelle steril abzudecken.

Der Kurz Tipp gibt die Meinung der Autoren wieder.

Zastrow KD, Adler H: Periphere Venenkatheter. Passion Chirurgie. 2019 Juni; 9(06): Artikel 04_06.

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Hygiene-Tipp: Impfungen zum Personalschutz

Zu den Maßnahmen der Primärprävention gehört, dass das Personal entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut (STIKO) geimpft ist.

Dies betrifft Standard-Impfungen wie solche gegen

  • Tetanus (T),
  • Diphtherie (d),
  • Pertussis (ap) (heute möglichst als Dreifachimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis Tdap) und
  • Polio.

Aufgrund der Tätigkeit im Gesundheitswesen kommen hinzu Impfungen gegen

  • Hepatitis B (möglichst kombiniert mit Hepatitis A) und
  • Influenza (Grippe) sowie für spezielle Tätigkeiten (z. B. Notaufnahme, Kinderklinik), falls keine Immunität vorliegt, Impfungen gegen
  • Masern,
  • Mumps,
  • Pertussis,
  • Röteln und
  • Varizellen.

Seit 2015 darf der Arbeitgeber nach § 23a Infektionsschutzgesetz personenbezogene Daten seiner Mitarbeiter zur Immunität bzw. zu Schutzimpfungen erfragen, soweit die entsprechenden Krankheiten durch Schutzimpfungen bekämpft werden können. Bei Neueinstellungen empfiehlt sich eine Aufnahme in den Arbeitsvertrag, dass die Bereitschaft zu derartigen Impfungen gegeben ist.

Der Kurz-Tipp gibt die Meinung der Autoren wieder.

Popp W, Zastrow KD: Impfungen zum Personalschutz. Passion Chirurgie. 2019 Mai; 9(05): Artikel 04_04.

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Hygiene-Tipp: Händedesinfektion in der Notaufnahme und im externen Notfall

In der Notaufnahme, wie auch im externen Notfall, ist aus Sicht der Hygiene die möglichst sorgfältige und häufige Händedesinfektion eine der wichtigsten Maßnahmen.

Eine Händedesinfektion ist in folgenden Fällen durchzuführen:

  • vor Patientenkontakt
  • nach Patientenkontakt
  • vor aseptischen Tätigkeiten (z. B. Aufziehen von Spritzen, Legen von peripheren und ggf. zentralen Zugängen und der Wundversorgung)

Selbstverständlich erscheint unter Notfallbedingungen die Zeit für eine korrekte Händedesinfektion knapp. Dennoch muss versucht werden, die erforderliche Einwirkzeit von 30 Sek. einzuhalten, denn nur dann kann eine Inaktivierung vorhandener Erreger erfolgen.

Spender müssen in jedem Raum vorhanden sein, möglichst nah am Patienten. Beim externen Notfall sind auch Kitteltaschenflaschen akzeptabel.

Der Kurz Tipp gibt die Meinung der Autoren wieder.

Popp W, Zastrow KD: Händedesinfektion in der Notaufnahme und im externen Notfall. Passion Chirurgie. 2019 April; 9(04): Artikel 04_05.

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Hygiene-Tipp: Luftqualität im OP-Saal

Wundinfektionen, RLT-Anlagen und Disziplin

Nachdem in letzter Zeit in einzelnen Veröffentlichungen behauptet wurde, dass bezüglich der Luftgüte Raumklasse Ia in OP-Sälen überhaupt nicht erforderlich ist, hat die DGKH hierzu eine Stellungnahme veröffentlicht.

Nachfolgend die wesentlichen Folgerungen daraus:

In den Veröffentlichungen von Bischoff, Gastmeier, Allegranzi et al., die obiges aussagen, werden verschiedene Studien herangezogen, die aus methodischen Gründen nicht für eine Bewertung von TAV/LAF-Decken genutzt werden können. Teilweise sind die referierten Ergebnisse nicht glaubhaft (zu niedrige Infektionsraten), vor allem jedoch sind Klima-Anlagen im OP offensichtlich in den USA und Deutschland unterschiedlich, sodass beispielsweise Studien aus den USA nicht auf Deutschland übertragen werden können. In den deutschen Studien wiederum werden überwiegend Klima-Anlagen erfasst, die nicht die heute vorgeschriebene Deckengröße haben. Somit bleiben nur wenige Studien übrig, die teilweise eine Schutzwirkung von TAV-Decken belegen, in der Summe aber nicht für eine endgültige Bewertung ausreichend sind.

Unstrittig ist, dass TAV-Decken Pathogene und Partikel besser reduzieren als eine turbulente Mischströmung und dass sie ebenfalls kanzerogenen chirurgischen Rauch wirksamer abführen. Dies dient dem Mitarbeiter-Schutz und entspricht der in Deutschland geltenden Vorstellung vom Vorrang der Primärprävention (technische Schutzmaßnahmen) am Arbeitsplatz, soweit diese – wie hier – möglich ist.

Da TAV-Decken Pathogene und Partikel reduzieren, tragen sie zu einem geringeren Keimeintrag in den OP-Situs bei. Dies ist besonders bei langen Operationszeiten relevant.

Dementsprechend sind TAV-Decken sinnvoll in OP-Sälen.

Auch die DIN 1946-4 (2018) enthält weiterhin die Raumklasse Ia (TAV-Decke) und somit entsprechen TAV-Decken dem Stand der Technik, der in Deutschland beim Krankenhausbau anzuwenden ist. Daher sollte mindestens ein Teil der OP-Säle bei Neubauten mit TAV-Decken ausgerüstet werden.

Aufgrund zunehmender Gewebeentnahmen und den Anforderungen hierbei ist davon auszugehen, dass zukünftig zwingend TAV-Decken erforderlich sind und die Anforderungen an OP-Säle im Sinne von Reinräumen steigen werden.

Als Ursache von Wundinfektionen kommen in Frage:

  • Desinfektionslücken bei der präoperativen Hautdesinfektion, indem z.B. Bakterien in den Haarfollikeln des Patienten nicht vollständig abgetötet werden.
  • Hautschuppen und Haarteile mit Bakterien – vom Kopf des OP-Personals.
  • Aerosole aus dem Nasen-Rachenbereich. Damit kommt der Qualität und dem korrekten Tragen des Mund-Nasenschutzes größte Bedeutung zu.
  • Kontaminierte Instrumente, die z. B. außerhalb des Schutzbereiches der TAV-Decke stehen und dort kontaminiert werden.
  • Die Hände des Chirurgen, wenn Handschuhe beschädigt werden oder werkseitig bereits löchrig sind.
  • Pathogene in der Luft (auf Partikeln), die verwirbelt werden.
  • Eine hämatogene Streuung von Erregern nach Maßnahmen, die mit einer Bakteriämie einhergehen.

Bei den während einer OP derzeit im OP-Saal oft freiliegenden Stellen des Kopfes geben die Ohren am meisten Bakterien ab. Dies bedeutet, dass unbedingt die Ohren auch während der OP durch eine Haube bedeckt sein müssen. Gleiches gilt für Bart und Haare. So genannte Astrohauben in Verbindung mit einem eng anliegenden Mund-Nasenschutz sind die einzige Lösung, um Haare, Bart und Ohren möglichst vollumfänglich zu bedecken. Allerdings muss dabei auch die Qualität der Hauben beachtet werden, da dünne Hauben unter Umständen Partikel durchtreten lassen. Es ist die Aufgabe der Chefärzte, Pflegedirektorien, Geschäftsführungen und OP-Leitungen, die korrekte Kleiderordnung im OP durchzusetzen. Dazu gehört zuerst, dass sie selbst diese Ordnung vorleben.

Zusammenfassend kann auf keinen Fall eine Empfehlung gegen TAV-Decken im OP gegeben werden. TAV-Decken mit Schutzbereichen von 3 × 3 m sind der turbulenten Belüftung überlegen – sie reduzieren Pathogene und Partikel effektiver, führen potentiell kanzerogenen Rauch wirksamer ab und schützen damit Patienten, Operateure und ausliegende Instrumente. Daher sollen, wie in der aktuellen DIN 1946-4 gefordert, TAV-Decken in OP-Abteilungen eingebaut werden, entsprechend dem Risiko der durchgeführten Operationen.

Die ausführliche Stellungnahme ist auf der Website der DGKH (www.dgkh.de) abrufbar.

Der Kurz-Tipp gibt die Meinung der Autoren wieder.

Popp W, Zastrow KD: Luftqualität im OP-Saal. Passion Chirurgie. 2019 Februar; 9(02): Artikel 04_05.

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