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Editorial: Nachwuchs in der Chirurgie

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Themen Nachwuchs, Weiterbildung sowie Work-Life-Balance in Verbindung mit den Generationen Y und Z prägen seit zehn Jahren die chirurgische Kongress- und Zeitschriftenlandschaft. Das Problem ist zwar erkannt, es scheint aber, dass alle Bemühungen für die Förderung und die Bewerbung junger ChirurgInnen keine relevanten Verbesserungen aufzeigen. So sind insbesondere die Kliniken von Nachwuchsmangel betroffen, die sich nicht in absoluten A-Lagen befinden. Aber auch in Klinken, die sich die Bewerber aussuchen können, gelingt es gerade so, alle Stellen zu besetzen.

Schaffen wir es also nicht, die Faszination Chirurgie zu transportieren? Oder sind die alten Zöpfe immer noch nicht abgeschnitten?

Viele Studierende kommen zum ersten Mal mit den chirurgischen Disziplinen während einer Famulatur praktisch in Kontakt. Herr Dr. Kalbe betont in seinen Ausführungen in diesem Heft die Wichtigkeit der Famulatur und legt den Fokus auf Famulaturen in der chirurgischen Niederlassung.

Eine beeindruckende Initiative internationaler Medizinstudierender zeigt auf, dass Chirurgie sehr wohl begeistert, die Initiative „InCision junge Chirurgen DTC“ ist vernetzt mit internationalen Gruppen und stellt die Problematik der unzureichenden chirurgischen Versorgung weltweit in den Fokus. Frau cand. med. J. Steinle aus Münster stellt diese Initiative in dieser Nachwuchs-Ausgabe vor.

Bekanntermaßen ist eine wichtige Weichenstellung für die Entscheidung für oder gegen die Chirurgie das Praktische Jahr (PJ). Ziel des Praktischen Jahres sollte sein, die noch nicht entschlossenen Medizinstudierenden bezüglich ihrer Fachrichtung für die chirurgischen Disziplinen zu begeistern und sie in das Team zu integrieren. Frau Faber stellt in ihrem Bericht über ihre eigenen Erfahrungen während des letzten Jahres des Studiums ein bedrückendes Szenario dar.

Das „Perspektivforum Chirurgie“ berichtet von einem möglichen Gütesiegel für das PJ und macht als Diskussionsgrundlage einen Vorschlag, wie eine solche Maßnahme ggf. die Grundvoraussetzungen im Praktischen Jahr vereinheitlichen kann.

Neben den wichtigen Bausteinen während des Studiums wird auch die Weiterbildungssituation von Herrn Jens Rolinger dargestellt. Die chirurgischen Techniken sind durch die Laparoskopie komplexer geworden, durch die Einführung strukturierter Kurse können heute auch Jungassistenten laparoskopische Eingriffe durchführen. Nun ist die roboterassistierte Chirurgie auch in den chirurgischen Disziplinen angekommen und erfordert ein neuerliches Einarbeiten und Training. In vielen Krankenhäusern werden die Seniorchirurgen ausgebildet, die Assistenten allerdings allenfalls als „Table“-Surgeon, um Instrumente zu wechseln, Material anzureichen und zu saugen, eingesetzt. Technische Möglichkeiten eines exzellenten, frühzeitigen Einarbeitens durch die zweite Konsole sind gegeben, scheitern aber oft an der üblichen Ressoursenknappheit von Zeit und Personal. Daher müssen auch hier strukturierte Konzepte für eine entsprechende Weiterbildung erarbeitet werden.

Ich wünsche Ihnen ein informatives Lesen der bewusst diskutabel gehaltenen Artikel.

Kirschniak A: Editorial: Nachwuchs in der Chirurgie. Passion Chirurgie. 2019 Oktober; 9(10): Artikel 01.

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Bausteine der chirurgischen Weiterbildung

Die chirurgische Weiterbildung

Eine einheitliche Weiterbildungsordnung (WBO) ist in Deutschland nicht etabliert. Vielmehr wird die ärztliche Weiterbildung durch die Landesärztekammern auf föderaler Ebene geregelt. Daraus ergibt sich, dass die Mindestanforderungen hinsichtlich Dauer, Inhalten, Zielen und Dokumentation in den WBO der einzelnen Landesärztekammern niedergelegt sind. Diese sind wiederum an die (Muster-)Weiterbildungsordnung (Muster-WBO) der Bundesärztekammer angelehnt, welche vom Deutschen Ärztetag erarbeitet und verabschiedet wird.

Das Gebiet Chirurgie umfasst laut der aktuellen Muster-WBO 2018 weiterhin acht Fachkompetenzen (Allgemeinchirurgie, Viszeralchirurgie, Thoraxchirurgie, Plastische und ästhetische Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Kinderchirurgie, Gefäßchirurgie und Herzchirurgie). Für deren Erlangung ist jeweils eine Mindestweiterbildungszeit von 72 Monaten vorgesehen. Diese gliederte sich bisher in einen gemeinsamen Basisabschnitt (Common Trunk) von 24 Monaten (inklusive je sechs Monate Notfallaufnahme und Intensivmedizin) und eine darauf aufbauende spezielle Weiterbildung im Bereich der jeweils zu erlangenden Fachkompetenz von 48 Monaten [1].

In der vom 121. Deutschen Ärztetag 2018 in Erfurt beschlossenen, novellierten Muster-WBO tauchen diese Begrifflichkeiten in der Form nicht mehr auf [2]. Ein wesentlicher Kern der Neufassung ist ein kompetenzorientiertes Fort- und Weiterbildungskonzept. Dieses zielt sowohl auf die Entwicklung medizinisch-fachlicher Expertise als auch auf den Erwerb übergreifender Kompetenzen, die jeder Arzt erlangen muss, ab. Die Novelle ist nicht rechtsverbindlich, sondern muss zunächst von den zuständigen Landesärztekammern in geltendes Landesrecht umgesetzt werden.

Je nach anvisierter Fachkompetenz müssen zusätzlich verpflichtende Weiterbildungskurse (z. B. Strahlenschutzkurs) absolviert werden. Zudem können nach Abschluss – teilweise sogar bereits während – der Facharztausbildung bestimmte Zusatzbezeichnungen (z. B. Notfallmedizin) erworben werden.

Die während der Weiterbildungszeit erarbeiteten Kompetenzen sowie Richtzahlen für entsprechende chirurgische Eingriffe müssen durchgehend dokumentiert und vom Weiterbildungsbefugten bestätigt werden. Mit Umsetzung der neuen Muster-WBO 2018 soll dies zukünftig in Form eines bundesweit einheitlichen, elektronischen Logbuchs (e-Logbuch) möglich sein.

Über den BDC-Shop können Weiterbildungsbücher in Papierform erworben werden, die als Nachweis aller erlernten Fertigkeiten und ausgeführten Operationen während der chirurgischen Weiterbildung dienen. Der Ordner dokumentiert den aktiven Teil des beruflichen Lebenslaufes. Herausgegeben von der gemeinsame Weiterbildungskommission Chirurgie aus chirurgischen Fachgesellschaften und Berufsverbänden gibt es Weiterbildungsbücher für die Basischirurgie und die 8 chirurgischen Facharztqualifikationen.

Die Facharztweiterbildung erfolgt an Universitätskliniken bzw. ärztlichen Versorgungseinrichtungen mit entsprechender Weiterbildungsbefugnis. Zur Beantragung einer solchen Befugnis ist die Erstellung eines strukturierten Weiterbildungscurriculums verpflichtend. Jedoch zeigen Umfragen der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) [3] und des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen e. V. (BDC) [4], dass solche Konzepte in der Realität eher die Ausnahme darstellen. Die Umsetzung eines strukturierten, chirurgischen Weiterbildungscurriculums stellt in jedem Fall eine große Herausforderung dar [5].

In Anbetracht dessen scheint die eigenverantwortliche Gestaltung der Fort- und Weiterbildung für jeden angehenden Facharzt und jede angehende Fachärztin von besonderer Bedeutung. Durch die Kombination inner- und außerklinischer Angebote kann sich jede/r WeiterbildungsassistIn ein individuelles Portfolio an theoretischen und praktischen Kompetenzen zusammenstellen.

Außerklinische Angebote

Das traditionelle Bild der chirurgischen Ausbildung im Sinne der Weiterbildungsordnung zeigt den chirurgischen Trainee, welcher unter der Aufsicht des erfahrenen Chirurgen bzw. der erfahrenen Chirurgin einen entsprechenden Eingriff am Patienten im Operationssaal durchführt. Durch die zunehmende Implementierung moderner, medizindidaktischer Konzepte wie das sogenannte „Blended-Learning“ [6] gibt es heute ein breit gestreutes Angebot an chirurgischen Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten außerhalb des klassischen, innerklinischen Settings.

Als Einstieg bieten sich zu Beginn der Facharztausbildung zunächst breit gefächerte Kurskonzepte, welche mit einer ausgewogenen Mischung aus „Hands-on“-Einheiten und der Vermittlung theoretischen Hintergrundwissens aufwarten können. Neben den fachlichen Themen finden bei diesen Veranstaltungen auch immer wieder Aspekte der chirurgischen Aus- und Weiterbildung sowie unterschiedliche Karrierewege Berücksichtigung. Hier bietet insbesondere der enge Kontakt mit den Referenten unterschiedlicher Kliniken, Fachrichtungen und Ausbildungsstufen abseits des sich zunehmend verdichtenden Klinikalltags die Möglichkeit zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch.

Die gezielte Akquise von spezifischen Skills lässt sich wiederrum über die Teilnahme an fokussierten Workshops und Kursen erreichen. Zum Beispiel veranstaltet die Arbeitsgruppe Chirurgische Technologie und Training (CTT) an der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie in Tübingen jedes Jahr diverse laparoskopische Trainingskurse für die unterschiedlichen Ausbildungsniveaus (Abb. 1).

Abb. 1: Laparoskopischer Grundkurs am Chirurgischen Trainingszentrum Tübingen

Praktische Übungen an VR- (VR: Virtual Reality), POP- (POP: pulsierende Organperfusion) oder klassischen Box-Trainern bieten die Möglichkeit, bestimmte Fertigkeiten noch vor dem direkten Einsatz am Patienten im Operationssaal in einer geschützten Umgebung zu trainieren [9]. Diese stehen jedoch häufig in der eigenen Klinik nicht zur Verfügung oder werden nur selten genutzt. Gründe hierfür können fehlende Übungscurricula oder mangelnde Freistellung während der Arbeitszeit sein [3]. Externe Kurse, welche entsprechende Trainingsmodelle vorhalten, können helfen diese Limitationen zu überwinden.

Die zunehmende Bedeutung chirurgischen Trainings an Simulatoren außerhalb der realen Umgebung des Operationssaals konnte bereits in mehreren Studien belegt werden [10, 11]. Dies muss insbesondere auch vor dem Hintergrund einer stetigen Steigerung der Komplexität des Arbeitsplatzes im Operationssaal betrachtet werden. Der Einzug neuer Operationsmethoden, wie der Laparoskopie, der Robotik oder auch der computergestützten Navigation, kann für junge Chirurgen zunächst auch Nachteile mit sich bringen. Überschaubare Eingriffe, die früher im konventionell-offenen Bereich selbstverständlich assistiert wurden, werden heute durch den erfahrenen Chirurgen bzw. die erfahrene Chirurgin an der Konsole roboter-assistiert operiert. WeiterbildungsassistentInnen werden zu „Erfüllungsgehilfen des Roboters“ degradiert und sind lediglich für das Austauschen der Effektoren zuständig [12, 13]. Spezielle Trainingsprogramme, welche dieses Problem adressieren, werden bisher im Wesentlichen von der Industrie angeboten. Diesbezüglich müssen mittelfristig, ähnlich wie im konventionellen oder laparoskopischen Bereich, zusätzliche Kursangebote und -konzepte durch die medizinischen Fachgesellschaften und Organisationen geschaffen werden.

Die BDC|Akademie erarbeitet gerade ein solches Kursangebot.

Als weitere spannende Möglichkeit für den Blick über den Tellerrand und die Abrundung des eigenen Profils sollten auch Hospitationen an anderen ärztlichen Einrichtungen nicht außer Acht gelassen werden. In diesem Bereich fördern die verschiedenen Fachgesellschaften über Reise- und Hospitationsstipendien jedes Jahr den fachlichen und persönlichen Austausch auf nationaler und internationaler Ebene (Preise & Stipendien der DGCH).

Unerlässlich, um gerade im Verlauf der Facharztausbildung auf dem aktuellen Stand zu bleiben, ist das Theoriestudium der fachspezifischen Literatur sowie der entsprechenden Leitlinien. Die einschlägigen, deutschsprachigen Journale (z. B. „Der Chirurg“ oder „Das Zentralblatt für Chirurgie“) bieten hierfür eine gute Grundlage. Hier finden sich regelmäßig Übersichtsarbeiten oder Journal Clubs zu verschiedenen, aktuellen Themen. Derweil kümmert sich die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) als Dachverband der deutschen, medizinischen Fachgesellschaften um die Entwicklung medizinischer Leitlinien. Diesbezüglich bietet der BDC über die hauseigene Akademie in regelmäßigen Abständen Webinare an, welche insbesondere vor der Facharztprüfung nochmals einen aktuellen und fundierten Einblick in spezifische Themengebiete ermöglichen.

Das somit bereits umfangreiche Angebot wird durch eLearning-Plattformen (z. B. www.ecme-center.org) und Mediatheken (z. B. www.mediathek-dgch.de/) der Fachgesellschaften sowie Veranstaltungen industrieller Partner (z. B. germany.aesculap-academy.com/) abgerundet. Auch Online-Services wie UpToDate, WebOP (www.webop.de/) oder WebSurg haben mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt.

Nicht zuletzt können paramedizinische Zusatzqualifikationen, wie die Akquise von Soft Skills (z. B. Kommunikation, Rhetorik, Change Management, Personalführung) oder die Gewinnung von Einblicken in die ökonomischen Aspekte des Gesundheitssystems bis hin zu einem MBA-Abschluss (MBA: Master of Business Administration), sinnvolle und motivierende Ergänzungen des eigenen Portfolios darstellen.

Wissenschaftlicher Track

Zur Sicherung und Weiterentwicklung einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung sind fortwährende Generierung und Aktualisierung medizinischen Wissens unerlässlich. Das Interesse an einem wissenschaftlichen Karrierebaustein scheint jedoch nach Abschluss des Medizinstudiums aus den verschiedensten Gründen eher gering ausgeprägt zu sein [14–16].

Nicht jede/r ChirurgIn muss ein aktiver Forscher sein. Um jedoch den anvertrauten Patientinnen und Patienten die bestmöglichen Behandlungen entsprechend des aktuellen fachlichen Standards zukommen lassen zu können, ist für jeden Arzt ein grundsätzliches Verständnis für wissenschaftliche Fragestellungen und die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit medizinischen Publikationen unabdingbar. In Anbetracht stetig steigender Publikationszahlen kann es sich dabei schwierig gestalten den Überblick zu behalten [17].

Offiziell werden Forschungstätigkeiten in der Regel von den Landesärztekammern nicht auf die Weiterbildungszeit angerechnet. Ausnahmen können im Einzelfall und in begrenztem Umfang (bis zu sechs Monaten) bei Arbeiten mit besonderem klinischen Bezug und regelmäßigem Patientenkontakt gewährt werden. Für die Chirurgie fordert die Muster-WBO im Gegensatz zur anderen Weiterbildungsgebieten (z. B. Anatomie, Physiologie) keine explizite Erlangung von Kompetenzen in den Bereichen Forschung oder Lehre während der Facharztausbildung.

Die Weiterbildungszeit verlängert sich somit für wissenschaftlich aktive Medizinerinnen und Mediziner teilweise deutlich. Zudem erfordern Forschungstätigkeiten meist ein erhebliches zeitliches Zusatzengagement, da sich diese vielerorts durch Arbeitszeitverdichtung und bürokratische Hürden nicht selten in die Freizeit nach Feierabend oder am Wochenende verschieben. Auch das Einwerben finanzieller Mittel für geplante Forschungsarbeiten bedeuten ein hohes Maß an Eigeninitiative.

Nichtsdestotrotz kann der wissenschaftliche Track für die persönliche ärztliche Tätigkeit – abseits der zusätzlichen zeitlichen Belastung – eine herausfordernde, kreative und intellektuell befriedigende Bereicherung bedeuten. Durch intensivierten, interdisziplinären Austausch über die Grenzen des eigenen medizinischen Fachgebiets hinweg eröffnet die wissenschaftliche Arbeit neue, spannende Perspektiven abseits des klinischen Alltags [18].

Unabhängig aller Vor- und Nachteile eröffnet die Veröffentlichung von Publikationen und Kongressbeträgen die Chancen, auf die eigene Arbeit aufmerksam zu machen und diese zu präsentieren.

Anlaufstellen für Informationen hinsichtlich Beratung und Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern bieten unter anderem die Forschungs- und Fachgesellschaften. Exemplarisch seien hier die verschiedenen Förderprogramme der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie der Deutschen Krebshilfe genannt. Aber auch intramurale Förderlinien der Universitätskliniken (z. B. „Clinical Scientist“) können dabei helfen, finanzielle und zeitliche Freiräume für eine wissenschaftliche Tätigkeit, parallel zur Facharztausbildung, zu schaffen.

Die Sektion Chirurgische Forschung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) ermöglicht jungen, chirurgischen Forscherinnen und Forschern neben Möglichkeiten zur Beratung und forschungsorientierten Fortbildung (z. B. Summer Schools, Workshops, Kongresse etc.) ein Forum und Netzwerk zum gegenseitigen Austausch (www.forschungstage2019.de/).

Fazit

Wie kein anderes Fachgebiet der Medizin fordert die Chirurgie eine besonders intensive Beziehung zu den ihr anvertrauten Patientinnen und Patienten. Ärztliches Handeln erfordert hier neben allem theoretischen Fachwissen eben auch die Beherrschung manueller Fertigkeiten. Diese zu erlernen erfordert intensives Mentoring sowie praktisches Üben.

Daher muss jede/r angehende ChirurgIn die ihm zustehenden Fort- und Weiterbildungsinhalte einfordern und sich gleichzeitig für deren individuelle Ausgestaltung stets eigeninitiativ verantwortlich zeichnen.

Die Literaturliste erhalten Sie auf Anfrage via [email protected].

Rolinger J, Kirschniak A: Bausteine der chirurgischen Weiterbildung. Passion Chirurgie. 2019 Oktober, 9(10): Artikel 03_01.

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VATS-Kurs am Chirurgischen Trainingszentrum der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie Tübingen

Im April 2019 fand zum vierten Mal ein der Kurs für Video-Assisted Thoracic Surgery (VATS) am Chirurgischen Trainingszentrum der Universitätsklinik Tübingen statt.

Den Bedarf an einem realitätsnahen und praktikabel umsetzbaren Kursformat für die Thoraxchirurgie identifizierten Prof. Dr. Albert Linder (Klinikum Zentralschweiz) und Priv.-Doz. Dr. Volker Steger (Universitätsklinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Tübingen). In Ermangelung geeigneter Box-Trainer-Modelle begann im Jahr 2014 die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Chirurgische Technologie und Training an der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie Tübingen im Rahmen eines ambitionierten Promotionsprojektes (Promovend Lorenz Domhan, Universität Tübingen). Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von PD Dr. Andreas Kirschniak beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Entwicklung und Evaluation von chirurgischen Trainingsmodellen und Zugangswegen und betreibt das chirurgische Trainingszentrum der Klinik. Das Ziel der interdisziplinären Kooperation war die Entwicklung eines Trainingsmodells unter Verwendung tierischer Organe.

Abbildung 1: Der TuThor - Trainer mit eingebauten Lungen
Abbildung 1: Der TuThor – Trainer mit eingebauten Lungen

Die Besonderheit bestand in dem Wunsch nach einer Perfusion der postmortal gewonnenen Organe sowie in den speziellen lagerungstechnischen Anforderungen durch die Thoraxchirurgie. Das Ergebnis kann sich heute sehen lassen: der Tübinger Thorax Trainer (TuThor) stellt das erste Box-Trainingsmodell überhaupt dar, welches perfundiert, ventiliert und in alle etablierten Lagerungen gebracht werden kann. Der Trainer besteht aus einem modularen Aufbau und basiert sowohl auf etablierten Prinzipien der Box-Trainer-Entwicklung als auch auf gänzlich neuen Elementen. Durch die Verwendung von Organen, für die im Rahmen der Lebensmittelproduktion keine Verwendung besteht, werden keine Tiere für das chirurgische Training getötet. Dadurch wird ethischen Bedenken, wie sie bei Trainingskonzepten mit anästhesierten Tieren bestehen, Rechnung getragen. Gleichzeitig können Blutungen mehrfach simuliert und intraoperatives Fehlverhalten im praktischen Setting auf Konsequenzen getestet werden. Durch die Verwendung eines humananatomisch geformten Brustkorbes werden zudem Limitierungen des Trainings am lebenden Tier umgangen und die Übertragbarkeit auf die OP-Situation potenziell erhöht.

Abbildung 2: Referenten und Organisatoren Prof. Linder (von hinten), Dr. Kyriss, Dr. Wallimann und PD Dr. V. Steger

Die Zielgruppe des Kurskonzeptes umfasst das gesamte Spektrum von chirurgisch interessierten Studierenden bis hin zu erfahrenen Fachärztinnen und Fachärzten. Das Schwierigkeitsprofil lässt sich dabei dynamisch an die Voraussetzungen der Teilnehmer anpassen.

Der erste Kurs konnte im November 2016 stattfinden. Heute, nach weiteren drei Kursen, haben 40 ärztliche Teilnehmer den Trainer getestet. Die Rückmeldung spricht für sich: 87,5 % (10 % keine Angaben) der Teilnehmer gaben an, dass der Trainer sehr gut oder gut geeignet sei VATS-Prozeduren zu trainieren. Die Weiterempfehlung für das gesamte Kurskonzept ist hoch. Aktuell wird die Erweiterung des Kursprogrammes auf 2 Kurse pro Jahr durch das interdisziplinäre Team evaluiert.

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Das Referat für „Nachwuchs“ stellt sich vor

Die im April dieses Jahres neu in Kraft getretene Satzung des BDC sieht Themenreferate vor, um die vielfältigen Sachfragen des Berufsverbandes für seine Mitglieder noch effizienter und zielführender zu strukturieren.

2018 wurde der Stab für die Leitung des Nachwuchsresorts des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen an Herrn PD Dr. Andreas Kirschniak, Universitätsklinikum Tübingen, sowie Herrn Dr. Benedikt Braun, Universitätsklinik Saarland überreicht. Herr Kirschniak war bereits in verschiedenen Foren der Fachgesellschaften tätig, Herr Braun ist ebenfalls im Perspektivforum der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie tragendes Mitglied und mit Nachwuchsfragen und -förderung engstens vertraut. Die durch den BDC bereits bestehende Nachwuchsförderung mit den Veranstaltungen „Staatsexamen & Karriere“, „Nur Mut – kein Durchschnittsjob Chirurgin“ und weitere Kampagnen werden von dem Nachwuchsresort weitergeführt. Enge Kooperationen mit der Akademie und den anderen bestehenden Referaten werden gepflegt und weiter ausgebaut. Zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BDC finden regelmäßige Treffen statt, die entweder separat oder an andere Termine, wie z. B. an die großen Kongressen angegliedert sind. In der neuen Bildung des Nachwuchsresorts sind helfende Hände und Köpfe herzlich willkommen, und wir laden gerne ein, sich an unseren Nachwuchsarbeiten zu beteiligen. Inhaltlich beschäftig das Nachwuchsresort sich in den genannten Veranstaltungen auch mit den aktuellen Fragen der Nachwuchsförderung in Deutschland.

Besuchen Sie uns auf den Kongressen, diskutieren Sie mit und beteiligen Sie sich im Kleinen wie im Großen daran den Nachwuchs für unser Fach zu begeistern und die Ausbildungssituation zu verbessern.

Kirschniak A, Braun B: Das Referat für „Nachwuchs“ stellt sich vor. Passion Chirurgie. 2018 Dezember, 8(12): Artikel 07_08.

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Nachwuchsförderungsprogramm der DGCH und des BDC für Studierende

5. Tübinger Chirurgische Woche 2017

Im Sommer 2017 fand bereits zum fünften Mal in Folge die Veranstaltung „Chirurgische Woche“ in Tübingen statt, an welcher 25 Studenten aus Berlin, Düsseldorf, Greifswald, Marburg, München, Würzburg, Kiel, Köln aber auch Thessaloniki (GRC) und Riga (LVA) teilnahmen. Die „Chirurgische Woche“ ist eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) sowie dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) zur Begeisterung Studierender für die Chirurgie und Förderung des chirurgischen Nachwuchses durch enge Einbindung der Assistenten in das Kursprogramm. In der fünftägigen Veranstaltung liegt der Schwerpunkt neben Fachvorträgen zu typischen Krankheitsbildern aus der Viszeral- und Unfallchirurgie bei Hands-on-Workshops und Diskussionsrunden zur individuellen Berufs- und Karriereplanung. Als Referenten und Diskussionspartner konnten wir auch in diesem Jahr neben Chirurgen aus dem Uniklinikum Tübingen, renommierte Chirurginnen und Chirurgen aus Deutschland sowie Vertreter der Fachgesellschaften und des Berufsverbandes gewinnen. Dabei gelang es gerade in der Diskussion in Kleingruppen die Begeisterung für die Chirurgie zu vermitteln.

Die Programmgestaltung sowie die Organisation wurde auch in diesem Jahr von der Arbeitsgruppe für „Chirurgische Technologie & Training“ der Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Tübingen (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Königsrainer) übernommen. Der Leiter der AG und leitende Oberarzt PD Dr. Andreas Kirschniak konnte gemeinsam mit dem Team der Klinik ein abwechslungsreiches Programm mit aktuellem klinischen Bezug aber auch wissenschaftlichem Hintergrund zusammenstellen. Die viszeralchirurgischen Themen wurden gewissermaßen den Schwerpunkten der Klinik angepasst und reichten von Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes, der endokrinen Chirurgie, der hepatobiliären und Transplantationschirurgie bis zur Notfallversorgung. An den Nachmittagen fanden Übungseinheiten wie Kameraführungstraining, chirurgisches Nähen und Knoten sowie Übungen zur Osteosynthese und weiteren unfallchirurgischen Maßnahmen (BG Unfallklinik Tübingen, Ärztlicher Direktor Univ.-Prof. Dr. Stöckle) unter der Leitung von Prof. Dr. Bahrs statt. Ein besonderes Highlight ist bei jedem Kurs die Durchführung laparoskopischer Operationsschritte am Schweinemodell und an synthetischen Organmodellen. Dazu gehört auch ein Training „Flexible Endoskopie“ unter der Leitung von Prof. Dr. Grund. In diesem Jahr boten wir erstmals auch Trainingsstationen zu wissenschaftlichem Arbeiten und ethischen Fallbesprechungen an.

Die DGCH und der BDC sowie die Industrie (Wir danken: Covidien, erbe, Ethicon, Medtronic, Takeda, Karl Storz) unterstützen seit Jahren diese Initiative und machen die Veranstaltung überhaupt erst möglich. Durch diese breite Unterstützung kann die „Tübinger Chirurgische Woche“ seit 2013 kostenlos angeboten werden. Die Unterbringung der Teilnehmer erfolgt in einer Jugendherberge; die Veranstaltung selbst findet in den Räumlichkeiten des „Chirurgischen Trainingszentrums Tübingen“ statt. Wichtige Bestandteile der Veranstaltung sind auch die Abendveranstaltungen mit den Referenten und als Tübinger Tradition eine Stocherkahnfahrt mit Besichtigung der traditionsreichen Tübinger Altstadt.

Die Arbeitsgruppe für „Chirurgische Technologie & Training“ widmet sich seit Jahren der Ausbildung von Ärzten und Studenten insbesondere im Schwerpunktbereich „Minimal-Invasive Chirurgie“. Andreas Kirschniak war als Vorsitzender der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Junger Chirurgen (CAJC) der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) im Bereich der Nachwuchsförderung national bereits sehr aktiv. Zuletzt war er Mitorganisator des Nachwuchskongresses „Staatsexamen & Karriere“.

Die „Tübinger Chirurgische Woche“ blickt inzwischen auf mehr als 100 Teilnehmer zurück und reiht sich in das Angebot von Nachwuchsförderungsprogrammen der DGCH und des BDC ein. Die Veranstaltung wird vom 08. bis 12. Oktober 2018 erneut in Tübingen stattfinden.

Anmeldung

Anmeldung zur 6. Chirurgischen Woche in Tübingen ab dem 01.02.2018

Tel.: 07071-29/81233 (Sekretariat Frau Schneider)
Email: [email protected]
Weitere Informationen finden Sie HIER.

Kirschniak A, J. Miller J: Nachwuchsförderungsprogramm der DGCH und des BDC für Studierende. Passion Chirurgie. 2018 Februar, 8(02): Artikel 04_02.

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