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Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Themen Nachwuchs, Weiterbildung sowie Work-Life-Balance in Verbindung mit den Generationen Y und Z prägen seit zehn Jahren die chirurgische Kongress- und Zeitschriftenlandschaft. Das Problem ist zwar erkannt, es scheint aber, dass alle Bemühungen für die Förderung und die Bewerbung junger ChirurgInnen keine relevanten Verbesserungen aufzeigen. So sind insbesondere die Kliniken von Nachwuchsmangel betroffen, die sich nicht in absoluten A-Lagen befinden. Aber auch in Klinken, die sich die Bewerber aussuchen können, gelingt es gerade so, alle Stellen zu besetzen.

Schaffen wir es also nicht, die Faszination Chirurgie zu transportieren? Oder sind die alten Zöpfe immer noch nicht abgeschnitten?

Viele Studierende kommen zum ersten Mal mit den chirurgischen Disziplinen während einer Famulatur praktisch in Kontakt. Herr Dr. Kalbe betont in seinen Ausführungen in diesem Heft die Wichtigkeit der Famulatur und legt den Fokus auf Famulaturen in der chirurgischen Niederlassung.

Eine beeindruckende Initiative internationaler Medizinstudierender zeigt auf, dass Chirurgie sehr wohl begeistert, die Initiative „InCision junge Chirurgen DTC“ ist vernetzt mit internationalen Gruppen und stellt die Problematik der unzureichenden chirurgischen Versorgung weltweit in den Fokus. Frau cand. med. J. Steinle aus Münster stellt diese Initiative in dieser Nachwuchs-Ausgabe vor.

Bekanntermaßen ist eine wichtige Weichenstellung für die Entscheidung für oder gegen die Chirurgie das Praktische Jahr (PJ). Ziel des Praktischen Jahres sollte sein, die noch nicht entschlossenen Medizinstudierenden bezüglich ihrer Fachrichtung für die chirurgischen Disziplinen zu begeistern und sie in das Team zu integrieren. Frau Faber stellt in ihrem Bericht über ihre eigenen Erfahrungen während des letzten Jahres des Studiums ein bedrückendes Szenario dar.

Das „Perspektivforum Chirurgie“ berichtet von einem möglichen Gütesiegel für das PJ und macht als Diskussionsgrundlage einen Vorschlag, wie eine solche Maßnahme ggf. die Grundvoraussetzungen im Praktischen Jahr vereinheitlichen kann.

Neben den wichtigen Bausteinen während des Studiums wird auch die Weiterbildungssituation von Herrn Jens Rolinger dargestellt. Die chirurgischen Techniken sind durch die Laparoskopie komplexer geworden, durch die Einführung strukturierter Kurse können heute auch Jungassistenten laparoskopische Eingriffe durchführen. Nun ist die roboterassistierte Chirurgie auch in den chirurgischen Disziplinen angekommen und erfordert ein neuerliches Einarbeiten und Training. In vielen Krankenhäusern werden die Seniorchirurgen ausgebildet, die Assistenten allerdings allenfalls als „Table“-Surgeon, um Instrumente zu wechseln, Material anzureichen und zu saugen, eingesetzt. Technische Möglichkeiten eines exzellenten, frühzeitigen Einarbeitens durch die zweite Konsole sind gegeben, scheitern aber oft an der üblichen Ressoursenknappheit von Zeit und Personal. Daher müssen auch hier strukturierte Konzepte für eine entsprechende Weiterbildung erarbeitet werden.

Ich wünsche Ihnen ein informatives Lesen der bewusst diskutabel gehaltenen Artikel.

Kirschniak A: Editorial: Nachwuchs in der Chirurgie. Passion Chirurgie. 2019 Oktober; 9(10): Artikel 01.

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Autor des Artikels

PD Dr. med. Andreas Kirschniak

Leiter Themen-Referat Nachwuchsförderung im BDCLeitender Oberarzt der Klinik für Allgemeine, Viszeral- und TransplantationschirurgieUniversitätsklinik TübingenHoppe-Seyler Str. 372076Tübingen kontaktieren

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