Politik 02.11.2016
Ambulant/stationäre Versorgung: Ressourcen optimieren
In die Diskussion um die bundesweite Optimierung der Versorgung in Krankenhäusern schaltet sich KBV-Chef Dr. Andreas Gassen mit einem Vorschlag ein.
“Es ist an der Zeit, dass wir gemeinsame Wege finden, die Versorgung zu optimieren und die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen”, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), heute in Berlin. Er nahm Bezug auf ein vergangene Woche veröffentlichtes Thesenpapier der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Von den vorhandenen über 1.600 Kliniken würden laut Akademie bundesweit 330 genügen, um weiterhin die Sicherstellung der Patientenversorgung zu garantieren. Der KBV-Chef stellte klar: “Die Vorschläge der Akademie sind aus meiner Sicht zu radikal. Ich glaube auch, dass der Vergleich mit einem Land wie Dänemark nur schwer möglich ist, wie es die Wissenschaftler getan haben. Denn dort gibt es keine freie Wahl des Arztes oder Krankenhauses, wie das die Patienten in Deutschland kennen.”
Er verwies auf aktuelle Zahlen des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi). Sie belegen, dass die gegenwärtige Situation unökonomisch ist. Demnach gibt es jedes Jahr etwa 3,4 Millionen sogenannte “ambulant sensitive Krankenhausfälle”. Das sind jene Patienten, die in die Klinik kommen, obwohl ihnen ein niedergelassener Arzt ebenso gut hätte helfen können. Dadurch entstehen im deutschen Gesundheitssystem Kosten von rund 5 Milliarden Euro jährlich.
Gassen plädierte dafür, dass die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) mit der KBV in einen Dialog treten solle, um die Versorgung der Patienten vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Zukunft (Stichworte: demographische Entwicklung, Ärztemangel) zu sichern. “Wir müssen gemeinsam für gute Rahmenbedingungen sorgen. Wie die gemeinsame Sicherstellung der ambulanten und stationären Versorgung vor Ort am besten gelingen kann, wissen Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenhäuser am besten.”
Außerdem stellte der KBV-Chef dar: “Die Diskussion um die Schließung von Krankenhäusern muss man mit Augenmaß führen. Wer aber die wesentliche Bedeutung der ambulanten Versorgung durch die Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten verkennt und unkritisch teils überflüssige stationäre Strukturen fördert, beeinträchtigt letztlich die Versorgung unserer Bevölkerung.”
Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Herbert-Lewin-Platz 2, 10623 Berlin, http://www.kbv.de, 02.11.2016
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