BDC|News 30.05.2017
BDC|Schleswig-Holstein – Jahresbericht 2016/2017
Sehr geehrter Herr Präsident,
gerne komme ich Ihrer Bitte nach und berichte über die Entwicklung im Landesverband Schleswig-Holstein und speziell über die Probleme, die uns Chirurgen im Land zwischen den Meeren drücken.
Das vordringliche Problem ist aus Sicht des Landesverbandes Schleswig-Holstein eine mangelnde bis ungenügende Mitwirkung unserer Mitglieder an der Entwicklung von berufspolitischen Projekten.
Ich hatte ja bereits im Vorfeld über eine E-Mail berichtet, die ich den Mitgliedern meines Landesverbandes übersandt habe. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass dieses Problem auf das nördlichste Bundesland beschränkt ist, halte ich es für sinnvoll, den Inhalt dieses Schreibens an dieser Stelle verkürzt wiederzugeben, um damit vielleicht eine Diskussion im Erweiterten Präsidium des BDC anzustoßen. Wie die Mitglieder des Erweiterten Präsidiums wissen, so ist meine Passion die Verbesserung der Bedingungen in der Weiterbildung unserer jungen Kolleginnen und Kollegen. Die Gründe für die Notwendigkeit dieses Vorhabens sind hinreichend bekannt und sollen im Folgenden nur kurz dargestellt werden.
So hat unser Fach unter einem erheblichen Attraktivitätsverlust zu leiden, was nicht zuletzt auf eine mangelhafte und unstrukturierte Weiterbildung zurückgeführt werden kann. Vor etwas mehr als 4 Jahren hatte der BDC|Schleswig-Holstein eine vielbeachtete Tagung zu diesem Thema durchgeführt, dabei die Ursachen für den Attraktivitätsverlust identifiziert und abschließend ein Modell zur strukturierten Verbundweiterbildung vorgeschlagen. Dieser Themenkomplex wurde daraufhin auf vielen Kongressen, Workshops, Symposien und Ärztetagungen bundesweit diskutiert. Mit der tatkräftigen Unterstützung der Landesärztekammer Schleswig-Holstein, insbesondere in Persona des Präsidenten Dr. Bartmnann, gelang es dann vor etwas mehr als einem Jahr in Kiel eine sektorenübergreifende Verbundweiterbildung als Modellprojekt zu implementieren. Wie ich bereits auf der letzten Präsidiumssitzung darlegte, wird dieses zukunftsweisende Modell in Folge einer prekären Personalsituation im UKSH in Kiel aktuell leider immer noch nicht gelebt.
Daher galt es anlässlich der Hauptversammlung des BDC|Schleswig-Holstein im November 2016 eine kritische Bilanz zu ziehen und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, um kurzfristig die offensichtlich desolate Situation in der Weiterbildung zu verbessern. Ziel war es dabei unseren jungen Kolleginnen und Kollegen, die sich aktuell in der Weiterbildung in der Klinik befinden, eine attraktive Perspektive zu bieten. Erfreulicherweise war es dem Vorstand des BDC|Schleswig-Holstein erneut gelungen, Referenten aus den verschiedenen Bereichen der Chirurgie zu finden, vom Chefarzt über den niedergelassenen Vertragsarzt bis zum Präsidenten der Ärztekammer und Vorsitzenden der Weiterbildungskommision in der Bundesärztekammer. Es sollte versucht werden pragmatisch Lösungsansätze zu erarbeiten, dies insbesondere in Diskussionen mit den betroffenen Assistentinnen und Assistenten. Die Veranstaltung wurde reichlich im Vorfeld beworben. Noch unmittelbar vor der Veranstaltung schrieb ich einem Reminder direkt und ausschließlich an die jungen Kolleginnen und Kollegen aus dem Landesverband Schleswig-Holstein mit der Aufforderung zu kommen und dem angestauten Ärger Luft zu machen. Es sollte nicht über die Weiterbildungsassistentinnen und -assistenten geredet werden, sondern Ziel war es mit ihnen zu diskutieren.
Das Referat des Kollegens, der die Situation aus Sicht des Weiterbildungsassitenten darstellen sollte, wurde bei akuter Erkrankung des Vortragenden dankenswerter Weise von meinem Co-Vorsitzenden Dr. Müller gehalten. Es trug den kanckigen Titel: “Was läuft falsch in der Weiterbildung? – Antwort: Alles !”. Danach wäre der Boden bereitet gewesen für eine intensive und kontroverse Diskussion. Allein: von 139 Weiterbildungsasistenten und -innen die im BDC|Schleswig-Holstein organisiert sind, kam – niemand! Wieder saßen nur die Kollegen zusammen, die eigentlich immer da sind, sämtlich langjährige Fachärzte in unterschiedlichen Funktionen. Wieder wurde eine Chance verpass, dass die junge Generation ihre konkreten Probleme und Wünsche artikuliert und dabei klar strukturiert darlegt, was sie von uns erwartet. Am Ende der Sitzung sah es wieder ganz so aus, als ob alles in bester Ordnung sei – das kann aber nicht sein, wie wir ja alle wissen.
Ich wollte diesen Bericht nicht als Lamento verstanden wissen. Dazu bin ich viel zu lange Berufspolitiker und habe reichlich Zeit investiert in Veranstaltungen und Projekte, die wahrlich nicht vergnügungssteuerpflichtig waren. Mein Frustrationslevel ist somit recht hoch. Dieses Mal fühlte ich mich aber schon vor den Kopf gestoßen, infolge eines ganz offensichtlich demonstrierten Desinteresses der jungen Kollegen an der berufspolitischen Arbeit des BDC|Schleswig-Holstein. Am Ende meines Schreibens stellte ich dann die Frage, wie die konkrete Situation in der Weiterbildung am Krankenhaus für die junge Generation nachhaltig und spürbar verbessert werden soll. Das Sektorenübergreifende Modell chirurgischer Verbundweiterbildung steht ja, wird aber nicht genutzt. Was soll nun passieren? Es wird leider nichts passieren, wenn die Wünsche und Forderungen der jungen Kolleginnen und Kollegen nicht lautstark und wahrnehmbar artikuliert werden. Ich schloss mit der Aufforderung, dass sich aus der jungen Generation kreative Kolleginnen und Kollegen mit Ideen und Engagement bei mir melden, damit wir gemeinsam einen Ausweg aus dem Dilemma finden. Neben einer ganz erkläglichen Anzahl von zustimmenden Äußerungen aus dem Kreise fachärztlicher Verbandsmitglieder erreicht mich dann schlussendlich auch eine Nachricht einer jungen Kollegin, die ihre Bereitschaft erkennen ließ, sich auf diesem Feld zu engagieren. Leider ist es bisher über diese Willensbekundung hinaus noch zu keinem konkreten Vorschlag gekommen.
Anlässlich einer kürzlich stattgefundenen Sitzung der Berufsverbandsvorsitzenden mit dem Vorstand der Ärztekammer Schleswig-Holstein wurde das Problem des mangelnden Engagements der jungen Kolleginnen und Kollegen diskutiert. Festgestellt wurde dabei, dass während des Studiums ein recht hoher Organisationsgrad besteht, in diversen Konstellationen, seies in der Fachschaft oder im Bund der Studierenden. Mit Abschluss des Examens und Eintritt in die Weiterbildung aber nimmt das Interesse an berufs- oder standespolitischer Arbeit ab und tendiert gegen Null. Ein Grund hierfür mag sicherlich darin liegen, das mit Beginn der Weiterbildung auch die zeitgleich begonnenene Familienggründung die persönlich zur Verfügung stehende Zeit natürlich limitiert ist. Gleichwohl brauchen wir die jungen Kollegen bei der Verbandsarbeit und sei es nur um ihre eigene persönliche Situation zu verbessern.
In diesem Punkt bin ich mir im Übrigen auch einig mit dem Landesverband des Marburger Bundes in Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit der Ärztekammer wird gegenwärtig versucht über die in den meisten Kliniken etablierten Assistentensprecher Kontakt aufzunehmen mit der jungen Generation. Es bleibt die Hoffnung, dass vielleicht der eine oder andere aus diesem Personenkreis gewonnen werden kann, der oder die sich dann für die Belange ihrer Kolleginnen und Kollegen in Weiterbildung engagiert.
Abschließend verbleibe ich mit freundlichen Grüßen und hoffe auf eine angeregte Diskussion, sowohl im Rahmen der Sitzung als auch bei Bier oder Wein im Zollpackhaus.
Ihr Ralf Schmitz
Vorsitzender Landesverband BDC|Schleswig-Holstein
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