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Jahrestagung BDC|Rheinland-Pfalz und ANC Rheinland-Pfalz

BDC|Rheinland-Pfalz und ANC Rheinland-Pfalz veranstalten am 11. Mai 2022 in Mainz ihre Jahrestagung und laden dazu ganz herzlich ein.
Das Programm deckt die Themen Hygiene, Honorar und Haftpflicht ab. Im Rahmen des Verbandstreffens stehen sowohl Wahlen des BDC|Landesverbandes als auch der ANC Rheinland-Pfalz an. Auch vor dem Hintergrund der Wahlen der Kassenärztlichen Vereinigung im Herbst besteht insbesondere das Ziel, weitere berufspolitisch interessierte Mitglieder für die Verbandsarbeit zu gewinnen.

Wann?
11.05.2022, von 18.00 bis 21.30 Uhr

Wo?
KV Rheinland-Pfalz, Hauptverwaltung, Isaac-Fulda-Allee 14, 55124 Mainz

Anmeldung
bis zum 02.05.2022 per Mail unter dr.j.fischboeck@t-online.de oder per Fax an 06324/3032.

Hier geht’s zum Veranstaltungsprogramm: BDC-Jahresversammlung_Rheinland-Pfalz_2022_Flyer

Honorarberichte der KBV 2020

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die Berichte aller vier Quartale 2020 zur Honorarentwicklung im Vergleich zu den entsprechenden Vorjahreszeiträumen veröffentlicht.

Die einzelnen Berichte zum Download gibt es hier:

Alle Honorarberichte der KBV – auch für die Vorjahre –, Kennzahlen der Abrechnungsgruppen, Fragen und Antworten zum Honorarbericht sowie grafische Darstellungen dazu finden Sie hier.

(Quelle: http://www.kbv.de/html/honorarbericht.php).

Der Honorarbericht und die Kennzahlen erscheinen quartalsweise. Das Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (VStG) überträgt der KBV die Aufgabe, einen Bericht über die Ergebnisse der Honorarverteilung, über die Gesamtvergütungen, über die Bereinigungssummen und über den Honorarumsatz je Arzt und je Arztgruppe zu veröffentlichen.

Personalia im April 2022

PD Dr. med. Marc Bludau ist neuer Chefarzt der Chirurgie am Marien-Hospital in Wesel. Der Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie mit Weiterbildung Spezielle Viszeralchirurgie und Proktologie war zuvor Oberarzt am Klinikum der Universität zu Köln.

Dr. med. Hans-Peter Buthut ist neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie im St. Johannes-Hospital in Varel. Buthut bleibt zudem weiterhin Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- u. Thoraxchirurgie am Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch in Sande.

Dr. med. Robert Hofmann wechselte bereits zum Dezember 2021 von Heiden in der Schweiz an das Städtische Klinikum Görlitz gGmbH. Er ist dort neuer Chefarzt der Unfallchirurgie.

Dr. med. Hartmut Roth, Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie minimalinvasive Chirurgie und seit 2017 Chefarzt am KMG Klinikum Sömmerda, leitet nun auch die allgemein- und viszeralchirurgische Abteilung am KMG Manniske Klinik Bad Frankenhausen.

Dr. med. Gudrun Schlewitz, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Plastische und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie und Notfallmedizin ist bereits seit Dezember 2021 neue Chefärztin der Abteilung für Handchirurgie, Plastische- und Mikrochirurgie in den Dr. Erler Kliniken in Nürnberg.

PD Dr. med. Silke Schüle ist seit dem 1. Fe­bruar 2022 neue Chefärztin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Erlanger Waldkrankenhaus. Die Fachärztin für Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie mit Zusatzbezeichnung Spezielle Viszeralchirurgie war zuvor Oberärztin am Universitätsklinikum Jena.

Daniel Spachtholz, Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirugie und zuvor Oberarzt am Sana Klinikum Hof, ist seit Januar 2022 Chefarzt der Chirurgischen Klinik Sternbach-Schleiz.

Dr. med. Max Thiemann, Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie und zuvor seit 2015 als Oberarzt in der Gefäßchirurgie am Helios Klinikum in Berlin-Buch tätig, ist seit Anfang des Jahres 2022 chefärztlicher Leiter der Gefäßchirurgie im neuen Sana Klinikum Landkreis Biberach.

Jahrestagung BDC|Westfalen-Lippe

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen im BDC-Landesverband Westfalen-Lippe,

zum diesjährigen Jahrestreffen des BDC-Landesverbands Westfalen-Lippe, wieder eingebettet in die Viszeralmedizin NRW-Tagung, laden wir Sie sehr herzlich für den 3. Juni 2022 in das Kongresszentrum Dortmund ein. Diese Veranstaltung ist als Präsenzzusammenkunft vorgesehen und wir hoffen, dass keine Corona-Mutante uns einen Strich durch diese Rechnung macht.

Chirurgie und Gender, Personalakquise, Niederlassung, Recht und Hot Topic „Mindestmengen für komplexe Ösophagus- und Pankreaseingriffe“

Freitag, 3. Juni 2022, 11:00 – 12:30 Uhr; Kongresszentrum Dortmund

Programm:

  • Was macht das Chirurg*in-Sein attraktiv?
    Dr. med. Frauke Fritze-Büttner, BDC-Fachreferat Familie und Beruf, Berlin
  • Wie steht es mit einer Niederlassung in einer chirurgischen Praxis/MVZ – Kooperation mit der Klinik?
    Dr. med. Peter Kalbe, BDC Vizepräsident, Berlin/Rinteln
  • „Juristerei“ bei Patientenklagen und Vertragsangelegenheiten
    RA Prof. Dr. jur. Peter Hüttl, Kanzlei Dr. Heberer & Kollegen, Justitiar des BDC, München/Berlin
  • Hot Topic: G-BA-Beschlüsse zu Mindestmengen für komplexe Ösophagus- und Pankreaseingriffe – was fordern wir?
  • Komplexe Ösophaguseingriffe, Status quo und S3-Leitlinie
    Prof. Dr. med. Florian Gebauer, Köln
  • Komplexe Pankreaseingriffe, Status quo und S3-Leitlinie
    Prof. Dr. med. Orlin Belyaev, Bochum

Hier finden Sie den Flyer zur Veranstaltung: BDC-Jahrestagung_WL_2022_final

Weitere Informationen erhalten Sie auch auf der Kongress-Homepage.

Dort können Sie sich für die weiteren interessanten Sitzungen der Viszeralmedizin NRW-Tagung vom 2. – 3. Juni 2022 mit den entsprechenden Tagungsgebühren anmelden.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diesen Tag fest in Ihrem Terminkalender eintragen, damit wir Sie herzlich willkommen heißen können und freuen uns auf eine rege Vor-Ort-Diskussion mit Ihnen.

Ihr
Vorstand des BDC-Landesgruppe Westfalen-Lippe

Prof. Dr. med. Waldemar Uhl
Dr. med. Björn Schmitz
Jerzy Wielowiejsk
Prof. Dr. med. Michael Aufmkolk

Auch schwerverletzte Ukrainer in Deutschland gut versorgt

Der BDC hat heute (14.03.2022) gegenüber der Presse zur medizinischen Versorgung der aus der Ukraine nach Deutschland geflüchteten und verletzten Menschen erklärt:

„Die aus der Ukraine nach Deutschland geflüchteten und verletzten Menschen können sich darauf verlassen, dass die Chirurginnen und Chirurgen sowohl in den niedergelassenen Praxen und als auch in den Krankenhäusern sie umfassend und unbürokratisch medizinisch versorgen werden. Für die Versorgung polytraumatisierter, also mehrfach, unter Umständen lebensbedrohlich verletzter Patienten – in Kriegsgebieten keine Seltenheit – hält der BDC die derzeitigen sogenannten Polytrauma-Netzstrukturen mit Universitätsklinika und Krankenhäusern der Maximalversorgung für angemessen. Das heißt, auch schwerer verletzte Flüchtlinge können darauf vertrauen, dass sie in Deutschland eine zu ihrem Gesundheitszustand passende ärztliche Betreuung erhalten. Die Ärzteschaft, so auch im BDC, steht in allen medizinischen Belangen als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung. Damit wollen wir dazu beitragen, das unermessliche Leid der geflüchteten Menschen zu lindern und ihre Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen.“

Ärztliche Registrierung für Ukraine-Einsatz

Ärztinnen und Ärzte können sich nun auf der Website der Bundesärztekammer (BÄK) registrieren für eine Vor-Ort-Unterstützung der medizinischen Infrastruktur in der Ukraine und der medizinischen Versorgung geflüchteter Menschen in den Nachbarstaaten im Rahmen von internationalen Organisationen.

Wer sich registriert, erhält in Absprache mit dem Auswärtigen Amt und dem Zentrum für internationale Friedenseinsätze weitere Informationen, sobald solche Einsätze möglich sind.

Medizinische Versorgung von Ukrainern auf Behandlungsschein

Die ärztlichen Behandlung von aus der Ukraine geflüchteten Menschen erfolgt nach einer Meldung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vom 8.3.2022 über Behandlungsscheine aus, die sie von den Kommunen erhalten. Denn diese Leistungen richteten sich nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Notfallbehandlungen seien auch ohne Behandlungsschein möglich.

Das Asylbewerberleistungsgesetz ermöglicht die Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände einschließlich der Versorgung mit Arznei- und Verbandmitteln und die Versorgung Schwangerer. Inbegriffen ist darüber hinaus ein Anspruch auf Schutzimpfungen und Vorsorgeuntersuchungen.

Die KBV verweist darauf, dass Ärzte die Behandlungsscheine zusammen mit der Abrechnung bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) einreichen. Arzneimittel sollen sie auf dem normalen Rezept (Muster 16) verordnen. Auch für anderen Leistungen gälten die üblichen Formulare. Nähere Informationen erhielten die Praxen von ihrer KV.

Leistungen nach der Coronavirus-Testverordnung und der Coronavirus-Impfverordnung sollen Ärzte bei Flüchtlingen aus der Ukraine genauso abrechnen, wie das bei Einheimischen erfolgt.

Lauterbach beeindruckt von ärztlicher Unterstützung in Ukraine-Krise

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist beeindruckt, wie schnell und deutlich die Ärzteschaft ihre Unterstützung in der Ukraine Krise signalisiert hat.  Das signalisierte Lauterbach in einem Gespräch mit der KBV-Spitze am Donnerstag (04.03.2022).  Wichtigstes Thema der Diskussionsveranstaltung war die Belastungen, die durch den Krieg in der Ukraine auf Ärzte und Ärztinnen in Klinik und Praxis  zukommt.

Das Bundesgesundheitsministerium, so Lauterbach, sei derzeit im Austausch mit dem Innenministerium und dem Auswärtigen Amt hinsichtlich der Organisation der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge. So müsse man sich zum Beispiel auf Verwundeten, Diabetikern ohne Insulin und hilflosen Dialysepatienten einstellen. Lauterbach. „Da kommt eine enorme Herausforderung auf uns zu!”

Auf der KBV-Vertreterversammlung erklärten sich die Delegierten dazu bereit, die zu erwarteten Flüchtlinge mit der gesamten vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Kompetenz bestmöglich und unbürokratisch zu versorgen. Die Vertreterversammlung bat den Gesetzgeber, bundesweit die notwendigen Rahmenbedingungen zum Versicherungsschutz für Flüchtlinge zu schaffen.

BDC-Journalistenpreis: Emma lebt

PANORAMA
Emma lebt

DIESES KIND IST EIN MEDIZINISCHES WUNDER. WIE SPITZENÄRZTE VOM COMPREHENSIVE CENTER FOR PEDIATRICS AM WIENER AKH JEDEN TAG SCHWERSTKRANKEN KINDERN DAS LEBEN RETTEN

Nina Horaczek, Reporterin bei der Wiener Wochenzeitung „Falter“, ist die Trägerin des Journalistenpreises der Deutschen Chirurgen 2021.

Horaczek erhält die Auszeichnung für ihre Reportage „Emma lebt“, erschienen am 10. März 2021 im Falter. Sie handelt von einem kleinen Mädchen, das mit mehreren schweren, genetisch bedingten Fehlbildungen, unter anderem von Herz, Zwerchfell und Bauchwand, zur Welt kommt. Ihre Krankheit heißt „Pentalogie von Cantrell“ und ist extrem selten. Die Reportage schildert eindrücklich, wie Emma am Allgemeinen Krankenhaus Wien durch die fachübergreifende Behandlung von Kinderintensivmedizinern, Kinderchirurgen und Herzchirurgen therapiert wird, so dass sie heute ein einigermaßen normales Leben führen kann.

Wir freuen uns, den Gewinnerbeitrag an dieser Stelle in ganzer Länge abdrucken zu dürfen. Vielen Dank an Frau Horaczek und den Falter.

Emma liebt „Eisi“. Das sind Jolly-Eislutscher. Und Katzen. Wenn sie Katze spielt, schlängelt Emma sich um die Beine ihrer Mutter und ruft „Miau“. Im April feiert das Mädchen seinen dritten Geburtstag. Bei ihrer Geburt dachte kaum jemand, dass Emma einmal drei Kerzen auf ihrer Geburtstagstorte ausblasen wird.

Emma kam mit einem großen Loch im Bauch zur Welt. Dort, wo normalerweise Haut und Muskeln die inneren Organe schützen, wölbten sich bei ihr Darm und Leber nach außen. Dem Mädchen fehlt ein Viertel des Brustbeins und der vordere Teil des Zwerchfells. Sein Herz hatte ein Loch und auch keinen Herzbeutel, der den Herzmuskel normalerweise schützend umgibt.

„Pentalogie von Cantrell“ nennt sich das, was Emma von anderen Kindern unterscheidet. Die Ursache ist unbekannt, ein Defekt eines X-Chromosoms könnte verantwortlich sein. Nur eines von einer Million Kindern kommt mit dieser Form der Fehlbildung zur Welt. Emma ist das erste und einzige Kind in Österreich, das mit dieser Krankheit lebt.

„Ich habe ein einziges Mal ein Kind mit diesen besonders komplexen Fehlbildungen gesehen“, erzählt die Kinderintensivmedizinerin Monika Resch, die damals im AKH die Intensivstation für schwerkranke Babys leitete. „Das war 20 Jahre zuvor während meiner Ausbildung.“

Das Cantrell-Kind von damals starb kurz nach der Geburt. Monika Resch dachte, sie werde dieses seltene Krankheitsbild nie wieder sehen. Dann kam Emma. „Und wir Ärzte mussten nach ihrer Geburt in den Lehrbüchern nachschauen, wie genau diese Krankheit heißt, zu der Emmas verschiedene Fehlbildungen passen.“

Emma kam mit offenem Bauch, einem Loch im Herzen und Fehlern an Brustkorb und Zwerchfell zur Welt. Dank der Ärzte im AKH ist sie das erste Kind in Österreich, das mit diesen Fehlbildungen überlebte. Nun feiert sie ihren dritten Geburtstag.

Es war ungefähr zur Zeit von Emmas Geburt vor fast drei Jahren, als auch das Team rund um Angelika Berger ein ganz besonderes Vernetzungsprojekt im AKH startete. Das AKH am Wiener Gürtel zählt nicht nur in der Kindermedizin zu den Spitzenspitälern. 2021 erst wählte es das US-Magazin Newsweek auf Platz 27 weltweit.

Die Intensivmedizinerin Berger leitet die Neonatologie am AKH, jene Abteilung, die Frühgeborene und schwerkranke Neugeborene behandelt. Sie brachte damals im Comprehensive Center for Pediatrics (CCP) alle Abteilungen des Allgemeinen Krankenhauses und der Meduni Wien zusammen, die sich um Schwangere, Kinder und Jugendliche kümmern.

„Wir behandeln fast ausschließlich schwerkranke Neugeborene, Kinder und Jugendliche mit teils sehr seltenen Erkrankungen oder komplexen Fehlbildungen und Syndromen“, sagt Berger. Da sei es nur naheliegend, dass die zahlreichen Spezialistinnen und Spezialisten aus den verschiedenen Abteilungen des Krankenhauses an einem Strang ziehen.

Abb. 1: Emma im Frühjahr 2018, kurz nach ihrer Geburt, auf der Intensivstation im AKH


Wir Ärzte mussten nach Emmas Geburt in den Lehrbüchern nachschauen, wie genau diese Krankheit heißt, zu der ihre Fehlbildungen passen.“

Diese fächerübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht, dass heute Kinder ein gutes Leben führen können, für die es vor einigen Jahren noch keine Chance gab.

Als nächster Schritt soll diese Vernetzung auch Raum bekommen. 2022 wird im AKH ein neuer Kinderoperationstrakt eröffnet, bis zum Jahr 2026 soll das CCP ein eigenes Haus sein. Rechts von den beiden großen Bettentürmen wird dieser Neubau samt Eltern-Kind-Zentrum stehen, als Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die an seltenen und schweren Krankheiten leiden: vom 400-Gramm-Frühchen über das Baby mit angeborener Fehlbildung bis zum Teenager, dem ein Tumor aus dem Körper operiert werden muss. Eine Brücke soll dann die Kreißsäle im grünen Bettenturm des AKH mit dem CCP-Gebäude verbinden.

Wie wichtig der fächerübergreifende Ansatz ist, zeigt Emma. Dass sie heute ein fröhliches Kindergartenkind ist, hat das Mädchen der Zusammenarbeit von Kinderintensivmedizinern, Kinderchirurgen und Herzchirurgen zu verdanken. Um diese individuelle Betreuung mit neuester Technologie zu verbinden, wurde das CCP Innovation Lab gegründet. Hier kommen zum Beispiel Hirnmodelle frühgeborener Babys aus dem 3D-Drucker. Sie fühlen sich ein bisschen so an wie ein Flummi.

Statt einer gräulich-weißen Hirnmasse ist das Modell, das Michael Wagner in seiner Hand hält, durchsichtig mit leichtem Gelbstich. „Das mit den Farben haut im 3D-Drucker noch nicht ganz hin“, sagt der Leiter des Simulations-und Innovations-Labs im CCP. Zwar könne man farbig drucken, „aber dann ändert sich die Festigkeit des Materials, und es fühlt sich weniger realistisch an“. Das Innovationslabor soll moderne Technologien für Therapie, Wissenschaft und Lehre nutzen. Da trainieren Ärzte am lebensechten 3D-Modell eines Frühchengehirns, wie sie später ihren Katheter in einen der Ventrikel des nur wenige Zentimeter großen Babyköpfchens legen werden. „Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko einer Gehirnblutung“, sagt Wagner. Und brauchen deshalb manchmal einen solchen Katheter.

Die Extremfrühchen im AKH, die zwischen der 22. und 27. Schwangerschaftswoche etwa vier Monate zu früh mit nur 400 bis 900 Gramm auf die Welt kommen müssen, neigen besonders zu diesen Blutungen. Die Modelle, die der Arzt im AKH mit Radiologen und Experten des klinikeigenen 3D-Labors anfertigt, sind für ein Produkt der Spitzenmedizin vergleichsweise billig: Ein im 3D-Drucker nachgebauter Gehirntumor kostet zwischen 100 und 500 Euro, doch hilft er Ärzten, Operationen zu simulieren. „Mit diesen Modellen lassen sich schwere Komplikationen bei der Behandlung verhindern“, sagt der Leiter des Innovation Lab im CCP.

Bei Emma sah in der Schwangerschaft anfangs alles gut aus. Ihre Mutter arbeitete damals für eine internationale Organisation im Irak. Sie ging regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen, und die Schwangerschaft verlief komplikationslos. „Weil die Ärzte dort beim Ultraschall die Fehlbildung übersehen haben“, erzählt Margit Drexler, Emmas Mutter. Um die 20. Schwangerschaftswoche, Emma war damals schon etwa 25 Zentimeter groß, ließ ein seltsames Bauchgefühl die Mutter einen Zusatztermin bei einer Ultraschallspezialistin vereinbaren. Die Ärztin schallte den Bauch, sprach aber kein Englisch. Also blätterte sie vor der Mutter in einem medizinischen Fachbuch und deutete auf einen griechischen Begriff: Omphalozele. Ein großer Nabelschnurbruch, bei dem innere Organe des Fötus nach außen drängen. Etwa jedes 5000. Neugeborene ist davon betroffen.

Mit dieser Diagnose reiste Emmas Mutter sofort nach Wien. „Dort entdeckte ein Arzt beim nächsten Ultraschall auch Emmas Herzfehler“, erzählt Drexler. Zwischen den Herzkammern des Mädchens war ein Loch. Mehrmals habe der Arzt seine Hände auf den Bauch der Mutter gelegt und gesagt, sie könne die Schwangerschaft immer noch beenden. „Aber da hat ihm Emma einen derart festen Tritt gegeben, dass er sofort seine Hände von meinem Bauch wegnahm.“ In diesem Moment habe ihre Mutter gewusst: Dieses Kind will bleiben.

Bleiben, das bedeutete bei Emma bis zum ersten Geburtstag, kaum mehr von der Welt zu sehen als den Operationssaal und die Intensivstation. Ihre „Case-Managerin“ wurde Monika Resch, die damalige Leiterin der Kinderintensivstation für schwerkranke Babys. Sie betreute das Baby auf der Station und entschied mit den Chirurgen, wann Emma stabil genug ist für die verschiedenen Operationen an Bauch und Herz. „Wir hatten das Glück, dass Emmas Organe außerhalb des Körpers von einem dünnen, durchsichtigen Gewebe überzogen waren“, erzählt Martin Metzelder, der Chef der Kinderchirurgie am AKH, der Emma operierte. Diese dünne Schutzschicht verhinderte das Eindringen von Keimen in den Bauchraum. Deshalb konnte sich Emma ein paar Tage mit einem Tubus in der Luftröhre, mit Schmerzmitteln und intensivmedizinischer Betreuung von der Geburt erholen.

Dann ging es in den Operationssaal. Kinderchirurg Metzelder rekonstruierte Emmas fehlendes Zwerchfell und verlagerte anschließend die inneren Organe zurück in die Bauchhöhle. Dann schloss er den Bauchraum mit einem Implantat aus medizinischem Kunststoff, das er an dem Bindegewebe des kleinen Mädchens fixierte.

Über diesem Kunststoffpatch verschloss er die Haut des Babys. Ein schwieriger Eingriff, auch weil der Bauchraum des Mädchens ungewöhnlich klein war. „Normalerweise wächst der Körper im Mutterleib, weil die Organe mehr Platz benötigen“, sagt der Chirurg. „Aber wegen Emmas angeborenem Bauchwanddefekt lagen ihre inneren Organe außerhalb der Bauchhöhle. Das führte dazu, dass ihre Bauchhöhle im Mutterleib durch den fehlenden Druck der Organe, die außerhalb lagen, nicht mitwachsen konnte.“

Die Bauchoperation war nur einer der vielen Eingriffe, die Emmas Leben retteten.

Vier Monate später musste das Implantat wieder raus aus dem Bauch, und der Kinderchirurg Metzelder konnte Emmas Bauch ganz verschließen.

Aber dann war da noch das Loch im Herzen. Bei so kleinen Kindern ist das Herz so groß wie eine Walnuss. „Wir korrigieren Herzfehler in der Regel früh, weil der Sauerstoffmangel sonst Schäden an den Organen auslösen kann“, sagt der Herzchirurg Daniel Zimpfer, der das Kinderherzzentrum am AKH leitet. Deshalb kommen manche seiner kleinen Patienten schon in der ersten Lebenswoche unters Messer. Erst vor wenigen Monaten schnitt Zimpfer einem 950-Gramm-Frühgeborenen einen Tumor aus dem offenen Herzen und rettete dem Kind das Leben. Das Babyherz war gerade einmal so groß wie ein Marillenkern, der Tumor um einiges größer. Es war das erste Mal, dass ein solcher Eingriff gelang. Nicht nur in Wien, sondern weltweit.

Ein Loch im Babyherzen wie bei Emma ist für Zimpfer und sein Team hingegen beinahe tägliche Routine. „Für Eltern ist es natürlich eine dramatische Erfahrung, wenn ihr Kind am offenen Herzen operiert werden muss“, sagt Zimpfer, „aber zumindest in der westlichen Welt erreichen 98 Prozent der Kinder mit Herzfehlern das Erwachsenenalter.“

Durchschnittlich acht Mal pro Woche wird im AKH ein Kind am Herzen operiert. Eine Handvoll Kinder ist derzeit mit einem mechanischen Kunstherzen als Implantat im AKH in Behandlung und wartet auf ein Spenderorgan. Ungefähr zehn Kinderherztransplantationen gibt es hier jedes Jahr. Innere Organe wieder zurück in den Körper zu montieren, offene Bauchhöhlen zu schließen und Löcher im Herzen zu stopfen, sind nur ein kleiner Teil dessen, was die Spezialistinnen und Spezialisten im CCP-Verbund am AKH können. Das Potter-Syndrom zum Beispiel, bei dem sich im Embryo keine funktionsfähige Niere entwickelt, war früher ein Todesurteil. „Heute können wir hier im AKH rasch nach der Geburt eine Blutwäsche über das Bauchfell durchführen und dem Kind so eine Chance geben“, sagt Kinderintensivmedizinerin Berger. Mit etwa einem Jahr ist dann eine Nierentransplantation möglich.

Abb. 2: Angelika Berger leitet die Neugeborenen- und Kinderintensivstationen im AKH und baut das neue Zentrum für schwerkranke Kinder und Jugendliche auf [Foto, © Heribert Corn].

Abb. 3: Herzchirurg Daniel Zimpfer operiert Tumore aus Babyherzen und führt Herztransplantationen durch. Er verschloss auch Emmas Loch im Herzen [Foto, © Heribert Corn].

Oder Kinder, die unter so schweren epileptischen Anfällen leiden, dass ihnen kein Medikament hilft. Die Ärzte der Neurochirurgie im AKH schneiden als Einzige in Österreich kleine Areale im Hirngewebe heraus, um so die Anfälle zu stoppen. Neben der Therapie schwerstkranker Kinder geht es im CCP auch wesentlich um Forschung und Lehre. Zum Beispiel das Entwickeln innovativer Operationsansätze. In der Kinderklinik lässt Michael Wagner Studierende mit jenen Gadgets trainieren, die man aus Videospielen oder Filmen kennt.

„Wir arbeiten mit Virtual Reality, mit digitalen Hologrammen oder eben auch mit 3D-Druck“, erzählt der Arzt. Das Innovation Lab kann zum Beispiel eine dreidimensionale Darstellung des Tumors im Gehirn eines Kindes in einen virtuellen Raum projizieren. Die Mediziner tragen spezielle Videobrillen und sehen so den Tumor vor sich schweben. „Da können sich die Chirurgen den Tumor von allen Seiten ansehen und Experten aus anderen Ländern dazuschalten, um gemeinsam die Operation zu planen.“

Auch Carlos Reck-Burneo arbeitet mit dem 3D-Drucker. Der Kinderchirurg am AKH hat sich auf die chirurgische Reparatur von Deformationen im Unterleib spezialisiert. Eines von 5000 Kindern kommt mit einer Missbildung im Bereich des Darmausgangs, der Harnröhre oder der Genitalien zur Welt. Zwischen acht und zehn kleine Patienten mit anorektalen Fehlbildungen operiert das AKH im Jahr.

Darunter sind ein bis zwei Mädchen, die unter der schwersten Form, einer sogenannten Kloake im Unterleib, leiden. Sie haben untenrum statt drei nur eine einzige Körperöffnung. „Ohne Operation sterben diese Kinder an Nierenversagen“, erklärt der Chirurg. Im AKH erhalten sie als Erstes einen künstlichen Darmausgang. „Danach rekonstruieren wir operativ Harnröhre, Darmausgang und Vagina.“ Früher sei es eine Art Überraschungspaket gewesen, wenn er und seine Kollegen den Körper der Kinder zur Rekonstruktion öffneten. „Nun sehe ich anhand des 3D-Modells schon vor der Operation genau, wo das Problem liegt und wie ich es operiere“, sagt der Mediziner. „Außerdem kann ich jetzt auch den Eltern viel besser erklären, was mit ihrem Kind los ist.“

Weil jede Fehlbildung anders ist, verwendet Reck-Burneo seine Modelle auch bei der Fortbildung jüngerer Ärztinnen und Ärzte, die anhand dieser 3D-Modelle lernen, wie sie einen verkürzten Babydarm mit dem Schließmuskel verbinden oder eine Vagina nachbauen. „Da hoffen wir, dass wir in absehbarer Zukunft auch Gewebeteile wie etwa Vaginalgewebe mit dem 3D-Drucker selbst herstellen können“, sagt der Arzt.

Das Training an Modellen ist auch ein Schwerpunkt des Innovation Lab im CCP. Da üben Jungmediziner im Simulationstraining und bald auch mit Virtual Reality-Brillen auf dem Kopf wie sie ein Neugeborenes, das nicht atmet, wiederbeleben und intubieren. Oder sie lernen am 3D-Modell eines nur wenige Zentimeter großen Brustkorbs eines Extremfrühchens, wie sie mit einer dünnen Nadel zwischen den vierten und fünften Rippenbogen stechen, damit die Lunge nicht zusammenfällt.

All diese Innovationen kosten Geld. Der Bund und die Gemeinde Wien finanzieren den Bau des neuen CCP, „für vieles andere, wie unsere Forschungsprojekte und zusätzliche Angebote, sind wir auf Drittmittel und Spenden angewiesen“, sagt die CCP-Leiterin Berger. Zum Beispiel für Musiktherapie an der neonatologischen Intensivstation oder die Musikwerkstätte und Kunsttherapie für jene schwerkranken Kinder, die monatelang hierbleiben müssen.

So wie Emma, die wahrscheinlich auch bald wieder Gast im AKH sein wird. Es ist nur eine Frage der Zeit bis zu Emmas nächstem Besuch im Operationssaal. Irgendwann wird sie neue Herzklappen brauchen. Weil sich die Herzfunktion ihrer Tochter zuletzt etwas verbesserte, hofft die Mutter, dass es bis zum nächsten Eingriff noch etwas dauert. „Dann ist die Forschung hoffentlich schon so weit, dass Kinder mitwachsende Herzklappen bekommen können“, sagt Emmas Mutter.

Abb. 4: Maßstabgetreues 3D-Modell des Brustkorbes eines 400-Gramm-Frühchens. An ihm üben Ärzte, wie sie mit einem Nadelstich in die Babylunge Leben retten [Foto, © Heribert Corn].

Abb. 5: Fehlbildung an Darm und Harnröhre eines Babys, nachgebaut mit dem 3D-Drucker.An solchen Modellen trainieren Ärzte im AKH neue Operationsmethoden [Foto, © Heribert Corn].

Abb. 6: Kinderintensivmediziner Michael Wagner (l.) und Kinderchirurg Carlos Reck-Burneo nützen 3D-Modelle, etwa zur Vorbereitung schwieriger Operationen [Foto, © Heribert Corn].

Abb. 7: Martin Metzelder ist Chef der Kinderchirurgie im AKH. Er rekonstruierte Emmas Zwerchfell und operierte die Organe zurück in den Körper des Mädchens [Foto, © Heribert Corn].

„Es ist aber nicht nur die Spitzenmedizin, der Emma ein weitgehend normales Leben verdankt“, sagt Intensivmedizinerin Resch, die das Kind von der Geburt an betreut. „Es war auch ihre Mutter, die für Emma gekämpft hat wie eine Löwin.“ Dort, wo heute Emmas Puppenküche steht, habe es früher ausgesehen wie in einem Therapieraum, erzählt Emmas Mutter. Schließlich musste ihr Mädchen erst Bauchmuskeln entwickeln. Heute ist das Zimmer voller Spielsachen. Nur eine Collage an der Wand mit Bildern aus Emmas erstem Lebensjahr erinnert an die Zeit im AKH. Sie zeigt das Mädchen mit einer Ernährungssonde in der Nase und wie sie an Infusionen angehängt im Krankenbett liegt.

„Natürlich ist meine Tochter anders“, sagt ihre Mutter. „Oder kennen Sie eine Zweijährige, die ihr eigenes Tablet hat? Aber wie sonst kriege ich sie dazu, bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen still zu liegen?“ Als herzkrankes Kind vertrage Emma auch Hitze nur schlecht. „Im Sommer sind wir viel zu Hause.“

Aber abgesehen davon hüpft Emma wie ein Duracell-Häschen durch das Haus, lacht, quietscht, klettert und zieht Grimassen, wie es Kinder in ihrem Alter eben tun. „Natürlich hat Emma ihre Probleme“, sagt ihre Mutter. „Aber ich habe sie nie als krankes Kind behandelt.“

Das Comprehensive Center for Pediatrics (CCP) ist ein Zusammenschluss jener Spezialistinnen und Spezialisten von AKH und Meduni Wien, die schwerkranke Schwangere, Kinder und Jugendliche behandeln.

Zum CCP gehören die Universitätskliniken für Kinderheilkunde, Kinderpsychiatrie, Kinderchirurgie und Geburtshilfe sowie die Kinderradiologie, Kinderanästhesie, Kinderurologie, Kinder-HNO, Kinderneurochirurgie, Kinderherzchirurgie und viele weitere Spezialteams.

Die Ärztinnen und Ärzte behandeln, forschen und bilden medizinischen Nachwuchs mit innovativen Methoden aus. Bald wird das CCP auch ein eigenes Gebäude auf dem Areal des AKH bekommen. ccp.meduniwien.ac.at

Nina Horaczek

Chefreporterin Falter

Marc Aurel-Strasse 9

1010 Wien/Österreich

horaczek@falter.at

www.falter.at

Erstveröffentlichung: „Falter“ Nr. 10 / 2021 vom 10.03.2021 Seite 40,41,42,43. Ressort: Stadtleben

Panorama

Horaczek N: Emma lebt. Passion Chirurgie. 2022 März; 12(03): Artikel 09_01.

Diesen Artikel finden Sie auf BDCOnline (www.bdc.de) unter der Rubrik Wissen | Panorama.

Unterstützung für die Ukraine!

Die Bundesärztekammer hat eine Solidaritätsbekundung gegenüber der ukrainischen Bevölkerung und den Kolleginnen und Kollegen veröffentlicht, der sich der BDC anschließt. Der Krieg in der Ukraine erschüttert uns zutiefst. Viele Menschen sind durch den russischen Angriffskrieg in Not geraten und dringend auf medizinische und humanitäre Hilfe angewiesen. Wenn Sie spenden wollen, finden sie hier eine Auswahl an Hilfsorganisationen, die auch medizinische Hilfsgüter in die Ukraine bringen. Unter den Verlinkungen finden Sie die Kontaktdaten und die Bankverbindungen.

Die Ukrainie braucht unsere Hilfe!

action medeor: Das Medikamenten-Hilfswerk verschickt dringend benötigtes medizinisches Material.
Sachspenden: https://medeor.de/de/blog/spenden-bewegt/3629-ukraine-sachspenden.html
Online-Spenden: www.medeor.de/de/spenden-und-helfen/spendenformular.html

Aktion Deutschland hilft: Das Bündnis aus Hilfsorganisationen unterstützt die ukrainische Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Hilfe.
Nothilfe Ukraine: https://www.aktion-deutschland-hilft.de/

Aktionsbündnis Katastrophenhilfe: Zusammenschluss von Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, UNICEF und Diakonie Katastrophenhilfe.
https://www.aktionsbuendnis-katastrophenhilfe.de/

Ärzte ohne Grenzen e.V.: Ärzte bieten unter anderem ambulante Sprechstunden und psychologische Einzelgespräche an.
Unsere Hilfe in der Ukraine: aerzte-ohne-grenzen.de