Alle Artikel von Prof. Dr. med. Carsten Johannes Krones

Chirurg aus Leidenschaft

zur Artikelserie …

Prof. Dr. med. Carsten Krones ist Leiter des Themen-Referats Leitende KrankenhauschirurgInnen” des BDC und Mitglied im erweiterten Vorstand. In unserer Artikelserie erzählt er seine persönliche Geschichte, warum er Chirurg geworden ist – und warum er seither für diesen Beruf brennt.

In meinen frühen Grundschultagen erkrankte meine Mutter schwer. Auch ein wochenlanger Krankenhausaufenthalt meiner Mutter brachte für uns keine befriedigende Klärung. Da gab es also etwas zu lösen, und wenn es kein anderer macht… Und so hatte ich im zarten Alter von acht Jahren meinen Beruf gefunden. „Ich werde Arzt!“, antwortete ich in schönster Regelmäßigkeit – auch nachdem meine Mutter bereits lange genesen war – auf die immer wiederkehrende Tanten-Onkel-Oma-Opa-Nachbar-Frage nach dem späteren Berufswunsch mit leicht überheblichem, aber unbeirrbaren Selbstverständnis, was je nach Zugeneigtheit der fragenden Person wechselnd beeindruckte oder brüskierte.

Meine restliche Kindheit verlief völlig normal, und wurde – wie es einem Vorstadtjungen aus dem Ruhrgebiet geziemt – von regelmäßigen, größeren und kleineren Unfällen unterbrochen, die meinen Vater und mich zu genauso regelmäßigen Besuchen in die Chirurgie des lokalen Krankenhauses führten. Und woran mein Vater sich nie gewöhnen konnte, dass Knochen beim Sturz vom Baum, beim Fußball oder bei der Kollision mit wohlgemerkt stehenden Autos bei Kindern leider brechen und die Haut platzt. Mein Augenmerk als routinierter Stammgast der Unfallambulanz fiel dagegen bald auf anderes.

Während Papa also wieder mal blass auf der Liege neben mir lag –mein Unterarm war gebrochen –wurde ihm in den goldenen 70ern als Kreislaufstütze sogar ernsthaft ein Cognac angeboten, meine Aufmerksamkeit gehörte jedoch mehr und mehr den handelnden Personen. Die vom ärztlichen und pflegerischen Ambulanzpersonal ausgestrahlte, gesunde Mischung aus gelassener Souveränität und stringenter Handlungsbereitschaft beeindruckte mich gepaart mit einer Prise lässigen Draufgängertums tief und vor allem nachhaltig. „Ich werde Chirurg!“, lautete für mich als Spross einer Handwerkerfamilie nicht mehr ganz überraschend nun die Lösung im Familien- und Freundeskreis.

Nach meinem Abitur folgte das Studium und mit fortschreitenden Erfahrungen und Kontakten verfestigte sich das unbedarfte Motto des Adoleszenten zu einem veritablen Ziel. Denn auch die angestrebte Peergroup stimmte, konnten Chirurgen doch beides: Pflicht und Kür, also viel arbeiten und fröhlich feiern. Aus dem Beruf wurde Berufung. Heute, 27 Jahre nach dem Start in einer kleinen Kölner Klinik, nach Stationen in allen Versorgungsstufen, nach dem Überstehen von 27 Ober- und vier Chefärzten, arbeite ich jetzt knapp zehn Jahre als Chefarzt: Ein solider Realitätssinn überstrahlt die juvenile Naivität von einst. Doch geblieben ist die Begeisterung für die Kraft des Faktischen, für den befreienden Charakter der Tat, für die Konsequenz stringenten Handelns, für die Kombination von Härte und Empathie, für die unmittelbare Beteiligung an echter Heilung und für die damit verbundene, tiefe und ganz persönliche Bedeutung im Leben der anvertrauten Patienten. Chirurg zu sein, ist ein ganz wunderbarer Beruf, und die Chirurgie eine ganz wunderbare Berufung. Selbst die mittlerweile fast unzähligen deutschen Gesundheitsreformen konnten diese Faszination nicht brechen. Und so würde ich alles wieder so machen. Übrigens auch Chefarzt werden, doch das ist eine eigene Geschichte.

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BDC-Praxistest: Neuregelung im MDK Verfahren – was muss man wissen, um nicht zu verlieren?

Das MDK Reformgesetz, das zum 01. Januar 2020 in Kraft getreten ist, ändert viele Vorgaben in der Krankenhausabrechnung. Unvorbereitet drohen zum Teil erhebliche Einnahmeverluste. Ziel dieser Übersichtsarbeit ist es deshalb, die unmittelbar für die Erlössituation relevanten Neuerungen darzulegen, beispielhaft zu illustrieren und mögliche Strategien anzubieten, mit denen die Neuregulierung begleitet werden könnte.

Abrechnungsprüfung als Instrument der Rückerstattung

Die Zahl der stationären Behandlungen in Deutschland beträgt ca. 20 Millionen/Jahr. Damit entstanden für die GKV in 2017 Kosten von ca. 75 Milliarden Euro/Jahr. Der GKV-Spitzenverband konnte nach eigenen Angaben über eine MDK-Prüfquote von 17 Prozent im gleichen Jahr eine Rückerstattung von ca. 2,8 Milliarden (ca. 4 Prozent) realisieren. Abrechnungsprüfungen sind für die Kostenträger also zu einem lukrativen und sehr zeitnahen Instrument der Kostenbegrenzung geworden, zumal Rückforderungen auch mit aktuellen Zahlungsforderungen der Krankenhäuser aufgerechnet werden.

Bundesweit fällt ein deutlicher Anstieg der Prüfquoten von zehn bis 17 Prozent in den Jahren 2007 bis 2015 auf über 20 Prozent in 2018 auf. Der GKV Spitzenverband berichtet parallel seit längerem auch in der Presse durchaus mit vorwurfsvoller Intention über einen hohen Anteil falscher Fallabrechnungen, und fordert eine grundsätzliche Verbesserung der Abrechnungsqualität. Das Thema wird aber kontrovers diskutiert. Denn aus Sicht der Krankenhausverbände ist nachgewiesen, dass die weit überwiegende Anzahl aller vom MDK geprüften Rechnungen als korrekt beurteilt wird. Moniert würden überwiegend solche Rechnungen, bei denen die Prüfer tatsächlich erbrachte Leistungen grundsätzlich in Frage stellten, wie etwa bei möglicher ambulanter Behandlung oder früherem Entlassungszeitpunkt. Grund dafür sind bekanntlich häufig fehlende Kapazitäten im ambulanten Bereich. Die diskrepanten Einschätzungen sind aber auch Ausdruck des hochkomplexen deutschen DRG-Systems mit seinen jährlichen Änderungen und Anpassungen und der im Verhältnis dazu vielerorts noch nicht ausreichend professionalisierten Kodier- und Abrechnungsstruktur. Beide Parteien, Krankenhäuser wie Kassen, sind an einer korrekten Abrechnung interessiert, doch viele komplexe Konstellationen stellen in der Abbildung im Kodiersystem eine echte Herausforderung dar, die vielfach konträr ausgelegt werden kann, und dann natürlich auch konträr diskutiert wird.

Die GKV ist bestrebt, ihre Ausgaben zu begrenzen – betriebswirtschaftlich gesehen ein sinnvoller Ansatz. Die Krankenhäuser versuchen ihre Erlöse zu optimieren – auch das ist betriebswirtschaftlich ein sinnvoller Ansatz. Um diesem Disput eine übergeordnete Instanz zu verschaffen, transformiert die aktuelle Reform den ehemaligen Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) in eine eigenständige Körperschaft, den Medizinischen Dienst (MD), der nun unabhängig die postulierte Rate an Fehlabrechnungen begrenzen soll. Klares Ziel der Reform ist die einheitlich und transparent gestaltete Prüfung der Krankenhausabrechnung. Strittige Kodier- und Abrechnungsfragen sollen systematisch vermindert werden. Dazu erhält der MD mit möglichen Strafzahlungen ein Sanktionsinstrument, das er dynamisch, aber nur auf einer Seite einsetzen kann. Maßregelungen der Kostenträger sind nicht vorgesehen, die Strafen für die Krankenhäuser besitzen einen kurzen, eigenen Katalog. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat vor dem hohen finanziellen Anreiz der Leistungskürzung gewarnt, und befürchtet ein bundesweites Defizit für Krankenhäuser um 400 Millionen Euro. Als besonders problematisch wird dabei der mögliche Fokus auf die Prüfung von Verweildauerverstößen beurteilt, die, wie bereits beschrieben, oftmals Folge ambulanter Strukturlücken und zudem aber auch sehr variabel interpretierbar sind.

Gesetzliche Neuerungen ab 01.01.2020

  • Eine nachträgliche Rechnungskorrektur ist nicht mehr erlaubt.

Damit muss anders als bisher im ersten Anlauf eine vollumfänglich sach- und fachgerechte Rechnung eingereicht werden. Die ehemals mögliche Nachreichung abrechnungsrelevanter Fakten und auch die Korrektur von formalen Fehlern entfallen.

Addendum: die Regelung wurde durch die ÜbergangsPrüfVv der Selbstverwaltungspartner bis zum 30.06.2020 außer Kraft gesetzt. Bis zum 30.06.2020 sind Rechnungskorrekturen also noch möglich.

  • Zur Ahndung von Rechnungsfehlern werden Strafzahlungen von 10 Prozent des Rechnungsänderungswerts, mindestens aber 300 Euro eingeführt.

Die Konsequenz dieses auf den ersten Blick wenig dramatisch erscheinenden Punktes wird im Folgenden noch genauer erläutert.

  • Die Prüfquote ist für 2020 auf 12,5 Prozent festgeschrieben. Sie wird für 2021 abhängig von der in 2020 ermittelten Korrekturquote nach einem festen Schlüssel festgesetzt.

Die Prüfquote wird also allein durch die prüfende Instanz festgelegt.

  • Die Prüffrist des MD wird von sechs Wochen auf vier Monate erhöht.

Damit können über einen viel längeren Zeitraum als bisher Fälle mit relevantem Kürzungspotential ermittelt, und dann auch ohne Zeitdruck durch den MD geprüft werden.

  • Die Korrekturquoten werden quartalsweise pro Krankenhaus durch den GKV Spitzenverband veröffentlicht.

Damit soll öffentlicher Druck erzeugt werden.

  • Strukturprüfungen erhalten erstmals eine Rechtsgrundlage.

Die Kliniken müssen alle Komplexbehandlungen, die sie in 2021 erbringen wollen, in 2020 durch den MD prüfen lassen. Die bestandene Strukturprüfung ist Voraussetzung für die Vereinbarung der Leistungserbringung in den anschließenden Budgetverhandlungen.

  • Die Neuregelung des Katalogs ambulanter OP-Leistungen kommt erst 2021.

Korrigierte Abrechnungen

Dieser Punkt ist deshalb so brisant, weil bisher zahlreiche Korrekturen einfach nachgereicht werden konnten. Formale Änderungen wie beispielsweise beim Entlassungsgrund (nach Hause, Verlegung in ein Akutkrankenhaus oder in eine Reha usw.) wurden bisher gar nicht sanktioniert. Allein eine Änderung des Entlassungsgrundes in z. B. „Verlegung“ kann jetzt aber nicht nur die bekannten Verlegungsabschläge nach sich ziehen, sondern bei Korrektur durch den MD dazu auch eine Strafzahlung von mindestens 300 Euro auslösen. Darüber hinaus erhöht sich mit jedem Fehler bei der Berechnung für 2021 die Gesamtfehlerquote, und damit unter Umständen automatisch auch die Prüfquote. Eine eigentlich nur formale Korrektur kann unter den neuen gesetzlichen Vorgaben nun also eine doppelte Bestrafung induzieren.

Im aktuellen deutschen Klinikalltag häuft sich dazu allein aus spezieller Labordiagnostik eine durchaus relevante Menge an nachlaufenden Befunden an. Oftmals ist daran auch die in den meisten Häusern noch nicht ausreichend fortgeschrittene Digitalisierung der Krankenakte beteiligt. Viele Befundsysteme sind nicht miteinander vernetzt. Stattdessen gehen viele Informationen bis heute noch in Papierform ein. Und am Ende der Behandlung muss die Akte dazu noch elektronisch (datensicher) verfilmt werden, um dann zur MD-Prüfung komplett vorzuliegen. Diese Bedingungen können in einem Großversorger pro Jahr leicht 100.000 Euro und mehr an rechnungserhöhender Korrekturen aus medizinisch begründeten Kodieränderungen auslösen.

Die auf den ersten Blick einfachste Lösung wäre mit dem Ziel einer exakteren Prüfungsmöglichkeit eine Verschiebung der Rechnungsstellung nach hinten, was aber in Abhängigkeit der Krankenhausgröße schnell Liquiditätsengpässe erzeugen kann. Das nachhaltigere Ziel muss also ein optimierter Aktenlauf sein. Dazu müssen die Disziplin der medizinischen Leistungserbringer verbessert, Befundungssysteme mit Schnittstellen versehen und Nachläufer vermieden werden. Befriedigend ist dieser Punkt zukünftig nur mit einer echten elektronischen Patientenakte zu erreichen, die faktisch bisher in kaum einer deutschen Klinik etabliert wurde.

Prüfquoten und Strafzahlungen

Die im neuen Gesetz festgelegte Prüfquote von 12,5 Prozent unterschreitet zwar die aktuelle Quote, wird allerdings ab 2021 dynamisiert, und kann damit die alte Rate deutlich übertreffen. Je nach Anzahl der auffälligen Fälle – nochmals: auch formale Fehler können dazuzählen – wird die Prüfquote gesteigert, genauso wie übrigens die Strafzahlungen (vgl. Abbildung 1). Zum jetzigen Zeitpunkt ist für 2020 bei einer Prüfquote von 12,5 Prozent von einer Strafzahlung in Höhe von 10 Prozent des Minderungsbetrages (mindestens 300 Euro) zusätzlich zum Minderungsbetrag auszugehen.

Abb. 1: Dynamisierung der Prüfquote ab 2021

Anteil Prüfung mit Beanstandung

Maximale Prüfquote

Strafzahlung (x % des Minderungsbetrages bis maximal 10 % des Rechnungsbetrages)

<40 %

5 %

0 %

40 % – 59 %

12,5 %

25 %, mindestens 300 Euro

60 % – 80 %

15 %

50 %, mindestens 300 Euro

>80 %

Unbegrenzt

50 %, mindestens 300 Euro + Anzeige Sozialministerium

Die Annahme einer Korrekturquote von ca. 40 % ist für viele Krankenhäuser nicht unrealistisch. Und formale Korrekturen sind dabei noch nicht mal eingeschlossen, so dass die abschließende Quote der dynamisierten Korrekturen vermutlich für manche Krankenhäuser noch höher ausfallen dürfte. Die daraus resultierende zukünftige Prüfquote wird übrigens allein durch den MD definiert, die einzelnen Krankenhäuser haben weder darauf Einfluss noch können sie die korrekte Quotenberechnung überprüfen.

Ob erfolgreiche Klagen gegen eine MD-Entscheidung rückwirkend Einfluss auf die Ermittlung der Prüfquote und die Strafzahlungen nehmen können, bedeutet unzweifelhaft einen langen Instanzenweg und erscheint vielen Juristen zudem wenig erfolgsversprechend. Auch durch eine in Nachhinein widerlegte Fehlentscheidung des MD werden also schwer zu korrigierende Fakten geschaffen. Pointiert formuliert drohen mit der Quotierung ab 2021 auf Krankenhausseite ungerechtfertigte Verluste in sechs- bis siebenstelliger Höhe. Aufgrund dieser gravierenden Auswirkungen der Gesetzesreform muss es prioritäres Ziel der Krankenhäuser sein, jeden Kürzungsansatz zu vermeiden und formale Fehler möglichst komplett zu eliminieren. Dies gelingt in erster Linie durch Schaffung klarer Verantwortungen in Verwaltung und Management und konsequente Schulungen der Behandlungsteams.

Dabei liegt im Zwist mit dem MD der Fokus auch in Zukunft am ehesten auf der Verweildauer. Denn eine Kürzung ist hier deshalb so interessant, da man – kolportiert – im Zweifel doch immer durch „Straffung des Behandlungsverlaufs“, kategorisches Definieren von „ambulantem Potential“ oder ein korrigierendes Umsetzen der Medikation (ex post!) leicht „einen, zwei oder drei Tage zum Streichen finden“ kann, und damit zugleich den Erlös mindert, eine Strafzahlung zur Refinanzierung des Prüfaufwandes generiert und die Prüfquote belastet. Es bedarf keiner großen Analyse, dass die Verweildauer das größte „Gefahrenpotential“ für Kürzungen bietet.

Strategien

Ziel der Bemühungen muss eine straffe Steuerung der Verweildauer sowie eine lückenlose Dokumentation des Behandlungsablaufs sein, um sowohl die stationäre Behandlung an sich als auch die Verweildauer ausreichend zu begründen. Als Krankenhaus lässt sich diesem Problem nur durch Optimierung sowohl der klinikinternen und als auch der fächerübergreifenden Abläufe begegnen.

Kommittent der Führungspersonen

Um ein hohe inhaltliche Überzeugung und ein starkes Engagement im Unternehmen zu erreichen erscheinen interdisziplinäre und berufsgruppenübergreifende Arbeitsgruppen der sinnvollste Ansatz. Die intensive Einbindung der Chefarztebene erleichtert dabei die Durchsetzung der notwendigen Maßnahmen, die dann mit ausreichendem Nachdruck auf die nachgeordneten Arbeitsebenen übertragen werden können. Regelmäßige Treffen der Arbeitsgruppen z. B. im 14-tägigen Rhythmus erleichtern die Bilanzierung der getroffenen Maßnahmen und die notwendigen Anpassungen.

Beispielrechnung

Der folgende fiktive, realitätsnahe Fall illustriert beispielhaft die Auswirkungen einer Verweildauerkürzung.

Diagnose: Bauchdeckenphlegmone mit Abszess nach laparoskopischer IPOM-Versorgung bei inkarzerierter Nabelhernie. Nebendiagnosen: Adipositas Grad III (initial 200 kg bei 184 cm, BMI 58,4 kg/m², bei Entlassung 160 kg), ARDS, Lungenarterienembolien bds., Stauungspneumonie, Septischer Schock, protrahiertes Weaning bei Delir. Therapie: Abszessspaltung mit VAC-Anlage, multiple Debridements und VAC-Wechsel, Tracheotomie, Langzeitintensivaufenthalt, Einleitung einer dauerhaften Antikoagulation. Verlauf: Nach langem Intensivaufenthalt Übernahme auf die Normalstation und spätere Verlegung in eine Reha-Einrichtung. Fallprüfung MD: Verkürzung der Verweildauer auf der Normalstation um sieben Tage.

Dies bedeutet für diesen Fall analog zu den oben genannten Prüfquoten und Strafzahlungen bei einer angenommenen Rechnungssumme von ca. 63.100 Euro:

In 2019 nur Erlösverlust durch gestrichene Tage:

ca. – 9.000 Euro

In 2020 zusätzlich Straf-Aufschlag in Höhe von 10 % des Differenzbetrages:

ca. – 9.900 Euro

In 2021 bei Beanstandungen von <40 % (keine Strafzahlung):

ca. – 9.000 Euro

bei Beanstandungen von 40–59 % (Strafe 25 % der Differenz)

ca. – 11.250 Euro

bei Beanstandungen >60 % (Strafe 50 % der Differenz)

ca. – 13.500 Euro

Maximalstrafe sind 10 Prozent des geminderten Abrechungsbetrags, d. h. bei weiterer Verweildauerkürzung reine Strafzahlung in diesem Fall ca. 5.411 Euro.

Dokumentation

Die konsequente, tägliche Dokumentation des Behandlungsverlaufs sowohl auf ärztlicher als auch auf pflegerischer Ebene ist nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern auch das beste Mittel, um in der Diskussion mit dem MD zu bestehen. Angesichts der bürokratischen Belastung von Krankenhauspersonal ist die Durchsetzung dieses grundsätzlich doch einfachen Prinzips trotzdem traditionell sehr anspruchsvoll. Neben einem Mangel an Zeit bestehen häufig gerade bei jüngeren Mitarbeitern Unsicherheiten, was eigentlich dokumentiert werden soll. Hier böte sich als einfache Hilfestellung z. B. die verpflichtende Einführung von SOAP notes an, die täglich kurz die Beschwerden (Subjective), die Befunde (Objective), die Einschätzung (Assessment) und den Handlungsplan (Plan) skizzieren. Photographien können die Wunddokumentation sinnvoll ergänzen. Eine solche standardisierte Verlaufsbeschreibung erleichtert in Zeiten häufiger Personalwechsel auch die Wahrung der Behandlungskontinuität. Doch auch die medizinisch beste Dokumentation nützt in der MD-Prüfung wenig, wenn nicht klar daraus hervorgeht, dass die stationäre Behandlung indiziert und wirklich jeder Krankenhaustag gerechtfertigt ist. Das bedeutet, dass oftmals medizinisch nachgeordnete Sachverhalte, die primär nicht unbedingt dokumentationswürdig erscheinen, durchaus in der kritischen Durchsicht den entscheidenden Unterschied machen können. Einfache Beispiele aus der Chirurgie wären neben der Qualität von Drainagesekret auch die Menge oder eine Demenz als komplizierender Faktor der Compliance.

Visitenbegleitung

Nachhaltige Lerneffekte bei den dokumentationsverantwortlichen Ärzten und Pflegekräfte lassen sich durch regelmäßige Visitenbegleitungen erreichen. Kodierfachkräfte erkennen Versäumnisse in der Dokumentation direkt, und können dann sofort schulend intervenieren. Die enge Kooperation von Ärzten und Pflege mit dem Kodierwesen mag ethisch bedauerlich sein, erscheint in Hinblick auf eine stringente Dokumentation in heutigen Zeiten aber fast unerlässlich. Das interprofessionelle Verhältnis bleibt aber oft fragil, insbesondere, wenn Ärzte und Pflege sich aus durchaus gutem Grund auf ihren eigentlichen Aufgaben der Linderung und Heilung zurückziehen. Ärzte und Pflege machen primär Medizin, das Management Zahlen und Geld. Hier ist also seitens der Führungsebene eine behutsame Moderation nötig, bei der die Professionen ihre prädominanten Kernkompetenzen behalten, aber gleichzeitig ein Konsens in der Sache demonstrieren müssen. Ein simples Abwälzen der Dokumentation auf Arzt und Pflege wird ohne professionelle Begleitung und zielgerichtetes Steuern nur zu größerer Frustration und Abwehr führen. Das ist dann genauso kontraproduktiv wie die moralinsaure Begleitung jeder verwaltungstechnischen Neuerung durch die leitende Ärzteschaft oder die Pflegedirektion. In der praktischen Umsetzung sollte schließlich Pragmatismus walten. Im Idealfall wird die Dokumentation besser, aber nicht aufwendiger. Die automatisierte, optische Markierung kritischer Fälle im Krankenhausinformationssystem in Nähe zur unteren oder oberen Grenzverweildauer kann nach den Schulungen dann dauerhaft die Aufmerksamkeit erhalten.

Steuerung der Verweildauer

Die Steuerung der Verweildauer ist keine Zielgröße des leitenden Arztes, sondern eine Herausforderung für das gesamte Behandlungs- und Verwaltungsteam. Grundsätzlich und sehr simpel geht es um die Kombination optimaler Behandlungsergebnisse in einer ebenfalls optimalen Verweildauer. Die größte logistische Herausforderung sind dabei Patienten, welche nicht nach Hause entlassen werden können, weil sie entweder zu krank sind oder ambulant nicht versorgt werden können und oder zeitnah keinen geeigneten Versorgungsplatz bekommen. Um die intern beeinflussbaren Faktoren zu identifizieren, bietet sich im ersten Schritt eine Prozessanalyse im eigenen Haus an. Zielparameter sind dabei vordergründig Anmeldungen und Organisationsabläufe bei verschiedenen Verlegungs- oder Entlassungsoptionen, wie z. B. Akutgeriatrie, Geriatrische Reha, Kurzzeitpflege, Dauerpflegeeinrichtung, ambulante Pflege, Hospiz, ambulanter Pflegedienst, betreutes Wohnen etc.). Es empfiehlt sich diese Analyse primär in jeder Fachabteilung separat vorzunehmen, da sich hier sehr oft ein ganz inhomogenes Bild zeigt. Im zweiten Schritt müssen dann die Schnittmengenbereiche identifiziert und betrachtet werden. Das betrifft dann vor allem den Bereich der hausinternen Verlegungen. Dazu zählen aber auch ein zeitnahes Konsilwesen, stringente Diagnostikleistungen (Radiologie, Endoskopie, Funktionen) und das flexible Nachsteuern bei Personalengpässen. Lösungsansätze für das Gesamthaus erarbeitet man interdisziplinär unter Einbezug der Leitungsebene.

Fazit

Die im MDK Reformgesetz beinhaltete Neuregelung der Krankenhausabrechnung stellt die stationären Leistungserbringer ab 2020 vor große Herausforderungen, denen man nur als kooperierendes Kollektiv erfolgreich begegnen kann. Die durch Regress und Strafen zu erwartenden Verluste, die für große Versorger ohne weiteres eine Größenordnung zwischen 500 Tsd bis zu 1 Mio Euro betragen können, werden sich wahrscheinlich nicht komplett ausgleichen lassen. Diese Option würde auch das Gesetz ad absurdum führen, denn es ist zu aller erst ein weiteres Instrument zur Krankenhausschließung. Die wirtschaftliche Situation verschärft sich zusätzlich noch durch die Ausgliederung der Pflege aus der DRG, die Personaluntergrenzen, die Tarifabschlüsse sowie die immer wachsenden Allgemein- und Sachkosten. Eine Fallzahlsteigerung zum Ausgleich der Belastungen ist dabei mittlerweile unrealistisch, da in Deutschaland seit ca. zwei Jahren ein Fallzahlplateau erreicht zu sein scheint. Die Aufgabe ist also bekannt. Kluges, gesetzeskonformes Handeln kann die negativen Effekte der reformierten Abrechnungsprüfung relevant mindern.

Krones CJ: Neuregelung im MDK Verfahren – was muss man wissen, um nicht zu verlieren? Passion Chirurgie. 2020 Juni, 10(6): Artikel 05_01

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Cum statt contra – ein Plädoyer für ein Mehr an Miteinander

Die Ärzteschaft ist zerstritten! Es bekämpfen sich aber heute nicht mehr wie so oft unterschiedliche Fachdisziplinen oder Versorgungsstufen in ihren hegemonialen Ansprüchen, sondern ganze Arztgenerationen in tiefgehenden Systemfragen. Jung gegen Alt, Alt gegen Jung: Während die Einen unter dem Schlagwort „aushalten“ Stabilität, Kompetenztraining und Resilienz fordern, schwelgt der Nachwuchs eher in Teilzeitflexibilität, Babypause und der Schonung eigener Gesundheit. Beides wohlgemerkt für Berufsanfänger im Alter von Mitte bis Ende 20, einer Zeit in der man eigentlich mit Vollgas startet, aber auch mal Fehler macht. Ein tragfähiger Kompromiss erscheint unter solchen Prämissen a prima vista nicht vorstellbar.

Neu ist das nicht. Denn der Generationenstreit in der Ärzteschaft geht mittlerweile in das zweite Jahrzehnt. Zum Startpunkt der fortgesetzten Revolte in der Medizin – dem legendären Ärztestreik aus 2006, der seinen Abdruck sogar auf Wikipedia hinterlassen hat – schlug der jüngeren Generation unter dem Motto „endlich“ noch viel Sympathie aus der ärztlichen Seniorenklasse entgegen. Man kämpfte zu den Zeiten ja auch um Gerechtigkeit in Lohn und Arbeitszeit, und die Zeche dafür sollten ganz andere zahlen. Nur vereinzelt konnte man damals schon die ersten Kassandra-Rufe der Seniorität vernehmen, die in dem Aufstand der Jungen gleichzeitig einen ethisch-moralischen Verfall witterten. Ein kleiner Riss zwischen Jung und Alt tat sich bereits auf, auch wenn wohl niemand erwartet hätte, dass daraus in kurzer Zeit eine Gletscherspalte wird. Doch die vermeintlich unstillbaren Begierden der Generation Y (kann man diesen Begriff noch ertragen?) brachen sich weiter Bahn, während die Bollwerke der alten Babyboomer und Xer fast trotzig Jahr um Jahr verstärkt wurden. Und so stolpern die jungen und die alten Ärzte mittlerweile munter von einer Eskalation in die nächste, um sich scharend ein Heer aus selbsternannten Experten, Beratern und Moderatoren des Wandels, deren herausstechende Eigenschaft die wahlweise profitgierige oder geltungssüchtige Lust am Streit zu sein scheint. Und in der ersten Reihe um den Boxring mit den belfernden Parteien amüsieren sich Politik und Kostenträger über die Selbstzerfleischung, dabei nicht müde werdend, die Streithähne wechselseitig mit Munition zu befeuern. Übertrieben? Nein.

Doch was macht die Kluft zwischen den Generationen so unüberwindbar, was verhärtet die Fronten so sehr, was spaltet die eigentlich natürliche Solidarität in der Berufsgruppe hier tatsächlich? Vielleicht ist es nur das immer wiederkehrende Phänomen des Generationenwechsels, das ohne Zweifel unvermeidbar, aber nicht unüberwindbar ist. Denn Konflikte zwischen den Jungen und den Alten sind wahrscheinlich so alt wie die Menschheitsgeschichte. Während die einen alles ändern wollen, schützen die anderen den Bestand – und beide Seiten beklagen fehlenden Respekt: vor der Würde des Alters wie vor der Kraft der Jugend, vor dem Wert der Tradition wie vor der Wucht der Zukunft. Seit der Erfindung der Schrift ist dieser Streit dokumentiert. Und auch in unserem heutigen Alltag findet sich der Clash of Generations bis in kleinste Details verlässlich wieder. Der Gebrauch von Smartphones ist ein redundantes Beispiel, aber früher wurden ja auch die Bälle von jungen Fußballern viel besser aufgepumpt. Die Diskussion der Generationen ist also nicht nur alt, sondern auch überall und sicher kein Weltuntergang. Aber wie langweilig erscheint es angesichts dieser simplen historischen Betrachtung auch aktuell in diesen Rollenmustern zu verharren? Welche intellektuelle Verschwendung bedeutet das Mantra der ewig gleichen, mittlerweile verhärteten Positionen? Wie können wir so hartnäckig negieren, dass jede Lösung immer im Kompromiss liegt? Machen wir uns doch nicht vor aller Welt lächerlich.

Grundsätzlich sitzen alle Ärzte im gleichen Boot, wir rudern nur alle anders. Diese geschundene Metapher ist so abgeschmackt wie zutreffend. Denn je einfacher die erste gemeinsame Grundannahme gewählt wird, umso leichter fällt der Start. Der nächste Schritt aus diesem Kreiselkurs wäre die gegenseitige Akzeptanz. Es gibt beide – Jung und Alt – und wir können beide ohne den anderen nicht. Das muss man ja nicht gut finden, doch wir müssen ja auch nicht heiraten. Nur scheiden lassen können wir uns auch nicht. Schon die gegenseitige Akzeptanz der puren Existenz führt zu mehr Respekt. Und jede Generation wählt auf der Basis des sich ständig verändernden Lebensumfelds neue Prämissen – nur so ist gesellschaftlicher Wandel möglich. Ist das per se falsch? Nein. Ist das per se richtig? Auch nein. Erstmal ist es nur anders. Danach könnte ein tiefer gehender Blick auf die unterschiedlichen Motive weiterhelfen. Beide Parteien stehen unter hohem gesellschaftlichen Druck, und zwar in ihren sozialen Gruppen oder neudeutsch Peergroups. Die Umgebung der jungen Ärzten erwartet ein hohes Maß an Selbstbestimmung und zwar vor allem im privaten Sektor, während die Peergroup der Älteren Strukturtreue in der Profession zum hohen Maßstab erhebt. Merke: das hat primär auf beiden Seiten zunächst mal nichts mit beruflicher Leistungsbereitschaft zu tun! Und was ist denn daran falsch, sich eng um seine Familie zu kümmern, eine aktive Freizeitgestaltung zu betreiben oder verlässliche Arbeits- und Weiterbildungszeiten zu suchen. Zunächst genau so wenig wie an einer resilienten Haltung zur Arbeitslast, ökonomischem Verantwortungsbewusstsein und gesellschaftlicher Opferbereitschaft. Nur bei verhärteten Diskussionsfronten erscheinen diese Ziele divergent, nämlich genau dann, wenn sie zum Dogma erhoben werden. Denn unter dem Leitspruch „allein so geht’s“ entwickeln sich nur diskursive Filterblasen (im strengen Sinn eigentlich per se ein Oxymoron), die sich wesenstreu intern bestätigen und den Konflikt so weiter triggern. Die Jungen tagen mit den Jungen, die Alten mit den Alten, und beide verabschieden in schöner Regelmäßigkeit das nächste Pamphlet, welches nach der Übergabe vice versa direkt im gedanklichen Schredder landet. In diesem fortgeschrittenen Stadium erzeugen abweichende Sprachmuster ein fortgesetztes, fundamentales Unverständnis – Leistung ist dann nicht mehr gleich Leistung und Freizeit nicht mehr gleich Freizeit. Und eh man sich versieht verbleibt nur noch eine vorwurfsvolle Emotionalisierung. Leistung und Freizeit mutieren von Werten zu Schimpfworten. Das ist das Ende der echten Diskussion. Ehepaare stehen jetzt übrigens kurz vor der Trennung.

Und genau da stehen wir jetzt auch. Im Kampf der flitternden Revolution mit dem verkniffenen Establishment stellen das Projekt „­KomMedment“ sowie ein ­Aufruf junger Ärzte solche Kampfschriften dar. Inhaltlich durchaus nicht falsch und akademisch wohl formuliert bieten sie beide keine Grundlage für eine realitätsnahe Diskussion, sondern erheben den eigenen Standpunkt zur dogmatischen These. Verständnis für die andere Position wird so nicht signalisiert, für die eigene aber auch nicht erreicht. Die Leserbriefe im Deutschen Ärzteblatt als Reaktion auf die Erlanger These aber auch die freien Kommentare in einer BDC-Umfrage unter leitenden Ärzten zu Neueinstellungen in der Chirurgie sprechen hier Bände. Man mag sich nicht mehr, oder plumper: Man hat die Schnauze voll.

Im Sinne aller ist es Zeit für eine deutliche Kurskorrektur. Fangen wir an, uns gegenseitig wieder zu respektieren. Keine Partei hat Unrecht. Denn die alten Ärzte sind die Stammspieler der Gegenwart, doch die jungen Ärzte stellen die Helden der Zukunft. Die einen lenken das System, und die anderen werden es lenken. Hören wir auf idealistische Positionen zu proklamieren, die vor Realitätsferne nur so strotzen. Die ständig neuen Forderungen des Marburger Bunds sind ohne zusätzliche Finanzierung im Alltag nicht durchsetzbar, sondern erhöhen im schlechtesten Fall nur den Druck auf die leitenden Krankenhausärzte. Da wird doch wohl der zweite vor dem ersten Schritt gemacht. Das ist genauso falsch, wie der Aufruf zu alter Stärke, der unter dem Motto „früher war alles besser“ die sinnvolle Modernisierung ärztlicher Arbeit boykottiert. So macht man gar keinen Schritt. Gehen wir, aber gehen wir zusammen. Lasst uns Kontroversen führen, aber dabei immer den Kompromiss suchen. Meiden wir auf beiden Seiten die falschen Propheten und Claqueure, die uns Ärzte oft nur für ihren Eigennutz begleiten. Kein Politiker, Krankenhausvorstand, Gewerkschaftler oder Klinikleiter wird neue Bestimmungen oder Vorschriften in heilbringende Arbeit umsetzen. Das können wir nur selbst. Befreien wir uns doch wieder ein kleines Stück von der Fremdbestimmung, die uns eigentlich doch alle quält. Der Arztberuf war mal frei! Lösen wir die Filterblasen auf – wir müssen uns gegenseitig zuhören, und nicht in den eigenen Zirkeln im Lamento versinken.

Jung und Alt gehören zur Reform an den gleichen Tisch. Erinnern wir uns an unsere gemeinsamen Ziele – wir sind alle Ärzte, denn nur so gewinnen wir unsere interne Solidarität zurück. Echte Gegner wie die überbordende Bürokratie, effektheischende Politpropaganda, patientenferne Sparprogramme, selbstgenügende Pseudo-Innovationen oder unangemessene Erwartungshaltungen gibt es genug, wir müssen uns nicht selbst bekämpfen. Wir sitzen wirklich alle im gleichen Boot, also sollten wir unsere Tempi und Rhythmen aneinander angleichen. Beide!

Krones CJ: Cum statt contra – ein Plädoyer für ein mehr an Miteinander. Passion Chirurgie. 2020 Mai, 10(05): Artikel 09.

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Das Referat für „Leitende Krankenhauschirurgen“ stellt sich vor

Das Spektrum an Aufgaben, denen sich leitende Chirurgen im Krankenhaus stellen müssen, hat sich in den letzten 20 Jahren extrem diversifiziert. Aus Operateuren wurden Leistungserbringer. Die größte außerfachliche Belastung für leitende Ärzte stellt unzweifelhaft der wirtschaftliche Druck, der politisch durchaus gewollt in die ehemals ökonomiearme Zone der stationären Medizin eingebrochen ist. Durch die Merkantilisierung der Gesundheit haben sich die Machtverhältnisse im Krankenhaus in den letzten Jahren deutlich verändert – weg von den Ärzten, hin zur Geschäftsführung. Aus Verwaltung wurde strategische Führung, aus Lebensrettung eine messbare Leistung. Dieser Prozess ist schmerzhaft und so stehen sich die führenden Protagonisten in der Regel wie Antipoden gegenüber. Medizin und Ökonomie erscheinen unvereinbar. Dabei ist der Schmerz auf beiden Seiten spürbar. Geschäftsführung wie klinische Leitung stehen jeweils unter einem hohen Druck. Die gesellschaftlichen Vorgaben – ewige Gesundheit für jeden, bei niedrigen Kosten für alle – sind einhelliger Wunsch. So divergent die Ziele auch auf den zweiten Blick imponieren, um so unabänderlicher erscheint ihr Wert in der öffentlichen Diskussion. Und auch die Vertreter der beiden streitenden Parteien – Ärzte und Wirtschaftler – rücken nur selten von ihren Positionen ab. Lieber tauscht man sich in der eigenen Filterblase aus, als über den Tellerrand zu blicken. Divergente Sprachmuster – verstehen wir unter Gesundheit wirklich das Gleiche? – sind längst etabliert. Sie unterstützen Abschottung und Missverständnis. Eine überwiegend vorwurfsvolle Emotionalisierung tritt an die Stelle echten Austauschs.

Das Referat Leitende Krankenhauschirurgen möchte diese Blockade zum Wohle aller aufbrechen. Unsere Arbeit soll in den nächsten Jahren dafür werben, die gesellschaftlichen Vorgaben der jeweiligen Gegenseite zu verstehen und – noch wichtiger – zu akzeptieren. Mit Verständnis für Zielvorgaben und Druck ließe sich eine wichtige De-Emotionalisierung erreichen. Nur so gleicht man Sprachmuster an um in konstruktiven Gesprächen Schnittmengen zu definieren über die man gemeinsame Lösungen erreichen kann. Eine der wichtigsten Aufgaben des Referats wird sein, die Filterblasen der beiden verfeindeten Parteien aufzulösen und stattdessen breite Kontaktflächen zum gegenseitigen Austausch zu etablieren. Lösung statt Lamento lautet der Slogan unserer Arbeit – wir laden Sie ein, uns zu unterstützen.

Krones C, Hennes N: Das Referat für „Leitende Krankenhauschirurgen“ stellt sich vor. Passion Chirurgie. 2019 Januar, 9(01): Artikel 07_02.

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Editorial: Die Schilddrüse – kleines Organ mit großer Wirkung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die humane Schilddrüsenchirurgie hat eine sehr lange Entwicklungszeit hinter sich. Zwar finden sich erste Beschreibungen des Organs, das damals noch als Cele oder Cyste angesehen wurde, schon im Altertum. Doch die nachfolgenden Epochen waren über viele Jahrhunderte von dumpfer Mystik und profunder Unkenntnis gekennzeichnet. Und so galten noch im ausgehenden 19. Jahrhundert operative Eingriffe am Kropf als höchst gefährliche Spektakel mit oft letalem Ausgang, die nur bei „dringendsten Respirationsbeschwerden“ durchzuführen seien (Ch. Langenbeck). Neben tödlichen Blutungen waren Krämpfe, Lähmungen und der Stimmverlust die gefürchtetsten Komplikationen. Und die wenigen „armen Teufel“, die einen Eingriff an der Schilddrüse tatsächlich überlebten, fielen danach häufig der „Cachexia strumipriva“ anheim. Erst mit der Entwicklung der Antisepsis, der Verfeinerung der Blutstillungstechniken und dem vertieften physiologischen Verständnis der Organfunktion entstanden Grundlagen für eine akzeptable Schilddrüsenchirurgie. Die alten Heroen unserer Zunft Langenbeck, Kocher und Mikulicz gelten hier noch immer als wichtige Wegbereiter.

Nachdem die Verbesserungen in der chirurgischen Technik und der peri- und postoperativen Versorgung wie in vielen anderen Bereichen auch an der Schilddrüse fast zwangsläufig zu einer Ausweitung der operativen Technik geführt hatten, ist der Trend seit einigen Jahren umgekehrt. „Less is more“ könnte damit das klassische Schlagwort der modernen Schilddrüsenchirurgie sein. Und auch wenn die Zahl an Schilddrüsenresektionen in Deutschland im Verhältnis zum vergleichbaren Ausland immer noch deutlich höher liegt: die Leitlinien werden klarer, die Indikationen gestrafft und die Qualitätsanforderungen deutlich angehoben. In diesen bewegten Zeiten ist es umso wichtiger, weiterhin den Überblick zu behalten, die richtigen Trends zu erkennen und sich anzupassen.

Schilddüsenchirurgie ist ein „Hot Topic“. Deshalb widmen wir die Sommer-Ausgabe der Passion Chirurgie diesem wichtigen kleinen Organ. Die Autoren sind von ausgewählter Expertise – die Beiträge sollen Ihnen Update und Anregung zugleich sein.

Wir wünschen eine erhellende Lektüre.
Carsten Joh. Krones

Krones CJ: Die Schilddrüse – kleines Organ mit großer Wirkung. Passion Chirurgie. 2018 August; 8(08): Artikel 01.

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Editorial: Chirurgie in der Basisversorgung – Krise oder Renaissance?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das deutsche Gesundheitswesen unterliegt seit Jahrzehnten erheblichen Reformbemühungen. Doch lange nicht jede Neuerung hat sich als echter Fortschritt entpuppt – so sehr sie bei der Einführung auch gepriesen wurde. Vielfach wird mehr Porzellan zerbrochen als gebrannt werden kann und manche Reform war schon der Startschuss für die nächste. Trotzdem ist der Eifer der Protagonisten, das System voranzutreiben, ungebrochen. Ein fehlender Konsens in der Gesamtausrichtung, zu viele Partikularinteressen, zu enge politische Prinzipien und eine unverändert schwache Datenlage im Versorgungsbedarf treiben Ärzteschaft und Pflege vor sich her und lassen oft eine klare Linie vermissen.

Bei allen Reformen gibt es für Ärzte aber auch eine zentrale Gemeinsamkeit: Danach steigt von irgendwoher wieder der Druck. Vor allem die Basisversorger können unter diesen Bedingungen leicht ins Schleudern geraten. Obwohl die Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung im Verhältnis zu ihrer Bettenzahl nach den Zahlen des Bundesamts für Statistik einen überproportional hohen Anteil an der Flächenversorgung und der ärztlichen Ausbildung tragen, nimmt auf sie kaum jemand Rücksicht. Zu klein, zu wenig Renommee und ohne den Nimbus der schweren und seltenen Fälle fehlt hier oft die Lobby.

Umso wichtiger ist es, die Kollegen, die in diesem Segment sehr wertvolle Arbeit leisten, gegen die Gefahren des Alltags zu wappnen. Dazu muss man nicht alles neu erfinden: „to learn from the best“ ist ein viel einfacheres Prinzip. Und so sind wir den Chefarztkollegen Prof. Dr. med. Staib und Prof. Dr. med. Markus für ihre wertvollen Beiträge zur angemessenen Berechnung von Personalzahlen und dem Handeln in neu entstandenen Klinikverbünden außerordentlich dankbar. Die Autoren berichten direkt aus ihrer Praxis. Hier lassen sich viele hilfreiche Hinweise ableiten.

Manchmal fruchtet dann trotz aller Tipps und Lernfortschritte nichts. Eine Trennung und Neuorientierung ist für leitende Ärzte dann unumgänglich. Um selbst nicht wie der sprichwörtliche „Ochs vorm Berge“ zu stehen, wird das Heft durch professionelle Handlungsanweisungen für gekündigte Chefärzte ergänzt. Dr. Baur ist seit Jahren als Rechtsanwalt im Medizinrecht spezialisiert. Seine Erfolge wurden mehrfach durch Auszeichnungen ärztlicher Standesvertretungen gewürdigt. Auch er ist ein echter Experte.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre dieser Ausgabe und hoffe, dass die Beiträge Sie im Tagesgeschäft stärken. Wir sitzen alle im selben Boot – am schnellsten rudern wir zusammen.

Mit herzlichen Grüßen

Carsten Joh. Krones

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PD Dr. med. Carsten J. Krones

Chefarzt

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Marienhospital Aachen

Zeise 4, 52066 Aachen

[email protected]

Krones C. J. Editorial: Chirurgie in der Basisversorgung – Krise oder Renaissance? Passion Chirurgie. 2016 April; 6(04): Artikel 01.

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Bundeskongress Chirurgie 2016 – „Gemeinsam stark“

26. bis 28. Februar 2016 in Nürnberg

Die chirurgischen Berufsverbände laden im Februar 2016 zum nächsten Bundeskongress Chirurgie in das Convention Center nach Nürnberg. Über drei Tage wird die Frankenmetropole dann wieder zur Informations- und Austauschbörse für deutschsprachige Chirurgen aller Couleur. Kolleginnen und Kollegen aus Praxen, Kliniken, Operationszentren, Tageskliniken- und Versorgungszentren treffen sich zu fachlicher Fortbildung und berufspolitischem Gespräch. Damit hat sich der Bundeskongress zu einem alle Sektoren umfassenden und grenzübergreifenden chirurgischen Forum entwickelt, das in Deutschland einzigartig ist. Zu dem sehr interessanten und spannenden Programm werden auch in diesem Jahr ca. 1.500 Teilnehmer erwartet.

Das fachliche Programm des Kongresses kann unter das Thema „Was gibt es Neues?“ gestellt werden. Allein acht Sitzungen fungieren unter diesem Motto und bieten den Teilnehmern damit ein verlässliches Update über die aktuellen Entwicklungen der Fachbereiche Viszeral-, Kinder-, MKG-, Gefäß-, Unfall- und Neurochirurgie des vergangenen Jahres. Traumatologisch steht 2016 über 1,5 Tage besonders die obere Extremität im Fokus. Mit der Hernien- und der Varizenchirurgie sowie der Koloproktologie bleiben echte Klassiker fester Bestandteil des Programms. Tipps und Tricks aus der Praxis, das BAO-Symposium zum Ambulanten Operieren und eine Bundeswehr-Sitzung zur Chirurgie in Extremsituationen runden das Meeting mit interessanten Spezialangeboten ab.

Der politische Teil stellt natürlich das Versorgungsstärkungsgesetz in den Mittelpunkt. Das heftig diskutierte und kontrovers beurteilte Gesetz und seine Auswirkungen werden sicher polarisieren. Weitere wichtige Themen der Zeit bilden das neue Anti-Korruptionsgesetz sowie die immer noch heftig diskutierte sektorenübergreifende Versorgung.

Da die medizinische Tätigkeit heutzutage von politischen und ökonomischen Bereichen gar nicht mehr scharf zu trennen ist, findet sich dieser Dreiklang auch im Kongressprogramm wieder. Sitzungen aus der Koloproktologie, dem Wundmanagement und der Hernienchirurgie versuchen hier die notwendige Balance zwischen Qualität und Wirtschaftlichkeit wieder herzustellen.

Die Bedrohung der ärztlichen Tätigkeit durch die konsequente Ökonomisierung lässt sich dadurch natürlich nicht aufhalten oder gar umkehren. Zu viele „Player“ im Gesundheitssystem suchen allein nach eigenen finanziellen Vorteilen und schrecken dabei auch nicht davor zurück, diese kleingeistige Klientelpolitik öffentlich mit übergeordneten Zielen von vermeintlicher Ressourcenschonung oder pseudo-wissenschaftlicher Dateninterpretation zu verbrämen. Arzt und Patient – das Kernstück jeder medizinischen Handlung – kommen dabei immer mehr unter die Räder. Umso wichtiger erscheint unter dieser politischen Herausforderung der Zusammenhalt aller Chirurgen jeder Versorgungsstufe und Organisationsform. „Gemeinsam stark“ lautet deshalb auch in diesem Jahr das Suffix des Bundeskongress Chirurgie, und das ist wirklich so gemeint.

Um dieser Gemeinschaft auch generationsübergreifend Ausdruck zu verleihen, findet auch 2016 in Kooperation mit dem Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) der Nachwuchs-Kongress „Staatsexamen & Karriere“ seinen Platz im Portfolio des Bundeskongress. Zwei Tage trainieren die angehenden Kolleginnen und Kollegen mit ausgewählten Dozentinnen und Dozenten für ihre letzte mündlich-praktische Prüfung. Der extrem beliebte und immer ausgebuchte Kongress zieht jedes Jahr über 200 Teilnehmer nach Franken. Wer die Operateure von morgen kennenlernen möchte, findet sie in der zweiten Etage. Hier findet echte Nachwuchsarbeit statt. Die neue Sitzung „Students for Students“ rundet das umfassende Programm für die Newcomer ab. Man kann auf die Anregungen und Vorschläge der „Generation Y“ sicher gespannt sein.

Die vielseitigen Anforderungen eines modernen Gesundheitssystems lassen sich nur polyphon beantworten. Erst im Chor erreicht das System eine Vielstimmigkeit, die den anspruchsvollen Aufgaben in einer modernen, gleichzeitig sozialen und freiheitlichen Gesellschaft gerecht wird. Wir Chirurgen sollten dabei aber nur mit einer Stimme erklingen – sonst finden wir in der komplexen Aufführung kein Gehör. Die notwendigen Absprachen mit den anderen Stimmlagen erreichen wir danach aber nur im Gespräch. Dialog und Einigung sollten deshalb die Schlagworte der Zukunft sein – Beschwerde und Lamento sind dagegen überholt. Der Bundeskongress Chirurgie ist unser Forum des Austauschs und der Einigung – die eine Stimme ist unsere Stärke im Dialog mit Politik und Kostenträgern.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, kommen Sie nach Nürnberg, zeigen Sie Präsenz und werden Sie Teil dieser Gemeinschaft, die bereit ist, die gemeinsame Sache in den Mittelpunkt des Handelns zu setzen, Lösungen zu finden und persönliche Eitelkeiten und Bequemlichkeiten außen vor zu lassen.

Bundeskongress Chirurgie 2016 – Nehmen Sie teil. Wir freuen uns auf Sie!

 Bundeskongress Chirurgie 2016

OEBPS/images/pdf_icon.png Anmeldeformular Anmeldeformular.pdf

OEBPS/images/pdf_icon.png Programm BCH_Programm_2016.pdf

OEBPS/images/BCH_Anzeige_185x112mm-quer_ENDVERSION.png

Krones C. J. / Kalbe P. Bundeskongress Chirurgie 2016 – „Gemeinsam stark“. Passion Chirurgie. 2015 Dezember, 5(12): Artikel 03_01.

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Rezension: Leistungsbalance für Leitende Ärzte

Selbstmanagement, Stress-Kontrolle, Resilienz im Krankenhaus

Die Übernahme einer leitenden Position stellt für viele Ärzte das große Endziel ihrer Karriere dar. Nicht selten werden zu diesem Zweck Jahrzehnte in die medizinische Ausbildung investiert. Doch obwohl Chefärztinnen und Chefärzte schon mit dem ersten Tag ihrer Amtsübernahme mit ganz neuartigen Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert werden, gehört eine professionelle Vorbereitung auf die fachfremdem Führungsaufgaben nicht zum Standardtraining der Aspiranten. Durch die enorme Spreizung des Arbeitsfelds und die drastische Arbeitszeitverdichtung kommt die Leistungsbalance für leitende Ärzte bei diesen Starterlücken schnell in Gefahr. Leitungspositionen können an die eigenen Grenzen treiben und so ist der Markt an Ratgebern dichtgedrängt. Doch Vieles verliert sich zwischen eloquenten Plattitüden und abgehalfterter Industrie-Rhetorik.

Der Ratgeber „Leistungsbalance für Leitende Ärzte“ aus dem Springer Verlag hebt sich hier erfreulich ab. Die komfortablen 100 Seiten kombinieren grundsätzliche Zusammenhänge mit praktischen Ratschlägen. Der Stil bleibt dabei trotz des neuro-psychologisch dominierten Themas jederzeit gut lesbar. Realistische Fallbeispiele illustrieren typische Fehlentwicklungen und Alltagsfallen. Im direkten Anschluss bieten die Autoren dann eine ganze Lösungspalette, die so einerseits pauschale Handlungsempfehlungen angenehm vermeidet und den Leser andererseits auch nicht in seinen Möglichkeiten ertrinken lässt. Die Einleitung sensibilisiert für das Thema: Selbst die befähigsten Chefärztinnen und –ärzte dürfen ihre Ressourcen nicht restlos verbrauchen. Kapitel 2 lenkt den Blickwinkel zurück auf die eigene Kernkompetenz. Leitende Ärzte sind Leistungsträger, ohne die die Organisationsform Klinik gar nicht existieren würde – eine sehr wertvolle Kehrtwende in Zeiten der MBA-Inflation. Kapitel 3 übt auf dieser Basis die Positionierung in der eigenen Klinik, und zwar in der Balance zwischen Leistungskraft, Arbeitsstil und Gesundheit. Das übliche Gerangel mit den Chefarztkollegen oder die verständnislosen Hahnenkämpfe mit der Verwaltung werden dabei erfreulich umschifft. Strategie statt Streit ist die Devise. Kapitel 4 versucht Plan ins Dunkel unserer Pläne und Handlungen zu bringen – ein neurobiologischer Exkurs in Formen des stabilen Selbstmanagements. Kapitel 5 hängt schließlich einen Potpourri an psychosozialen Austestungen an, die im Eigenversuch zur Selbsterkenntnis führen. Alles endet danach in Entspannung.

Das Buch bietet so eine Reise durch ein nur vermeintlich bekanntes Terrain, dessen Ecken wir im Arbeitsstress regelmäßig übersehen oder übersehen wollen. Der schonende oder besser kluge Umgang mit den eigenen Ressourcen ist das Thema der Medizin – nur den wichtigsten Akteuren wird er offensichtlich nicht zugestanden. Jeder Regionalligaspieler wird auf diesem Feld professioneller geführt. Da haben wir durchaus Nachholbedarf. Und zwar bevor der „burn out“ vor der Tür steht. So gesehen ist das Buch eigentlich ein Muss für alle, die von ihrem Chefarztsessel bis zum Ende aufstehen wollen, statt heraus zu fallen.

Leistungsbalance für Leitende Ärzte
Hollmann, Jens, Geissler, Angela
2013, XII, 103 S. 21 Abb., Springer
ISBN-13 978-3-642-29333-7 EUR [D] 44,95

Krones C. Rezension: Leistungsbalance für Leitende Ärzte. Passion Chirurgie. 2013 Dezember; 3(12): Artikel 03_05.

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Nachwuchskongress „Hammerexamen & Karriere“ – Eine erfolgreiche Veranstaltung für den Nachwuchs

„Pimp your studies!“ war das Motto des diesjährigen Nachwuchskongresses „Hammerexamen & Karriere“ der am 23. und 24.03.2012 im Langenbeck-Virchow-Haus zu Berlin veranstaltet wurde. Auf dem Kongress drehte sich alles um die Vorbereitung der angehenden Kolleginnen und Kollegen auf das große und gefürchtete Hammer-Examen. Erstmalig wurde das Programm dabei in Kooperation mit dem Berufsverband der Deutschen Internisten um das zweite große Hauptfach, die Innere Medizin erweitert. Zusätzlich lockerten Trainingsplätze für praktische Übungen und eine Karrieremesse unseres Kooperationspartners, dem Deutschen Ärzteverlag, die Gesamtveranstaltung auf.

Nach Eröffnung durch Herrn Professor Dr. Bruch, Präsident des BDC, und Herrn Professor Dr. Wesiack, Präsident des BDI, richteten sich die nächsten zwei Tage ganz praxisnah auf den mündlichen Teil des Hammerexamens aus. Die erste Sitzung konzentrierte sich dabei auf Vorbereitung, Strategie und Präsentation. Hier wurden Prüfungs-Soft-Skills gelehrt, die von internistischer Seite dann um Grundtechniken bei der Anamneseerhebung ergänzt wurden. Nach kurzer Pause ging es dann in die Untersuchungstechniken. In einer Kombination von Videositzung und ‚Front Lecture’ wurden die wichtigsten Untersuchungstechniken der organübergreifenden Körperregion nochmals repetiert. Hier wurde ein großer Fokus auf die richtige Reihenfolge und Wertung der einzelnen Untersuchungstechniken gelegt. Die Nachmittags-Session des ersten Tages drehte sich dann in zwei großen Sitzungen um internistische und chirurgische Grundlagen. Dabei ging es um Interpretation von Labor- und Urinbefunden, Untersuchungsergebnisse von Lunge, Herz oder Gefäßen, sowie Ganzbilder von Magen- und Darmtrakt. Erneut lag der Fokus dabei auf der Medizin des Häufigen. Die chirurgischen Grundlagen umfassten im direkten Nachgang die Wundbeurteilung, onkologische Therapiekonzepte, Verletzung und postoperative Verläufe. Hier war Prüfungsnähe gefragt. Nach anfänglichem Zögern hatte sich das Auditorium am Nachmittag dann auch auf eine strikte Kommunikation mit den Referenten eingelassen. Dies erleichterte natürlich den Einstieg in die Cocktail-Party, die schon fast traditionell im Reingold stattfand. In bewährt entspannter Atmosphäre kam es bei Lounge-Musik und Cocktails zu einem ertragreichen Austausch.

© Jonas Dittmar

Der zweite Tag des Kongresses beschäftigte sich nur noch mit Fallpräsentationen, die alltagsnah Prüfungssituationen simulierten. Der Wechsel zwischen Innerer Medizin und Chirurgie wurde durch Einzelpräsentationen ergänzt, in denen die Krankheitsbilder in beiden Fächern im direkten Wechsel dargestellt wurden. Hier entwickelte sich eine rege Diskussion mit den Teilnehmern, die sich immer besser auf den Dialog mit den Referenten einließen.

350 Teilnehmer bestätigten schon vor Beginn des Kongresses den Erfolg des Konzepts. Alle Teilnehmer und Referenten wurden vom Verlauf sicher nicht enttäuscht. Die Veranstaltung verlief in bester Atmosphäre. Beide Seiten hatten sichtlich Spaß am neuartigen Konzept und so verließ auch kaum ein Teilnehmer den Vortragssaal vor dem endgültigen Ende der Veranstaltung.

Die Mittagspausen (Abb. 1) wurden an beiden Tagen zu einer berufspolitischen Lunchsitzung genutzt. Auch diese verliefen sehr erfolgreich. Während am Freitag Karrierewege in der Inneren Medizin skizziert wurden, kümmerte sich der Samstag ganz um die operativen Fächer. Auch diese Sitzungen wurden stark besucht. Die zum Teil kontroversen Diskussionen unterstrichen nochmals, dass die angehenden Kollegen sich sehr für die berufstechnischen Aspekte ihres späteren Lebens interessieren.

© Jonas Dittmar

Die Trainingsarea war außerhalb der Vorlesungen stark frequentiert und praktisch im Dauerbetrieb. In den Pausen wurde auch das Angebot der Karrieremesse ausgiebigst genutzt. In Kombination mit dem jugendlich abgestimmten Catering strahlte das Langenbeck-Virchow-Haus über diese Zeit eine lebendige und zuversichtliche, geradezu fröhliche Stimmung aus. Auch auf Seiten der Ausstellung verlief der Kongress zur vollsten Zufriedenheit.

Der große Erfolg der Veranstaltung verlangt geradezu nach einer Wiederholung. „Pimp your studies“ wird es auch in 2013 wieder geben. Der BDI hat sich als stabiler Partner etabliert. Wir sind froh mit Herrn Dr. Denkinger einen konstruktiven, gleichgesinnten, starken Partner auf Seiten der Internisten gefunden zu haben.

© Jonas Dittmar

Großer Dank gebührt aber auch der Geschäftsstelle des BDC. Hier wurde große und sehr erfolgreiche Arbeit geleistet. Wir sind froh auf die organisatorische Denkfabrik des BDC zurückgreifen zu dürfen. Nur durch die Unterstützung der Geschäftsstelle war uns die Realisierung unseres Konzepts möglich.

Wir sind sicher, dass diese fruchtbare Zusammenarbeit auch in Zukunft große Erträge schaffen wird. In diesem Sinne freuen wir uns schon auf den März 2013.

Mehr Infos

Krones C. J. / Schröder W. Nachwuchskongress „Hammerexamen & Karriere“. Passion Chirurgie. 2012 April; 2(04): Artikel 03_01.

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Schnittpunkt Chirurgie – Rückblick zum Nachwuchskongress

„Schnittpunkt Chirurgie“ war der Titel des ersten Nachwuchskongresses von BDC und BVOU, der vom 18.-19.03.2011 im Langenbeck-Virchow-Haus zu Berlin veranstaltet wurde. Beim Start-up dieser neuen Veranstaltungsreihe fokussierten die Veranstalter unter der Kongressleitung von Professor Dr. Hartmut Siebert (DGOU), Professor Dr. Wolfgang Schröder (BDC) und PD Dr. Carsten J. Krones (BDC) ganz bewusst auf den sehr jungen Nachwuchs der Studierenden. Und so drehten sich die über 30 Fachthemen in den 6 Hauptsitzungen unter dem Motto „Keine Angst vor dem Hammerexamen“ ganz praxisnah um die Examensvorbereitung der direkt vor dem Abschluss des Studiums stehenden, angehenden Kollegen.

In engagierter Kooperation zahlreicher Berufsverbände – BDC und BVOU – und Fachgesellschaften – DGCH, DGAV, DGG, DGOU, DGT, DGTHG, DGPRÄC und DGKCH – gelang dabei nach der Eröffnung durch Wolfgang Schröder erneut eine junge und lebendige Veranstaltung auf höchstem fachlichem Niveau. 32 Referenten und über 100 Teilnehmer bestätigten das Konzept und waren Ausdruck des Erfolgs.

Alle Referenten konzentrierten sich in Ihren Bereichen auf prüfungsrelevanten Stoff. Der ganzheitliche Anspruch der Veranstaltung drückte sich aber auch in der Startsitzung aus, die sich um Prüfungsstrategie, Untersuchungstechniken und Befunddokumentation kümmerte. PD Dr. Olaf Guckelberger (Berlin) leitete den Auftakt versiert und mit bekanntem Esprit.

Die zweite Sitzung bot „Grundlagen, ohne die es nicht geht“. PD Dr. Peter Strohm (Freiburg) führte das wache Auditorium mit den Referenten sicher durch die Themen Diagnostik, Wundheilung, Unfall/Verletzung, Chirurgische Onkologie, perioperatives Management und Arthrose/Arthritis.

Damit war die solide Basis für eine anderthalbtägige, fallbezogene Reise durch die chirurgischen Themen des Hammerexamens gelegt. Nach dem Mittagsbreak arbeiteten sich die Vortragenden und ihre Zuhörerschaft deshalb dann durch die gängigen, prüfungsrelevanten Krankheitsbilder.

Die Sitzung der Allgemeinchirurgie behandelte unter charismatischer Leitung von Professor Dr. Karl-Heinz Vestweber (Leverkusen) mit Appendicitis, Leistenhernie, Hämorrhoiden, Pneumothorax, Divertikulitis und Cholecystolthiasis eindeutig die Chirurgie des Häufigen. Die Top-Hits der Viszeral- und Thoraxchirurgie folgte mit den Tumorerkrankungen an Schilddrüse, Magen, Pankreas, Kolo-Rektum, Lunge sowie dem gastro-ösophagealen Reflux diesem pragmatischen Konzept. Professor Dr. Albrecht Stier (Erfurt) führte in bekannt souveräner und lockerer Weise durch diesen Teil der Veranstaltung.

Der Samstag bot zum morgendlichen Auftakt die wichtigsten Prüfungsthemen in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Das verletzte und das schmerzhafte Gelenk, die Volkskrankheit Rückenschmerzen, die Osteoporose und Ihre Folgen sowie Wachstumsstörungen und das Schwerverletztenmanagement standen hier im Zentrum der Vorträge. Professor Dr. Tim Pohlemann (Homburg) und seine Referenten bewiesen dabei ihre hohe Expertise.

Den Ausklang des Kongresses gestaltete schließlich PD Dr. Jörg Heckenkamp (Osnabrück) mit den Top-Hits aus der Gefäßchirurgie. Er rundete die gelungene Veranstaltung mit seiner Sitzung über die Varikosis, die arterielle Verschlusskrankheit und die zerebrovaskuläre Insuffizienz fachlich sicher ab.

Den Abschluss des Kongresses bildete die Fragestunde „Was ich schon immer in der Chirurgie wissen wollte…“. Hier meisterten Dr. Christoph Wölfl, Ludwigshafen, PD Dr. Daniel Vallböhmer, Köln, und PD Dr. Jörg Heckenkamp, Osnabrück, die immer noch nicht ermattete Neugierde der Studentinnen und Studenten.

Rede und Antwort

Ein echter Schnittpunkt des Nachwuchskongresses war die Mittag-Session am Freitag, die unter dem Titel „Perspektive Chirurgie – Karrierewege stellen sich vor“ den sehr interessierten Zuhörern die Vorzüge der einzelnen chirurgischen Fächer pries. Zum Auftakt präsentierte Professor Dr. Peter Vogt, Hannover, das junge Fach der Plastischen Chirurgie, das eine fortgesetzte Expansion aufweist. Dr. Erhardt Weiß (Aue) hielt danach ein leidenschaftliches Plädoyer für die Renaissance der Allgemeinchirurgie, das überzeugte, aber auch kontrovers diskutiert wurde. Professor Dr. Tim Pohlemann (Homburg) zeigte den Studierenden die glänzenden Möglichkeiten des Nachwuchses in der Orthopädie/Unfallchirurgie auf. Das hohe Lied auf die Viszeralchirurgie oblag Frau Professor Dr. Natascha Nüssler (München), die die Kernkompetenz und den umfassenden Anspruch des Fachs in Einklang brachte. Die Inhalte und Karrierechancen in der Gefäßchirurgie demonstrierte Dr. Ingo Flessenkämper (Berlin). Professor Dr. Hans Hoffmann (Heidelberg) erläuterte zum Abschluss die Vorzüge einer Laufbahn in der Thoraxchirurgie. Die Vorsitzenden dieser berufspolitischen Nachwuchsbörse Dr. Jörg Rüggeberg (Bremen) und Helmut Mälzer (Berlin) leiteten nüchtern, souverän aber auch kritisch. Alle Referenten standen dem Auditorium im Anschluss an ihre Vorträge zu allen Fragen Rede und Antwort.

Ohne Partner kein Kongress

Den abendlichen Höhepunkt von „Schnittpunkt Chirurgie“ stellte die schon traditionelle Kongress-Cocktail-Party im „Reingold“. Die ausverkaufte Veranstaltung glänzte wieder im zwanglosen Miteinander von Nachwuchs und Altvorderen. Der sehr kurzweilige Abend endete deswegen auch erst in den frühen Morgenstunden.

„Ohne Partner kein Kongress“ galt natürlich auch in der Organisation von „Schnittpunkt Chirurgie“. Die Unterstützung durch die Industriepartner ging über das übliche Maß hinaus. Die Ausrichter sind für diese stabile Partnerschaft sehr dankbar. Das Bewusstsein für ein Ressourcenmanagement auch im Kongress-Sponsoring unterstreicht die Bedeutung dieser Zusammenarbeit.

Des Weiteren danken wir unserem Medienpartner Springer Medizin, der im Vorfeld kräftig die Werbetrommel für den Nachwuchskongress gerührt hat. In einem eigens erstellten Themendossier hat der Verlag Beiträge ausgewählt, die junge Chirurgen auf dem Weg zum Facharzt unterstützen sollen. Und das von Springer Medizin erstellte Video lässt Referenten und Kongressteilnehmer zu Wort kommen.

Ein weiteres Dankeschön gilt auch der Kongressorganisation „Intercongress“, die das Leitungsteam um Professor Dr. Hartmut Siebert, Professor Dr. Wolfgang Schröder und PD Dr. Carsten J. Krones und die Geschäftsführung des BDC auch in unruhigen Phasen unter Leitung von Frau Diana Kraus sicher moderiert hat.

Wir freuen uns schon auf 2012!

Krones CJ, Schröder W. Schnittpunkt Chirurgie – Rückblick zum Nachwuchskongress. Passion Chirurgie. 2011 April; 1(4): Artikel 03_01.

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