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BDC|Umfrage: Entwicklung der Versicherungsprämien für niedergelassene Chirurgen

ENTWICKLUNG DER VERSICHERUNGSPRÄMIEN FÜR NIEDERGELASSENE CHIRURGEN UND BELEGÄRZTE

Seit ca. zwei Jahren beobachten wir in der Arbeitsgemeinschaft der Beleg- und Kooperationsärzte (AG BeKo) und im Referat der niedergelassenen Chirurgen des BDC einen Anstieg der Haftpflicht-Versicherungsprämien für niedergelassene Chirurgen und Belegärzte. Daher war es an der Zeit, dies mit einer Umfrage zu überprüfen.

Abb. 1: Frage 2 der Umfrage „In welchem Fachgebiet sind Sie niedergelassen oder erbringen stationäre Krankenhausleistungen (Honorar-/Konsiliar-/Kooperationsarzt)?“ (n = 268)

Bereits zweimal hat sich die Arbeitsgemeinschaft der Beleg- und Kooperationsärzte (AG BeKo) mit dem Thema der steigenden Versicherungsprämien beschäftigt. Auch auf dem Bundeskongress für Chirurgie in Nürnberg 2019 wurde das Problem von uns thematisiert. Ende 2018 starteten wir zusammen mit unserem Kooperationspartner, der ECCLESIA, eine Umfrage zur Entwicklung der Versicherungsprämien für niedergelassene Chirurgen und Belegärzte.

Durch die Geschäftsstelle des BDC wurden alle niedergelassenen Chirurgen, Belegärzte und Kooperationsärzte, die im BDC Mitglied sind, per E-Mail gebeten, an der Umfrage teilzunehmen. 271 Antworten sind danach über die Online-Befragung eingegangen. Die Ergebnisse werden hier dargestellt und erläutert, wobei fehlende Prozent-Angaben durch Rundungsdifferenzen und teilweise fehlende Angaben begründet sind.

Vorweg: Die Einzelpraxis ist mitnichten am Ende, 40,7 % der Antwortenden geben an, in einer Einzelpraxis tätig zu sein, 58,2 % in einer Berufsausübungsgemeinschaft. 75,4 % sind im Krankenhaus in der Chirurgie tätig und nur 14,5 % in einer Orthopädie eingesetzt. In beiden Abteilungen arbeiten 10,1 % der Befragten. (Abb. 1) Von den mit einem Krankenhaus kooperierenden sind fast die Hälfte (49,4%) nur ambulant am Krankenhaus tätig. 19,5 % sind Belegärzte, 17,6 % haben einen Kooperationsvertrag, 15,7 % sind im Rahmen eines Kooperationsvertrages am Krankenhaus angestellt. 8,2 % haben sonstige Kooperationen mit einem Krankenhaus.

Belegärzte haben in der Mehrzahl (63,6 %) zwischen ein und fünf Belegbetten. Dies ist eine wichtige Grenze, da bei mehr als fünf Betten die Versicherungsprämien deutlich steigen. Immerhin 36,4 % der Belegärzte haben mehr als fünf Betten.

Abb. 2: Frage 10 der Umfrage „Wie sind Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit im Krankenhaus haftpflichtversichert?“ (n = 187)

Bei Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) arbeiten im Durchschnitt drei Ärzte auf zwei vollen Kassensitzen und durchschnittlich ist ein Arzt angestellt. Niedergelassene Chirurgen, welche an einem Krankenhaus arbeiten, sind in der Mehrzahl (56,7 %) über ihre eigene Haftpflichtversicherung abgesichert, 31,5 % über die Haftpflichtversicherung des Krankenhauses. (Abb. 2).

Die durchschnittliche Prämie für die Haftpflichtversicherung beträgt bei zusätzlicher Tätigkeit am Krankenhaus für eine Einzelpraxis 5.225 Euro und für eine Berufsausübungsgemeinschaft 10.207 Euro. Der durchschnittliche Beitrag für eine ambulante konservative Praxis beläuft sich auf 1.724 Euro und eine Praxis mit ambulanten Operationen zahlt im Durchschnitt 4.642 Euro im Jahr. Somit scheint das größte Risiko für die Versicherung die operative Tätigkeit zu sein und relativ gering die zusätzliche Arbeit am Krankenhaus. Dies mag daran liegen, dass die Krankenhaustätigkeit zumindest teilweise über deren Haftpflichtversicherung abgedeckt wird.

Mehr als 60 % nutzen einen Gruppenversicherungstarif, der meist deutlich günstiger ist als freie Verträge. 95 % der Verträge haben keine feste Laufzeit ohne Prämiensteigerung.

Abb. 3: Frage 17 der Umfrage „In welcher Tarif-Art sind Sie gegen Haftpflicht versichert (Stichtag 1.1.2018)?“ (n = 238)

Die Mehrzahl aller Chirurgen (62,6 %) hat eine Police für ambulante Tätigkeit mit ambulanten Operationen. Rund ein Drittel der niedergelassenen Chirurgen (31,1 %) sind für die ambulante und stationäre Leistungserbringung abgesichert. (Abb. 3) In allen Verträgen sind weitere Tätigkeiten wie Notarzt, Gutachten und/oder in begrenztem Umfang auch kleinere kosmetische Eingriffe mitversichert.

Zweidrittel der Befragten haben eine Summe von weniger als 5 Million Euro bis maximal 7,5 Millionen Euro abgesichert. Hier besteht ein dringender Beratungsbedarf, da somit viele Verträge eine massive Unterdeckung aufweisen. (Abb. 4)

Einen Versicherer zu finden, war für immerhin 20 % der BDC-Befragten ein Problem. Hier entwickelt sich ein ernstes Problem. Der BDC wird dies zusammen mit der ECCLESIA weiter beobachten. Hier kann möglicherweise im Einzelfall ein Gruppenversicherungsvertrag über den Berufsverband einen Ausweg darstellen. Bei 73 % der Versicherten ist es in den letzten fünf Jahren zu Prämiensteigerung gekommen. Interessant ist auch, dass die Mehrheit, rund 60 %, mindestens einmal seit 2013 mit einem Haftpflichtschaden konfrontiert war oder ist, aber nur 31 % von ihrer Versicherung informiert wurden, dass deswegen eine Rückstellung veranlasst wurde. Aber die Hälfte aller Chirurgen in der Niederlassung gibt an, dies an einer Prämiensteigerung bemerkt zu haben. Somit kann festgestellt werden, dass ein Haftpflichtschaden, zumindest die Meldung mit nachfolgender Bildung einer Rückstellung beim Versicherer, im Laufe des Berufslebens sehr wahrscheinlich ist und vermutlich zunehmen wird.

Dazu konnte der BDC in Kooperation mit seinem Versicherungs-Partner erreichen, dass Schadensmeldungen zunächst einer internen rechtlichen Bewertung durch die ECCLESIA unterzogen werden. Somit führt nicht jede Schadensmeldung automatisch zu einer Rückstellung durch den Versicherer und vermeidet unter Umständen Prämienanhebungen.

Zum Schluss der Umfrage konnten die Kolleginnen und Kollegen freie Kommentare einbringen. Dabei wurde mehrfach bestätigt, für wie wichtig das Engagement des BDC für einen bezahlbaren Gruppenvertrag erachtet wird. Immerhin sieben Kollegen geben Versicherungsprämien von mehr als 10.000 Euro an. Wir haben bei der Konzeption der Umfrage leider übersehen, dass derartig hohe Prämien vorkommen können, wenn eine große BAG insgesamt versichert ist oder bei operativen Spezialitäten. So haben zwei Chirurgen Versicherungsprämien von über 20.000 Euro und ein Kollege als plastischer Chirurg sogar 43.000 Euro. Es ist unbedingt erforderlich, dass die steigenden Haftpflichtprämien und damit die steigenden Praxiskosten bei den EBM-Bewertungen berücksichtigt werden.

Abb. 4: Frage 19 der Umfrage „Wie hoch ist die Versicherungssumme je Schadensereignis? In Mio. Euro“ (n = 222)

Wer sich zu diesem Thema weiter informieren und vielleicht mitdiskutieren möchte, sei herzlichst zum Gemeinsamen Bundeskongress Chirurgie im Februar 2020 in Nürnberg eingeladen. Dort wird dies Thema in der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Beleg- und Kooperationsärzte des BDC sein.

Insgesamt zeigt unsere Umfrage die Brisanz des Themas Berufshaftpflichtversicherung und dass sich niedergelassene Chirurgen mit dieser Thematik unbedingt auseinandersetzen müssen. Der BDC empfiehlt daher dringend, regelmäßig den Status der Berufshaftpflichtversicherung zu überprüfen. Dabei sollten aktuell vor allem folgende Aspekte überprüft werden:

  • Ist die Versicherungssumme noch ausreichend? (Es wird aktuell empfohlen, mindestens 7,5 Millionen € abzusichern)
  • Kann in Berufsausübungsgemeinschaften eine günstigere Versicherungsprämie durch einen Wechsel von Einzel-Verträgen auf einen Gesamtvertrag für die BAG erzielt werden?

Fragen? BERATUNG NÖTIG?

Ecclesia Versicherungsdienst GmbH
BDC-Versicherungsservice
Klingenbergstraße 4
32758 Detmold
Kostenlose Servicenummer
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Fax: 05231/60 360-6363

Farghal D, Kalbe P: BDC|Umfrageergebnisse: Entwicklung der Versicherungsprämien für niedergelassene Chirurgen und Belegärzte. Passion Chirurgie. 2019 September, 9(09): Artikel 04_03.

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Highway to Health: Austausch über die Digitalisierung im Gesundheitswesen

Am 19.09.2019 konnte ich in Zürich als Redner an einem Meinungsaustausch der Detecon Consulting, einer Tochter der Deutschen Telekom, als Vertreter des BDC, teilnehmen.

„Highway to Health“ unter diesem Motto lud die Detecon Consulting, ein Tochterunternehmen der Deutschen Telekom, zu einem Meinungsaustausch von Experten zur Frage, ob die Digitalisierung als „Heilsbinger“ für die Probleme des Gesundheitswesens gesehen werden kann, ein.

Zunächst stellte Emanuel Eichler, Consultant der Detecon seine Sichtweise als Patient nach einer schweren Erkrankung vor und konnte zeigen, dass es in vielen Prozessen die Datenweitergabe und Organisation in deutschen Kliniken vorwiegend in Papierform und über das Telefon stattfindet: von der Fahrt im Notarztwagen über die Kommunikation mit der Leitstelle und Bettensuche, die Verlegung in die Spezialklinik, bei der Diagnostik und Terminvereinbarung bis hin zur Therapie und in der Nachsorge. Dies bedeutet viel Zeit-, Reibungs- und Datenverlust. Als Consultant war es für ihn einfacher die Problematik zu erkennen und auch zu benennen.

Prof. David Matusiewicz, Professor für Medizinmanagement an der FOM Hochschule, referierte über die unglaubliche Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz, die Möglichkeiten und Chancen von Big Data, der Robotik und der Virtual Reality.  Als Highlight wurde ein virtuelles Krankenhaus, welches in Zusammenarbeit mit der Universität Essen und der Firma Doob entwickelt wird, vorgeführt.

Über VR, Mixed-VR und Augmented-VR lassen sich sogar Geräte in der Realität aus mehreren tausend Kilometern Entfernung, in Echtzeit, auch medizinische Geräte, durch einen Avatar am echten Patienten steuern. Dies könnte eine Einsatzmöglichkeit eines solchen Krankenhauses in der Virtual Reality sein.

Als Vertreter des BDC und Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Beleg- und Kooperationsärzte war ich eingeladen zur Sichtweise der Ärzte und den derzeitigen Problemen bei der Telematik, IT und KI zu referieren. Zur Zeit ist die fehlende Interoperabilität der verschiedenen IT-Systeme, also die Tatsache, dass die verschiedenen zurzeit eingesetzten Computerprogramme in den Arztpraxen, Kliniken, Apotheken, Krankenkassen usw. nicht in der Lage sind, miteinander zu „sprechen“ und so fast alle Prozesse händisch erfolgen müssen. Die Netzabdeckung in der Bundesrepublik Deutschland, aber auch in der Schweiz, ist für eine richtige Nutzung der Telematik und IT in der Medizin unzureichend. Ein Fakt der von allen Referenten und Referentinnen angemahnt wurde. Die Vertreter der Telekom wollen dieses Problem vermehrt in den Fokus nehmen. Aus meiner Sicht kann die Digitalisierung in der Medizin zu einer Entspannung bei der angespannten Personalsituation führen und zudem den Kostendruck (ca. 60 Prozent der Kosten entfallen in den Kliniken und Praxen auf das Personal) führen. Die Anbindung der einzelnen Player im Gesundheitswesen muss dringend besser werden und wir werden nicht umhin kommen, den Wusch der jüngeren Pateintengeneration möglichst viel über eine App zu lösen, Rechnung zu tragen.

Frau Dr. Simone Kansy, Projektleiterin Digitale Marktentwicklung der Sanitas Krankenversicherung stellte uns die derzeitigen IT-Plattformen und Apps vor, mit denen Patienten mit ihrer Krankenkasse kommunizieren können, aber auch erste Projekte für Therapie-Apps.

Fr. Dr. Babara Flügge, Managing Director von Digital Value Creators konnte uns Zusammenhänge zwischen Vertrauen und Empfehlung auch über das Internet zeigen und wie wir hierfür bereitwillig viele persönliche Daten ins Netz stellen und die Portale hiermit arbeiten und auch viel Geld verdienen in dem sie diese Daten weiter verkaufen.

Zusammenfassend war es ein spannendes Treffen. Faszinierend und zugleich irgendwie beängstigend, aber auch neugierig machend, was da noch kommen wird. Wir alle werden nicht umhin kommen, uns mehr und mehr mit dem Thema IT, KI, VR  usw. zu beschäftigen. Wir werden und sollten es nicht verhindern, aber wir müssen diese Prozesse aktiv mitgestallten.

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Und auch das geht: Einzelpraxis und Belegarzt

Es gibt sie noch, die einzelärztliche chirurgische Praxis, aber es wird immer schwerer sich als einzelner Arzt zu halten. Ich bin seit elf Jahren als Einzelarzt in einer chirurgischen Praxis in Schweinfurt (Unterfranken) niedergelassen und habe trotz erheblicher Konkurrenz ein gutes Auskommen.

Wie geht das?

Zunächst war und ist weiterhin eine solide Markt- und Umfeldrecherche unabdingbar. So habe ich zwar meine Praxis in einer Stadt mit einer chirurgischen Überversorgung von mehr als 200 % im Jahr 2008 übernommen. Aber die Stadt umfasst 53.450 Einwohner – mit direkt umgebenden Gemeinden 106.500 Einwohner – und einem Einzugsgebiet von ca. 600.000 Einwohnern im Umland. Somit relativiert sich eine 200 % Überversorgung deutlich und kann bald eine Unterversorgung bedeuten. Zudem sitzt meine Praxis mitten zwischen großen Automobilzulieferern mit 52.900 Arbeitsplätzen und damit mit einem sehr großen Potenzial an BG-Fällen. Zudem ist meine Praxis die einzige Facharztpraxis im bevölkerungsreichsten Stadtteil mit 11.200 Einwohnern.

Abb 1: Was machen ich und mein Team?

In meinem Einzugsgebiet gibt es zwölf Krankenhäuser, von der Universitätsklinik bis zum kleinen Belegkrankenhaus ist hier alles vertrete. Zudem gibt es mindesten elf größere chirurgisch/orthopädisch/unfallchirugische Facharztzentren mit mindestens vier Ärzten. Hier überlebt man nur mit besonderer Expertise und einem sehr wirtschaftlichen Management.

Unsere Expertise ist die breite Aufstellung und ein großes Feld der stationären Behandlungsmöglichkeiten, die nach außen immer noch als ein besonderes Qualitätsmerkmal (das Krankenhaus) gesehen werden. Ein striktes Personal- und Wirtschaftsmanagement ist ebenso notwendig. Die Personalstruktur ist gestrafft, wobei auf eine sehr gute Personalentwicklung und Weiterbildung geachtet werden muss. Eine chirurgische Praxis mit Schwerpunkt auf Operationen muss OP-Kräfte, Sterilgutassistentinnen, Röntgenpersonal, QM, Praxismanagement und betriebswirtschaftliche Kompetenz vorhalten. All diese Qualifikationen müssen erworben und bezahlt werden und sich natürlich auch im Gehalt niederlegen. Somit ist das Personal der größte Kostenblock. Ich darf dankbar sein, dass dies alles von meiner Ehefrau, die BWL studiert hat, wahrgenommen wird. Sie übernimmt auch die gesamte Geschäftsführung und damit den größten Teil der Verwaltung.

Somit kann ich mich als einziger Arzt voll auf die Medizin konzentrieren, was es natürlich ermöglicht deutlich mehr Patienten zu versorgen und dies an drei Standorten: in der Praxis, im Belegkrankenhaus und in der Kooperationsklinik. Ohne diese effektive Arbeitsteilung wäre dies unmöglich.

Abb 2: Wer sind wir?

So haben wir in zehn Jahren 69.200 Patienten behandelt. Und dies bei nur einem Arzt! Also pro Jahr 6.920 Patienten! Die Krankenhausambulanz möchte ich sehen, bei der ein Arzt so viele Patienten im Jahr behandelt. Und diese Zahlen geben nur die Erstkontakte (oder Scheine) wieder und nicht die tatsächliche Anzahl der Kontakte, welche in der Realität noch viel höher liegt. Ich behaupte, so effektiv ist keine Krankenhausambulanz, gerechnet auf den einzelnen Arzt.

ABER JETZT ARBEITE ICH FÜR MICH UND DAMIT FÜR MEIN KONTO.

Mit einer 38,5 Stundenwoche ist dies nicht zu leisten, als D-Arzt muss ich 50 Stunden in der Woche präsent sein. Dazu kommen noch einige Stunden Administration in der Woche und die Dienste im Belegkrankenhaus und die KV-Dienste. Leider auch an Wochenenden, Feiertagen und in der Nacht. Also verabschieden wir uns mal davon, dass die chirurgische Niederlassung „chillig“ ist. In der Arbeitsbelastung unterscheidet sich das nicht von der Arbeit im Krankenhaus! Aber jetzt arbeite ich für mich und damit für mein Konto. Eine nicht zu unterschätzende Motivation oder warum sollte man sonst Unternehmer werden? Ich habe damit allerdings auch das Risiko des Unternehmers und damit die Sorgen. Keine Lohnfortzahlungen, wenn ich ausfalle oder die Technik oder sonstige Ausfälle die Praxis lahmlegen, dann verdiene ich nichts mehr, die Kosten laufen aber weiter.

Abb. 3: Was kommt noch dazu?

Somit zu einem wichtigen Teil der Niederlassung: der Versicherungen! Ich muss unbedingt dafür sorgen, dass meine Familie, mein Betrieb und ich ausreichend versichert sind. Neben Kranken-, Renten- und BG-Versicherung gehören hierzu Lebensversicherung, Rechtschutzversicherung und natürlich die Haftpflichtversicherung, die mittlerweile für einen Belegarzt ca. 10.000 Euro ausmacht und damit bei mir noch recht günstig ist. Tipp von mir: Gruppenversicherung des Berufsverbandes nutzen. Dazu kommen Betriebsausfallversicherung, Elektronikversicherung, Berufsunfähigkeit und nicht zu vergessen, die KFZ-Versicherung.

Niederlassung bedeutet aber auch Betriebsführung. Die Abbildungen 3 und 4 geben einen kleinen und unvollständigen Einblick in das, was noch zur Niederlassung gehört. Die zunehmende Bürokratie setzt zu, die gesetzlichen und behördlichen Anforderungen sind in den letzten Jahren massiv gestiegen. Hier sehe ich die eigentliche Gefahr für die Niederlassung, denn das ist in der Einzelarztpraxis bald nicht mehr zu stemmen. Neu ist die jetzt verschärfte DSGVO und nun kommt noch das Terminservice & Versorgungsgesetz (TSVG) hinzu. Das TSVG hat besondere Sprengkraft. Es sind nicht die 25 Stunden in der Woche, für uns Chirurgen geschenkt, es ist der drohende massive Eingriff in die Freiberuflichkeit und damit direkt in die Betriebsführung.

Abb. 4: Was noch?

Ich muss mich um die Abrechnung, GKV, BG und GOÄ kümmern, das QM liegt in letzter Verantwortung bei mir. Ich muss mich um die entsprechenden KV-Zulassungen und damit um die Qualitätsanforderungen kümmern. Die EDV muss auch dem neusten Stand sein, Dale-UT, KV-Safenet und Telematik seien hier genannt. Hierdurch lassen sich aber auch Effizienzreserven nutzen. Begehungen von Behörden, Gewerbeaufsicht, Gesundheitsamt ggf. BG müssen begleitet werden. Arbeitsschutz, Hygieneschulung, Strahlenschutzbelehrungen, Med GV etc. gehören auch dazu.

Die Betriebsführung mit Buchhaltung, Gehältern, Steuern, Bilanzen, Finanzierungen müssen erledigt werden. Genauso wie die Personalentwicklung und Personalqualifizierung heute selbstverständlich sind. Unsere große Flexibilität kann sich für die Personalgewinnung auch als Vorteil zeigen. Die Gewinnung von entsprechend qualifiziertem Personal ist aber auch bei uns ein zunehmendes Problem.

Abb. 5: Und das auch noch

Auch wenn es Arbeit macht, seinen Betrieb selbst planen und organisieren zu können ist eine nicht zu unterschätzende Freiheit. Und dies empfinde ich als sehr befriedigend. Ich bin der „Boss“, ich kann das machen was mir Spaß macht und was ich kann. Kann auch mal kurzfristig frei nehmen, meinen Urlaub nach meinem Gusto planen. Ich statte meine Praxis so aus, wie ich es will und so ich es auch bezahlen kann. Ich bin mit meinem Team meine eigene Marke, mit eigener Corporate Identity.

Alles was ich in der Praxis verwende muss angeschafft und gewartet ggf. validiert werden. Je mehr ich anbiete, umso mehr Arbeit macht das, aber umso mehr kann ich erwirtschaften. Dies soll gut abgewogen werden. Aber eine breite Aufstellung macht mich weniger anfällig gegen politische und wirtschaftliche Veränderungen. Als Einzelpraxis kann ich hierauf einfacher reagieren. Aber als Einzelkämpfer merke ich auch die Grenzen dessen, was ich leisten kann. Dies limitiert auch.

Die Frage, ob sich die Einzelpraxis lohnt, misst sich sehr an der Work-Life-Balance. Diese ist sehr individuell. Solange „Life“ noch das Übergewicht hat, kann ich dies für mich persönlich mit Ja beantworten. Auch finanziell lohnt es sich noch, auch wenn die Gewinnmargen immer kleiner werden, da die Kosten steigen, aber in einem budgetierten System leider die Einnahmen nicht in gleichem Maß, wie die zunehmenden Kosten.

Abb. 6: Lohnt sich das?

Die Work-Life-Balance bemisst sich aber auch am Arbeitseinsatz. Hier sehe ich kaum noch Vorteile für „Life“, da die überbordende Bürokratie mehr und mehr Zeit beansprucht und meine Freizeit reduziert, aber auch die von mir als befriedigend empfundene Arbeit am Patienten zunehmend einschränkt.

Insgesamt kann ich sagen, dass sich der Schritt in die Selbständigkeit für mich gelohnt hat, aber die Umstände werden schwieriger. Für die Zukunft tendiere ich zur Berufsausübungsgemeinschaft, hier lassen sich Risiken, Kosten und Arbeit besser verteilen. Allerdings schränkt dieses Modell die unternehmerische Freiheit deutlich ein.

Farghal D: Und auch das geht: Einzelpraxis und Belegarzt. Passion Chirurgie. 2019 Mai, 9(05): Artikel 05_01.

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Außerberufliches Engagement von BDC-Mandatsträgern

Bild: Dirk Farghal, Leiter der AG BeKo, im Gespräch mit Flüchtlingen und asylsuchenden Schülern an der Staatlichen Berufsschule Bad Kissingen

Am 20. Dezember 2018 erzählte Dirk Farghal, Leiter der AG BeKo im BDC, auf Einladung der staatlichen Berufsschule Bad Kissingen über sein Leben und seinen beruflichen Werdegang als Kind eines ägyptischen Vaters, der 1952 wegen der Revolution in Ägypten nach Deutschland gekommen war, und einer 1945 aus Ihrer Heimat bei Breslau vertriebenen Mutter. Bei seinem Besuch in der Berufsschule konnten die ca. 60 Schülerinnen und Schüler aus drei Klassen im Gespräch erfahren, welche Bedeutung das Grundgesetz und die Würde des Menschen hat und welche Chancen sich ihnen bieten können. Es wurde aber auch über die hier in Deutschland geltenden Normen und die Gleichheit von Mann und Frau, aller Religionen und Hautfarben gesprochen. Dirk Farghal konnte aus seiner eigenen Kindheit und Jugend erzählen, dass es Hindernisse gab, aber dass sich der Weg gelohnt hat!

Fazit war: Jeder ist willkommen und soll sich in unsere Gesellschaft einbringen, aber dies erfordert auch viel Toleranz von allen Seiten.

Interessant war, dass viele Schülerinnen und Schüler eine Ausbildung in sozialen Berufen wie Kranken- und Altenpflege, Kinderbetreuung und Sozialarbeit anstreben.

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Positive Signale für den Belegarzt aus der AG BeKo des BDC

Beim Bundestreffen der Arbeitsgemeinschaft der Beleg- und Kooperationsärzte im BDC am 08. Dezember 2018 in Würzburg tagten erstmalig Ärzte zusammen mit Geschäftsführern aus einigen Belegkrankenhäusern. Die Veranstaltung war gut besucht und das Interesse groß.

Besonders das von der AG BeKo entwickelte Modell „Belegarzt neu Denken“ mit Einbeziehung der Hausärzte in der Geriatrie, Palliativ- und Hospizmedizin ist für die Geschäftsführer sehr interessant. Auch die Modelle der interdisziplinären Belegabteilung und der Mischung von Beleg- und Hauptabteilung wurden von diesen positiv aufgenommen.

Herr Krüger, Geschäftsführer des Marien-Krankenhauses Lübeck, kritisierte das neue Stufenkonzept der Krankenhausnotfallversorgung und dessen Folgen für die Belegkrankenhäuser. Bei einem Abschlag von vermutlich 60 Euro je Fall wird dies eine Budgetkürzung zwischen 1,5 und 3,7 Prozent bedeuten. Herr Kuhlmann vom Jerusalem-Krankenhaus Hamburg stellte den Zusammenschluss der „9B-Krankenhäuser“ und deren Initiative zur Stärkung des Belegarztwesens vor.

Herr Dr. Mütsch und Frau Dr. Hahn berichteten von positiven Signalen von der KBV und aus dem BMG und das deutlich positive Votum im Wasem-Gutachten zum Belegarztwesen, welches deutlich gestärkt und ausgebaut werden solle. Wesentlich sei, dass Herr Prof. Wasem den Erlaubnisvorbehalt durch den Verbotsvorbehalt ersetzen wolle, zumindest wenn der Vertragsarzt als Belegarzt im Krankenhaus tätig ist. Hier sollen gleiche Rechte für Belegärzte und Krankenhausärzte gelten. Auch die Differenzierung von Hauptabteilungs-DRG und Belegabteilungs-DRG sei entbehrlich.

Es wurde weiter berichtet, dass Herr Dr. Gibis von der KBV zugesagt hat, sich mehr für die belegärztliche Versorgung einzusetzen, insbesondere für eine Erweiterung des OPS-Katalogs für die belegärztlichen Operationen. Herr Dr. Orlowski vom BMG wurde zum Verbotsvorbehalt zitiert: „Aus der Logik der Sache ergibt es sich, den Erlaubnisvorbehalt durch den Verbotsvorbehalt zu ersetzen. Im Krankenhaus gilt dann eben immer der Verbotsvorbehalt. Innovationen kommen beim Belegarzt sonst erst nach zehn Jahren oder nie an.“ Orlowski habe als Hindernisse die für Belegkrankenhäuser geringere DRG, fehlende Privatliquidation für Belegärzte und die Konkurrenz durch belegarztersetzende Beschäftigungsverhältnisse genannt. Ziel müsse vor allem mehr Effizienz sein. Weniger staatliche Regelungen könne er sich eher nicht vorstellen, allenfalls weniger Einfluss des G-BA. Er beurteile die belegärztliche Versorgung als einen „intermediären Sektor“, der komplett neu geregelt werden müsse. Bezüglich der Kooperationsärzte sieht Orlowski positiven Handlungsbedarf, er spricht hier von belegarztersetzenden Beschäftigungsverhältnissen.

Es wurde bei der Sitzung der AG BeKo festgestellt, dass bisher kein einziges staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren nach dem Antikorruptionsgesetz bei Kooperationsärzten bekannt sei. Die Krankenhausträger hätten die Gesetzesverschärfung vielmehr dazu genutzt, um die Vergütungen nach unten zu drücken.

BDC|Umfrage: Haftpflichtprämien bei niedergelassenen Chirurgen, Belegärzten und Kooperationsärzten 2018

Aus der Arbeitsgemeinschaft Beleg- und Kooperationsärzte (AG BeKo) im Referat Niedergelassene Chirurgen des BDC kam die Initiative, unsere BDC-Mitglieder zu Erfahrungen und Problemen mit den Haftpflichtversicherungen zu befragen. Wir danken allen Niedergelassenen Chirurginnen und Chirurgen, die an der Befragung teilgenommen haben. In Kürze veröffentlichen wir in PASSION CHIRURGIE die Ergebnisse dieser Umfrage.

Farghal D: Positive Signale für den Belegarzt aus der AG BeKo des BDC. Passion Chirurgie. 2019 Februar, 9(02): Artikel 05_01.

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Bundessozialgericht beschränkt belegärztliche Abrechnung auf die Bettenzahl

Mit Urteil vom 29.11.2017, AZ: 6 KA 33/16 R beschränkt das BSG den belegärztlichen Versorgungsauftrag auf die im Krankenhausplan ausgewiesene Bettenzahl der Fachabteilung. Hintergrund des Urteils ist die Honorarrückforderung einer Kassenärztlichen Vereinigung: Ein Belegarzt mit fünf Betten hatte mit 898 Belegungstagen die möglichen Belegungstage von 460 Tagen (92 Tage mal 5) weit überschritten.

Mit dem o. g. Urteil hat das BSG klargestellt, dass die belegärztliche Abrechnung auf die in der Zulassung angegebene Bettenzahl begrenzt ist. Zudem darf auch der Versorgungsauftrag der Bettenanzahl einer Abteilung nicht überschritten werden. Somit wird durch die genehmigte Bettenzahl auch die Gesamtzahl der abrechenbaren Belegungstage für die gesamte Abteilung definiert, unabhängig davon wie viele Belegärzte in der Abteilung tätig sind (Stand: August 2018).

So wird die KV Niedersachsen ab dem Quartal 3/18 Plausibilitätspüfungen der belegärztlichen Abrechnungen durchführen. Der KV Bayern war bis dato dieses Urteil nicht bekannt.

Nach telefonischer Rücksprache mit der KV Unterfranken drohe aber nur den Belegärzten ein Regress, welche die Anzahl der Belegungstage überschritten haben. Auch wenn die Abteilung oder das Haus seine Belegungstage überschritten hat, würde der Belegarzt, der seine Belegungstage nicht überschritten hat, nicht bestraft.

Nach Gesprächen mit einigen Geschäftsführern und Belegärzten scheint dieses Urteil noch nicht richtig ins Bewusstsein gedrungen zu sein und hat bisher keine Relevanz für die meisten Belegkrankenhäuser oder Belegärzte. Bei weiter rückläufigen Belegarztzahlen sowie Belegarztfällen ist auch nicht zu erwarten, dass dieses Urteil wirklich flächendecken relevant sein wird.

Farghal D: Bundessozialgericht beschränkt belegärztliche Abrechnung auf die Bettenzahl. Passion Chirurgie. 2018 November, 8(11): Artikel 05_02.

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Abschläge wegen Nichtteilnahme zur Notfallversorgung für Belegkrankenhäuser

Durch den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über die Erstfassung der Regelungen zu einem gestuften System von Notfallstrukturen in Krankenhäusern gemäß § 136c Absatz 4 SGB V, § 5 Abs. 2 vom 19.04.2018 werden die Belegkrankenhäuser von der Teilnahme an der Notfallversorgung grundsätzlich ausgeschlossen und stattdessen verpflichtet, einen Abschlag für die Nichtteilnahme an der Notfallversorgung hinzunehmen.

Bei einem angenommenen und inzwischen teilweise praktizierten Abschlag i. H. v. 50 Euro je Fall verlieren Belegkrankenhäuser je nach Leistungsspektrum ca. zwei bis drei Prozent ihres Erlösbudgets. Dieses ist eine kritische Größe für die wirtschaftliche Stabilität der Belegkrankenhäuser in einer Zeit, in der gerade das Belegarztwesen und damit die Zukunft der Belegkrankenhäuser gefährdet ist.

Weitere Informationen und Antworten der DKG und des GKV-Spitzenverbandes:

Farghal D: Abschläge wegen Nichtteilnahme zur Notfallversorgung für Belegkrankenhäuser. Passion Chirurgie. 2018 August, 8(08): Artikel 05_01.
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Abschläge bei Notfallversorgung für Belegkrankenhäuser

Durch den G-BA-Beschluss über die Erstfassung der Regelungen zu einem gestuften System von Notfallstrukturen in Krankenhäusern gemäß § 136c Absatz 4 SGB V, § 5 Abs. 2 vom 19.04.2018 werden die Belegkrankenhäuser von der Teilnahme an der Notfallversorgung grundsätzlich ausgeschlossen und stattdessen verpflichtet, einen Abschlag für die Nichtteilnahme an der Notfallversorgung hinzunehmen.

Bei einem angenommenen und inzwischen teilweise praktizierten Abschlag i. H. v. 50 Euro
je Fall verlieren Belegkrankenhäuser je nach Leistungsspektrum ca. zwei bis drei Prozent ihres Erlösbudgets. Dieses ist eine kritische Größe für die wirtschaftliche Stabilität der Belegkrankenhäuser in einer Zeit, in der gerade das Belegarztwesen und damit die Zukunft der Belegkrankenhäuser gefährdet ist.

Weitere Informationen und Antworten der DKG und des GKV-Spitzenverbandes:

Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen 01/2018: „Über- und Fehlversorgung in deutschen Krankenhäusern: Gründe und Reformoptionen“
Schreiben von 8 Belegkrankenhäusern in Schleswig-Holstein und Hamburg an den Gemeinsamen Bundesausschuss
Antwort der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft DKG
Antwort des GKV Spitzenverbandes
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Belegarzt neu denken – Ein Diskussionsbeitrag

Meine Motivation als Belegarzt

Mir sind keine Studien zur Motivation der Belegärzte bekannt, somit kann ich nur meine persönliche Motivation heranziehen:

Aus Spaß an der Freude

  • Ich wollte immer Arzt und Chirurg sein – als Belegarzt kann ich das besser, da mein Handlungsspielraum und das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten im Gegensatz zur rein ambulanten Praxis sehr viel größer ist.
  • Es stärkt mein Selbstwertgefühl, immer noch „Kliniker“ zu sein und schwierige Herausforderungen zu meistern. Gleichzeitig habe ich einen engeren Kontakt zu anderen Kliniken und dortigen Ärzten. Persönlich habe ich auch den Eindruck, von Klinikkolleginnen und -kollegen „etwas mehr“ als vollwertiger Chirurg wahrgenommen zu werden.
  • In der täglichen Sprechstunde sagen mir Patienten immer wieder, dass sie meinen, die Tätigkeit an einem Krankenhaus repräsentiere eine höhere fachliche Qualifikation als die reine Praxisarbeit.

Erweiterte Qualifizierung

  • Als Belegarzt muss ich mich mit den Organisationsabläufen des Krankenhauses vertraut machen und z. B. die Begründung und Organisation der stationären Aufnahme übernehmen. Als Belegarzt hatte ich schon immer mit dem Entlassmanagement zu tun, da Patienten im Anschluss weiter in meiner ambulanten Behandlung verbleiben.
  • Es entsteht erhöhter Aufwand für die Qualitätssicherung, z. B. für das IQTIG, für EndoCert und das Endoprothesen-Register.

Teamarbeit und Back-up

  • Als Belegarzt muss ich mich in das Dienst- und Organisationsschema des Krankenhauses einfügen. Dafür muss ich aber nicht mehr ganz alleine arbeiten. Es gibt Kollegen, mit denen man sich austauschen kann.
  • Ich kann die gesamte Struktur und Technik des Krankenhauses nutzen.
  • Es gibt Kollegeninnen und Kollegen, die ich um Rat und Hilfe bitten kann.
  • Das Pflegepersonal nimmt mir viele Arbeiten ab, vorausgesetzt, man hat zu ihnen einen „guten Draht“.
  • Im KV-Dienst ist die Station und damit die/der diensthabende/r Schwester/Pfleger erste Anlaufstelle und damit Filter für die Patienten. Über diese Struktur ist der KV-Dienst, Chirurgie, 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr erreichbar.
  • Letztendlich kann ich als Belegarzt viele Vorteile und Annehmlichkeiten eines Krankenhausarztes nutzen.

Wir müssen den „Belegarzt neu denken“ und ihn wieder attraktiver machen, ihm mehr Gewicht geben und das Belegarztwesen als mögliche Lösung für den Strukturwandel darstellen.

Zum einen brauchen wir schnelle Änderungen, um die weitere Arrosion des Belegarztwesens zu stoppen. Zum anderen sind auch mittel- und langfristige Lösungen, für eine Trendwende oder gar eine Renaissance notwendig.

Schnelle Lösung

  1. Der Erlaubnisvorbehalt nach § 135 Abs. 1. bzw. § 137 Abs. 3 SGB V muss wegfallen, was ein breiteres Spektrum an belegärztlichen Leistungen ermöglichen würde.
  2. Alle Belegarzt-Begleitleistungen, also auch Leistungen außerhalb des Kapitels 36 des EBM, müssen bundesweit extrabudgetär vergütet werden.
  3. Der Abschlag in der Bewertung des Kapitels 36 im Vergleich zum Kapitel 31 muss fallen oder zumindest reduziert werden.

Diese Forderungen müssen sofort in den politischen Diskurs und in die Verhandlungen im Bewertungsausschuss eingebracht werden.

Mittel- und langfristige Lösungen

Hausärzte als Belegärzte und als stationäre Kooperationspartner

Sehen wir uns die sehr schematische und vereinfachte Verteilungspyramide der niedergelassenen Ärzteschaft an (Abb. 1), so hat die größte Arztgruppe bisher keinen Zugang zum Belegarztwesen, nämlich die der Hausärzte.

Abb. 1: Aktuell gültige Gliederung

Abb. 2: Mögliche Weiterentwicklung durch intersektorale und interdisziplinäre Kooperation

In der Schweiz, in Österreich und Liechtenstein sind Hausärzte regelhaft in die stationäre Versorgung eingebunden. In Deutschland gibt es dagegen bisher keine allgemeinmedizinische Belegabteilung. Die Tätigkeitsfelder der Hausärzte könnten z. B. die Geriatrie, die Palliativmedizin und Hospizbetreuung sein. Bereiche, die jetzt schon hauptsächlich vom Hausarzt ausgefüllt werden. Der Hausarzt als Belegarzt bedeutet zudem die Verzahnung von hausärztlichem und fachärztlichem Bereich.

Der Hausarzt hat meistens den direkten Kontakt zu ambulanten Pflegediensten. Es vereinfacht die ambulante Weiterversorgung (Entlassmanagement), weil der Hausarzt die häusliche und familiäre Situation der Patienten gut kennt. Eine kontinuierliche Behandlung ist gewährleistet, dies bedeutet auch weniger Informationsverlust.

Als Fachärzte müssen wir keine Angst haben, dass uns hierdurch Patienten verloren gehen würden. Nur Fachärzte haben die Expertise und KV-Zulassung für spezielle Leistungen wie z. B. Operationen, Endoskopie, Angiographie, Radiologie etc. Diese Leistungen können vom Hausarzt nicht erbracht werden. Möchte der Hausarzt einen Patienten belegärztlich behandeln, so muss auch er dies begründen und hierzu sind meistens spezielle ärztliche Maßnahmen nötig, die dann nur vom Facharzt erbracht werden können. Somit kann uns eine viel größere Patientengruppe erschlossen werden. Auch hier hat der Patient immer noch das Arztwahlrecht. Er wird aber seinem Hausarzt vertrauen.

Interdisziplinäre und Organzentrierte Belegarzt-Abteilungen

Bisher haben die meisten Fachrichtungen ihre eigene Abteilung und Station. Dies bedeutet räumliche und organisatorische Trennung sowie Warten auf den Konsiliar-Kollegen bei komplexen Erkrankungen und Behandlungen. Diese Abgrenzung bedeutet Reibungsverluste. Dies reduziert die Effektivität für uns als Ärztinnen und Ärzte aber auch für Patienten selbst. Kosten- und Zeitdruck fordern auch hier neue Ansätze.

Ein Schritt zur Lösung sind interdisziplinäre bzw. organzentrierte Abteilungen. Zum Teil gibt es diese schon. Zum Beispiel „Kopfabteilungen“ mit HNO, Augen und Neurologie oder Innere Medizin und Geriatrie. Eine interdisziplinäre Abteilung und Station bedingt eine gemeinsame Visite und damit eine breitere Fachkompetenz am Krankenbett. Probleme und Komplikationen aus der anderen Fachrichtung werden schneller erkannt. Ganz nebenbei lernen wir von der anderen Fachdisziplin automatisch mit. Gemeinsame Visiten und Behandlungen am gemeinsamen Patienten heißt auch, den anderen Kollegen besser zu verstehen und besser kennenzulernen.

Gleichzeitig Haupt- und Belegabteilung an einem Krankenhaus

Eine weitere Möglichkeit der intersektoralen Zusammenarbeit wäre das parallele Führen von Haupt- und Belegabteilungen gleicher Fachrichtung in ein und derselben Klinik mit folgenden potenziellen Vorteilen:

  1. Gemeinsame Nutzung vorhandener Strukturen, z. B. von Großgeräten und OP-Kapazitäten
  2. Bessere Bettenauslastung
  3. Gemeinsamer Bereitschaftsdienst
  4. Intersektorale Versorgung durch angestellte und selbstständige Ärzte. Somit könnten das Krankenhaus und die Hauptabteilung einen legalen Zugang zum ambulanten Sektor erhalten
  5. Gemeinsame Weiterbildung und gemeinsamer „Wissenspool“. Teilnahme der Niedergelassenen an gemeinsamen Fallkonferenzen der Klinik, wie Tumorboard, Röntgenbesprechung, Morgenbesprechung etc. Gemeinsame Organisation und Teilnahme an Fortbildungs- und Weiterbildungsveranstaltungen
  6. Vereinfachung des Entlassmanagements
  7. „Back-Up“ für Klinik und Praxis. Bei Problemen können sich beide Seiten gegenseitig unterstützen und helfen
  8. Stärkung der gemeinsamen Position auf dem Gesundheitsmarkt
  9. Lösung für kleine Krankenhäuser in strukturell schwachen Gebieten. Es stünden mehr Fachrichtungen und Fachärzte zur Verfügung

Um das Belegarztwesen auch für die Krankenhäuser interessant zu machen, muss die Differenz zwischen A-DRG und der B-DRG fallen. Sicherlich muss ein Ausgleich für das belegärztliche Honorar, das der Belegarzt von der KV erhält, geschaffen werden.

Strukturwandel als Chance begreifen

Das Belegarztwesen wird zunehmend als Chance gesehen, den demographischen Wandel der Gesellschaft und die strukturellen Probleme der kleinen Krankenhäuser auf dem Land zu lösen. Das SpiFa-Grundsatzpapier, die KBV-Agenda 2020, der Support im Gutachten des ZI und des Sachverständigenrates, die Workshops 9/16 bis 1/17der KBV, die Sicherstellungskonferenz der KBV vom 28.06.2017 und der Hauptstadtkongress vom 21.06.2017 sind sichere Zeichen, dass hier ein Umdenken stattfindet. Nicht zu vergessen auch die Pressearbeit des BDC.

Die Umwandlung kleiner Krankenhäuser in Belegkrankenhäuser mit Anbindung von Praxiskliniken und tagesstationären Abteilungen könnte ein Zukunftsmodell für die fachärztliche Behandlung in der Peripherie sein. Die spezialisierte Diagnostik und Behandlung muss dann zentralisiert stattfinden. Zur Finanzierung kann unter anderem der Strukturfonds zur Umwandlung von Krankenhäusern in andere Strukturen genutzt werden.

Fazit

Das Belegarztwesen ist kein Auslaufmodell, sondern kann richtig ausgebaut sogar das Modell der Zukunft sein, insbesondere für den ländlichen Raum. Der BDC unterstützt die Reformbemühungen und bietet seine aktive Mitarbeit in allen Gremien an.

Farghal D: Belegarzt neu denken – Ein Diskussionsbeitrag. Passion Chirurgie. 2018 Mai, 8(05): Artikel 03_03.

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Prämien für Haftpflichtversicherung von chirurgischen Belegärzten sind in den letzten Jahren explodiert

Die erstmalige Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Beleg- und Kooperationsärzte im BDC am 23.02.2018 im Rahmen des Bundeskongress Chirurgie in Nürnberg stand unter dem Motto der zunehmenden Problematik der Haftpflichtversicherungen für Belegärzte.

Die Schlagzeilen der explodierenden Haftpflichtversicherungsprämien und der fehlenden Versicherer für Hebammen und nun auch für Geburtshelfer sind bei allen noch präsent. Vielen chirurgischen und orthopädischen Belegärzten drohte in den letzten Jahren das gleiche Schicksal. Daher war die Haftpflichtversicherung Hauptthema der diesjährigen Frühjahrsitzung der Arbeitsgemeinschaft der Beleg- und Kooperationsärzte im BDC.

Mit Herrn Marcel Nunne, Leiter des Geschäftsfeldes Ambulantes Gesundheitswesen und Herrn Marcel Märtens, Versicherungsmathematiker der ECCLESIA Versicherungsdienst GmbH konnten wir zwei Experten auf dem Gebiet gewinnen.

Von 2009 bis 2018 hat es eine erhebliche Marktbereinigung in der Anzahl der Versicherungsanbieter von 22 auf nur noch acht gegeben. Die Jahresprämien liegen je nach Anbieter aktuell für einen Belegarzt mit bis zu fünf Belegbetten zwischen 11.495,40 Euro und 20.917,82 Euro (Brutto-Tarifprämien ohne Rabattierungen).

Ursache hierfür sind u.a. die Rechtsprechung, die immer höhere Schmerzensgelder zuspricht, aber auch die in den letzten Jahrzehnten stark gestiegene Lebenserwartung von schwerst Geschädigten und die daraus resultierenden steigenden Pflege- sowie Rentenkosten. Zudem lassen sich die tatsächlichen Kosten eines Versicherungsfalles erst ca. 13 Jahre nach dessen Eintritt annährend feststellen. Diese Faktoren stellen ein erhebliches Kalkulationsrisiko für die Versicherer dar, das bei einigen Anbietern im letzten Jahrzehnt zu massiven Verlusten im Geschäftssegment geführt hat und ist somit auch der Grund, weswegen einige sich aus diesem Versicherungsfeld zurückgezogen haben oder andere wiederum die Prämien erheblich anheben. Das derzeit niedrige Zinsumfeld verschärft die Situation zusätzlich, da die ausbleibenden Zinsgewinne über die Abwicklungsdauer eines Schadens kalkulatorisch zu einer signifikant höheren Rückstellung führen.

Deutlich hervorgehoben wurde aber auch, dass sich die Jahresprämie in der Regel halbiert oder sogar noch deutlich günstiger wird, wenn ein Rahmenvertrag – wie z. B. der über den BDC – genutzt wird.

Farghal D: Prämien für Haftpflichtversicherung von chirurgischen Belegärzte sind in den letzten Jahren explodiert. Passion Chirurgie. 2018 Mai, 8(05): Artikel 05_02.

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