Alle Artikel von Univ.-Prof. Dr. Thomas Schmitz-Rixen

Wissenschaft und Berufspolitik – zwei Seiten einer Medaille

Der medizinische Fortschritt vollzieht sich seit Jahren in atemberaubendem Tempo – für Mediziner wie für Patienten gleichermaßen. Den jeweils neuesten Stand der Wissenschaft im Blick zu behalten ist in der Medizin seit jeher Verpflichtung und Herausforderung. Die Chirurgen haben sich deswegen bereits vor 148 Jahren in der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie zusammengeschlossen: Sie ist damit eine der ältesten medizinischen Fachgesellschaften. Zweck der Gesellschaft ist laut Satzung „die Förderung der wissenschaftlichen und praktischen Belange der Chirurgie“. Neben dem Fortschritt in Forschung und Klinik und dessen kritischer Evaluation und Umsetzung in eine flächendeckende Versorgung zählt dazu auch die Auseinandersetzung mit den politischen, ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen unseres Faches.

Und es sind gerade auch die beruflichen Bedingungen der Chirurgen, die sich ebenfalls stark verändert haben und verändern werden. Das „Diktat“ der Ökonomie oder besser gesagt der Kommerzialisierung, Interventionen der Politik, und ja, auch sich verändernde gesellschaftliche Wertvorstellungen – Stichwort Work-Life-Balance – berühren die chirurgische Praxis in der Klinik und Forschung mittlerweile in all ihren Facetten. Deswegen war die Gründung des Berufsverbands der Deutschen Chirurgen vor 60 Jahren für unseren Berufsstand ein weitsichtiger, vorausschauender Akt. Die Namen von Hans Killian und Wolfgang Müller-Osten, den Gründungsvätern des BDC, werden für immer mit dieser Leistung verbunden bleiben. Wie bei vielen großen Ideen: Was anfangs bescheiden begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer äußerst erfolgreichen Unternehmung. Fanden sich 1960 gerade einmal sechs Gründungsmitglieder zusammen, ist der BDC heute auf mehr als 17.500 Mitglieder angewachsen – und damit eine der größten chirurgischen Vereinigungen Europas.

60 jahre bdcFür Außenstehende ist die Aufteilung von Fachgesellschaft und Berufsverband auf den ersten Blick nicht ganz einfach: auf der einen Seite die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) mit ihren zehn assoziierten Fachgesellschaften und auf der anderen Seite der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC). Hier die Forschung, dort die berufliche Interessenvertretung. Und es war in den vergangenen 60 Jahren auch den Chirurgen nicht immer ganz deutlich: DGCH und BDC mussten in den Jahrzehnten ihre Rolle und ihre Identität finden. Heute, so mein Fazit, ist die Rollen- und Aufgabenverteilung gut gelungen; nicht zuletzt ein Verdienst des jetzigen Präsidenten des Berufsverbandes Hans-Joachim Meyer, der gleichzeitig Generalsekretär der DGCH ist.

Die DGCH ist für ihre Mitglieder in der wissenschaftlichen Fortbildung aktiv und arbeitet intensiv in der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften an der Erarbeitung von Leitlinien mit. Der wissenschaftliche Auftrag der Gründungsväter wird jeweils im Frühjahr durch den Deutschen Chirurgen Kongress (DCK) und im Herbst durch die Chirurgischen Forschungstage erfüllt. Der BDC hat seine Bestimmung in der klinischen Fortbildung und der engagierten Unterstützung seiner Mitglieder durch Serviceleistungen wie beispielsweise der Rechtsberatung und verschiedener Kommunikationsleistungen wie dem Aufbau einer Pressestelle gefunden. All dies hat u. a. auch einen festen Platz beim DCK 2020.

Viel wichtiger aber noch: Beide Organisationen arbeiten bei gesundheitspolitischen Stellungnahmen eng zusammen und die wissenschaftliche und die berufspolitische Interessenvertretung der Chirurgen sprechen mit einer Stimme gegenüber der Politik, der Selbstverwaltung und ihren Mitgliedern. Nur so wird die Stimme der Chirurgen gehört! Dem BDC wünsche ich zu seinem 60-jährigen Jubiläum weiter eine gute Hand für die anstehenden berufspolitischen Herausforderungen des Gesundheitssystems.

Diesen Beitrag haben wir für die BDC-Jubiläumsausgabe angefragt und freuen uns sehr, dass Herr Professor Schmitz-Rixen als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie die Zeit gefunden hat, eine Würdigung zu schreiben.

Schmitz-Rixen T: Wissenschaft und Berufspolitik – zwei Seiten einer Medaille. Passion Chirurgie. 2020 März, 10(03): Artikel 03_07.

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Einladung zum 137. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Studierende und Pflegekräfte, liebe Partner aus Industrie und Verwaltung,

zusammen mit den Mitveranstaltern, den Gesellschaften für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Kinderchirurgie sowie den übrigen chirurgischen Gesellschaften und Berufsverbänden freuen wir uns, Sie zum 137. Deutschen Chirurgenkongress der DGCH nach Berlin einzuladen (21. Bis 24. April 2020).

„Gemeinsam Lernen und Heilen“ war 1872 schon die Motivation für die gemeinsame Tagung aller Chirurgen. Den Kongress in 2020 haben wir unter das Motto „Intelligenz, Intuition und Individualität“ gestellt, wobei Intelligenz für unseren Umgang mit Künstlicher Intelligenz bis hin zur Robotik, Intuition für die wichtige chirurgische Fähigkeit auch ohne Daten auf die jeweilige Situation unserer Patienten zu reagieren und Individualität für die individualisierte Chirurgie steht. Hier kann sich nach unserer Überzeugung jede chirurgische Fachgesellschaft wiederfinden. Dieses Motto steht ein Stück weit für die Zukunftsfähigkeit der Chirurgie.

Daneben ist uns das brennende Problem des fehlenden ärztlichen und pflegerischen Nachwuchses und die Betonung der Wissenschaftlichkeit unseres Handelns sehr wichtig. Wir würden uns freuen, wenn das Motto und diese Gesichtspunkte sich wie ein roter Faden durch den Kongress ziehen.

Der Chirurgenkongress wird sich nicht zuletzt den aktuellen Bedürfnissen der Gesellschaften widmen, die integrativ ihre Jahrestagungen abhalten: Dies sind die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Wir freuen uns über die zunehmende Zahl von Gesellschaften, die ganz bewusst Frühjahrstagungen gestalten und hierbei vor allen Dingen interdisziplinäre Themen pflegen. Die Sitzungen unserer elf Fachgesellschaften werden durch eigene, interdisziplinäre und interprofessionelle Veranstaltungen des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen, der Bundeswehr, des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe und der Rettungsdienste ergänzt und aufgewertet.

Der Deutsche Chirurgenkongress ist die gelebte Einheit der Chirurgie. Kooperationen, Freundschaften und der Gedankenaustausch – auch über Fächergrenzen hinweg – entstehen hier und werden hier gepflegt. Unser neues „Branding“ DCK2020 mit dem Untertitel „Gemeinsam Lernen und Heilen“ soll dies auch nach außen sichtbar machen und wird uns über Jahre mit hohem Wiedererkennungswert begleiten. Der Deutsche Chirurgenkongress wird inhaltlich und strukturell bewährte Formate natürlich nicht verlassen. Die gemeinsame Gestaltung durch alle Fachgesellschaften und Berufsverbände sowie unsere Partner wird jedoch intensiviert werden. Auch werden sich immer wieder neue experimentelle Formate Ihrer Beurteilung stellen.

Noch etwas: Lassen Sie uns die Wissenschaftlichkeit unseres Handelns ins Zentrum des Kongresses rücken. Eine Fachgesellschaft, die nicht forscht und entwickelt, wird neben ihrer eigenen Daseinsberechtigung auch die aller Mitglieder in Frage stellen. Die Sektion Chirurgische Forschung (SCF) und die Studienzentrale der DGCH (SDGC) sowie das ChirNet werden alles aufbieten, um die translationale Bedeutung der aktuellen Forschungsinhalte und Ergebnisse darzulegen. Dies ist Zukunftssicherung, zu der wir unserem Nachwuchs verpflichtet sind.

Wir sehen uns in Berlin.

Bis dahin seien Sie herzlich gegrüßt.

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