Alle Artikel von Markus Schön

Konjunktur trotz Trump

Nach dem Wahlsieg des US-Milliardärs Donald Trump am 09.11.2016 bei den US-Präsidentschaftswahlen brach eine Börsenrallye los, die im historischen Vergleich schon ungewöhnlich ist. Obwohl jedem die politische Unerfahrenheit des neuen US-Präsidenten bekannt war und die Märkte über sieben Jahre Erholung hinter sich hatten, stiegen die Aktienkurse ausgehend von den USA weltweit dann deutlich um 10 % an. Vereinzelt hört man nun schon Stimmen, dass es egal sei, welche Aktien man besitzt, man müsse nur Anteilsscheine von Unternehmen haben. Solche Aussagen sind ein Vorbote einer größeren Korrektur, die wir als einer der großen unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland im zweiten Halbjahr 2017 erwarten.

Schließlich wird vielfach ignoriert, dass es zu keiner Börsenrallye wegen des US-Präsidenten Donald Trump kam, sondern der Anstieg trotz seiner Wahl erfolgte. Er hatte das Glück, dass seine Ankündigungen in die Zeit passten. Sein Gespür, Themen zu setzen, hat ihm letztlich den Weg in das Weiße Haus geebnet. Nach einer längeren Phase von Restriktionen auf steuerlicher und regulatorischer Ebene sah man nun die Zeit, in der man wieder in eine andere Richtung steuern musste. Diese Haltung bediente Donald Trump durch seine Ankündigung der wieder erfolgenden Deregulierung der Finanzmärkte, einem massiven Steuersenkungs- und Investitionsprogramm. Wie dies zu refinanzieren sei, schien zunächst egal gewesen zu sein. Schließlich entwickelten sich die konjunkturellen Rahmendaten weiter positiv.

Dies ist aber eine realwirtschaftliche Entwicklung, die möglicherweise durch die expansive Geldpolitik weltweit beeinflusst wird. Die Politik Donald Trumps und seine Zielsetzungen spielen dabei bislang eine völlig untergeordnete Rolle. Die Konjunktur entwickelt sich vor allem aufgrund der stabilen Nachfrage einiger Schwellenstaaten – allen voran China – relativ konstant, wovon dann auch wieder stark exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland und Japan profitieren. Von einer wirklich dynamischen Entwicklung ist die Weltwirtschaft dennoch entfernt. Dies spielt aber im Zuge der mit Donald Trump einsetzenden Euphorie an den Kapitalmärkten eine völlig untergeordnete Rolle. Vielmehr sehen seine Befürworter in den vielfach positiven Konjunkturnachrichten einen Vorgriff auf seine politischen Ziele.

Dies ist natürlich nicht richtig, da Donald Trump nicht nur für eine politische Abschottung der USA steht, sondern sie auch bei konsequenter Umsetzung der Ziele wirtschaftlich in die Isolation führen wird. Aus Sicht der USA ist dies möglicherweise sogar eine unproblematische Entwicklung, da die US-Wirtschaft quantitativ vielleicht autark funktionieren kann. Qualitativ sieht dies völlig anders aus, da nicht umsonst bspw. deutsche Autos wesentlich besser eingeschätzt werden als Fahrzeuge aus den USA. Daran hat auch der Dieselskandal, mit dem einige Analysten schon das Ende des deutschen Automobilabsatzes in den USA vorhergesehen haben, nichts geändert. Im Ergebnis würde eine Umsetzung der Strategie des neuen US-Präsidenten zunächst der US-Wirtschaft helfen, bevor dann Qualitätseinbußen und Preissteigerungen in der Breite den positiven Eindruck beschränken würden.

Viel kritischer ist diese Entwicklung auf internationaler Ebene zu sehen, da „America first“ schließlich andere Staaten und Volkswirtschaften auf schlechtere Positionen setzen will. Weshalb dann die Aktienmärkte in Folge der Trump-Rallye auch in Deutschland, Europa und teilweise Japan gestiegen sind, ist eigentlich nicht zu erklären. Tatsächlich war eine konjunkturell deutlich schlechtere Entwicklung eingepreist, die sich so – ähnlich wie Wahlausgänge in den Niederlanden oder Frankreich – nicht ergaben. Entsprechend war die Entwicklung an den Aktienmärkten weniger eine Trump- sondern vielmehr eine Erleichterungs-Rallye. Solche Effekte haben aber eine begrenzte Halbwertszeit, wie auch der Blick auf die Zinsentwicklung zeigt.

Anfang Juni 2017 markierten bspw. die Renditen für US-Staatsanleihen ein neues Jahrestief, obwohl die US-Notenbank innerhalb kurzer Zeit zweimal die Leitzinsen erhöht hatte. Liquidität ist aber weiterhin kein knappes Gut, weshalb der Effekt der Notenbanken auf mittlere und lange Laufzeiten derzeit begrenzt ist, vor allem rechnet aber niemand mit einer nachhaltigen Zinswende, weil dies dann sehr schnell zu einer konjunkturellen Belastung führen würde, auf die sich dann noch der Trump-Effekt negativ addieren könnte. Dennoch konnten Anleger mit deutlich weniger Risiken als im Aktienmarkt bei einem aktiven Management auf der Zinsseite trotz der Behauptung zum Niedrigzinsniveau und teilweise von Kreditinstituten ungerechtfertigt geforderter Strafzinsen sehr attraktive Wertentwicklungen erzielen. Bei deutlichen Aktienrückgängen sind auch stärkere Schwankungen auf der Zinsseite zu erwarten, von denen Anleger ebenfalls profitieren können.

Um hier einen umfassenden Überblick über Chancen und Risiken zur zukünftigen US-Wirtschaftspolitik zu erhalten, bietet sich das aktuell erschienene Buch „Trumps Wirtschaftstraum – Twittern zur Planwirtschaft“ an, in dem wir die Wirtschaftspolitik Donald Trumps beleuchten, seine Strategie in seinen bisherigen Werdegang einordnen und die daraus resultierenden Folgen betrachten. Es ist einfach zu wenig, die Wahlentscheidung der USA zu bedauern, man muss sie als Ergebnis eines demokratischen Prozesses in den USA akzeptieren und unter wirtschaftlichen und unternehmerischen Gesichtspunkten die notwendigen Ableitungen treffen. Wenn Sie weitergehendes Interesse haben, bestellen Sie unser Buch über Donald Trump über [email protected].

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Schön M. Konjunktur trotz Trump. Passion Chirurgie. 2017 Juli; 7(07): Artikel 04_08.

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Ein Kommentar: Donald Trumps Traum von der Planwirtschaft

Bereits vor 20 Jahren hatten die Produzenten der US-Zeichentrickserie „Die Simpsons“ Donald Trump als Präsidenten vorhergesehen. Was damals undenkbar schien, ist nun Realität. Ebenso real ist die Gefahr, dass auch die zweite Prophezeiung aus der damaligen Fernsehserie real wird und sich Trumps Präsidentschaft zu einer Katastrophe für die Weltwirtschaft entwickelt. Wenn man alle ungerechtfertigten Hoffnungen, es werde schon nicht so schlimm, außer Acht lässt, bleibt nichts, das für eine erfolgreiche Präsidentschaft Donald Trumps spricht. Historisch waren immer jene US-Präsidenten politisch international besonders erfolgreich, die auf eine starke wirtschaftliche Entwicklung der USA setzen konnten. Als Paradebeispiel ist hierfür Bill Clinton zu nennen, der trotz – oder eher wegen – des in seiner ersten Amtszeit in Kraft getretenen Freihandelsabkommens mit Kanada und Mexiko 24 Millionen Arbeitsplätze in den USA geschaffen hat. So hat er die Grundlage für Haushaltsüberschüsse in seiner zweiten Amtszeit gelegt.

Natürlich lässt sich dies nicht einfach wiederholen, da die Welt immer komplexer geworden ist. Aber Donald Trump versucht erst gar nicht, aus den damaligen Erfolgen zu lernen oder Erkenntnisse gewinnen. Seine Politik ist konsequent rückwärtsgewandt. Er setzt nicht nur auf die traditionellen Branchen Stahl und Öl, sondern gibt für komplexe Fragestellungen einfache Antworten. Gedanklich scheint er dem Sozialismus deutlich näher zu stehen als dem Kapitalismus. Schließlich spielen marktwirtschaftliche Erwägungen wie Produktivität, Rentabilität oder Effizienz bei seinen Kurznachrichten für Unternehmen keine Rolle. Deswegen kann man seine Politik in dem etwas abgewandelten Motto „rückwärts immer, vorwärts nimmer“ zusammenfassen.

Schließlich müssen nur global schwache Volkswirtschaften Abschottungsstrategien entwickeln. Starke Wirtschaftsnationen – wie auch starke Unternehmen – scheuen den Wettbewerb nicht. Vielmehr nutzen sie den Wettbewerb, um sich immer weiter zu verbessern. Natürlich ist daher der Welthandel auch ungleich verteilt. In freien Märkten kaufen Unternehmen und Privatpersonen die Produkte und Dienstleistungen, die am besten zu den jeweiligen Bedürfnissen passen. Deswegen fahren so viele US-Amerikaner deutsche Autos. Aber aus demselben Grund gibt es keine deutschen Smartphones.

Mit seiner Strategie eines zunehmenden Protektionismus dokumentiert Donald Trump nicht nur sein fehlendes Verständnis für aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen, sondern belegt, dass die US-Wirtschaft derzeit schwach ist. Die Diagnose des neuen US-Präsidenten ist also richtig, seine Behandlungsmethode könnte jedoch nicht fehlerhafter sein. Statt bestenfalls mittelmäßigen Produkten wie US-Autos durch Wettbewerbsverzerrungen zu höheren Marktanteilen verhelfen zu wollen, sollte Donald Trump lieber dazu beitragen, die Stärken der US-Wirtschaft weiter auszubauen. Aber das Thema Digitalisierung, in dem Amazon, Google oder Facebook mit weitem Abstand Weltmarktführer sind, findet bei ihm nicht statt. Damit werden auch viel weniger Jobs geschaffen, als wenn ein Automobilhersteller wieder in den USA produziert. Ob dies dann gut für das Unternehmen und in der Folge für die Volkswirtschaft ist, wird überhaupt nicht hinterfragt. Trumps Stil ist Planwirtschaft per Twitter.

Für Deutschland überwiegen auf Sicht der nächsten Jahre die Risiken. Durch den planwirtschaftlichen Ansatz Donald Trumps, bei dem einer sagt, was zu tun ist und die Unternehmen diesem folgen, droht der Verlust eines für die deutsche Exportindustrie wichtigen Absatzmarkts. Dazu müsste man die Abschottung der USA aber als klares politisches Ziel der neuen US-Regierung verstehen und auf politischer und wirtschaftlicher Ebene beginnen, neue Allianzen zu schließen. Dazu zählt natürlich eine wirtschaftlich starke EU, die einen Gegenentwurf zu den USA darstellen muss und so wirkliche Partnerschaften mit China, Russland, Japan und den aufstrebenden Regionen Südamerikas und Afrikas gestaltet.

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Schön M. Ein Kommentar: Donald Trumps Traum von der Planwirtschaft. Passion Chirurgie. 2017 März; 7(03): Artikel 04_05.

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Ein Kommentar: Folgt auf „buy American“ bald „USA only“?

Donald Trump als US-Präsident ist ein Bild, das nur sehr schwer vorstellbar ist. Neben seiner Sprunghaftigkeit, seiner Neigung, Behauptungen zu Tatsachen zu erheben, und vor allem die Sorgen der US-Bevölkerung zu befeuern, ist im Wesentlichen seine Wirtschaftspolitik ein Risiko. Dies gilt insbesondere für Deutschland, dessen volkswirtschaftlicher Erfolg im Ausland erzielt wird. Dabei scheint Deutschland schon jetzt im Fokus der US-Behörden zu stehen: der Dieselskandal bei Volkswagen oder die hohe Forderung der USA gegenüber der Deutschen Bank.

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Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump setzt bei seiner Wirtschaft auf alte Stärken der USA. Er will die USA u. a. durch eine auf kohlebasierte Energiepolitik und durch die Stahlproduktion wieder stärken. Die Produktionsstätten wurden vor allem nach Asien und Südamerika verlagert, um dem zunehmenden Kostendruck zu begegnen. Aber auch hier bietet Donald Trump eine Lösung, indem er die USA mit einem im Zeitalter der Globalisierung unbekannten Protektionismus schützen will. So sollen die USA nicht nur gegen Einwanderer, sondern auch gegen Importe nahezu hermetisch abgeriegelt werden.

Vordergründig klingt Trumps Ansatz logisch und nachvollziehbar. Schließlich sind die USA nicht nur die größte, sondern auch die wahrscheinlich am breitesten diversifizierte Volkswirtschaft der Welt. Daher könnte die US-Wirtschaft in der Theorie tatsächlich autark funktionieren. Schließlich gibt es in Europa, Asien oder Australien kein Produkt, das die USA nicht selbst herstellen können. Allerdings kann die dortige Qualität im Produktions- und Dienstleistungssektor vielfach nicht im internationalen Vergleich mithalten. Würde dieser Wettbewerb ausgeschaltet, so würde dieser Vergleich keine Rolle spielen.

Betrachtet man vor diesem Hintergrund manche Entscheidung der US-Justiz, könnte die Frage entstehen, ob tatsächlich mit gleichen Maßstäben gemessen wird. Der Skandal um den größten europäischen Automobilkonzern Volkswagen AG kann als ein schwerwiegendes moralisches Vergehen angesehen werden; mit ökologischen Versäumnissen hätte dies demnach wenig zu tun. Obwohl bis heute mehr als 50 Prozent der US-Energie aus teilweise technisch antiquierten Kohlekraftwerken kommen, ist es gelungen, die Dieseltechnologie (in der deutsche Innovationen führend sind) nahezu weltweit zu diskreditieren. Eine vergleichbare Energieeffizienz wird durch Elektromobilität – auch ohne Berücksichtigung der Entsorgungsrisiken der hochgiftigen Batterien – auch auf Sicht mehrerer Jahre nicht möglich sein. Dennoch wankt mit dem VW-Skandal die für Deutschland existenzielle Automobilindustrie in einer Zeit, in der die Zukunft Europas auf vielen Ebenen infrage steht.

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Ein Auslöser hierfür ist auch die Entscheidung der britischen Bevölkerung, die Europäische Gemeinschaft verlassen zu wollen. Dort wurde in einem Wahlkampf der fragwürdigen Argumente auch immer wieder auf eine mögliche Freihandelszone zwischen Großbritannien und den USA hingewiesen, die der amtierende US-Präsident Barack Obama scheinbar nur halbherzig ablehnte. Nun zeigen sich in Großbritannien deutliche Tendenzen einer Reindustrialisierung, die etwas an das Wirtschaftsprogramm von Donald Trump erinnern. Die Erfolgsaussichten des britischen Vorgehens sind aber ungleich höher, da sich der dortige Protektionismus vor allem auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit bezieht, sonst aber ein relativ freier Handel mit Kontinentaleuropa angestrebt wird. In dem derzeitigen Zustand der Europäischen Union werden hier vermutlich umfangreiche Zugeständnisse an Großbritannien folgen. Im Ergebnis könnte Großbritannien dann ein starker Wettbewerber zu anderen europäischen Staaten werden, hätte aber den Vorteil einer eigenen Währung. Hier hat die Bank of England schon gezeigt, wie gering die Hemmungen sind, Währungspolitik an wirtschaftliche Notwendigkeiten anzupassen.

Die USA hingegen verfügen – neben dem US-Dollar und einer teilweisen mutigen Notenbank– über ein noch wesentlich schärferes Instrument, das sie bereits unter dem zwar schwachen, aber als liberal einzustufenden US-Präsidenten Barack Obama ohne Zögern einsetzen: Strafzahlungen, die – zumindest in der Erstforderung – ein existenzbedrohendes Volumen erreichen. Dies war bei Volkswagen zu erleben und ist dort auch noch nicht ausgestanden, nachdem aktuell die US-Investmentgesellschaft Blackrock als Anleger erhebliche Forderungen gegen den Automobilkonzern geltend machen will. Wenn man das Motto von Barack Obama aus dem Jahr 2009 „buy American“ aus europäischer Sicht kritisch sehen konnte, erscheint die Strategie von Donald Trump, die sich am besten unter „USA only“ zusammenfassen lässt, sehr bedenklich. Schließlich richtet sich die nächste Milliardenforderung aus den USA gegen die Deutsche Bank AG als letztes weltweit bedeutendes, aber eben nicht angelsächsisches Kreditinstitut. So sehr die Auswüchse im Investmentbanking, das die Deutsche Bank AG über viele Jahre international mitgeprägt hat, kritisieren werden können, so wichtig ist es für die exportorientierte deutsche Industrie, einen internationalen Finanzierungspartner zu haben, der die Denkweise deutscher Konzerne und mittelständischer Unternehmen versteht. In diesem Licht sollte der Ende September 2016 erfolgte Angriff von US-Hedgefonds auf die Deutsche Bank gesehen werden, der den Anfang einer neuen Finanzkrise bedeuten könnte. Trotz der in Deutschland – anders als in vielen anderen Volkswirtschaften – verbreiteten Strategie, Refinanzierung durch klassische Bankkredite vorzunehmen, ist es der Deutschen Bank AG lange Zeit gelungen, weltweit der größte Anleihehändler zu sein. Mit einer 12 Mrd. Euro Strafe in den USA könnten die ähnlich gelagerten Verstöße wie bei anderen Kreditinstituten viel strikter sanktioniert werden. Im Sinne eines Mottos „USA only“ kann der Eindruck entstehen, dass die US-Justiz so Wettbewerbsfähigkeit herstellen will, die unter normalen Marktmechanismen nicht vorhanden wäre.

Unter dem Präsidenten Donald Trump würden die USA möglicherweise eine Strategie verfolgen, groß zu werden, indem andere klein gemacht werden. Dies könnte dann als nächstes den deutschen Chemie- und Pharmakonzern Bayer AG in den Fokus rücken, der sich mit der geplanten Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto stark exponiert hat. Entsprechend bietet sich allein durch die Übernahme für die US-Justiz eine Angriffsfläche, die die Entscheidung von Bayer mindestens als mutig zu bezeichnen lässt.

Sich davor zu schützen, würde bedeuten, die Geschäftsaktivitäten in den USA einzustellen. Dieser Protektionismus würde dem Vorgehen Donald Trumps für die USA entsprechen. Dies kann aber nicht die Antwort sein, weil die Vorteile einer globalisierten Welt überwiegen können – als Chance für maximalen wirtschaftlichen Nutzen.

Aber genau an dieser Stelle zeigt schon Europa erhebliche Schwächen und bietet keine Lösungen. Die Krise der Europäischen Union ist vor allem auf die Selbstverständlichkeit zurückzuführen, mit der in Europa Frieden und Freiheit betrachtet werden bzw. als dauerhaft gegeben angesehen werden. Historisch ist dies aber nicht der Normalzustand, weshalb die europäischen Werte weit mehr als ein gemeinsamer Wirtschafts- und Währungsraum sind. Dies gilt es, in den Vordergrund zu rücken und so einen Alternativentwurf zu der politischen Agenda von Donald Trump zu entwerfen.

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Schön M. Ein Kommentar: Folgt auf „buy American“ bald „USA only“? Passion Chirurgie. 2016 November; 6(01): Artikel 04_01.

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Diskussion um Bankenfusionen – der richtige Schritt aus den falschen Gründen

Steigender Fusionsdruck nicht nur bei regionalen Kreditinstituten – auch Großbanken in Diskussionen

Ende August 2016 überraschte bei einer Bankenfachtagung die Nachricht einer möglichen Fusion zwischen Deutsche Bank und Commerzbank die Öffentlichkeit. Dieser Schritt wäre nicht nur ungewöhnlich, weil sich damit dann der Großbankensektor immer stärker konzentrieren würde, sondern weil die immer noch zu Teilen in staatlicher Hand befindliche Commerzbank nicht nur an den Folgen der Finanzkrise, sondern vor allem durch die Übernahme der Dresdner Bank fast zusammengebrochen wäre. Grundsätzlich wurde dem Zusammenschluss eine Absage erteilt, der seit ungefähr einem Jahr im Amt befindliche neue Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bank AG John Cryan verwies allerdings auf die Notwendigkeit von Bankzusammenschlüssen auf nationaler, aber vor allem internationaler Ebene. Er verband damit deutliche Kritik an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die auch von Sparkassen und Genossenschaftsbanken geteilt wird. In der öffentlichen Wahrnehmung ist dieses Thema inzwischen so stark platziert, dass selbst der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Kreditinstitute unterstützt und eine Änderung der expansiven Geldpolitik der europäischen Notenbank fordert. Dabei ist der deutsche Staat einer der großen Profiteure des niedrigen Leitzinsniveaus und der Anleihekäufe der EZB.

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Dabei ist die Zinsentwicklung nur eingeschränkt auf die Politik der EZB zurückzuführen. Schließlich werden dort Staats- und Unternehmensanleihen in der Breite gekauft. Deutsche Staatsanleihen profitieren hierbei besonders, weil viele Anleger auf der Suche nach Sicherheit sind. Diese wird mit dem Deutschen Staat verbunden, obwohl man kaum von Kapitalerhalt sprechen kann, wenn man einen sicheren Kapitalverzehr durch negative Renditen bei deutschen Staatsanleihen verzeichnen muss.

Margenausweitung in Basispunkten

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Völlig anders ist die Ausgangslage im Finanzsektor, da deutsche Banken und Sparkassen möglicherweise im Vergleich zu einigen anderen europäischen Staaten als besonders sicher gelten können, von der Bonität des deutschen Staates, der über Rekordsteuereinnahmen verfügt, aber weit schlechter positioniert sind. Schließlich werden Negativzinsen, Strafzinsen, Guthabengebühr oder Verwahrentgelte mit dem Argument gerechtfertigt, dass man als Kreditinstitut bei der EZB selbst Negativzinsen bezahlen müsse. Dies ist aber nur für den Teil, der von Banken und Sparkassen bei der Notenbank hinterlegten Liquidität richtig. So gibt es in Deutschland noch keine Kreditform, in der Kreditnehmer Geld für die Kreditaufnahme erhalten. In Skandinavien ist dies teilweise schon erfolgt, obwohl das Zinsniveau dort nicht wesentlich von der Situation in Deutschland abweicht. Dennoch fallen die Klagen der dortigen Kreditinstitute über die jeweilige Notenbankpolitik deutlich geringer aus. Sie haben bei dem europaweiten Bankenstresstest teilweise signifikant besser als ihre deutschen Wettbewerber abgeschnitten. Dies liegt vor allem an dem Risikomanagement der Kreditinstitute dort, aber auch die teilweise wesentlich geringeren Kosten sind ein nicht zu unterschätzender Einflussfaktor.

Die deutschen Kreditinstitute haben also kein Erlös-, sondern ein Kostenproblem. So ist bspw. der Zinsüberschuss der Sparkassenorganisation in den letzten fünf Jahren durchschnittlich um 20 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg geht zu Lasten der Kunden, an die das gesunkene Marktzinsniveau nur teilweise weitergegeben wird. Tatsächlich weiten die Kreditinstitute ihre Margen in den letzten Jahren deutlich aus.

Dies ist keine außergewöhnliche Situation, da Banken und Sparkassen stets rückläufige Zinsphasen zum Ausbau ihrer Margen genutzt haben, weil dies einfacher zu verkaufen ist. Der Kunde spürt durch das gesunkene Marktzinsniveau eine Konditionsverbesserung und ist weniger margensensibel als bei einem unveränderten oder gar leicht gestiegenen Zinsniveau. Neu ist hingegen die Behauptung, dass dies eine existentiell gefährdende Situation für Kreditinstitute darstellt. Es ist nur für solche Anbieter richtig, die ihre Kosten nicht im Griff haben. Dies ist für Kunden schwierig zu erkennen, was zu deutlich steigenden Bonitätsrisiken für Anleger führt. Schließlich gilt inzwischen die neue EU-Bankenrichtlinie, nach der unter bestimmten Voraussetzungen auch Anleger an der Schieflage eines Kreditinstitutes beteiligt werden können. Zwar droht derzeit keine Entwicklung in Deutschland wie in Griechenland oder Zypern. Anleger und Sparer sollten allerdings diese Gefahren kennen, um sich darauf einstellen zu können.

Da es zumindest auf absehbare Zeit nicht möglich ist, den Zahlungsverkehr mit Kredit-instituten sinnvoll – bspw. durch die zwischenzeitlich in aller Munde gewesenen Fin-Tecs – zu substituieren, verbleiben nur zwei alternative Lösungsansätze. Zum einen sollten Anleger so wenig wie nötig Anlagen bei Kreditinstituten tätigen. So lässt sich in einer diversifizierten Vermögensstruktur mit deutschen, europäischen und internationalen Unternehmensanleihen weiterhin eine attraktive laufende Verzinsung erzielen, ohne eben die Risiken im Finanzbereich eingehen zu müssen. Hier bieten unabhängige Vermögensverwaltungen vielfach attraktive Lösungskonzepte. Auf deren Expertise kann man auch zurückgreifen, um die Risiken bei Banken und Sparkassen zu identifizieren, da Anbieter, die keinen Bankenhintergrund haben oder eigene Produkinteressen verfolgen einen objektiven Blick auf die Kreditinstitute in Deutschland, Europa oder sogar weltweit ermöglichen. So ist es faktisch für jeden Anleger möglich, einen Überblick über die verdeckten Risiken im Finanzsektor zu erhalten und gleichzeitig seine Kapitaleinkünfte mit stärkerer Diversifizierung zu erhöhen.

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Schön M. Diskussion um Bankenfusionen – der richtige Schritt aus den falschen Gründen. Passion Chirurgie. 2016 Oktober; 6(10): Artikel 04_02.

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Brexit

Die Krise Großbritanniens – welche verdeckte Gefahr Anleger jetzt meiden sollten

Das für viele überraschende Votum der britischen Bevölkerung für einen Austritt aus der EU sorgt für große Verunsicherung. Neben den politischen Verwerfungen drohen eine Rezession in Großbritannien und eine tiefgreifende Veränderung der europäischen Finanzarchitektur. Schließlich ist London das Finanzzentrum Europas. Dies wird zu Verlusten führen und wieder Anleger treffen, die auf besondere Sicherheit setzen wollten.

Mit dem Finanzplatz London rücken ebenfalls Investmentbanken in den Fokus, die mit komplexen Finanzinstrumenten immer wieder Auslöser von Krisen waren. Deswegen scheint Sorge um die Entwicklungen dort nicht angebracht. Die drohende Rezession, unter der die gesamte britische Wirtschaft leiden könnte, scheint wesentlich größere Auswirkungen zu haben. Nun haben deutsche Anleger – und insbesondere konservativ ausgerichtete Investoren – allerdings nicht in Großbritannien investiert. Selbst Staatsanleihen wurden dort mit Blick auf das Währungsrisiko und die geringe Zinsdifferenz nur selten gekauft. Deswegen scheinen die zwischenzeitlichen Verwerfungen an den Kapitalmärkten viele Anleger nicht zu betreffen. Entsprechend entspannt waren viele Anleger nach Bekanntgabe des Ergebnisses des Referendums, obwohl der Dax über 1.000 Punkte fiel und die US-Rendite für zehn Jahre laufende Staatsanleihen ein historisches Tief erreichte. Dies schien das historische Ereignis sehr schnell zu relativieren. Schließlich hatte sich „nur“ die Bevölkerung eines international – insbesondere ohne den dort dominierenden Finanz- und Immobiliensektor – wirtschaftlich mäßig bedeutetes Land entschieden, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu verlassen. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft dürften tatsächlich überschaubar sein. Deswegen hat es im Zuge der recht schnell einsetzenden Markterholung nicht lange gedauert, bis erste Stimmen aufkamen, dass der Brexit nicht so schlimm sei. Schließlich könne Großbritannien ähnlich wie Norwegen Teil der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bleiben.

Wirtschaftspolitisch betrachtet ist diese Einschätzung ebenso falsch wie gefährlich. Der Austritt Großbritanniens ist in einer zunehmend auf Freihandel setzenden Weltwirtschaft primär kein wirtschaftliches Problem. Hier kann man sich an bestehende Abkommen anlehnen, ohne allerdings das Signal auszusenden, dass ein Austritt aus der EU ohne Folgen bleibt. Deswegen ist der Vergleich mit Norwegen und einer Zugehörigkeit zur EWG äußerst kritisch. So könnten die ohnehin schon großen Fliehkräfte in Europa noch weiter an Kraft hinzugewinnen und noch schneller als erwartet die Eurozone unmittelbar erfassen. Es dauerte nicht lange, bis in anderen, teilweise zur Eurozone gehörenden Staaten über ein ähnliches Referendum diskutiert wurde.

Ein längerfristig ausbleibender Antrag auf einen Austritt Großbritanniens aus der EU könnte Europa vor größere Probleme stellen. Schließlich würde der Weg aus dem Euro einzelner Staaten am ehesten durch einen Austritt aus der EU möglich. Im Zuge der Griechenland-Rettung wurde dies verschiedentlich diskutiert. Nun würde aber nach einem Referendum in den Niederlanden oder Finnland nicht der Austritt eines wirtschaftlich und finanziell schwachen Partners drohen, sondern es wäre dann der Austritt eines (bonitäts)starken Landes aus dem gemeinsamen Währungsraum. In der Vergangenheit sind Währungsgemeinschaften stets am Austritt eines starken Partners gescheitert. Ein solches Szenario ist für die Eurozone nach dem Referendum in Großbritannien wesentlich wahrscheinlicher geworden.

Dies gilt umso mehr, weil sich durch diese Entwicklung die Gewichte in Europa unter der Führung Frankreichs stärker in den Süden verschieben werden. Schließlich scheidet mit Großbritannien der drittgrößte Nettozahler aus der EU aus. Damit wird die nordeuropäische Stabilitätspolitik, die in den Euro-Schuldenstaaten keine nachhaltigen Wachstumserfolge erzielte, sehr schnell aufgegeben werden. Schuldenmachen wird wieder zum Modetrend. Dies ist Wasser auf die Mühlen der Europa-Kritiker in Finnland, den Niederlanden, aber auch in Deutschland. Entsprechend wird sich der bestehende Riss in der Eurozone vertiefen.

Auf diese Entwicklungen kann man sich gut einstellen, weil sich das beschriebene Szenario über einige Jahre hinziehen wird. Die zwischenzeitliche Panik an den Aktienmärkten war – mit Ausnahme der Banktitel und einiger weiterer Unternehmen mit starken britischen Verbindungen – übertrieben. Vielmehr hätte es in einem anderen Segment viel größere Panik geben müssen: Der Bereich der Immobilien leidet unter den möglichen Folgen eines Brexits schon jetzt. Wenn Banken und teilweise auch Unternehmen London verlassen, sinken die erzielbaren Mieten und Preise für Wohn- und vor allem Gewerbeimmobilien. Dies traf die britischen Immobilienaktien mit einem mehrtägigen Abschwung, bei dem der Tiefpunkt noch nicht erreicht ist.

Abb. 1: Kursverlauf britische Immobiliengesellschaften (DVAM, Research Bloomberg)

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Viel entscheidender für Anleger in Deutschland sind Immobilienfonds, die von Banken und Sparkassen als „Rettung“ im Niedrigzinsumfeld verkauft werden. Ob es bei Anleihen wirklich in der Breite keine Zinsen gibt, darf hinterfragt werden. Entscheidend ist, dass Immobilienfonds keine Alternative sind, sondern zu den risikoreichsten Anlagen im beaufsichtigten deutschen Kapitalmarkt zählen. Daran haben auch verschiedene Gesetzesänderungen seit 2008 nichts geändert. Schließlich sind nahezu alle in Deutschland verfügbaren Immobilienfonds mit internationaler Ausrichtung durchschnittlich zu 20 Prozent in Großbritannien investiert. Hier ist die Annahme temporärer Preisrückgänge von 20 Prozent im Vergleich zu den Rückgängen bei Immobilienaktien eher als moderat zu bezeichnen. Rechnet man dies auf einen durchschnittlichen Immobilienfonds um, droht hier ein Wertverlust von 5 Prozent. Dies ist für eine oft als absolut sicher verkaufte Anlage ein hoher Wert, der vielfach bei dem 2,5-fachen der jährlichen Ausschüttung liegt.

Betrachtet man dies nun aus Anlegersicht mit einer Anlage von 500.000 Euro in offenen Immobilienfonds, stand schon mit dem Kauf nicht mehr die vollständige Summe zur Verfügung. Banken und Sparkassen setzen selbst bei hohen Anlagesummen und institutionellen Kunden immer noch Ausgabeaufschläge durch, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Deswegen ist es kein Verhandlungserfolg, wenn sich der Ausgabeaufschlag auf 2,5 Prozent halbiert. Dennoch unterstellen wir dies in dem Beispiel. Es werden also 487.500 Euro angelegt. Mittelbar ist der Anleger in einem Volumen von 97.500 Euro in Großbritannien investiert. Kommt es nun zu der Bewertungskorrektur um 20 Prozent und einem weiteren Rückgang des Britischen Pfunds um 8 Prozent, sinkt das im offenen Immobilienfonds investierte Kapital auf rund 460.000 Euro. Der Wertverlust beträgt 7,9 Prozent. Das Kreditinstitut und die Fondsgesellschaft haben aber dennoch verdient. Der Anleger benötigt vermutlich vier bis fünf Jahre, um das Ursprungskapital zu erreichen, während Fondsgesellschaft, Bank oder Sparkasse in diesem Zeitraum 40.000 Euro an dem Geschäft verdient haben.

Abb. 2: Direktanlagen deutscher Immobilienfonds in Großbritannien (DVAM, Research Bloomberg)

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Das Geld ist also nicht weg, es hat nur jemand anderes. Um dies zu vermeiden, sollten Anleger sich besser unabhängig beraten lassen und auf eine starke Diversifizierung Ihres Vermögens achten. So wenig wie die Antwort im aktuellen Umfeld in Immobilien zu finden ist, so wenig wird nur die Anlage in Aktien oder Edelmetallen erfolgreich sein. Ein richtiger Schritt ist jetzt aber, offene Immobilienfonds konsequent zu verkaufen, solange sich die Verlustrisiken noch nicht materialisiert haben. Für den Verkaufserlös bieten sich weiterhin gute und vielfach wesentlich sichere Lösungen.

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Schön M. Die Krise Großbritanniens – welche verdeckte Gefahr Anleger jetzt meiden sollten. Passion Chirurgie. 2016 Juli-August; 6(07-08): Artikel 04_01.

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Donald Trump: US-Präsidentschaftskandidat der Wall Street?

 

Das Aktionärstreffen der US-Investmentlegende Warren Buffet gilt als das „Woodstock der Kapitalisten“. Das Wort des weltweit erfolgreichsten Value-Anlegers hat internationales Gewicht und wird viel beachtet. Besonders seinen Ausführungen während der legendären Aktionärskonferenz wird viel Beachtung geschenkt. Deswegen war es mehr als eine Randnotiz, als er sich hinsichtlich der anstehenden US-Präsidentschaftswahl zwischen den wahrscheinlichen Kandidaten recht neutral positionierte. Warren Buffet könne sowohl mit einer demokratischen US-Präsidentin Hillary Clinton als auch einem republikanischen US-Präsidenten Donald Trump gut leben. Dies war schon bemerkenswert, da der US-Investor mit seinem Ansatz, unterbewertete Unternehmen zu finden und in diese mit einem langfristigen Anlagehorizont zu investieren, sehr international agiert. Donald Trump würde nach eigenen Ausführungen aber einer anderen Strategie folgen, bei der er seine Arbeit sehr stark und ausschließlich auf die USA selbst ausrichtet. Seine Thesen gehen weit über frühe Regelungen hinaus, mit denen US-Präsidenten – bis hin zum derzeitigen Amtsinhaber Barack Obama – US-amerikanischen Produkten und Dienstleistungen den Vorzug gaben. Donald Trump denkt über eine Art neuen Protektionismus nach, der US-Produkte im Vergleich zu Einfuhren ausländischer Hersteller durch Strafzölle oder Handelsbenachteiligungen schützt. So etwas ist nur notwendig, sofern die eigene Wirtschaft nicht hinreichend leistungsfähig ist.

Daher wäre es eine schlechte Nachricht für die US-Unternehmen, wenn sie staatlichen Schutz benötigen, um ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen zu können. Eigentlich wären auf dieser Basis rückläufige Aktienkursentwicklungen die logische Folge gewesen. In dem aktuellen Marktumfeld spielen logische – und damit fundamentale – Aspekte aber eine untergeordnete Rolle. So gehörten die US-Aktienindizes zu den stärksten Werten im bisherigen Anlagejahr 2016. Je wahrscheinlicher die Kandidatur Donald Trumps als US-Präsidentschaftskandidat wurde, desto stärker schienen die Aktienmärkte zu steigen, während in anderen Regionen nahezu parallel die Aktienbörsen unter Druck kamen.

OEBPS/images/04_01_A_06_2016_Sch_n_image_01_new.pngDamit stellt sich natürlich die Frage, ob ein US-Präsident Donald Trump tatsächlich so gut für die US-Wirtschaft wäre. Zweifel daran sind sicherlich angebracht. Dies gilt nicht nur mit Blick auf seine starken Vereinfachungen und die zumindest vordergründig vorhandene Unwissenheit, dass der Außenhandel keinen unmittelbaren Einfluss auf die finanzielle Situation des jeweiligen Staates hat. Vielmehr sind seine protektionistischen Überlegungen zu undifferenziert, woraus die Folge von Strafzöllen auf Vorprodukte von für die US-Wirtschaft notwendigen Importen nicht auszuschließen sind. Dies würde auch die US-Wirtschaft betreffen. Viel gravierender wären jedoch die Folgen eines US-Präsidenten Donald Trump auf die Weltwirtschaft. Würde er seine Politik auch nur in Ansätzen erfolgreich umsetzen können, droht eine globale Rezession, von der starke Exportnationen wie China, Japan und eben auch Deutschland besonders betroffen wären. Losgelöst von seiner politischen Agenda wäre Donald Trump also zunächst weniger ein Problem für die US-Wirtschaft, sondern für andere Volkswirtschaften. Damit würde eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die unübersehbare Folgen hätte. So würde die chinesische Führung auf Beendigung bisheriger Handelsabkommen mit den USA oder der Einführung bestimmter Strafzölle ohne Probleme mit einem Verkauf von US-Staatsanleihen reagieren können und so die hochverschuldeten USA an den Rand einer dramatischen Finanzkrise bringen. Die Folgen der einfachen politischen Lösungen, die Donald Trump präsentiert, könnten dann zu unlösbaren globalen Problemen werden.

Diese Gefahren werden auch zunehmend in den USA gesehen, weshalb es Überlegungen gibt, eine Präsidentschaftskandidatur des US-Milliardärs noch zu verhindern werden kann. Statt solche Lösungen zu suchen, erscheint es jedoch sinnvoller, die starke wirtschaftliche Verflechtung, die glücklicherweise durch die Globalisierung entstanden ist, stärker hervorzuheben. Schließlich bemühen sich die Notenbanken und verschiedene supranationale Institutionen wie die Weltbank oder der Internationale Währungsfonds (IWF) seit Jahren, die Weltwirtschaft zu stabilisieren. Dies kann nur mit Reformen gelingen, die aber häufig nicht in Form von einfachen Antworten verfolgen können.

Dies hat der frühere US-Präsident Bill Clinton sehr eindrucksvoll gezeigt, indem er in seiner zweiten Amtszeit jährliche Haushaltsüberschüsse in den USA im dreistelligen Milliardenbereich erzielt hat. Seine Erfolgsbilanz trug maßgeblich dazu bei, dass die Theorie, US-Präsidenten aus dem republikanischen Lager seien besser für die internationalen Finanzmärkte, schon länger nicht mehr gilt. Donald Trump hat seine finanziellen Erfolge zwar an der Wall Street gefeiert, ihr Kandidat ist er deswegen noch lange nicht. Dies zeigt – anders als der US-Aktienmarkt – auch die Entwicklung der US-Währung, deren Außenwert in diesem Jahr deutlich gefallen ist. Dort wird das finanzielle Risiko der Verwerfungen eines protektionistisch ausgerichteten US-Präsidenten zunehmend eingepreist. Kurioserweise ist dies der wesentliche Aspekt, weshalb die US-Aktienmärkte eine etwas bessere Entwicklung als bspw. der doch deutlich im negativen Bereich liegende DAX aufweisen. Schließlich sorgt eine schwache Währung für preiswertere Exportpreise außerhalb des eigenen Wirtschaftsraums. Dies hat der US-Industrie geholfen, während stark auf den heimischen Markt fokussierte US-Unternehmen sich auch eher schwach entwickelten.

Das moderate Wachstum wird sich nicht durch Notenbanken oder bestimmte Personen in bestimmten Ämtern beschleunigen lassen. Dies ist nur mit zielgerichteten Reformen möglich. Gerade deshalb bleibt unabhängige Expertise für Geldanlagen wichtig, die der unabhängige Vermögensverwalter DVAM bietet.

Wie die DVAM GmbH als einer der führenden unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland vorgeht, zeigt ein stückweit unser wöchentlich per Mail erscheinender DVAM-Finanzmarkt-Newsletter, den BDC-Mitglieder für drei Monate kostenlos unter [email protected] anfordern können.

Schön M. Donald Trump: US-Präsidentschaftskandidat der Wall Street? Passion Chirurgie. 2016 Juni; 6(06): Artikel 04_01.

 

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Die Stille der Schuldenkrise

Während bis vor einiger Zeit die Euro-Schuldenkrise die internationalen Nachrichten beherrschte, haben andere Meldungen das Thema mittlerweile völlig verdrängt. Allerdings steigt die Verschuldung der Staaten in der Breite weiter. Deswegen ist die Frage gerechtfertigt, ob die Stille ein positives Signal oder das Zeichen der Ruhe vor dem Sturm ist.

Abb. 1: Quelle DVAM Research, Bloomberg

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Mindestens einmal monatlich kommt es zu einem Aufschrei von Politikern und Ökonomen, der vielfach von dem Jubelschrei an den Kapitalmärkten übertroffen wird. Ursache für diese gegensätzlichen Reaktionen sind die Notenbanken, die keine bis geringe Signale aussenden, ihre expansive Geldpolitik anzupassen. Während man den USA noch eine gewisse Dynamik hinsichtlich Leitzinserhöhungen zutraute, ist für die Euro-Zone seit geraumer Zeit klar, dass der EZB-Präsident Mario Draghi immer mehr Geld zu immer günstigeren Konditionen bereitstellen wird. Anders als im Jahr 2012 ist die Ursache allerdings nicht der drohende finanzielle Zusammenbruch einzelner Eurostaaten, sondern die nicht vorhandene Inflation. Dies verwundert etwas, da es fast ausschließlich auf den Preiseinbruch im Rohstoffsektor zurückzuführen ist. Von der negativen Preisentwicklung besonders betroffen sind die für die westlichen Volkswirtschaften relevanten Energierohstoffe, während industriell benötigte Metalle wie Kupfer oder Zink sich in einem normalen Preiszyklus bewegen. Wie dies durch niedrige Zinsen beeinflusst werden kann, erklärt sich auch bei intensiverer Analyse nicht. Schließlich investieren Unternehmen nur dann, wenn sie eine Rentabilität ihrer Investition absehen können. Im Moment ist dies zumindest bei Energierohstoffen weniger der Fall, weil es selbst Russland oder Saudi-Arabien auf dem aktuellen Preisniveau nur mühevoll gelingt, mit angemessenen Gewinnmargen zu produzieren. Entsprechend gering bleibt der Effekt, den die bisherigen geldpolitischen Maßnahmen auf die Inflationsrate haben, die weltweit rückläufig bleibt. Da die Weltwirtschaft insgesamt – aber auch bedeutende Wirtschaftsräume wie die USA – die Eurozone oder China teilweise sehr weit von einer Rezession entfernt sind, stellt sich vielmehr die Frage, ob die Notenbanken mit dieser Strategie nicht ein anderes Ziel verfolgen.

Der Blick auf die Entwicklungen der Staatsverschuldungen und der Refinanzierungsquellen scheint dies zu bestätigen. Mit wenigen Ausnahmen erhöhen nahezu alle Staaten ihre teilweise dramatische Verschuldung weiter. In den USA liegt diese bei unvorstellbaren 20 Billionen US-Dollar und damit mehr als achtmal so hoch wie in Deutschland. Ein historisch normales Zinsniveau von 4 % p. a. würde die laufende Zinslast der Vereinigten Staaten auf fast 1 Billion US-Dollar jährlich mehr als verdoppeln. Dies wäre für die USA dauerhaft nicht zu verkraften.

Ähnliches gilt aber selbst für Staaten wie Deutschland, da hier ein ausgeglichener Haushalt nur dank des extrem günstigen Zinsniveaus und sehr freundlicher konjunktureller Rahmendaten erreichbar ist. Entsprechend muss das Zinsniveau weltweit niedrig bleiben, um das globale Finanzsystem nicht wesentlich stärker zu gefährden als es im Jahr 2008 mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers der Fall war. Dies gilt auch, weil die Kreditinstitute weltweit und insbesondere in der Eurozone nie so stark wie aktuell in Staatsanleihen der jeweiligen Region investiert waren. Extremer ist nur noch das Vorgehen in Japan, da die dortige Notenbank die Staatsanleihen des Staates teilweise direkt bei Emission kauft und damit zum größten Gläubiger geworden ist.

Abb. 2: Silber im Vergleich zu Gold historisch unterbewertet, Quelle: DVAM

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Insgesamt ist Japan mit der Eurozone gut vergleichbar, da es ähnliche strukturelle und demografische Defizite gibt. Entsprechend wird es dort interessant zu beobachten sein, ob es innerhalb eines mittelfristigen Zeitraumes zu einem Schuldenschnitt kommen wird. Nur so lässt sich die globale (Staats-)Verschuldung wieder in den Griff bekommen. Ob dies dann im Ergebnis Schuldenschnitt, Vermögenssteuer, Sonderabgabe oder bspw. bei Immobilien Zwangshypothek heißt, kann entsprechend investierten Anlegern eigentlich egal sein. Schließlich ist das Ergebnis immer gleich: Das vorhandene Vermögen wird reduziert. Bei Staaten, die dies in der Vergangenheit durchgeführt haben, waren immer besonders gut quantifizierbare Anlagen wie Tagesgeld, Sparbücher oder Sparbriefe betroffen. Mit der in Europa geschaffenen Haftung von Anlegern für Schieflagen von Kreditinstituten hat sich dieses Risiko nochmals erhöht. Deswegen werden in einem solchen Szenario, das mittelfristig nicht nur in Japan bevorstehen könnte, Anlagen einen Vorteil bieten, die einer Marktpreisbildung unterliegen. Dies gilt natürlich auch für Immobilien und Edelmetalle, aber insbesondere für Aktien und Anleihen. Deswegen kann einer der Erfolgsfaktoren sein, das vorhandene Vermögen bzw. neu erfolgende Anlagen möglichst breit über die verschiedenen Anlageklassen zu streuen.

Natürlich ist es dann nicht sinnvoll, diese Streuung erst zu beginnen, wenn eine Restrukturierung von Schulden unmittelbar bevorsteht, sondern diese möglichst frühzeitig einzuleiten. Schließlich sind die Schulden des einen das Vermögen des anderen. Unser Vorgehen in der DVAM-Vermögensverwaltung ist, neben dem Schwerpunkt bei erstklassigen Unternehmensanleihen und Aktien nun laufende Erträge sukzessive in das Edelmetall Silber umzuschichten. Dies ist interessant, da Silber – ebenso wie Gold – einen Wertaufbewahrungsmittel ist, aber über Gold hinaus eine wesentlich stärkere industrielle Verwendung findet. Des Weiteren ist Silber klassischerweise ein Inflationsindikator, sodass mit dem Edelmetall unterschiedliche Anlageszenarien abgebildet werden können. Da diese Anlage aber auch stärkeren Schwankungen unterliegen kann, ist es nur interessant, solche Transaktionen mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont zu tätigen. Aber auch dann sollte keine Einmalanlage erfolgen, sondern ein Silberbestand sukzessive aufgebaut werden. Genau aus diesem Grund wird innerhalb der DVAM-Vermögensverwaltung laufender Ertrag sukzessive umgeschichtet. In einer langfristigen Betrachtung kann durch dieses Vorgehen ein umfangreicher Vermögenspuffer aufgebaut werden, der bei einer Restrukturierung von Verbindlichkeiten, die immer zu einer Vermögensminderung führen würden, kompensiert werden kann. Das Gesamtvolumen der Umschichtung laufender Erträge in Silber sollte allerdings bestimmte Vermögensgrenzen nicht überschreiten, um den Diversifikationsgedanken dauerhaft aufrechtzuerhalten.

Einfache Begründungen sind häufig gefährlich: Gold könnte auch einfach überbewertet sein.

So kann man von einer Preiserholung im Rohstoffbereich bspw. auch durch Investitionen in Aktien und Anleihen von rohstoffnahen Konzernen profitieren. Dies zeigt die Entwicklung einzelner Anleihen des weltgrößten Rohstoffhändlers Glencore sehr deutlich, die seit Jahresanfang 2016 teilweise mehr als 30 % an Wertzuwachs zu verzeichnen haben. Besonders eindrucksvoll wird damit die Behauptung widerlegt, im Anleihebereich könne man kein Geld verdienen. Hierfür ist unabhängige Expertise erforderlich, die im Finanzsektor von immer weniger Marktteilnehmern angeboten wird.

Wie die DVAM GmbH als einer der führenden unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland vorgeht, zeigt ein stückweit unser wöchentlich per Mail erscheinender DVAM-Finanzmarkt-Newsletter, den BDC-Mitglieder für drei Monate kostenlos unter [email protected] anfordern können.

Abb. 3: Quelle DVAM Research, Bloomberg

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Schön M. Die Stille der Schuldenkrise. Passion Chirurgie: 2016 Mai; 6(05): Artikel 04_01.

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Sind Zinsen ein Auslaufmodell?

Während das erste Halbjahr im vergangenen Jahr 2015 noch davon geprägt war, dass vielfach die „Alternativlosigkeit von Aktienanlagen“ ausgerufen wurde, sind diese Stimmen leiser geworden. Spätestens seit dem schlechtesten Jahresauftakt seit Bestehen des Leitindexes DAX sind diese Behauptungen völlig verstummt. Vielmehr setzt eine Flucht in vermeintliche Sicherheit ein, in der unter anderem deutsche Staatsanleihen profitieren. Allerdings sind gerade hier im kurzfristigen Bereich Renditeniveaus erreicht, bei denen der Kapitalverlust selbst zum Laufzeitende als sicher einzustufen ist.

Dabei haben Anleihen einen entscheidenden Vorteil gegenüber Aktienanlagen: wenn das emittierende Unternehmen nicht zahlungsunfähig wird, wird das eingesetzte Kapital zu einem bestimmten Stichtag vollständig zurückgezahlt. Gleichzeitig erhält man als Anleger während der Laufzeit Zinsen. Aber genau diese Situation ist teilweise sogar bei absolut sicher eingestuften Anleihen auf den Kopf gestellt. So müssen Anleger in deutschen Staatsanleihen mit kurzen bis mittleren Laufzeiten derzeit Negativzinsen akzeptieren. Anfang Januar 2015 belief sich dieser Negativzins bei über zwei Jahre laufenden Staatsanleihen auf – 0,83 Prozent p. a. Aus investierten 100.000 Euro werden so innerhalb der Laufzeit sehr schnell nur noch rund 99.000 Euro. Dies kann aber nicht das Ziel einer ausgewogenen Anlagestrategie sein, bei der das Ziel darin besteht, einen mittel- bis langfristigen Vermögenszusatz zu erzielen.

Deswegen weichen Anleger teilweise auf andere Papiere aus, die eine vergleichbare Sicherheit suggerieren. In Europa greift die Stimmung um sich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) so stark an den Märkten intervenieren wird, dass faktisch das Kreditrisiko ausgeschaltet ist. Dies mag für viele staatliche Verbindlichkeiten innerhalb der Eurozone sogar gelten. Durch die Bedeutung des Finanzsektors nahmen verschiedene Investoren an, dass sich dies auch auf Anleihen von Kreditinstituten erstrecken würde. Hier kam es zu einer fatalen Logik, bei der man annahm, dass staatlich gestützte Kreditinstitute eine besonders hohe Rückzahlungswahrscheinlichkeit aufweisen würden. Vor allem spekulativ orientierte Anlegergruppen versuchten hieraus ein Geschäft zu machen, da die entsprechenden Papiere eine Rendite oberhalb des jeweiligen Marktniveaus auswiesen.

Ein besonders extremes Beispiel dafür war direkt zum Jahresbeginn 2016 eine Anleihe der portugiesischen Banco Espirito Santo SA. Das Institut war durch den portugiesischen Staat gerettet und in zwei Bereiche aufgeteilt worden. Ähnlich wie für verschiedene deutsche Kreditinstitute gab es eine für die Abwicklung gedachte „Bad Bank“ und das durch diese Aufteilung operativ überlebensfähige Geschäft. Entsprechend sahen Anleger eine Chance, von der höheren Rendite bei Anleihen zu profitieren, die dieser operativ zukunftsfähig aufgestellten Einheit zugeschlagen worden waren. Allerdings hat man die bei der Rettung getroffene Regelung übersehen, dass solche Anleihen auch an das Abwicklungsinstitut mit den entsprechenden Rückzahlungsrisiken übertragen werden können. Diesen Schritt ist der portugiesische Staat nun gegangen, um den dortigen Steuerzahler nicht über die Maßen zu belasten, sondern die Risiken an Aktionäre und Anleihegläubiger des Kreditinstituts auszugliedern. So wurde aus der vermeintlichen risikolosen Überrendite sehr schnell ein sehr wahrscheinlicher Verlust der Vermögenssubstanz in Höhe von 90 Prozent. Wer also in ein solches Papier 100.000 Euro investiert hatte, verfügt nun noch ungefähr einen Gegenwert von 12.000 Euro.

Vor diesem Hintergrund scheint der Verlust auf zwei Jahre gesehen von 1.000 Euro bei einer kurzlaufenden, deutschen Staatsanleihe doch schon wesentlich verkraftbarer zu sein. Dies ist natürlich Unsinn, da auch kleine Verluste, sofern sie dauerhaft sind, nicht das Ziel einer Anlagestrategie sein dürfen. Langfristig muss die Geldanlage immer Gewinne nach sich ziehen. Dennoch kehren trotz der Turbulenzen an den Aktien- und Rohstoffmärkten immer wieder Behauptungen zurück, Sachwertanlagen seien alternativlos. Im Aktienbereich ist dies – wie Eingangs beschrieben – sehr eindrucksvoll widerlegt. Gleiches gilt für den Rohstoffsektor, der in vielen Sektoren, aber insbesondere im Edelmetallbereich weit von seinen Höchstkursen entfernt ist. Ähnliches gilt auch für Immobilien, die teilweise in manchen Regionen zum 30- bis 40-fachen der Jahresmiete verkauft werden. Eine nachhaltige Gewinnerzielung ist so nicht möglich. Gerechtfertigt werden solche extremen Bewertungen mit dem niedrigen Zinsniveau, bei dem Kredite bei entsprechender Bonität sehr günstig finanziert werden können. Immer wieder ist zu hören, der Zinssatz sei durch die Notenbanken zu einem Auslaufmodell geworden.

Mit dem Rückgang der Devisenreserven bei verschiedenen Staaten, aber insbesondere China, scheint man hier ein zusätzliches Argument gefunden zu haben. Wenn bspw. der chinesische Staatsfonds US-Staatsanleihen verkauft, kommt neues Angebot auf den Markt, was dann bei einer konstanten Nachfrage zu steigenden Preisen – in diesem Fall also steigenden Zinsen – führen müsste. Verschärft wird diese Entwicklung noch durch die Investitionen der so freiwerdenden Mittel durch die chinesische Regierung in die Ausweitung von Infrastrukturprojekten oder ähnlichen Wegen, um das Produktivkapital zu steigern. Damit wird eine klare Argumentation für Aktien und gegen Anleihen aufgebaut. Ein steigendes Zinsniveau würde aber gerade dazu führen, dass der Zins kein Auslaufmodell wird, sondern das gestiegene Zinsniveau dann Anleiheinvestitionen wieder attraktiv macht. Dem halten Kritiker entgegen, die Kursverluste würden gerade mit Blick auf das niedrige Zinsniveau zu einem schlechten Geschäft für Anleiheinhaber werden. Selbst wenn diese Theorie richtig wäre, wären dies nur temporäre Verluste, die bei Rückzahlung der Anleihe vollständig ausgeglichen würden. Entsprechend spielen kurzfristige Wertschwankungen für mittel- bis langfristige Anleiheanleger keine Rolle. Viel entscheidender ist allerdings, dass die Reduzierung von Devisenreserven nicht zu einem Rückgang des zur Verfügung stehenden globalen Anlagekapitals führt, sondern lediglich Umschichtungen nach sich zieht. Hier frühzeitig zu erkennen, in welche Richtungen das Kapital fließt und damit das vorhandene Anlageangebot verknappt, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die nachhaltige erfolgreiche Vermögensanlage.

Dafür ist eine unabhängige Datenbasis unerlässlich, wie sie z. B. der DVAM-Finanzmarkt-Newsletter des banken- und produktunabhängigen Vermögensverwalters DVAM GmbH bietet. Für BDC-Mitglieder besteht sogar die Möglichkeit eines kostenlosen Probeabonnements für drei Monate. Hierzu reicht die Zusendung einer E-Mail an [email protected] aus.

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Schön M. Sind Zinsen ein Auslaufmodell? Passion Chirurgie. 2016 Februar; 6(02): Artikel 04_01.

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Das Zinstief ist noch nicht erreicht

Das Anlagejahr 2015 war wesentlich extremer als die Jahre der globalen Finanzkrise 2008 und 2009, weil es in den letzten Monaten so viele Herausforderungen gab. Es erinnert sich jeder an den VW-Skandal, der öffentlich vor allem unter ökologischen Gesichtspunkten beleuchtet wird. Dies ist falsch, weil die deutsche Dieseltechnologie nicht nur weltweit führend ist, sondern unter ökologischen Gesichtspunkten weit umweltfreundlicher als die in den USA weit verbreiteten, hubraumstarken Fahrzeuge. Berücksichtigt man die Herstellungs- und vor allem die Entsorgungskosten, ist die Mehrzahl der Dieselfahrzeuge ökologisch weniger bedenklich als Hybrid- oder Elektroantriebe. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten wirft dieser Skandal natürlich besondere Fragestellungen auf. Dies ist einer der größten moralischen Skandale, da Käufer, Anleger und die gesamte Öffentlichkeit von VW getäuscht wurden. Die Wahrnehmung und kritische Auseinandersetzung führte zu Einschätzungen an den Kapitalmärkten, die den Konzern mit 200 Mrd. Euro Jahresumsatz und weltweit 600.000 Beschäftigten nahe an die Insolvenz manövrierten. Dies war eine weitere Übertreibung, die das Anlagejahr 2015 mit sich brachte.

In der Folge des Skandals brachte die volle Kraft der Finanzmärkte nicht nur VW ins Wanken, sondern wenige Wochen zuvor waren wesentliche Aktienmärkte um 30 % eingebrochen. Mit diesem Rückgang verstummten schlagartig viele Analysten mit Ihrer Einschätzung einer Alternativlosigkeit von Aktien. Vielmehr sah man sich nun einem Crash-Szenario gegenüber, weil man nach Einbrüchen an den chinesischen Aktienmärkten von einem Wirtschaftsabschwung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ausging. Dabei wächst China einfach etwas langsamer. Nach unserer Einschätzung wird dies auch im Jahr 2016 so bleiben. Da China aber eine starke Basis entwickelt hat, sorgen auch niedrigere, relative Zuwächse für starke Effekte. Deswegen wird eine mögliche globale Wachstumsschwäche nicht von China ausgehen.

Abb. 1

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Schließlich stemmen sich die Notenbanken mit Macht gegen einen Wirtschaftsabschwung und gegen die zunehmenden Risiken einer Deflation. Dennoch haben Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) im zweiten Quartal 2015 nicht vor einem historischen Anstieg der Zinsen schützen können. Zwar war dies ein Ereignis, das nach Berechnung eines US-Analysehauses nur alle 15.000 Jahre möglich ist, die vielfach damit erwartete Zinswende ist aber dennoch ausgeblieben. Tatsächlich war es eine starke Gegenbewegung in einem weiter abwärtsgerichteten Zinstrend, der sich auch im Jahr 2016 fortsetzen wird. Allerdings sind hier Ausdifferenzierungen wahrnehmbar: Während die US-Notenbank sich von ihrer Null-Zinspolitik verabschiedet, wird die EZB unter Führung von Mario Draghi das Tempo noch weiter erhöhen. Das Jahr 2016 wird von weiteren Maßnahmen der EZB geprägt sein, daher ist es nicht unwahrscheinlich, im kommenden Jahr erstmals in einem wirklich großen Währungsraum negative Leitzinsen zu erleben, die in einem extremen Szenario auf -0,25 % p. a. abgesenkt werden könnten. Damit verliert Geld – gerade für konservative Anleger – vordergründig seinen Aufbewahrungswert. Vor allen Dingen geht aber immer stärker eine risikoadäquate Bepreisung zurück (Abb. 1). Damit gewinnt der Satz „Aus dem risikolosen Zins ist ein zinsloses Risiko geworden.“ wieder stark an Bedeutung. Die Renditen der Staatsanleihen der Eurostaaten werden sich im Jahr 2016 durch die künstliche Nachfrage der EZB noch weiter reduzieren. Die Renditedifferenzen zwischen den einzelnen Staaten werden immer geringer. Dies wird ein Absinken der Renditen deutscher Staatsanleihen mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren in den negativen Bereich haben. Schon jetzt stellen kürzer laufende Anleihen immer neue Kursrekorde auf. Allerdings werden auch damit deutliche Wertveränderungen einhergehen. Schwankungen von bis zu 10 % innerhalb des kommenden Jahres bei den als absolut konservativ geltenden deutschen Bundesanleihen sind eher wahrscheinlich. Solche Schwankungen kennt man sonst eigentlich nur vom Aktienmarkt.

Deswegen werden auch im Jahr 2016 viele Anleger auf die vordergründig gut nachvollziehbare Argumentation zurückgreifen. Aktien seien alternativlos, weil Anleihen keine laufende Rendite mehr bieten. Natürlich ist dies nur eingeschränkt richtig. Selbst bonitätsstarke, aber aufgrund der Branche gemiedene Rohstoffwerte, bieten Renditen von teilweise deutlich über 4 % p. a. bei fünf Jahren Laufzeit. Zudem bieten börsennotierte Anleihen auch immer eine Kurschance. Wenn das Zinsniveau weiter sinkt, steigen viele Anleihen im Kurs. Damit unterscheidet sich diese transparente Anlageform deutlich von Festgeld oder Spareinlagen, die tatsächlich im aktuellen Umfeld kaum sinnvoll sind. Erschwerend kommt noch die Zielsetzung vieler Kreditinstitute hinzu, ihre Ertragsbasis zu Lasten der jeweiligen Kunden auszubauen. Anleger sollten daher im Jahr 2016 Kreditinstitute in ihrem Portfolio meiden. Dies gilt umso mehr, da Kreditinstitute stets in die Abwicklung des Zahlungsverkehrs eingebunden sind. Schon aus dieser resultierenden Abhängigkeit sind die damit verbundenen Risiken nicht zu unterschätzen. Anlagen sollte man daher so weit wie möglich unabhängig von Kreditinstituten tätigen, aber auch Bankanleihen und -aktien meiden. Vielversprechender erscheint hingegen das Luxusgütersegment, in dem es zwar in Deutschland wenige Anbieter gibt, international gibt es aber einige Werte, die diesem Segment hinzuzuzählen sind und an den Kapitalmärkten gehandelt werden. Allerdings sollte die konkrete Unternehmens- und Wertpapierauswahl aufgrund der Komplexität dann eher an einen unabhängigen Vermögensverwalter delegiert werden. Dies gilt umso mehr, wenn man sich einer Branche annähert, die im Jahr 2016 sicherlich besondere Möglichkeiten bietet, dafür auch als sehr schwankungsintensiv eingestuft werden muss. Die Unternehmen aus dem Rohstoffsektor haben ein sehr schlechtes Jahr 2015 hinter sich. Nahezu alle Rohstoffe sind deutlich im Preis gefallen. Betrachtet man insbesondere Energierohstoffe und industriell benötigte Metalle, wäre eigentlich eine dramatische Rezession zu erwarten, die sich allerdings mit Blick auf die Unternehmens- und Wirtschaftsdaten nicht abzeichnet. Der Rohstoffbereich ist sehr stark von Spekulanten beeinflusst, die sich auch schnell anderen Themenfeldern zuwenden könnten. Dann werden viele Anleihen und Aktien im Rohstoffbereich wieder deutlich an Wert gewinnen. Das Segment gilt allerdings nur als Beimischungen und ist für Anleger geeignet, die Wertschwankungen auch tolerieren wollen. (Abb. 2)

Abb. 2

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Allerdings muss man sich auch hier die Frage stellen, ob man dann eher Aktien oder Anleihen kaufen sollte. Die Ergebnisse im Jahr 2015 haben eindeutig gezeigt, wie unrichtig eine allgemeine Meinung sein kann. Das Bild der Alternativlosigkeit von Aktien ist widerlegt. Unstrittig bieten – gerade im Rohstoffbereich – Aktien natürlich deutliche Kurssteigerungspotentiale. Allerdings sind damit auch hohe Risiken verbunden. Obwohl die letzten fünf Aktienjahre überwiegend positiv waren, lagen die Risiken höher als die Chancen (Abb. 3). So konnte ein Anleger im Jahr 2013 mit europäischen Aktien bspw. 16 % Wertzuwachs erreichen, in einem negativen Szenario musste er allerdings einen Verlust von bis zu 19 % hinnehmen. Das Jahr 2015 stach durch die vielen Belastungsfaktoren nochmals stärker hervor. Einem Wertzuwachs von bis zu 9 % stand ein Verlustrisiko von bis zu 17 % gegenüber. Natürlich kann man dies mit einer adäquaten Titelauswahl und einem guten Markttiming optimieren. Hierzu ist aber eine fundierte Marktmeinung unerlässlich. Daneben darf man nicht vergessen, dass gerade konservative Anleger nur sehr begrenzte Verlustrisiken akzeptieren können. Auch in dem aktuell niedrigen Zinsniveau ist eine Kompensation von größeren Verlusten auf der Aktienseite schwierig. Deswegen kommt es auf eine ausgewogene Mischung an, die auch im Zinsbereich Kursgewinne ermöglicht, aber auch die Möglichkeit einer laufenden Rendite schafft.

Abb. 3

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Laufende Informationen zu dem VW-Skandal und natürlich zu allen anderen Themen, die an den internationalen Kapitalmärkten relevant sind, bietet der wöchentlich per E-Mail erscheinende DVAM-Finanzmarkt-Newsletter. Dieser ist für BDC-Mitglieder unter [email protected] derzeit kostenlos und unverbindlich bestellbar.

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Volkswagen – folgt der Bankenkrise nun die Industriekrise?

Wie aus heiterem Himmel brach über die deutsche Wirtschaft der Abgas-Skandal bei Volkswagen herein. Was zunächst wie eine Randnotiz erschien, löste dann mit einem Umfang von bis zu elf Millionen Fahrzeugen zumindest in den Medien eine Krisenstimmung aus, die es eigentlich seit der Weltfinanzkrise des Jahres 2008 nicht gegeben hat. Führende Politiker wurden nicht müde, die Risiken für Volkswagen und darüber hinaus für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland zu betonen. Selbst das Qualitätsmerkmal „Made in Germany“ stand plötzlich infrage. Deswegen lohnt es sich, sich intensiver mit dem Skandal und möglichen Ableitungen daraus für Anleger auseinanderzusetzen.

Deutsche Ingenieurskunst im Zweifel

Der zwischenzeitlich zu vernehmende und glücklicherweise wieder abgeklungene Abgesang auf den Wirtschafts- und Innovationsstandort Deutschland stellt in dem gesamten Skandal vielleicht die größte Gefahr dar. Deutschland verfügt kaum über international nachgefragte und benötigte Rohstoffe. Die größten Werte der Volkswirtschaft sind Bildung, Forschung und Entwicklung. Deswegen ist die deutsche Ingenieurskunst weltweit so hochangesehen. Alle Behauptungen, die nun diese Qualität pauschal infrage stellen, können sich zu einer großen Gefahr für den Standort entwickeln. So käme kein US-Amerikaner auf den Gedanken, dass General Motors unsichere Autos baue, selbst wenn dort bestehende Probleme unmittelbar lebensbedrohliche Ausmaße angenommen haben. Deswegen gibt es schon kopfschüttelnde Reaktionen, wie sich Deutschland und das dort vorhandene Fachwissen selbst infrage stellt. Etwas mehr Selbstvertrauen in die eigene Errungenschaften wären auch in vielen Medien wünschenswert.

Skandal richtig einordnen

Natürlich darf dies nicht dazu führen, diesen Skandal klein zu reden. Eine Einordnung ist aber hilfreich: Es handelt sich weniger um einen ökologischen Skandal. Schließlich sind die relativ hubraumschwachen Dieselmotoren, die von den Manipulationen betroffen sind, in ihrem Gesamtschadstoffausstoß deutlich umweltfreundlicher als gerade in den USA übliche großvolumige Benzinmotoren. Dies gilt im Übrigen sogar für Hybrid- oder reine Elektroantriebe, wenn man die Entsorgung der teilweise hochgiftigen Batterien und Akkus in die Abgasbeurteilung einbezieht. Hinzu kommt noch die Frage, aus welcher tatsächlichen Energiequelle die Akkus denn gespeist werden. Auch hier sind die USA mit einer Energieerzeugung, die nach wie vor zu fast 50 % auf Kohle basiert, kein ökologisches Vorbild. Deswegen sind die ökologischen Aspekte für eine Beurteilung des Skandals weit weniger entscheidend als dies dargestellt wird.

Moralische Enttäuschung

Wesentliche Bedeutung hat hingegen die moralische Komponente des Skandals. Statt einzuräumen, dass man in einem für Volkswagen selbst relativ unbedeutenden Markt die ökologisch fragwürdigen Abgasnormen nicht erreichen könnte, hat der Konzern entschieden, eine Software einzubauen und im Ergebnis nicht nur Kunden, die Aktionäre als Eigentümer des Unternehmens, sondern auch die Öffentlichkeit über viele Jahre zu täuschen. Das damit verlorene Vertrauen ist der Hauptbelastungsfaktor für den Kapitalmarkt, weil dies in dieser Phase hoher Unsicherheit für die Beurteilung einer dauerhaften Überlebensfähigkeit viel entscheidender als aktuelle Unternehmensdaten ist. Von der Unternehmenssubstanz ist der nur noch mit ca. 45 Mrd. Euro bewertete Automobilkonzern eigentlich nicht gefährdet, da sich allein aus dem Verkauf eines Drittels der im Konzern befindlichen Marken, Erlöse von mehr als 100 Mrd. Euro erzielen lassen. Gleichzeitig verfügt das Unternehmen über 20 Mrd. Euro Liquidität und verfügt über erhebliche Kostensenkungspotentiale.

Ist VW zukunfts- und überlebensfähig?

Also muss man bei einer Betrachtung der aktuellen Zahlen VW als klaren Kauf bewerten. Allerdings ist es nicht so einfach, da es nicht um die aktuelle unternehmerische Substanz sondern um die Zukunftsperspektiven geht. Hier ist durch die erfolgte Täuschung viel Vertrauen verlorengegangen. Es stellt sich die Frage, ob man auf dieser Basis ein Unternehmen zukunfts- und überlebensfähig gestalten kann. Dies sehen wir momentan sehr kritisch, da die bisherigen personellen Konsequenzen nicht auf eine wirkliche Aufklärung deuten und teilweise – insbesondere aus Richtung des Aufsichtsrates – eine unglückliche Kommunikation erfolgt ist.

Die Kapitalmärkte legen hier – zu Recht – den Finger in die Wunde: Man traut VW momentan nicht zu, die vollständige Tragweite des Skandals abzuschätzen. Daraus kann tatsächlich eine existenzbedrohende Situation entstehen. So würde dann ein moralischer Skandal größten Ausmaßes tatsächlich ein substanzstarkes Unternehmen in Gefahr bringen.

Bei Zusammenbruch droht Massenarbeitslosigkeit

Allerdings würde mit Volkswagen dann die gesamte deutsche Volkswirtschaft wanken. Weltweit beschäftigt der Konzern unmittelbar 600.000 Mitarbeitende, in Deutschland sind dies 300.000 Menschen. Berücksichtigt man die Zulieferunternehmen und auch branchenfremde Dienstleister, hängt an der deutschen Automobilindustrie jeder sechste Arbeitsplatz. Bei einem Zusammenbruch von Volkswagen droht dann nicht nur Massenarbeitslosigkeit, sondern auch der Einbruch bei vielen Steuerzahlungen, was dazu führen würde, dass selbst Deutschland die Top-Bonitätsbewertung der Ratingagenturen verlieren könnte. Dies zeigt, dass es auch im industriellen Bereich inzwischen Konzernstrukturen gibt, die ganze Volkswirtschaften an den Rand des Abgrunds bringen können. Im Finanzsektor ist dies im Übrigen ausgeprägter als jemals zuvor. Deswegen ist hier eine Diversifikation und unabhängige Expertise wichtig. Dies leistet jedoch kein Kreditinstitut.

Bezogen auf VW muss der Grundsatz gelten, dass dies noch ein Problem des Konzerns ist, aber Politik und Gesellschaft wachsam auf die weiteren Entwicklungen reagieren müssen. Anleger brauchen in dieser Phase starke Nerven und Geduld. Dies fällt mit unabhängiger Beratung leichter.

Laufende Informationen zu dem VW-Skandal und natürlich zu allen anderen Themen, die an den internationalen Kapitalmärkten relevant sind, bietet der wöchentlich per E-Mail erscheinende DVAM-Finanzmarkt-Newsletter. Dieser ist für BDC-Mitglieder unter [email protected] derzeit kostenlos und unverbindlich bestellbar.

Schön M. Volkswagen – folgt der Bankenkrise nun die Industriekrise? 2015 November; 5(11): Artikel 04_01.
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