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Gesetzentwurf zur Reform der Notfallversorgung liegt vor

Der Gesundheitsminister Jens Spahn legte am 09.01.2020 einen Entwurf zur Notfallgesetzgebung vor.

Ziel soll es sein, die ambulante, stationäre und rettungsdienstliche Notfallversorgung zu einem System der integrierten Notfallversorgung auszubauen. Im Moment kämen viele Patienten in die Notfallambulanz ins Krankenhaus, obwohl deren Beschwerden keine stationäre Versorgung erforderten und die auch ambulant versorgt werden könnten.

Laut Bundesministerium für Gesundheit soll an bestimmten Krankenhäusern Integrierte Notfallzentren eingerichtet werden. Hier soll eine qualifizierte Ersteinschätzung bzlg. des Behandlungsbedarfs der Patienten erfolgen.  Auch ein Gemeinsames Notfallleitsystem soll helfen, damit die Patienten bereits telefonisch in die entsprechende Versorgungsschiene geleitet werden können.

Laut dem Gesetzentwurf wird in Zukunft der Rettungsdienst als eigener Leistungsbereich angesehen. Damit können auch Rettungsdienste Einsätze vergütet bekommen, bei denen der Patient nur vor Ort behandelt wird und keine Fahrt ins Krankenhaus notwendig ist.

Referentenentwurf zur Reform der Notfallversorgung

„Viele richtige Schritte hin zu einer zukunftsfähigen Notfallversorgung“

„Die Fakten sprechen für die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen): Sie bauen konsequent den Patientenservice rund um die bundesweite Nummer 116117 aus. Vor diesem Hintergrund ist es folgerichtig, dass der aktuelle Referentenentwurf zur Notfallgesetzgebung auf diese Strukturen unter der Federführung der KVen aufsetzt“, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, heute in Berlin.

Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Dr. Stephan Hofmeister und Dr. Thomas Kriedel attestierte er dem Referentenentwurf „viele Schritte in die richtige Richtung“. Positiv wertete der KBV-Vorstand, dass dem Gesetzgeber offenbar die wichtige Rolle des ärztlichen Bereitschaftsdienstes bewusst sei. Die KVen hätten gut funktionierende Strukturen aufgebaut.

Unter der Nummer 116117 ist derzeit der ärztliche Bereitschaftsdienst erreichbar. Seit Beginn dieses Jahres können Patienten zusätzlich den Terminservice der KVen in Anspruch nehmen (Vermittlung von Terminen bei niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten). Zudem werden sie im Rahmen eines Ersteinschätzungsverfahrens unterstützt, um die richtige Anlaufstelle für ihre Behandlung zu finden.

Der KBV-Vorstand begrüßte, dass der Entwurf „das Prinzip ambulant vor stationär“ aufgreife. „Damit wird die Versorgung der Patienten verbessert“, konstatierte Gassen. Folgerichtig sei es auch, dass die Idee eines „dritten eigenständigen Sektors“ bei der Notfallversorgung nicht mehr verfolgt werde.

Einige Details sind noch zu klären. „Das KV-System ist gut aufgestellt“, führte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV aus. „Die KVen haben zahlreiche regional passende Angebote und Strukturen auch an Krankenhäusern bereits eingerichtet. Es muss immer darauf geachtet werden, dass bei der Notfallreform auf diese bestehenden Strukturen aufgebaut wird.“

Die KBV setzt auf eine gute Kooperation mit den Krankenhäusern. „Insbesondere die kollegiale Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten an den Krankenhäusern ist uns wichtig“, sagte Gassen.

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Herbert-Lewin-Platz 2, 10623 Berlin, www.kbv.de, Praxisnachrichten 09.01.2020

DKG zu ihren Erwartungen an die politische Agenda 2020

„Im Jahr 2020 muss die Krankenhauspolitik auf die Tagesordnung der Bundes- als auch der Landesebene gehoben werden. Dabei muss es vor allen Dingen darum gehen, dass wieder mit den Krankenhäusern gesprochen wird und nicht über sie“, fordert Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zum Jahresstart. Mit einem Krankenhausgipfel in diesem Jahr muss endlich der Weg zu einem konstruktiven Miteinander beschritten werden. Angesichts massiv gestiegener Defizite in den Kliniken und einer dramatisch erhöhten Insolvenzgefahr kann die Politik nicht weiterhin tatenlos zuschauen. „Die Misstrauenskultur und der kalte Strukturwandel haben die stationäre Versorgung in Deutschland bis aufs Mark erschüttert. Wir benötigen aktive Krankenhausplanung und eine offene Debatte über die bedarfsnotwendigen Versorgungsstrukturen, und das sektorenübergreifend. Die Krankenhäuser sind zu dieser Diskussion bereit. Es ist an der Zeit, dass sowohl politische Entscheidungsträger als auch die Kostenträger aufhören, über den Missbrauch von Qualitätssicherungsmaßnahmen und Rechnungsprüfungen Krankenhäuser in die Insolvenz zu treiben. Diese planlose Strukturpolitik wirkt zerstörerisch und führt zur Lücken in der Versorgung der Patientinnen und Patienten“, so Gaß.

Nach Ansicht des Präsidenten der DKG darf ein möglicher Krankenhausgipfel nicht als Beruhigungspille mit aufschiebender Wirkung genutzt werden. „Wir brauchen sofort ein Zeichen der Politik, dass sie sich ernsthaft bemüht, Vertrauen zu stiften und die Lage zu deeskalieren. Ein erster wichtiger Schritt wäre es, die 300 Euro Strafzahlungen für Rechnungsanpassungen zu streichen. Krankenhäuser sind keine Betrüger, die man betrafen muss. Damit würde die Politik den Beschäftigten in den Kliniken signalisieren, dass sie ihre Arbeit wertschätzt“, so Gaß.

Nach Ansicht der DKG müssen 2020 wesentliche Weichenstellungen getroffen werden. Der Personalmangel in der Pflege muss ganz vorne auf der Agenda stehen. Statt der starren und bürokratischen Personaluntergrenzen muss die Politik einen Weg finden, Pflegepersonal bedarfsgerecht zuzuordnen. Die Personaluntergrenzen bilden den tatsächlichen Pflegebedarf nicht ab. Gleichzeitig belasten sie aber die Pflegekräfte mit noch mehr Bürokratie und gefährden die Versorgung in den Krankenhäusern. „Wir stellen in den kommenden Wochen gemeinsam mit Ver.di und dem Deutschen Pflegerat unser Personalbedarfsbemessungsinstrument vor, das die Pflegepersonaluntergrenzen ersetzen soll. Wir erwarten, dass die Politik die Weiterentwicklung und Umsetzung dieses Vorschlag mit Energie vorantreiben wird“, erklärt DKG-Präsident Gaß.

Gleichzeitig ist eine offene Debatte um die Strukturen der ambulanten und stationären Versorgung notwendig. Noch immer fehlt ein nachhaltiges Konzept für die Notfallversorgung. Hier droht möglicherweise erneut eine scharfe Auseinandersetzung um die Sicherstellung flächendeckender und wohnortnaher Versorgungsangebote.

Immer drängender wird auch die Frage, wie man dauerhaft aus der Investitionsfalle herauskommen kann. „Die DKG wird mit einem Vorschlag versuchen, die Debatte im Frühjahr voranzutreiben. Es ist nicht weiter hinnehmbar, dass die Länder Jahr für Jahr den Krankenhäusern die Hälfte der Investitionsmittel schuldig bleiben. Auch dieses Thema gehört auf den Krankenhausgipfel. Wir fordern eine echte, offene und ernst gemeinte Strukturdebatte, die in von allen getragene Entscheidungen münden muss. Der Krankenhausgipfel muss glaubwürdige Antworten auf diese drängenden Fragen finden.

Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V., 10623 Berlin, www.dkgev.de, 01.01.2020

 

Personalia Januar 2020

Prof. Dr. med. Alexander Albert, Experte in minimal-invasiven Operationen und Kunstherztherapie und zuvor Oberarzt der Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf, leitet seit Mitte Oktober 2019 die Herzchirurgie am Klinikum Dortmund.

Dr. med. Franz Stefan Biber wechselte aus der Position des Oberarztes der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie der Elbe Kliniken Stade-Buxtehude, Klinikum Stade an das AMEOS Klinikum Mitte Bremerhaven. Dort ist er Chefarzt der Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie.

Dr. med. Faez Georg Chahoud und PD Dr. med. S. Müller bilden die neue Doppelspitze der Chirurgie der Hunsrück Klinik Kreuznacher Diakonie in Simmern. Die Chirurgie gliedert sich nun in zwei Bereiche. Herr Dr. Chahoud leitet den Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie, während PD Dr. med. Stefan A. Müller für die Allgemein- und Viszeralchirurgie verantwortlich ist.

Prof. Dr. med. Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des BG Klinikums Unfallkrankenhaus Berlin (ukb), ist im November 2019 zum Unternehmens-/Klinikführer
des Jahres gewählt worden. Damit würdigt die Digital-Health-Plattform „Entscheiderfabrik“ die Patenschaft von Professor Ekkernkamp für eines von fünf Projekten, die 2019  beispielhaft die digitale Transformation von Prozessen in der Medizin voranbringen sollen.

Dr. med. Stephan Elenz ist neuer Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie Sana Kliniken Duisburg. Er kam aus dem St. Marien-Hospital in Mühlheim, wo er langjährig
als Oberarzt und seit 2002 als Chefarzt die Unfall-, Wiederherstellungs- und orthopädische Chirurgie leitete.

PD Dr. med. Antonio B. Ernstberger wechselte von der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Regensburg an das Klinikum Osnabrück. Dort ist er der neue Chefarzt im Bereich Unfall- und Handchirurgie.

Prof. Dr. med. Philipp Geisbüsch, zuvor Oberarzt am Universitätsklinikum Heidelberg, trat am 1. November die Nachfolge von Prof. Dr. med. Thomas Hupp als Chefarzt der Gefäßchirurgie am Klinikum Stuttgart an. Prof. Dr. med. Thomas Hupp verabschiedete sich in den Ruhestand.

Dr. med. Matthias Jacob, zuvor Oberarzt der Unfallchirurgie, Orthopädie und Wiederherstellungschirurgie der München Klinik Neuperlach, ist seit dem 01. Oktober 2019 Chefarzt der Abteilung.

PD Dr. med. Daniel Kauff, MHBA, FACS, FEBS ist neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie mit Unfallchirurgie der Kliniken Nagold. Er war zuletzt Funktionsoberarzt an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo er auch das Viszeralonkologische Zentrum koordinierte.

Prof. Dr. med. Werner Kneist, vormals Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität
Mainz, ist nun Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der St. Georg-Klinikum gGmbH in Eisenach.

Dr. med. Thorsten Kohlstock wechselte als Chefarzt der Gefäßchirurgie des Klinikums in den Pfeifferschen Stiftungen GmbH Magdeburg an die Klinik für Gefäßchirurgie des
AMEOS Klinikum Schönebeck.

Chirurgie zum Mitmachen macht Schule

BDC-Vize leitet Workshop am Gymnasium

Drei Workshops hat BDC-Vizepräsident Dr. med. Rüggeberg jetzt schon in Ottersberg am Gymnasium durchgeführt. Die ARD war beim letzten Mal dabei und hat berichtet. Wenn Sie SchülerInnen in Ihrer Nähe auch von der Chirurgie überzeugen wollen, melden Sie sich gern bei uns, wir helfen bei der Organisation und mit Materialien.

Zum TV-Beitrag

Webinar-Termin im Januar 2020: S2k-Leitlinie „Typ B Aortendissektion“

Webinar S2k-Leitlinie
„Typ B Aortendissektion“
30.01.2020, 18:00 Uhr
www.bdc-webinare.de

Seit September 2017 gibt es die BDC|Webinare (www.bdc-webinare.de). Bisher wurden auf der Plattform insgesamt 24 Leitlinien von Experten erfolgreich vorgestellt und besprochen. Jeden Monat wird von einem 45-minütigem Webinar eine chirurgisch relevante Leitlinie in ihren Grundzügen vorgestellt. Anschließend kann mit dem Referenten und anderen Teilnehmern via Chat diskutiert werden, selbstverständlich kostenfrei für alle BDC-Mitglieder. Und jede Teilnahme wird in der Regel mit zwei CME-Punkten zertifiziert.

Webinare im Archiv abrufen

Auch wenn einmal ein Termin verpasst wird, ist das kein Problem, denn der aufgezeichnete Vortrag mit Diskussion kann jederzeit aus dem Webinar-Archiv abgerufen werden.

Detaillierte Informationen und Termine zu diesem Lernangebot und allen Webinaren sind unter www.bdc-webinare.de zu finden.

Wolfgang Müller-Osten-Medaille für besonderes Engagement

Im Rahmen der BDC-Präsidiumssitzung wurden im November 2019 zwei Wolfgang Müller-Osten-Medaillen verliehen. Der Berufsverband ehrt damit herausragende Persönlichkeiten, die sich in ihrer langjährigen Tätigkeit für die Interessen von Chirurginnen und Chirurgen in Deutschland mit großem Engagement eingesetzt haben.

Besondere Anerkennung gebührt Herrn Prof. Dr. med. Ferdinand Köckerling (links im Bild) für seinen persönlichen Einsatz in der Konzeption, dem modularen Aufbau und der Durchführung der Seminarreihe Hernienschule innerhalb der Deutschen Akademie für chirurgische Fort- und Weiterbildung. Neben der ausgewiesenen fachlichen Expertise ist es vor allem auch seiner Empathie gegenüber den Teilnehmern zu verdanken, dass die Hernienschule fester Bestandteil des BDC-Seminarprogramms geworden ist.

Ebenso ehrt der BDC Herrn Rainer Kübke für seinen persönlichen Einsatz im Sinne der chirurgischen Gemeinschaft. Viele Jahre engagierte er sich im Rahmen der vom BDC eingerichteten Gemeinsame BG-Kommission der unfallchirurgischen und orthopädischen Berufsverbände u. a. zusammen mit der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Daneben hat sich Rainer Kübke als langjähriger Vorsitzender des BDC-Landesverbands Berlin mit großem Engagement für die Interessen der Berliner Kollegenschaft eingesetzt.

Sicherheit ist kein Projekt, das man mal vier Wochen macht

Technik ist gut und schön – solange sie funktioniert. Das gilt für die Informationstechnologie (IT) in Betrieben besonders, denn ohne IT laufen viele betriebliche Prozesse gar nicht mehr. Einen kleinen oder größeren Schaden hat fast jedes Unternehmen schon erlebt – mit unangenehmen Folgen. Wie man sich vor IT-Schäden schützt und was man ganz praktisch tun kann, erläutert Frank Rustemeyer von HiSolutions, Partner der Ecclesia Gruppe, im Interview.

Sie kümmern sich um die IT-Sicherheit von Unternehmen und Organisationen. Wie lange dauert es, einen Schaden im IT-System zu beseitigen?

Frank Rustemeyer: Das kommt auf den Schaden an. Und auf den Kunden. Manche Fälle, zum Beispiel einfache Virusattacken, können wir sehr schnell in den Griff bekommen, wenn alle Präventionsmaßnahmen stimmen. Ein gut vorbereitetes Unternehmen kann dann eine Datensicherung zurückspielen, das befallene Gerät neu aufsetzen und relativ schnell wieder im Normalbetrieb arbeiten.

Wir begleiten aber auch komplexe Schadenfälle, angefangen bei solchen, wo entweder Präventionsmaßnahmen nicht da waren oder nicht funktioniert haben, bis hin zu hochkomplexen Angriffen, die in den Bereich Industriespionage gehen, wo ganze Konzerne monatelang unterwandert werden. Da dauert es dann auch Monate, bis man solch ein Netz wieder unter der eigenen Kontrolle hat.

Das klingt teuer.

Frank Rustemeyer: Der Ausfall ist meistens das größte finanzielle Problem: Wenn beispielsweise 100 Leute nicht arbeiten können, gibt es keine Erträge, aber die Kosten laufen weiter. Dazu die Kosten, die durch den Schaden verursacht werden: Dinge, die neu installiert werden müssen, Rechtsanwaltskosten, Kommunikationskosten und Kosten für Dienstleister wie uns. Die Schadenssumme geht bei einem ernsteren Angriff sehr schnell in fünf-, sechsstellige Bereiche.

Welches sind die Hauptrisiken, denen IT-Systeme und damit die Unternehmen ausgesetzt sind?

Frank Rustemeyer: Es gibt „technisches Versagen“: Ausfälle, kaputte Datenträger, die Schäden verursachen können. Solche Risiken kann man im Betrieb recht gut einplanen und beherrschen. Schwieriger wird es in dem Bereich, wo menschliche Fehlhandlungen Schäden verursachen, im schlimmsten Fall wirklich bösartiges Handeln. Die Bandbreite reicht von ungerichteten Angriffen von außen, bei denen Hacker versuchen, in Netze einzudringen, bis hin zu eigenen Mitarbeitenden, die sich bereichern oder dem Unternehmen schaden wollen – etwa aus Rache. In diesen Fällen sind die Schäden meist schlimmer und schwerer zu beherrschen als beim Angriff von außen, denn ein Innentäter kennt die internen Strukturen.

Wie kann man sich schützen?

Frank Rustemeyer: Man kann ganz viele Schutzmaßnahmen ergreifen, die alle ihre Wirkung entfalten: zunächst im technischen Bereich, dann durch Prozesse, also beispielsweise, dass Aufgaben nur im „Vier-Augen-Prinzip“ erledigt werden, ferner durch Vorgaben, durch Kontrollen, durch Schulungen … Nicht für jedes Unternehmen ist es angemessen und wirtschaftlich leistbar, hier auf die allerhöchste Stufe zu zielen. Es ist letzten Endes ein Abwägen zwischen Aufwand und Risiko: Welche Prozesse sind überhaupt IT-abhängig und in welcher Ausfall-Zeit führt das zu welcher Problemklasse? Welche präventiven Maßnahmen kann man ergreifen, die mit überschaubarem Einsatz eine große Schutzwirkung erzielen? Und welches sind Risiken, die man auch sehend in Kauf nehmen kann?

Zur Person

Frank Rustemeyer
Chief Operations Officer (COO)
Geschäftsbereich Security Consulting
HiSolutions AG
Bouchéstraße 12, 12435 Berlin

Das Gespräch führte Antje Borchers, Unternehmenskommunikation der GRB Gesellschaft für Risiko-Beratung mbH.

Ecclesia med GmbH
BDC-Versicherungsservice
Ecclesiastraße 1 – 4, 32758 Detmold
bdc-versicherungsservice@ecclesia.de

Frank Rustemeyer: Als Chief Operations Officer (COO) ist er bei HiSolutions verantwortlich für die Ausgestaltung der operativen Prozesse im Beratungsgeschäft. Außerdem betreut er die Partnerschaft mit der Ecclesia Gruppe und das gemeinsame CyRis-Programm.

HiSolutions ist ein Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen, das sich auf die „Sicherheit von Computersystemen“ spezialisiert hat. Es unterstützt Kunden nahezu aller Branchen sowie der öffentlichen Verwaltung dabei, Systeme sicherer zu machen. Bei Schadenfällen oder Cyberangriffen begleitet es Organisationen bei den drei Kernaufgaben: aufklären, was vor sich geht; Schaden begrenzen; wieder in den normalen Betrieb kommen. Bei HiSolutions arbeiten knapp 200 Mitarbeitende an fünf Standorten, die meisten am Hauptsitz Berlin.

Gemeinsam mit der Ecclesia Gruppe haben Sie das CyRis-Programm entwickelt, das genau so etwas macht: Risiken im IT-Bereich systematisch analysieren, priorisieren, Maßnahmen zur Cybersicherheit festlegen. Was genau bietet das CyRis-Programm für Unternehmen des Gesundheitswesens und der Sozialwirtschaft?

Frank Rustemeyer: Das Thema Cybersicherheit ist komplex. Die Fragen „Wo stehen wir bei unserer Cybersicherheit und was kann schiefgehen?“, sind bei einer Geschäftsleitung oft wenig im Fokus, nicht mal bei den IT-Leuten. Denn die kümmern sich ja vor allem darum, dass der Betrieb läuft. Deswegen haben wir als Einstieg in das CyRis-Programm den CyRis-Basis-Check zur allerersten Standortbestimmung aufgenommen. Das ist ein kleines Projekt, wo ein Fachmann von uns mit viel Erfahrung einen Tag in der Institution verbringt, Gespräche mit verschiedenen Ansprechpartnern führt, sich anguckt: Wie sind die Schutzmaßnahmen aufgestellt? Er vergleicht die Ergebnisse mit seiner Erfahrung und gibt am Ende eine erste Einordnung: „Hier seid ihr gut und da müsst ihr noch was tun.“

Können Schutzmaßnahmen vorbeugend mit den kriminellen Tätern mithalten oder immer nur im Nachhinein Schäden beseitigen?

Frank Rustemeyer: Man kann durchaus mithalten. Allerdings das Ziel „Ich bin immun gegen Angriffe“, das werden wir nicht erreichen. Dazu ist das Themenfeld zu komplex und die Entwicklung viel zu schnell. Aber es ist auch kein Hinterherhechten. Es gibt gute Empfehlungen für Standardschutzmaßnahmen oder wie man ein Sicherheitsmanagement aufsetzt. Natürlich werden sich neue Angriffe entwickeln, auf die man dann nur reagieren kann. Doch so etwas entsteht ja nicht plötzlich, sondern das sind Entwicklungen über Zeiträume, die man beobachten kann.

Empfehlungen für Standardschutzmaßnahmen

Praxistaugliche Checkliste zur Cybersicherheit: www.ecclesia-gruppe.de/Checkliste_Cyber. Darin gibt die Ecclesia zusammen mit HiSolutions einen Überblick über die wichtigsten Handlungsfelder, die auch kleine und mittlere Unternehmen bearbeiten können. Außerdem verweist sie per Links auf die entsprechenden Handlungsempfehlungen zum Beispiel vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Wie kann ein Unternehmen, das keine IT-Fachleute hat, sein IT-System sicher aufstellen?

Frank Rustemeyer: Die Technik ist nur eines der Elemente eines Schutzkonzeptes. Es gehören auch Prozesse dazu, die die sicherheitskritischen Aufgaben im Unternehmen regeln. Man muss sich als Geschäftsführung darum kümmern, dass diese Prozesse funktionieren: Es muss Leute geben, die sich verantwortlich fühlen; andere Leute, die schauen, wie sich die Technologie weiterentwickelt, auch die Technik im eigenen Hause. Diese Leute planen auch: Was sind die Sicherheitsmaßnahmen, die ich brauche? Und man muss überprüfen, ob die Umsetzung funktioniert. Für die ausführenden Tätigkeiten kann man dann Spezialisten heranziehen – aus dem eigenen Haus oder Dienstleister wie uns. Natürlich, dafür sind wir da. Aber die Geschäftsleitung muss sicherstellen, dass etwas erfolgt, und muss eben auch am Ball bleiben. Sicherheit ist kein Projekt, das man mal vier Wochen macht und dann als erledigt abheftet.

Wie gut nehmen denn Unternehmen diese Daueraufgabe Sicherheit wahr?

Frank Rustemeyer: Die muss verankert werden in den Organisationen, aber das finden wir sehr wenig. Darum haben wir ein Modul für die Institutionalisierung von Sicherheit geschaffen, die CyRis-Leitlinie. Auch da arbeiten wir in einem Workshop mit dem Unternehmen: Wie könnte ein systematisches Herangehen Ihrer Organisation richtig aufgesetzt werden? Das verschriftlichen wir in einem Papier, der sogenannten Leitlinie.

Stichwort „Sicherheitskultur im Unternehmen“. Welchen Anteil hat die am Erfolg eines Schutzkonzeptes?

Frank Rustemeyer: In der Schadenfallsituation macht es einen entscheidenden Unterschied, wie die eigenen Mitarbeitenden reagieren. Darum gehört Training aller Mitarbeitenden dazu, damit sie Risiken erkennen und damit umgehen können. Wenn neue Angriffsvarianten auftauchen, dann kann ein technisches System die nicht erkennen, weil es darauf nicht trainiert ist. Ein Mensch kann, wenn er ein Bewusstsein für die Problematik hat, misstrauisch werden und reagieren.

E-Mail ist immer noch eins der Haupteinfallstore, durch die Schadsoftware in ein Unternehmen gelangt. Woran erkenne ich eine falsche E-Mail? Gibt es fünf Kriterien, die ich anwenden kann?

Frank Rustemeyer: Das gab’s früher (lacht): unpersönliche Ansprache, keine Umlaute, schlechtes Deutsch. Das ist viel professioneller geworden. Die E-Mails heute sind meistens in korrekter Sprache und sehr gezielt entworfen, um Schadsoftware zu verbreiten: mit der richtigen Anrede, auch mit einem richtigen Absender, der mit dem Adressaten sowieso in Korrespondenz steht – oft führen die Täter dafür erbeutete Datenbestände zusammen. Wirklich erkennen kann man eine falsche E-Mail meistens nur aus dem Kontext. Wenn man eine E-Mail bekommt mit irgendeinem Anhang, die man nicht erwartet, dann sollte man misstrauisch werden.

Und als Mitarbeiterin soll ich mir nie zu blöd vorkommen, bei der Chefin oder dem Chef oder der IT-Abteilung anzurufen und zu sagen: Hier kommt mir etwas spanisch vor.

Frank Rustemeyer: Genau, Aufmerksamkeit und im Zweifel Nachfragen sind entscheidend. Wenn eine Sicherheitskultur vorherrscht, wo ein Vorfall als persönliches Versagen der Beteiligten geahndet wird, führt das tatsächlich dazu, dass Leute nicht fragen und im Zweifel auch Dinge vertuschen: „Da könnte ich was falsch gemacht haben, da sage ich lieber keinem Bescheid.“ Das ist fatal für die Sicherheit. Deswegen ermuntern wir, eine Kultur zu etablieren, wo lieber eine Rückfrage zu viel als eine zu wenig gern gesehen wird.

Sie haben Einblick in verschiedenste Unternehmen in unterschiedlichsten Branchen. Erleben Sie da immer wieder dieselben Lücken?

Frank Rustemeyer: Ein Problem, das wir oft sehen, ist die Behandlung von Vorfällen. Selbst wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, denkt man vor allem in der Prävention. Es ist aber ganz wichtig, auch zu gucken, was trotz aller Prävention passiert, und daraus zu lernen, Stichwort Incident-Management. Oft treten nur kleine Sicherheitsvorfälle ein, die nicht gleich zu einem Schaden führen. Die soll man nicht irgendwie „wegarbeiten“, zum Beispiel einfach den PC neu aufsetzen, weil das Tagesgeschäft drängt, sondern wirklich prüfen: Was sind die Ursachen für dieses Vorkommnis? Und sei es nur ein merkwürdiger Eintrag in einem Logfile oder eine harmlose Virusinfektion auf irgendeinem PC. Welche Lücken habe ich in meiner Sicherheitskonzeption, die ich schließen muss?

Als Unternehmen sollte ich mich auf einiges vorbereiten, Szenarien durchspielen, damit ich im Schadenfall weiß: Aha, das ist passiert, jetzt muss ich aus der Schublade diesen Plan rausholen und diese Schritte gehen?

Frank Rustemeyer: Unbedingt! Das ist eine Konsequenz aus der Erkenntnis, dass Prävention allein nicht reicht, um das Thema zu erschlagen. Man bewältigt einen eingetretenen Vorfall besser, wenn man vorbereitet ist. Auch dieses Thema ist eines unserer CyRis-Module: Krisenvorsorge, Krisenplanung. Die Fragen dabei lauten: Wer im Unternehmen ist eigentlich dafür zuständig, einen Vorfall zu behandeln? Habe ich so etwas wie einen Krisenstab, wer muss darin vertreten sein? Wo finde ich im Notfall schnell Ansprechpartner für Themen wie rechtliche Beratung, für IT-Forensik, also die technische Unterstützung, für Krisenkommunikation? Wenn ich das alles in Ruhe einmal vorbereite und in einem Plan zusammenschreibe, den ich aus der Schublade ziehen kann, dann spart das enorm Zeit und Stress im Notfall.

Kann man sagen: Unternehmen, die vorbereitet waren und die ihre Aufmerksamkeit erhöht haben, bewältigen Schäden schneller und glimpflicher als andere Unternehmen?

Frank Rustemeyer: Ja, das sehen wir sehr deutlich. Das eine ist die Prävention. Sie soll ja das Eintreten des Schadens unwahrscheinlicher machen. Aber Prävention heißt auch, die Folgen eines eingetretenen Schadens abzumildern. Das klassische Beispiel ist Datensicherung. Die sollte heute selbstverständlich sein, aber auch da erleben wir immer noch interessante Dinge. Wenn also Datenverluste auftreten, dann ist es gut, wenn man eine möglichst frische Sicherung der Datenbestände irgendwo auf einem System hat, das nicht am firmeneigenen Netz hängt, da es sonst vom Angreifer möglicherweise gleich mit manipuliert wird. Es ist auch gut, wenn man mal getestet hat, ob die Datensicherung tatsächlich funktioniert und man Daten zurückspielen kann ins System.

Das andere ist die Art der Krisenreaktion. Geraten Unternehmen in den Panikmodus? Das heißt bei einem Cyberangriff oft: erst einmal alles abschalten! Das allerdings bedeutet Stillstand im Unternehmen. Oder gibt es Prozesse, in denen man zielgerichtet analysiert: Was ist überhaupt gefährdet, wie weit ist der Angreifer gekommen, wen kann ich um Hilfe bitten, wen kann ich einbeziehen in kurzer Zeit? Auch wir von HiSolutions stehen im Rahmen des CyRis-Programms als Krisenhelfer zur Verfügung.

Als Service wäre an dieser Stelle ein kleiner Infokasten mit fünf Tipps gut.

Frank Rustemeyer: Solche Tipps gebe ich ganz bewusst nicht. Denn Cybersicherheit ist zum einen komplex, ist eine Herausforderung, die sich nicht auf fünf Maßnahmen reduzieren lässt. Das andere ist die Gefahr, dass man glaubt, wenn man die fünf Tipps erledigt hat, kann man sich anderen Dingen zuwenden. Das ist genau der falsche Ansatz. Man muss sich mit dem Thema auseinandersetzen. Es gibt Standards in dem Bereich, zum Beispiel vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Das sind aber nicht fünf Tipps, sondern umfassende Hilfen.

Aber natürlich gibt es wichtige Maßnahmen:

  • das Patchen von Systemen, also das Aktuell-Halten der eigenen Software
  • das Einsetzen von Basis-Schutzsystemen wie Antivirus-Firewall
  • das Trennen des eigenen Netzes
  • das Verschlüsseln von Datenverbindungen und von kritischen/sensiblen E-Mails
  • das Sensibilisieren von Mitarbeitenden
  • das Behandeln von Vorfällen, also das Incident-Management
  • das ständige Anpassen der eigenen Verteidigungsstrategie.

Aber ich glaube, man kann nicht sagen: Mach das so! Es kann für jede Organisation andere Wege geben.

Rustemeyer F: „Sicherheit ist kein Projekt, das man mal vier Wochen macht.“ Passion Chirurgie. 2020 Januar, 10(01): Artikel 04_04.

60 Jahre BDC: Jubiläumsartikel

Der BDC feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Jubiläum! In unserer Jubiläumsartikelserie stellen wir Ihnen das ganze Jahr über Vorstandsmitglieder, Mitglieder aus Landesverbänden und Themenreferaten in ausgewählten Texten und Interviews vor. Lassen Sie sich überraschen! Sie finden die Texte auch auf Instagram und Facebook.

60 Jahre BDC: Nachwuchschirurgen mit klaren Zukunftsvorstellungen, Artikel von Dr. med. Benedikt Braun
Meist sind es nicht die heroischen Taten, Artikel von Prof. Dr. med. Michael Schäffer
Mit Arroganz und Ignoranz kann kein Nachwuchs akquiriert werden, Interview mit Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer
Work-Life-Balance hält Einzug auch in der Chirurgie, Interview mit Frau Dr. med. Frauke Fritze-Büttner
Chirurg aus Leidenschaft, Artikel von Prof. Dr. med. Carsten Krones

KBV-Qualitätsbericht 2019

Der neue Qualitätsbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) dokumentiert auf rund 160 Seiten das hohe Niveau der vertragsärztlichen Versorgung – Von A wie Abklärungskolposkopie bis Z wie Zervix-Zytologie.

Die Qualitätssicherung ist und bleibt eine der Kernaufgaben der KBV und der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Wir sorgen für eine kontinuierliche Förderung der Qualität in der ambulanten Versorgung und halten das Niveau in allen Bereichen sehr hoch“, sagte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel heute in Berlin.

Im Berichtsjahr 2018 haben die KVen die Behandlungsqualität bei mehr als 13.000 Ärztinnen und Ärzten stichprobenartig überprüft. Dazu wurden 125.000 Patientendokumentationen zufällig ausgewählt. Bundesweit fanden über 11.000 Geräteprüfungen und mehr als 4.000 Hygieneprüfungen in den Praxen statt. Zum Ende des Jahres lag die Gesamtzahl an Genehmigungen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bei mehr als 288.000.

Seit mittlerweile 15 Jahren trägt auch das Qualitätszirkel-Konzept zur sicheren Versorgung bei. „Wir begrüßen und unterstützen Qualitätszirkel von der ersten Stunde an, weil sie eine tolle Möglichkeit des kollegialen, vertraulichen Austausches sind. Die Ergebnisse der Zirkelarbeit fließen direkt in den Praxisalltag ein und helfen dabei, die Versorgungsqualität und die Patientensicherheit weiterzuentwickeln“, erklärt Kriedel. In Qualitätszirkeln können Ärztinnen und Ärzte Erfahrungen und Erlebnisse mit Kollegen auszutauschen, eigenes Handeln reflektieren und dadurch neues Wissen generieren.

Im Jahr 2018 engagierten sich bundesweit über 67.000 Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in mehr als 8.400 Qualitätszirkeln. Nicht nur für die Teilnehmenden ist die Zirkelarbeit mit ihrer großen Themenvielfalt ein Gewinn – vor allem die Behandlung der Patientinnen und Patienten wird durch die ärztliche Zusammenarbeit positiv beeinflusst. „Die Diagnostik und die Therapie profitieren davon, aber auch die Arzt-Patienten-Kommunikation wird durch diese Art der Fortbildung weiterentwickelt“, so Kriedel.

Zum Qualitätsbericht 2019 der KB

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Herbert-Lewin-Platz 2, 10623 Berlin, www.kbv.de, Praxisnachrichten 19.12.2019