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Leserbrief

Leserbrief zum Editorial von Prof. Dr. Carsten Krones in Passion Chirurgie 01/02/2026 „Stille Heldengeschichten“ mit Schwerpunkt „Perioperatives Management“. HIER finden Sie den Artikel auf BDC|Online.

Sehr geehrter Herr Professor Krones,

Ihr mit Selbstkritik an den Irrwegen, oder netter gesagt: Sackgassen unseres Berufsstands gewürztes Editorial habe ich mit Genuss gelesen.

Ich war als Chirurg mit TG Unfallchirurgie seit 1981 bis zu meinem Ruhestand ab 2018 in der Chirurgie tätig und habe einige der im Text erwähnten technischen Entwicklungen live miterlebt – aber zum Glück nicht alle mitmachen können, oder müssen. Nach meiner Tätigkeit in der Unfallchirurgie bin ich ab 1992 wieder in eine gemischte Abteilung gegangen und hatte dort die Gelegenheit, noch in die laparoskopische Chirurgie einzusteigen. Interessanter Weise hat sie mir durch mein vorheriges Training in der Arthroskopie weniger Schwierigkeiten bereitet als einem meiner Kollegen, der aus der Abdominalchirurgie kommend den umgekehrten Weg gehen wollte (vom großen in den kleinen Raum).

Aber gerade auch die flächendeckende Einführung der minimalinvasiven Chirurgie z. B. an der Gallenblase hat, nach ihrer Etablierung durch einige bewundernswerte Pioniere, ihren Zoll gefordert. In den 1990er Jahren hat die Industrie den Verkauf ihrer Laparoskopie-Türme sehr stark gepusht. Als Konsequenz haben wir zunächst eine sprunghafte Zunahme der akzidentellen Gallengangsverletzungen erlebt, aber auch einige andere schwerwiegende Komplikationen, vor allem durch ältere Kollegen, die sich untrainiert, aber überzeugt auf die neue Technik stürzten. Die Single-Port-Chirurgie der Gallenblase hat sich mir z. B. nie erschlossen. Was schaden einem Patienten ein bis zwei weitere Einstiche für 5 mm-Ports, deren Narben in der Regel nach etwa einem Jahr unsichtbar sind? War das nicht vor allem ein bisschen Schicki-Micki?

Ein weiteres dunkles Kapitel aus meinem Teilgebiet war die Hüftgelenksprothetik mit dem Robodoc-System in den 1990er Jahren, die wegen erheblicher Komplikationsraten heute praktisch kein Thema mehr ist. Ich kann mich noch gut erinnern, wie damals die Industrie ihre millionenschweren Roboter mit dem Argument der Konkurrenz- und Zukunftsfähigkeit selbst an kleine Kreiskrankenhäuser zu verkaufen versucht hat. Nach wenigen Jahren sind diese teuren Geräte dann alle irgendwo im Keller gelandet.

Als sehr hilfreich für die tägliche Praxis habe ich in meiner Tätigkeit die Entwicklung der Ultraschall-Schneidesysteme und des Neuromonitorings an der Schilddrüse erlebt. Die Entwicklung neuer Techniken für die Chirurgie ist sicher notwendig und faszinierend. Aber durch die Begeisterungsfähigkeit und den Spiel- und Basteltrieb vieler Chirurgen stehen wir, so habe ich es jedenfalls erlebt, leicht in Gefahr, Grenzen der Sinnhaftigkeit zu überschreiten und damit auf solche historischen Irrwege zu geraten. Deshalb danke für Ihr interessantes Editorial, das auf die weniger publikumsträchtigen, aber wichtigen Entwicklungen hinweist.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen,

Dr. med. Frank Schönbach
Lahntal

Schönbach F: Leserbrief. Passion Chirurgie. 2026 Mai; 16(05): Artikel 04_05.

OP-Abfall als Kunstobjekt – Maria Koijck, die Künstlerin auf und hinter dem Titelbild der aktuellen Ausgabe

Maria Koijck, die Künstlerin auf und hinter dem Titelbild der aktuellen Ausgabe

Der BDC befragt die Nachhaltigkeitskünstlerin aus Groningen, Niederlande, zu ihrer Arbeit.

Passion Chirurgie: Können Sie uns etwas mehr über sich und Ihre Kunst erzählen?
Maria Koijck (MK): Ich bin Maria Koijck, geboren 1965, und habe mein ganzes Leben in Groningen verbracht.

Mit achtzehn begann ich ein Studium an der Kunstakademie, brach es aber nach der Hälfte ab. Es wurde einfach zu viel geredet und zu wenig gemacht. Ich hatte absolut keine Ahnung, was ich dort eigentlich tat. Im dritten Jahr gab ich das Studium ganz auf und beschloss aus Frustration und dem Wunsch heraus, endlich einen richtigen Beruf zu erlernen, Klempnerin zu werden.

Das war auch nicht ganz mein Ding, aber ich habe gelernt, wie man Rohre verlegt und Abflüsse anschließt. Damit habe ich etwas Geld verdient und mit meinen Ersparnissen bin ich nach Frankreich gefahren, um Fallschirmspringen zu gehen. Dort ging es schief: Ich habe mir den Knöchel gebrochen und landete wieder im Krankenhaus in Groningen. Die Genesung dauerte ein Jahr, und ich war oft dort.

Während dieser Wochen wurde mir etwas klar: Die Arbeit der Krankenschwestern war wunderschön und wichtig. Das inspirierte mich dazu, eine berufsbegleitende Ausbildung zur examinierten Krankenschwester zu absolvieren. Ich arbeitete viele Jahre lang mit großer Freude als Krankenschwester, aber man kann sich seinem Wesen nicht entziehen, und schließlich fand ich nach vielen Umwegen meinen Weg zurück zur Kunst.

Ein echter Wendepunkt kam während eines Besuchs in Sierra Leone. Ich war auf Einladung eines Freundes dort, der für Save the Children arbeitete. Dort sah ich zum ersten Mal die „Plastiksuppe“ – nicht als abstraktes Konzept, sondern in der Realität. Dieses Bild veränderte mein Leben. Von diesem Moment an beschloss ich, dass sich meine Kunst darauf konzentrieren musste, das Bewusstsein für unsere seltsamen und oft absurden Abfallgewohnheiten zu schärfen.

Wann wurde Ihnen bewusst, dass die Menge an Abfall, die während Ihrer Krebsbehandlung anfällt, zu einem Thema werden könnte, über das man sprechen sollte?
MK: Als ich die Schere, mit der gerade meine Verbände abgeschnitten worden waren, im Behälter für scharfe Gegenstände liegen sah. Ich verstand wirklich nicht, was sie dort zu suchen hatte, und brachte sie, ohne mir dessen bewusst zu sein, zur Krankenschwester zurück. Sie sagte mir, das sei völlig normal: Es handele sich um eine Einwegschere. Ich dachte sofort: Wer ist hier verrückt? Edelstahl ist ein wertvolles Material, das man mehrmals verwenden kann – Einweg? Ich konnte es einfach nicht verstehen. Von diesem Moment an wusste ich: Ich muss etwas dagegen unternehmen.

Wer hat Sie in Ihrem Bestreben unterstützt, Einblick in die enorme Menge an gebrauchten Materialien zu gewinnen?
MK: Meine Onkologin teilte meiner Chirurgin sofort mit, wer ich war und was ich wollte. Ich wollte nach meiner Brustrekonstruktion meine chirurgischen Abfälle mit nach Hause nehmen. Sie gab zu, dass dies eine ungewöhnliche Bitte war, aber sie hatte vollstes Verständnis dafür. Als ich nach zehn Stunden Narkose aufwachte, stand sie strahlend neben meinem Bett: Sechs große Säcke mit Abfällen standen in meinem Zimmer bereit.

Wer hat positiv auf Ihr Projekt reagiert?
MK: Eigentlich zunächst einmal niemand! Die Leute fanden es seltsam, Krankenhausabfälle zu einem Projekt zu machen. „Du wurdest gut behandelt und es geht dir jetzt besser, oder?“, sagten sie. Es bedurfte viel Überzeugungsarbeit, um klar zu machen, dass es nicht um mich ging, sondern um die enorme Umweltverschmutzung in Krankenhäusern.

Meine Tochter hat mir bei dem Video geholfen – sie ist Videografin –, aber selbst sie sagte: „Mama, ich würde gerne wissen, was in deinem Kopf vorgeht, dass du auf so etwas kommst.“

Während COVID, als ein Theater leer stand, habe ich dort zusammen mit einer Gruppe von Freunden und meiner Tochter die Aufnahmen gemacht. Als der gesamte Abfall ausgelegt war, konnte man plötzlich spüren, wie sich die Atmosphäre veränderte: Hier geschah etwas. Von diesem Moment an erhielt ich nichts als Unterstützung und Lob für das Projekt.

Auf welche Hindernisse sind Sie bei der Arbeit an deinem Projekt gestoßen?
MK: Als ich meinen Abfall aus dem Krankenhaus mitnehmen wollte, stellte sich heraus, dass das gar nicht so einfach war. Die Krankenhaushygieneabteilung war der Meinung, dass der Abfall ihnen gehörte und ich ihn nicht mitnehmen durfte. Letztendlich haben wir ihn zusammen mit dem Pflegepersonal an einem Sonntagabend heimlich aus dem Krankenhaus geschmuggelt.

Wie wurde Ihre Botschaft von der Öffentlichkeit und den Medien aufgenommen?
MK: Ich war völlig überwältigt. Von dem Moment an, als mein Video online ging, eskalierte die Situation plötzlich. Es kamen Reaktionen aus aller Welt. In den ersten zwei Monaten gab es enorme Aufmerksamkeit, mit Interviews im Fernsehen und im Radio. Aber es gab auch Ärzte, die mich persönlich anriefen, um mir zu danken. Im Gesundheitswesen war dieses Problem seit langem bekannt – aber wie bringt man es auf die richtige Art und Weise an die richtige Zielgruppe? Mein Video war genau die richtige Antwort darauf.

Auch jetzt noch erhalte ich Anfragen von Menschen aus allen Teilen der Welt, die mein Video für Vorträge, Bildungsprogramme und Publikationen verwenden möchten.

Hier geht’s direkt zu Maria Koijcks Video…

Zur Person

Maria Koijck
Designerin bei Bas-is und freischaffende Künstlerin
Niederlande
www.mariakoijck.com

Welche Reaktionen haben Sie erhalten?
MK: Wie bereits erwähnt: alles von völliger Verwunderung und Bewunderung bis hin zu dankbaren Nachrichten von Ärzten und Mitarbeitern des Gesundheitswesens. Es hat offensichtlich bei vielen Menschen einen Nerv getroffen.

„Maria schuf ein Kunstwerk aus Abfällen, die bei einer Operation anfielen: ihrer eigenen Operation.“ Haben Sie schon vor Ihrer Operation mit Abfällen gearbeitet, oder war die Operation der Moment, in dem Sie begonnen haben, sich darauf zu konzentrieren?
MK: Seit meiner Zeit in Sierra Leone hatte ich beschlossen, meine Kunst den Abfällen zu widmen. Schon vor meiner Brustkrebsdiagnose habe ich große Gemeinschafts-Kunstprojekte ins Leben gerufen. Zusammen mit lokalen Gemeinschaften haben wir aus Abfall große Tiere geschaffen: Zuerst haben wir aufgeräumt, um Materialien zu sammeln, und diese dann in große Kreaturen verwandelt. Ich habe einen riesigen Dinosaurier aus Plastikflaschen in Brasilien, ein Nashorn aus Dosen in Südafrika, einen Flamingo aus Flip-Flops in Bonaire und vieles mehr geschaffen.

Als bei mir Brustkrebs diagnostiziert wurde, erschien es mir völlig logisch, dieses Thema auf persönlicher Ebene anzugehen. Vor allem, weil ich als ehemalige Krankenschwester aus einer ganz anderen Zeit die Dringlichkeit dieses Themas plötzlich noch stärker empfand.

An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?
MK: Im Moment konzentriere ich mich auf Zigarettenkippen. Wussten Sie, dass eine einzige Zigarettenkippe 1.000 Liter Wasser mit Mikroplastik verschmutzen kann? Ich möchte das Bewusstsein dafür schärfen.

Wie können wir uns stärker dafür sensibilisieren, Abfall zu vermeiden? Haben Sie eine Empfehlung aus der Perspektive eines Künstlers?
MK: Machen Sie das Problem auf schöne, originelle Weise sichtbar, sodass die Menschen es sich tatsächlich ansehen und ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen wollen. Wenn Sie mit dem Finger auf andere zeigen und ihnen die Schuld geben, hat das den gegenteiligen Effekt. Die Menschen gehen sofort in die Defensive und ziehen sich zurück.

Panorama

OP-Abfall als Kunstobjekt – Maria Koijck, die Künstlerin auf und hinter dem Titelbild der aktuellen Ausgabe. Passion Chirurgie. 2026 Mai; 16(05): Artikel 09.

www.bdc.de

PASSION CHIRURGIE 04/2026: Thoraxchirurgie

Hier geht’s zur neuen Ausgabe der PASSION CHIRURGIE 04/26: Thoraxchirurgie

Mit der Aprilausgabe rückt die Thoraxchirurgie in den Fokus – ein Fachgebiet, das sich durch seine große klinische Bandbreite und enge interdisziplinäre Vernetzung auszeichnet. Von der Lungenkarzinomfrüherkennung über die operative Therapie pulmonaler Metastasen bis hin zu Pneumothorax, Pleuraerkrankungen und Thoraxtrauma bietet dieses Themenheft einen kompakten, praxisorientierten Überblick über aktuelle diagnostische und therapeutische Konzepte. Die Beiträge zeigen eindrücklich, wie sich moderne Thoraxchirurgie zwischen onkologischer Präzision, minimalinvasiven Verfahren und strukturierter Notfallversorgung weiterentwickelt. Viel Spaß beim Lesen!

Der DCK 2026 findet vom 22. bis 24. April unter dem Kongressmotto „Gemeinsam lernen und heilen“ im Congress Center Leipzig statt. Wir freuen uns auf den persönlichen Austausch mit Ihnen – sei es am BDC-Stand in der Lounge der Fachgesellschaften oder im Rahmen der BDC-Sitzungen. Besonders herzlich laden wir Sie zur BDC-Mitgliederversammlung ein, die am Freitag, den 24. April 2026, von 13:00 bis 13:45 Uhr auf der Mehrzweckfläche 2 stattfindet.

 Viele Grüße
Ihr PASSION CHIRURGIE-Team

Personalia im April 2026

Beatrice Fundel übernahm im Januar 2026 die Leitung der Zentralen Notaufnahme am St. Agnes-Hospital Bocholt. Zuvor war sie als leitende Oberärztin in der Klinik für Notfallmedizin am Krankenhaus Maria Hilf der Alexianer Krefeld GmbH tätig.

Dr. med. Bassam Hammoud ist seit April 2026 neuer Chefarzt für die Allgemein- und Viszeralchirurgie am Heidekreis-Klinikum. Zuletzt war Dr. Hammoud als geschäftsführender Oberarzt am Marienhospital Osnabrück und im viszeralonkologischen Zentrum der Niels-Stensen-Kliniken tätig.

Prof. PD Dr. med. habil. Jörg Ohnsorge ist seit Februar 2026 neuer Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie an der Maybach-Klinik in Stuttgart.

Dr. med. Simon Rieder, ehemals leitender Oberarzt in Halle, ist Januar 2026 neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara Schwandorf.

Dr. med. Reza Yusefi-Asrami ist seit Januar 2026 neuer Chefarzt der Abteilung für Handchirurgie am Krankenhaus St. Josef in Schweinfurt.

Dr. med. univ. Mascha Trojer, seit 2021 Chefärztin der Hauptabteilung für Unfall-, Hand- und orthopädische Chirurgie sowie Sportmedizin am Klinikum Landau-Südliche Weinstraße, hat im Januar 2026 turnusgemäß auch die Leitung des Ärztlichen Direktorats am Klinikum übernommen.

Why I do it! Dr. Tillman L. Krones

Meine Begeisterung und Faszination für die Chirurgie rühren sicherlich primär vom Operieren her. Das händische und handwerkliche Arbeiten direkt am Patienten bereitet mir unglaublich viel Freude. Dazu kommt, dass man die Ergebnisse der eigenen Arbeit ja oft schon nach wenigen Tagen sehen kann. Die schnelle chirurgische Lösung für das bestehende Problem macht den entscheidenden Unterschied zu den anderen Fachdisziplinen aus. Gleichzeitig finde ich komplexe medizinische Fälle in der Chirurgie nicht minder herausfordernd, da sie sowohl intellektuell als auch operativ-technisch anspruchsvoll sind. Nicht zuletzt spielt bei mir sicher auch familiäre Prägung eine Rolle – sie war mein Door-Opener in die wunderbare Chirurgie.

Dr. med. Tillman L. Krones

Assistenzarzt
Klinik für Allgemein- und
Viszeralchirurgie
St. Josefs Hospital
Wiesbaden
tkrones@joho.de

 

 

Leserbrief zu „Gen-Z und Weiterbildung in der Chirurgie“

Betrifft: Artikel von Dr. med. Johanna Ludwig und Jonah Grütters in Passion Chirurgie 12/QIV/2026 „Gen-Z und Weiterbildung in der Chirurgie“HIER finden Sie den Artikel auf BDC|Online

Sehr geehrte Frau Ludwig, sehr geehrter Herr Grütters,

vielen Dank für Ihren Beitrag (s.o.). Um es vorweg zu sagen: die genannten “Konfliktlinien im chirurgischen Alltag” (S.22) sehe ich auch so. In Zusammenhang aber mit dem Absatz auf S.22, der mit “Kulturclash: Klinikalltag trifft Generation Sinn” überschrieben ist, in dem moniert wird, dass “Der Wunsch nach Selbstgestaltung, planbaren Arbeitszeiten und einer sinnstiftenden Tätigkeit, die über das bloße Abarbeiten hinausgeht, …auf eine Weiterbildungskultur [prallt], die noch immer von Unplanbarkeit, körperlicher Belastung und Hierarchien geprägt ist”, muss ich doch sagen: wer diese Einstellung zur Chirurgie als Beruf und Lebensaufgabe hat, sollte besser die Finger davon lassen. So ist Chirurgie nicht und so wird sie nie sein. Zur Chirurgie gehört genau das Unvorhersehbare, das an die Grenzen Gehen im Bereitschaftsdienst, die körperliche Belastung und auch mal das “Abarbeiten” von vielleicht weniger interessanten Aufgaben wie Arztbriefschreiben (und das soll jetzt zuhause digitalisiert im Home Office akzeptabler sein?). Und dass man ein paar Jahre vielleicht auch erst “lernen” muss (weil es zumindest eine fachliche Hierarchie gibt) und noch nicht gleich der große Chirurg sein kann, ist ja in jedem Beruf so, oder?

Chirurgie war für meine Generation (und ist es noch, ich arbeite noch im Alter von 76 an einer Klinik in Teilzeit als Leiter der Sektion Proktologie) eine Art Abenteuer. Diese Einstellung hat uns schon als Assistenten zusammengeschweißt. Selbst das nächtliche Operieren hat(te) seine Reize. Zu wissen, “Wir sind die einzigen, die sich hier im weiten Umfeld der Klinik um 3 Uhr in der Früh die Nacht um die Ohren schlagen, aber etwas Sinnvolles tun!” machte uns stolz und motivierte uns.

Wir haben in den 80er Jahren natürlich sofort erfolgreich gegen die 32-Stunden-Dienste geklagt (an einer Städtischen Klinik). Da gab es nichts zu beschönigen. Da wurde der Altruismus der Ärzte von Staat und Kommunen gnadenlos ausgenutzt. Aber wie sind Maß und Grenze “der Belastung und Zumutbarkeit durch die Arbeitsanforderungen in der Chirurgie” zu beurteilen und festzulegen?

Auch wir hatten einen in gewisser Weise autoritären Chef. So musste ich mir eine (damals durchaus übliche) farbige Haarsträhne wieder umfärben (nachzulesen bei Wolf Stelter, “Der Patron” (sic!), 2020, S. 280 ff.). Und im Nachbarort Offenbach flogen bei dem damaligen Chefarzt der Chirurgie die Messer im OP, wenn ihm etwas nicht passte.
Damals war Ladenschluss um 18:30 Uhr. Vor allem als Privatassistent (sowas gab’s damals noch!) kam man oft erst später aus der Klinik. Da hieß es dann originellerweise: Du kannst ja zum Flughafen fahren, da haben die Läden noch offen. Das sind mit Recht tempi passati. Das brauchte damals schon kein Mensch.

By the way: ich arbeite ja auch mit der Generation Z an unserer Klinik und ich kann mich über ihr Engagement nicht beklagen, trotz vielleicht da und dort anderer Einstellungen zu Freizeit und Dienstschluss.

Aber wenn ich Ihre Ausführungen so lese, da fehlt mir doch der erforderliche Beitrag der Generation Z zur Arbeitswelt, in der wir leben und zur Chirurgie. Es erscheint so, als müssten sich nur die Anbieter der Chirurgie (Kliniken, Ausbildende Ärzte usw.) ändern und den jungen Berufsanfängern sollte quasi der rote Teppich ausgerollt werden, damit sie sich bereit erklären können, die Ausbildung in der Chirurgie antreten zu wollen. Das klingt, als müsste die nachrückende Generation “gepampert” werden, um sich der Chirurgie widmen zu wollen… und als brächte das Berufsleben ganz generell nicht auch weniger schöne Seiten mit sich.

Ich glaube aber, auch weil ich es selbst so – noch unter ganz anderen, heute zu Recht inakzeptablen, Bedingungen – erlebt habe: die Sinnstiftung in der Chirurgie ergibt sich aus anderen Momenten und Erlebnissen als aus der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes, der Planbarkeit des Tagesablaufs, einer wie auch immer definierten Work-Life-Balance und fehlender körperlicher Belastung. Wem das zu fordernd ist, der sollte sein Augenmerk doch besser auf andere Berufsfelder (Gesundheitsamt, Medizinischer Dienst usw.) lenken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Helmut Grosch
Moers

Antwort der Autoren auf den Leserbrief von Herrn Dr. Grosch

Sehr geehrter Herr Grosch,

vielen Dank für Ihre ausführliche und sehr persönliche Rückmeldung zu unserem Beitrag. Man merkt Ihrer Mail an, wie stark Chirurgie für Sie nie nur Beruf, sondern Lebensaufgabe war und teilweise bis heute ist. Diese Haltung verdient Respekt. Und sie erklärt auch, warum unser Text etwas in Ihnen ausgelöst hat.

Lassen Sie uns direkt klarstellen, wo wir vollkommen bei Ihnen sind: Niemand entscheidet sich leichtfertig für die Chirurgie. Niemand glaubt ernsthaft, dass dieser Weg ohne körperliche Belastung, Unplanbarkeit, Nachtdienste und Phasen des Abarbeitens funktioniert. Wer Chirurgin oder Chirurg wird, weiß, dass man Zeit, Energie und private Freiräume investiert. Und ja, viele tun das gerne. Auch heute.

Der entscheidende Punkt ist ein anderer. Es geht nicht darum, dass niemand mehr länger bleiben will. Es geht darum, dass niemand mehr bereit ist, das dauerhaft und alternativlos zu tun. Die Generation Z kalkuliert Belastung ein. Aber sie akzeptiert sie nicht als Endzustand.

Was wir beschreiben, ist kein Wunsch nach Schonung oder rotem Teppich. Es ist die Frage, ob bestimmte Rahmenbedingungen noch zeitgemäß sind oder ob sie schlicht historisch gewachsen sind, ohne heute noch einen funktionalen Mehrwert zu haben.

Ein paar konkrete Beispiele, die Sie selbst ansprechen oder die täglich Realität sind:

Warum muss ärztliche Weiterbildung zwingend an Anwesenheit gekoppelt sein, auch nach einem Nachtdienst, obwohl Lehre planbar wäre und strukturell anders organisiert werden könnte.

Warum gibt es kaum entlastende Rollen für Tätigkeiten wie Lehre, Organisation oder Dokumentation, obwohl genau diese Aufgaben regelmäßig als Belastung empfunden werden.

Warum sollte ärztliche Dokumentation zwingend vor Ort erfolgen, wenn sie inhaltlich unabhängig vom OP oder der Station ist und technisch problemlos von zuhause erledigt werden kann.

Das sind keine Komfortforderungen. Das sind Effizienzfragen.

Wir wollen nicht, dass Chirurgie ihr Abenteuer verliert. Wir wollen, dass sie ihr Zukunftsversprechen behält. Denn so sehr das nächtliche Operieren für viele Ihrer Generation zusammenschweißend war, so sehr schreckt es heute ab, wenn Belastung ausschließlich über Härte legitimiert wird.

Der Subtext „Wir hatten es schwer, also gehört das dazu“ mag biografisch verständlich sein. Nachwuchspolitisch ist er bedenklich. Denn er übersieht, dass Sinnstiftung nicht verschwindet, wenn Strukturen moderner werden. Sie wird oft sogar stärker, wenn Menschen nicht permanent am Limit arbeiten müssen.

Und vielleicht ist genau das der gemeinsame Nenner zwischen Ihrer Generation und der unseren. Am Ende wollen wir alle das Gleiche: gute Chirurgie, motivierte Teams, exzellente Weiterbildung und Menschen, die diesen Beruf nicht nur anfangen, sondern auch langfristig ausüben.

Nicht für immer unter Vollast. Aber lange genug, um richtig gut zu werden.

Mit freundlichen Grüßen

Jonah Grütters
Johanna Ludwig

Rückantwort Dr. Grosch an die Autoren

Sehr geehrte Frau  Ludwig,
sehr geehrter Herr Grütters,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre ausführliche und wohlwollende Antwort! Sie hat mich sehr gefreut und angeregt, wobei ich das Thema als sehr komplex ansehe, wie es mein Leserbrief vielleicht nicht vermuten lässt, meine jetzige Antwort aber schon. Ich danke Ihnen aber auch, dass Sie sich berufspolitisch des Themas annehmen, denn die Bedeutung für unseren Beruf ist ja groß!

„Wohlwollend“ sage ich deshalb, weil natürlich beim Lesen meines Kommentars und in Anbetracht meines Alters schon mal Ihre Augenbrauen hochgegangen sein könnten: klar, so ein alter Sack: immer kalt geduscht und was ihn nicht umbrachte, machte ihn stärker. So haben Sie es aber dankenswerterweise nicht formuliert 😊.

Meine Antwort ist ziemlich lang, aber hoffentlich nicht langweilig, allerdings würde ich es nun dabei belassen wollen.

Ich möchte Ihnen zuerst noch etwas zu meiner Person und meiner Biografie mitteilen, die anders ist als vielleicht vermutet und die mich als prodromales Gen Z – Mitglied erscheinen lassen könnte.

Ich bin während der Medizinalassistentenzeit (heute PJ) in den 70er Jahren zweimal je 3 Monate nach Indien und Nepal gereist und habe damals vorher im Prüfungsamt in Frankfurt nachgefragt, ob das ohne Probleme möglich ist. Die Antwort: „des hat bisher noch kaaner wisse wolle“… Nach der Approbation habe ich vier Jahre Philosophie studiert und mich über die Teilnahme am KV-Notdienst finanziert. Nach dramatischen Veränderungen im Leben (Beziehungsende usw., Beendigung des Philosophiestudiums wegen mangelnder intellektueller Begabung) habe ich dann mit einer halben Stelle in der Chirurgie der Städtischen Kliniken Frankfurt angefangen: klare Probleme, klare Lösungen, keine mühsamen Erörterungen mehr von Sein und Existenz. Ein Assistenzarzt hatte auf halbe Stelle reduziert, um sich seinem neugeborenen Kind besser widmen zu können! Das war damals eine Sensation. Er suchte also jemand für die zweite Hälfte. Es handelte sich um Bernd Hontschik, der u.a. seit langem eine regelmäßige Kolumne in der „Frankfurter Rundschau“ schreibt („Dr. Hontschiks Diagnose“). Ich kannte ihn aus der „Portugal-Mediziner-Gruppe“, die wir damals die portugiesische Nelkenrevolution medizinisch unterstützten.

Nach drei Jahren, im zarten Alter von 37 Jahren, wechselte ich auf die erste längerfristige Ganztagsstelle.

Die damalige Ausbildung – und damit komme ich langsam wieder auf unser Thema zurück – war im Vergleich zu heute ein Traum: es gab genug zu operieren und wir hatten ein festes Rotationsverfahren für alle Assistenten in der Weiterbildung (damals noch mit Unfallchirurgie). Es war ein gerechter Plan für die 6 Jahre Weiterbildung, auf den sich alle verlassen konnten. Das war das Verdienst von Bernd Hontschik, unseres Assistentensprechers.

Damit zurück zum Thema: die heutige Weiterbildung hat sich massiv gegenüber früher verändert, die Chirurgie hat sich massiv verändert: viele Eingriffe gibt es gar nicht mehr (Magen), viele gehören nicht mehr zur Weiterbildung für die Allgemein- oder Viszeralchirurgie (Gefäße [außer Portanlage], damals noch Embolektomien, Amputationen usw., Unfallchirurgie usw.), wo man Umgang mit unterschiedlichsten Geweben und Krankheitsverläufen üben und erlernen konnte. Die Einführung der laparoskopischen Chirurgie wurde schnell auf die Assistenten erweitert, das ist bei den robotischen Verfahren heute nicht mehr so usw. usf.

Aber: geklagt wurde über nachfolgende Generationen schon immer: Wir waren damals die Generation „Wir wollen alles, und zwar sofort“ (Sponti- und Züricher Alternativ-Szene), s. auch den Song „I want it all, I want it now“ von The Queen. Und es gab schon in den 70ern den „NST“: den „Neuen Sozialisations-Typ“ (Thomas Ziehe), der sich angeblich nur noch narzisstisch um sich selbst dreht, keinen Bock auf Arbeit und Anstrengung und nur geringe Frustrationstoleranz hat.

Wobei „diese Zuschreibungen … sind meistens ein Gemisch aus kulturpessimistischer Verfallsrhetorik, anekdotischer Plausibilität sowie journalistischer Aufgeregtheit“, wie ich es schön formuliert gefunden habe (https://www.tagesanzeiger.ch/wird-man-narzisstischer-durchs-online-ich-262339899494, aufgerufen 1.3.26)

Andererseits: die Chirurgische Weiterbildung und Tätigkeit hat in den vergangenen Jahren tatsächlich deutlich an Attraktivität eingebüßt. Denn auch die Zukunftschancen sind nicht mehr so wie früher.

Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens und die Bürokratisierung („Dokumentation“ !!!)  zeitigen Folgen für die nachrückenden jungen Ärzte.

Hier zwei Fotos aus meiner Klinik, die einerseits den kulturellen Wandel der Jugend, andererseits die Bürokratisierung der Medizin zeigen und ich muss gestehen, dass mein früher unbedingtes Plädoyer für die Chirurgie in den vergangenen Jahren etwas zurückhaltender geworden ist. (Bilder folgen noch)

Was könnte man tun? Man müsste der nachrückenden Generation vermitteln, dass die Chirurgie mit all ihren beruflichen und die Lebensqualität beeinflussenden Nebenwirkungen trotzdem etwas Besonderes, etwas Tolles ist, das uns heraushebt, das Anerkennung verdient; das wäre v.a. Aufgabe der Politik und der Gesundheitsakteure mit entsprechenden Verbesserungen der beruflichen Situation und Bedingungen, aber durchaus auch unsere als Weiterbildende. Aber dass es ohne gelegentliche Mühsal und Härten nicht geht – auch wenn sich die Motivation nicht über die Härte definiert! So hatte ich das nicht gemeint!

Zusätzlich gälte es für uns Weiterbildende, zu vermitteln, dass Chirurgie einfach aufregend ist, hohe Kompetenzen (skills) erwerben und realisieren lässt und eine hohe Befriedigung verschafft.

Und dass sie außer der materiellen Vergütung auch eine sehr hohe immaterielle mit sich bringt: die Dankbarkeit der Patienten. Arbeit mit und am Menschen!

Da haben wir die Leidenschaft, die es für unseren Beruf braucht: die „Passion Chirurgie“. Die es aber doch überall braucht, in jedem Berufsumfeld, oder nicht?

Und man muss die Ärzte unbedingt von nicht zwingenden ärztlichen Aufgaben entlasten:  Die Bürokratisierung halte ich für das größte Problem, der geforderte Dokumentationsumfang, auch z.B. die Abschaffung der Schreibbüros, die uns zwingt, alle Briefe, Berichte etc. selbst zu schreiben oder bestenfalls mithilfe eines Spracherkennungsprogramms diktieren zu können. Teure und qualifizierte Arztzeit und Arztkompetenz wird hier verschleudert. Vermutlich ist das aber tatsächlich billiger als Schreibbüromitarbeiter:innen zu finanzieren (?).

Zum Topos der Gen-Z noch folgende Anmerkungen:

  • die Forderungen, die sie an uns und das Gesundheitswesen stellt, sind die vielleicht schichtenspezifisch? Wie äußert sich dazu die Gen-Z, die als Busfahrer, Lokführer, Schichtarbeiter, in der Hotellerie etc. arbeiten will oder muss?
  • die Gen-Z betreibt wie kaum eine frühere Generation Selbstoptimierung, quält sich in Fitness-Studios, kämpft sich durch Marathons und andere körperlich fordernde Sportarten; warum muss das im Beruf so anders sein, auch hier sind es ja keine 8 Stunden „Volllast“ täglich?
  • sie ist die Generation der Start-up-Gründer: gibt es hier geregelte Arbeitszeiten…?

Ihre “konkreten Beispiele“ sehe ich etwas kritisch: Sollte die Arbeit nicht besser am Platz bleiben? Die Verwischung der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit (auch die permanente Erreichbarkeit) sind doch viel diskutierte Probleme der heutigen Arbeitswelt.

Und die Lehre (ich verstehe darunter auch in interne Fortbildung) kann doch Spaß machen: wenn man aus erster Hand Wissen vermitteln kann.

Genug!

Vielen Dank, dass Sie mir geschrieben haben. Ich hoffe, mein Anliegen konnte ich nun etwas differenzierter darstellen, Leserbriefe sind ja immer etwas polemisch.

Viele Grüße!

Dr. med. Helmut Grosch
Moers

Why I do it! Dr. Wiebke Heitzmann

Ich habe mich damals aus dem Bauch heraus für die Chirurgie entschieden, obwohl ich initial Dermatologin werden wollte. Dazu beigetragen haben unter anderem sehr engagierte und inspirierende Fach- und Oberärzte aus meinem PJ-Klinikum, sowie die Eingriffsvielfalt die ich dort schon miterleben durfte. Die Stimmung im Operationssaal, das Ineinandergreifen und Funktionieren aller Beteiligten, die volle Konzentration jedes Teammitglieds und trotzdem immer wieder Raum zum Lachen – das ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben und begleitet mich bis heute.

Dazu kam eine Begeisterung für das handwerkliche Geschick, welches man mit anatomischer Expertise kombinieren muss, und die Erkenntnis, dass mir das Lernen von Handgriffen und Abläufen leichter fällt, als das klassische Auswendiglernen. In der ersten klinischen Verwendung kam noch die Faszination für onkologische Chirurgie hinzu und damit war der Weg quasi final gebahnt. Durch die gute und frühe operative Ausbildung in unserem Haus sind sowohl die Eingriffszahlen als auch die Motivation das Fach weiterhin zu verfolgen bisher stets angestiegen.

Wiebke Heitzmann, 29
Weiterbildungsassistentin Viszeralchirurgie
Bundeswehrkrankenhaus Ulm

Personalia März 2026

M.D. Andrei Anghel ist seit Dezember 2025 neuer Chefarzt der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie am Gütersloher St.-Elisabeth-Hospital.

Dr. med. Ghassan Batikha leitet seit Anfang 2026, gemeinsam mit dem bisherigen Chefarzt PD Dr. med. Thorsten Plusczyk, die Allgemein- und Viszeralchirurgie am Diakonie Klinikum Neunkirchen der Stiftung Kreuznacher Diakonie in kooperativer Leitungsform. Batikha hat das bisherige Spektrum der Abteilung bereits in seiner bisherigen Position als Sektionsleiter erfolgreich um Leberchirurgie und endokrine Chirurgie erweitert.

Dr. med. Cord Christian Corterier ist neuer Chefarzt der Klinik für Plastische-, Ästhetische- und Handchirurgie am Städtischen Klinikum Braunschweig (skbs). Zuvor war Corterier leitender Oberarzt in der Klinik für Plastische- und Handchirurgie/Brandverletztenzentrum an den BG-Kliniken Bergmannstrost.

Dr. med. Nina-Kathrin Kauer ist neue Chefärztin der Plastischen, Hand-, Ästhetischen und Verbrennungschirurgie des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein am Evangelischen Stift St. Martin in Koblenz und am Heilig Geist in Boppard. Zuletzt war Kauer im Heilig Geist Boppard leitende Oberärztin.

Dr. med. Omar Khader ist neuer Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Lüdenscheid. Zuletzt war er als Sektionsleiter der endovaskulären Chirurgie in der Klinik für Gefäßchirurgie tätig.

Prof. Dr. med. Georg Lurje ist seit Dezember 2025 neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie am Cellitinnen-Krankenhaus St. Hildegardis in Köln. Zuvor war Lurje Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantantionschirurgie der Uniklinik in Heidelberg.

Dr. med. Georgios Papapostolou ist seit Januar 2026 neuer Chefarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie am Katholischen Klinikum in Bochum. Papapostolou ist auch kommissarischer Klinikdirektor.

Patrick Paulsen, seit 2018 leitender Oberarzt der Gefäßchirurgie, ist seit kurzem neuer Chefarzt der Gefäßchirurgie der Sana-Kliniken Ostholstein.

Prof. Dr. med. Tim Vilz, zuletzt geschäftsführender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Bonn, übernahm im Januar 2026 die Professur für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Damit verbunden ist die Leitung der gleichnamigen Klinik am Campus Benjamin Franklin.

Dr. med. Rigo Voigt ist seit November 2025 neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am SRH Klinikum Zeitz. Er folgt auf Dr. med. Thomas Bolle, der in den wohlverdienten Ruhestand geht.

Akademie Aktuell: Frühjahrs-Fortbildungen für den chirurgischen Nachwuchs

Sagen Sie es weiter: noch Plätze frei!

Zwei Fortbildungen, die Sie dem Nachwuchs ans Herz legen sollten, denn die Facharztseminare der BDC|Akademie sind so konzipiert, um am Ende der sechsjährigen Weiterbildung das notwendige Wissen des Weiterbildungskatalogs für die anstehende Facharztprüfung noch einmal zu rekapitulieren und damit die jungen Kolleginnen und Kollegen direkt auf die Prüfung vorzubereiten, sind:

Die beiden folgenden Angebote aus dem BDC-Programm Basischirurgie vermitteln Berufseinsteiger:innen das nötige theoretische Grundwissen und die ersten praktischen Fertigkeiten, die für eine chirurgische Tätigkeit auf Station, in der Ambulanz, der Notaufnahme und auf der Intensivstation in den ersten beiden Jahren erforderlich sind. Im Mai finden statt:

Hier geht’s zu den Fortbildungen der BDC|Akademie.

Webinar-Reihe „Fraktur im Fokus“. Passion Chirurgie. 2026 Januar/Februar; 16(01/02): Artikel 04_01.

BDC-Praxistest: Moderne Lehre als Schlüssel zur Motivation – Nachwuchsmangel beginnt im Hörsaal

Vorwort

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es gibt nichts Gutes außer man tut es. Lehre lebt von Inhalt, Technik und Vorbild. Chirurgische Inhalte unterliegen einer steten Entwicklung. Revolutionen sind selten, wir leben von Tradition. Vorbild meint Persönlichkeit, fachliche Anerkennung und Rhetorik. Charisma kann man erwerben, aber nicht üben, Rhetorik eher schon – ein ständig unterschätztes Thema in der Medizin. Am leichtesten zu modellieren ist die Lehrtechnik. Die Autoren unseres Praxistests plädieren deshalb für den Einsatz moderner Lehrtechniken im studentischen Alltag – KI statt Talar. Ein guter Ansatz, vielleicht präsentieren die Autoren mehr Details in einem Teil 2 ihres Kommentars?

Inspirierende Lektüre wünschen
Prof. Dr. med. C. J. Krones und Prof. Dr. med. D. Vallböhmer

Der Ärztemangel in Deutschland ist omnipräsent. Insbesondere in chirurgischen Fächern ist dieser schon jahrelang kein Randphänomen mehr. Eine genaue Betrachtung zeigt, dass dies nicht allein auf vorherrschende Arbeitsbedingungen, mangelnde Wertschätzung oder andere strukturelle Faktoren im Klinikalltag zurückzuführen ist. Ebenso entscheidend ist die Art und Weise, wie Chirurgie im Studium vermittelt und erlebt wird.

Dieser Kommentar diskutiert, wie hochwertige medizindidaktische Konzepte zur Nachwuchsgewinnung beitragen können, welche Veränderungen die Digitalisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz im Lernverhalten der Studierenden bewirken und warum gerade in der Chirurgie das Potential dazu besteht, durch gute Lehre Karrieren früh zu prägen.

Wenn Lehre über Berufswahl entscheidet

Der Nachwuchsmangel in den operativen Fächern ist spürbare Realität in Klinik und Weiterbildung und stellt eine reale Bedrohung für die Versorgung der Patient:innen dar. In vielen chirurgischen Disziplinen bleiben Weiterbildungsstellen unbesetzt, die Zahl der Bewerber:innen ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Ursachen hierfür liegen unter anderem an den Rahmenbedingungen, die eine chirurgische Karriere für junge Ärzte/Ärztinnen unattraktiv erscheinen lassen. In der öffentlichen Diskussion werden hier, zuletzt auch in Formaten des Berufsverbandes der deutschen Chirurgie (BDC), insbesondere eine hohe Arbeitsbelastung, unzureichende Vereinbarkeit von Beruf und Familie und eingeschränkt planbare Freizeit genannt [1].

Das Junge Forum O&U hat bereits 2021 exemplarisch zehn Forderungen an die Fort- und Weiterbildungszeit formuliert, um diesen strukturellen Problemen entgegenzuwirken [2]. Diese Ansätze adressieren wichtige Punkte des klinischen Alltags, werden jedoch der Komplexität des Nachwuchsproblems nicht vollständig gerecht.

Mindestens ebenso relevant für die spätere Facharztwahl ist die Art und Weise, wie die Fachrichtung im Studium gelehrt wird. In Befragungen unter Studienanfängern gibt etwa ein Viertel an, sich eine chirurgische Laufbahn vorstellen zu können. Nur ein Bruchteil dieser Studierenden wird jedoch nach Erhalt der Approbation tatsächlich eine operative Weiterbildung beginnen. Es scheint so, als würde das Interesse an der Chirurgie mit zunehmender Exposition gegenüber der klinischen Realität des Faches deutlich abnehmen [3].

Die Faszination für Chirurgie entsteht meist durch positive Erlebnisse im klinischen Alltag – durch Anleitung, Teilhabe und sichtbare Lernfortschritte. Offensichtlich bleiben solche Erfahrungen in operativen Fächern vielen Studierenden noch verwehrt. In Hospitationen und Praktika herrscht häufig Zeitdruck, strukturierte Lehre findet nur unregelmäßig statt und individuelles Feedback bleibt die Ausnahme. Wer sich hier wiederholt nicht wahrgenommen und nicht gefördert fühlt, entscheidet sich eher gegen das Fach – nicht aus Desinteresse, sondern aus Mangel an positiver Lernerfahrung.

Lehre als Rekrutierungsstrategie

Die Gestaltung der Lehre liegt zunächst im Verantwortungsbereich der medizinischen Fakultäten. Hier bietet die Medizindidaktik einen zentralen Ansatzpunkt. Sie kann als Hebel gegen den Nachwuchsmangel wirken, indem Lernräume geschaffen werden, in denen Motivation entsteht und Begeisterung vermittelt werden kann.

Gute Lehre wirkt über mehrere Dimensionen. Seit Jahrzehnten werden das Erleben von Kompetenz, Zugehörigkeit und Autonomie als zentrale Elemente intrinsischer Motivationsbildung verstanden. Gerade die Chirurgie kann diese Erfahrungen niederschwellig bieten, etwa durch das Anlegen einer Hautnaht oder erste Assistenzen im OP. Hierbei erlebte positive Erfahrungen verstärken zusätzlich das Selbstwirksamkeitserleben und die Identifikation mit der Fachrichtung.

Daher verwundert es nicht, dass praxisorientierte Lehrveranstaltungen von Studierenden regelmäßig besser bewertet werden als rein theoretische Formate. Insbesondere Programme wie die „Chirurgische Woche“ oder die Kursreihe „Nur Mut! Chirurgie zum Mitmachen“ des BDC zeigen, dass geführte praktische Veranstaltungen Begeisterung wecken und bestehende Vorbehalte abbauen [4, 5]. Die positiven Erfahrungsberichte der Studierenden verdeutlichen, dass es nicht an der grundsätzlichen Attraktivität der Chirurgie mangelt, sondern an der Art und Weise, wie sie vermittelt wird.

Solche Projekte schaffen Impulse, bewirken jedoch in der Regel keine nachhaltige, breite Veränderung. Entscheidend ist eine systematisch in den Klinikalltag integrierte Lehrkultur. Solange Lehre im klinischen Betrieb überwiegend als Zusatzaufgabe gilt, wird sie in guter Qualität nur punktuell stattfinden. Wird sie stattdessen als integraler Bestandteil ärztlicher Tätigkeit verstanden und organisatorisch gefördert, dann kann sie zu einer wirksamen Ressource der Nachwuchsgewinnung werden [6].

Vom Lehrbuch zur KI – chirurgische Lehre im digitalen Wandel

Kaum ein Bereich des Medizinstudiums hat sich im letzten Jahrzehnt so verändert wie der Lernprozess der Studierenden selbst. Als viele der heutigen Ärzte/Ärztinnen in Weiterbildung ihr Studium begannen, dominierten noch Lehrbücher, Skripte und frontaler Präsenzunterricht. Der Kontakt zum Operationssaal erfolgte meist spät, fast nur im Rahmen von Famulaturen und blieb überwiegend passiv.

Mit dem Aufkommen digitaler Lernplattformen wie AMBOSS oder Thieme via medici veränderte sich das Studium grundlegend. Klinische Fächer wurden strukturierter, Zusammenhänge zwischen Anatomie, Pathophysiologie und Therapie nachvollziehbarer. Die Wissensbasis wurde damit zwar breiter, doch die Kluft zwischen Theorie und Praxis blieb bestehen: Chirurgie als klickbares Lernmodul statt als erlebbares Fach.

Heute prägen KI-gestützte Lernsysteme die nächste Stufe des digitalen Lernens. Tools wie ChatGPT oder in Lernplattformen integrierte Assistenten sind fester Bestandteil des Alltags für Studierende. Sie werden genutzt, um differentialdiagnostisch zu denken, OP-Abläufe nachzuvollziehen oder klinische Entscheidungen zu simulieren. Lernen wird individueller, und im Dialog mit der KI zunehmend selbstgesteuert [7]. Diese Entwicklung bietet, trotz bekannter Nachteile und Limitierungen, viel Potential, verlangt aber zugleich eine didaktisch fundierte Einbettung in das Medizinstudium.

In der Realität hängt die diesbezügliche Ausgestaltung der Lehrveranstaltungen von engagierten Einzelpersonen ab. Die institutionelle chirurgische Lehre hat auf diesen Wandel bislang nur begrenzt reagiert. Traditionelle Formate werden fortgeführt, während Studierende längst neue Lernwege nutzen. Dabei könnte gerade die Chirurgie von modernen Lerntechnologien profitieren: interaktive präoperative Fallbesprechungen, KI-gestütztes Feedback bei Naht- und Laparoskopietraining oder die Simulation komplexer Eingriffe sind bereits heute möglich [8–10]. Studien zum simulatorbasierten Arthroskopietraining zeigen, dass operative Grundfertigkeiten außerhalb des OPs in einer geschützten Lernumgebung effizient aufgebaut werden können [11]. Solche Formate können den OP-Alltag entlasten und bieten, eingebettet in ein bereits im Medizinstudium beginnendes Curriculum, hohes Potenzial für eine nachhaltige chirurgische Ausbildung [12].

Technologische Innovation ersetzt jedoch keine didaktische Innovation. Nur, wenn die neuen Werkzeuge gezielt eingebettet werden, kann aus digitalem Lernen auch Kompetenz entstehen. Im hier diskutierten Kontext kann die zunehmende Einführung von KI in die universitäre Lehre auch als konstruktivistischer Ansatz gesehen werden, der die aktuelle Generation in ihrer Lernrealität abholt.

Um dies umzusetzen, sollten etablierte Formate nicht verworfen, sondern sinnvoll ergänzt werden. Die Integration künstlicher Intelligenz darf dabei kein Selbstzweck sein, sondern muss die Entwicklung klinischer Handlungsfähigkeit unterstützen. Wenn die Lehre den Anschluss an die Lernrealität der Studierenden verliert, dann verliert sie auch ihre Überzeugungskraft und damit Ihren Einfluss auf die Wahl der Fachrichtung.

Warum die Chirurgie zur Vorreiterin werden kann

Die chirurgischen Fächer stehen im Zentrum zweier Herausforderungen: einem zunehmenden Nachwuchsmangel und einem tiefgreifenden Wandel der medizinischen Lehre. Genau in dieser Schnittstelle liegt jedoch auch eine Chance: Die chirurgischen Fächer könnten durch zeitgemäße Lehre als Vorreiter die Verbindung von Theorie, Technologie und praktischer Erfahrung exemplarisch gestalten. Gerade in einer Zeit, in der digitale Lernformen dominieren, muss die Chirurgie sichtbar machen, was sie einzigartig macht – das unmittelbare Erleben ärztlichen Handelns und Handwerks.

Zeitgemäße und attraktive Lehre hat das Potential, die Berufswahl entscheidend zu beeinflussen. In der Chirurgie werden kognitive und manuelle Kompetenzen wie in kaum einem anderen Fach vereint. Wird diese Besonderheit in der Lehre konsequent abgebildet, entsteht ein klarer Mehrwert und eine Abgrenzung gegenüber theoretischen Disziplinen. Hochwertige Lehre ist damit nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern ein strategisches Instrument zur Nachwuchsgewinnung.

Langfristig wird daher die Zukunftsfähigkeit der Chirurgie maßgeblich davon mitbestimmt werden, in welchem Maß es gelingt, klinische Realität und digitale Innovation miteinander zu verknüpfen. Die Lehrkultur kann entscheidend dazu beitragen, die operative Medizin als attraktives und fortschrittliches Fach zu positionieren. Chirurgische Nachwuchsbildung beginnt dort, wo Lehrende Begeisterung vermitteln – im Hörsaal, im Seminar oder am Operationstisch.

Die Literaturliste erhalten Sie auf Anfrage via passion_chirurgie@bdc.de.

Korrespondierender Autor:

Dr. med. Lukas Keiber

Arzt in Weiterbildung für Orthopädie und Unfallchirurgie

Hessing-Kliniken Augsburg

lukas.keiber@hessing-stiftung.de

Univ.-Prof. Dr. med. Stephan Vogt

Ärztlicher Direktor

Hessing-Kliniken Augsburg

Professur für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Universität Augsburg

Gesundheitspolitik

Keiber L, Vogt S: BDC-Praxistest: Moderne Lehre als Schlüssel zur Motivation – Nachwuchsmangel beginnt im Hörsaal. Passion Chirurgie. 2026 März; 16(03/I): Artikel 05_03.

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