Alle Artikel von Julia Weilbach

Reinhardt: „Gewalt gegen Ärzte hart bestrafen und gesellschaftlich ächten”

Zu der Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, das Strafrecht bei Gewalt gegen Ärzte und Rettungskräfte zu verschärfen, erklärt Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt:

„Härtere Strafen für Prügler und Pöbler in Gesundheitseinrichtungen können abschreckend wirken und sind deshalb gut und richtig. Wir verstehen die angekündigte Strafrechtsverschärfung aber auch als eine Solidaritätsadresse der Politik an all jene, die oftmals sogar ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, um anderen Menschen in Notsituationen zu helfen. Die Initiative des Bundesgesundheitsministers kann ein starkes Signal dafür sein, Gewalt gegen Retter und Helfer gesellschaftlich zu ächten. Wir nehmen deutlich war, dass die Aggressivität gegen Ärzte und andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen seit Jahren zunimmt. Auf den Straßen werden Notärzte und Rettungssanitäter angegriffen. In den Notfallambulanzen passiert es immer wieder, dass Patienten wegen langer Wartezeiten aggressiv werden. Einige Krankenhäuser beschäftigen bereits Sicherheitsdienste, um ihr Personal zu schützen. Aus diesen Gründen setzt sich die Bundesärztekammer seit langem für entsprechende gesetzliche Regelungen ein. Auch der Deutsche Ärztetag hatte in diesem Jahr gefordert, den strafrechtlichen Schutz für Hilfeleistende bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not zu erweitern. Nach den bisherigen Äußerungen des Ministers geht die angekündigte Gesetzesinitiative in diese Richtung.

Aber auch außerhalb der Notfallversorgung sind Ärztinnen und Ärzte von Gewalt betroffen. Nach einer Studie des Deutschen Ärzteblattes sind 91 Prozent der Hausärzte bei der Arbeit Opfer von aggressivem Verhalten geworden. Eine weitere Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass jeder vierte Arzt schon einmal körperlich angegriffen oder physisch bedroht worden ist. Fast 40 Prozent der Ärzte berichten zudem über verbale Gewalt in den letzten zwölf Monaten. Die jeweiligen Angebote der Ärztekammern zur Gewaltprävention erstrecken sich von Meldeangeboten bis hin zu konkreten Beratungsleistungen, Deeskalationskursen, Sicherheitstrainings und Kommunikationskursen.

Es ist gut, dass unsere Bemühungen nun von Seiten des Gesetzgebers flankiert werden sollen. Darüber hinaus brauchen wir Aufklärungskampagnen, die verdeutlichen, dass die Sicherheit von Ärzten und anderen Angehörigen von Gesundheitsberufen unverzichtbare Voraussetzung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist. Jeder Einzelne ist gefordert, jeglicher Form von verbaler oder körperlicher Gewalt in Praxen, Rettungsambulanzen oder im öffentlichen Raum entgegenzutreten, soweit es die eigene Sicherheit zulässt.”

Quelle: Bundesärztekammer, Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin, http://www.bundesaerztekammer.de, 29.10.2019

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BDC bei der Anhörung zum OTA-Reformgesetz

In dieser Woche fand die Anhörung zum Gesetzesentwurf über die Ausbildung für Anästhesietechnische Assistenten (ATA) und Operationstechnische Assistenten (OTA) vor dem Gesundheitsausschuss statt. Der BDC wurde von Geschäftsführerin Dr. med. Friederike Burgdorf vertreten. Insgesamt begrüßten die Gesundheitsexperten den aktuellen Entwurf, allerdings fehle noch die detaillierte Ausarbeitung zur Ausbildungsordnung, wodurch abschließend keine Bewertung der Ausbildungsziele erfolgen könne. Der BDC begrüßt die Ausbildungsreform ebenfalls (Stellungnahme zum Gesetzesentwurf), betonte aber erneut, dass die Delegation von Aufgaben an OTAs keine Substitution ärztlicher Leistung bedeuten dürfe.

Stellungnahme: BDC begrüßt Referentenentwurf zur OTA-Ausbildung
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Klinik oder Praxis? Ambulante Medizin wird für Studierende immer interessanter

Immer mehr Medizinstudierende interessieren sich für eine Tätigkeit in der ambulanten Versorgung. Das ist ein Ergebnis des Berufsmonitorings der KBV, in dem rund 14.000 Nachwuchsmediziner zu ihren Erwartungen an ihre berufliche Zukunft befragt wurden.

Immerhin können sich 75 Prozent der Befragten eine ambulante Tätigkeit vorstellen. Allerdings fühlen sich mehr als 60 Prozent über die ambulante Praxis schlecht informiert. Das eingeschätzte Informationslevel über Anforderungen und Arbeitsbedingungen der ambulanten Versorgung ist der Studie zufolge im Vergleich zu 2014 noch einmal gesunken.

Optionen für die berufliche Zukunft

„Das gewachsene Interesse an einer Tätigkeit in der ambulanten Versorgung zeigt, dass unsere Anstrengungen wie der Ausbau und die Förderung der ambulanten Weiterbildung erfolgreich sind“, betonte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister.

Der ambulante Sektor biete alle Optionen, welche die Studierenden sich für ihre berufliche Zukunft wünschten, hob er hervor. „Ob Anstellung, Job-Sharing, Einzel- oder Gemeinschaftspraxis, Stadt oder Land, lokal oder standortübergreifend – kein anderer Bereich offeriert so viele Möglichkeiten für Ärzte, sich beruflich zu verwirklichen und gleichzeitig ihre privaten Bedürfnisse zu berücksichtigen.“

Ambulante Versorgung im Medizinstudium

Hofmeister kritisierte, dass es im Studium immer noch zu wenig Möglichkeiten gebe, den ambulanten Bereich kennenzulernen. „Auch wenn sich hier viel getan hat, die Ausbildung ist nach wie vor stark „kliniklastig“. Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass sich mehr als die Hälfte der Befragten über die ambulante Praxis schlecht informiert fühle.

Trend zur angestellten Tätigkeit

Bei den Studierenden, die an einer Tätigkeit in der ambulanten Medizin interessiert sind, geht der Trend allerdings eher zur Gemeinschaftspraxis (50,6 Prozent) und weg von der Einzelpraxis (4,7 Prozent).

Insgesamt ist eine angestellte Tätigkeit – in der ambulanten und stationären Versorgung – für fast alle Befragten ungebrochen eine attraktive Option, so das Fazit der Studie. Hohe Priorität hat für angehende Ärzte (95 Prozent) die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Bürokratie und Regresse schrecken ab

Vor einer Niederlassung und damit freiberuflichen Tätigkeit schrecken die Nachwuchsmediziner unverändert vor allem das Investitionsrisiko, die Bürokratie, Wirtschaftlichkeitsprüfungen und mögliche Regresse ab. Eigene Erfahrungen in der vertragsärztlichen Versorgung könnten dazu beitragen, diese Ängste abzubauen.

Zu weiteren zentralen Ergebnissen des Berufsmonitorings zählen, dass der Trend zur wohnortnahen beziehungsweise heimatnahen Berufstätigkeit stabil bleibt. Ländliche Regionen sind zwar nach wie immer noch wenig beliebt, auch wenn sich hier des Monitorings zufolge eine gewisse Entspannung abzuzeichnen scheint. Unterdessen haben andere Bundesländer und das Ausland für die Nachwuchsmediziner an Attraktivität eingebüßt.

Online-Befragung seit 2010

Das Berufsmonitoring ist eine bundesweite Online-Befragung, welche die Universität Trier seit 2010 alle vier Jahre im Auftrag der KBV in Kooperation mit dem Medizinischen Fakultätentag und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland durchführt.

Das Monitoring hat sich nach Einschätzung der Universität Trier als viel beachteter Standard zur Dauerbeobachtung der Wünsche, Bewertungen und Erwartungen des ärztlichen Nachwuchses etabliert.

Die aktuelle dritte Befragung fand im Juni und Juli 2018 statt. Angaben machten rund 14.000 Befragte, was rund 15 Prozent aller Medizinstudierenden entspricht. Nunmehr liegt der Gesamtbericht vor. Eine erste Auswertung gab es bereits Anfang dieses Jahres.

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Herbert-Lewin-Platz 2, 10623 Berlin, www.kbv.de, Praxisnachrichten 17.10.2019

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BDC unterstützt Ärzte-Appell „Mensch vor Profit!“

Die Ökonomisierung der Medizin und deren Folgen sind längst kein Geheimnis mehr, umso wichtiger ist die öffentliche Aufmerksamkeit für dieses Thema. In den letzten Wochen sorgte der Ärzte-Appell für mediales Aufsehen: stern-Reporter Bernhard Albrecht hat bei seiner Recherche zum stern-Leitartikel „Mensch vor Profit!“ ( 37/19) mit mehr als hundert Medizinern gesprochen und ruft zur Unterstützung des Ärzte-Appells auf.

Die Mediziner fordern die Rückbesinnung auf Heilkunst statt Profit. Fachgesellschaften und Berufsverbände unterschiedlichster Fachgebiete schließen sich dem Appell an – der BDC ist ebenfalls dabei. Die Liste der Unterstützer wächst weiter. Machen Sie auch mit und schreiben Sie der stern-Redaktion: [email protected].

Ärzte-Appell im Stern
Aktuelle Liste der Unterstützer
Interview mit stern-Wissenschaftsredakteur Bernhard Albrecht
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BDC zur Bertelsmann-Studie: Klinik-Schließungen wohl dosieren

Berlin, 15. Juli 2019 – Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC) zur Studie der Bertelsmann Stiftung mit der Forderung, hunderte Krankenhäuser in Deutschland zu schließen

„Die Krankenhauslandschaft wird sich in den nächsten Jahren verändern müssen, um hohe Qualitätsstandards gewährleisten zu können“, stimmt Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer, Präsident des BDC grundsätzlich zu. „Allerdings ist es nicht der richtige Weg, deutschlandweit 800 Kliniken zu schließen. Im Fokus sollte zunächst die Zentralisierung komplexer operativer Eingriffe stehen. Schließungen müssen wohl dosiert und in ein Gesamtkonzept eingebunden werden.“ Die Diskussion um die Anzahl von Krankenhäusern in Deutschland ist sicherlich nicht neu, man müsse aber realistische Ansätze finden, nicht zuletzt über alternative sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen.

Der BDC spricht sich nachdrücklich für spezialisierte Zentren und die Einhaltung von Mindestmengenvorgaben bei speziellen chirurgischen Eingriffen aus. „Spezialisierungen können für kleinere Krankenhäuser eine Chance für den wirtschaftlichen (Weiter-) Betrieb bedeuten. Es wird aber nicht davor schützen, langfristig Krankenhäuser in der Fläche schließen zu müssen. Einige Häuser werden Qualitätsstandards mit der nötigen Expertise und Ausstattung im Sinne der Patientensicherheit nicht abbilden können. Dieser Themenkomplex steht aktuell auch auf der Agenda des Bundesministeriums für Gesundheit“, so der BDC-Präsident.

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Hospitation HERNIENSCHULE: 1 Tag, 7 Patienten, 5 Techniken

In der Havelklinik in Berlin ist ein Gast mit im OP: Dr. med. Andreas Straßmüller hospitiert bei Dr. med. Ralph Lorenz. Sieben Patienten mit Leistenhernien stehen auf dem OP-Plan. Straßmüller ist Facharzt für Viszeralchirurgie aus Augsburg und nimmt an der HERNIENSCHULE teil. Dieses Fortbildungsprogramm hat die Deutsche Herniengesellschaft zusammen mit der BDC|Akademie entworfen, mit den Modulen HERNIE kompakt, HERNIE konkret und HERNIE komplex. Die Hospitation in der Havelklinik ist Teil des Moduls HERNIE konkret. Um das Zertifikat dafür zu bekommen, muss Andreas Straßmüller bei allen drei großen chirurgischen Techniken hospitieren – hier die offenen Leistenhernien. „Ich hatte sogar das große Glück, allein hospitieren zu können,“ so Straßmüller. „Insgesamt ist das Programm sehr viel umfangreicher als ich gedacht habe. Und das im positiven Sinne!“

Die Kompetenz- und Referenzzentren, in denen die OPs durchgeführt werden, sind in ganz Deutschland verteilt und geben ihr Wissen an andere Chirurginnen und Chirurgen weiter. Ralph Lorenz hat schon mehr als 10.000 Hernien-Operationen durchgeführt und engagiert sich sehr stark für die HERNIENSCHULE.

Jede Hospitation wird durch die Teilnehmer evaluiert und die Beurteilungen fallen immer sehr positiv aus. Der nächste Termin für Hernie kompakt findet im März 2020 in Berlin statt und für Hernie komplex im Mai 2020 in Frankfurt/Main.

Operationen am Hospitations-Tag:

3 x Skrotalhernie: PELISSIER / TIPP-Technik

1 x kombinierte ausgedehnte Leistenhernie: GILBERT/ 3D-Technik

1 x leistennahe Narbenhernie nach Symphysenfraktur: GILBERT/ 3-D-Technik

1 x kleinere Leistenhernie: SHOULDICE = Naht-Technik

1 x Leistenrevision mit kompletter Netzexplantation, Triple-Neurektomie und Leistenrekonstruktion nach SHOULDICE bei Zustand nach Lichtenstein-OP 09/2018 mit therapieresistenten chronischen Schmerzen.

Abb. 1.: Lorenz und Straßmüller besprechen den nächsten Patienten während der Hospitation.

Weilbach J: Hospitation HERNIENSCHULE: 1 Tag, 7 Patienten, 5 Techniken. Passion Chirurgie. 2019 Juni; 9(06): Artikel 04_01.

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BDC gratuliert dem neuen Präsidenten der Bundesärztekammer

Berlin, 03. Juni 2019 – Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen e. V. (BDC) gratuliert Dr. Klaus Reinhardt (59) als neuem Kammerpräsidenten zur erfolgreichen Wahl in das Spitzenamt der Bundesärztekammer. Reinhardt ist auf dem 122. Deutschen Ärztetag am 30. Mai zum Präsidenten gewählt worden. „Wir freuen uns, dass mit Herrn Dr. Reinhardt ein Kollege mit langjähriger berufspolitischer Erfahrung gewählt wurde“, kommentiert Prof. Dr. Dr. h.c.  Hans-Joachim Meyer, Präsident des BDC, die Wahl.

Der Hausarzt mit Praxis in Bielefeld und bisherige Vorstand des Hartmannbundes sowie Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe folgt auf Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, der das Amt zuvor acht Jahre innehatte. „Wir sind davon überzeugt, dass Dr. Reinhardt zentrale Themen, wie Freiberuflichkeit, ausreichende Zeit für gutes ärztliches Handeln und die Stärkung der ärztlichen Selbstverwaltung gegenüber der Politik vertreten wird“, so Meyer. In der jüngsten Vergangenheit habe Reinhardt zudem die Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) maßgeblich vorangebracht.

Der neue Ärztekammerpräsident hat die Wahl als Trio, also gemeinsam mit Dr. Heidrun Gitter (59), Kinderchirurgin und leitende Oberärztin aus Bremen, und Dr. Ellen Lundershausen (68), niedergelassene HNO-Ärztin aus Thüringen, angetreten, die als neue Vizepräsidentinnen gewählt wurden. „Mit dieser Besetzung ist sichergestellt, dass sowohl die niedergelassene als auch die stationäre Perspektive im Vorstand der Bundesärztekammer vertreten ist“, begrüßt Meyer die Wahl der Vizepräsidentinnen.

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Bundeskongress Chirurgie: Update Niederlassung

„Ich freue mich, dass wir es geschafft haben, insgesamt 17 Verbände beim Bundeskongress hier in Nürnberg begrüßen zu dürfen“, eröffnete der Kongressleiter Dr. med. Michael Bartsch die Veranstaltung. „Auch dass die Studierenden und junge Ärzte eine eigene Sitzung haben, freut mich sehr.“ Der BDC ist schon seit einigen Jahren fester Bestandteil des Bundeskongresses und machte auch in diesem Jahr gemeinsam mit anderen Verbänden eine Bestandsaufnahme aktueller Rahmenbedingungen. Das zentrale Thema war – neben Sektorengrenzen, Finanzierung und Selbstverwaltung – der Nachwuchsmangel. An beiden Kongresstagen diskutierte der Berufsverband in gemeinsamen Sitzungen mit Studierendenvertretern und dem Bündnis Junge Ärzte über Lösungsansätze. „2025 werden wahrscheinlich 10.000 Chirurginnen und Chirurgen fehlen. Wir können es uns einfach nicht leisten, Studierende im PJ zu verprellen“, so Prof. Dr. med. h.c. Hans-Joachim Meyer beim Kongress. „Wir wissen genau, dass das PJ ein wichtiges Entscheidungsmoment ist, in die Chirurgie zu gehen oder nicht.“

Nachwuchsprobleme in der Chirurgie gehen einher mit den Fragen zur Zukunft des Faches. Gesundheitsökonom Prof. Dr. Boris Augurzky prognostizierte bei seinem Impulsreferat „Medizin 2030“ auf dem Bundeskongress zunehmende Probleme ab 2025. Der demografische Wandel und der Personalmangel würde sich auf alle wirtschaftlichen Bereiche auswirken, auch auf die Gesundheitsbranche. Augurzky geht davon aus, dass die Kombination aus fehlenden finanziellen Ressourcen und fehlendem Personal problematisch würden. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, sieht der Gesundheitsökonom Möglichkeiten u. a. im Ausbau der Digitalisierung, der Robotik im Bereich Logistik und einem neuen Vergütungssystem; einem Vergütungsmodell, das Sektorengrenzen überwindet.

„Wir fordern schon seit langem eine sektorenübergreifende Versorgung, auch durch eigene Projekte“, so Dr. med. Jörg-Andreas Rüggeberg, Vizepräsident des BDC. „Die Weiterbildung in chirurgischen Praxen ist da ein großes Thema.“ Junge Ärztinnen und Ärzte müssten die Vorzüge der Niederlassung selbst während ihrer Weiterbildung erfahren. Denn die Tendenz zum Angestelltenverhältnis steige. „Wir müssen uns die Hausärzte zum Vorbild nehmen. Denn nach langem Kampf wird deren Weiterbildung in der Praxis bundesweit gefördert“, so Rüggeberg.

Der Präsident des BDC wies in seiner Eröffnungsrede in Nürnberg darauf hin, dass es keine Überraschung sei, in Zukunft weiterhin vor vielen Herausforderungen des Faches zu stehen. „Kongresse wie in Nürnberg ermöglichen uns aber, mit anderen Verbänden an Lösungen zu arbeiten“, so Meyer.

Journalistenpreis der Deutschen Chirurgen würdigt Beitrag zur Organspende

Für den Journalistenpreis der Deutschen Chirurgen, den der BDC jedes Jahr vergibt, haben sich wieder viele Journalisten mit ihren Medienbeiträgen aus 2018 beworben. Der BDC hat beim Bundeskongress in Nürnberg einen herausragenden Beitrag aus dem Jugendmagazin fluter mit dem Journalistenpreis ausgezeichnet. Julia Lauter beschreibt in ihrem Artikel „Sein Herz schlägt weiter. Irgendwo.“ den Ablauf einer Organspende – vom Abschied bis zum Neuanfang. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung verlieh der Präsident des BDC, Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer, den mit 1.500 Euro dotierten Preis.

Im Frühjahr 2018 ist Lauters Beitrag im fluter Magazin Nummer 66 – „Körper“ zum Thema Organspende erschienen. Wie läuft eine Organspende genau ab? Die Frage stellen sich viele Menschen. Julia Lauter beantwortet diese wichtige Frage. Sie begleitet einen Koordinator der Deutschen Stiftung Organtransplantation bei der Untersuchung einer Patientin – einer potenziellen Organspenderin –, geht den Weg weiter zur Schaltzentrale von Eurotransplant bis zu den Chirurgen, die Patienten ein neues Organ implantieren.

  • 17 Verbände waren beim Kongress involviert.
  • 1.000 Chirurginnen und Chirurgen besuchten den Kongress in Nürnberg.
  • 2 Tage lang fanden wissenschaftliche Sitzungen, Seminare und Workshops für Chirurginnen und Chirurgen statt.
  • 21 Jahre gibt es den Bundeskongress Chirurgie schon.

Save the date

Der nächste Bundekongress Chirurgie wird vom 07. bis 08. Februar 2020 stattfinden. Alle Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie rechtzeitig hier: www.bundeskongress-chirurgie.de. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Weilbach J. Bundeskongress Chirurgie: Update Niederlassung. Passion Chirurgie. 2019 Mai, 9(05): Artikel 04_01.

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„Fight, Smile, Love!“ – mehr als nur ein Motto

Impuls-Vortrag beim Bundeskongress

Ein Film wird an der großen Leinwand des Kongresssaals gezeigt. Von wunderschönen schneebedeckten Gipfeln. Wahrscheinlich die Alpen. Man bekommt Lust, in die Berge zu fahren. Im Schnee zu gehen, Ski zu fahren. Genau wie die junge Frau im Film, die in den Bergen zuhause scheint – beim Skitouren, beim Berglaufen. Dann verändert sich die Stimmung im Kurzfilm, es wird hektischer, kurze Rettungsszenen werden gezeigt, eine Frauenstimme beschreibt den Moment, in dem sie fast gestorben ist. Die Bilder zeigen die Unfallstelle. Es geht 800 Höhenmeter in die Tiefe.

Abb. 1: Gela Allman bei ihrem Vortrag. Im Hintergrund sieht man ein Foto von ihr im Krankenhaus kurz nach ihrem Sturz am Berg.

Eine junge Frau kommt auf die Bühne: Gela Allmann. Ringelshirt, Sneakers – ganz normal. Sie steckt hinter der Frauenstimme aus dem Film und man fragt sich sofort: Wie geht das? Wie hat sie das geschafft und überlebt? Genau deshalb hält Gela Allmann einen Impuls-Vortrag beim Bundeskongress Chirurgie. Sie redet über ihr Motto: „Fight, Smile, Love!“ Um ihren Weg aus ihrer Krise zu zeigen. Den Weg, nach ihrem schweren Unfall wieder zurück ins Leben zu kommen. Sie möchte anderen zeigen „Jeder kann das schaffen“.

2014 stürzt Gela Allmann bei einem Fotoshooting in Island in die Tiefe. „Ich war bei vollem Bewusstsein, völlig klar im Kopf habe ich jeden Knochenbruch miterlebt“, erzählt sie bei ihrem Vortrag. „Man spürt keinen Schmerz und es war wahnsinnig traumatisch für mich – aber es war auch mein Glück, weil ich mich so aus eigener Kraft noch retten konnte und nicht in den Fjord gefallen bin.“ Ihr Leben war nach dem Sturz auf dem Tiefpunkt, ihr Leben als Bergläuferin und Sportmodel. Eine junge Frau, die die Zugspitze in 2:45 hochläuft – eine Halbmarathon-Distanz mit 2.300 Höhenmeter. Zuerst kann sie nicht mal mehr ihre Finger bewegen.

„Ich möchte heute aber nicht über das Medizinische, über mein zertrümmertes Knie und Schulter, sprechen, sondern über mein Motto“, verspricht Gela Allmann beim Kongress. Jeder kennt sie, die Momente, vor denen man am liebsten wegrennen möchte: Gespräche, die man scheut, Situationen, die einem den Boden unter den Füßen wegreißen – Erfahrungen, die man niemandem wünscht.

Gela Allmanns Verletzungen:

  • Nasenbeinbruch
  • Abriss der Hauptversorgungsarterie im Oberschenkel
  • Sprengung Kniegelenk inkl. komplette Zerstörung Meniskus & Knorpel
  • Abriss Fußhebenerv
  • Schulter-Trümmerbruch
  • Sämtliche Rippenbrüche
  • Lendenwirbelbruch, großflächige Hautabschürfungen
  • Abriss hinteres Kreuzband & Innenband, Meniskusrisse
Abb. 2: Auch in den schwierigsten Momenten hat Gela Allmann ein Lächeln im Gesicht – wie hier in der Reha. Genau das möchte sie an andere weitergeben.

Ihre Situation nach dem Unfall soll ein Paradebeispiel für diese Momente sein. Gela Allmann realisiert nach danach, dass sie alles verloren hat. Alles, was bisher wichtig war in ihrem Leben: ihre Optik, ihre Körperlichkeit. Das zu akzeptieren, kam ihr nicht in den Sinn. „Man muss versuchen, im Regen zu tanzen und sich sagen, es wird funktionieren. Man muss gelassen sein, die Situation annehmen“, erzählt sie. Das „Smile“ kauft man ihr dabei sofort ab und man kann sich diese Frau ohne Lachen im Gesicht nicht vorstellen.

„Stellt euch mal völlig nackt vor den Spiegel, schaut euch in die Augen und schaut, wen ihr da wirklich seht. Was das für ein Mensch ist und was dieser Mensch da gerade für Ziele, für Träume hat. Ob der glücklich ist, wo der hinwill und vor was der gerade Angst hat. Oder auf was der gerade stolz ist,“ rät sie und sagt im gleichen Atemzug, wie blöd sich das anhören muss, es aber wirklich funktioniert. „Das sollte man immer machen, wenn man irgendwo im Leben nicht weiterkommt. Denn wenn uns etwas passiert, schauen wir oft nach außen. Nach innen schauen und sich die richtigen Fragen zu stellen ist aber viel wichtiger. Da kommt die eigene Kraft her, aber das vergessen wir oft.“

Selbstliebe und Respekt vor sich selber ist ihr Schlüssel, um sich aus Krisen aufzurappeln. Man soll erkennen wie „beschissen“ die eigene Situation ist, aber trotzdem einen Perspektivwechsel schaffen. Davon redet die junge Frau voller Begeisterung. Nach ihrem Unfall hat sie beschlossen, wieder auf den Berg zu kommen – im wahrsten Sinne des Wortes. Ein großes Ziel in ihrem Zustand. Sie ließ alle um sich herum davon wissen. Bis alle daran glaubten. Zusammen mit ihr. Diese Einstellung gab ihr die Stärke, jeden Tag so viel für ihre Genesung zu tun, wie nur möglich.

Abb. 3: Zurück im Leben, zurück am Berg. Gela Allmann hat es mit viel Disziplin und Willenskraft wieder auf die Skier geschafft.

Dazu gehört wiederum eine große Portion Disziplin. „Durch meinen Sport war ich von Haus aus diszipliniert – das ist auf jeden Fall ein Vorteil – aber in kleinen Schritten kann das auch jeder schaffen.“ Durch Verbindlichkeiten. Mit Freunden oder Verwandten zum Beispiel. Wenn man zum Laufen verabredet ist, würde man wahrscheinlich auch im Regen gehen. Und Kleines funktioniert schließlich auch im Großen.

Gela Allman erzählt an dem Tag noch viel mehr. Am Ende sitzt man da und denkt sich „Alles schon mal gehört. Irgendwie.“ Aber Gela Allman reißt einen mit. Mit ihrer Lebenslust, mit ihrem Strahlen und ihrer festen Überzeugung, jede Krise überwinden zu können. Deshalb denk man als nächstes „Das versuche ich mal“. Und genau dazu sind Impuls-Vorträge schließlich da.

Mehr Über Gela Allmann

Sturz in die Tiefe: Wie ich 800 Meter fiel und mich zurück ins Leben kämpfte

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten

Verlag: Malik (1. März 2016)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3890294650

ISBN-13: 978-3890294650

Weilbach J: „Fight, Smile, Love!“ – mehr als nur ein Motto. Passion Chirurgie. 2019 Mai, 9(05): Artikel 09_01.

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Neuer Vizepräsident des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen

Berlin, 04. April 2019 – Dr. med. Peter Kalbe ist neuer Vizepräsident des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC). Peter Kalbe war bisher als Referatsleiter für niedergelassene Chirurgen und Chirurginnen Mitglied des erweiterten Vorstandes und wurde zum Nachfolger von Prof. Dr. med. Julia Seifert gewählt.

„Ich trete meine Position mit einem lachenden und einem weinenden Auge an. Denn so sehr ich mich über die Wahl zum Vizepräsidenten freue, bedauere ich sehr, dass Julia Seifert den BDC-Vorstand verlässt“, so Dr. med. Kalbe zu seinem Amtsantritt. Die bisherige Vizepräsidentin Julia Seifert wird weiterhin – vor allem bei den Themen Hygiene und Weiterbildungsordnung – eng mit dem erweiterten BDC-Vorstand zusammenarbeiten. „Wir wissen ihr großartiges Engagement für den BDC über viele Jahre sehr zu schätzen und freuen uns auch in Zukunft über ihre aktive Unterstützung“, betont der BDC-Präsident Professor Dr. med. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer.

Peter Kalbe engagiert sich schon viele Jahre ehrenamtlich für den Berufsverband: 12 Jahre lang als Landesvorsitzender in Niedersachsen und seit 2011 als Leiter des Referats für Niedergelassene. Er ist u. a. auch in zahlreichen Gremien der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und als Delegierter bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aktiv. Seit 1989 hat er eine sektorenübergreifenden Gemeinschaftspraxis mit einer engen Klinik-Kooperation unter dem Namen „Gelenkzentrum Schaumburg“ mit aufgebaut. Seine Weiterbildung absolvierte er in der Unfallchirurgischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover bei den Professoren H. Tscherne, R. Pichlmayr und H.-G. Borst sowie in der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungs-Chirurgie in der Unfallklinik des Friederikenstiftes Hannover (Dr. med. D. Gadzaly). Kalbe ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er lebt und arbeitet in Rinteln in Niedersachsen.

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