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Warum Intensivmedizin in der Chirurgie?

Wegen der Fortschritte in der Medizin im Allgemeinen und speziell in den chirurgischen Disziplinen stehen heute operative Behandlungsverfahren zur Verfügung, die z. B. noch vor zehn Jahren für betroffene Patienten nicht in Frage kamen.

Bei der Indikation zur Operation sollte der verantwortliche Chirurg natürlich Kenntnisse über die Möglichkeiten und Grenzen des operativen Verfahrens besitzen, aber auch ein Basiswissen der zugehörigen Intensivmedizin zur Verfügung haben. Nur so kann der Operateur seinen Patienten das geeignete Behandlungsverfahren anbieten und sachgemäß aufklären.

Er muss Vorerkrankungen kennen und erkennen und ggf. mit der Dauer-Medikation umgehen können. Sie beeinflusst möglicherweise das vorgesehene chirurgische Verfahren.

Einige Beispiele

Profitiert ein 80-jähriger Patient mit schwerer obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und langjährigem Nikotin- und Alkohol-Abusus bei kleinem Ösophagus-Karzinom von einer operativen Ösophagektomie über einen Zwei-Höhlen-Eingriff oder ist eine palliative Stent-Anlage hier das bessere Verfahren?

Wie wird die Antikoagulation nach Aorten-Klappen-Ersatz und Marcumar-Einnahme perioperativ durchgeführt – wann Heparin, wann wieder Marcumar? Muss die Einnahme von „Herz-ASS“ unterbrochen werden?

Soll die kachektische, anämische Karzinom-Patientin präoperativ Blut-Transfusionen erhalten oder soll die Operation verzögert werden, um eine künstliche Ernährung einzuleiten?

Im Rahmen des demographischen Wandels werden nicht nur kränkere, sondern auch mehr Patienten zu behandeln sein. Die Verteilung der knapper werdenden Ressourcen für die Leistungen direkt am Patienten ist nur im Dialog auf Augenhöhe mit den anderen beteiligten Disziplinen möglich.

Welcher Patient muss als erstes operiert werden? Der 65-jährige Patient mit Kolon-Perforation und beginnender Sepsis, die rüstige, alleinlebende 89-jährige Patientin mit chronisch subduralem Hämatom mit seit ein paar Stunden zunehmender Vigilanz-Minderung oder der 40-jährige Mann mit einer Hodentorsion?

Wird die 35-jährige adipöse Patientin nach Appendektomie und Unterbauch-Peritonitis oder der Patient mit ausgebrannter Leber-Zirrhose nach inkarzerierter Leistenhernie auf die Intensivstation verlegt?

Postoperativ muss der Operateur sich mit dem Intensivmediziner austauschen, um seinen Patienten richtig einzuschätzen und etwaige chirurgische Komplikationen rechtzeitig zu erkennen.

Wie ist die Gabe von Katecholaminen beim sedierten, beatmeten Patienten zu werten? Notwendig aufgrund der Sedierung oder Zeichen eines beginnenden Kreislaufversagens bei Sepsis? Ist es sinnvoll, noch eine Organersatz-Therapie (Nieren-Ersatz (Dialyse)) oder gar einen „Kreislauf-Ersatz“ (Extra corporal life support – ECLS) nach Tumor-Resektion einzuleiten?

Kenntnisse über das rein operative Fachgebiet hinaus sind nötig, um die Patienten auch auf der peripheren Station richtig einzuschätzen und Komplikationen rechtzeitig zu erkennen.

Der 85-jährige Patient nach Unterschenkel-Amputation bei arterieller Verschluss-Krankheit wird nachts um 2:00 Uhr verwirrt – handelt es sich um ein Delir oder um eine beginnende Sepsis?

Die Urinausscheidung bei einer 65-jährigen Patientin nach Cholezystektomie und vorbestehender Diuretika-Therapie beträgt noch 350 ml am ersten Tag postoperativ – ist es ein acute-on-chronic Nierenversagen, eine noch nicht wieder eingeleitete Hausmedikation mit Diuretika, eine Hypovolämie oder ein beginnendes Multi-Organversagen?

Akute Komplikationen müssen ebenfalls sofort erkannt und behandelt werden, bis spezialisierte Hilfe eingetroffen ist, z. B die beginnende respiratorische Erschöpfung bei Schleimretention, die Tachypnoe und Hypotension beim frühen septischen Schock oder der Herzkreislaufstillstand.

Chirurgen sollten ermutigt werden, sich neben den selbstverständlich sehr guten chirurgischen Kenntnissen auch Kenntnisse der Intensivmedizin anzueignen, um im klinischen Alltag ihre Patienten optimal zu beraten und zu versorgen.

Save the Date: Workshop „Intensivmedizin“

08. Juni 2018, Tübingen

12. Oktober 2018, Tübingen

Information & Anmeldung:
Tel. 030/28004-120, Fax 030/28004-129 oder per E-Mail: [email protected]
oder über BDC|Online unter www.bdc.de, Rubrik BDC|Akademie | Alle Veranstaltungen

Fischer H: Warum Intensivmedizin in der Chirurgie? Passion Chirurgie. 2018 Februar, 8(02): Artikel 03_01.
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„Fundamental Critical Care Support (FCCS) “ – Kurs in Tübingen

Ein neues Seminarangebot der BDC|Akademie in Kooperation mit der Universität Tübingen ergänzt das BDC-Seminarportfolio für Berufseinsteiger um den wichtigen Bereich der Intensivmedizin

Hintergrund und Zielgruppe

Klinisch tätige Ärztinnen und Ärzte jeder Station müssen zunehmend multimorbide Patienten mit erhöhtem Risiko für zusätzliche Morbidität und Mortalität oder bereits kritisch kranke Patienten betreuen. Basiskenntnisse der Intensivmedizin sind dazu unerlässlich.

Hinzu kommt der Anspruch der chirurgischen Weiterbildungsordnung, ein halbes Jahr auf einer Intensivstation zu arbeiten. Hier werden nur selten in den Kliniken systematisch Grundlagen vermittelt.

Die Universität Tübingen bietet in enger interdisziplinärer Abstimmung seit 2005 mehrmals im Jahr einen Basiskurs Intensivmedizin an. Er richtet sich an Kolleginnen und Kollegen aller Fachdisziplinen, sowohl in der normalen Krankenversorgung als auch als Vorbereitung für die Rotation auf die Intensivstation. Es werden Kenntnisse vermittelt, um Risiko-Patienten zu identifizieren und kritisch Kranke zu erkennen. Hier gilt, Probleme so früh wie möglich zu erkennen und so aggressiv wie nötig zu behandeln.

In Zusammenarbeit mit der BDC|Akademie werden diese Kurse nun überregional angeboten, ohne ihren grundsätzlich zu begrüßenden interdisziplinären Charakter zu verlieren.

Kursinhalte

Die Teilnehmer erlernen Maßnahmen einzuleiten, bis der spezialisierte Intensivmediziner zu Hilfe kommt. Damit gewinnt man Zeit für weitere wichtige Diagnostik und Therapie.

Es werden Themen aus allen relevanten Disziplinen der Intensivmedizin behandelt, von typisch chirurgischen Themen wie Infektion, Sepsis und Trauma, bishin zu internistischen Krankheitsbildern, wie myokardiale Ischämie und Lungenembolie, Störungen des Säure-Basen- und Elektrolyt-Haushaltes. Besonderheiten bei schwangeren Frauen und neurologische Erkrankungen sind ebenso Thema wie typisch anästhesiologische Aspekte zum Beispiel des Airway-Managements, Lungenversagens und der Beatmung. Auch ethische Aspekte der Intensivmedizin werden erörtert.

Abb. 1: Demonstration des Punktionsortes für die Thoraxdrainage am Modell

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Kursformat und Zertifikat

Die Tutoren kommen aus dem jeweiligen Fachgebiet und können somit die Inhalte authentisch und kompetent vermitteln. Die spezielle Intensivmedizin ist hingegen nicht Teil des Kurses.

Der Kurs basiert auf einem Curriculum der US-amerikanischen Gesellschaft für Intensivmedizin (Society of Critical Care Medicine, SCCM). Das von ihr herausgegebene Lehrbuch (in englischer Sprache) wird zur Vorbereitung jedem Teilnehmer vorab zugesandt.

Der Kurs teilt sich in kurze theoretische Vorträge am Vormittag und ausgiebigen Übungen am Nachmittag. Für invasive Eingriffe, wie Anlage von Thorax-Drainagen und zentral-venösen Kathetern, stehen anatomische Präparate zur Demonstration und zum individuellen Training zur Verfügung. Bei weiteren Skill-Stations können das Airway-Management und Einstellung des Beatmungsgerätes am Lungenmodell geübt werden. Auch die Herz-Lungen-Wiederbelebung wird intensiv trainiert.

Abb. 2: Mini-Thorakotomie mit dem Finger am anatomischen Präparat

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Abb. 3: Fixation der Thorax-Drainage

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Abb. 4: Mechanisches Lungen-Modell zur Simmulation der künstlichen Beatmung

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Zum Abschluss erfolgt eine schriftliche Erfolgskontrolle (in englischer Sprache). So erhalten die Teilnehmer neben den 20 CME Punkten der Ärztekammer bei erfolgreicher Beantwortung der Fragen auch ein Zertifikat der SCCM verliehen. Die Zahl der Teilnehmenden ist auf 24 Personen begrenzt, wodurch ausreichend Gelegenheit für praktische Übungen und Raum zum Gespräch in kleinen Gruppen möglich ist.

Beteiligte Kliniken und Disziplinen

Als interdisziplinärer Kurs sind in die Gestaltung alle an der Intensivmedizin beteiligten Fachgebiete involviert. Unter meiner Leitung, selbst Chirurg und Anästhesist, arbeiten am FCCS-Kurs Kolleginnen und Kollegen aus folgenden Kliniken der Universität Tübingen aktiv mit:

      • Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie,
      • Unviersitätsfrauenklinik Tübingen,
      • Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin,
      • Medizinische Universitätsklinik,
      • Anatomisches Institut sowie die
      • Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Regensburg.

Am Abend treffen sich die Teilnehmer mit den Tutoren zum entspannenden Abendessen und der Möglichkeit des weiteren Austausches und näheren Kennenlernens.

Wir freuen uns sehr, interessierte Kolleginnen und Kollegen zu unserem Basiskurs Intensivmedizin (FCCS) in Tübingen zu begrüßen. Die nächsten Kurse finden an folgenden Terminen statt:

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Weiterführende Informationen
Informationen und Anmeldung über BDC|Online

Fischer H. „Fundamental Critical Care Support (FCCS) “ – Kurs in Tübingen. Passion Chirurgie. 2013 Mai; 3(05): Artikel 03_01.

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