18.05.2026 Presse
Ärztliche Weiterbildung: Große Ärzteverbände drängen auf verlässliche Strukturen

Nürnberg/Berlin/Hannover, den 15.05.2026 – Im Zuge der Debatte um die ärztliche Weiterbildung hat der Deutsche Ärztetag eine Reihe von Anträgen zur weiteren Bearbeitung an den Vorstand der Bundesärztekammer verwiesen. Darunter auch einen fachübergreifenden Antrag zur Stärkung ärztlicher Weiterbildungsverbünde, der von anästhesiologischen, chirurgischen und internistischen Delegierten eingebracht worden war.
Der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten e.V. (BDA), der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC) und der Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten e.V. (BDI) sehen in der Überweisung des Antrags an den Vorstand ein wichtiges Signal, die Diskussion über zukunftsfähige Strukturen der ärztlichen Weiterbildung weiter voranzutreiben. Ziel ist es, bestehende Hürden in der Weiterbildung zu beseitigen und sie stärker an die Anforderungen einer zunehmend zentralisierten und sektorenübergreifenden Versorgung anzupassen.
Hintergrund ist die fortschreitende Spezialisierung im Zuge der Krankenhausreform. Medizinische Leistungen werden künftig stärker konzentriert. Dadurch können einzelne Weiterbildungsinhalte zunehmend nicht mehr an jedem Standort vollständig vermittelt werden. Weiterbildungsverbünde, in denen Ärztinnen und Ärzte unterschiedliche Einrichtungen durchlaufen, werden damit oftmals zur Voraussetzung für eine vollständige fachärztliche Qualifikation.
„Eine hochwertige fachärztliche Weiterbildung lässt sich unter den veränderten Versorgungsstrukturen vielerorts nur noch in vernetzten Systemen sicherstellen. Dafür brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen, die Rotationen zwischen Einrichtungen ermöglichen, fördern und finanziell absichern“, erklärt BDI-Präsidentin Christine Neumann-Grutzeck.
Nun brauche es nun konkrete politische und regulatorische Schritte, um die Etablierung und den Betrieb von Weiterbildungsverbünden nachhaltig zu erleichtern. Dazu gehört insbesondere, geeignete arbeitsrechtliche Voraussetzungen für standortübergreifende Rotationen zu schaffen und rechtliche Hürden für längere Weiterbildungsabschnitte in Verbundstrukturen abzubauen. Aus Sicht der Verbände sollte der Vorstand der Bundesärztekammer diese Anliegen nun gegenüber dem Bundesministerium für Gesundheit sowie weiteren zuständigen Gesetz- und Verordnungsgebern weiterverfolgen.
„Weiterbildung muss für junge Ärztinnen und Ärzte planbar und verlässlich sein. Wenn Rotationen organisatorisch scheitern oder Strukturen fehlen, wird Weiterbildung unnötig erschwert und verliert an Attraktivität. Das hat direkte Auswirkungen auf die Gewinnung qualifizierten Nachwuchses und damit auf die zukünftige Versorgung“, betont BDC-Präsident Prof. Dr. med. Dr. h. c. Hans-Joachim Meyer.
Gleichzeitig bekräftigen die Verbände die bereits im vergangenen Jahr formulierte Forderung nach einer verlässlichen und vollständigen Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung. Trotz gesetzlicher Vorgaben im Krankenhausfinanzierungsgesetz ist eine flächendeckende Umsetzung bislang nicht erreicht.
Vor diesem Hintergrund fordern sie die zuständigen Akteure erneut auf, die Finanzierung ärztlicher Weiterbildung sicherzustellen – insbesondere in Verbundstrukturen und sektorenübergreifenden Modellen. Darüber hinaus sollen Weiterbildungsverbünde im Zuge der Krankenhausreform als strukturelles Qualitätskriterium berücksichtigt werden.
BDA-Präsidentin Prof. Dr. Grietje Beck mahnt: „Die Finanzierung der Weiterbildung ist gesetzlich angelegt, aber in der Versorgungspraxis noch immer nicht ausreichend sichergestellt. Gleichzeitig steigen die strukturellen Anforderungen – beides muss zusammen gedacht werden, damit die Qualität der Patientenversorgung langfristig gesichert bleibt.“ Ohne entsprechende strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen drohe Weiterbildung unter den veränderten Versorgungsstrukturen zunehmend fragmentiert zu verlaufen.
Die Verbände sehen in der Stärkung von Weiterbildungsverbünden einen entscheidenden Baustein, um die fachärztliche Weiterbildung an die veränderten Versorgungsrealitäten anzupassen und den ärztlichen Nachwuchs nachhaltig zu sichern. „Mit der Überweisung an den Vorstand der Bundesärztekammer ist die Diskussion angestoßen. Entscheidend ist jetzt, dass diese auch umgesetzt werden – damit Weiterbildung unter den neuen Versorgungsbedingungen nicht zum Engpass wird“, erklären BDA, BDC und BDI gemeinsam.
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