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Erfahrungsbericht eines Honorararztes a. D.

Als sich bei mir das Ende der aktiven Dienstzeit als Chefarzt einer chirurgischen Abteilung, gekoppelt mit der Funktion des ärztlichen Direktors eines Konglomerates von drei zwangsfusionierten Häusern abzeichnete, habe ich mich „mal einfach so“ bei zwei Vermittlungsagenturen für Honorarärzte gemeldet und meine Unterlagen eingereicht. Ob es überhaupt einmal zu einem Einsatz kommen könnte, schien mir im Jahr 2005 eher ungewiss, da mir die „Ablehnungsgespräche“ mit jungen Kolleginnen und Kollegen noch in bester Erinnerung waren. Die Stellen waren damals alle besetzt und der Begriff „Ärztemangel“ hatte bei weitem noch nicht den inflationären Charakter wie heute, obwohl schon in der berufspolitischen Presse darauf aufmerksam gemacht wurde.

Ende Mai 2005 schied ich aus dem aktiven Dienst aus. Ich teilte diesen Umstand den von mir kontaktierten Agenturen mit. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Erstaunlich für mich, und durchaus nicht erwartet, häuften sich die Anfragen, ob ich denn nicht gleich könnte … oder wollte. Mein dazu geäußerter Wille, eine kurze Verschnaufpause einlegen zu wollen, fand keine so richtige Gegenliebe. Eine Agentur hat deshalb auch recht schnell ihre Bemühungen, mit mir ins Geschäft zu kommen, eingestellt. Die andere war um so hartnäckiger. Mit Erfolg. Da meine Honorartätigkeit nun auch ihre Götterdämmerung erfährt, möchte ich vorab meiner „Managerin“ ein recht herzliches Dankeschön für die jahrelange harmonische und verständnisvolle Zusammenarbeit aussprechen.

Was kamen für Angebote und wie wurden sie realisiert?

„Wichtig“ und „jetzt gleich“ waren sie alle, ob Praxis oder Krankenhaus.

Chirurgische ambulante Tätigkeit inklusiver D-Arzt-Aufgabe waren für mich nichts außergewöhnliches, ebenso nicht die klinischen Verrichtungen in leitender Position.

Spannend war aber alles Neue – die Räumlichkeiten, die Mitarbeiter, das Umfeld. Trotz langandauernder klinischer Tätigkeit überkam mich manchmal das bange Gefühl mit der Frage, erfülle ich auch alle Anforderungen im Sinne des Praxisinhabers und der Kliniken? Bekannterweise führen viele Wege nach Rom, das weiß aber nur der, der den Weg auch kennt. So kann es schon mal vorkommen das unterschiedliche Sichtweisen in Diagnostik und Therapie zu Irritationen bei dem nachgeordneten Personal kommt. Bescheidenheit und Zurückhaltung, gepaart mit einer ruhigen, aber durchaus klaren Ansprache lässt schnell Vertrauen und Akzeptanz wachsen. So wurden die Jahre meiner Honorartätigkeit, ohne mich jetzt in Details zu verlieren, aus vielerlei Gründen zu einem wunderbaren Erlebnis, welches bei mir nach dem jahrelangen administrativen Stress ein echtes Glücksgefühl hinterlassen hat.

Das Arztsein trat wieder deutlicher in den Vordergrund, der immer wieder stattfindende Gedankenaustausch mit den Kolleginnen und Kollegen durch eine unverblendete Sicht, ob fachlich oder privat, tat der Seele gut. Der eigene Horizont erfuhr eine deutliche Erweiterung, nicht zuletzt auch dadurch, dass ich z. T. in einem Team arbeiten konnte, in welchem sich junge Kolleginnen und Kollegen aus Russland, Polen, der Slowakei, Afrika und Gesamtdeutschland befanden. Folgerichtig blieben Kontakte bis heute erhalten, die ich nicht missen möchte. Die schönste Anerkennung für mich war immer die Frage nach dem Wiederkommen, welches eigentlich traurigerweise bei fast allen meinen Einsätzen notwendig wurde. Die Freude darüber bei den Mitarbeitern hat bei mir eine tiefe Dankbarkeit hinterlassen.

So verlasse ich nun ganz langsam das Feld der Medizin, um mich mehr um meine Hobbys und den neu erworbenen und alten Kontakten zu kümmern. Ob es das entgültig gewesen ist, kann ich beim besten Willen noch nicht sagen.

Liebe Leser, erlauben Sie mir bitte noch einige Worte des Ausblicks! Die augenblicklich boomende Honorararzttätigkeit ist ehrlicherweise dem Umstand einer verfehlten Ausbildungspolitik unser jungen Kolleginnen und Kollegen, aber auch einem gewissen Paradigmenwechsel der Sicht auf unseren Beruf geschuldet. Der Wille von uns „Unruheständlern“, nicht gleich von 100 auf null beruflich abgebremst zu werden, kommt der notwendigen Deckung entstandener Personallücken natürlich sehr entgegen. Ein personelles Bedarsfsnetzwerk, mit der Konsequenz einer den heutigen Bedingungen angepassten optimalen Patientenversorgung, würde den Ärztemangel schnell aufheben und den Willen der Pensionäre verpuffen lassen.

Im niedergelassenen Bereich, als bisherige Hauptdomäne der Vertretungsärzte, wird sich auch in Zukunft eine Entwicklung etablieren, die die Hinzuziehung von Kollegen im normalen Arbeitsleben und die „Alten“ fast überflüssig machen. Neue Organisationsformen, wie Doppelpraxen als kleinste Einheiten bis hin zu den wiedererstandenen Polikliniken werden Urlaub, Weiterbildung, Mutterschaft, Erziehungsurlaub und Ausbildungsrotation gegen die Interessenlage der Honorarärzte leichter gestalten lassen. Bei diesem Hintergrund wäre es dennoch schön, wenn arbeits– und helfenswillige Kolleginnen und Kollegen nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst eine befriedigende Tätigkeit beim Hinübergleiten in die definitive Ruhephase finden würden, natürlich nicht, um das Ruhesalär aufzubessern. Dieser Gedanke sollte nie Platz greifen, oder?

Überlassen wir das Futurum der weiteren Entwicklung. In der Gegenwart jedenfalls werden wir noch gebraucht und das ist aus meiner Sichtweise gut so.

Autor des Artikels

Dr. med. Wolfgang Hothorn

Dr. Virchowstr. 11b07548Gera

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