01.03.2026 Aus- & Weiterbildung
Das Perspektivforum Junge Chirurgie

Stimme des chirurgischen Nachwuchses in Zeiten des Umbruchs
Die chirurgische Weiterbildung in Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Krankenhausstrukturreform, Ambulantisierung, Zentralisierung und zunehmender Fachkräftemangel verändern die Rahmenbedingungen der chirurgischen Versorgung und stellen insbesondere den Nachwuchs vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund nimmt das Perspektivforum Junge Chirurgie (PFJC) der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) eine zentrale Rolle ein: als fachgesellschaftsübergreifende Interessenvertretung junger Chirurginnen und Chirurgen und als konstruktiver Impulsgeber für eine zukunftsfähige Weiterbildung.
Das Perspektivforum Junge Chirurgie: Struktur und Selbstverständnis
Das Perspektivforum Junge Chirurgie ist das gemeinsame Nachwuchsorgan der DGCH und bündelt die Perspektiven der Jungen Foren der chirurgischen Fachgesellschaften. Es versteht sich als Plattform für Austausch, Vernetzung und Positionsbildung über Fachgrenzen hinweg. Ziel ist es, die Anliegen von Medizinstudierenden, Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung sowie jungen Fachärztinnen und Fachärzten sichtbar zu machen und aktiv in gesundheitspolitische und fachgesellschaftliche Diskurse einzubringen.
Das PFJC arbeitet als Teil des Vorstands eng mit dem Präsidium der DGCH, den Fachgesellschaften, Berufsverbänden sowie weiteren Akteuren der ärztlichen Selbstverwaltung zusammen und bringt die Sicht des Nachwuchses systematisch in Entscheidungsprozesse ein.
Schwerpunkt: Engagement für die chirurgische Weiterbildung
Der zentrale inhaltliche Schwerpunkt des Perspektivforums liegt auf der chirurgischen Weiterbildung. In den vergangenen Jahren hat das PFJC maßgeblich an der Erarbeitung von drei grundlegenden Positionspapieren mitgewirkt, die die aktuellen Herausforderungen analysieren und konkrete Lösungsansätze formulieren.
Herausforderungen und Chancen der chirurgischen Weiterbildung im Kontext der Krankenhausstrukturreform
Das erste Positionspapier (via Springer/DIE CHIRURGIE) beleuchtet die Auswirkungen der Krankenhausstrukturreform auf die chirurgische Weiterbildung und wurde fachgesellschaftsübergreifend unter Beteiligung des PFJC erarbeitet. Ausgangspunkt ist die Sorge vor einem Qualitätsverlust der Weiterbildung durch Ambulantisierung, Zentralisierung und fehlende strukturelle sowie finanzielle Absicherung.
Zentrale Forderungen sind:
- eine unabhängige und transparente Finanzierung der Weiterbildung,
- die konsequente Mitberücksichtigung der Weiterbildung bei allen Reformvorhaben,
- bundesweit strukturierte, kompetenzbasierte Weiterbildungskonzepte,
- verbesserte soziale Rahmenbedingungen (Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexible Arbeitszeitmodelle) sowie
- die frühzeitige Einbindung der Fachgesellschaften in Reformprozesse.
Gleichzeitig betont das Papier die Chance, den Strukturwandel als Ausgangspunkt für eine nachhaltige Neugestaltung der chirurgischen Weiterbildung zu nutzen.
Der chirurgische Weiterbildungsverbund der Zukunft
Mit dem zweiten Positionspapier rückt das PFJC die Verbundweiterbildung in den Mittelpunkt. Hintergrund ist die zunehmende Verlagerung weiterbildungsrelevanter Eingriffe in den ambulanten Sektor sowie die abnehmende Zahl von Kliniken mit vollständiger Weiterbildungsermächtigung.
Das Positionspapier formuliert klare Anforderungen an qualitativ hochwertige Weiterbildungsverbünde:
- verbindliche rechtliche Rahmenbedingungen für sektoren- und arbeitgeberübergreifende Arbeitsverträge,
- transparente, standortübergreifende Curricula,
- eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung,
- kontinuierliches Monitoring und Evaluation,
- sowie eine zertifizierte didaktische Qualifikation der Weiterbildenden.
Ziel ist eine strukturierte, planbare und qualitativ hochwertige Weiterbildung über alle Versorgungssektoren hinweg, die sowohl den Bedürfnissen der Weiterzubildenden als auch den Anforderungen der Versorgungsrealität gerecht wird.
Qualitätsindikatoren für die chirurgische Weiterbildung
Das dritte Positionspapier widmet sich der bislang kaum systematisch erfassten Qualität der chirurgischen Weiterbildung. (via Springer/DIE CHIRURGIE) Vor dem Hintergrund gesetzlicher Vorgaben (§ 17b KHG) hat das PFJC ein praxisnahes, indikatorbasiertes Bewertungssystem mitentwickelt.
Vorgeschlagen wird ein dreistufiges Set aus:
- Strukturindikatoren (z. B. vorhandenes Curriculum, Betreuungsverhältnis, Teilnahme an Verbundweiterbildungen, didaktische Qualifikation),
- Prozessindikatoren (z. B. strukturierte Weiterbildungsgespräche, operative Supervision, Fortbildungsaktivität),
- Ergebnisindikatoren (z. B. Dauer der Weiterbildung, Bestehensquote der Facharztprüfung, Zufriedenheit der Weiterzubildenden).
Digitale Instrumente, wie das e-Logbuch und ein zu schaffendes Weiterbildungsregister, werden als Schlüssel für eine transparente, vergleich- und steuerbare Weiterbildung hervorgehoben. Langfristig sollen diese Indikatoren auch Grundlage einer qualitätsorientierten Finanzierung sein.
Mitgestaltung des Deutschen Chirurgenkongresses (DCK)
Neben der inhaltlichen Arbeit engagiert sich das Perspektivforum aktiv in der Gestaltung des Deutschen Chirurgenkongresses (DCK). Das PFJC organisiert und moderiert eigene Sitzungen, bringt Nachwuchsthemen in das Hauptprogramm ein und fördert neue Formate, wie Karriere-, Mentoring- und Diskussionsveranstaltungen.
Ein aktuelles Beispiel ist die vom PFJC initiierte Kongressumfrage, die Erwartungen, Teilnahmebarrieren und Wünsche junger Chirurginnen und Chirurgen systematisch erfasst. Die Ergebnisse sollen direkt in die Weiterentwicklung des DCK einfließen und dessen Attraktivität für den Nachwuchs weiter steigern.
Weitere Aktivitäten und Ausblick
Darüber hinaus engagiert sich das Perspektivforum in:
- der Weiterentwicklung der DGCH-Webpräsenz mit Fokus auf Nachwuchsansprache,
- der Vernetzung mit Politik, Kammern und Institutionen,
- der Unterstützung von Pilotprojekten zur Weiterbildung,
- sowie der Öffentlichkeitsarbeit, unter anderem über Podcasts und soziale Medien.
Das Perspektivforum Junge Chirurgie versteht sich dabei nicht nur als kritische Stimme, sondern als konstruktiver Partner, der tragfähige Lösungen entwickelt. In einer Zeit tiefgreifender Veränderungen leistet es einen wesentlichen Beitrag dazu, die chirurgische Weiterbildung zukunftsfähig zu gestalten und den Nachwuchs für die Chirurgie zu begeistern.
Nachwuchs gewinnen – Zukunft gestalten
Die Sicherung einer hochwertigen chirurgischen Versorgung beginnt mit der Gewinnung und Förderung des Nachwuchses. Das Perspektivforum Junge Chirurgie versteht Nachwuchswerbung daher nicht als Randaufgabe, sondern als zentrale Zukunftsaufgabe der gesamten chirurgischen Gemeinschaft. Alle Chirurginnen und Chirurgen – unabhängig von Fach, Karrierephase oder Arbeitsumfeld – sind eingeladen, sich aktiv einzubringen: durch Mitwirkung in den Jungen Foren, durch engagierte Weiterbildung, durch offene Gesprächskultur und durch Vorbildfunktion im klinischen Alltag. Nur gemeinsam gelingt es, junge Menschen für die Chirurgie zu begeistern, Perspektiven aufzuzeigen und attraktive, realistische Karrierewege zu gestalten.
Das Perspektivforum bietet hierfür eine offene Plattform – machen Sie mit, bringen Sie Ihre Erfahrungen ein und gestalten Sie die Zukunft der Chirurgie aktiv mit.
Kontakt: pfjc@dgch.de

Dr. med. Sebastian Schaaf
Sprecher Perspektivforum Junge Chirurgie der DGCH
Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie

Dr. med. Frederik Schlottmann
Stv. Sprecher Perspektivforum Junge Chirurgie der DGCH
Sprecher des Jungen Forums der DGPRÄC
Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Medizinische Hochschule Hannover
Chirurgie
Schaaf S, Schlottmann F: Das Perspektivforum Junge Chirurgie. Passion Chirurgie. 2026 März; 16(03/I): Artikel 03_05.
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