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Die seit über 30 Jahren anhaltende nicht nachhaltige Politik und die öffentlichkeits-wirksame Diffamierung der gesetzlichen Krankenkassen gegen die qualifiziert agierenden Berufsgruppen und Institutionen der medizinischen Versorgung führt ständig zu Fehlinformationen der Bürger.

Die Lebenserwartung der Bürger in Deutschland nimmt ständig zu und wird noch weiter zunehmen. Dies ist ein sehr schöner Faktor der sozialen Marktwirtschaft und der vielfältigen Möglichkeiten der Bürger, sich gesünder zu ernähren, sich frühzeitig um den Erhalt oder die Wiederherstellung der Gesundheit oder der Beseitigung von Leiden zu kümmern. Der Nachteil ist jedoch, dass der Aufwand um die Lebensqualität der älteren und jüngeren Bürger zu erhalten oder wiederherzustellen größer ist und werden wird und deshalb personelle, institutionelle und finanzielle Ressourcen notwendig macht.

In den letzten 40 Jahren haben die Methoden der Diagnose, Therapie und Rehabilitation ständig innovativ zugenommen. Dies macht es möglich, dass auch bereits betagte Bürger oder schwer erkrankte Menschen mit künstlichen Gelenken oder anderen Techniken so versorgt werden können, dass diese ihr Leben in guter Lebensqualität genießen können.

Bedingt durch die Pflicht des Bürgers zur Finanzierung des Gesundheitssystems durch Beitragszahlungen in die gesetzliche Krankenkasse ist ein Gesamtvolumen von ca. 200 Milliarden Euro pro Jahr vorhanden. Dies ermöglicht in der Solidargemeinschaft die Anwendung von Innovationen und gute bis sehr gute Basisversorgungen aller Bürger. Hinzu kommen die Zuzahlungen der Bürger in Höhe von ca. 40 Milliarden Euro pro Jahr und die Beiträge der privat Krankenversicherten. Diesbezüglich muss darauf hingewiesen werden, dass die Arbeitgeberbeiträge der Krankenkassen aus der Produktivkraft der Arbeitnehmer kommen. In der Regel wird von einem finanziellen Volumen von ca. 300 Milliarden Euro ausgegangen und dies macht es möglich, dass wir noch eine hohe Leistungskraft im Gesundheitssystem haben.

Die Strukturen der stationären Einrichtungen waren bis Mitte der 80er Jahre ausgerichtet auf eine bestmögliche Wiederstellung von gesundheitlichem Wohlbefinden und der Beseitigung von körperlichen Beschwerden. Durch die dann politisch verursachte Ökonomisierung der Kliniken erfolgte eine falsche Ausrichtung auf Kosten oder ökonomische Aspekte der individuellen Versorgung/Behandlung/ Betreuung.

Hinzu kommt noch die Forderung der gesetzlichen Krankenkassen und der Politik auf Schwerpunktkliniken für bestimmte medizinische Eingriffe, wie Hüft- und Kniegelenke bzw. andere operative Eingriffe. Die dort vorgehaltenen Kapazitäten müssen dann auch voll genutzt werden, um die Investitions- und Fixkosten durch Einnahmen zu sichern. Dabei besteht eine Gefahr der Ausweitung von Kapazitäten. Durch die unzureichende Vergütung für konservative Medizin mit den Fallpauschalen wird ebenfalls eine negative Beeinflussung verursacht und kann zur Deckung der Kosten, zur Steigerung von operativen Eingriffen führen. Dies liegt dann aber nicht an den Berufsgruppen der Medizin oder den Geschäftsführungen der stationären Einrichtungen, sondern an gesetzlich vorgegebenen destruktiven Rahmenbedingungen.

Zusammenfassung

Die mir und uns vorliegenden Daten aus vielen Publikationen von unterschiedlichen nationalen und internationalen Institutionen lassen die Behauptung nicht zu, dass im deutschen Gesundheitswesen zu viele operative Eingriffe erfolgen. Hierzu ist es erforderlich die jeweiligen Statistik und Studie daraufhin zu prüfen, wer diese finanziert hat. Ich bin der Überzeugung, dass wir stolz auf die qualifizierten Leistungen der Berufsgruppen sein sollten, die es ermöglichen, dass die Bürger optimal versorgt werden können. Andererseits sollten die Rahmenbedingungen aber auch insofern modifiziert werden, damit konservative Therapien auch entsprechend dem Aufwand vergütet werden. Grundsätzlich sehe ich den Nutzen der Fallpauschalen nicht, sondern eher einen Schaden für die Qualität der gesamten Versorgung im deutschen Gesundheitssystem. Die individuelle Vergütung für den individuellen Aufwand der Versorgung des Bürgers/Versicherten/Patienten muss wieder hergestellt werden.

Candidus W.-A. Wird in Deutschland zu viel operiert? – Aus Sicht eines Patientenvertreters. Passion Chirurgie. 2015 September, 5(09): Artikel 02_05.

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Autor des Artikels

Wolfram-Arnim Candidus

PräsidentBürger Initiative Gesundheit e.V.Geschäftsstelle AugsburgBethovenstraße 286150Augsburg

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