17.07.2026 Politik
„Wie geht es dir heute?“ App für krebskranke Kinder gewinnt Lohfert-Preis 2026

Der Lohfert-Preis 2026 geht an das Projekt „ePROtect: Kontinuierliche Begleitung krebskranker Kinder” der Medizinischen Universität Innsbruck. Das digitale sektorenübergreifende Patientenmanagementsystem ermöglicht eine engmaschige Betreuung während der Krebstherapie und verbindet Familien, kinderonkologische Zentren und niedergelassene Kinderärzt:innen in einem gemeinsamen Versorgungskonzept.
Der mit 20.000 Euro dotierte Förderpreis wird zum 14. Mal vergeben. Schirmherr ist Stefan Schwartze, MdB, Patientenbeauftragter der Bundesregierung. Die Preisverleihung und Vorstellung des Preisträgerprojekts findet am 09. September 2026 im Rahmen des Hamburger Gesundheitswirtschaftskongresses statt. Für weitere Projekteinreichungen spricht die Jury lobende Erwähnungen aus.
Mehr Sicherheit im Alltag schwerkranker Kinder
Egal, ob zuhause oder in der Klinik – jeden Morgen berichten die Patient:innen der Innsbrucker Kinderonkologie über ihr Wohlbefinden. Dafür nutzen sie einen kurzen Fragebogen der eigens entwickelten App ePROtect. Bei klinisch auffälligen Daten nimmt das Krankenhausteam direkt Kontakt mit den Eltern auf und bespricht das weitere Vorgehen, das von der telemedizinischen Beratung, dem Besuch der Kinderarztpraxis bis hin zur stationären Aufnahme reicht. Für Familien bedeutet das weniger belastende Fahrten in die Klinik, ein früheres Erkennen von Komplikationen und mehr Sicherheit zuhause.
Patient Reported Outcomes messen subjektiv wahrgenommenen Gesundheitszustand und Lebensqualität
Kern des Projekts ist die tägliche, altersgerechte Erfassung der sog. Patient Reported Outcomes (PRO). Diese bilden den Gesundheitszustand und die Lebensqualität aus Sicht der Patient:innen ab. Die App wertet die Angaben automatisch aus, löst bei definierten Schwellenwerten entsprechende Behandlungspfade aus und verbessert damit die individuelle Therapie.
Dr. Andreas Tecklenburg, Sprecher der Jury, begründet die Wahl: „ePROtect repräsentiert hervorragend die Idee des Stifters Dr. Christoph Lohfert und das diesjährige Thema „Patient Journey“. Es verbindet die verschiedenen Behandlungssektoren vorbildlich miteinander, sowohl den klinischen als auch ambulanten Part. Die Jury würdigt neben der Intersektoralität der technischen Anwendung insbesondere die aktive Einbindung der Patient:innen in ihren Behandlungspfad. ePROtect unterstützt die Patient:innen über die Eltern und sorgt gleichzeitig für eine Stärkung der Adhärenz für diese Erkrankung.“
Prof. Roman Crazzolara, Professor für pädiatrische Onkologie und Hämatologie, Leiter der Kinder-onkologie an der Medizinischen Universität Innsbruck sowie Projektleiter von ePROtect, sagt: „Wir erleben jeden Tag, wie sehr Familien von der engen digitalen Begleitung profitieren. Symptome werden früher erkannt, unnötige Fahrten vermieden und Eltern fühlen sich sicherer. Dass ePROtect dafür jetzt mit dem Lohfert-Preis ausgezeichnet wird, freut unser gesamtes Team sehr.“
ePROtect entstand in Zusammenarbeit der Universitätsklinik für Pädiatrie I und der Universitätsklinik für Psychiatrie II der Medizinischen Universität Innsbruck mit dem Softwarepartner EvaluationSoftware Development (ESD). Inzwischen ist geplant, ePROtect auch an weiteren kinderonkologischen Zentren in Deutschland, Schweiz und Österreich einzusetzen.
Das Projekt wird gefördert von der Kinderkrebshilfe für Tirol und Vorarlberg, Kinderhilfe Regenbogen Südtirol und dem Land Tirol.
Lobende Erwähnungen der Jury
Neben dem Lohfert-Preis 2026 spricht die Jury für vier weitere Projekte eine lobende Erwähnung aus:
- Universitätsklinikum Dresden: Visuelle Therapie-Zeitpläne für Patient:innen – Sicherheit und Orientierung in komplexen Krebsbehandlungen, Ansprechpartnerin Dr. Helena Jambor
- Medizinische Universität Wien: Begleitung der Transition von der Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Erwachsenenpsychiatrie, Ansprechpartnerin Dr. Klara Czernin
- Charité – Universitätsmedizin Berlin: Die PICS-Ambulanz der Charité – Sektorenübergreifende Kontinuität für Überlebende einer intensivmedizinischen Therapie, Prof. Dr. med. Nicolas Paul
- JustHealth GmbH/Universitätsklinikum Tübingen: OnkoPass, Ansprechpartner Oliver Ullrich.
Zum Lohfert-Preis
Der Lohfert-Preis wird seit 2012 ausgeschrieben, um innovative Projekte zur Verbesserung von Patientensicherheit und Patientenorientierung zu fördern. Das Ausschreibungsthema 2026 lautete: „Patient Journey neu gedacht – Innovative Lösungen für ein institutionenübergreifendes Patientenmanagement“. Die unabhängige Fachjury wählte den Preisträger aus insgesamt 90 eingegangenen Bewerbungen aus.
Zur Christoph Lohfert Stiftung
Die Christoph Lohfert Stiftung setzt sich für Qualität und Patientenorientierung in der medizinischen Versorgung ein. Ziel ist es, innovative Projekte zu fördern, die den Menschen und seine Bedürfnisse konsequent in den Mittelpunkt des medizinischen Handelns stellen. Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist Univ.-Prof. Dr. Dr. Kai Zacharowski, ML FRCA FESAIC, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Frankfurt.
Kontakt
Christoph Lohfert Stiftung, Stiftungskommunikation: Julia Hauck und Tanja Brunner, presse@christophlohfert-stiftung.de, T +49.40.55 77 54 00
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