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Der vdek stellt auf seiner Neujahrs-Pressekonferenz 2020 die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage zur Krankenhausversorgung vor. Wie stellen sich gesetzlich Krankenversicherte eine gute Krankenhausversorgung vor? Und was denken sie über strukturelle Veränderungen in der Krankenhausversorgung? Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa dazu mit einer Umfrage beauftragt, die im November/Dezember 2019 bei 1.001 gesetzlich Krankenversicherten ab 18 Jahren durchgeführt wurde. Der vdek stellte die zentralen Ergebnisse auf einer Pressekonferenz in Berlin vor.

Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek, fasste zusammen: „Ganz wichtig ist es, die Bevölkerung über den notwendigen Krankenhausstrukturwandel umfassend zu informieren. Es geht nicht darum, den Menschen die Grundversorgung zu nehmen, sondern die Qualität der Versorgung durch Konzentration und Spezialisierung zu verbessern.“ Auch wenn die Menschen kein sehr differenziertes Bild über die Qualität der Versorgung hätten, sie erwarten gut versorgt zu werden und sind dafür auch bereit, längere Fahrzeiten in Kauf zu nehmen. Die Umfrageergebnisse zeigten zudem, dass die niedergelassenen Haus- und Fachärzte eine herausragende Stellung bei der Steuerung der Patientenströme und der Wahl eines Krankenhauses haben. Ärzten und Patienten fehlten derzeit noch gut aufbereitete und verständliche Informationen – einrichtungsbezogen, vergleichend und indikationsbezogen – über die Qualität der stationären Versorgung. Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) müsse das vom Gesetzgeber geforderte „G-BA-Qualitätsportal“ daher rasch umsetzen. Auch müsse bei planbaren Eingriffen auf die Möglichkeit von einer ärztlichen Zweitmeinung hingewiesen werden.

Strukturelle Reformen im Krankenhausbereich rasch einleiten

Elsner forderte die Politik auf, in 2020 rasch strukturelle Reformen im Krankenhausbereich auf den Weg zu bringen. „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Spezialisierung der Medizin brauchen wir dringend einen Konzentrations- und Spezialisierungsprozess. Dieser muss in den Ballungsgebieten zu größeren aber weniger Standorten durch Konzentration führen. In ländlichen Regionen müssen kleinere Krankenhäuser zur ambulant-stationären Basisversorgung umgewidmet werden“, so Elsner. Denn es sei in Anbetracht knapper Personalressourcen und knapper finanzieller Mittel (unzureichende Investitionsfinanzierung durch die Länder) nicht sinnvoll, an jedem der rund 2.000 Krankenhäuser in Deutschland hochspezialisierte Krankenhausstrukturen vorzuhalten. Diese seien dann entweder nicht ausgelastet, oder die Versorgung werde gefährdet durch unnötige Operationen, nicht ausreichende Qualität oder Fehlversorgung. Am Beispiel des Pflegepersonals zeige sich dieses Problem sehr deutlich. So ist die Zahl des Pflegepersonals in den letzten zehn Jahren um fast 45.000 gestiegen. Das gilt auch für die Auszubildenden in der Pflege (Anstieg um fast 40.000 Ausbildungsplätze). Aber die Pflegekräfte verteilen sich auf zu viele Krankenhäuser. Im OECD-Vergleich (2017) liegt Deutschland bei den Betten, Pflegekräften und Fällen pro Einwohner deutlich an der Spitze im internationalen Vergleich. „Pflegeförderungsprogramme alleine werden nicht ihre Wirkung entfalten, wenn man nichts an den Strukturen verändert“, so Elsner.

Dieser Konzentrationsprozess müsse durch eine qualitätsorientierte Krankenhausplanung über die Grenzen der Bundesländer hinweg erfolgen und an dem Bedarf in der Bevölkerung ausgerichtet werden, erklärte Elsner. Auch das DRG-Vergütungssystem müsse dafür angepasst werden und den Strukturwandel befördern, etwa durch stärkere Differenzierung von Basis-, Schwerpunkt- und Spezialversorgung. Dazu gehöre es auch, Fehlanreize zur Mengenausweitung zu beseitigen.

Die Forsa-Ergebnisse und Interpretationen im Einzelnen
Meinungen der gesetzlich Krankenversicherten zur Krankenhausversorgung in Deutschland

Quelle: Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek), Askanischer Platz 1, 10963 Berlin, www.vdek.com, 16.01.2020

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