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Chirurgie der Hand – Der Notfall
Hrsg. von Michel Merle, Gilles Dautel und Stefan Rehart
im Thieme Verlag in der 2. Auflage, 2011
400 Seiten, 1140 Abbildungen
ISBN: 978-3131065728, 49,99 Euro
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Das o. g. Lehrbuch stellte eine vollständige Überarbeitung und Erweiterung des in der ersten Auflage erschienenen Buches dar. Das Werk hat 388 Seiten und enthält 1140 Abbildungen sowie 11 Tabellen. Insgesamt haben 17 Autoren an dem Buch mitgewirkt.

Das erste Kapitel befasst sich mit den regionalen Anästhesieverfahren an der oberen Extremität. Hierbei werden die allgemeinen Regeln zur Vorbereitung bei Operationen und speziell handchirurgischen Eingriffen erläutert. Insbesondere wird auf die Problematik der ambulanten Operation eingegangen. Es folgt eine Erklärung der verwendeten Medikamente und der entsprechenden Geräte zur Neurostimulation. Ausführlich wird über die einzelnen peripheren Nerven anatomisch berichtet. Die entsprechenden Lokalisationen, insbesondere für die supraclaviculäre und infraclaviculäre sowie axilläre Plexusanästhesie des Armes, werden anatomisch genau erklärt. Die klassischen Nervenblockaden distal des Plexus brachialis werden in schönen Abbildungen klar dargestellt.

Im zweiten Kapitel wird Allgemeines über die Physiologie und Pathophysiologie der Lappenperfusion bzw. der Mikroperfusion dargestellt. Insbesondere wird auf den Ischämiereperfusionsschaden bei der Übertragung freier Gewebetransplantate eingegangen. In einem Technikkapitel werden Instrumente und Nahtmaterial in schönen Abbildungen vorgestellt. Es folgt ein allgemeines Kapitel mit strategischen Überlegungen bei insbesondere schweren Verletzungen und allgemeinen Überlegungen zur Rekonstruktion der beschädigten Handfunktionen.

Im fünften Kapitel wird konkret auf die Gelenkverletzungen mit Distorsion und Luxation eingegangen. Hier kommt dem Daumengrundgelenk mit der Verletzung des „Skidaumens“ eine besondere Aufmerksamkeit zu. Zum Zweiten werden Mittelgelenksverletzungen und deren Problematik sowohl bei operativer als auch bei konservativer Therapie ausführlich erklärt. Luxationen der Karpometakarpalgelenke als besonders schwerwiegende und folgenreiche Verletzungen werden gesondert behandelt. Insbesondere wird auf die bildgebende erweiterte Diagnostik zur raschen Verifizierung dieser Verletzung eingegangen, ganz aktuelle Operationsverfahren werden nebeneinandergestellt und Vor- und Nachteile geschildert. Insbesondere die Behandlung von speziellen Gelenkverletzungen am Mittelgelenk mit dem Ligamentotaxor werden ausführlich erklärt. Klassische Verfahren wie die Drahtosteosynthese sowie Miniplatten- und Schraubenosteosynthesen werden folgerichtig erwähnt.

Ein eigenes Kapitel befasst sich mit den Verletzungen von Blutgefäßen, insbesondere mit Revaskularisationen und Replantationen, wobei auf die Besonderheit der mikrochirurgischen Technik und die Problematik der kurzen Anoxämiezeiten eingegangen wird.

Das Kapitel neun befasst sich mit der Defektdeckung bei Hautschäden. Hier werden von Fingerkuppendefekten mit konservativer Behandlung und entsprechend guten Ergebnissen bis über die klassischen Lappenplastiken zur neurovaskulären Rekonstruktion entsprechender Hautanteile vorgestellt. Dieses Kapitel ist besonders schön durch farbige Abbildungen und erklärt viele Varianten für die einzelnen möglichen Defekte. Die Autoren verfügen über eine große klinische Erfahrung, sodass für eigentlich jeden speziellen Fall eine Lösung für den Leser angeboten wird.

Ein besonderes Kapitel ist den großen Substanzdefekten an der Hand gewidmet. Hier wird z. B. die klassische Leistenlappenplastik ebenso wie die kombinierte mikrochirurgische Rekonstruktion unter Verwendung verschiedener Gewebeanteile erklärt. Es werden ausgedehnte Verletzungen gezeigt mit entsprechender Notwendigkeit des radikalen Debridements und der Deckung von komplett denudierten Arealen im Bereich der Hohlhand oder auch im Bereich des gesamten Handrückens. Vor- und Nachteile der klassischen und mikrochirurgischen Operationsverfahren werden gegeneinander abgewogen. Die Abbildungen sind von guter Qualität und didaktisch aufgearbeitet. Auch hier werden für fast alle möglichen Defekte, Lösungen mit zum Teil aufwändigen Operationsverfahren und kombinierten Transplantaten ausführlich mit gutem, überzeugendem Bildmaterial gezeigt. Taktische Überlegungen bei der Rekonstruktion großer neurovaskulärer Defekte auf die Palmar- und Dorsalseite der Hand werden ausführlich erklärt.

Das Kapitel 10 befasst sich mit den Beugesehnenverletzungen. Hierbei werden von der Schnittführung bis zu den unterschiedlichen Nahttechniken in den verschiedenen Regionen der Sehnenverletzung alle Varianten der Beugesehnennaht und auch der Beugesehnenrekonstruktion durch zweizeitige Transplantation erklärt. Besonderer Wert wird auf die Nachbehandlung mit Frühmobilisierung und intensiver krankengymnastischer und ergotherapeutischer Behandlung gelegt.

Das darauffolgende Kapitel behandelt in Analogie und gleicher Ausführlichkeit und Akribie die Rekonstruktionstechniken bzw. Nahttechniken bei Verletzungen der Strecksehnen.

Im 12. Kapitel wird auf die Amputationstechniken eingegangen. Ein gesondertes Kapitel behandelt die in der Praxis häufig vorkommenden Verletzungen des Fingernagels und des umgebenden Gewebes. Hier werden besondere OP-Techniken, die in der Praxis eine große Bedeutung haben, ausführlich mit gutem Bildmaterial gezeigt.

Das Kapitel 14 behandelt die Verletzung peripherer Nerven, wobei zunächst die anatomischen und physiologischen Grundlagen sowie die diagnostischen Probleme erklärt werden. Über die Mikroanatomie der Nerven werden die verschiedenen Möglichkeiten der Nervenkoaptation, der Nervenüberbrückung und insbesondere der Nerventransplantation durch autologes Gewebe erklärt.

Der Verletzung der Fingeramputation ist ein spezielles Kapitel zur Technik der Fingerreplantation gewidmet. Hier werden alle Schritte der Replantation von Osteosynthese über Sehnennähte bis zur Versorgung der neurovaskulären Strukturen ausführlich erklärt. Spezielle taktische Tipps werden gegeben, und anhand von schönen klinischen Beispielen wird die immense Bedeutung, die die Replantationschirurgie heute auch noch hat, dargestellt.

Das Kapitel 16 behandelt die Replantation der Hand mit der Problematik der Anoxämiezeit und der besonderen Verantwortung des Operateurs für das weitere Schicksal des Patienten. Hier werden auch realistische Angaben zu den erreichbaren Funktionen nach solchen Operationen gegeben.

Im Kapitel 17 wird die Fingerbank, eine praktische Nutzung von Geweben, die man zur Rekonstruktion verlorener Anteile der Hand benutzen kann, aufgezeigt. Insbesondere bei schweren Verletzungen bietet es sich an, Anteile der nicht zu erhaltenden Finger und Hand zur Rekonstruktion anderer Anteile primär zu verwenden, sodass die Entnahme von Nerven-, Sehnen-, Haut- und Knochentransplantaten an anderer Stelle dem Patienten erspart werden kann.

Der in der Handchirurgie sehr wichtigen postoperativen Verbandstechnik wird das letzte Kapitel gewidmet. Ein ausführliches Sachverzeichnis schließt dieses rundherum gelungene Lehrbuch der Handchirurgie für den handchirurgischen Notfall in guter Qualität ab.

Das vorliegende Werk kann den in der Handchirurgie Tätigen vorbehaltlos empfohlen werden.

Mailänder P. Rezension: Chirurgie der Hand – Der Notfall. Passion Chirurgie. 2012 April; 2(04): Artikel 03_07.

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Autor des Artikels

Prof. Dr. med. Peter Mailänder

Leiter der Sektion Plastische ChirurgieUniversitätsklinikum Schleswig-HolsteinRatzeburger Allee 16023538Lübeck

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