01.04.2026 Aus-, Weiter- & Fortbildung
Multitalent für die ambulante Versorgung: Medizinische Fachangestellte werden in Praxen ausgebildet

Keine Praxis läuft ohne sie – die Medizinischen Fachangestellten, kurz: MFA. Die gut ausgebildeten Praxismitarbeitenden verfügen über Fachkenntnis, soziale Kompetenz und Organisationstalent. Am Tresen oder im Behandlungszimmer sorgen sie für möglichst reibungslose Abläufe – und erfüllen vom Arzt delegierte medizinische Aufgaben. Ein Erfahrungsbericht aus Schwerin:
In der Praxis von Dr. Heike Thierfeld, hausärztlich tätige Fachärztin für Allgemeinmedizin und Chirurgie, und Dr. Andreas Oling, Chirurg, Unfallchirurg und Durchgangsarzt, geben sich selbst an diesem Mittwochnachmittag Patienten die Klinke in die Hand. Drei MFA und zwei Auszubildende im dritten Lehrjahr gehören zum Team, neben den beiden Ärzten, die in dem modernen Versorgungszentrum mit Blick aufs Schweriner Schloss zwischen Vorbereitungs-, Behandlungs-, OP- und Aufwachräumen pendeln.
Jeder kennt hier seine Aufgaben, seinen Bereich, morgens beim „Arbeits-Frühstück“ wird der Tag geplant und genau durchgetaktet, werden aktuelle Fälle und die anstehenden Aufgaben besprochen. „Kommunikation ist die halbe Miete“, meint Dr. Thierfeld. Das sei wie im Alltag einer großen Familie, der ohne gute Abstimmung auch nicht laufe.
MFA-Ausbildung seit zwei Jahrzehnten
Vor mehr als 20 Jahren gründete das Ärzteehepaar seine gemeinsame Praxis, die seit 2006 in der Rechtsform eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) arbeitet. Seit Beginn engagieren sich die Inhaber für den Nachwuchs, auch als Lehrpraxis für die Universitätsmedizin Rostock und die Medical School in Schwerin. Ebenso bilden sie regelmäßig MFA aus, ermöglichen Famulaturen und für die Jüngsten sogar Schülerpraktika.
„MFA bilden wir in erster Linie für den Eigenbedarf aus“, sagt Heike Thierfeld. Dies sei eine Grundvoraussetzung für das Fortbestehen ihrer Praxis, für die Sicherung des medizinischen Personals von heute und morgen. „Die Niedergelassenen müssen sich selbst um ihr Praxispersonal bemühen“, betont sie.
Dr. Thierfeld ist es ein erklärtes Anliegen, mehr ambulante Kollegen vom Sinn und der Notwendigkeit, selbst MFA auszubilden, zu überzeugen, um damit den Fachkräftemangel zu mildern. Auch wenn der Aufwand für die Praxisinhaber hoch sei und ihrer Ansicht nach nicht vergütet werde – die praxisnahe duale Ausbildung Medizinischer Fachangestellter sei der „Goldstandard“ für die Nachwuchssicherung.

Abb. 1: Lilly Haack ist MFA in Schwerin
MFA an der Schnittstelle zwischen Arzt und Patient
Lilly Haack (20) hat im Juli 2025 bei Dres. Thierfeld und Oling ihre dreijährige duale Ausbildung zur MFA erfolgreich abgeschlossen – und ist nahtlos von ihnen übernommen worden. Dabei war Lillys Weg durchaus nicht nur eben: So hätte sie Ende des ersten Ausbildungsjahres für ein paar Monate mal in einem Autohaus „angeheuert“, um schließlich doch noch ihre MFA-Laufbahn fortzusetzen – motivierter denn je, wie sie heute meint.
Seit diesem Sommer ist Lilly angestellte MFA in der Schweriner Praxis und hier insbesondere in der Wundversorgung, Hygiene und Instrumentenaufbereitung sowie als Assistenz im ambulanten OP tätig. „Die Chirurgie hat es mir angetan“, so die junge Frau. Vor allem bei Operationen müsse konzentriert, zügig und strukturiert gearbeitet werden, perfekte Hygiene und Qualität seien unabdingbar. „Das liegt mir!“
Vanessa Malethan (24), die seit sieben Jahren in der Praxis tätig ist und im Jahr 2020 ihre MFA-Ausbildung abschloss, hat ihre Berufswahl nie bereut, wie sie erklärt. Sie schätze besonders die gute Kommunikation im Team. Morgens beim Kaffee gebe es stets ein Update zum Verlauf des vorigen Tages sowie zu den bevorstehenden Aufgaben. Probleme und Fragen würden offen diskutiert, davon profitierten alle Mitarbeitenden, ob am Tresen, im Labor, beim Röntgen, in den Behandlungs- oder Operationsräumen. „Königinnen-Wissen gibt es bei uns nicht“, betont Dr. Thierfeld.
Ärzte delegieren medizinische Aufgaben
Was hält MFA längerfristig im System der ambulanten Versorgung? Verantwortung, Wertschätzung, ein vielfältiges, abwechslungsreiches wie auch anspruchsvolles Aufgabengebiet, selbstständiges Arbeiten, klare Kommunikation seien die Basis für Motivation und Zufriedenheit im Team. Dafür sei konstruktiver Austausch sehr wichtig, sagt Dr. Oling. Unterforderung müsse ebenso vermieden werden wie Überforderung. „Selbst ausbilden ist die Lösung.“
Ärzte dürfen sehr viele Aufgaben an ihre MFA delegieren, sofern diese über die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen: Wunden versorgen, Blut abnehmen, Tropf legen, Verbände wechseln, Gips anlegen, beim Operieren assistieren. Daneben unterstützen MFA die Praxisinhaber bei der Terminplanung, Abrechnung, Dokumentation. Sie sind am Tresen die ersten Ansprechpartner für die Patienten, begleiten diese vor, während und nach den Untersuchungen und Behandlungen.
„MFA erfahren meist positives Feedback von unseren Patienten“, sagt Dr. Thierfeld. Das wirke sich günstig auf das Selbstwertgefühl der jungen Mitarbeiterinnen aus. „Von den Patienten bekomme ich viel zurück“, meint Lilly. Dies mache Stress oder Probleme im Praxisalltag allemal wett. Das Vertrauen der Patienten, ihr Dank gebe ihr viel, sie fühle sich gebraucht und anerkannt.
Und die Praxisinhaber? „Wir dürfen erleben, wie aus Kindern, die gerade die Schule beendet haben, erwachsene, gut ausgebildete Menschen werden – und haben unseren Anteil daran“, so die Ärztin. „Wir bilden neben den MFA Persönlichkeiten aus.“
Ärztekammer: Positiver Trend bei MFA-Ausbildung
In den ambulanten Praxen der ca. 3.300 Vertragsärzte und -psychotherapeuten in M-V sind gegenwärtig etwa 9.000 nicht-ärztliche Mitarbeitende – MFA, Arzthelferinnen, Krankenschwestern u.a. – beschäftigt.
Sylvie Kather, Leiterin des Fachbereichs MFA der Ärztekammer M-V, erklärte, dass der Anteil der ausbildenden Praxen in M-V in den letzten Jahren von ca. 6 auf jetzt 7,4 Prozent (Stand: August 2025) gestiegen sei. In diesem Sommer bestanden in M-V 103 junge Frauen und Männer erfolgreich die Abschlussprüfungen zur oder zum MFA, weitere 10 erreichten nicht das Ausbildungsziel. Zugleich steigen die Zahlen der MFA-Auszubildenden in M-V weiter an: Ende August 2025 befanden sich 119 Azubis im dritten, 153 im zweiten und 179 im ersten Lehrjahr, dazu kamen 41 Umschüler in beiden Jahrgängen.
Einen Clip zum Thema „Ein Tag als Medizinische:r Fachangestellte:r (m/w/d)“ können Arztpraxen z. B. auf ihrer Website einbinden. Das Video finden Sie auf der Webseite der Bundesärztekammer, klicken Sie HIER.

Grit Büttner
Leiterin
Abteilung KV-Medien und Kommunikation
Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern
Erstveröffentlichung im Oktober 2025 (Nr. 397) in „Journal“, dem offiziellen Mitteilungsblatt der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern, Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der KV Mecklenburg-Vorpommern.
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