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Für das Fach Chirurgie begeistern, ganzheitlich informieren und unterstützen – das ist die Mission der Nachwuchskampagne „Nur Mut! Kein Durchschnittsjob: ChirurgIn“ des BDC. In der neu aufgelegten Interviewreihe wollen wir die Facetten der Chirurgie transparent machen und jungen Leuten zeigen, wie Chirurgen und Chirurginnen ihren Beruf leben.

Alle Interviews stehen zum Nachlesen auf der Nachwuchsseite www.chirurg-werden.de

Interview mit PD Dr. med. Sabine Zundel, Leitende Ärztin der Kinderchirurgie, Luzern/Schweiz

PASSION CHIRURGIE: Gab es ein entscheidendes Erlebnis, das Sie motiviert hat, Ärztin zu werden?

Sabine Zundel: Ich fand Medizin schon immer spannend und kann mich nicht erinnern, dass das durch eine bestimmte Situation ausgelöst wurde. Obwohl in meiner Familie niemand im medizinischen Bereich arbeitet, habe ich schon zu Kindergartenzeiten gern Gipsverbände an Playmobilmännchen montiert.

PC: Faszination Kinderchirurgie – was ist für Sie das Beste am Fach?

SZ: Die Kinderchirurgie ist für mich aus zwei Gründen ein besonders schönes Fach. Zum einen haben wir sehr viele Patient:innen, die wir nach der Behandlung wirklich gesund (und nicht nur ein bisschen gesünder) gemacht haben. Kinder kommen mit Krankheiten oder Verletzungen zu uns, die Familien sind häufig sehr besorgt, aber nach einigen Wochen ist alles wieder, als sei nichts gewesen. Das ist in der Erwachsenenmedizin leider viel seltener der Fall. Zum zweiten ist die Kinderchirurgie ein sehr vielseitiges Fach, da wir die Kinder von Kopf bis Fuß behandeln, was für viel Abwechslung sorgt. Langweilige Routinen gibt es in der Kinderchirurgie wenig. Durch die Vielseitigkeit besteht aber auch die Möglichkeit sich zu spezialisieren, und so kann man ein Experte in einem kleineren, besser überschaubaren Teilbereich werden. Bei mir ist das die Kinderurologie.

PC: Warum sind Sie heute – nach Studium und ersten Berufserfahrungen in Deutschland – gerade in der Schweiz tätig?

SZ: Dass ich in der Schweiz tätig bin, ist ein bisschen ein Zufall. Nachdem ich meine Facharztausbildung abgeschlossen hatte und noch einen Master of Medical Education gemacht habe, habe ich mich nach einer Oberarztstelle umgeschaut. Das Angebot in Luzern kam, da ich mit dem dortigen Chefarzt bereits zusammengearbeitet hatte. Das Stellenprofil hat sehr gut zu dem gepasst, was ich mir gewünscht habe, und ich wiederum habe die Anforderungen gut erfüllt. Dieses „passen“ hat sich retrospektiv als richtig herausgestellt und ich konnte und kann mich hier in Luzern sehr gut entwickeln.

Ein weiterer Motivator für den Wechsel in die Schweiz war sicher auch die Nähe zu den Bergen. Ich genieße es sehr, hier ganz in der Nähe mit dem Mountainbike oder den Tourenski unterwegs sein zu können.

PC: Aus heutiger Perspektive: Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich im Studium mitgeben?

SZ: Mach es genauso, wie Du es gemacht hast. Tu das, was Dich interessiert, was Dir gefällt, was Du spannend findest, aber mach es richtig: gut organisiert und konsequent. Wenn die Freude an der Arbeit da ist, besteht eine gute Chance, dass man die Arbeit gut und erfolgreich macht. Für Unwägbarkeiten können dann Lösungen gefunden werden, wenn sie auftauchen, und Stolpersteine bringen Dich nicht so leicht zu Fall, wenn Du sicher bist, dass Du das Richtige machst.

PC: Hand aufs Herz: Wie gelingt die Balance zwischen Beruf und Familie?

SZ: Erstmal ist es wichtig für sich individuell zu entscheiden, wie diese Balance aussehen soll. Jede/r hat ein anderes Maß dafür, wie viel Familie und wie viel Beruf er oder sie braucht. Wenn man das entschieden hat, braucht es eine gute Organisation, um dies auch umzusetzen. Erfahrungsgemäß verändern sich die Bedürfnisse hier leider auch im Laufe des Lebens. Die gewünschte Balance muss daher immer wieder neu definiert und entsprechend anders organisiert werden.

PC: Wenn Sie auf Ihre chirurgische Laufbahn schauen: Gibt es etwas, das Sie noch erreichen möchten?

SZ: Besser werden. Ich glaube, wir lernen nie aus und in der Chirurgie ist Perfektion nicht zu erreichen, weil immer Luft nach oben ist. Das gilt für das Operieren, aber auch für den Umgang mit Menschen im Arbeitsumfeld und für das Ausbilden. Letzteres halte ich für eine der wichtigsten Aufgaben einer Chirurgin. Nur wenn ich weitergebe, was ich inzwischen kann, habe ich meine berufliche Aufgabe erfüllt.

PC: In schwierigen Zeiten – was oder wer hat Sie motiviert dranzubleiben?

SZ: Ich finde den Austausch mit Kolleg:innen sehr hilfreich, wenn es mal nicht ganz so läuft wie man sich das wünscht. Ich habe das Glück, sowohl im Team als auch privat Kollegen zu haben, die zuhören können. Manchmal braucht es gar nicht viel mehr.

PC: Wie wichtig war für Sie ein Netzwerk und welches Netzwerk war hilfreich?

SZ: Die Bedeutung vom Networking habe ich vielleicht etwas spät verstanden und habe deshalb nicht früh und intensiv an einem Netzwerk gearbeitet. Zwischenzeitlich habe ich aber gesehen, wie viel es wert ist, aber auch wie spannend es ist und wie viel Spaß es macht, Kollegen in der ganzen Welt zu kennen und mit ihnen im Austausch zu sein. Es ermöglicht den Blick über den Tellerrand, ändert manchmal den Blickwinkel und stellt ein Korrektiv von außen dar.

Zundel S: Nachwuchskampagne NurMut! Immer Luft nach oben. Passion Chirurgie. 2022 Mai; 12(05): Artikel 04_02.

Autor des Artikels

PD Dr. med. Sabine Zundel

Leitende Ärztin für das Fach ChirurgieKinderspital LuzernSpitalstrasse6000 Luzern 16Schweiz kontaktieren

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