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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen, nur einige Schlagwörter wie demographischer Wandel, medizinischer Fortschritt, Fachkräftemangel, Wachstumsmarkt Gesundheitswesen, Defizite bei der Finanzierung der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, Rationierung, Priorisierung sollen genannt werden.

Vor diesem Hintergrund befinden wir uns als Ärzte und Chirurgen in einem besonderen Spannungsfeld. Bereits im März 2011 hat sich unser gemeinsamer Bundeskongress in Nürnberg bei der Eröffnung dem Thema „Wird in Deutschland zu viel operiert?“ gewidmet. Unsere Diskussion basierte auf eindeutigen Gutachten und gab klare Antworten, noch ehe die Diskussion durch vermeintlich potente Zweitmeinungsbildner über die Medien wieder mit oft unsachlicher Verunglimpfung der Operateure breitgetreten wurde. Dabei ist diese Frage für die eingangs genannten Probleme eher belanglos. Vielmehr ist für die Behandlung unserer Patienten entscheidend: wer behandelt was, wo, wie, welcher Nutzen besteht für den Patienten und welche Kosten sind damit verbunden. Dazu ist es erforderlich, auf der Basis der Mystik des Arzt-Patientenverhältnisses und entsprechender Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität sektorenübergreifende Behandlungskonzepte mit den Indikatoren Heilung, Linderung und Bewahrung vor Sekundärschäden zu entwickeln. Die Federführung bei der Konzeption, an der sich alle Leistungserbringer aus Klinik, Praxis, Pflege, Rehabilitation, Lehre und Forschung sowie Industrie und Fachhandel beteiligen sollten, müssen kommunikations- und integrationsfähige Ärzte übernehmen, die sich noch als Freiberufler verstehen. Die diesbezügliche Abhängigkeit von Kostenträgern, Ökonomen oder gesellschaftspolitischer Beliebigkeit muss durchbrochen werden, es gilt für die Leistungserbringer im Gesundheitswesen: Gemeinsam Stärke zeigen..

Dieses Motto hat sich der gemeinsame Bundeskongress des Berufsverbandes der niedergelassenen Chirurgen Deutschlands (BNC), des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen (BDC) und des Bundesverbandes für ambulantes Operieren (BAO) unter Mitwirkung der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie (DGPW), des Berufsverbandes der Orthopäden und Unfallchirurgen (BVOU) und des Bundesverbandes der Durchgangsärzte im Jahr 2012 auf die Fahnen geschrieben. Der Kongress, welcher die Tradition des Bundeskongresses des BNC, der Jahrestagung des BAO und des Chirurgentages des BDC fortsetzt und weiterentwickelt, soll eine gemeinsame sektorenverbindende fachliche und berufspolitische Kommunikationsplattform nicht nur für Ärzte, sondern auch für medizinische Fachberufe, Industrie und Fachhandel bieten.

Ein breites Spektrum praxis- und klinikrelevanter Themen der Allgemein-, Viszeral-, Kinder-, Gefäß- und Unfallchirurgie/Orthopädie wird in Form von Übersichtsreferaten fachkompetenter Kollegen mit anschließender Podiums- und Publikumsdiskussion abgehandelt, wobei das Spektrum von der „Chirurgie des Häufigen“- dem eingewachsenen Zehennagel – über die Traumatologie von Schulter und Arm bis zur Palliativmedizin reicht und die Nachbehandlung sowie konservative Behandlungsmethoden mit einschließt. Aber auch die Darstellung der „Chirurgie abseits vom Mainstream“ mit dem Blick über den Tellerrand von Praxis und Klinik auf Hilfsorganisationen, auf die Bundeswehr, auf soziales Engagement für Obdachlose soll etablierten und zukünftigen Kollegen die Möglichkeiten und Vielfalt chirurgischer Tätigkeit aufzeigen.

Höhepunkte des Kongresses werden wie in jedem Jahr Eröffnung, politischer Vormittag und „Was gibt es Neues in der Chirurgie?“ sein. Bei der Eröffnung mit Grußworten und Statements der Verbände und der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie geht es um das Thema „Der Chirurg vergöttert und verteufelt“ und in der politischen Diskussion am Samstagvormittag um die Frage „Versorgungsstrukturgesetz – Befreiung oder Fessel?“.Hierbei werden sich der Bundesminister Daniel Bahr, der KBV – Vorsitzende Dr. med. Andreas Köhler, Herr Thomas Ballast, Vorstandsvorsitzender des VdEK, und der Chirurg Dr. med. Karl-Dieter Stotz primär zu Wort melden. Über Neues in der Chirurgie – diesmal der Gefäßchirurgie – wird Herr Prof. Dr. med. Werner Lang, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. berichten.

Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses ist das Versorgungsmanagement. Es umfasst die Themen Praxisorganisation, das Management ambulanter Operationen in Klinik und Praxis sowie Kooperation zwischen Ärzten, Industrie und Fachhandel . Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer des BVMed, wird in dieser Sitzung zum Thema „Health care compliance“ sprechen.

Abgerundet wird der Kongress durch den erstmals in dieser Form etablierten „Tag der medizinischen Fachberufe. Diese Veranstaltung richtet sich an Medizinische Fachangestellte (MFA), Gesundheits- und Krankenpfleger, MTRA, Wundschwestern/-experten, Physiotherapeuten.

Darüber hinaus bietet der Kongress traditionell zahlreiche praktische Workshops und Weiterbildungskurse an. In diesem Zusammenhang sei insbesondere auf die zertifizierten Laparoskopiekurse, den Zweitageskurs „Weiterbildung zum Sterilgutassistenten“ für ambulant operierende Praxen/Ambulanzen/MVZ , die Möglichkeit der Auffrischung der Fachkunde Strahlenschutz für Ärzte und MTRA/MFA und kostenlose Workshops wie Phlebologie für Einsteiger und Fortgeschrittene, Refresher Sonographie Bewegungsapparat u.v.a.m. hingewiesen. Besten Dank an unsere Sponsoren aus Industrie und Handel!

Bei allen Veranstaltungen sollen die Diskussion und das sektorenverbindende kollegiale Gespräch im Vordergrund stehen. Diesem Ansinnen sind auch eine vielfältige Industrieausstellung und unser gemeinsamer Gesellschaftsabend gewidmet, welcher am Samstag den 03.03.2012 in lockerer Atmosphäre in den Räumen des Germanischen Museums im Zentrum von Nürnberg stattfinden wird, wobei natürlich die Möglichkeit der Museumsbesichtigung besteht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, vielfach reduzieren wir uns als Chirurgen auf die reine operative Tätigkeit, die sicherlich Herzenssache, in der Außendarstellung spektakulär, am meisten befriedigend und manchmal auch erholsamer Rückzug ist. Aber diese Reduktion birgt die Gefahr in sich, das wir als reine Handwerker wahrgenommen und als solche behandelt werden, wie die Erfahrungen in etlichen interdisziplinären Zentren zeigen. Ureigenste chirurgische Professionen und Kompetenzen, wie die Behandlung chronischer Wunden, die Frakturnachbehandlung, die chirurgische Onkologie – um nur drei zu nennen, geben wir zunehmend aus der Hand. Für die Ausübung konservativer chirurgischer Behandlungsmethoden muss man sich schon fast schämen und die Diagnostik überlassen wir Dritten. So wird möglicherweise die Indikation der Behandlungsweise bald völlig fremdbestimmt. Ziel des Kongresses ist es daher auch, die Schönheit und Vielfalt, die zahlreichen Facetten unseres wunderbaren umfassenden und doch in sich notwendigerweise spezialisierten Fachgebietes darzustellen und insbesondere jungen Kollegen nahe zu bringen. Das Team der gemeinsamen Kongresskommission und die mitwirkenden Verbände haben dafür hochkarätige Referenten gewinnen können.

Wir würden uns freuen, Sie auch im Namen der Präsidenten und Vorsitzenden der beteiligten Berufsverbände sowie der Kongresskommission auf dem gemeinsamen Bundeskongress Chirurgie 2012 in Nürnberg begrüßen zu dürfen, um Gemeinsam Stärke zu zeigen.

Mit besten Grüßen

Dr. med. Stephan Dittrich
Leiter der gemeinsamen Kongresskommission BNC/BDC/BAO
Regionalvertreter der Niedergelassenen im BDC-Landesverband Thüringen
Prof. Dr. med. Hans-Peter Bruch
Präsident des Berufsverband der Deutschen Chirurgen

Beratung von Mitgliedern am BDC-Stand zu folgenden Themen:

  • Rechtsfragen
  • Niederlassung
  • Versicherungen
  • Karriereplanung

Der BDC-Justitiar Dr. Jörg Heberer sowie unser Vorstand und die Geschäftsleitung stehen zur Beantwortung Ihrer Fragen zur Verfügung.

Terminvereinbarung vorab über die BDC-Geschäftssstelle unter Tel. 030 / 28004 – 100, bzw. während des Kongresses direkt am BDC-Stand.

Dittrich S., Bruch H.-P. Gemeinsamer Bundeskongress Chirurgie 2012. Passion Chirurgie. 2012 Januar; 2(1): Artikel 03_01.

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Autoren des Artikels

Dr. med. Stephan Dittrich

Praxis für medizinische Gutachten und BeratungNeue Str. 108525Plauen-Kauschwitz kontaktieren

Prof. Dr. med. Hans-Peter Bruch

ehem. PräsidentBerufsverband der Deutschen Chirurgen e.V.Luisenstr. 58/5910117Berlin

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