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„Anspannung und Entspannung in der Chirurgie“ lautet das Motto des medizinischen Kompetenzzentrums „Medizin im Grünen“ in Wendisch Rietz. Lernen und Trainieren von Naht- und Knotentechniken der Allgemein- und Viszeralchirurgie, sowie einzelne OP-Schritte bestimmter Operationen zu erlernen. Dies entnahm ich dem Flyer dieses Seminars, welchen mir mein Chef zukommen ließ. Ich las das Programm und war interessiert, da mein Ziel die Viszeralchirurgie ist. Eine Chance zum Üben außerhalb der alltäglichen OP-Situation. Ein Seminar, wo „Praxis“ im Vordergrund steht. Dies wollte ich auf jeden Fall wahrnehmen und meldete mich für das Seminar an.

Warum dieses Seminar mein Interesse weckte? Das Programm versprach einen überwiegenden Teil praktischer Übungen von Techniken, welche im chirurgischen Alltag täglich eingesetzt werden und zum größten Teil bereits von jungen Chirurgen angewendet werden können. Dies betrifft vor allem die Naht- und Knotentechniken, aber auch das Heranführen an laparoskopische Prozeduren, welche in der Viszeralchirurgie bei der überwiegenden Zahl der Eingriffe heute die Methode der Wahl sind. Angesprochen hat mich als junge Chirurgin mit 13 Monaten Berufserfahrung aber auch die Herausforderung, komplexere Prozeduren, wie spezielle Darmanastomosen, Gefäßnähte, aber auch die Durchführung laparoskopischer Operationen im Sinne einer Cholezystektomie, Splenektomie oder Fundoplikatio anzuwenden. So manches Mal passiert es ja im OP, dass der Chef oder Oberarzt sagt: „Diesen Teil der Operation übernehmen Sie“, und ich habe die jeweilige Technik noch nie gesehen oder assistiert. In einer solchen Situation werde ich immer gut angeleitet, aber das Üben der jeweiligen Handhabungen außerhalb des OPs kann sich in solchen Situationen sehr positiv auswirken.

Gut fand ich, dass in diesem Seminar nicht an lebenden Tieren, sondern an perfundierten Organpaketen trainiert wurde. Somit kann während des Trainings niemand „sterben“ und man hat die Möglichkeit, ohne Zeitdruck zu üben. So empfand ich auch die Atmosphäre während des zweieinhalbtägigen Seminars. Es bestand kein Zeitdruck, jeder hatte die Möglichkeit, in seinem Tempo zu üben. Es herrschte ein freundlicher Umgang untereinander und sowohl die Teilnehmer, als auch die Tutoren waren mit Spaß bei der Sache. Die Teilnehmergruppe setzte sich aus größtenteils jungen Chirurgen unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen. Sowohl Allgemein-, Viszeral-, Gefäß-, Kinder- als auch Unfallchirurgen waren vertreten. Einige waren erst seit wenigen Monaten im Berufsleben, andere hatten bereits das Stadium des Facharztes erreicht. Als sehr positiv empfand ich, dass die Teilnehmerzahl auf eine relativ kleine Gruppe von 24 Personen beschränkt war. Somit war besonders bei den vielen praktischen Übungen eine sehr gute Betreuung durch die Tutoren möglich. Die Teilnehmer zeigten sich zum größten Teil hochmotiviert und interessiert. Jederzeit bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Hilfestellungen zu bekommen, aber es war auch der Raum zum Diskutieren oder für Fragen, welche über die Thematik des Seminars hinausgingen. Sowohl während der Übungen, als auch in den regelmäßig eingeplanten Pausen herrschte eine rege Interaktion zwischen den Teilnehmern und mit den Tutoren.

Die Tutoren – drei Chefärzte und ein Oberarzt – zeigten sich sehr kompetent, wirkten motiviert und engagiert, uns junge Kollegen an ihrer langjährigen Erfahrung teilhaben zu lassen. Mein persönlicher Eindruck war, dass es ihnen Spaß macht, ihr Wissen und Können weiterzugeben.

Die Atmosphäre war sowohl unter den Teilnehmern, als auch zwischen den Tutoren und den Kursteilnehmern sehr entspannt. Es wurde viel gelacht, obwohl die Zeit effektiv genutzt wurde. Dabei schafften es die Tutoren, auf den unterschiedlichen Erfahrungsstand der einzelnen Teilnehmer einzugehen. Ich hatte den Eindruck, dass niemand sich überfordert gefühlt hat, aber für die fortgeschrittenen Kollegen die Möglichkeit bestand, Herausforderungen gestellt zu bekommen. Die Tutoren konnten sich gut in den jeweiligen Ausbildungsstand der Teilnehmer hineinversetzen und haben nicht vergessen, wie schwierig bestimmte Techniken für einen „Anfänger“ sind, welche nach langjähriger chirurgischer Tätigkeit selbstverständlich geworden sind.

Der theoretische Teil beschränkte sich auf die ersten drei Stunden des Seminars. Es wurden die Grundlagen der Knoten- und Nahttechniken, sowie „das Wichtigste“ zu den Themen Nahtmaterial, perfundiertes Organpaket und Anatomie des Schweins besprochen. Es wurde sich auf die Grundlagen konzentriert, so dass die wesentlichen Informationen, welche für die Anwendung der folgenden praktischen Übungen erforderlich waren, vermittelt wurden. Es war eine angemessene Menge an Informationen, da auf speziellere Fragen während der praktischen Übungen eingegangen wurde und sich somit auch bereits erfahrene Kollegen nicht langweilten. Für meinen Geschmack genau richtig!

Das Seminar war gut strukturiert und die thematische Reihenfolge war angemessen gegliedert. Die Teilnehmer wurden in feste Gruppen eingeteilt und wurden durch die vier Tutoren kompetent betreut. Die Arbeit im Team war der im OP sehr ähnlich. Für einen Teil der Übungen wurden Zweiergruppen gebildet, welche aus jeweils einem erfahrenerem und einem weniger erfahrenen Teilnehmer bestanden. Das war nah an der Realität und hilfreich für den weniger erfahrenen Kollegen, aber in manchen Gruppenkombinationen auch erschwerlich für den fortgeschrittenen Kollegen.

In den Pausen und organisierten gemeinsamen Abendessen wurde Raum geboten, sich persönlich kennen zu lernen und Erfahrungen auszutauschen. Es herrschte eine äußerst fröhliche Stimmung, welche schwer durch Worte zu beschreiben ist.

Was ich von dem Kurs erwartet habe? Ich wollte Naht- und Knotentechniken, welche ich bereits täglich anwende, trainieren und neue Techniken lernen. Mich als zukünftige Viszeralchirurgin interessiert besonders das Training laparoskopischer Techniken, aber auch mit chirurgischen Techniken konfrontiert zu werden, welche ich in meinem Ausbildungsstand aktuell in der Klinik noch nicht anwende. Meine Erwartung wurde erfüllt! Ich habe Tipps und Tricks beim Nähen und Knoten gelernt, aber vor allem hatte ich die Möglichkeit, laparoskopische Techniken zu üben. Interessant ist, dass ich in Wendisch Rietz wirklich das Gefühl von Anspannung und Entspannung empfunden habe. Abgesehen von den chirurgischen Techniken, hat sich durch das Seminar meine bereits schon vorher bestehende sehr ausgeprägte persönliche Faszination für die Chirurgie insgesamt, besonders für die Viszeralchirurgie weiter verstärkt. Die Teilnahme an diesem Seminar kann ich jungen Chirurgen auf jeden Fall empfehlen. Allerdings sollte die Zielgruppe „Chirurgen im Common Trunk“ sein. Altassistenten und Fachärzte sollten die auf dem Seminar zu lernenden Techniken bereits beherrschen.

Diekmann C. Basischirurgie Praktisches Seminar A + V. Passion Chirurgie. 2011 Juli; 1(7): Artikel 02_07.
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Autor des Artikels

Claudia Diekmann

Assistenzärztin der Klinik für Chirurgie und UnfallchirurgieSchön Klinik NeustadtAm Kiebitzberg 1023730Neustadt in Holstein kontaktieren

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