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Liebe Leser und Leserinnen,

die vorliegende Ausgabe von Passion Chirurgie befasst sich schwerpunktmäßig mit der Tätigkeit von Chirurgen in fernen Ländern. Viele deutsche Kollegen, Facharztweiterzubildende, PJ-ler und Studenten mögen Interesse haben, zumindest einen Teil ihrer Karriere oder ihrer Ausbildung im Ausland verbringen zu wollen. Einige mögen aus Gründen der humanitären Hilfe einen Auslandseinsatz wählen wollen, andere eher aus kulturellen und sprachlichen Gründen. Wieder andere mögen hauptsächlich aus finanziellen Gründen oder familiären Bindungen motiviert sein. So ist das Spektrum derer, die bereits eine Auslandserfahrung vor oder hinter sich haben nicht nur geprägt von den Motivationsgründen, sondern auch von ganz persönlichen Erfahrungen und Beziehungen. Die folgenden Berichte spiegeln die individuellen Erfahrungen verschiedener Kollegen in diversen Ländern dieser Welt wieder. So kann die Erfahrung eines einzelnen Kollegen in verschiedenen Ländern unterschiedlich sein, aber auch in einem gleichen Land von unterschiedlichen Kollegen ganz verschieden interpretiert werden. Dies macht allerdings einen großen Teil des Reizes eines Auslandsaufenthaltes mit ganz persönlichem Erfahrungswert aus. Machst du eine Reise, dann kannst du was erzählen. Arbeitest du im Ausland, dann kannst du sehr viel erzählen!

Passion bedeutet Leidenschaft und beinhaltet klar das Wort Leiden mit all seinen negative Attributen (passio (lateinisch) = Leiden). In der christlichen Interpretation des Wortes steht das Leiden sogar stark im Vordergrund während es für uns Chirurgen eher die Freude an unserem wunderbaren Beruf wiederspiegelt. Wenn Passion Chirurgie für deutsche Chirurgen in Deutschland bereits an unsere Gefühle, Empfindungen und den Wunsch zu operieren appelliert, so trifft dies in noch viel größerem Maße für deutsche Kollegen, die im fernen Ausland arbeiten zu. Hierbei kann in einer Erfahrung das Leiden und in einer anderen die Freude im Vordergrund stehen.

Auslandserfahrungen bereichern ohne Zweifel unser Leben nicht nur aus beruflicher Sicht, sondern ganz besonders auch aus kultureller und sprachlicher Perspektive. Hierbei spielen die Motivationsgründe für den Auslandseinsatz eine entscheidende Rolle. Ich persönlich teile die Motivationen in gute und schlechte ein. Gute Gründe sind für mich humanitäre, die Mission, etwas im Ausland bewegen und verbessern zu wollen, eine fremde Sprache erlernen oder besser beherrschen zu wollen, andere Kulturen erleben und verstehen zu können, Familienbeziehungen aufrecht erhalten oder erweitern zu können, und Verbesserungen in der eigenen Karriere erzielen zu können. Auch sind Gründe wie Abenteuerlust, Landschaftswechsel, Wetter, Freizeitmöglichkeiten und ähnliche für mich als gute Beweggründe nachvollziehbar. Hingegen sind Frust an der eigenen Arbeitsstelle, die Unfähigkeit sich zu motivieren oder weiterentwickeln zu können und das dauernde Klagen über zu schlechte Arbeitsbedingungen im eigenen Land, für mich eher schlechte Beweggründe den Weg ins Ausland zu suchen. Diese negativen Motivationen enthalten ein großes Potential auch an der neuen Stelle im Ausland mit unüberwindbaren Schwierigkeiten konfrontiert zu werden, die schließlich das Scheitern des gesamten Projektes unausweichlich machen. Deutsche Chirurgie und das deutsche Gesundheitssystem gehören bekanntermaßen zu den besten der Welt und genießen neben der deutschen Politik und Wirtschaft hohes Ansehen und Respekt im Ausland. Dieser Vorteil kann von unschätzbarem Wert für die Tätigkeit im Ausland sein und kann entsprechend von interessierten und motivierten Kollegen genutzt werden.

Von Beginn meiner beruflichen Laufbahn an hatte ich den Weg ins Ausland, zunächst zum Studium in eines unserer Nachbarländer Frankreich, später dann aber auch nach Marokko und Argentinien zum PJ gewählt. Nach vielen Jahren der Weiterbildung und der Tätigkeit in leitender Position in Deutschland wurde der Wunsch noch einmal ins Ausland zu wechseln von Jahr zu Jahr größer und intensiver. Schließlich entschied ich mich im Jahr 2003 dem Ruf aus Dubai zu folgen, um dort für die Regierung die Dubai Health Authority und das Dubai Medical College zu arbeiten. Inzwischen bin ich in meinem zehnten Jahr als Chef in der Chirurgie in öffentlichen Krankenhäusern in Dubai – mit zahlreichen Aufgaben neben den klinischen – tätig. Nie habe ich den Schritt ins Ausland bereut, obwohl es nicht immer einfach war. Die Herausforderung weiter zu lernen und neue Dinge zu erleben sowie die Öffnung von zahlreichen Toren hier und in aller Welt haben deutlich die wenigen negativen Erlebnisse und den Mehraufwand an Verwaltung und Genehmigungsverfahren verdrängt.

Passion Chirurgie im Ausland ist somit für mich eine besondere und unverzichtbare Variante der Freude an unserem Beruf. Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Wege ermöglicht wurden und ich kann mir Chirurgie ohne diese speziellen Erfahrungen gar nicht mehr wirklich vorstellen. Die Entscheidung eine Auslandserfahrung erleben zu wollen ist natürlich eine sehr individuelle und kann nur von jedem einzelnen Chirurgen nach sorgfältiger Abwägung der Vorteile und Risiken getroffen werden. Aus meiner Sicht will ich gerne dazu beitragen Informationen zur Verfügung zu stellen, Kontakte zu knüpfen und Wege zu ebnen, um jedem interessierten Chirurgen oder Aus-/Weiterzubildenden in der Chirurgie diese Möglichkeiten öffnen zu können.

Somit wünsche ich ihnen viel Spaß beim Lesen der Ausgabe Passion ‘Deutsche Chirurgen im Ausland’.

Kollegiale Grüße

Rolf Hartung

The German Emirates Health Society
(Deutsch-Emiratische Gesundheits-Gesellschaft)

proudly announces its first international conference to be held from
3rd to 7th of March 2013 in Grand Hyatt Hotel Dubai

Supported by German Syrian Medical Society, UAE Ministry of Health, Hausaerzteverband Westfalen Lippe. In cooperation with Sharjah University, UAE University Al Ain, Dubai Hospital – Dubai Health Authority, and German-Arab Medical Association Hamburg.

The registration to the scientific program is free. 29 CME hours are expected from German Federal Medical Association.

Topics of the conference are

  • Visceral Surgery & Gastro-Enterology
  • Orthopedic & Trauma Surgery
  • Cardiology & Cardio-Thoracic Surgery
  • Gynecology
  • Diabetes
  • Ultrasound Course for beginners (DEGUM certified, 2 day course, 1000 AED, limited seats)

For more information contact Dr. Rolf Hartung by e-mail: [email protected]

Hartung R. Editorial Deutsche Chirurgen im Ausland. Passion Chirurgie. 2013 Februar; 3(02): Artikel 01.

Autor des Artikels

Assoc. Prof. Dr. med. Rolf Ulrich Hartung

Head of General Surgery in Dubai HospitalDubai Health Authority – Government of DubaiUnited Arab Emirates kontaktieren

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