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Liebe Leserinnen und Leser,

„Warum ein Titelthema über die Appendektomie?“ mag sich der ein oder andere von Ihnen sicher fragen. Die Appendektomie ist ein Eingriff mit langer Tradition und hat aufgrund seiner Häufigkeit eine herausragende Bedeutung für Patienten, Chirurgen und die chirurgische Aus- und Weiterbildung. Einerseits ist die Appendektomie mit jährlich über 120.000 Operationen der häufigste Notfalleingriff in der Chirurgie überhaupt und betrifft somit eine große Anzahl an Patienten, andererseits wird er in Kliniken aller Versorgungsstufen durchgeführt und muss flächendeckend jederzeit („24/7“) erfolgen können. Dies erfordert eine frühzeitige Implementierung in die chirurgische Aus- und Weiterbildung.

Die Appendektomie erfolgte lange Zeit in hoher Qualität in offener Technik, bis der Gynäkologe Kurt Semm 1983 den Eingriff erstmals laparoskopisch durchführte. Danach entbrannte eine lebhaft geführte Diskussion über die Wertigkeit der neuen, für die meisten Chirurgen ungewohnten Technik, bis sich die laparoskopische Appendektomie flächendeckend durchzusetzen schien. Darauf wiesen auch die durch das BQS-Institut für Qualität und Patientensicherheit bis 2003 durchgeführten Erhebungen mit einem Anteil von zuletzt ca. 40 Prozent hin. Gerade aufgrund der hohen Ergebnisqualität wurde die Auswertung dieses relevanten Eingriffs jedoch eingestellt, sodass seither keine sichere Aussage über die weitere Entwicklung der unterschiedlichen Techniken gemacht werden konnte. Inzwischen wurden zahlreiche Studien, unterschiedlichste Aspekte der Appendektomie betreffend, publiziert, sodass die „evidence-based“ Empfehlungen, qualitativ immer hochwertiger sind. Über die Umsetzung der Empfehlungen, auch der internationalen Fachgesellschaften, existierte jedoch in den vergangenen Jahren ein Erkenntnis-„gap“. Hier gibt der Artikel über die Umfrage an deutschen Kliniken Aufschluss über die derzeitige bundesweite Verbreitung der Operationstechniken und dem Standardvorgehen bei der konventionellen und laparoskopischen Appendektomie mit interessanten Ergebnissen. Auch zur kontrovers diskutierten Frage, ob eine intraoperativ makroskopisch unauffällige Appendix bei der Operation aufgrund primärem Verdacht auf eine akute Appendizitis entfernt werden soll, gibt die Umfrage ein bundesweites Stimmungsbild wieder. Viele Teilnehmer der Umfrage baten um Mitteilung der Ergebnisse und wir sind nun glücklich, diesem Wunsch hiermit nachkommen zu können.

Aber nicht nur aufgrund seiner langen Tradition, auch aufgrund inzwischen in die Klinik eingeführter Neuerungen bei der technischen Durchführung sowie beim Zugang zur entzündeten Appendix, ist eine erneute intensive Beschäftigung mit dem Thema Appendektomie von großer Wichtigkeit. Mit dem im Rahmen des Eingriffs entscheidenden Schritt, der Versorgung des Appendixstumpfes, beschäftigen sich daher die Kollegen Partecke und Diedrich aus Greifswald in ihrem Artikel und geben eine aktuelle Übersicht über die derzeit üblichen Techniken. Dabei wird auch die Wertigkeit der zunehmend verwendeten Clipversorgung beleuchtet. Stolz sind wir zudem, diesen Beitrag ganz im oben genannten Sinne der eminent wichtigen Fort- und Weiterbildung als CME- Artikel präsentieren zu können. Im bewusst sehr technisch gestalteten Artikel über die neuen NOTES-Verfahren hingegen, stellen u. a. die Kollegen Kähler aus Mannheim und Bernhardt aus Rostock ganz unterschiedliche Zugangswege zur Appendix im Rahmen der Appendektomie vor, die zunächst befremdlich anmuten mögen, auf den zweiten Blick aber durchaus einen Benefit über den rein ästhetischen Aspekt hinaus für die Patienten versprechen.

Der Kollege Sauerland aus Köln referiert und kommentiert für Sie aktuelle Publikationen, die sich mit der Diagnostik und der konservativen Behandlung der Appendizitis beschäftigen sowie das Risiko einer verzögerten Durchführung der Appendektomie eruieren. Die Verzögerung der Durchführung einer Appendektomie nach Diagnosestellung ist andererseits auch Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen, weswegen ich glücklich bin, dass wir einen Artikel unseres Justitiars Dr. Heberer zu der aktuellen Rechtssprechung präsentieren können.

Mein besonderer Dank gilt allen Autoren für die Erstellung und Bearbeitung der meines Erachtens sehr gelungenen und lesenswerten Beiträge, die die Qualität dieser Ausgabe von Passion Chirurgie ausmachen.

Ich hoffe, Sie neugierig auf die kommenden Artikel gemacht zu haben und wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe „Passion Chirurgie“. Vielleicht entdecken Sie dabei einen interessanten neuen Aspekt dieses traditionsreichen Eingriffs.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen,

Ihr Dirk Bulian

Bulian D. Appendektomie in Deutschland. Passion Chirurgie. 2013 April, 3(04): Artikel 01

Autor des Artikels

Dr. med. Dirk R. Bulian

Klinik für Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Klinikum der Universität Witten/Herdecke, Campus MerheimKliniken der Stadt Köln gGmbHOstmerheimer Str. 20051109Köln kontaktieren

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