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In Nürnberg wird vom ersten bis dritten März 2013 der dritte “Bundeskongress Chirurgie” stattfinden. Die Ausrichter sind BNC, BDC und BAO gemeinsam mit vielen anderen Berufsverbänden und wissenschaftlichen Gesellschaften. Der Kongress entwickelt ein Modell der sektorübergreifenden Kooperation zwischen dem klinischen und dem niedergelassenen Bereich, dem vor wenigen Jahren noch keine Chance auf Verwirklichung eingeräumt worden wäre. Damit ist es gelungen, Schritt für Schritt die nicht immer ganz spannungsfreie Dichotomie zwischen Klinik und Praxis abzubauen, Vertrauen zu entwickeln und die Themen zu diskutieren, die bei unterschiedlichen Schwerpunkten beide Bereiche interessieren. Dazu gehören in diesem Jahr die chirurgische Onkologie, ein unfallchirurgischer Schwerpunkt und typische Nachwuchsthemen.

So mancher Kongressbesucher und so manche Kollegin mag sich angeregt durch die Diskussionen vielleicht fragen, ob ein selbstbestimmtes Leben im niedergelassenen Bereich nicht durchaus eine Alternative darstellen könnte.

Dies gilt insbesondere dann, wenn man einen Blick in die Zukunft unseres Medizinsystems wagt. Die Folgen des demographischen Wandels erfordern ein Umdenken. Auch unter günstigsten wirtschaftlichen Bedingungen wird das medizinische Schlaraffenland, in dem wir uns so bequem eingerichtet haben, nicht finanzierbar bleiben.

Man wird nicht umhinkommen, durchdachte, realistische Szenarien zu entwickeln, die zeigen, wie Strukturen so zu verändern sind, dass man mit den vorhandenen finanziellen Ressourcen auskommt und dennoch eine Medizin auf höchstem, wissenschaftlich untermauertem Niveau bewahrt.

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Bereits ein kurzer Blick auf die Krankenhauslandschaft zeigt, wie wenig sich deren Strukturen mit den Anforderungen der Weiterbildung in den chirurgischen Säulen zur Deckung bringen lassen. Zieht man dann noch ins Kalkül, dass die Krankenkassen danach streben, möglichst viele Leistungen in den finanziell deutlich günstigeren ambulanten Bereich zu verlagern, erhebt sich die Frage, wie denn in absehbarer Zeit die Assistenten für die kleinen Häuser noch gewonnen werden sollen und wie eine gründliche chirurgische Weiterbildung erfolgen kann, ohne den ambulanten Bereich einzubeziehen. Mit dem jetzt vorgeschlagenen Zertifikatehandel werden geradezu abstruse Werkzeuge in die Diskussion eingebracht, die mehr an den Ablasshandel der Vorreformationszeit, denn an moderne Steuerungsinstrumente gemahnen – Werkzeuge, die in keiner Weise zielführend sind

Der BDC ist der Auffassung, dass die sektorübergreifende Versorgung, die mit dem neuen Gesundheitsstrukturgesetz zum handlungsleitenden Begriff geworden ist, zur Normalität werden wird. Klinik und niedergelassener Bereich werden in der Weiterbildung, aber auch in der Patientenversorgung, eng zusammenarbeiten und es werden sich ganz neue Strukturen entwickeln müssen, damit Spitzenmedizin bezahlbar bleibt. Der Bundeskongress, der niedergelassene Kollegen und Kolleginnen und Kliniker zusammenführt, sollte daher einen festen Platz im Terminkalender eines jeden Chirurgen einnehmen, der sich mit den eigenen Zukunftsperspektiven beschäftigt.

Bruch H.-P. Bundeskongress Chirurgie 2013. Passion Chirurgie. 2012 Dezember; 2(12): Artikel 03_01.

Bruch H.-P. Bundeskongress Chirurgie 2013. Passion Chirurgie. 2012 Dezember; 2(12): Artikel 03_01.

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Autor des Artikels

Prof. Dr. med. Hans-Peter Bruch

ehem. PräsidentBerufsverband der Deutschen Chirurgen e.V.Luisenstr. 58/5910117Berlin

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