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Erfahrungsbericht eines Kursteilnehmers

Dass die Chirurgie ein Fach mit Nachwuchsproblemen ist, ist sicherlich nicht jedem Mediziner bewusst. In den ersten Semestern sprechen noch viele Studenten von einem Traumjob in der Chirurgie, doch mit Fortschreiten des Studiums nimmt dieser Wunsch zunehmend ab. Zu sehr sind viele Studenten von den Arbeitszeiten, dem harten Umgangston oder der strengen Hierarchie abgeschreckt worden. Die in Deutschland durchgeführten Operationen werden in den kommenden Jahren steigen, nur wer soll diese durchführen? Laut aktuellen Hochrechnungen ist der zukünftige Bedarf an Chirurgen nicht gedeckt. So ergibt sich für die kommenden Absolventen zwar ein positiver Jobmarkt, doch das Grundproblem bleibt bestehen.

Um dem entgegenzutreten wurde die Nachwuchsförderung unter dem Titel „Nur Mut! Kein Durchschnittsjob: ChirurgIn“ vom Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) ins Leben gerufen und die Workshops sind seither bestens besucht. Aufmerksam wurde ich auf die Kampagne über die Internetseite www.chirurg-werden.de und entschied mich kurzentschlossen zur Teilnahme am Kurs im Berliner Langenbeck-Virchow-Haus. Zum Glück ließ ich mir mit meiner Entscheidung nicht viel Bedenkzeit, da der Kurs schon in Kürze ausgebucht war.

Somit befand ich mich am 22.10.2011 im Foyer der Aesculap Akademie und traf dort nicht nur auf Berliner Kommilitonen, sondern erhielt an der Anmeldung auch ein farbiges Namensschild, welches die Gruppen für die späteren Workshops einteilte. Bis zum Beginn der Veranstaltung kam ich sehr schnell mit den restlichen Teilnehmern ins Gespräch und man diskutierte über Berufswünsche, Erwartungen und die klinische Ausbildung an der jeweiligen Universität. Das Foyer wurde immer voller und beim Blick durch den Raum machte ich eine interessante Entdeckung, die Zeiten der männerdominierten Chirurgie könnten schon bald der Vergangenheit angehören, denn auch bei dieser Veranstaltung waren die männlichen Teilnehmer in der Minderheit.

Dr. med. Jörg Ansorg eröffnete die Veranstaltung als einer von vier Rednern, die den ersten theoretisch geprägten Teil der Veranstaltung ausmachten. Er verstand es, den humoristischen Charakter dieser Kampagne aufzugreifen und uns über die Thematiken der Nachswuchssorge, der chirugischen Weiterbildungen sowie der Verbindung von Familie und Beruf zu informieren, ohne uns mit Statistiken zu erschlagen. Die Atmosphäre im Seminarraum war sehr angenehm und das Interesse an den chirurgischen Fachdisziplinen wurde weiter bestärkt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stand im Fokus der Fragen aus dem Plenum. Offen wurden Themen, wie z. B. die Erwähnung des Kinderwunsches in einem Bewerbungsgespräch diskutiert. Dabei wurde klar, dass diese Kampagne mit modernen Ansichten und vielen Lösungsansätzen voranschreitet, aber womöglich noch nicht jeden potentiellen Arbeitgeber erreicht hat.

Herr Rainer Kübke, Dr. Matthias Krüger und Dipl. Med. Stefan Anders führten uns anschließend nicht nur durch ihr chirurgisches Fachgebiet, sondern schufen mit ihren Präsentationen und Fallbeispielen den fachlichen Rahmen sowie den klinischen Bezug zu den im zweiten Teil folgenden Workshops.

Die Workshops beinhalteten die drei Blöcke: „Übungen minimalinvasive Chirurgie“, „Naht- und Knotenkurs“ und „Thoraxdrainage“. Dank der Unterstützung der Firmen Aeskulap, BBraun und Covidien wurden wir freundlich durch die firmeneigenen Instruktoren angeleitet und hatten auch die Möglichkeit, mit modernsten Materialien zu üben.

Abb. 1: Die Studenten bei der simulierten Thoraxdrainage (22.10.2011).

Nach ca. 55 Minuten hatte Dr. med. Jörg Ansorg die undankbare Aufgabe, uns zur nächsten Station zu geleiten. Auch wenn die Vorfreude auf die kommende Station stets groß war, wurden die Teilnehmer von der praktischen Tätigkeit spürbar angesteckt und hätten sicherlich noch weitere Stunden an den Trainern verbringen können.

Bei der Abschlussrunde und dem anschließenden Imbiss über den Dächern von Berlin kam noch einmal der Kontakt zwischen den Klinikern und den vielen angereisten Studenten zustande und es konnten weitere offene Fragen geklärt werden.

Bestärkt in dem Wunsch ein chirurgisches Fach zu ergreifen und mit reichlich Lektüre ausgestattet, trat ich den Rückweg nach Greifswald an. Warum also die Reise zu einem der Workshops antreten? Ganz einfach, es macht nicht nur großen Spaß und lehrt einige theoretische und praktische Inhalte, die im Studium meist zu kurz kommen, sondern man wird für dieses Fachgebiet motiviert, sodass vielleicht dem ein oder anderen erst klar wird: ChirurgIn ist sicherlich kein Durchschnittsjob und auch nicht der leichteste und kürzeste Weg, aber es ist und bleibt ein lohnenswertes Ziel für jeden angehenden Mediziner.

Tank J. Workshop „Chirurgie zum Mitmachen“ am 22.10.2011 in Berlin. Erfahrungsbericht eines Kursteilnehmers. Passion Chirurgie. 2012 Januar; 2(1): Artikel 02_06.

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