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Geschlechterunterschiede bei Darmkrebs

Vorsorgezeitraum für Frauen muss verlängert werden

Etwa 60.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland neu an Darmkrebs, auch immer jüngere Menschen sind betroffen. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun weitreichende Geschlechterunterschiede bei dieser Tumorerkrankung. Dabei unterscheiden sich bei Mann und Frau nicht nur in Teilen die Wirkung von Chemo- und Immuntherapie, sondern auch Erkrankungshäufigkeit und -alter. Der Vorsorgezeitraum für Frauen müsse daher über das 75. Lebensjahr hinaus verlängert werden, erklärten Experten auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Künftig werde das Geschlecht, aber auch die Gen-Analyse eine entscheidende Rolle bei Therapieentscheidungen spielen.

Dick- und Mastdarmkrebs ist nach wie vor die zweithäufigste Tumorerkrankung bei Frauen und die dritthäufigste bei Männern in Deutschland. Zunehmend belegen Studien, darunter auch Resultate großer Register-Studien, einen Einfluss des Geschlechts auf die Vorsorge, Diagnostik und Therapie dieser Krebserkrankungen. „Dennoch haben die Erkenntnisse noch keinen Eingang in aktuelle Strategien gefunden“, stellt Professor Dr. med. Thomas Schiedeck fest, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). „Die gendergerechte Therapie bleibt daher ein wichtiges Anliegen.“

So leiden Männer häufiger als Frauen an Darmkrebs. Unter 100.000 Männern, die 2014 über 75 Jahre alt waren, gab es statistisch gesehen 7.477 Männer, die innerhalb der fünf vorangegangenen Jahre an Krebs erkrankt sind. Die Rate bei den gleichaltrigen Frauen lag bei 4.438 pro 100.000 Einwohner.

Frauen wiederum erkranken deutlich später und an anderen Darmabschnitten. Derzeit endet die krankenkassenfinanzierte Vorsorgeuntersuchung bei Frauen in einem Lebensalter von 75 Jahren. „Die Erkrankungsrate steigt danach aber nochmals an“, betont Schiedeck, der als Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie an den RKH Kliniken Ludwigsburg tätig ist. „Wir finden speziell bei älteren Frauen viele große Tumoren im rechtsseitigen Darm, die bei Darmspiegelung und Stuhltests nicht aufgefallen sind. Bei Frauen muss deshalb das Vorsorgefenster verlängert werden.“ Bei Männern hingegen beginne die Vorsorge ab dem Alter von 50 Jahren tendenziell zu spät.

Die wichtigste Maßnahme zur Heilung einer Darmkrebserkrankung bleibt die Operation. Neben einer Ernährungstherapie beeinflussen auch chemotherapeutische Konzepte die Operationschancen und Risiken. Auch hier – bei der Wirkungsweise oder dem Risikoprofil der Chemotherapie – spielt das Geschlecht der Betroffenen eine immer wichtigere Rolle. „Es gibt Situationen, in denen Darmtumoren bei weiblichen Patienten weniger auf eine Chemotherapie reagieren“, so Schiedeck. Dann stelle sich die Frage, inwiefern die Betroffenen durch eine genderbedingt schlecht wirkende Therapie unnötig belastet werden würden. „Diese Entscheidung hängt aber letzten Endes auch von dem individuellen genetischen Profil ab, nicht nur von dem Geschlecht, weshalb eine genetische Analyse immer wichtiger wird“, betont Schiedeck.
Den größten Einfluss hat das Geschlecht aktuellen Daten zufolge bei der Immuntherapie – dies liegt hauptsächlich in der unterschiedlichen Hormonproduktion bei Mann und Frau begründet.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie zertifiziert im Rahmen ihrer Qualitätssicherungsoffensive seit Jahren Kliniken und Zentren. „Aufbauend auf den Daten dieser Register werden künftig zusätzlich zu den bereits erhobenen Studienergebnissen noch weitere Erkenntnisse zu gewinnen sein“, hofft Schiedeck.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e.V. (DGCH), Luisenstr. 58/59,10117 Berlin, www.dgch.de, 04.120.2019.

 

Jahrestagung BDC|Mecklenburg-Vorpommern am 11.12.2019

Sehr geehrte Kolleginnen,
sehr geehrte Kollegen,

zur diesjährigen Mitgliederversammlung des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern laden wir Sie recht herzlich nach Greifswald ein. In diesem Jahr soll die Darstellung und Diskussion der strukturellen und personellen Entwicklung der Praxen und der Krankenhäuser vor dem Hintergrund aktueller Analysen und politischer Entscheidungen im Mittelpunkt unserer Zusammenkunft stehen.

Wir sind auch auf die diesbezüglichen Aussagen des Bundesvorstands anlässlich der Präsidiumssitzung in Berlin gespannt, die wir neben weiteren aktuellen berufspolitischen Fragen diskutieren wollen.

11. Dezember 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr
Brasserie Hermann
Gützkower Str. 1, 17489 Greifswald

Wir freuen uns wieder auf Ihre Teilnahme sowie auf einen lebhaften und konstruktiven Gedankenaustausch!

Ihr
Lutz Wilhelm
Vorsitzender BDC|Mecklenburg-Vorpommernam

Programm

Schaufenster Dezember 2019

Medizinklimaindex 2019: Stimmung der Ärzte in Deutschland weiterhin verhalten

Die Ärzte in Deutschland beurteilen ihre aktuelle und künftige wirtschaftliche Lage weiterhin zurückhaltend. Der aktuelle Medizinklimaindex (MKI) für Herbst 2019 liegt mit -0,5 Punkten leicht unterhalb des Durchschnitts. Damit liegt die Grundstimmung nun bereits seit zwei Jahren knapp im negativen Bereich.

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G-BA weitet Befugnisse des MDK aus und beschließt weitere Regelungen zu Qualitätskontrollen in Krankenhäusern

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Oktober weitere Regelungen zu Qualitätskontrollen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) in Krankenhäusern getroffen, dessen Bezeichnung ab dem 1. Januar 2020, vorbehaltlich des Inkrafttretens des MDK-Reformgesetzes, Medizinischer Dienst (MD) lautet. In dem Ergänzungsbeschluss zur MDK-Qualitätskontroll-Richtlinie, die im Dezember 2018 in Kraft trat, geht es um die Kontrolle der Einhaltung von Anforderungen an die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität, die von Krankenhäusern gemäß der G-BA-Richtlinien zur Qualitätssicherung zu
erfüllen sind.

Zu den Stellen und Institutionen, die den MDK mit der Qualitätskontrolle in einem Krankenhaus beauftragen können, gehören Qualitätssicherungsgremien auf Bundes- und Landesebene und die gesetzlichen Krankenkassen. Die Kontrolle erfolgt standortbezogen. Voraussetzung für die Beauftragung einer MDK-Qualitätskontrolle ist das Vorliegen konkreter und belastbarer Anhaltspunkte dafür, dass Qualitätsanforderungen gemäß bestimmter Richtlinien des G-BA nicht eingehalten werden. Solche Anhaltspunkte können sich beispielsweise aus implausiblen Angaben in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser ergeben oder aus mehrfachen Meldungen von Versicherten oder weiterer Personen zu bestimmten, einer Kontrolle unterliegenden Sachverhalten.

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Aktuelle BDC|Umfragen

Personalbemessung in der Chirurgie

Diese kurze Umfrage dient einer Erhebung des „IST-Zustands“ in Deutschland. Getriggert von den aktuellen Diskussionen um die Personaluntergrenzen in der Pflege machen wir uns für eine vergleichbare
Transparenz im ärztlichen Dienst stark!

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Bewerbung als leitender Chirurg: Konflikt zwischen Ökonomie und Chirurgie

Der Konflikt zwischen ökonomischem Druck und ärztlichen Zielsetzungen in der Chirurgie wird zunehmend in den Fach- und Laienmedien thematisiert. Der BDC führt deshalb eine wissenschaftliche Untersuchung durch, mit der Handlungsspielräume für ÄrztInnen in Führungsfunktionen aufgezeigt werden sollen. Grundlage ist eine (streng anonyme) Befragung leitender ÄrztInnen.

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BDC bei der Anhörung zum OTA-Reformgesetz

In dieser Woche fand die Anhörung zum Gesetzesentwurf über die Ausbildung für Anästhesietechnische Assistenten (ATA) und Operationstechnische Assistenten (OTA) vor dem Gesundheitsausschuss statt. Der BDC wurde von Geschäftsführerin Dr. med. Friederike Burgdorf vertreten. Insgesamt begrüßten die Gesundheitsexperten den aktuellen Entwurf, allerdings fehle noch die detaillierte Ausarbeitung zur Ausbildungsordnung, wodurch abschließend keine Bewertung der Ausbildungsziele erfolgen könne. Der BDC begrüßt die Ausbildungsreform ebenfalls (Stellungnahme zum Gesetzesentwurf), betonte aber erneut, dass die Delegation von Aufgaben an OTAs keine Substitution ärztlicher Leistung bedeuten dürfe.

Zur Stellungnahme des BDC.

© iStock/Koldunov

Klinik oder Praxis? Ambulante Medizin wird für Studierende immer interessanter

Immer mehr Medizinstudierende interessieren sich für eine Tätigkeit in der ambulanten Versorgung. Das ist ein Ergebnis des Berufsmonitorings der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, in dem rund 14.000 Nachwuchsmediziner zu ihren Erwartungen an ihre berufliche Zukunft befragt wurden.

Immerhin können sich 75 Prozent der Befragten eine ambulante Tätigkeit vorstellen. Allerdings fühlen sich mehr als 60 Prozent über die ambulante Praxis schlecht informiert. Das eingeschätzte Informationslevel über Anforderungen und Arbeitsbedingungen der ambulanten Versorgung ist der Studie zufolge im Vergleich zu 2014 noch einmal gesunken.

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Webinar-Termin im Januar 2020: S2k-Leitlinie „Typ B Aortendissektion“

Webinar S2k-Leitlinie „Typ B Aortendissektion“
30.01.2020, 18:00 Uhr
www.bdc-webinare.de

Seit September 2017 gibt es die BDC|Webinare (www.bdc-webinare.de). Bisher wurden auf der Plattform insgesamt 24 Leitlinien von Experten erfolgreich vorgestellt und besprochen. Jeden Monat wird von einem 45-minütigem Webinar eine chirurgisch relevante Leitlinie in ihren Grundzügen vorgestellt. Anschließend kann mit dem Referenten und anderen Teilnehmern via Chat diskutiert werden, selbstverständlich kostenfrei für alle BDC-Mitglieder. Und jede Teilnahme wird in der Regel mit zwei CME-Punkten zertifiziert.

Webinare im Archiv abrufen

Auch wenn einmal ein Termin verpasst wird, ist das kein Problem, denn der aufgezeichnete Vortrag mit Diskussion kann jederzeit aus dem Webinar-Archiv abgerufen werden.

Detaillierte Informationen und Termine zu diesem Lernangebot und allen Webinaren sind unter www.bdc-webinare.de zu finden.

Personalia Dezember 2019

Dr. med. Erik Allemeyer ist seit Oktober 2019 neuer Leitender Arzt der Sektion Proktologie, Kontinenz- und Beckenbodenchirurgie an den Niels-Stensen-Kliniken im Franziskus Hospital Harderberg in Georgsmarienhütte.

Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Reinhard Bittner wurde im September 2019 zum ordentlichen Professor des Hospital Surgery Department of Medical Faculty I. an die M. Sechenov First Moscow State Medical University ernannt. Die medizinische Fakultät ist die älteste Russlands, zu ihren bekanntesten Schülern gehörten Sergei Korsakow und Anton Tschechow, der nicht nur Arzt, sondern auch einer der bedeutendsten Schriftsteller Russlands war. Professor Bittners Aufgabe wird es sein, ein Hernienzentrum mit aufzubauen sowie junge Chirurgen im wissenschaftlichen Arbeiten zu unterrichten.

Prof. Dr. med. Thomas Carus wechselte zum 1. November 2019 vom Asklepios Westklinikum Hamburg nach Thuine. Der Facharzt für Allgemeinchirurgie, Gefäßchirurgie, Viszeralchirurgie und spezielle Viszeralchirurgie leitet dort die Allgemein- und Viszeralchirurgie am Elisabeth-Krankenhaus der Niels-Stensen-Kliniken.

Dr. med. Till Hasenberg leitet als Chefarzt neben der Klinik für Adipositas- und Metabolische Chirurgie am HELIOS Klinikum Niederberg in Velbert nun auch die Allgemein-, Viszeralchirurgie und Koloproktologie am HELIOS St. Elisabeth-Klinik Oberhausen.

Dr. med. Matthias Jacob ist seit dem 01. Oktober 2019 der neue Chefarzt der Unfallchirurgie, Orthopädie und Wiederherstellungschirurgie der München Klinik Neuperlach. Er leitete die Abteilung zuvor kommissarisch.

Dr. med. Alexandros Kantas übernahm zum 1. November 2019 die Leitung der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Helios Spital Überlingen. Er war zuvor Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg.

Dr. med. Michael Lipp ist Chefarzt der Klinik für Gastrointestinale und Colorektale Chirurgie, einem Bereich des neu entstandenen Departments für Chirurgie der Asklepios Klinik Barmbek. Der zweite Bereich, Klinik für Leber-, Gallenwegs- und Pankreaschirurgie, wird vom bisherigen Chefarzt Prof. Dr. med. Karl J. Oldhafer geführt.

PD Dr. med. Heiko Neuß, ehemals Geschäftsführender Oberarzt im Klinikum Bremerhaven Reinkenheide ist neuer Chefarzt der Chirurgie im DRK-Krankenhaus Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz.

Dr. med. Min-Seop Son, Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und spezielle Viszeralchirurgie und zuvor Oberarzt der Abteilung, leitet nun als Chefarzt die Allgemein-, Viszeral- und Minimal-invasive Chirurgie der WolfartKlinik in Gräfeling.

Bernd Schmitz ist der Chefarzt der neuen Abteilung für Orthopädie, Endoprothetik und Unfallchirurgie am Elisabeth-Krankenhaus in Thuine der Niels-Stensen-Kliniken.

Impressionen vom Nachwuchs-Kongress „Staatsexamen & Karriere“ in Berlin

Am 20. und 21. September 2019 fand der Nachwuchs-Kongress „Staatsexamen & Karriere“, den der BDC gemeinsam mit dem Berufsverband der Internisten (BDI) veranstaltet, in Berlin statt.

Neben Tipps und Tricks aus dem Klinikalltag steht der praktisch-mündliche Prüfungsteil der beiden Pflichtfächer Chirurgie und Innere Medizin im Zentrum der Veranstaltung.

Informieren Sie Ihren Nachwuchs: Der nächste Kongress „Staatsexamen und Karriere“ findet am 13. und 14. März 2020 in Frankfurt am Main statt.

Anmeldung und Information unter: www.staatsexamenundkarriere.de

IT-Sicherheit ist Chefsache!

Erpressersoftware, Hackerattacken oder Doxing, das „Absaugen“ von sensiblen Daten wie vor einiger Zeit von privaten Politiker-Telefonnummern, lösen viele sorgenvolle Diskussionen aus. Aber gegen solche und ähnliche Machenschaften kann man sich schützen. In Passion Chirurgie wollen wir uns in den nächsten Ausgaben mit unterschiedlichen Themenaspekten der Sicherheit elektronischer Daten beschäftigen. Am Anfang steht ein Interview mit Detlev Hrycej, Experte für Cyberversicherungen. Er weist unter anderem darauf hin, dass Hacker nicht die einzige Gefahr für Datenbestände sind.

Ecclesia med GmbH: Herr Hrycej, Anfang der 2000er-Jahre hat die Ecclesia Gruppe das Thema Cyberversicherungen in ihr Portfolio aufgenommen. Was gab damals den Ausschlag dafür?

Detlev Hrycej: Das Thema „Cyberversicherungen“ ist hierbei zu kurz gegriffen. Es geht letztlich darum, mit welchen Risiken unsere Mandanten im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung konfrontiert werden. Deshalb haben wir früh ein Projekt aufgelegt, um zunächst zu identifizieren, in welchen Versicherungssparten Datenrisiken überhaupt abgedeckt sind und wie diese Abdeckungen aussehen. In einem zweiten Schritt haben wir daraus Rückschlüsse für die notwendige Produktentwicklung gezogen.28

In den vergangenen Jahren sind sukzessive immer mehr Anbieter von Cyberpolicen auf den Markt gekommen. Die Produkte sind aber nicht oder nur schwer vergleichbar. Je nachdem aus welcher Sparte heraus die Produktentwicklung erfolgt, gibt es unterschiedliche Schwerpunkte und Definitionen des Versicherungsschutzes. Dies führt zu absoluter Intransparenz. Deshalb haben wir, auch unter dem Blickwinkel unserer umfangreichen Schadenerfahrung, nach sorgfältiger Analyse auf die Einrichtungen der Gesundheitswirtschaft und der Sozialwirtschaft zugeschnittene und sehr weitgehende, exklusive Versicherungskonzepte entwickelt, um die IT- und Cybergefahren absichern zu können.

Ecclesia med GmbH: Erst war die Datenschutz-Grundverordnung das große Thema, vor Kurzem dann gingen Hackerangriffe durch die Presse. Das Kreisklinikum Fürstenfeldbruck wurde durch eine Schadsoftware lahmgelegt und auch der Maschinenbaukonzern Krauss Maffei wurde schwer getroffen. Wie wirken diese Ereignisse bei den Kunden nach?

Detlev Hrycej: Das Thema der Ransomware-Attacken (IT-System wird gesperrt, um Lösegeld zu erpressen, d. Red.) begleitet uns schon länger. Vor Fürstenfeldbruck war 2016 das Lukaskrankenhaus Neuss in den Medien präsent. Insgesamt handelt es sich hier nach unserer Erkenntnis allerdings um ungerichtete Hackerattacken, die auch viele Unternehmen außerhalb der Gesundheitswirtschaft getroffen haben und deren Schaden wir begleitet haben.

Zwischenzeitlich hat es einen rapiden Bewusstseinswandel im Management der von uns betreuten Einrichtungen gegeben. Wurde früher das Thema IT-Sicherheit an die IT-Leitung delegiert, ist es jetzt ganz klar Chefsache! Zu diesem Bewusstseinswandel haben allerdings nicht nur die zunehmenden Attacken oder Erpressersoftwares beigetragen, sondern auch die geänderte Rechtslage. Sowohl das IT-Sicherheitsgesetz als auch die EU-Datenschutz-Grundverordnung haben die Anforderungen an das Management erhöht, einhergehend mit teils drastischen Strafen bei Nicht-Beachtung.

Ecclesia med GmbH: Welche Entwicklung lässt sich beim Thema Cyberschäden feststellen?

Detlev Hrycej: Die Nachfrage zu umfassendem Cyberversicherungsschutz hat sich deutlich erhöht. Allein in den vergangenen 13 Monaten haben wir eine Verdoppelung der Vertragsanzahl verzeichnet. Insgesamt haben wir mehr als 400 dieser Schadenfälle mit einem Gesamtaufwand von gut 4,5 Millionen Euro in Abwicklung. Schäden dieser Art nehmen zu. Der Aufwand, bezogen auf das Jahr 2018, liegt bei rund 1,35 Millionen Euro, dies entspricht rund 30 Prozent des Gesamtaufwands.

Wir sind schnell versucht, mit dem Thema Cyberrisiken Computerkriminalität, Viren, Würmer und Trojaner zu verbinden. Es gibt aber viele weitere und bekannte Gefahren durch Feuer, Wasser, Elementarschäden, Unachtsamkeiten und Bedienungsfehler etc. Diese Risiken führen täglich zu Schäden, die auch die IT-Infrastruktur unserer Mandanten betreffen. 58 Prozent der IT- und Cyberschäden in unserer Begleitung gehen auf diese Ursachen zurück; 42 Prozent beziehen sich auf Schadsoftware und Co.

Allein daraus ist abzuleiten, wie wichtig die richtige und dem Kunden nutzenbringende Versicherungstechnik ist. Die Konzepte der Ecclesia Gruppe sind modular aufgebaut, sie liefern dem Kunden Transparenz und insbesondere Wahlmöglichkeiten, damit der Versicherungsschutz individuell anhand der Gegebenheiten und des bestehenden Versicherungsschutzes des Unternehmens fachgerecht abgebildet werden kann, ohne Doppelversicherungen einzugehen.

Zur Person

Detlev Hrycej, Leiter der Arbeitsgruppe „Cyber“ in der Ecclesia Gruppe, zeigt im Interview Risiken für Manager und Unternehmen in der Gesundheits- und der Sozialwirtschaft auf. Hacker sind dabei nicht die einzige Gefahr für Datenbestände.

Die Fragen stellte:

Thorsten Engelhardt
Ecclesia med GmbH
BDC-Versicherungsservice
Ecclesiastraße 1-4
32758 Detmold
bdc-versicherungsservice@ecclesia.de

Weitere Artikel zu Cyberschäden, Cybersicherheit und Cyberversicherungen, siehe www.ecclesia.blog.

Ecclesia med GmbH: Wie ist es um die Risikoprävention bei den Kunden bestellt?

Detlev Hrycej: Prävention steht vor Risikotransfer! Denn was nützt eine Einbruchdiebstahlversicherung, wenn Tür und Tor offenstehen? Hier muss eine Standortbestimmung her. Nur durch ein systematisches Management der Cyberrisiken können die zentralen IT-Schutzziele Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität realisiert werden. Die gesetzlichen Anforderungen müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Ecclesia med GmbH: Was lässt sich in punkto Schutz überhaupt tun, die Angriffe werden ja offenbar immer perfider?

Detlev Hrycej: Den Kunden aus der Gesundheitswirtschaft bietet die Ecclesia Gruppe in Kooperation mit renommierten Beratungsunternehmen für IT-Sicherheit ein systematisches Cyber-Risk-Management an. Der Aufbau, auch dieser Exklusivkonzepte, ist modular. Basis ist immer ein Sicherheitscheck.

Um die Verwundbarkeit der IT-Infrastruktur einzugrenzen, muss das Management aber auch genau diese Prozesse und Strukturen in den Blick nehmen und überprüfen. Dafür gibt es sehr viele Möglichkeiten: von der Einführung eines Managementsystems für Informationssicherheit (ISMS) bis hin zur Zertifizierung beispielsweise von kritischen Infrastrukturen. All diese Möglichkeiten bieten wir unseren Mandanten. IT- und Datensicherheit sind Chefsache und nicht delegierbar!

Ecclesia med GmbH: Heißt das auch, dass Chefs unter Umständen selbst haften, wenn es zu Schäden kommt?

Detlev Hrycej: Datenrisiken sind erst in den vergangenen Jahren stärker zu einem haftungsrechtlichen Thema und somit auch zum neuen Haftungspotenzial für Manager geworden. Bisher ist dieses Risiko in keiner Vermögensschaden-Haftpflicht- oder D&O-Versicherung (Directors-and-Officers-Versicherung, d. Red.) umfassend abgesichert. Deshalb ist es – bei aller Komplexität – entscheidend, den Kunden so zu beraten, dass nicht nur das Cyberrisiko für das Unternehmen deutlich wird, sondern auch das zivil- und strafrechtliche Risiko der Geschäftsleitung, wenn sie ihrer Verantwortung für die Datensicherheit nicht gerecht wird.

Zur Absicherung der Unternehmen und der persönlichen Gefahren des Managements aus Datenrisiken müssen individuell zugeschnittene Versicherungskonzepte her, um umfassenden Schutz zu gewährleisten. Deshalb hat die Ecclesia Gruppe eigene und exklusive Produkte für die Gesundheits- und die Sozialwirtschaft entwickelt.

Hrycej D: IT-Sicherheit ist Chefsache! Passion Chirurgie. 2019 November, 9(11): Artikel 04_05.