04.07.2026 Akademie aktuell
Akademie aktuell: Eine Dekade Fortbildung in der BDC|Akademie – ein kurzer Rück- und Ausblick

Erfolgreiche chirurgische Fort- und Weiterbildung einer Akademie lebt in hohem Maße von einer kontinuierlichen Anpassung und Erweiterung des Programms an die sich verändernden Inhalte und Formate. Dies ist in erster Linie Folge einer unaufhaltsam voranschreitenden Spezialisierung aller chirurgischen Fachdisziplinen, der zunehmenden Digitalisierung der Lernangebote aber auch eines sich verändernden Lernverhalten der nachwachsenden Generationen.
Der in diesem Artikel zusammengefasste Rückblick skizziert die Veränderungen der letzten Dekade auf dem Gebiet der chirurgischen Fort- und Weiterbildung; die letzte Amtshandlung des ausscheidenden Akademieleiters ist ein Ausblick auf zukünftige Perspektiven für die BDC|Akademie.
Grundsätzliche Anforderungen an ein chirurgisches Fort- und Weiterbildungsprogramm
Die Gestaltung eines Akademie-Programms war und wird auch in der Zukunft immer von der zentralen Frage nach den zu vermittelnden Inhalten dominiert, die gewählten Formate für den Wissenstransfer stehen in zweiter Linie. Welche praktischen Fertigkeiten und theoretischen Kenntnisse müssen Chirurginnen und Chirurgen der unterschiedlichen Karrierestufen beherrschen, um den chirurgischen Alltag im Sinne einer qualitativ hochwertigen, effizienten und sicheren Patientenversorgung zu gewährleisten?
Auch chirurgische Fort- und Weiterbildung muss somit die Patient:innen klar im Blick haben – the needs of the patient come first. Dieser Fokus charakterisiert die DNA der BDC|Akademie, sie gilt für alle in der Akademie vertretenen chirurgischen Fachdisziplinen, alle Karrierestufen und Karrierepfade vom Berufseinsteiger bis zur Spezialistin, in der stationären Versorgung wie in der Niederlassung. Dieses Selbstverständnis spiegelt sich auch im aktuellen Programm der BDC|Akademie wider.
Auch zukünftige Chirurgengenerationen werden nicht ohne profunde anatomische und pathologische Kenntnisse auskommen, ein tiefes Verständnis der Morphologie bleibt Grundlage jedes chirurgischen Fachgebiets. Damit verbunden sind grundlegende praktische Fertigkeiten im Sinne des chirurgischen Handwerks, die differenzierte technische Ausgestaltung der weiteren manuellen Tätigkeit folgt der gewählten chirurgischen Spezialisierung. Der Stellenwert dieser theoretischen und praktischen Grundkenntnisse kann gar nicht genug betont werden. Denn die frühzeitige und intensive Vermittlung dieser Grundlagen bindet nicht nur den Nachwuchs nachhaltig an das chirurgische Fach, sondern ist auch Garant für eine spätere, erfolgreiche chirurgische Karriere. Hier hat sich die Nur-Mut-Kampagne, 2008 erstmals aufgelegt und dann bundesweit ausgerollt, als erfolgreiches Nachwuchsprogramm fest etabliert.
Durch die fulminante Entwicklung der operativen Techniken vom offenen zum als Standard akzeptierten minimalinvasiven und jetzt robotisch assistierten Operieren hat sich das Spektrum der zu lernenden praktischen Fertigkeiten über das Basistraining hinaus dramatisch ausgeweitet. Die langen Lernkurven einzelner Prozeduren zwingen die chirurgischen Fachdisziplinen in eine immer weiter verzweigte Spezialisierung. Dies bedeutet, dass die Lernkurven aus dem OP so weit als möglich in die Simulation vorverlagert werden müssen, eine Notwendigkeit, die durch die Programme chirurgischer Akademien unterstützt werden muss. Beispielhaft sei hier das 2021 implementierte BDC-Curriculum „Robotische Chirurgie“ angeführt, welches in seiner Art gegenwärtig ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt hat. Trotz aller begleitende Programme darf aber nicht vergessen werden, dass chirurgische Kernkompetenz immer noch und überwiegend in den Kliniken als „Training on the Job“ vermittelt und erlernt wird.
Bei der Vermittlung der notwendigen theoretischen Kenntnisse ist der Stellenwert der Fachgesellschaften und Berufsverbände ungleich höher. Hier haben sich in der letzten Dekade drei zentrale inhaltliche Felder in Abhängigkeit von der Karrierestufe voneinander abgegrenzt. Während bei den Berufseinsteigern das fallbasierte Lernen oftmals im Fokus steht, favorisieren Chirurginnen und Chirurgen auf Facharztniveau die evidenzbasierte kompakte Wissensvermittlung, so wie sie in den Facharztseminaren der BDC|Akademie und den Leitlinien-Webinare seit vielen Jahren angeboten wird. Je weiter die Karriere und damit der Grad der Spezialisierung voranschreitet, desto mehr wird ein Update mit den aktuellen Publikationen nachgefragt. Von der BDC|Akademie organisierte Sitzungen auf den großen Jahreskongressen mit interaktiven Vorstellungen der „Practice-Changing“ Publikationen durch anerkannte Experten sind exzellent besuchte Veranstaltungen. Ergänzt werden muss diese theoretische Wissensvermittlung auf allen Ebenen durch videobasiertes Lernen der Operationstechniken.
Digitalisierung chirurgischer Fort- und Weiterbildung
Wie alle Bereiche der Medizin war die letzte Dekade der Akademiearbeit geprägt durch die Transformation des Angebots von den Präsenzveranstaltungen in digitale Formate. Hierbei war die Coronapandemie der Jahre 2020 und 2021 nicht Auslöser dieser Entwicklung, sondern muss als Brandbeschleuniger eines sich bereits abzeichnenden Wandels bewertet werden. Dies lässt sich gut mit den steigenden Teilnehmerzahlen der Online-Veranstaltungen belegen. 2019 hatten gerade einmal 26 % der insgesamt 4.900 Teilnehmer ein Online-Format gebucht, Präsenzveranstaltungen dominierten eindeutig das Programm. Diese Rate erreichte 2025 mit 64 % bei insgesamt gleicher Teilnehmerzahl einen vorläufigen Höchststand.
Entscheidend für die BDC|Akademie war, dass bereits vor Beginn der Pandemie die strategische Entscheidung für den Aufbau einer neuen E-Learning Plattform getroffen wurde und damit der Akademie alle Möglichkeiten für den Aufbau von Online-Programmen offenstanden. So sind in den letzten zehn Jahren alle gängigen Online-Formate erfolgreich mit in das Akademie-Programm integriert worden. Hierzu gehören mittlerweile als BDC-Klassiker die Facharztseminare für alle Säulen der Chirurgie. Neu aufgenommen wurde 2017 das Programm der Leitlinien-Webinare mit der monatlichen Vorstellung einer aktuellen AWMF-Leitlinie. An den 95 bis Ende 2025 vorgestellten Leitlinien nahmen 15.600 Chirurginnen und Chirurgen live oder im Nachgang über die BDC|eAkademie teil. Gleiches gilt für den 2022 ins Programm aufgenommen Podcast Surgeon Talk. Hier wurde im März 2026 die 100. Folge online gestellt, die Anzahl der treuen Follower in den sozialen Medien wird dieses Jahr die 5.000 überschreiten.
Auch wenn sich durch die Digitalisierung der Formate die Inhalte nicht grundsätzlich geändert haben, ist die erzielte Reichweite, wie die Teilnehmerzahlen belegen, ungleich größer. Aber – auch das haben Umfragen der BDC|Akademie gezeigt – Präsenzveranstaltungen behalten ihren Stellenwert, da die unmittelbare, persönliche Kommunikation über alle Altersklassen hinweg weiterhin als wichtig für die individuelle Fort- und Weiterbildung erachtet wird. So bleibt bei der Gestaltung der BDC-Jahresprogramme der gesunde Mix zwischen Online- und Präsenzveranstaltungen eine der wesentlichen Herausforderungen.
Zu beobachten ist, dass sich in der letzten Dekade über Social Media und Messenger-Dienste weitere Formen der Fort- und Weiterbildung entwickelt haben, die in ihrer Vielfalt kaum mehr zu überschauen und inhaltlich ohne jede Qualitätskontrolle durch Fachgesellschaften oder Berufsverbände abrufbar sind. Auch in diesem Bereich sagt jeder, was er meint, sagen zu müssen. Da viele dieser Angebote trotz oftmals erheblicher Produktionskosten unentgeltlich für den User auf dem Markt gehen, hat sich mit diesen konkurrierenden Produkten für die BDC|Akademie ein weiteres Spannungsfeld aufgetan. Diese zunehmende ökonomische Bürde lässt sich in Zeiten knapper Ressourcen nur auflösen, wenn Berufsverbände, Fachgesellschaften, Verlage und Partner aus der Industrie eng kooperieren, synergistische Effekte nutzen und – noch wichtiger – Redundanzen auf dem Fort- und Weiterbildungsmarkt vermeiden.
Getriggert wurde die Digitalisierung der Fort- und Weiterbildung aber nicht nur durch die technischen Möglichkeiten, sondern auch den Anspruch der jüngeren Generationen, hier insbesondere die Millennials (Generation Y). Diese Generation, die jetzt mit Abschluss der Facharztweiterbildung in die chirurgisch verantwortlichen Positionen aufsteigt oder dort schon angekommen ist, hat nicht nur durch ihre digitale Prägung über Social Media, sondern auch durch gelebte Globalisierung, die geforderte Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen und die viel diskutierte Work-Life-Balance erheblichen Einfluss auf die chirurgische Fort- und Weiterbildung auch der BDC|Akademie genommen. So ist es nur folgerichtig, auch zukünftige Angebote an das digitale Selbstverständnis der folgenden Generation Z anzupassen. Die Visualisierung von Lerninhalten wird hier einen zentralen Stellenwert einnehmen.
In eigener Sache
Die hier nur kurz skizzierten Anpassungen eines Akademie-Programms finden in immer kürzeren Zeiteinheiten statt und sie erfordern nicht zuletzt deshalb immer wieder die kritische Frage nach der strategischen Ausrichtung der Akademie. Hierzu gehört auch ein unvoreingenommener Blick auf das gesamte Konzept durch neue Köpfe an der Spitze einer Akademie. Ein solcher Wechsel, lange geplant und gut vorbereitet, steht jetzt beim BDC an. Nach über zehn Jahren als Leiter der Deutschen Akademie für Fort- und Weiterbildung übergebe ich mein Amt zum 01. Juli 2026 an die nächste Generation. Es war für mich ein Privileg, das Programm dieser renommierten Fortbildungsakademie ohne Einschränkungen durch Geschäftsführung und Vorstand über so viele Jahre gestalten zu dürfen. Bei der zentralen Aufgabe dieser Dekade, die digitale Transformation des Akademie-Programms, habe ich selbst viel gelernt. Mein Dank gilt allen Mitarbeiter:innen der BDC|Akademie, im Besonderen dem immer loyalen Chief Management Sylvia Joachimi, die mit großer digitaler Kompetenz viele innovative Konzepte für die Akademie umgesetzt hat. Übernehmen wird die Leitung der BDC|Akademie Prof. Dr. Andreas Kirschniak. Ihm wünsche ich für diese spannende Aufgabe viel Erfolg.
Schröder W: Eine Dekade Fortbildung in der BDC|Akademie – ein kurzer Rück- und Ausblick. Passion Chirurgie. 2026 Juli/August; 16(07/08): Artikel 04_01.
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