20.01.2026 Politik
12. D-Arztforum in Dortmund

Klare Kante in der Gesundheitspolitik und neue Impulse für die Unfallversorgung
„Das wird stark“, hatte BDD-Präsident Dr. Jens-Peter Stahl im Vorfeld versprochen – und er sollte Recht behalten. Vom 4. bis 6. Dezember 2025 versammelten sich Durchgangsärztinnen und -ärzte, deren ständigen Vertreter und Vertreterinnen sowie Vertreter der gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des BNC zum 12. D-Arztforum in Dortmund. Inhaltlich bot das Forum ein breites Spektrum seitens der Ärztekammer und der DGUV zertifizierter Fortbildungen in der Kindertraumatologie, Begutachtung und im Rehamanagment.
In der Kindertraumatologie wurden neben den immerwährenden Themen typischer Verletzungen und deren Behandlung vor allem auch das Management von Komplikationen offen angesprochen und diskutiert.
In der Begutachtung erläuterten Experten aktuelle Urteile und gaben praktische Tipps für die rechtssichere Erstellung von Gutachten, einem Bereich, der für viele D-Ärzte zunehmend an Komplexität gewinnt.
In der Session Rehamedizin und Rehamanagment wurden unter anderem neue digitale Konzepte in der Nachbehandlung von Unfallverletzen vorgestellt.
Alle drei Kurse waren mit hochrangigen Referenten besetzt und das Niveau der Veranstaltung lag entsprechend hoch, was von den Teilnehmern auch sehr wertschätzend kommuniziert wurde.
Die politische Positionierung des Durchgangsarztes in einem zunehmend digitalisierten und ökonomisch angespannten Gesundheitswesen stand in diesem Jahr im Fokus. Die Stärkung und Abgrenzung des SGB VII zum SGB V wurde eindringlich gefordert, um die hohe Qualität der Versorgung gesetzlich Unfallversicherter weiter gewährleisten zu können. So dürfen etwa Regelungen des SGB V nicht einfach in den Wirkungsbereich des SGB VII übernommen werden. Der Nachwuchs in der D-Arzt Praxis muss zudem mehr angesprochen werden, um das System der Behandlung Unfallverletzter weiter flächendeckend aufrecht erhalten zu können. Dies bedeutet auch, dass die ambulante D-Arztpraxis in die Ausbildung des Nachwuchses miteinbezogen werden sollte.
Politischer Vormittag: Dialog auf Augenhöhe
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war der „Politische Vormittag“ am Samstag, den 6. Dezember. In einer Zeit, in der die ambulante und stationäre Notfallversorgung gleichermaßen unter Druck stehen und neue Strukturen z. B. in den Zentralen Notaufnahmen eingeführt wurden und stetig geschärft werden, betont der Bundesverband der Durchgangsärzte e. V., dass den Anforderungen der unfallchirurgischen Primärversorgung u. a. mit der Aufgabe der primär hoheitlichen Tätigkeit des D-Arztes Rechnung getragen werden muss. Diskutiert wurde diesbezüglich auch die Umsetzung der durchgangsärztlichen Versorgung in der Zentralen Notaufnahme eines Hauses als organisatorische Herausforderung, da die strengen formalen Vorgaben der DGUV mit den hochfrequenten Abläufen einer interdisziplinären Zentralen Notaufnahme in Einklang gebracht werden müssen. Die Umsetzung dieser Prozesse sollten in den einzelnen Häusern durch die DGUV überwacht werden. Die primäre Diagnostik und Versorgung eines Unfallpatienten bedarf eines Unfallchirurgen, eines weisungsungebundenen D-Arztes!
Diskutiert wurden die aktuellen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, die die Arbeit der D-Ärzte massiv beeinflussen. Eine zentrale Forderung blieb die angemessene Honorierung hochspezialisierter Leistungen, die D-Ärzte täglich erbringen. „Wir sind Partner der DGUV, aber wir brauchen eine Partnerschaft, die auch die wirtschaftlichen Realitäten der Kliniken und Praxen abbildet“, so der Tenor der berufspolitischen Debatten. Während die Einnahmen nach der Reform der UV-GOÄ im Juli 2025 um 4,41 % gestiegen sind, so liegen die Kostensteigerungen für Personal, Material und Energie eher im Bereich von 8–10 %.
Die Anwesenheit von Vertretern aus Politik und Selbstverwaltung auf dem D-Arzt-Forum ermöglichte einen direkten und konstruktiven Schlagabtausch über die Zukunft des berufsgenossenschaftlichen Heilverfahrens. Alle Teilnehmenden waren sich darüber einig, dass es sich bei dem Heilverfahren auf der Basis des SGB VII um ein System mit einer hohen Qualität und Struktur handelt, das unbedingt zukunftssicher weiterentwickelt werden und sich zudem eindeutig von den Maßgaben des SGB V abgrenzen muss. Das verfahren ist hocheffizient, was sich auch in den Bemühungen um eine stete Ausweitung der Versicherten (Bundespolizei, Bundeswehr) zeigt.
Diesbezüglich ist die Situation spezialisierter D-Arzt-Praxen und -Kliniken von einem erheblichen Kostendruck gekennzeichnet, um den hohen Anforderungen einer qualitativ hochwertigen Versorgung der Verletzten mit allen erforderlichen Mitteln gerecht werden zu können. Es gilt wirksam drohendem Personalmangel und Leistungseinschränkungen entgegenzuwirken.
Eine wirkliche Weiterentwicklung ist im ambulanten, aber auch stationären Bereich nur mit gemeinsamer Anstrengung aller Durchgangsärzte und ihrem Engagement möglich.
Networking in westfälischer Atmosphäre
Dass der kollegiale Austausch nicht zu kurz kam, dafür sorgte das Rahmenprogramm. Der Tagungsort in den Räumlichkeiten der traditionsreichen Dortmunder Actien-Brauerei bot den passenden Hintergrund für das „Get-together“ im historischen Sudhaus am Freitagabend. In persönlichen Gesprächen über Sektorengrenzen hinweg tauschten sich Niedergelassene und Klinikärzte bei hervorragender italienischer Musik über die Versorgungsrealitäten aus.
Fazit
Das 12. D-Arzt Forum hat erneut bewiesen, dass es mehr ist, als eine reine Fortbildungsveranstaltung. Es ist das zentrale Sprachrohr einer Berufsgruppe, die als Rückgrat der traumatologischen Versorgung in Deutschland fungiert. Mit einem klaren Auftrag für die politische Arbeit und frischem Fachwissen im Gepäck blicken die Teilnehmer nun auf das kommende Jahr 2026.

Korrespondierender Autor:
Dr. med. Dirk Arbter
Orthospine Magdeburg
Lübecker Straße 32
39124 Magdeburg

Dr. med. Jens-Peter Stahl
Direktor
Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Klinikum Dortmund gGmbH
Gesundheitspolitik
Arbter D, Stahl JP: 12. D-Arztforum in
Dortmund. Passion Chirurgie.
2026 Januar/Februar; 16(01/02):
Artikel 05_03.
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12.03.2018 Politik
AWMF fordert Gesundheitspolitik auf Basis evidenzbasierter Medizin
Das Patientenwohl soll für die künftige Bundesregierung der entscheidende Maßstab aller gesundheitspolitischen Entscheidungen werden. Die AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) e. V. begrüßt diese Aussage im neuen Koalitionsvertrag, kritisiert jedoch, dass unerwähnt bleibt, auf welcher Basis gesundheitspolitische Entscheidungen künftig getroffen werden sollen. Die wissenschaftliche Medizin und die Notwendigkeit wissenschaftlich belegbarer Maßnahmen ist mit keinem Wort erwähnt. Patientenwohl kann nur dann erreicht werden, wenn sich künftige gesundheitspolitische Entscheidungen an wissenschaftlichen Fakten orientieren: Nur wenn nachweisbar ist, dass eine gesetzgeberische Maßnahme im Gesundheitswesen im Sinne der evidenzbasierten Medizin ausreichend, zweckmäßig und notwendig ist, dient sie auch dem Wohl von Patientinnen und Patienten. Um das zu gewährleisten, ist eine enge Zusammenarbeit mit der wissenschaftlichen Medizin – wie sie in der AWMF versammelt ist – unverzichtbar. „Wir müssen mehr und früher als bislang in gesundheitspolitische Entscheidungen einbezogen werden“, fordert AWMF-Präsident Professor Dr. med. Rolf Kreienberg. Zwar wird im Koalitionsvertrag betont, dass der Dialog auch mit der Wissenschaft intensiviert werden muss, die evidenzbasierte Medizin findet als Grundpfeiler einer wissenschaftlich begründeten Prävention, Diagnostik und Therapie in dem 177-Seiten starken Vertrag jedoch keinerlei Erwähnung. Das sieht die AWMF angesichts der zu lösenden Aufgaben äußerst kritisch. „Die alternde Gesellschaft, die Zunahme chronischer Erkrankungen, Antibiotika-Resistenzen, aber auch die Digitalisierung und der Nachwuchsmangel in vielen Teilen der Medizin stellen uns vor große gesamtgesellschaftliche Herausforderungen“, so Kreienberg. Diese seien nur zu bewältigen, wenn die künftige Bundesregierung bei gesundheitspolitischen Entscheidungen die Ebenen und Akteure einbinde, die die höchste Kompetenz und Expertise zu einem Thema mitbringen. In der AMWF mit ihren 177 wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften sind alle medizinischen Fächer, die meisten interdisziplinären Themenbereiche und neben Ärzten auch weitere Gesundheitsberufe vertreten. Von diesen wird Wissen gemäß der evidenzbasierten Medizin entwickelt, evaluiert und verbreitet. Daraus entstehen unter anderem Leitlinien, die heute die Basis des ärztlichen Handelns darstellen. Die AWMF garantiert daher mir ihren Aktivitäten und Akteuren eine Gesundheitsversorgung, bei der die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin auf alle Gesundheitsberufe und alle Versorgungsbereiche angewandt werden. Die AWMF begrüßt auch das Anliegen der Koalitionsparteien, die Gesundheitsforschung auszubauen. Damit haben diese eine zentrale Forderung der AWMF in ihrem künftigen Regierungsprogramm verankert. Doch auch hier komme es auf die Ausgestaltung an: Hochschulmedizin, Versorgungsforschung und Medizininformatik können nur im Sinne der Patienten gestärkt werden, wenn auch hier die Grundpfeiler der wissenschaftlichen Medizin zum Maßstab des Handelns werden. Dazu gehöre, dass wissenschaftliches Arbeiten innerhalb der Medizin in Ausbildung und Beruf einen höheren Stellenwert bekomme, wissenschaftliche Studien und Netzwerke gefördert, die individuellen Bedürfnisse der Patienten und das Erfahrungswissen der Experten regelmäßig abgefragt werde und in Aktivitäten einfließen. „Dafür ist die AWMF in Deutschland das Expertengremium, das sich im Interesse des Patientenwohls gerne in die künftige Regierungsarbeit einbringt“, betont Kreienberg.
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