Zurück zur Übersicht

Zur Januar-/Februarausgabe 20256 | PASSION CHIRURGIE

Die Chirurgie – auch die deutsche – strotzt vor Heldengeschichten. Billroths Magenresektionen, die Entwicklung der Laparoskopie, Küntschners Marknagel, der erste bewegliche prothetische Arm oder die erste Herztransplantation gehören zu den wichtigsten Meilensteinen der internationalen Medizingeschichte. Selbst die erste dokumentierte ärztliche Tätigkeit – die prähistorische Trepanation – war eine chirurgische Maßnahme. In dieser Tradition kann man sich in der operativen Handlung jederzeit verlieren. Der Rausch der Tat vergisst dann schnell die Funktionalität des Patienten als Primat des Erfolgs. Und so folgen wir in der Community auch leuchtenden Irrwegen – von der selektiven Vagotomie oder der minimalinvasiven Schilddrüsenchirurgie spricht heute keiner mehr, von SILS oder Notes nur noch sehr wenige. Chirurgen treiben den medizinischen Fortschritt voran, bleiben dabei aber auch sensationslüstern. Der Hustle um die robotisch-unterstützen Eingriffe hält noch an, obwohl aktuell ziemlich klar zu sein scheint, dass die Vorteile der auch in Deutschland schwer zu finanzierenden Eingriffe, die lediglich für einen Bruchteil der Weltbevölkerung relevant werden könnten, bis jetzt nur sehr schwer messbar sind.

Hinter diesen Epen von Technik und Talent geraten stillere Erfolgsgeschichten ohne ausreichenden Glanz schnell in den Hintergrund. Die Fortschritte in der perioperativen Medizin sind ein solcher Hidden Champion, dem immer noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ohne zu viel Aufwand sind mit konsequenter Prähabilitation, cleverem „Perioperativum“ und orchestrierten Prozessen medizinische und auch finanzielle Erfolge zu zeitigen, die Mitarbeitende der in der Chirurgie klassisch starken Medizinprodukte-Industrie erblassen lassen. Man muss den Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe von Herzen danken, dass sie nicht müde werden Ihre Ergebnisse zu präsentieren. Sie gehören zu den stilleren Helden des „épos cheirourgikó“, die alle kennen sollten.

Krones CJ: Stille Heldengeschichten. Passion Chirurgie. 2026 Januar/Februar; 16(01/02): Artikel 01.

Autor:in des Artikels

Profilbild von Krones

Prof. Dr. med. Carsten Johannes Krones

Leiter BDC-Themen-Referat Presse- und ÖffentlichkeitsarbeitMitglied des erweiterten BDC-VorstandsMitglied BDC-Themenreferat Krankenhausstrukturen, sektorenübergreifende Versorgung und NachhaltigkeitChefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, ProktologieKrankenhaus Düren gem. GmbH

kontaktieren

Weitere aktuelle Artikel

PASSION CHIRURGIE

Passion Chirurgie: Perioperatives Management

Perioperatives Management steht im Fokus der aktuellen Ausgabe. Drei Fachbeiträge

Passion Chirurgie

Lesen Sie PASSION CHIRURGIE!

Die Monatsausgaben der Mitgliederzeitschrift können Sie als eMagazin online lesen.