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Der demographische Wandel wird das künftige Behandlungsangebot und damit die Organisationsstrukturen unserer Krankenhäuser verändern. Auch die Patientensicherheit muss und wird sich an der Gesellschaft der alten Menschen orientieren. Das Statistische Bundesamt rechnet in etwa 50 Jahren mit rund 10 Millionen Menschen über 80 Jahre im Land (2013 waren es 4,4 Millionen) und mit einem Gesamtbevölkerungsanteil der über 65-Jährigen von 32 Prozent.

Durch eine systematische Auswertung und Analyse von Schadenereignissen in der ambulanten und stationären Patientenversorgung wissen wir, dass bestimmte Ver¬sorgungsbereiche durch Risiken gekennzeichnet sind, die mit geeigneten Prä-ventionsmaßnahmen kompensierbar sind. International werden beispielsweise die Geburtshilfe, die Traumatologie oder die Anästhesiologie als Hochrisikodisziplinen klassifiziert. In diesen Fächern wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche wirkungsvolle Sicherheitsmaßnahmen für perioperative Prozesse oder für die Notaufnahme von Patienten installiert.

Demgegenüber ist das Risikomanagement im Versorgungsbereich alter Menschen weniger erforscht und steht nicht in gleichem Maße im Fokus der systematischen Prävention. Die Auswertung einer umfangreichen Schadendatenbank zu Behandlungsfehlern aus Deutschland zeigt (Quelle: Ecclesia Versicherungsdienst 2018), dass Patienten höheren Alters häufiger Opfer eines Behandlungsfehlers werden, die Schadenersatzsummen mit zunehmendem Alter allerdings abnehmen. Hierfür sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Für die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen sind die qualitative Auswertung der Schadenereignisse und die Identifizierung der Ursachen von entscheidender Bedeutung.

Der Anteil der über 75-Jährigen an den Krankenhauspatienten betrug 2017 27,6 Prozent. Aber 55 Prozent der Patienten, die während des Krankenhausaufenthaltes einen Schaden durch einen Sturz davontrugen, waren älter als 75 Jahre. Schäden durch eine unzureichende Druckentlastung verteilten sich zu 44 Prozent auf die Gruppe der über 75-Jährigen und von folgenreichen Überwachungsfehlern waren 29 Prozent dieser Patientengruppe betroffen.

Auf der Grundlage der zitierten Schadendatenbank sind vor allem die folgenden Präventionsbereiche relevant:

  • Vermeidung von Sturzereignissen,
  • Vermeidung von Druckulzerationen,
  • Arzneimitteltherapiesicherheit, insbesondere die Vermeidung der Risiken einer Polypharmazie,
  • Orientierungshilfen für Patienten mit dementiellen Erkrankungen,
  • Infektionsprävention,
  • Vermeidung von Diagnosefehlern bei erhöhter Multimorbidität betagter Patienten und
  • Überwachung alter Menschen im perioperativen Prozess mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Delirprophylaxe.

Aufgrund von häufig auftretenden Mehrfacherkrankungen sind hochbetagte Patienten eine besondere Risikogruppe in der komplexen, aber auch sehr stark zergliederten Gesundheitsversorgung. Im Risikomanagement alter Menschen fällt neben den Therapeuten insbesondere den Angehörigen eine besondere Rolle als Sicherheitsagenten zu. Diese Funktion muss vom therapeutischen Team aktiv unterstützt werden.

Grundsätzlich gelten patientenorientierte Prinzipien für die Weiterentwicklung der Patientensicherheit, nach denen in Einrichtungen der Gesundheitswirtschaft eine systemorientierte Perspektive die fehlerorientierte Sicht bei der Prävention abgelöst hat. Für ältere Patienten ist insbesondere ein transsektoraler Sicherheitsansatz notwendig, da häufiger ein Wechsel innerhalb verschiedener Einrichtungen notwendig wird (ambulante Pflege, Krankenhaus, Rehabilitation…). Und schließlich sollte sich die sicherheitsfördernde Unterstützung an den Stärken und Potenzialen hochbetagter Patienten und weniger an den Defiziten orientieren.

Gausmann P: Safety Clip: Patientensicherheit für ältere Patienten. Passion Chirurgie. 2019 Februar, 9(02): Artikel 04_03.

Autor des Artikels

Dr. Peter Gausmann

GeschäftsführerGRB Gesellschaft für Risiko-Beratung mbHKlingenbergstr. 432758Detmold kontaktieren

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